2. Dezember 2019

„Damit Weiß­sein ‚pro­ble­ma­ti­siert’ wer­den kann, muss Wei­ßen erst ein­mal auf­ge­zeigt wer­den, dass sie ein Pro­blem dar­stel­len. Und zwar nicht nur auf einer gewis­sen intel­lek­tu­el­len, abs­trak­ten Ebe­ne (…) Wie das so häu­fig der Fall ist, wenn ein Kon­zept über die Mau­ern der aka­de­mi­schen Ein­rich­tun­gen in die wei­te Welt hin­aus­dringt, kommt es in der Welt der Stars zu der offen­sicht­lichs­ten Demons­tra­ti­on, dass die neue Bot­schaft in der Mit­te der Gesell­schaft ange­kom­men ist, und dass naht­los von der Hal­tung, dass Ras­se kei­ne Rol­le spielt, dazu über­ge­gan­gen wur­de, dass Ras­se das ein­zi­ge ist, was zählt.„
Dou­glas Mur­ray, „Wahn­sinn der Massen”

                                 ***

AfD-Quiz. Die rich­ti­ge Ant­wort ist C: Eben weil die Nazis die Umvol­kung woll­ten, sind sie dagegen.

                            

                                 ***

Das ist die Frau, mit der Sebas­ti­an Kurz koalie­ren will:

Screenshot 20191201 151917

Anschei­nend hält sie die deut­sche Kriegs­erb­schuld genau­so für ein Kon­strukt wie die Kom­ma­set­zung und die ras­sis­ti­sche Kul­tur der wei­ßen Supre­ma­tis­ten. Kurz! Tun Sie was!

                                 ***

„Als Gene­ti­ker weiß ich, dass es nicht mehr mög­lich ist, die durch­schnitt­li­chen Unter­schie­de zwi­schen den ‚Ras­sen’ zu igno­rie­ren.„
David Reich, Pro­fes­sor für Gene­tik in Har­vard, in der New York Times vom 21. März 2018

                                 ***

„Eli­te­ein­heit unter Rechts­ex­tre­mis­mus-Ver­dacht”, mel­det die Welt. (Stand eigent­lich schon mal eine Behör­de unter Links­ex­tre­mis­mus-Ver­dacht? Das AA? Das BAfMF?) Ich fin­de sol­ches „Framing” ange­sichts der regie­ren­den Staats­sym­bol­weg­wer­fe­rin und Grund­ge­setz­sou­ve­räns­ab­schaf­fe­rin stets recht drol­lig. Leser *** unter­brei­tet eini­ge alter­na­ti­ve Verdachtsversionen:

– Die Grü­nen unter Dro­gen­ver­dacht
– Der Spie­gel unter Lügen­ver­dacht
– CDU unter Betrugsverdacht

Ich habe hier schon aus­ge­führt, dass jede Armee und jeder Kampf­ver­band nach den Kri­te­ri­en des der­zeit herr­schen­den Zeit­geis­tes „rechts­ex­trem” ist. Und sein muss, näm­lich: männ­lich, krie­ge­risch, bün­disch, hin­rei­chend bru­tal, ster­be- und tötungs­be­reit. Gna­de uns Allah, wenn es sich ein­mal nicht mehr so verhält.

                                 ***

Die Sozio­lo­gin Jut­ta All­men­din­ger beob­ach­tet der­zeit den Woh­nungs­markt in Über­see. Gegen­über Zeit online beteu­ert sie: „Es gibt dicke rote Fle­cken auf der Land­kar­te, wo nur noch Wohn­geld­be­zie­her leben. Ande­rer­seits Vier­tel mit einem über­pro­por­tio­nal hohen Anteil von Immo­bi­li­en­be­sit­zern und Bezie­hern hoher Ein­kom­men. Dabei brau­chen wir durch­misch­te Wohn­vier­tel. Sonst fin­det kei­ne Begeg­nung mehr statt. In die­ser Hin­sicht ist Ame­ri­ka ein Höllenvorbild.”

Als Höl­le. Hm. War­um eigent­lich nicht Vene­zue­la? Oder Kuba? Immer­hin haben wir der­zeit immer noch eine Par­tei in der Regie­rung, deren Vor­sit­zen­der von Kol­lek­ti­vie­rung redet, und was Kol­lek­ti­vis­ten an der Macht zustan­de­brin­gen, lässt sich der­zeit in die­sen Län­dern am ein­drucks­volls­ten stu­die­ren. Schlim­mer als Ame­ri­ka geht immer.

