2. November 2019

Men­schen, denen das Glück oder die Gna­de zuteil wird, dass ein ori­gi­nä­rer, noch nie zuvor gedach­ter, tat­säch­lich eige­ner Gedan­ken in ihrem Kopf vor­spricht, wis­sen, wie sel­ten und unwahr­schein­lich der­glei­chen ist. Auch sol­che Geis­ter zeh­ren fast aus­schließ­lich von Ideen, die bereits von Ande­ren for­mu­liert wor­den sind. Sie wis­sen, wie viel sie denen schul­den, die vor ihnen gedacht haben, wie sehr sie heu­te noch auf den Schul­tern derer ste­hen, die vor viel­leicht fünf­tau­send Jah­ren den Schritt vom Sagen und Beschwö­ren ins unbe­kann­te Land des Den­kens voll­zo­gen, und wie unglaub­lich schwer jeder der ers­ten Schrit­te ins Uner­schlos­se­ne gewe­sen sein muss. Einen Den­ker, der auf die­sem lan­gen und beschwer­li­chen Wege ein­mal Neu­land ent­deckt hat, für „über­holt”, für „nicht mehr aktu­ell” zu hal­ten, ist das trau­ri­ge Pri­vi­leg von Figu­ren, die sich mit ihren Über­le­gun­gen aus­schließ­lich in den siche­ren Gefil­den des schon-Gedach­ten und von der gera­de herr­schen­den Mode Abge­seg­ne­ten aufhalten.

                                 ***

Dis­kri­mi­niert­wer­den schärft den Ver­stand. Sofern man einen besitzt. 

Mit die­sem Eigen­zi­tat will ich über­lei­ten auf eine inter­es­san­te Mail, die mir heu­te mor­gen unter dem Betreff: „Benigna (= die Wohl­wol­len­de) Mun­si” zuging und auf mei­nen gest­ri­gen Ein­trag zur Wahl des Nürn­ber­ger Chist­kindls bezug nimmt: 

„Dan­ke, daß Sie so viel Ver­ständ­nis für alles Mög­li­che haben. Das offen­bart ein gro­ßes Herz und unend­li­che Lang­mut. In mei­ner Jugend wur­de mei­ne Fami­lie aus­ge­grenzt, weil wir Aus­län­der waren und nicht dazu gehör­ten; ich wur­de in mei­ner Fami­lie aus­ge­grenzt, weil ich das ein­zi­ge Mäd­chen war unter lau­ter Brü­dern. Ich hat­te zuhau­se nichts zu mel­den und in der Schu­le erst recht nicht. Was Aus­gren­zung und Benach­tei­li­gung angeht, habe ich ein dickes Fell ent­wi­ckelt.
Aber (Trom­mel­wir­bel): ich bin nicht in Deutsch­land auf­ge­wach­sen son­dern wei­ter im Süden. 

 
Und in kei­nem Land, in dem ich bis­her leben durf­te, wäre man auf die Idee gekom­men, für eine tra­di­tio­nel­le Ver­an­stal­tung nicht-auto­chtho­ne Dar­stel­ler zu neh­men. Zumin­dest Namen und Aus­se­hen soll­ten zu der Volks­grup­pe pas­sen, wel­che die­se Tra­di­ti­on fort­führt. Bei einem Event mit reli­giö­sem Hin­ter­grund gleich gar: im Guja­rat oder in Kenya wür­de es Pro­tes­te h a g e l n, wenn  kau­ka­sisch aus­se­hen­de Dar­stel­ler auf­tre­ten dürf­ten. In USA und Euro­pa ist das anders, denn dort brö­seln die tra­di­tio­nel­len Gemein­schaf­ten aus­ein­ader und Folk­lo­re ist nicht mehr identitätsstiftend.

