9. Dezember 2019

 

„Wir brau­chen auch heu­te wie­der die visio­nä­re Kraft, mit der Beet­ho­ven poli­tisch und vor allem künst­le­risch Posi­ti­on bezog. Sein Werk ist ein Zei­chen für die demo­kra­ti­schen Errun­gen­schaf­ten eines geein­ten Euro­pas und gegen das Erstar­ken popu­lis­ti­scher Rufe nach Abschot­tung und Aus­gren­zung.„
Also schlit­ter­te Moni­ka Grüt­ters, die allen Erns­tes immer noch so genann­te Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin, rou­ti­niert auf der Schleim­spur ins Beet­ho­ven-Jahr. Vor allem dies „vor allem” ist unbe­zahl­bar! Und erst des Ton­set­zers Ein­satz für Frau­en­rech­te und gegen Islamophobie!

Reprä­sen­ta­ti­ve Demo­kra­tie bedeu­tet, dass man öffent­lich über­wie­gend von Figu­ren reprä­sen­tiert wird, mit denen man pri­vat kein Wort wech­seln, denen man nicht die gerings­te sei­ner Pri­vat­an­ge­le­gen­hei­ten anver­trau­en wür­de. (Wir wol­len nicht dar­über reden, dass vor 100 Jah­ren noch jeder zwei­te deut­sche Poli­ti­ker Beet­ho­ven spie­len konnte.) 

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„Daß Kunst­emp­fin­den die Emp­fäng­nis einer Offen­ba­rung bedeu­tet – nur daß hier der Intel­lekt blind und die See­le sehend wird –, zeigt sich in der plötz­li­chen, intui­ti­ven, erleuch­ten­den Gewalt des Vor­gangs.„
Rathen­au

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Da ich seit und vor allem wegen der Ent­las­sung von Claas Relo­ti­us den Spie­gel boy­kot­tie­re, bemerk­te ich erst mit gro­ßer Ver­spä­tung, dass eine Dame mit zwei Inter­view-Ant­wor­ten im Grund alles zur soge­nann­ten Me-too-Debat­te gesagt hat, wobei es im Wesen der Sache liegt, dass es sich um eine Madame han­delt, um Juli­et­te Binoche näm­lich, die im Ham­bur­ger Hoch­qua­li­täts­me­di­um Anfang des Jah­res zu Pro­to­koll gab: 

„Wenn Sie klar und selbst­be­wusst Nein sagen, sind Sie in Sicher­heit, dann gehor­chen die Män­ner. Dann heißt nicht anfas­sen auch nicht anfas­sen.” (Gilt zumin­dest für Europäer.)

Und:

„Ich habe ja nichts dage­gen, begehrt zu sein, auch nicht, ver­führt zu wer­den. Aber es darf dann ruhig ein biss­chen sub­ti­ler sein.”

Mehr ist dazu wohl nicht zu sagen.

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Gefun­den beim Festplatte-Aufräumen:

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In Rede steht Die­ter Kun­zel­mann, von 1983 bis 1985 Abge­ord­ne­ter der Grü­nen in Ber­lin. Die Quel­le kann ich nicht veri­fi­zie­ren*; ist auch nicht wich­tig, weil das in den nächs­ten Jah­ren eh immer mehr zur offi­zi­el­len rot-grü­nen Posi­ti­on wird. Wetten?

* Meh­re­re Leser haben die Quel­le bei­gesteu­ert, das Zitat fin­det man sogar in der Wiki­pe­dia; wer Augen­pul­ver und exo­ti­sche Zeit­geis­t­rei­sen mag, for­sche hier danach. 

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Immer wie­der fährt der Kul­tur­mensch gern nach Ber­lin, in die bes­te Haup­stadt, die ’schland je hat­te. Soll­te ich je um einen Wer­be-Claim für den „Reichs­hauptslum” (Don Alp­hon­so) gebe­ten wer­den, ich weiß einen: Ber­lin. Pass bloß auf, wo du reintrittst.

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Ganz anders die Haupt­stadt der „Kein Bier für Nazis”-Bewegung. Der BR teilt mit: „Mün­chen gilt als die sichers­te Groß­stadt Deutsch­lands” – noch vor Augs­burg, wo gera­de „Grup­pen” nega­ti­ve Schlag­zei­len machen –, „und den­noch: Vie­le Frau­en beschleicht nachts auf dem Nach­hau­se­weg oder beim War­ten an der Bus­hal­te­stel­le ein mul­mi­ges Gefühl. Auch eine posi­ti­ve Poli­zei­sta­tis­tik hilft nicht gegen die Angst vor Über­grif­fen. Die Grü­nen im Münch­ner Stadt­rat haben des­halb einen Antrag ein­ge­bracht, der heu­te beschlos­sen wur­de: Ab März 2020 soll es Fünf-Euro-Taxi­gut­schei­ne geben für die nächt­li­che Fahrt nach Hause.”

