10. Januar 2020

Bis vor kur­zem ver­an­stal­te­ten Staa­ten Krie­ge, um von innen­po­li­ti­schen Pro­ble­men abzu­len­ken; heu­te mobi­li­sie­ren die pro­gres­sivs­ten von ihnen statt­des­sen die Mas­sen zur Kli­ma­ret­tung, was auch schwäch­li­chen Hip­pie­staa­ten eine Mög­lich­keit des inne­ren Druck­ab­baus eröffnet.

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„Die Repu­blik will in ihrem Her­zen nur noch freie Men­schen. Sie ist ent­schlos­sen, alle ande­ren zu ver­nich­ten.„
Joseph Fou­ché, 1793

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„Gera­de weil das grund­le­gends­te Merk­mal der Ideen der Lin­ken ist, dass sie nicht funk­tio­nie­ren, kon­zen­trie­ren sich die Lin­ken in Insti­tu­tio­nen, in denen Ideen nicht funk­tio­nie­ren müs­sen, um zu über­le­ben. Des­halb fin­den sich Lin­ke über­pro­por­tio­nal in Beru­fen, in denen kei­ne wirt­schaft­lich mess­ba­ren Resul­ta­te erzielt wer­den müs­sen.„
Titus Gebel

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Ges­tern begab ich mich in Ber­lin mit jenem Her­ren zu Tische, des­sen sicht­ba­re Gegen­wart bereits dem Chef der hes­si­schen Film­för­de­rung zum Ver­häng­nis wur­de. Die Sze­ne spielt im Ris­tor­an­te „Cin­que” in der Rein­hardt­stra­ße 27. Wir waren zu fünft, der AfD-Vor­sit­zen­de – er kam direkt von sei­ner Gerichts­ver­hand­lung – brach­te Anwalt und Per­so­nen­schüt­zer mit, über­dies war Freund *** mit von der Par­tie. Da ich im „Cin­que” seit zwei Jah­ren regel­mä­ßig ver­keh­re, beka­men wir den von mir bevor­zug­ten Tisch, woselbst der Lunch dis­kret und gesit­tet über die Klein­kunst­büh­ne ging. Beim Gehen trat der Geschäfts­füh­rer auf uns zu und erklär­te, er habe dies­mal noch aus Freund­lich­keit eine Aus­nah­me gemacht, aber in Zukunft wün­sche er kei­ne Besu­che mehr von Leu­ten wie uns. Er ver­wies auf einen angeb­li­chen oder tat­säch­li­chen New Yor­ker Gesell­schaf­ter, der Gäs­te wie Jörg Meu­then in sei­nem Lokal nicht dul­de. Das hät­te er doch ger­ne vor dem Trink­geld erfah­ren, jux­te Freund ***.  Die Fra­ge, wie der edle Herr in Über­see denn so schnell erfah­ren habe, wer gera­de in sei­nem Eta­blis­se­ment wei­le, blieb in der Eyle des Auf­bruchs uner­ör­tert. Ich habe in die­sem Laden seit mei­ner tem­po­rä­ren Ver­le­gung in die DDR-Haupt­stadt hun­der­te, ach was, tau­sen­de Euro­nen gelas­sen (einer der Kell­ner hat­te mir übri­gens, nach­dem ich vor ca. andert­halb Jah­ren schon ein­mal mit Meu­then dort saß, zuge­raunt: „Ich wäh­le Sie!”), aber in die­sen Nazi­men­ta­li­täts­durch­set­zungs­schup­pen set­ze ich mei­ne meist gut­be­schuh­ten Füße nie wieder.

Man ver­steht immer mehr, wie geölt das wei­land mit den Juden­boy­kot­ten oder der Ras­sen­tren­nung in den USA lief; es ist ja die­sel­be Men­ta­li­tät, das­sel­be trend­be­fol­gungs­gei­le Meu­ten­be­ha­gen beim Aus­schlie­ßen, das­sel­be rest­los gute Gewis­sen beim Stig­ma­ti­sie­ren, das­sel­be lobes­be­gie­ri­ge Pet­z­er­we­sen.   
 