Zeit online erkun­digt sich besorgt: „Wel­che Gefahr birgt die­se Ent­wick­lung für unse­re Gesellschaft?”

All­men­din­ger repli­ziert: „Letzt­end­lich steht die Demo­kra­tie dem Spiel. Weil eine Demo­kra­tie immer davon abhängt, dass sich Men­schen zuge­hö­rig füh­len. Dass die klei­nen Wirs der Fami­li­en mit­ein­an­der ver­bun­den sind und sich als Teil von gro­ßen Wirs füh­len. Dass das par­ti­ku­la­re Ver­trau­en in Ein­zel­ne zu einem gene­ra­li­sier­ten Ver­trau­en in die Mit­men­schen wird. Das aber setzt vor­aus, dass es Orte der Begeg­nung gibt. Die müs­sen wir wie­der schaf­fen. Begeg­nun­gen sind die ein­zi­ge Mög­lich­keit, ein Über­maß an Ste­reo­ty­pi­sie­run­gen und Stig­ma­ti­sie­run­gen zu über­win­den, unter denen unse­re Gesell­schaft zuneh­mend lei­det. Ich glau­be, es kann kei­ne demo­kra­ti­sche Gesell­schaft geben, wenn bestimm­te Grup­pen lang­fris­tig aus­ge­schlos­sen sind. Aber genau das geschieht gerade.”

Jedem AfD-Wäh­ler kom­men die­se Töne irgend­wie bekannt vor. Aber Frau All­men­din­ger (in deren Namen die All­men­de kaum ver­bor­gen fort­west) meint es nicht im Sin­ne der Some­whe­res. In ihrem Inter­view über feh­len­den Wohn­raum und wach­sen­de Obdach­lo­sig­keit in Kein-schö­ner-Land fällt weder das Wort Migra­ti­on noch das Wort Aus­län­der, denn die Tat­sa­che zu erwäh­nen, dass irgend­ein Zusam­men­hang bestehen muss zwi­schen ca. zwei Mil­lio­nen seit 2015 neu Her­ein­ge­schnei­ten, nach wie vor in gro­ßer Zahl Her­ein­schnei­en­den und in der Regel sowohl ohne Auf­ent­halts­recht als auch ohne soli­de Job­aus­sicht hier Leben­den, das wäre frem­den­feind­lich und natio­na­lis­tisch und sicher­lich auch ras­sis­tisch. Da die­se uns auf­ge­zwun­ge­nen, von einem gro­ßen Teil der Gesell­schaft jedoch irgend­wie gewoll­ten Deutsch­land-Debü­tan­ten ja irgend­wo woh­nen müs­sen, sich eine Woh­nung frei­lich meist nicht leis­ten und auf dem frei­en Markt besor­gen kön­nen, wer­den sie eben auf Kos­ten der Steu­er­zah­ler und zu Nutz’ und From­men der Ver­mie­ter irgend­wo unter­ge­bracht, was im Umkehr­schluss dazu führt, dass für schon län­ger hier Leben­de der Wohn­raum knapp wird und man­che, wie man in den Gazet­ten liest, nach vie­len Jah­ren Mie­ter­da­sein ihre Blei­be ver­lie­ren, weil das Geschäft mit den staat­lich finan­zier­ten Dau­er­gäs­ten siche­rer und lukra­ti­ver ist. Soweit das.

Jetzt zu den „Wirs”, dem „gene­ra­li­sier­ten Ver­trau­en in die Mit­men­schen” und den „Orten der Begeg­nung”. In mul­ti­eth­ni­schen, mul­ti­kul­tu­rel­len Gesell­schaf­ten kann es so etwas nur geben – ich wie­der­ho­le mich auch hier –, wenn der Magen der Auf­nah­me­ge­sell­schaft bei der Ver­dau­ung des Frem­den nicht über­las­tet wird, wenn die Ein­wan­de­rer nicht sepa­ra­te Milieus vor­fin­den, in die sie sich gar nicht erst ein­fü­gen müs­sen, weil es ihre eige­nen sind, und wenn die Neu­en nicht ali­men­tiert wer­den, son­dern für ihr eige­nes Aus­kom­men sor­gen müs­sen. Wenn, mit einem Wort, die Auf­nahm­ge­sell­schaft von Zurech­nungs­fä­hi­gen regiert wird. Das ist seit spä­tes­tens 2015 hier­zu­lan­de nicht (mehr) der Fall. Des­we­gen mei­den vie­le Ein­hei­mi­sche die „Orte der Begeg­nung”, nicht nur den Gör­lit­zer Park oder das Kott­bus­ser Tor in Ber­lin, son­dern über­haupt den nächt­li­chen Park, die Haupt­schu­le, den Pro­blem­be­zirk. Auch fast alle Befür­wor­ter von mehr Ein­wan­de­rung tun das, denn der per­ver­sen Logik die­ser Gesell­schaft fol­gend muss jeder abwä­gen, ob ihm das Trom­meln für den Mer­ke­lis­mus und gegen „rechts” mehr nutzt, als die­se Poli­tik ihm und dem Land, zumin­dest aber sei­ner nähe­ren Wohn­um­ge­bung schadet.

