7. November 2019

„Was unter­schei­det eigent­lich Leip­zi­ger Links­ex­tre­me, liba­ne­si­sche Clans und Reichs­bür­ger?
Eine Grup­pe gilt als staats­ge­fähr­dend.”
(Alex­an­der Wendt)

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Zuwei­len kommt es vor, dass mir Leu­te ver­si­chern, nur ein Tag ohne das im klei­nen Eck­la­den ver­ab­folg­te Ori­gi­nal-Strych­nin sei für sie nicht unbe­dingt ein ver­lo­re­ner, aber ein weni­ger amü­san­ter, irgend­wie unvoll­kom­me­ner Tag. Ange­sichts des bedau­er­li­chen Umstands, dass in den kom­men­den drei Wochen nur ein ein­ge­schränk­tes Sor­ti­ments ange­bo­ten wird, emp­fiehlt der Schreib-Klaus­ner des­halb, dass Sie, geneig­ter Leser, sich im Ent­zugs­not­fall statt­des­sen zum Hörer umschu­len las­sen und eini­ge in den ver­gan­ge­nen Tagen ent­stan­de­ne Video-Mit­schnit­te anschau­en, die hier, einer nach dem ande­ren, in Kür­ze online gehen wer­den, zum Bei­spiel zunächst mei­nen in einem Kat­zen­kon­fe­renz­raum (ana­log zum Kat­zen­tisch) des Main­zer Land­ta­ges gehal­te­nen Vor­trag über die Fra­ge der Ver­gleich­bar­keit oder Nicht­ver­gleich­bar­keit von DDR und BRD (der Haupt­saal wur­de dem Ver­an­stal­ter auf bewähr­te Art ver­wei­gert, was aber nicht DDR-like sein kann, denn dort säße des­sen kom­plet­tes Per­so­nal  im Knast). 

Es gibt für Eili­ge hier eine Ras­pel­kurz­ver­si­on, der Gedul­di­ge indes fin­det sei­nen Lohn hier.

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Jetzt ist es amt­lich: In fünf Jah­ren ist der Nord­pol eis­frei. Und noch mal zwei Jah­re spä­ter wird Mario Göt­ze ein wich­ti­ges Tor gegen Argen­ti­ni­en schießen.

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Höhe­punk­te des deut­schen Twit­ter­jour­na­lis­mus (wer dem Gauch ins erze­ne Ant­litz schau­en und sei­ne viel­fäl­ti­gen Ver­wen­dungs­mög­lich­kei­ten stu­die­ren will, kann es hier):

pertsch 2015

Ret­tung naht hier.

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Leser *** rügt: „Sie ver­wen­den regel­mä­ßig die­se von einem bestimm­ten Milieu sich selbst als Ehren­ti­tel zuge­wie­se­ne Bezeich­nung ‚Anti­fa’. Nichts könn­te inhalt­lich ver­kehr­ter sein. War­um benen­nen wir als halb­wegs nor­mal Geblie­be­ne die­se Durch­ge­knall­ten nicht als das, was sie sind: Neo­fa – oder von mir aus NeoSA?”

Also was micht betrifft: Ich emp­fin­de „Anti­fa” nicht als Ehren­ti­tel, son­dern als eine Mischung aus fal­schem Pathos, unfrei­wil­li­ger Sati­re und Kitsch. Über­haupt geht mir die infla­tio­nä­re, pene­trant dum­me und dreis­te Ver­wen­dung der his­to­risch zu einer abge­schlos­se­nen Epo­che gehö­ren­den Ter­mi­ni „Faschis­mus” und „Nazi” gewal­tig aufs Plätz­chen. Aber die­se aggres­si­ven Schel­me sind ja kei­ne Neo­fa! Ich zitie­re in der Sache regel­mä­ßig und unver­dros­sen Ernst Nie­kischs * Defi­ni­ti­on, Faschis­mus sei „die bür­ger­li­che Gesell­schaft im Bela­ge­rungs­zu­stand”. Antifa ist also von der Ten­denz her nicht grund­falsch, nur sug­ge­riert die­ses „Anti-”, man wen­de sich gegen einen ech­ten Feind, gehe ein hohes per­sön­lich Risi­ko ein, wäh­rend ja aus die­ser Per­spek­ti­ve auch Mer­kel, Macron, Frau Clin­ton, die EU-Spit­ze, die Deut­sche Bank und die Evan­ge­li­sche Kir­che auch Antifa sind. Die Buben des Schwar­zen Blocks leben von Staats­kne­te, die hal­be Par­tei­en- und Medi­en­land­schaft hät­schelt sie als Boden­trup­pe gegen „rechts”, und die Poli­zei in rot­grün regier­ten Bun­des­län­dern ist gehal­ten, die Ran­da­lie­rer unge­fähr wie auf­müp­fi­ge Schul­mäd­chen zu behan­deln. Schon die DDR-Bereit­schafts­po­li­zei wür­den aus­rei­chen, und es wäre Schluss mit Anti. Wobei das „Anti” eine Ver­dre­hung der tat­säch­li­chen Rich­tung mit dem Ziel ist, sich selbst als den zurückschla­gen­den Teil zu prä­sen­tie­ren; tat­säch­lich erle­ben wir ja kei­nen Wider­stand gegen, son­dern Atta­cken auf ein Sys­tem, das sich wun­der­li­cher­wei­se nicht ernst­haft wehrt und die Angrei­fer oben­drein alimentiert.

Gott, wie ich die­ses Land liebe.

* Leser *** moniert, die­se Faschis­mus­de­fi­ni­ti­on stam­me von Wolf­gang Ven­ohr; ich hät­te das doch sel­ber vor ein paar Jah­ren in den Acta geschrie­ben. Stimmt. Der Satz steht in Haffner/Venohr, „Preu­ßi­sche Pro­fi­le”, S. 9. Kei­ne Ahnung, wes­halb ich ihn unter Nie­kisch abge­spei­chert habe. Ich bit­te um Pardon.

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Ein ande­rer deut­scher Held und Beken­ner ist Herr Kuf­fler, Betrei­ber des Restau­rants „See­haus” im Münch­ner Eng­li­schen Gar­ten, der sich in die deut­sche Tra­di­ti­on ent­schlos­se­ner Oppo­si­ti­ons­be­kämp­fung fügt und zu die­sem Behu­fe sein jüdi­sches Pedigree ent­deckt oder erfun­den hat; ein Fähn­lein von Schwe­fel­ju­den sagt hier das Not­wen­di­ge und wahr­lich kein Wort mehr als das Not­wen­di­ge dazu.

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„Islam­kri­ti­ker wie Nec­la Kelek wur­den plötz­lich als ‚hei­li­ge Krie­ger’ und ‚Hass­pre­di­ger’ beschimpft, als stün­de es ihnen nicht zu, sich mit ihrer eige­nen Her­kunft und Kul­tur aus­ein­an­der­zu­set­zen. Sie wur­den ihrer eige­nen Kon­flik­te beraubt, die nun von der west­deut­schen Lin­ken als deren eige­ne Ange­le­gen­heit über­nom­men wur­den, so wie auch die Ost­deut­schen von ihren Kon­flik­ten ent­eig­net wur­den, indem jedes Pro­blem, das sie mit­ein­an­der hat­ten, in das Kon­flikt­po­ten­zi­al west­deut­scher Par­tei­en inte­griert wur­de und fort­an als Ost-West-Kon­flikt galt, als wären die Ost­deut­schen vier­zig Jah­re lang eine homo­ge­ne Mas­se gewe­sen.„
Also schreibt Moni­ka Maron in der NZZ. (Wei­ter hier.)

                                 ***

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