22. November 2019

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(Netz­fund; genau mein Humor.)

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Da ich mehr­fach danach gefragt wur­de: Es gibt eine gedruck­te Ver­si­on mei­ner Main­zer Rede zum 30. Jah­res­tag des Mau­er­falls, und hier kann man sie bestellen.

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Geneig­ter Leser der Acta diur­na, die­se ein­drucks­vol­le Trau­er­re­de auf ein aka­de­mi­sches Unto­ten­kol­lek­tiv soll­ten Sie sich unbe­dingt anhö­ren, und wenn Sie Kin­der im all­mäh­lich zurech­nungs­fä­hi­gen Alter haben, dann soll­ten sie es denen vor­füh­ren; es ist ein kur­zer, von einem Spre­cher vor­ge­tra­ge­ner Text des an der Uni­ver­si­ty of Not­re Dame, India­na, leh­ren­den Poli­tik­wis­sen­schaft­lers Patrick J. Dene­en über sei­ne Stu­den­ten. Ein paar Auszüge: 

„Mei­ne Schü­ler sind Nichts­wis­sen­de. Sie sind über­aus nett, ange­nehm, ver­trau­ens­wür­dig, meist ehr­lich, wohl­mei­nend und abso­lut anstän­dig. Aber ihr Gehirn ist weit­ge­hend leer, ohne nen­nens­wer­tes Wis­sen, das die Fol­ge einer Aus­bil­dung über die eige­nen Her­kunft und das Geschenk einer frü­he­ren Genera­ti­on sein könn­te. Sie sind der Höhe­punkt der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on, einer Zivi­li­sa­ti­on, die fast alles Eige­ne ver­ges­sen und dadurch eine nahe­zu per­fek­te Gleich­gül­tig­keit gegen­über ihrer eige­nen Kul­tur erreicht hat. … Sie haben gelernt, wie Ein­tags­flie­gen zu sein, durch Zufall in einer flüch­ti­gen Gegen­wart lebend. … Was unser Bil­dungs­sys­tem pro­du­zie­ren will, ist kul­tu­rel­le Amne­sie. … Unse­re Stu­den­ten sind die Ver­wirk­li­chung eines sys­te­mi­schen Ein­sat­zes zur Her­stel­lung von Indi­vi­du­en ohne Ver­gan­gen­heit, von kul­tur­lo­sen Num­mern, die über­all leben und jede Art von Arbeit ver­rich­ten kön­nen, ohne nach ihren Zie­len zu fra­gen. … Sie sind die ers­te Genera­ti­on abend­län­di­scher Aka­de­mi­ker mit der Ver­pflich­tung zur gegen­sei­ti­gen Gleich­gül­tig­keit … Jeder Über­rest einer gemein­sa­men Kul­tur wür­de die­se Haupt­richt­li­nie stören.”

Anstel­le der anti­ken res publi­ca, so Dene­en, habe die moder­ne west­li­che Uni­ver­si­tät „die welt­weit ers­te res idio­ti­ca geschaf­fen” (im Wort­sin­ne). – „Sie wer­den gegen nie­man­den kämp­fen, denn das gehört sich nicht. Aber sie wer­den auch nie­mals für etwas kämp­fen.” … „Ich lie­be mei­ne Schü­ler. Aber ich traue­re um sie…” 

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Heu­te heißt es nicht mehr L’Éducation sen­ti­men­ta­le, son­dern La réé­du­ca­ti­on sen­ti­men­ta­le, vor allem jener Gefüh­le, über wel­che die Wahr­neh­mung von Unter­schie­den stattfindet. 

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Welt online mel­det unter Beru­fung auf einen Report des Insti­tuts der deut­schen Wirt­schaft, dass in den MINT-Beru­fen Stand Okto­ber in Deutsch­land 263.000 Arbeits­kräf­te fehl­ten. „Eine Rech­nung zeigt, wie bedeut­sam aus­län­di­sche Fach­kräf­te sind, um die Lücke zu ver­rin­gern.” Über­schrift: „Zuwan­de­rer bewah­ren Deutsch­land vor Fach­kräf­te-Kol­laps”. Illus­triert ist der Text mit dem Foto einer jun­gen dun­kel­häu­ti­gen Ingenieurin. 

 
Fin­de den Fehler.

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Durch den Kli­ma­wan­del wer­de unse­re Gesund­heit lei­den, droht lüs­tern die Zeit. Dies­mal ist die Quel­le nicht der Kaf­fee­satz aus der Kan­ti­ne des IPCC, son­dern das in Lon­don erschei­nen­de Medi­zin-Jour­nal The Lan­cet. „Bei einem Wei­ter­wirt­schaf­ten wie bis­her ‚wird das Leben jedes heu­te gebo­re­nen Kin­des tief­grei­fend vom Kli­ma­wan­del beein­träch­tigt wer­den’, teilt das Kon­sor­ti­um The Lan­cet Count­down mit. Gehe der CO2-Aus­stoß wei­ter wie bis­her, wer­de ein der­zeit gebo­re­nes Kind an sei­nem 71. Geburts­tag im Schnitt in einer um vier Grad wär­me­ren Welt leben.” Und nicht, wie bis­her ange­nom­men, an sei­nem 74. 

