27. Oktober 2019

Zwei Leser haben mir geschrie­ben, dass mein neu­es Opus im Buch­han­del nicht erhält­lich sei. Der Ver­lag ver­si­chert, es sei ver­füg­bar, und wer im Buch­la­den auf das Ver­zeich­nis lie­fer­ba­rer Bücher inis­tie­re, bekom­me es dort auch. Bei ama­zon daue­re die Lis­tung erfah­rungs­ge­mäß immer eine Wei­le, aber hier etwa ist es erhält­lich, und beim Ver­lag sowieso.

Also in der Welt ist das Kind jedenfalls:

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Beim Süd­deut­schen Beob­ach­ter machen sie sich tief­schür­fen­de Gedan­ken über den „Vor­stoß” der Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin, in Nord­sy­ri­en eine soge­nann­te Sicher­heits­zo­ne errich­ten zu wol­len. „In der Sache ist das ein plau­si­bler Vor­schlag, im Stil aber haben sich Kramp-Kar­ren­bau­er und auch die Kanz­le­rin bereits am ers­ten Tag schwe­re, ja uner­klär­li­che Feh­ler geleis­tet. Die Arbeits­tei­lung zwi­schen Kramp-Kar­ren­bau­er und Ange­la Mer­kel ist unan­ge­mes­sen und lässt hin­ter der außen­po­li­ti­schen Initia­ti­ve zu viel innen­po­li­ti­sche Moti­va­ti­on ver­mu­ten. Und der Koali­ti­ons­part­ner SPD wur­de sinn­los düpiert”, sta­tu­iert das Hochqualitätsblatt.

Die­ser rein innen­po­li­ti­sche Blick auf einen außen­po­li­ti­schen Vor­schlag ist sym­pto­ma­tisch, denn wir trei­ben ja längst „Welt­in­nen­po­li­tik” (wer hat die­ses Oxy­mo­ron eigent­lich erfun­den? Küng? Söl­le? Goe­b­bels?); außer­dem glau­ben sie in den Münch­ner Schrift­lei­ter­stu­ben, die deut­sche Poli­tik gel­te noch was auf Erden. Schau­en wir näher hin.

In Rede steht eine Sicher­heits­zo­ne in Syri­en unter Betei­li­gung der Bun­des­wehr, aber auch der Rus­sen und der Tür­ken. Tre­ten wir zunächst vor den Glo­bus. Zwi­schen Deutsch­land und Syri­en haben Klio und Allah das Mit­tel­meer und die Tür­kei gelegt. Wenn AKK deut­sche Sol­da­ten dort­hin ent­sen­den will, lau­tet die ers­te Fra­ge, auf wel­chem Wege eigent­lich? Durch die Tür­kei? Da könn­te Recep der Präch­ti­ge Ein­wän­de haben oder fin­den. Mit dem Flug­zeug, durch die Luft sozu­sa­gen? Gute Idee, aber mit wel­chen Maschi­nen? Russ­land hat im ver­gan­ge­nen Jahr den Ver­trag zur Benut­zung sei­ner AN-124 aus­lau­fen las­sen. Eige­ne Trans­por­ter für Ein­sät­ze die­ser Grö­ßen­ord­nung besitzt die Bun­des­wehr nicht. Über­kühn durchs erd­na­he All? Der Ter­min für die Eröff­nung von Alt­mai­ers Welt­raum­bahn­hof steht ja sozu­sa­gen noch in den Ster­nen, auch wenn star­ke Bau­trup­pen vom BER abge­zo­gen wer­den könn­ten. Dann also tra­di­tio­nell per Schiff! Die deut­sche Flot­te! Klar zum Kal­fa­tern! Aber wel­che Schif­fe? Der deut­sche Flug­zeug­trä­ger befin­det sich lei­der noch in der Namens­fin­dungs­pha­se (Die „Süss­muth”? Die „Dis­kurs”? Die „Welt­of­fen­heit”? Die „Viel­falt”?). Auf dem Land­weg über Gibral­tar und rom­mel­mä­ßig quer durch Nord­afri­ka? Aber mit wel­chem Material? 

Das führt uns zur zwei­ten Kar­di­nal­fra­ge: Mit wel­cher Trup­pe will AKK eigent­lich Syri­en teil­be­frie­den? Mit einer Bun­des­wehr, die mit der For­mu­lie­rung „Bedingt ein­satz­be­reit” noch euphe­mis­tisch beschrie­ben wäre? (Mehr dazu hier.)