 
Als Außen­sei­ter sieht man die Din­ge distan­zier­ter. Mei­ne Pro­gno­se: von christ­li­chen Gedenk­ta­gen und Fes­ten wer­den viel­leicht ein paar sinn­ent­leer­te Fei­er­ta­ge übrig­blei­ben, sowie ein paar Sym­bo­le, die kei­ner mehr ver­steht. Es wird sich wie­der­ho­len, was mit dem per­si­schen Zoro­as­tris­mus pas­sier­te: damals wan­der­te eine kon­ser­va­ti­ve Min­der­heit nach Indi­en aus und wur­de zu ‚Par­sen’, hat­te aber nur noch wenig mit der ursprüng­li­chen Leh­re gemein­sam. Per­si­en wur­de vom Islam über­rollt, sämt­li­che Doku­men­te ver­nich­tet und was von per­si­scher Kul­tur erhal­ten blieb, als ‚isla­mi­sche Kunst’ beprie­sen. Ich sehe dem aktu­el­len Zer­set­zungs­pro­zeß zu und notie­re, daß man ihn nicht ein­mal kri­ti­sie­ren soll. So wird eben eine wei­te­re gro­ße Zivi­li­sa­ti­on die Welt­büh­ne ver­las­sen, nach einem jäm­mer­li­chen Schluß­akt, ohne Applaus. (Die Buh-Rufe kom­men von mir).”

Der Nach­na­me der Absen­de­rin deu­tet dar­auf hin, dass jener Her­kunfts-Süden, der im Brief erwähnt wird, in Süd­asi­en liegt. 

 
Ich möch­te an die­ser Stel­le die gute alte und sehr deut­sche Dicho­to­mie Kul­tur-Zivi­li­sa­ti­on reani­mie­ren, um Ers­te­re sogleich ihrem Schick­sal zu über­ant­wor­ten, auch wenn über­all, zum Bei­spiel hier an die­sem Schreib­tisch, stör­ri­sche Wider­stands­nes­ter exis­tie­ren, die von den Such­schein­wer­fern und sodann den Maschi­nen­ge­weh­ren des Zeit­geis­tes bestri­chen wer­den: Ja, die deut­sche Kul­tur wird wohl die Welt­büh­ne ver­las­sen, nicht als Kon­ser­ve, aber als leben­di­ger Orga­nis­mus. Ihre Zeit, scheint’s, ist abge­lau­fen, ich sehe kein Per­so­nal, das sie fort­setzt – nur ein paar Letz­te Mohi­ka­ner wie u.a. mich –, ja nicht ein­mal Per­so­nal, das sie fort­zeugt. Natür­lich kann es zu einer loka­len Wie­der­be­le­bung kom­men, nicht durch acht­zig Mil­lio­nen, son­dern viel­leicht durch zwan­zig, drei­ßig, nicht in den Gren­zen von 1990, son­dern, war­um soll man nicht träu­men, in einem neu­en Staa­ten­bund aus Öster­reich, Ungarn, Bay­ern, Sach­sen und der Schweiz, die Zukunft ist offen, ein über­schau­bar gro­ßes Völk­chen wie die Israe­lis macht es ja vor (aber auch dort ist die „Kul­tur”, wie sie vor einer Genera­ti­on noch von den euro­päi­schen Juden reprä­sen­tiert wur­de, pas­sé), man muss es nur wol­len, sich zusam­men­rau­fen, arbei­ten, Bit­ter­keit ertra­gen, sich not­falls rus­ti­kal ver­tei­di­gen, doch wenn ich mir die soge­nann­ten Eli­ten die­ses Lan­des, sei­ne Wort­füh­rer und vor allem sei­ne Uni­ver­si­tä­ten anschaue und die Wahl­er­geb­nis­se dage­gen­hal­te, dann … – den Satz bekommt jeder sel­ber zu Ende.

Aber mag auch die deut­sche Kul­tur dahin­schei­den, es bleibt doch die west­li­che Zivi­li­sa­ti­on – zunächst – übrig, als Essenz von Jahr­tau­sen­den mensch­li­cher Trieb­ver­ede­lung und Selbst­stei­ge­rung, als Bedin­gung der Mög­lich­keit frei­heit­lich-geord­ne­ten Zusam­men­le­bens, als Boll­werk gegen das Blut, den Clan, das Cha­os, gegen Behe­mo­th, als ein­zi­ge bis­lang bekann­te Schutz­sphä­re der Indi­vi­dua­li­tät. Um die müss­te man doch kämp­fen, oder?, ganz gleich wel­cher Tra­di­ti­on man pri­vatim folgt, zumal die Angrif­fe auf die west­li­che Zivi­li­sa­ti­on ja pri­mär von innen kom­men. Des­we­gen lau­tet mei­ne Paro­le nicht: Deut­sche (= Bio­deut­sche) zuerst, son­dern: Zivi­li­sier­te zuerst, in der womög­lich nai­ven Hoff­nung, dass am Ende die Zivi­li­siert­heit mehr bin­det als die Herkunft… 

Even­tu­ell neh­me ich aber bloß mei­nen Lieb­lings­platz ein: zwi­schen allen Stühlen. 