Gene­ra­li­sier­tes Ver­trau­en ent­steht in einer Gesell­schaft jeden­falls nur über gro­ße Zeit­räu­me. Dem Frem­den gegen­über ist der Mensch aus guten Grün­den skep­tisch. Eine frag­men­tier­te Gesell­schaft – und die­se Frag­men­tie­rung wird nicht nur durch sozia­le, son­dern weit öfter und dras­ti­scher durch eth­nisch-kul­tu­rel­le Iden­ti­tä­ten gestif­tet – ist eine Gesell­schaft der Vor­sicht, des Miss­trau­ens und der „Ver­wer­fun­gen” (Yascha Mounk). Kol­lek­ti­ve Men­ta­li­tä­ten sind das Riff, an dem der Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus regel­mä­ßig schei­tert. In einer Rede habe ich dazu fol­gen­des ausgeführt:

„Ein etwas pro­fa­nes Kom­po­si­tum zur Beschrei­bung sol­cher kol­lek­ti­ven Men­ta­li­tä­ten heißt: kul­tu­rel­les Kapi­tal. Es ver­bin­det die Sphä­re der All­tags­kul­tur mit jener der Öko­no­mie. Das ist bekannt­lich eine sehr prak­ti­sche Sphä­re, wes­halb die uni­ver­si­tä­re Idee, alle Völ­ker sei­en letzt­lich irgend­wie gleich, dort nie Fuß gefasst hat. Das Kon­sum­ver­hal­ten der Völ­ker unter­schei­det sich erheb­lich. Ein und das­sel­be Pro­dukt wird in ver­schie­de­nen Län­dern unter­schied­lich bewor­ben. Es han­delt sich um eine Art Racial Pro­filing der Mar­ke­ting­ab­tei­lun­gen. Die typisch deut­sche Wer­bung mit dem Mann als Depp und der Frau als Weg­wei­ser wäre anders­wo der Image-Tod des Produkts.

Kein Unter­neh­men wird in einem Land inves­tie­ren, ohne zuvor zu recher­chie­ren, was für ein Men­schen­schlag dort lebt, das heißt Kal­ku­la­tio­nen über das kul­tu­rel­le Kapi­tal anzu­stel­len. Dazu gehö­ren: Bil­dung, Intel­li­genz, Arbeits­mo­ral, Leis­tungs­wil­le, Pünkt­lich­keit, Ver­läss­lich­keit, Ver­trags­treue, Recht­s­treue, Fair­ness. Wo kul­tu­rel­les Kapi­tal die­ser Art über Genera­tio­nen akku­mu­liert wur­de, wird man mit höchs­ter Wahr­schein­lich­keit eine Gesell­schaft vor­fin­den, in der Ach­tung vor den Rech­ten des Indi­vi­du­ums inclu­si­ve Mei­nungs- und Reli­gi­ons­frei­heit herrscht, die Staats­ge­walt kon­trol­liert wird, die Kri­mi­na­li­tät gering ist, eine gute Balan­ce zwi­schen Ego­is­mus und Gemein­wohl­ori­en­tie­rung besteht sowie ein all­ge­mei­nes Inter­es­se an Bil­dung und Auf­stieg für ein ent­wick­lungs­freu­di­ges Kli­ma sorgt. 

