14. Oktober 2019

„Im Nach­mit­tags­ma­ga­zin von ARD, ZDF, Spie­gelTV und Phoe­nix mach­ten sich die Repor­ter auf zu eine Stra­ßen­um­fra­ge, um zufäl­lig pas­sie­ren­den Pas­san­ten die Fra­ge zu stel­len: ‚Was wür­den Sie gern der Bun­des­kanz­le­rin sagen?’
Mit so einer Ant­wort, wie sie die­ser Mann gab, hat wohl kei­ner gerech­net, er sag­te: ‚Sie sind verhaftet.’ ”

Solan­ge dem mit eini­gem Abstand bes­ten deut­schen Sati­ri­ker die Gal­le so süß wird…

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Was hat den Hal­len­ser Juden das Leben geret­tet? Abschottung!

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Der Guar­di­an ist prak­tisch die eng­lisch­spra­chi­ge Süd­deut­sche.

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Sie alle ken­nen –, nein, nicht die wil­de Schwer­mut, die uns bei der Erin­ne­rung an Zei­ten des Glücks ergreift, son­dern die Ankün­di­gung, ein Buch erschei­ne gera­de zur rech­ten Zeit oder, noch ter­min­ge­nau­er, zum rich­ti­gen Augen­blick. Eine sol­che Schrift ist die ers­te Publi­ka­ti­on der Jüdi­schen Bun­des­ver­ei­ni­gung in der AfD, kurz JAfD, erschie­nen unter dem Titel: „Was Juden zur AfD treibt”.

Ich hat­te die Gele­gen­heit, die Grün­dungs­pres­se­kon­fe­renz der JAfD live zu erle­ben. Beim anschlie­ßen­den Fra­ge-Ant­wort-Spiel tra­ten die Medi­en­ver­tre­ter rou­ti­niert auf die übli­chen mora­li­schen Hüh­ner­au­gen und ver­such­ten, die gewohn­ten Refle­xe aus­zu­lö­sen. Der Effekt war gleich Null; die auf dem Podi­um blie­ben völ­lig unbe­ein­druckt und zogen statt­des­sen so elan­voll vom Leder, dass eini­gen Jour­na­lis­ten ganz blü­merant zumu­te gewe­sen sein mag. Eure Tabus sind nicht unse­re, lau­te­te die fro­he Bot­schaft, wenn ihr jeman­den ins Bocks­horn jagen wollt, sucht euch dafür jemand anders.

Die­sel­be Liber­ti­na­ge herrscht in der JAfD-Bro­schü­re. Nach den Maß­ga­ben der Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie – Mann beißt Hund – müss­te das Büch­lein der­zeit durch sämt­li­che Medi­en geis­tern, aber eine wirk­lich freie Pres­se ent­schei­det natür­lich ganz allein, was sie the­ma­ti­siert und was nicht. Der Titel ist über­aus prä­zi­se gewählt: Was Juden zur AfD treibt – treibt, wohl­ge­merkt, nicht unbe­dingt zieht. Nach dem Anschlag auf die Syn­ago­ge in Hal­le waren im Netz ver­ein­zel­te Kom­men­ta­re von AfD-Leu­ten zu lesen, der Art, es sei­en zu Hal­le doch Deut­sche umge­bracht wor­den und kei­ne Juden, war­um drü­cke sich die Kanz­le­rin dann in einer Syn­ago­ge her­um (über die Ver­lo­gen­heit die­ser Ges­te habe ich mei­nen Teil gesagt), womit Juden also gewis­ser­ma­ßen die deut­sche Volks­zu­ge­hö­rig­keit abge­spro­chen wur­de. Ob das nun däm­lich oder anti­se­mi­tisch ist, will ich nicht ent­schei­den müs­sen; auch hier gilt der Satz, man möge nicht gleich Bos­heit unter­stel­len, wo Blöd­heit als Grund hin­reicht. Selbst­re­dend gibt es in der AfD Anti­se­mi­ten, viel­leicht nicht ganz so vie­le wie bei den Lin­ken, Grü­nen und Sozen, jedoch aus­rei­chend vie­le, um sich als Jude nicht direkt bzw. rund um die Uhr ange­zo­gen zu fühlen.