Eine posi­ti­ve Poli­zei­sta­tis­tik, was mag das sein? Mehr Fest­nah­men als Straf­ta­ten? Vol­le Knäs­te? Oder eher völ­lig lee­re? Na egal; jeden­falls erle­ben gera­de die feschen Münch­ner Mädels mul­mi­ge Momen­te, wenn sie aus den Armen ihres Gspu­sis in die Dun­kel­heit ent­las­sen wer­den, völ­lig grund­los zwar – aber seit wann haben Frau­en Grün­de? –, und die grü­ne Fach­par­tei für  ein­ge­bil­de­te Bedro­hun­gen sieht eine wei­te­re Gele­gen­heit gekom­men, mit ande­rer Leu­te Geld Gutes zu bewir­ken. Die Rechts­po­pu­lis­ten schü­ren Ängs­te und Vor­ur­tei­le, die Grü­nen bau­en sie wie­der ab. Für fünf Euro kom­men Sie in Mün­chen immer­hin vom U‑Bahnhof Ode­ons­platz bis zur Staats­oper; dann hat frau das Schlimms­te hin­ter sich. 

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„Auf­recht in den Unter­gang. – Die Ener­gie­wen­de gefähr­det den Wohl­stand vie­ler Deut­scher. Trotz­dem flir­tet bei der Par­la­ments­wahl die Hälf­te von ihnen mit dem Kohle‑, Gas- und Atom-Aus­stieg” (hier).

„Wo Stu­den­ten Dozen­ten bespit­zeln. – Wer sich sys­tem­kri­tisch äußert, muss mit unlieb­sa­men Kon­se­quen­zen rech­nen.” Gibt es so etwas tat­säch­lich? Ja, und zwar hier.    

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Mehr noch als Foie gras und Kavi­ar ist momen­tan das Kli­ma in aller Mun­de. „Es gibt kei­nen Zwei­fel mehr: Der Kli­ma­wan­del nimmt an Fahrt auf”, schallt es froh von der Ham­bur­ger Relo­ti­us­spit­ze. Der Wan­del nimmt an Fahrt auf: Ob die Genos­sen im Nor­den die Text­chefs aus CO2-Grün­den inzwi­schen einsparen? 

Es gibt zum fahrt­auf­neh­men­den Wan­del – unter dem Titel „Kli­ma­fra­gen” – jetzt auch eine Art Peti­ti­on. Sie stellt tat­säch­lich nur Fra­gen, ist also ziem­lich sub­ver­siv, denn über uns kam zuletzt nicht nur das Buch, in dem kei­ne Zwei­fel ist, son­dern auch die men­schen­ge­mach­te Kli­ma­ka­ta­stro­phe, die zu bezwei­feln (oder deren Bekämp­fung mit dum­men Fra­gen auf­zu­hal­ten) die momen­ta­ne schlimms­te Form der Blas­phe­mie bil­det. Unter­zeich­ner kön­nen sich in den Kreis der Fra­ger einreihen. 

Auf der Kli­ma­fra­gen-Web­sei­te fand ich die Maxi­me: „Wenn es Wis­sen­schaft ist, gibt es kei­nen Kon­sens. Wenn es Kon­sens gibt, ist es kei­ne Wis­sen­schaft” (Micha­el Crichton). 

Davon zeu­gen auch zwei Mit­schnit­te von Exper­ten­an­hö­run­gen im Bun­des­tag, die von den demo­kra­ti­schen Kon­sens­voll­stre­ckungs­par­tei­en gewiss­lich ver­hin­dert wor­den wären, doch seit ech­te Nazis im Bun­des­tag sit­zen, herrscht dort plötz­lich Plu­ra­lis­mus, pfui Dei­bel! Zunächst zwei­felt der hier schon unlängst ein­mal erwähn­te Piers Cor­byn, miss­ra­te­ner Bru­der des Labour-Chefs, sodann, schon etwas zurück­lie­gend, ein israe­li­scher Kli­ma­caust­leug­ner. Genie­ßen Sie die letz­ten Tage der Skepsis!

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„Wäre es nicht lang­sam an der Zeit, Stol­per­stei­ne für die Opfer der Will­kom­mens­kul­tur zu set­zen?”, erkun­digt sich Leserin ***.

Nein, noch lan­ge nicht. Gott seg­ne die Bundeskanzlerin!

 

 

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