‚Eine wesent­li­che Leis­tung des kul­tu­rel­len Kapi­tals besteht im Auf­bau von Ver­trau­en’, schreibt Rolf Peter Sie­fer­le, er ruhe in Frie­den. ‚Men­schen, die sich kul­tu­rell unter Gleich­ge­sinn­ten bewe­gen, nei­gen dazu, die­sen Ver­trau­en ent­ge­gen­zu­brin­gen und nicht in jeder Situa­ti­on miss­trau­isch Betrug zu wit­tern und Schutz­maß­nah­men zu ergrei­fen. In öko­no­mi­scher Sicht han­delt es sich hier­bei um ein Sen­ken von Transaktionskosten.’

Sie­fer­le erin­nert an die heu­te mär­chen­haft erschei­nen­de Instanz des Geld­brief­trä­gers, der bis in die 1960er Jah­re Bar­geld an pri­va­te Adres­sen zustell­te. ‚Da läuft ein älte­rer Mann mit einer schwe­ren Geld­ta­sche durch die Stra­ßen, von jedem erkenn­bar, und es geschieht ihm nichts. Heu­te müss­te er von einem Auf­ge­bot an Body­guards beglei­tet werden.’

Das hier in Rede ste­hen­de Ver­trau­en erreich­te in den eth­nisch-kul­tu­rell eher homo­ge­nen Län­dern Nord- und West­eu­ro­pas eine erstaun­li­che Sta­bi­li­tät und war ein Haupt­grund für deren wirt­schaft­li­che und geis­ti­ge Leis­tungs­fä­hig­keit. Die­ses Ver­trau­en – und das ihm zugrun­de­lie­gen­de kul­tu­rel­le Kapi­tal – wer­den gera­de mit dem Segen der Bun­des­re­gie­rung abge­räumt. Wenn wir heu­te von deut­schen Rent­nern lesen, die Betrü­gern mit dem berühm­ten daseins­ver­edeln­den Hin­ter­grund auf den Leim gegan­gen sind, erle­ben wir, wie gewis­ser­ma­ßen die Rest­be­stän­de abge­mol­ken wer­den. Die­se alten Leu­te sind ja nicht zwin­gend senil, aber in einer Umwelt des gegen­sei­ti­gen Ver­trau­ens aufgewachsen.

Ich will hier kei­ne gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung beschrei­ben oder bekla­gen, son­dern nur dar­auf hin­wei­sen, dass kul­tu­rel­les Kapi­tal in ver­schie­de­nen Völ­kern oder mei­net­hal­ben Kul­tur­krei­sen ver­schie­den ver­teilt und alles ande­re als ein Kon­strukt ist.

Auf die Fra­ge: ‚Can most peop­le be trus­ted?’, haben 1990 52 Pro­zent der Ame­ri­ka­ner und Kana­di­er mit Ja geant­wor­tet. Anno 2000 waren es nur noch 36 bzw. 39 Pro­zent. Im sel­ben Jahr ant­wor­te­ten immer noch 67 Pro­zent der Dänen mit Ja, aber nur drei Pro­zent der Bra­si­lia­ner. Wer Ver­trau­en misst, misst nicht nur den Zivi­li­sa­ti­ons­grad, er treibt zugleich Völ­ker­psy­cho­lo­gie. Ein Lin­ker wür­de sagen: Er schürt Vorurteile.

Das Ethos einer Leis­tungs­ge­sell­schaft ist viel zu kom­plex und hat viel zu tie­fe Wur­zeln, als dass irgend­wer es ‚kon­stru­ie­ren’ könn­te. Es ist ein über Genera­tio­nen gewach­se­nes Phä­no­men. Des­we­gen dau­ert es auch ver­gelichs­wei­se lan­ge, sol­ches kul­tu­rel­les Kapi­tal zu zer­stö­ren. Sie kön­nen sich aus­ma­len, wie kräf­tig ein Orga­nis­mus sein muss, der zugleich die Grü­nen hat und am Mor­bus Mer­kel labo­riert, aber trotz­dem noch wirt­schaft­lich leis­tungs­fä­hig ist. Nur: Wenn kei­ne Medi­zin ver­ab­folgt wird, kommt unver­meid­lich der Tag, an dem der Orga­nis­mus kol­la­biert. Wenn das kul­tu­rel­le Kapi­tal ein­mal zer­stört ist, kommt es nie wieder.