Aber hier geht um die Trei­ber. Einer der Autoren, Wolf­gang Fuhl, stell­ver­tre­ten­der Bun­des­vor­sit­zen­der der JAfD, zitiert dazu den Her­aus­ge­ber der Jüdi­schen Rund­schau, Rafa­el Koren­ze­cher, mit der Fest­stel­lung: „Nun ist die neue Oppo­si­ti­on mit ihren nicht zu über­se­hen­den deut­lich rechts­las­ti­gen Pro­ble­men ganz sicher weder auf uns Juden maß­ge­schnei­dert noch unser Wunsch­kind. But this is what we got – mehr haben wir nicht. Und das ist beschä­men­der­wei­se immer noch viel, viel mehr als uns die eta­blier­ten links­las­ti­gen und Islam-affi­nen Juden­hass-Dul­der und Isra­el-Dämo­ni­sie­rer bieten.”

In den an Gott­fried Ben­ns „Pto­le­mä­er” ange­lehn­ten Kapi­teln „Lage” – „Defek­te” – „Bestän­de” sind Auf­sät­ze jüdi­scher Intel­lek­tu­el­ler ver­sam­melt, die ent­we­der mit der deut­schen Schwe­fel­par­tei sym­pa­thi­sie­ren oder ihr selbst ange­hö­ren. Die Autoren, zwi­schen 1949 und 1996 gebo­ren, sind, wie man sagt, in der Welt her­um­ge­kom­men – ich lis­te spa­ßes­hal­ber ein paar Geburts­or­te auf: Char­kow, Los Ange­les, Odes­sa, Weil am Rhein, Jeru­sa­lem, Tasch­kent, Brüs­sel, Bos­ton, Ale­xe­jew­ka (Kir­gi­si­stan) –, sie arbei­ten als Unter­neh­mer, IT-Spe­zia­list, Jour­na­list, Inge­nieur, Dozent, Ärz­tin etc., die meis­ten haben Kin­der und einen deut­schen Pass.

Was also „treibt” die­se Leu­te in eine Par­tei, die nach den Erkennt­nis­sen sol­cher emi­nen­ten Drauf- und Durch­bli­cker wie Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er oder Micha­el Roth (SPD) den „par­la­men­ta­ri­schen Arm des Rechts­ex­tre­mis­mus” bil­det? (Die Fra­ge, wo dann wohl des­sen Kopf zu ver­or­ten sein mag, ver­knei­fe ich mir mal.) Die ziem­lich über­ra­schen­de Ant­wort lau­tet: Es ist die Aus­brei­tung des Islam und damit der mus­li­mi­schen Juden­feind­schaft nach Europa.

Anstatt, wie die Kanz­le­rin rät, sol­chen letzt­lich ja nun doch wohl ziem­lich unbe­grün­de­ten Ängs­ten mit Flö­ten­spiel, dem gele­gent­li­chen Sin­gen von Volks­lie­dern und dem Ver­trau­en auf die wach­sen­de Zahl impor­tier­ter Füh­rer­schein­prü­fungs­ab­sol­ven­ten zu begeg­nen, kri­ti­sie­ren die­se Schwe­fel­ju­den die anhal­ten­de Mas­sen­mi­gra­ti­on von Fein­den, Ver­äch­tern oder Nicht­ver­ste­hern der offe­nen Gesell­schaft, den Par­tei­en­block der undif­fe­ren­zier­ten Ein­wan­de­rungs­be­für­wor­ter, die kanz­ler­amts­na­hen Medi­en, die Erwei­te­rung des deut­schen Grund­rechts auf Israel­kri­tik zur öffent­li­chen Grund­pflicht, neben­bei auch das grün­ro­te Fami­li­en­bild – und nicht zuletzt den Zen­tral­rat der Juden. Bereits im Vor­wort ver­si­chert Arthur Abra­mo­vych, Stu­dent der Neue­ren deut­schen Lite­ra­tur und stell­ver­tre­ten­der JAfD-Bun­des­vor­sit­zen­der, es gehe den Autoren auch dar­um, „das Deu­tungs­mo­no­pol des Zen­tral­rats in sei­ne Schran­ken zu verweisen”.