Alle Stuhl­in­ha­ber mögen gleich­wohl berücksichtigen:

„Erken­ne die Lage! Rech­ne mit dei­nen Defek­ten! Gehe von dei­nen Bestän­den aus, nicht von dei­nen Paro­len!” (Benn)

                                    ***
 

Leser *** schreibt zum sel­ben The­ma: „Ohne die Hin­ter­grün­de zu ken­nen den­ke ich, es geht hier nicht dar­um, ob das Christ­kind von einer sym­pa­thi­schen, gebil­de­ten Deut­schen ver­kör­pert wird, oder nicht. Ein blon­des schwe­di­sches Mädel mit leich­ter geis­ti­ger Behin­de­rung wäre kei­ne Dis­kus­si­on, son­dern es geht dar­um, dass in unse­rer Vor­stel­lung das Christ­kind eben ein wei­ßes Mäd­chen in einem wei­ßen Kleid mit gold­far­be­nem Haar ist. Das ist der Punkt, es geht um eine tra­di­tio­nel­le Geschich­te und um die han­deln­den Per­so­nen in die­ser Geschichte. 
Natür­lich kann man die Geschich­te ver­än­dern, könn­te sogar ein dun­kel­häu­ti­ges toten­kopf-täto­wier­tes Kind mit kur­zem, schwar­zen Haar und Lip­pen­pier­cing neh­men und dar­auf ver­zich­ten, ihm eine Perü­cke auf­zu­set­zen, und man kann die Hei­li­gen Drei Köni­ge mit drei Köni­gin­nen erset­zen, wegen Quo­te und so, und Dan­ny de Vito den Jesus spie­len las­sen. Aber dann geht es mehr um ein State­ment und um Klamauk.
So sehe ich das zumindest.”

                                 ***

Eine Zuschrift noch zum Christkindl:

Leser *** möch­te mir „bei­sprin­gen, nicht nur, weil ich Ihre Mei­nung tei­le, son­dern weil ich sie für die ein­zi­ge hal­te, die unse­rer Ver­fas­sungs­ord­nung und auch dem reli­giö­sen Hin­ter­grund ange­mes­sen ist.

Da ist zum einen der Leser, der ‚Kla­mauk’ wit­tert, weil ‚in unse­rer Vor­stel­lung das Christ­kind eben ein wei­ßes Mäd­chen in einem wei­ßen Kleid mit gold­far­be­nem Haar’ sei. Nun, das mag die Vor­stel­lung des Schrei­ben­den sein. Mei­ne Vor­stel­lung des Christ­kinds ist ein neu­ge­bo­re­ner Kna­be, der vor gut 2.000 Jah­ren in einer schä­bi­gen Fut­ter­krip­pe in einem Stall in Beth­le­hem lag. Von mei­ner Urgroß­mutter habe ich eine ent­spre­chen­de Dar­stel­lung geerbt, ein nack­tes Büb­lein als Wachs­fi­gur, viel­leicht 15 cm groß, das auf Moos gebet­tet in einem Holz­kist­chen liegt. Das ist die tra­di­tio­nel­le Geschich­te. Der Hei­land, gebo­ren vor lan­ger Zeit, ganz sicher nicht als Mäd­chen, ganz sicher nicht im wei­ßen Kleid, ganz sicher nicht mit beson­ders hel­ler Haut, höchst­wahr­schein­lich nicht mit blon­den Haa­ren. Das Nürn­ber­ger Christ­kindl – 1933 ein­ge­führt – ist im Ver­gleich dazu der neu­mo­di­sche Kram, der Kla­mauk. Nein, ich will nun nicht über die Kom­mer­zia­li­sie­rung des Weih­nachts­fes­tes meckern (…) Aber wer kein Pro­blem damit hat, daß das Christ­kindl von einem Mäd­chen ver­kör­pert wird, der soll­te erst recht kein Pro­blem damit haben, wenn es einen dunk­len Teint und kei­ne Rausch­gold­en­gel­haa­re hat. Fast schon drol­lig ist, daß der Leser ‚wegen Quo­te und so’ Hei­li­ge Drei Köni­gin­nen befürch­tet, obwohl man das Nürn­ber­ger Kindl selbst als Quo­ten­mä­del anse­hen könnte.