Betrach­ten wir nun die geo­stra­te­gi­sche Lage von ’schland. Die Bri­ten gehen raus aus der EU, eine Atom­macht mit einer beacht­li­chen Flot­te. Von den USA sind wir ent­frem­det, Trump zieht sei­ne Mari­nes über­all zurück. Das ame­ri­ka­ni­sche Des­in­ter­ess­se an der Nato ver­wan­delt das Bünd­nis in einen Zom­bie. Russ­land ist mili­tä­risch hoch­po­tent, weilt aber bekannt­lich nicht im schrump­fen­den Krei­se deut­scher Freun­de. Die tür­ki­sche Armee ist mitt­ler­wei­le stär­ker als die Bun­des­wehr, sie hat bei­spiels­wei­se mehr funk­tio­nie­ren­de (deut­sche) Tanks als die deut­sche Rest­trup­pe. Womit sich Deutsch­land das rus­si­sche und das tür­ki­sche Wohl­wol­len erkau­fen will, ist ein Geheim­nis. Der deut­sche Esel-streck-dich hat sich den Magen längst leer­ge­würgt. Chi­na ist die Sphinx, die mit mali­ziö­sem Lächeln in der Loge sitzt und dem Satyr­spiel vom Ende der west­li­chen Domi­nanz zusieht.

Nur ein ein­zi­ger Ver­bün­de­ter ist Mer­kel geblie­ben: Frank­reich. Die ein­zi­ge Atom­macht der EU, wirt­schaft­lich ein ali­men­tie­rungs­be­dürf­ti­ger Chlo­chard, im Inne­ren zutiefst zer­riss­sen und bür­ger­kriegs­be­reit, aber der gal­li­sche Hahn wird bis zuletzt nach der Hege­mo­nie über den Rest krä­hen. Den ato­ma­ren Droh­schutz, den er dem rechts­rhei­ni­schen Nach­barn theo­re­tisch gewäh­ren kann, wird er sich prak­tisch teu­er bezah­len lassen.

Die Sicher­heits­zo­ne in Nord­sy­ri­en ist eine eska­pis­ti­sche PR-Idee, mit der sich AKK innen­po­li­tisch wich­tig machen will, da hat der Süd­deut­sche wohl recht. Die Dilet­tan­ten­trup­pe um Mer­kel hat die­ses Land weit gebracht. Deutsch­land ist geo­po­li­tisch in kei­ner Bezie­hung ein Play­er, noch weni­ger als in den Zei­ten der Pax Ame­ri­ca­na. Die kom­men­den Kri­sen wer­den zei­gen, mit wel­chen Ver­ren­kun­gen sich der poli­ti­sche (und mili­tä­ri­sche) Zwerg in der Mit­te Euro­pas ande­ren Mäch­ten andie­nen muss. Die ein­zig noch inter­es­san­te Fra­ge lau­tet, ob die­ser Zustand inten­diert war, also ein Pro­dukt der Per­fi­die ist, oder ob tat­säch­lich nur Dumm­heit, Feig­heit, Inkom­pe­tenz und ideo­lo­gi­sche Ver­blen­dung bis zu die­sem Punkt geführt haben. Wie auch immer: Eine Mehr­heit hat mit­ge­macht. Sie wird die Quit­tung bekom­men. (Die ande­ren lei­der auch, ja, aber so läuft es bekannt­lich immer.)

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Noch zum Vorigen. 

Dass in Deutsch­land kein Bevöl­ke­rungs­aus­tausch statt­fin­det, haben uns die Bun­des­re­gie­rung und die kanz­ler­amts­na­hen Medi­en nach­drück­lich ver­si­chert. Das bedeu­tet aller­dings kei­nes­wegs, dass sich ein sol­ches Phä­no­men nicht andern­orts voll­zie­hen und von den­sel­ben Medi­en eben­so nach­drück­lich kri­ti­siert wer­den kann, näm­lich in Nord­sy­ri­en. Erdo­gan will „Mil­lio­nen syri­scher Geflüch­te­ter ins mehr­heit­lich kur­di­sche Nord­sy­ri­en zwangs­um­sie­deln und damit die dor­ti­ge Bevöl­ke­rungs­struk­tur umschich­ten. Letzt­lich plant Erdo­gan also eine eth­ni­sche Ver­trei­bung, zumin­dest mit­tel­fris­tig”, klagt bei­spiels­wei­se Clau­dia Roth. Syrer wie­der in Syri­en anzu­sie­deln, lau­fe auf einen Bevöl­ke­rungs­aus­tausch hin­aus, bestä­tigt die Tages­schau. Syrer in Deutsch­land anzu­sie­deln, selbst wenn es kei­ne sind – es ist inzwi­schen aber gar nicht mehr nötig, mit fal­scher Iden­ti­tät ein­zu­rei­sen –, ist dage­gen nur die Umwand­lung einer mono­eth­ni­schen, mono­to­no- bzw. nul­lo­kul­tu­rel­len Gesell­schaft in eine mul­ti­eth­ni­sche und multikulturelle.

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