Von einem „Zen­tral­rat der Hof­ju­den”, der heu­te dar­über ent­schei­det, „wel­che Juden rein und wel­che unrein sind”, spricht recht unflä­tig gar Olli Weks­ler, der als Kon­tin­gent­flücht­ling nach Deutsch­land ein­wan­der­te, Infor­ma­ti­ker, Webd­si­gner, ehe­dem Robo­tik-Stu­dent in Mos­kau. Der Zen­tral­rat kön­ne ledig­lich für die Mehr­zahl der bei ihm orga­ni­sier­ten Juden spre­chen, sekun­diert Wolf­gang Fuhl, der zwei­te stell­ver­tre­ten­de JAfD-Bun­des­vor­sit­zen­de, und das sei allen­falls die Hälf­te der ca. 200.000 in Deutsch­land leben­den Juden; die Mit­glie­der von Cha­bad, der der­zeit am schnells­ten wach­sen­de Grup­pe, gehör­ten übri­gens nicht dazu.

Weks­ler kam 1992 nach Deutsch­land, und wenn er heu­te erlebt, „was für Unge­heu­er der Mensch­heit aus Net­an­ya­hu, Bush, Orbán, Kwas­niew­ski und nun Trump gemacht wer­den”, fühlt er sich an „Hetz­kam­pa­gnen der UdSSR” erin­nert. Über­haupt ver­blüfft den Neu­deut­schen hier­zu­lan­de eini­ges. Zum Bei­spiel, dass er als Jude von Leu­ten in die rech­te Ecke gestellt wer­de, wel­che, wie etwa die „Mohns und alle übri­gen Ber­tels­män­ner”, auf Vor­fah­ren zurück­bli­cken, die „ein­ge­fleisch­te Nazi-Pro­pa­gan­dis­ten waren, genau­so wie DuMont & Co, deren Nach­kom­men unzäh­li­ge SPD-Zei­tun­gen ver­le­gen und dabei auch Isra­el bekämp­fen”. Oder der Abbas-Lober Mar­tin Schulz, der Isra­el-Beschimp­fer Sig­mar Gabri­el, „vie­le ehe­ma­li­ge Kom­mu­nis­ten und Mao­is­ten in Amt und Wür­den, aktu­ell Stein­mei­er und Kret­sch­mann”. Oder aber, nicht lan­ge nach sei­ner Ankunft, die Ernen­nung des vor­ma­li­gen Links­ex­tre­mis­ten Joseph Fischer zum Außen­mi­nis­ter. Dazu der Anwalt von Horst Mah­ler Bun­des­kanz­ler, der von Gud­run Ens­s­lin Innen­mi­nis­ter, all das „run­de­te für mich das Bild der neu­en Füh­rungs­rie­ge des Lan­des ab”.

Aber schlim­mer geht bekannt­lich immer. „Seit der ille­ga­len Grenz­öff­nung vom 5. Sep­tem­ber 2015” – der regie­rungs­skep­ti­sche Juden­lüm­mel weiß offen­bar nicht, dass der XXS-Carl Schmitt der Kanz­le­rin, Pro­fes­sor Thym aus Kon­stanz, alter­na­tiv­los bewie­sen hat, dass es weder eine Öff­nung gab noch irgend­et­was Ille­ga­les gesche­hen ist, mit­hin also ca. zwei Mil­lio­nen Afri­ka­ner und Ori­en­ta­len völ­lig legal neu hier sind und z.T. beacht­li­che Straf­ta­ten auf ihre schup­pi­gen Schei­tel gehäuft haben –; „seit der ille­ga­len Grenz­öff­nung” – die eigent­lich bloß eine Nicht­grenz­schlie­ßung gewe­sen ist, mit wel­cher die Kanz­le­rin das Recht kei­nes­wegs brach, son­dern viel­mehr schütz­te – „sit­zen mei­ne gesam­te Groß­fa­mi­lie, vie­le mei­ner jüdi­schen Ver­wand­ten und Bekann­ten fast buch­stäb­lich auf gepack­ten Kof­fern. Bis dahin wäh­len sie aber alle nur die AfD.” Was ja wohl ein hin­rei­chen­der Grund ist, sie ins Aus­land zu treiben!

