Späterer 22. November 2019

„Wir sind heu­te in der wun­der­ba­ren Lage, zu begrei­fen, wel­che absto­ßen­de Sache für einen Patri­zi­er oder einen anti­ken Ästhe­ten das Erschei­nen des Chris­ten­tums gewe­sen sein muss.” *
Cior­an, Dezem­ber 1967

 
* „Beson­ders die Äch­tung des Cir­cus.” (Leser ***)

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Regel für Stu­die­ren­de: Alle Tex­te, die älter als 20 Jah­re sind, ent­hal­ten frag­wür­di­ge, kaum mehr aktu­el­le Bot­schaf­ten; sie sind, sofern sie ein Mann geschrie­ben hat, oft­mals sexis­tisch, sofern sie ein Wei­ßer geschrie­ben hat, immer struk­tu­rell ras­sis­tisch; sie repro­du­zie­ren bewusst oder unbe­wusst über­hol­te patri­ar­cha­li­sche und ras­sis­ti­sche Macht­struk­tu­ren; sie kon­stru­ie­ren Wirk­lich­keit, wur­den aber von der Wirk­lich­keit längst über­holt; man muss sie äußerst kri­tisch lesen, ihre rück­stän­di­gen, mani­pu­la­ti­ven und repres­si­ven Absich­ten entlarven. 

 
Aus­ge­nom­men sind natür­lich der Koran und die Hadi­the. Auch fort­schritt­li­che Men­schen haben schließ­lich nur eine ein­zi­ge Gesundheit.

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Die Steg­ner-Jugend auf twitter:

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Wenn so ein Vor­sil­ben-Fascho Beschimp­fun­gen wie „ras­sis­ti­scher Het­zer“ in die Tas­ten haut, fühlt er sich wahr­schein­lich unge­fähr so ker­nig wie ein Zehn­jäh­ri­ger, der zum ers­ten­mal aus dem Schutz sei­ner Cli­que „Fot­ze!” schreit; bei­den gemein­sam ist, dass sie kei­ne Ahnung haben, wovon sie eigent­lich reden. Hät­te ich Gewalt­phan­ta­sien, Genos­sen, ich leb­te sie dis­kret mit einer zähen Hure aus. So aber geht die gan­ze Koh­le für den gewalt­tä­ti­gen Ver­zehr von Aus­tern und Dry-aged-Ent­recôtes drauf.

Wie inzwi­schen üblich, gibt es einen Mit­schnitt mei­nes Vor­trags, in wel­chem sich jeder Inter­es­sier­te auf die Suche nach ras­sis­ti­scher Het­ze und Gewalt­phan­ta­sien bege­ben kann. Ich wün­sche gute Unter­hal­tung! (War­um ich bei 13.42 „Aka­de­mi­ker­po­kal” lese statt „Aka­de­mi­ker­por­tal” wüss­te ich auch gern, vor allem aber, war­um es mir nicht ansatz­wei­se auf­ge­fal­len ist.) 

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Für eine blo­ße Ver­schwö­rungs­theo­rie ist Le Grand Rem­pla­ce­ment aber schon recht weit vor­ge­drun­gen, näm­lich ins fran­zö­si­sche Fern­se­hen. Mabou­la Sou­m­aho­ro, von Ein­wan­de­rern von der Elfen­bein­küs­te abstam­men­de und in Paris gebor­ne­ne außer­or­dent­li­che Pro­fes­so­rin für Eng­lisch an der Uni­ver­si­té Fran­çois-Rabel­ais, Tours, sowie am Pari­ser Insti­tut für Poli­tik­wis­sen­schaft mit For­schungs­schwer­punkt „afro­ame­ri­ka­ni­sche Stu­di­en und afri­ka­ni­sche Dia­spo­ra”, beschied Alain Fin­kiel­kraut vor lau­fen­der Kame­ra: „Ihre Welt geht unter. Sie kön­nen in Panik gera­ten, wie Sie wol­len, es ist vor­bei!” Und dann ist es der Phi­lo­soph selbst, der den ras­sis­ti­schen Ver­schwö­rer­be­griff in den Lügen­mund nimmt. 

 
Ich kann den intel­lek­tu­el­len Rang von Madame Sou­m­aho­ro nicht beur­tei­len, ihre Stu­di­en­ge­bie­te inter­es­sie­ren mich dafür viel zu wenig, sie mögen aber völ­lig legi­tim sein, auch wenn ech­te Kory­phä­en wohl so schnell nicht dar­aus her­vor­ge­hen wer­den, weil sie vom Res­sen­ti­ment durch­tränkt sind. Ich kann und will über die­se Dame nichts sagen, die laut fran­zö­si­scher Wiki­pe­die vor allem als „Anti­fa­schis­tin und Afro­fe­mi­nis­tin” bekannt ist, womit ja genug über sie gesagt wäre. Aber über den von ihr tri­um­phie­rend ange­kün­dig­ten Unter­gang ein Wort. Kann gut sein, dass ihr das Lachen schnell ver­ge­hen wird. Es ist nicht ganz unwahr­schein­lich, dass ein nicht uner­heb­li­cher Teil der­je­ni­gen, die in den nächs­ten zwei Genera­tio­nen den Wes­ten die­ses Kon­ti­nent beer­ben und über­neh­men wer­den, mit des­sen Infra­struk­tur, Tech­nik und Kul­tur nicht viel mehr anfan­gen kann als ein Goril­la mit einer Vio­li­ne. Dass all der schö­ne Wohl­stand von den Shop­ping Malls über die medi­zi­ni­sche Betreu­ung bis zur Ener­gie­ver­sor­gung eines Tages nicht mehr vor­han­den ist, und spe­zi­ell von Femi­nis­tin­nen und „Anti­fa­schis­tin­nen” ist in sol­chen Fäl­len wenig Hil­fe zu erwar­ten, weil ihre para­si­tä­re Exis­tenz ohne Wirt nicht mehr funk­tio­niert, das heißt, sie sind dann auch nicht mehr vor­han­den (allen­falls, wenn es sich lohnt, zuhan­den). Dann wer­den es die ande­ren sein, die noch ein­mal bit­ter aus ihren Grä­bern und Exi­len lachen.

Eine amü­san­te Ver­si­on der Zukunft nach dem Gro­ßen Aus­tausch (den es nicht gibt!) fin­det sich übri­gens hier.

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Aus Texas sen­det Leser *** die­ses Foto:

IMG 1305

Mer­kel hat etwa 2500 Ein­woh­ner. „Around 1870, when the Texas and Paci­fic Rail­way was built, the town was foun­ded as Wind­mill Town (Her­vor­he­bung von mir – M.K.). In 1881, it was ren­a­med as Mer­kel in honor of the first sett­ler in this area, S. M. Mer­kel from Ger­ma­ny” (Wiki­pe­dia).

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