1. Dezember 2019

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Die deut­schen Innen­mi­nis­ter wol­len sich die­sem Pro­blem kom­men­de Woche am Kamin stel­len, denn wel­cher Poli­ti­ker sieht sich schon gern täg­lich in den Nach­rich­ten, wenn auch oft nur unter „Vemisch­tes”, mit einer von ihm poli­tisch gebil­lig­ten oder sogar (mit)ausgelösten Blut­spur kon­fro­niert? Aber es ist zu spät, Genos­sen Groß­ko­ali­tio­nä­re, und lan­ge schon egal, ob die Natio­na­li­tät von Mes­ser­ste­chern, Ehe­frau­en­fri­kas­sie­rern, Kopf­ab­schnei­dern bzw. ‑hackern, Kopf­tre­tern, Men­schen-vor-den-Zug-Sto­ßern, Rent­ner­ver­prüg­lern und Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gern genannt wird oder nicht, es weiß ohne­hin jeder Bescheid, es wird auch künf­tig jeder wis­sen, wel­chen Gewalt­aus­bruch er mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit wel­cher Täter­grup­pe zuzu­ord­nen hat, und die Ver­heim­li­chung der Her­kunft, so gebo­ten einem Kri­mi­na­li­täts­im­por­teur die Bilanz­ver­schleie­rung auch erschei­nen mag, wird eher das Gegen­teil errei­chen und tat­säch­lich zu Ver­dachts­ge­ne­ra­li­sie­run­gen füh­ren, außer bei den zahl­lo­sen Wohl­mei­nen­den, die ihre Lek­ti­on erst am eige­nen Lei­be ler­nen müs­sen. Wie zum durch­aus noch sof­ten Bei­spiel sie (Had­mut Danisch hat einen älte­ren Arti­kel auf­ge­tan, wo unser heu­len­des Sen­si­bel­chen sich  noch über die „Ängs­te” der ande­ren lus­tig mach­te.) Tja, und was Ihre poli­ti­sche Mit­ver­ant­wor­tung betrifft, Genos­sen Groß­ko­ali­tio­nä­re: Kein ARD-Fak­ten­che­cker wird Sie davon los­be­ten können.

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„Wie Erwach­se­ne den Kin­dern ihre Sorg­lo­sig­keit gön­nen, so wer­den Welt­bür­ger, soll­te es sie eines Tages geben, den her­kömm­li­chen Erwach­se­nen ihre loka­len Sor­gen zuge­ste­hen.„
Peter Slo­ter­di­jk

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Eines muss man den Jako­bi­nern zugu­te­hal­ten: Sie haben wenigs­tens nicht öffent­lich gefoltert.

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Leser *** klärt mich dar­über auf, dass die von mir (bei mei­nem Vor­trag zum 30. Jah­res­tag des Mau­er­falls) gebrauch­te Rede­wen­dung „Unter den Nägeln bren­nen” kor­rekt „Auf den Nägeln bren­nen” lau­ten muss, denn: 

„Sie geht zurück auf das mit­tel­al­ter­li­che Klos­ter­we­sen, in dem sich Mön­che zum Lesen klei­ne Ker­zen auf die Dau­men­nä­gel kleb­ten. Wenn sie dann an einer beson­ders span­nen­den Stel­le nicht auf­hö­ren moch­ten, obwohl es an der Zeit war das Leucht­mit­tel zu wech­seln, dann war die­se Stel­le eben so drän­gend, dass es ihnen auf den Nägeln brannte.”

Schö­nen Dank für die Belehrung!

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Der nächs­te schert aus Reih’ und Glied: Der Astro­phy­si­ker und Meteo­ro­lo­ge Piers Cor­byn, älte­rer Bru­der von Labour-Chef Jere­my Cor­byn, erklärt den CO2-Tam­tam zur „größ­ten Lüge der Menschheitsgeschichte”.

 

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Ich habe nicht das Gerings­te gegen Frau­en­sport, ich schaue sogar lie­ber den Frau­en als den Män­nern bei der Leicht­ath­le­tik zu, weil ich eine unheil­ba­re Hete bin, aber Frau­en­fuß­ball tu’ ich mir denn doch nicht an, mögen die Pro­pa­gan­dis­ten auf allen Kanä­len trom­meln, und zwar aus dem ein­zi­gen Grund, dass ich die Zeit­lu­pe auf gelun­ge­ne Spiel­zü­ge beschränkt sehen will und mir nicht ein­re­den las­se, man möge sie auf gan­ze Par­tien ausdehnen.

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Aus der Rei­he „Schü­ler des klei­nen Doktors”:

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PS: Lese­rin *** fragt, wo das mani­pu­lier­te Höcke-Foto denn zu sehen gewe­sen sei. Ich habe es bei soge­nann­ten Gegen­de­mons­tran­ten in Braun­schweig gese­hen. Aller­dings fiel mir beim Suchen auf, dass noch ein ande­rer Schnapp­schuss exis­tiert, auf wel­chem Meis­ter Uri­an nur mit dem rech­ten Arm winkt. Dem Kreuz­ber­ger Kin­der-Stür­mer ist gericht­lich gestat­tet wor­den, die­ses Bild wei­ter zu ver­wen­den und in fri­vo­le Zusam­men­hän­ge zu set­zen. Viel­leicht bin ich einer Des­in­for­ma­ti­on auf den Leim gegan­gen? Das wür­de am Mot­to oben frei­lich wenig ändern… 

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Aus der Serie „Huma­nis­ten has­sen die Richtigen”:

Stein

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Aber die Sonn­ta­ge immer…!