Ema­nu­el Bern­hard Kraus­kopf, Sohn eines aus Polen stam­men­den Irgun-Kämp­fers und einer deut­schen Jüdin, auf­ge­wach­sen in Bel­gi­en, der Schweiz, Isra­el und Deutsch­land, Diplom-Inge­nieur für Maschi­nen­bau, beruf­lich tätig in Fern­ost, in den USA und in der isla­mi­schen Welt, Mit­glied der Jüdi­schen Gemein­de von Ber­lin, ver­hei­ra­tet mit einer ame­ri­ka­ni­schen Jüdin, Vater von vier Kin­dern, eine typi­sche völ­ki­sche & Rechts­po­pu­lis­ten-Bio­gra­fie also, die in der AfD enden muss­te, Kraus­kopf erin­nert dar­an – sofern man an Din­ge erin­nern kann, die hier­zu­lan­de kaum jemand über­haupt erfah­ren hat –, dass 1962, als Alge­ri­en unab­hän­gig wur­de, die Regie­rung ein Gesetz erließ, wonach nur Mus­li­me Staats­bür­ger wer­den konn­ten. Dar­auf­hin ver­lie­ßen alle 150.000 alge­ri­schen Juden das Land, die meis­ten nach Frank­reich. Die­se Absetz­be­we­gung war nur eine von vie­len; fast eine Mil­li­on Juden zogen es vor, aus den unab­hän­gig gewor­de­nen isla­mi­schen Län­dern zu flüch­ten, eines der zahl­rei­chen Tabu­the­men im Wes­ten, wo man gehal­ten ist, das Ende der Kolo­ni­al­zeit unein­ge­schränkt posi­tiv zu bewer­ten. Doch seit Barack Oba­ma, Ange­la Mer­kel und pro­gres­si­ve west­li­che Regie­run­gen, seit EU und UN und inzwi­schen auch der Papst die neue Völ­ker­wan­de­rung ein­ge­lei­tet haben, müs­sen die nach Euro­pa geflo­he­nen Juden – die dort bereits sess­haf­ten natür­lich auch – beob­ach­ten, wie sich der mus­li­mi­sche Juden­hass hier breit­macht, wie sich die No-Go-Zonen für sie aus­deh­nen. Wenn etwas empi­risch sicher ist, dann dass sich der isla­mi­sche Extre­mis­mus mit der Ein­wan­de­rung von Mus­li­men ver­brei­tet, egal wie fried­lich die Mehr­heit der Mus­li­me ist.

„Jüdi­sche Schü­ler, die gemobbt wer­den, Kip­pah-Trä­ger, die ange­fein­det wer­den, Rab­bi­ner, die auf offe­ner Stra­ße zusam­men­ge­schla­gen wer­den, Poli­zei­schutz für Syn­ago­gen und jüdi­sche Gemein­de­häu­ser, die Ermor­dung des jüdi­schen Mäd­chens Susan­na, deren Tod im mus­li­mi­schen Umfeld des Täters beju­belt wur­de, nach­dem ihre Zuge­hö­rig­keit zum Juden­tum publik gewor­den war”, fasst Fuhl die Lage in Deutsch­land zusam­men; ande­re Län­der, vor­an Frank­reich, sind, was Gewalt gegen Juden betrifft, schon weit fortgeschrittener.