Zum ande­ren die Lese­rin aus (ver­mut­lich) Süd­asi­en, die sich wun­dert, war­um man bei einer tra­di­tio­nel­le Ver­an­stal­tung nicht-auto­ch­to­ne Dar­stel­ler nimmt. Bit­te? Fräu­lein Mun­si ist in Nürn­berg gebo­ren, hat eine deut­sche Mut­ter, ist deut­sche Staats­bür­ge­rin, spricht Deutsch als Mut­ter­spra­che, kurz: sie ist eine Deut­sche. Wem das nicht reicht, um jeman­den als auto­chton anzu­er­ken­nen, der ist – und ich weiß, daß die­ser Vor­wurf oft zu Unrecht gemacht wird, aber hier trifft er zu – Ras­sist. Es mag schon sein, daß es im Guja­rat oder in Kenia Pro­tes­te hageln wür­de, wenn ein ‚falsch’ aus­se­hen­der Dar­stel­ler auf­tre­ten wür­de. Nur: gera­de des­we­gen bin ich froh, in Deutsch­land und nicht in Indi­en oder in Kenia zu leben. Weil es hier von Rechts wegen nicht dar­auf ankommt, wie man aus­sieht, um be- oder ver­ur­teilt zu wer­den. Son­dern nur dar­auf, was man tut. (…) Das Chris­ten­tum schaut nicht auf Haut und Haar, das Chris­ten­tum schaut ins Herz. Oder, wie wir bald in Nürn­berg wie­der hören kön­nen: ‚Das Christ­kind lädt zu sei­nem Mark­te ein, Und wer da kommt, der soll will­kom­men sein.’ ”

                                 ***

Haben Sie auch von der Aus­ru­fung des „Nazi-Not­stands” in Dres­den gele­sen? Dann sind Sie einer Legen­de auf­ge­ses­sen.

                                 ***

Tja…

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(Ich dan­ke Leser *** für die Zusendung.)

                                      ***

Ich möge doch bit­te, emp­fiehlt Leser ***, auch das Orgi­nal dazu stel­len, den deut­schen Trans­ra­pid im aktu­el­len Zustand:

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Leser *** ergänz: „Der kur­ze Bericht hat bei mir Erin­ne­run­gen an eine Radio­sen­dung in den 90er Jah­ren über die soge­nann­te deutsch-chi­ne­si­sche Koope­ra­ti­on zur Trans­ra­pid-Tech­nik wach­ge­ru­fen. Zwei Din­ge sind mir unver­ges­sen geblieben: 

1. Die Nai­vi­tät der deut­schen Sei­te, mit der man damals Blau­pau­sen der Kon­struk­ti­ons­plä­ne zum Trans­ra­pid den Chi­ne­sen über­las­sen hat, mit der man tat­säch­lich ver­ges­sen hat­te, eige­ne Paten­te (z.B. zur Wei­chen­tech­nik) anzu­mel­den. Die Chi­ne­sen hol­ten das dann für sich nach. 
2. Der Lei­ter der chi­ne­si­schen Sei­te, Wu Xiang­ming, hielt zur Wah­rung chi­ne­si­scher Inter­es­sen sei­ne Mit­ar­bei­ter streng kaser­niert und getrennt von den deut­schen Mit­ar­bei­tern, die bedau­er­ten, dass nicht ein­mal ein Fei­er­abend­bier mit den chi­ne­si­schen Kol­le­gen mög­lich war. Bei sei­nen Mit­ar­bei­tern hieß er dar­um auch ‚Com­man­der Wu’. Wu ist gelern­ter Bau­in­ge­nieur und ein Stra­te­ge für Chi­nas Auf­stieg und Ent­wick­lung. Er ist Direk­tor des Natio­nal Mag­lev Trans­por­ta­ti­on Engi­nee­ring Rese­arch and Deve­lo­p­ment Cen­ter und ver­ant­wort­lich für die welt­weit ers­te kom­mer­zi­el­le Umset­zung der Trans­ra­pid-Tech­nik zwi­schen dem unter sei­ner Lei­tung erbau­ten Flug­ha­fen Shang­hai und dem Stadt­zen­trum 2003.
 