Hal­ten wir fest: Kul­tu­rel­les Kapi­tal ist eth­nisch-kul­tu­rell ver­schie­den ver­teilt. Der Fluch des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus besteht dar­in, dass die Sicher­hei­ten einer über Genera­tio­nen ein­ge­schlif­fe­nen All­tags­kul­tur nicht mehr gel­ten, dass im Umgang der Men­schen kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten mehr exis­tie­ren, weil plötz­lich unter­schied­li­che Grup­pen auf ein und dem­sel­ben Ter­ri­to­ri­um unter­schied­li­chen Ver­hal­tens­codes fol­gen. Das Miss­ver­ständ­nis wird zur Regel, sei­ne Ver­mei­dung zum ers­ten Gebot. Ein fal­sches Wort, eine fal­sche Ges­te kann kata­stro­pha­le Fol­gen haben. Dann müs­sen die Regeln des Zusam­men­le­bens tat­säch­lich täg­lich neu aus­ge­han­delt wer­den, und zwar nach den Kri­te­ri­en des Stär­ke­ren. Das gesell­schaft­li­che Ritu­al der Geschlech­ter bei­spiels­wei­se, der gan­ze Kos­mos von Galan­te­rie, Koket­te­rie, Flirt, Ren­dez­vous, ist dann end­gül­tig pas­sé, nicht nur an ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­si­tä­ten oder in der Redak­ti­on der Zeit. Unbe­glei­te­te männ­li­che Flücht­lin­ge oder glau­bens­fes­te Neu­mit­bür­ger ver­kli­ckern ohne­hin gera­de deut­schen Will­kom­mens­mä­dels die Besitz­ver­hält­nis­se in der neu­en Geschlechterhierarchie.”

Das sind ein­fa­che Wahr­hei­ten. Aber wer sie igno­riert, zer­stört genau das, was Frau All­men­din­ger für die Grund­la­gen einer Demo­kra­tie hält.

                                  ***

PS: „Das sozia­le Kapi­tal ist eine Teil­men­ge des kul­tu­rel­len”, bemerkt Leser ***. „Es ist u.a. die wesent­li­che Deter­mi­nan­te des Gra­des der Kor­rup­ti­on in einer Gesell­schaft, beein­flusst aber auch stark den öko­no­mi­schen Erfolg – die sog. ‚Put­nam-The­se’. Auch F. Fuku­ya­ma (Trust – the Social Vir­tu­es and the Crea­ti­on of Pro­spe­ri­ty, 1995) und natür­lich Har­ring­ton und Hun­ting­ton (Cul­tu­re Mat­ters, 2000) ver­tre­ten eine ähn­li­che Position. 

Eine Fra­ge, die oft als eine Art Lack­mus­test für das Vor­han­den­sein von Ver­trau­en und Sozi­al­ka­pi­tal gebraucht wird, ist die Über­le­gung einer ‚theo­re­ti­schen’ Mut­ter: ‚Las­se ich mein Kind allein und unbe­auf­sich­tigt in einem Park spie­len oder ist dies zu gefährlich?’
 
Sjo­erd Beu­gels­di­jk und Ton van Scha­ik unter­such­ten die Aus­wir­kun­gen unter­schied­li­cher Gra­de von Sozi­al­ka­pi­tal in ver­schie­de­nen euro­päi­schen Regio­nen und fan­den die Put­nam-The­se empi­risch bestä­tigt. Sri­ya Iyer (Uni. Cam­bridge, GB) et al. fan­den: ‚Mul­ti­va­ria­te ana­ly­sis is used to exami­ne the impact of eco­no­mic and social deter­mi­nants of social capi­tal and shows that edu­ca­ti­on is important for near­ly all indi­ca­tors of social capi­tal [bekannt­lich sind unse­re Zuge­reis­ten ja wah­re Bil­dungs-Prot­ze], and that eth­nic diver­si­ty is asso­cia­ted with lower levels of social capital.’
 
Cor­ra­do und Moni­ca Andi­ni bestä­tig­ten die Befun­de für ver­schie­de­ne ver­städ­ter­te Regio­nen in Ita­li­en. Semih Ahço­mak und Bas ter Weel fan­den, dass Sozi­al­ka­pi­tal indi­rekt auf den öko­no­mi­schen Erfolg wirkt, indem es Inno­va­ti­on begünstigt. 
Paul White­ley fasst sei­ne Unter­su­chung zusam­men: ‚The fin­dings sug­gest that social capi­tal has an impact on growth which is at least as strong as that of human capi­tal or education…’. 
Der kau­sa­le Zusam­men­hang zwi­schen Sozi­al­ka­pi­tal und wirt­schaft­li­chem Erfolg kann als gesi­chert gelten. 
Fazit: Es steht aus­ser Fra­ge, dass der kol­lek­ti­ve Selbst­mord, den der Wes­ten seit eini­ger Zeit unter­nimmt, nicht nur den Aspekt der Kul­tur, son­dern – ver­mut­lich mit eini­ger Ver­zö­ge­rung – auch den der Wirt­schaft umfasst. 
 