Über Jahr­zehn­te sei­en „das reli­giö­se Chris­ten­tum und das Juden­tum (spe­zi­ell auch in Isra­el)” von den intel­lek­tu­el­len Wort­füh­rern „auf das Hef­tigs­te” kri­ti­siert wor­den, notiert wie­der­um Kraus­kopf. „Den Islam aber schlos­sen die­se Men­schen ins Herz.”

Hier muss ich ein­ha­ken. Eine Her­zens­sa­che war der Islam für deut­sche und vor allem fran­zö­si­sche Links­in­tel­lek­tu­el­le nur vor des­sen drit­ter gro­ßer Expan­si­on nach Euro­pa, in den roman­ti­schen Zei­ten der Neu­en Lin­ken, den spä­ten 1970ern. Michel Fou­cault und der schon erwähn­te Joseph „Sta­lin-war-so-ein-Typ-wie wir” Fischer haben 1979 die isla­mi­sche Revo­lu­ti­on im Iran begrüßt, wobei der feist­for­sche Fischer­jo­ckel auch als Mul­lah eine äda­qua­te Figur abgä­be, wäh­rend der schwu­le Phi­lo­soph dort wohl eher am Bau­kran geen­det wäre. Fabel­haft war, wie der from­me Asket Fischer sei­ne Par­tei­nah­me begrün­de­te: Die ira­ni­sche Revo­lu­ti­on sei „gegen das Ein­drin­gen des kon­su­mis­ti­schen Athe­is­mus der west­li­chen Indus­trie­ge­sell­schaf­ten” gerich­tet gewesen.

Doch seit­dem sich die isla­mi­sche Revo­lu­ti­on bis auf deut­sche Weih­nachts­märk­te und fran­zö­si­sche Strand­pro­me­na­den durch­ge­setzt hat, sind sogar vie­le lin­ke Her­zen enger gewor­den; was die Lin­ke heu­te an die Sei­te der Mos­lems treibt, ist ihre wit­tern­de Feig­heit; die meis­ten Lin­ken ver­spü­ren eine luft­ab­schnü­ren­de, hand­fes­te Angst vor den Rein­heits­voll­stre­ckern des kora­nisch Gebo­te­nen; sie beherrscht gera­de jene Intel­lek­tu­el­len und Press­ben­gel, die mit dem Begriff „Isla­mo­pho­bie” her­um­fuch­teln, weil ihr reli­gi­ons­kri­ti­scher Impe­tus mit dem Auf­tau­chen des ers­ten tat­säch­li­chen reli­gi­ös befeu­er­ten Droh­kol­lek­tivs in ihrem bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Schre­ber­gar­ten prompt erlo­schen ist und sie sich lie­ber aus der Schar der mög­li­chen Aggres­si­ons­ob­jek­te davon­steh­len wollen.

Den Ter­mi­nus „Isla­mo­pho­bie” stam­me vom „sei­ner­zeit wich­tigs­ten Isla­mo­fa­schis­ten” Aya­tol­lah Cho­mei­ni und der „Orga­ni­sa­ti­on für isla­mi­sche Koope­ra­ti­on” OIC, hält Kraus­kopf fest. Cho­mei­ni habe den Neo­lo­gis­mus erfun­den, um ira­ni­sche Frau­en, die kei­ne Schlei­er oder Kopf­tü­cher tra­gen woll­ten, als patho­lo­gi­sche Figu­ren zu ver­un­glimp­fen. Die OIC erklär­te die „Isla­mo­pho­bie” zur „zeitgenössische(n) Form von Ras­sis­mus und Frem­den­feind­lich­keit”, und heu­te tra­gen nütz­li­che Idio­ten im Wes­ten die Pro­pa­gan­da­for­mel in die Köp­fe der Falsch- oder Ungläu­bi­gen, zu denen sie sel­ber gehören.

Mer­ke indes, Leser: Frem­den­feind­lich­keit ent­steht vor allem durch die Ein­wan­de­rung von feind­li­chen Fremden!