Ich geste­he, dass mich die­se Kli­ma-Theo­lo­gie wenig inter­es­siert; ich habe, bevor ich auf der Erd­ober­flä­che mäh­lich gegart wer­de, ande­res zu tun, als mich in die­sen Spe­ku­la­ti­ons- und Modell­sa­lat ein­zu­le­sen. Aber so viel weiß ich: Es gibt kei­ne seriö­se Quel­le, die in den nächs­ten sieb­zig Jah­ren vier Grad Tem­pe­ra­tur­an­stieg pro­gnos­ti­ziert, es gibt dazu über­haupt kei­ne seriö­se Pro­phe­zei­ung, weil nicht alle Fak­to­ren bekannt sind, die in den nächs­ten 70 Jah­ren eine Rol­le spie­len wer­den (die NASA hat ja eine Abküh­lung durch den Rück­gang der Son­nen­ak­ti­vi­tät ange­kün­digt). Und wenn es sich so ver­hiel­te, wie The Lan­cet barmt, kön­nen wir sowie­so all­mäh­lich zur Abschluss­par­ty über­ge­hen, dann ist eh nichts mehr zu ret­ten. Denn wenn es in 70 Jah­ren vier Grad sind, wie­viel wären es dann in 100 Jahren? 

Wenn irgend­wer in der Ham­bur­ger „Hui-bu!”-Redaktion ernst näh­me, was man da sel­ber in den Äther morst, dann müss­ten die Leit­ar­ti­kel über den not­wen­di­gen Aus­stieg aus dem Atom­aus­stieg und die For­de­rung nach rigi­den Gebur­ten­kon­trol­len in Afri­ka dort nur so vom redak­tio­nel­len Band gehen. Und die flam­men­den Mani­fes­te gegen die isla­mi­sche Zeu­gungs­pro­pa­gan­da erst! Aber sie sor­gen sich dann doch mehr um ihre gegen­wär­ti­ge Gesund­heit als um die Zukunft des Kli­mas. Sieb­zig Jah­re sind eine lan­ge Zeit. Bis dahin ist auch die schrills­te Pro­gno­se vergessen.

Apro­pos The Lan­cet: Im Sep­tem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res hat die Medi­zin-Gazet­te eine Meta-Stu­die zur Wir­kung von Alko­hol­kon­sum auf die Gesund­heit jener anthro­po­mor­phen Kreb­se ver­öf­fent­licht, die im kom­men­den Säku­lum angeb­lich gekocht wer­den. Damals schlag­zeil­te die Zeit ver­gleich­bar hys­te­risch: „Selbst das eine Bier­chen ist schon unge­sund” und warn­te: „Alko­hol scha­det ab dem ers­ten Trop­fen. Und ist welt­weit für noch mehr Tote ver­ant­wort­lich als gedacht.” Was die sta­tis­ti­sche Erhe­bung tat­säch­lich zeig­te, war bei­na­he das Gegen­teil. In der hun­dert­tau­send­köp­fi­gen Grup­pe, deren Ange­hö­ri­ge fünf Glä­ser Wein oder Bier am Tag tran­ken, erkrank­ten kolos­sa­le 328 Per­so­nen mehr an mög­li­cher­wei­se auf Alko­hol­ein­fluss rück­führ­ba­ren Zip­per­lein als bei der Ver­gleichs­grup­pe der Absti­nenz­ler, also 0,328 Pro­zent. (Ich habe damals dar­über geschrie­ben.) Ich ver­mu­te, es han­delt sich dies­mal um ein ähn­li­ches Mus­ter; man will das eige­ne Kli­ma­ka­ta­stro­phen­ge­döns inmit­ten des all­ge­mein herr­schen­den schließ­lich an die Lese­rin bringen.

Eine ande­re Fra­ge zu die­ser Stu­die drängt sich noch auf: Wenn, wie es heißt, vor allem die Kin­der am meis­ten unter der Erd­er­wär­mung von vier Grad lei­den wür­den – wür­den; das ist zwar nicht empi­risch, aber gesi­chert –, war­um bekom­men dann die Men­schen in Welt­ge­gen­den, wo es vier und mehr Grad wär­mer ist als in Ham­burg und Lon­don, deut­lich mehr Kin­der nicht nur als Zeit-Redak­teu­rin­nen, son­dern als Euro­päe­rin­nen über­haupt? Schnal­len die’s nicht, dass es für die Klei­nen viel zu heiß ist? Anders gefragt: Fan­gen wir hier in God Old Euro­pa auch wie­der rich­tig mit dem Schnack­seln und Kin­der­ma­chen an, wenn die vier Grad mehr end­lich bis auf die lah­men blei­chen Len­den durchschlagen?

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