Wenn Sie­mens-Boss ‚Joe’ Käser also meint, die AfD sei schlecht für den Stand­ort Deutsch­land, so spie­gelt das den Bil­dungs­stand eines Man­nes wider, der BWL an der Fach­hoch­schu­le Regens­burg stu­diert hat – eine Insti­tu­ti­on, die nicht den Ruf geniesst, zu den bes­ten Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen für Öko­no­mie in Euro­pa zu gehö­ren. Der Mann ist das wirt­schaft­li­che Gegen­bild eines kom­mu­nis­ti­sche Appa­rat­schiks, der sich hoch­ge­dient hat. Er plä­dier­te für die Ein­füh­rung des bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens. Nach dem Ver­schwin­den Jamal Khash­og­gis (der von sau­di­schen Kräf­ten ermor­det wur­de) hielt er lan­ge an sei­ner Teil­nah­me an einer Kon­fe­renz in Riad fest (Käser: ‚wenn wir auf­hö­ren, mit Län­dern zu kom­mu­ni­zie­ren, in denen Men­schen ver­misst wer­den, kann ich auch gleich zu Hau­se blei­ben’). Die­ser schrä­ge Vogel ist die per­so­ni­fi­zier­te Rück­ver­si­che­rung von Sie­mens, bei Pro­ble­men auf Unter­stüt­zung durch die herr­schen­de Cli­que zäh­len zu dürfen. 
 
Deutsch­land hat kol­lek­tiv den Ver­stand ver­lo­ren – bis in die obers­ten Spit­zen der Wirt­schaft. Das Tröst­li­che dar­an ist: Ein links­ver­seuch­tes Deutsch­land wird nicht über­le­ben. Die Fra­ge ist nur noch, ob es ganz gegen die Wand fährt oder kurz vor­her doch noch halb­wegs die Kur­ve kriegt.”
 

                                  ***

Noch zum Vori­gen.
Die Grü­nen haben auf ihrem Par­tei­tag beschlos­sen, den Bau von Eigen­hei­men zu erschwe­ren, denn: „Ein­fa­mi­li­en­häu­ser ver­brau­chen beson­ders vie­le Res­sour­cen, da im Ver­gleich zum Mehr­fa­mi­li­en­haus der Außen­haut­an­teil sehr groß ist, zudem ver­schlei­ßen sie extrem viel Bau­land und Infra­struk­tur. Immer neue Ein­fa­mi­li­en­haus­ge­bie­te auf der grü­nen Wie­se trei­ben den Flä­chen­ver­brauch wei­ter an und füh­ren vie­ler­orts gleich­zei­tig zu leer­fal­len­den und öden Ortskernen.”

Lin­ke Poli­tik: Immer mehr unge­bil­de­te, unselb­stän­di­ge Aus­län­der ins Land holen, die auto­chtho­ne Bevöl­ke­rung zu deren Ali­men­tie­rung nöti­gen und dabei schlei­chend ent­eig­nen, alle zusam­men in Wohn­si­los „gut durch­mi­schen”, die dar­aus resul­tie­ren­den Kon­flik­te ver­schwei­gen (der­zeit in Schwe­den zu stu­die­ren; man ach­te auf die Dik­ti­on des Ber­li­ner Qua­li­täts­me­di­ums), Kri­ti­ker Ras­sis­ten nen­nen und sich selbst als mora­lisch ver­edel­te Vor­hut der Welt­ver­bun­tung fei­ern las­sen. Wer könn­te die­ser Ver­su­chung widerstehen?

                                 ***

  • Ein den Grü­nen nahe­ste­hen­der außer­plan­mä­ßi­ger Wirt­schafts-Pro­fes­sor – die­sen aka­de­mi­schen Rang haben übri­gens die Nazis ein­ge­führt – for­dert (grün sein heißt: for­dern) zur Kli­ma­schutz-For­cie­rung ein Baumoratorium.