„Die Hoff­nung auf einen auf Men­schen­rech­ten auf­bau­en­den Son­der­weg eines euro­päi­schen Islams ist tot. Mus­li­me, die heu­te noch für die­sen Weg kämp­fen, brau­chen Per­so­nen­schutz”, fährt Kraus­kopf fort. „Vor Allah sind zwar alle Mus­li­me gleich, egal ob schwarz, weiß oder braun. Die isla­mi­sche Apart­heid rich­tet sich aber gegen Nicht­mus­li­me. Es han­delt sich mit­hin um eine typi­sche Form von Apart­heid, wie sei der Lin­ken vor­schwebt.” Der „links-mus­li­mi­schen Erwei­te­rung des Ras­sis­mus-Begriffs um die Kul­tur” müs­se der Kampf ange­sagt wer­den, „genau die­ser Hum­bug, eine Varia­ti­on von Cho­mei­ni und OIC, dient dazu, eine kri­ti­sche Dis­kus­si­on über die Unver­ein­bar­keit des Islams mit unse­rer deut­schen und euro­päi­schen Kul­tur abzu­wür­gen.” Es sei die Auf­ga­be der Oppo­si­ti­on, „die Gesell­schaft aus die­sem intel­lek­tu­el­len Wür­ge­griff zu befreien”.

(Hört sich fast an wie Pegi­da, aller­dings scheint für die meis­ten Medi­en­schaf­fen­den noch eine unüber­steig­ba­re Kluft zwi­schen den Kate­go­rien oder auch Enti­tä­ten „Jude” und „Nazi” zu exis­tie­ren. Das muss nicht so blei­ben. Nur Mut! Es ist ein klei­ner Schritt für den Jour­na­lis­ten, aber ein gro­ßer Schritt für den Qua­li­täts­jour­na­lis­mus! Auch AfD-Juden sind Nazis! Nazi­ju­den. Klingt anfangs etwas unge­wohnt, aber geht doch. Nazi­ju­den. Nazijuden. –)

Der ame­ri­ka­ni­sche His­to­ri­ker Dani­el Pipes, Islam-Spe­zia­list und Bera­ter meh­re­rer US-Regie­run­gen, führt einen bemer­kens­wer­ten neu­en Begiff ein. Was die Pres­se gemein­hin als rechts, rechts­po­pu­lis­tisch völ­kisch oder natio­na­lis­tisch bezeich­net, nennt er „zivi­li­sa­to­risch”, denn die­se Leu­te sei­en „vor­nehm­lich bestrebt, die west­li­che Zivi­li­sa­ti­on zu erhal­ten”. Juden in Frank­reich etwa stell­ten weit weni­ger als ein Pro­zent der Bevöl­ke­rung, erlit­ten aber 40 Pro­zent aller ras­sis­tisch und reli­gi­ös moti­vier­ten Gewalt­ta­ten, und zwar nicht durch schon län­ger in Frank­reich leben­de Fran­zo­sen. Umfra­gen zufol­ge den­ke jeder drit­te euro­päi­sche Jude über eine Aus­wan­de­rung nach – nicht wegen der Rechts­po­pu­lis­ten. Gewiss, eini­ge die­ser Zivi­li­sa­tio­nis­ten „behal­ten ras­sis­ti­sche, ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche und bor­nier­te Ansich­ten über Juden bei.” Aber sie sei­en nicht das Haupt­pro­blem der Juden, „kei­ne Bedro­hung im Sti­le der 30er Jah­re”, son­dern „eine gesun­de Ant­wort auf ein außer­or­dent­li­ches Pro­blem”. Wo Zivi­li­sa­tio­nis­ten regie­ren und stren­ge Ein­rei­se­kon­trol­len durch­füh­ren, leb­ten Juden siche­rer, etwa in Ungarn, wo kei­ner­lei anti­se­mi­ti­sche Über­grif­fe bekannt seien.

Lie­be Kin­der, holt bit­te eure Hef­te her­vor und schreibt euch auf: Der Rechts­po­pu­lis­mus ist eine gesun­de Ant­wort auf ein außer­or­dent­li­ches Problem.