Das aktu­el­le Titel­blatt eines Maga­zins erin­nert an ein Jubi­lä­um und erschreckt mit der anschei­nend unver­meid­li­chen Profanierungs-Ankündigung. 

DER SPIEGEL 49 2019 Ein Popstar wird 250 BEETHOVEN

Wir wis­sen von Beet­ho­ven ledig­lich den Geburts­mo­nat und das Tauf­da­tum (17. Dezem­ber). Nun ste­hen also die Schre­cken eines „Beet­ho­ven-Jah­res” ins Haus. Mer­ke: Den Moder­nen inter­es­sie­ren an der Bio­gra­phie eines Gro­ßen, sofern ihn über­haupt irgend­et­was dar­an inter­es­siert, die Gemein­sam­kei­ten, die ihn mit jenem ver­bin­den könn­ten: Lieb­schaf­ten, Kopu­la­ti­ons­ge­pflo­gen­hei­ten, Haus­rat, sozia­le Stel­lung, Ver­hält­nis zu Vor­ge­setz­ten, Kun­den, Auf­trag­ge­bern, poli­ti­sche Anschau­un­gen, Frei­zeit­ge­stal­tung, Kon­sum­ge­wohn­hei­ten. Den klei­nen uner­klär­li­chen Rest namens Per­sön­lich­keit und Bega­bung schen­ken wir uns. 

Mein Bei­trag zum Jubi­lä­um mag in der Emp­feh­lung eini­ger Lieb­lings­in­ter­pre­ta­tio­nen von Lieb­lings­stü­cken bestehen (aber wahr­schein­lich ken­nen Sie das meis­te ohnehin).

Zuvör­derst die Dia­bel­li-Varia­tio­nen, für mei­ne Begrif­fe das Größ­te, Frei­es­te, Herr­lichs­te, was er je kom­po­niert hat, gespielt von, na wem schon (hier).

Sodann die d‑Moll- (oder „Sturm”-) Sona­te in einer Inter­pre­ta­ti­on, die mir in letz­ter Zeit sehr ins Herz gewach­sen ist (die Sät­ze ste­hen ein­zeln hier, hier und hier). 

Des­wei­te­ren mein Favo­rit unter den Beet­ho­ven-Kla­vier­kon­zer­ten (wegen des zwei­ten Sat­zes), dar­ge­bo­ten von einem Her­ren, der, was die schie­re Schön­heit sei­nes Spiels betrifft, ledig­lich einen früh­ver­stor­be­nen Lands­mann zum Kon­kur­ren­ten hat (auch hier wie­der jeder Satz sepa­rat hier, hier und hier).

Schließ­lich „Il tes­ta­men­to” unter den Hän­den eines der Aller­größ­ten über­haupt, in der Mischung aus Form­be­wusst­sein, Sub­ti­li­tät und Gewalt­tä­tig­keit gewis­ser­ma­ßen der Furtwäng­ler unter den Pia­nis­ten (hier).

Apro­pos: Die „Neun­te” zäh­le ich aus­drück­lich nicht zu mei­nen Favo­ri­ten, aber in die­ser Dar­bie­tung denn doch (Nie­der­knie­en, durch­wei­nen; ich habe hier ein paar Wor­te zu die­ser Auf­nah­me geschrieben). 

Mit Welt­ver­brü­de­rungs-Radau soll es nicht enden, son­dern wenigs­tens mit ver­lieb­ter Melan­cho­lie. Als man Pava­rot­ti frag­te, wer der größ­te Tenor über­haupt gewe­sen sei, nann­te er sei­nen Namen, und alle Musen klim­per­ten bei­fäl­lig mit ihren Wim­pern bzw. Juwe­len (hier).  

 
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Wie immer zum Monats­wech­sel ist eine Monats­end­fi­gur fäl­lig; dies­mal mit dem Hän­di abkon­ter­feit auf der schumm­ri­gen Her­ren­toi­let­te eines soli­den Ber­li­ner Restau­rants, wo die bezir­zen­de Maid bis­lang offen­bar von Sexis­mus­fahn­dern unbe­hel­ligt posiert, frei­lich mit Blitz­licht­re­flex und ent­spre­chen­der Bildqualiltät:

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Wie eben­falls immer zum Monats­en­de geht auch heu­er der Klin­gel­beu­tel um, mit einem Vergelt’s Gott! an all die­je­ni­gen, die ihn im ver­gan­ge­nen Umlauf groß­zü­gig füll­ten – spe­zi­ell an U. und A.K.K. ;-)! Alle ande­ren kli­cken bit­te hier.

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