Fürs ‚‚abso­lut Beklopp­te’ brauch­te es aber gar nicht die Frei­tags­hüp­fer: 2005 ver­lieh die Fakul­tät Bau­in­ge­nieur­we­sen der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dres­den Wu für sei­ne Ver­diens­te um die Umset­zung der welt­weit ein­zig­ar­ti­gen Trans­ra­pid­tech­nik und für das Lebens­werk als Bau­in­ge­nieur den Titel eines Ehrendoktors.”

Wider­spruch legt Leser *** ein, denn er fühlt sich „als Diplom-Inge­nieur für Ver­kehrs­we­sen her­aus­ge­for­dert, eini­ge Din­ge aus mei­ner Sicht rich­tig­zu­stel­len. Zunächst ein­mal: die Magnet­schwe­ben­ahn ist in Deutsch­land nicht an Umwelt­ver­bän­den und sons­ti­gen Beden­ken­trä­gern geschei­tert, son­dern schlicht dar­an, daß es dafür kei­ne wirt­schaft­lich und ver­kehr­lich sinn­vol­le Anwen­dung gab – und zwar trotz bei­spiel­lo­ser Pro­te­gie­rung durch die Poli­tik. Selbst eine in Erwä­gung gezo­ge­ne Ver­bin­dung der bei­den größ­ten Städ­te Deutsch­lands hät­te weit jen­seits jeder Wirt­schaft­lich­keit gele­gen. Der ver­kehr­li­che Bedarf hät­te nicht ein­mal eine kon­ven­tio­nel­le Eisen­bahn-Hoch­ge­schwin­dig­keits­stre­cke gerecht­fer­tigt. Das wuß­te man sei­tens der poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger, wes­halb man das ‚Trans­ra­pid-Bedarfs­ge­setz’ aus dem Hut zau­ber­te – ein Gesetz ein­zig nur, um einen Bedarf fest­zu­schrei­ben, den es in der Rea­li­tät nicht gab. Sowas ist mei­nes Wis­sens in der Ver­kehrs­ge­schich­te ein ein­ma­li­ger Vor­gang. Falsch ist auch die Dar­stel­lung, daß es sich beim Trans­ra­pid um so über­le­ge­ne deut­sche Inge­nieurs­kunst han­del­te. Wie der Unfall auf dem Ver­suchs­ge­län­de zeig­te, befand sich die Siche­rungs­tech­nik auf dem Niveau einer hin­ter­pom­mer­schen Klein­bahn zur Kai­ser­zeit. Daß die Magnet­bahn umwelt­freund­lich und ener­gie­spe­rend sei, gehört eben­so ins Reich der Mär­chen. Zu die­sen und  den sons­ti­gen Eigen­schaf­ten der Magnet­bahn emp­feh­le ich die lei­der ver­grif­fe­ne Schrift von Dr. Rudolf Brei­mei­er ‚Trans­ra­pid oder Eisen­bahn – ein tech­nisch-wirt­schaft­li­cher Vergleich’. 

 
Nun ist auch der kon­ser­var­ti­ve Mensch lei­der nicht davor gefeit, sich von den schein­bar glit­zern­den Ver­hei­ßun­gen des ver­meint­li­chen tech­ni­schen Fort­schritts blen­den zu las­sen. Mögen die Chi­ne­sen damit glück­lich wer­den. Ob sich das Sys­tem in ihr Ver­kehrs­sys­tem ein­fü­gen läßt, ob die Idee, sich mit 1000 km/h fort­zu­be­we­gen, ein ange­mes­se­ner Anspruch ist und ein ver­nünf­ti­ges Ver­kehrs­be­dürf­nis dar­stellt, und ob vor allem dem auch eine ent­spre­chen­de Zah­lungs­be­reit­schaft des Publi­kums gegen­über­steht, mögen sie selbst ent­schei­den. Ich für mei­nen Teil bin heil­froh, daß in die­ses Sub­ven­ti­ons­grab nicht noch mehr Geld geschau­felt wur­de und daß wir unser Land nicht auch noch mit die­sem Tand voll­ge­stellt haben.”
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