Die ame­ri­ka­ni­sche Jour­na­lis­tin Orit Arfa, die seit eini­ger Zeit in ’schland lebt, schreibt: „Ich habe eini­ge AfD­ler getrof­fen. Und ich weiß, dass es sehr gute Men­schen sind.… Sie kämp­fen für die Sicher­heit ihrer Fami­li­en, für die Wer­te der wah­ren Gerech­tig­keit und Frei­heit.” Die won­ni­ge Maid ver­gleicht die AfD mit den Bewoh­nern von Gush Kat­if im Gaza­strei­fen, die im Rah­men des soge­nann­ten Sharon-Pla­nes im Som­mer 2005 ihre Häu­ser räu­men muss­ten, und, da sie sich sträub­ten und vor der Hamas warn­ten, von den Medi­en als Extre­mis­ten ver­un­glimpft wur­den. „Die Erfah­rung in Gaza lehrt mich, wie Medi­en und Regie­rung eine gan­ze Bevöl­ke­rung ver­un­glimp­fen kön­nen.” Die­se Sied­ler sei­en „jung, schön und cool” gewe­sen, reli­gi­ös, „aber kei­ne Fana­ti­ker”, und doch wur­den sie als Extre­mis­ten stig­ma­tisert, „als ob es nichts Extre­mes dar­an gäbe, Juden am hel­lich­ten Tag aus ihren Häu­sern zu zer­ren oder eine Mil­li­on Men­schen aus frag­wür­di­gen Län­dern unge­hin­dert über die Gren­zen ins Land zu las­sen”. Die Juden in der AfD sei­en für Deutsch­land das­sel­be, „was die Sied­ler von Gush Kat­if für Isra­el sind”. Im Übri­gen hät­ten sich deren Pro­phe­zei­un­gen bewahr­hei­tet, dass nach dem Rück­zug Isra­els aus dem Gaza­strei­fen von dort der Ter­ror kom­men werde.

„Die paläs­ti­nen­si­sche ’natio­na­le’ Fra­ge” sei zu einem „Dog­ma der Pro­gres­si­ven” gewor­den, erklärt der Israe­li Boaz Haetz­ni, des­sen Vater 1938 aus Deutsch­land emi­grier­te. „Sie sind gegen jed­we­den Natio­na­lis­mus mit Aus­nah­me des ‚paläs­ti­nen­si­schen’, da die­ser ein Werk­zeug zur Zer­stö­rung Isra­els darstellt.”

Wir haben es mit einem phä­no­me­na­len Wan­del zu tun. Ahas­ver ist sess­haft und „rechts” gewor­den. In den Wor­ten von Alain Fin­kiel­kraut: „So ver­än­dert sich das Image des Juden: Inzwi­schen ist er der Ver­wur­zel­te.” Das hat selbst­re­dend Fol­gen für das Ver­hält­nis der – eher rech­ten – Israe­lis zu den – eher pro­gres­sis­ti­schen – west­eu­ro­päi­schen Juden. „Die Staats­rä­son wird die israe­li­sche Regie­rung letzt­lich dazu brin­gen, sich über die Beden­ken der ört­li­chen jüdi­schen Gemein­den hin­weg­zu­set­zen und mit den Zivi­li­sa­tio­nis­ten zusam­men­zu­ar­bei­ten, wäh­rend die euro­päi­schen Juden wei­ter­hin aus­wan­dern und ihren eige­nen Ein­fluss zuneh­mend ver­rin­gern wer­den”, pro­gnos­ti­ziert Pipes.

Mitt­ler­wei­le däm­me­re es so man­chem Juden, „dass er kei­ner­lei Anlass hat, sich geschmei­chelt zu füh­len, wenn auf sei­ne Kos­ten zu Tole­ranz auf­ge­ru­fen wird”, heißt es im Epi­log von Arthur Abra­mo­vych. Das Mode­wort „grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit” kon­ter­ka­riert der Stu­dent mit der Fra­ge: „Kön­nen sie (die lin­ken Juden – M.K.) sich wirk­lich nicht vor­stel­len, dass es Unter­schie­de zwi­schen Men­schen­grup­pen gibt und mit­hin auch Grün­de, bestimm­te Men­schen­grup­pen abzu­leh­nen und ande­re nicht?”