 

„Als Freiheits‑, Musik- und Wald­lieb­ha­be­rin” schlägt Lese­rin *** vor, „dass Sie, evtl. zusam­men mit Gott­fried Curio, ein Baum­ora­to­ri­um kom­po­nie­ren. Das wäre dann ein wahr­haf­ti­ger kul­tu­rel­ler und Freu­de brin­gen­der Kon­tra­punkt zur mis­an­thro­pi­schen Sicht­wei­se Paechs. Idea­ler­wei­se kann er sich das Werk in einer Gar­ten­lau­be, heu­te sagt man ja Tiny House, von mor­gens bis abends anhö­ren, wahl­wei­se als Ramm­stein- oder Ligeti-Version.”

PS: Dass Gevat­ter Paech sich somit mas­siv gegen jede wei­te­re Ein­wan­de­rung aus­spricht, wird hier wohl­wol­lend zur Kent­nis genommen.

                                 ***

„Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, ich bin in der DDR gebo­ren – mein Vater wur­de von Hil­de Ben­ja­min als ‚Volks­schäd­ling’ ver­ur­teilt – und im Krieg stand er bei der regie­ren­den Par­tei auf der schwar­zen Lis­te.
Mit 4 Jah­ren wur­de ich poli­ti­scher DDR-Flücht­ling, wir kamen über eine Flucht in die BRD – spä­ter ver­brach­ten wir Kin­der oft die Som­mer­fe­ri­en bei mei­nen Gross­el­tern in Bernburg/Saale und haben mit der Ver­wandt­schaft die DDR bereist.
Ich bin ganz bewusst AfD-Wäh­le­rin, und ich spre­che offen dar­über. Hier in der Schweiz fra­gen die Schwei­zer, wie­so ich die­se Par­tei wäh­le und wer mich kennt – kam 1978 als Kran­ken­schwes­ter nach Zürich –, weiss, ich wür­de nie eine Par­tei wäh­len, die man mit der DDR oder mit der NSDAP gleich­set­zen kann. 
Man weiss, ich wün­sche mir für mein Hei­mat­land die­se Art von Demo­kra­tie – wie es hier in der Schweiz hat – wo das Volk der Sou­ve­rän ist und die Poli­ti­ke­rIn­nen dem Volk die­nen. Bun­des­rä­tin Frau Som­ma­ru­ga sag­te das nach einer Abstim­mung mit deut­li­chen Wor­ten fra­gen­den Jour­na­lis­ten in Brüs­sel, wer das Sagen hat in der Schwei­zer Poli­tik und es eine Ehre sei, dem Sou­ve­rän – dem Schwei­zer Volk – zu die­nen. Vor die­ser Abstim­mung rühr­te sie die Wer­be­trom­mel dage­gen – doch nach der Abstim­mung sag­te sie, jetzt ist es ein Auf­trag vom Schwei­zer Volk, den sie als Bun­des­rä­tin zu erle­di­gen hat und das zum Wohl­erge­hen des Landes. 

Als Aus­land­deut­sche ist es echt kom­pli­ziert sein deut­sches Wahl­recht wahr­zu­neh­men, des­halb wäh­len vie­le Aus­land­deut­sche nicht – ich habe ganz bewusst nur mei­nen deut­schen Pass, da ich gegen einen Dop­pel­pass bin. Zudem hät­te ich ein ungu­tes Gewis­sen gegen­über den Schwei­zern, die nur einen Pass haben. Ich fin­de, man soll­te sich ent­schei­den – mit mei­nem deut­schen Pass kann ich der EU unan­ge­nehm wer­den, was auch der Schweiz hilft, in den rich­ti­gen Dingen.”

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

1. Dezember 2019

Nächster Beitrag

4. Dezember 2019

Ebenfalls lesenswert

5. Oktober 2019

Die Lin­ke ent­stand ursprüng­lich dort, wo es Men­schen sehr schlecht ging. Grü­ne Par­tei­en ent­ste­hen über­all dort, wo es…

4. August 2018

Eini­ge from­me Adep­ten der Welt­kli­ma­kir­che sind in den letz­ten Tagen bei mir vor­stel­lig gewor­den, um mich in mei­nen…

21. Januar 2021

„Nimmst du wäh­rend eines Gesprächs wahr, daß dein Part­ner nur­mehr den Wunsch hat, dich unter allen Umstän­den ins…

3. Juni 2018

Die Sonn­ta­ge immer … ! Schlau hat­te ich sein wol­len und in Lin­der­hof eine Hotel­über­nach­tung gebucht, um Schloss und Park nach…