Das Buch kön­nen Sie hier bestel­len oder auch hier.

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PS: Nach dem Anschlag auf die Syn­ago­ge in Hal­le schrieb die JAfD zu einem Bild, das Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel am Abend des Anschlags „in stil­ler Trau­er” vor der Ber­li­ner Neu­en Syn­ago­ge zeig­te: „Bun­des­kanz­le­rin Dr. Ange­la Mer­kel und ihre PoC-Fan­boys und ‑Girls haben nur dar­auf gewar­tet, sich end­lich mal wie­der als Beschüt­zer der Juden insze­nie­ren zu kön­nen. Wur­de auch mal wie­der Zeit nach den gan­zen isla­mi­schen Atta­cken der letz­ten Wochen und Monate.”

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Man müs­se den poli­ti­schen Geg­ner „bis aufs Mes­ser bekämp­fen” – wer hat’s gesagt?

Abu Bakr al-Baghda­di? Lenin? Her­mann Göring? Rosa Luxem­burg? Der Alte vom Ber­ge? Recep der Präch­ti­ge? Die Ant­wort hier.

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„Auf­fäl­lig” fin­det Leser *** die „Fehl-Früh-Fern-Dia­gno­se des Eck­läd­chens vom 10. Okto­ber zum gäri­gen Ste­phan Bal­liet aus Ben­n­dorf: ‚ein rechts­ex­tre­mes Wasch­brett­hirn, ein aggres­siv nar­ziss­ti­scher Nach­ah­mungs­tä­ter und Dafür-sein-rest­li­ches-Leben-Weg­schmei­ßer, aber gott­lob ein Schwach­kopf’, wohin­ge­gen sein Anwalt aus eige­ner Beob­ach­tung etwas ganz ande­res fest­stellt: ‚Sein Man­dant sei intel­li­gent, wort­ge­wandt, aber sozi­al iso­liert. Aus­lö­ser für die Tat sei gewe­sen, dass er ande­re Men­schen für eige­ne Pro­ble­me ver­ant­wort­lich mache’, sag­te Rechts­an­walt Hans-Die­ter Weber dem Südwestrundfunk.”

Ein ande­rer Leser war der Mei­nung, ein Kerl, der sich Schuss­waf­fen sel­ber zusam­men­bast­le, kön­ne nicht wirk­lich däm­lich sein.

Im let­ze­ren Sin­ne mag der Ein­wand zunächst berech­tigt sein, aller­dings blei­be ich bei mei­ner Ein­schät­zung, der ich ja ein „gott­lob” bei­füg­te. Bal­liet war offen­kun­dig zu blöd, sei­nen geplan­ten Mas­sen­mord in die Tat  umzu­set­zen. Nichts von dem, was er vor­hat­te, funk­tio­nier­te. Er zer­schoss einen Rei­fen sei­nes eige­nen Autos. Er leg­te, nach­dem er nicht an sein eigent­li­ches Ziel kam, irgend­wen um. Er schoss mehr­fach auf eine bereits tote Frau. Was er wäh­rend sei­nes Amok­lau­fes vor sich hin brab­bel­te und für die Nach­welt mit­schnitt, zeugt eben­falls weder für Wort­ge­wandt­heit noch für Intel­li­genz. Sei­ne Äuße­run­gen wei­sen ihn als rechts­ex­tre­mes Wasch­brett­hirn aus, sein Video ist das eines Nar­ziss­ten. Womög­lich habe ich mich mit der For­mu­lie­rung geirrt, er habe sein Leben für fünf Minu­ten Ruhm weg­ge­schmis­sen. Da gab es wohl nichts wegzuschmeißen.

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