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„Und dabei haben wir doch dies­mal gar nicht so vie­le Hit­ler­grü­ße gezeigt!„
Freund ***, im Abgehen

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Das meint zum Vori­gen der Leser: „Viel­leicht, sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, soll­ten Sie es mit die­sen Nobel­schup­pen ein­fach las­sen. Könn­te ich mir locker leis­ten, aber allein die bla­sier­ten Drei­ta­ge­bart­hack­fres­sen der über­wie­gend kei­ner wert­schöp­fen­den Arbeit nach­ge­hend dort Ver­keh­ren­den ver­lei­den mir das. Spei­sen Sie dort, wo Sie will­kom­men sind, Sie wer­den es überleben.”

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„Dies­mal brennt es anders”, des­in­for­miert die Zeit ihre Leser­schaft über die aus­tra­li­schen Busch­brän­de. Bril­lant und in gewohn­ter Sach­lich­keit wider­legt Alex­an­der Wendt den ziel­ori­en­tier­ten Alar­mis­mus der Gesin­nungs­pres­se; das soll­te man gele­sen haben. 

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„Sozia­le Spal­tung: Ber­li­ner Eltern mei­den Grund­schu­len im eige­nen Kiez”, mel­det der Tages­spie­gel. Der Ter­mi­nus „sozi­al” trifft die Sache nicht zur Gän­ze, aber es weiß eh jeder, was gemeint ist. Bei­na­he jede zwei­te haupt­städ­ti­sche Fami­lie woll­te anno 2019, dass ihr Kind in eine ande­re Schu­le ein­ge­schult wird als die im Spren­gel vor­ge­se­he­ne. Bereits „vor eini­gen Jah­ren hat­te der Sach­ver­stän­di­gen­rat deut­scher Stif­tun­gen für Inte­gra­ti­on und Migra­ti­on eine Stu­die in Auf­trag gege­ben, um die Grün­de und die Aus­wir­kun­gen der Flucht aus der Kiez­schu­le zu erfas­sen”, wel­che – Über­ra­schung! – die (spe­zi­ell unter Rechts­po­pu­lis­ten popu­lä­re) „Ver­mu­tung bestä­tig­te, dass bil­dungs­in­ter­es­sier­te Eltern die Schul­wahl stark vom Migran­ten­an­teil abhän­gig machen, weil sie befürch­ten, dass ihre Kin­der an Schu­len mit vie­len sozi­al benach­tei­lig­ten Zuwan­de­rern weni­ger lernen”. 

Die Mär­chen­stun­de beginnt, sobald die Genos­sen Medi­en­schaf­fen­den den Lap­top auf­klap­pen. Wer es sich leis­ten oder es arran­gie­ren kann, bringt sein Kind nicht auf eine Schu­le mit hohem Aus­län­der­an­teil, weil deut­sche Kin­der dort regel­mä­ßig gemobbt wer­den, weil sie dort frem­de Bräu­che und Wert­vor­stel­lun­gen auf­ge­nö­tigt bekom­men, weil sie sich von mus­li­mi­schen Mit­schü­lern reli­giö­se Pro­pa­gan­da anhö­ren und dazu sicher­heits­hal­ber die Klap­pe hal­ten müs­sen, weil dort kaum jemand mehr rich­tig deutsch – und kei­nes­wegs nur deutsch, son­dern über­haupt rich­tig spre­chen, geschwei­ge schrei­ben – kann (Ost­asia­ten aus­ge­nom­men), und alles zusam­men dazu führt, dass man nichts lernt. Das hat aber wenig mit „sozia­ler Benach­tei­li­gung” von Migran­ten zu tun, mit sol­chen Flos­keln wol­len lin­ke Jour­na­lis­ten und Sozio­lo­gen nur den nor­ma­len Eltern ein schlech­tes Gewis­sen machen, also jenen, aus deren Steu­er­mit­teln die sozi­al Benach­tei­lig­ten in der Regel finan­ziert wer­den. Ost­asia­ten bevöl­kern ab der zwei­ten Genera­ti­on die Gym­na­si­en und Uni­ver­si­tä­ten, des­we­gen lässt ’schland mög­lichst weni­ge von ihnen und mög­lichst vie­le unge­bil­de­te jun­ge Ori­en­ta­len und Afri­ka­ner ein­rei­sen, damit das Per­pe­tu­um mobi­le aus der Erzeu­gung von schlech­tem Gewis­sen, Umver­tei­lung, Erzeu­gung von noch mehr schlech­tem Gewis­sen, noch mehr Umver­tei­lung mun­ter wei­ter läuft. Lin­ke mögen kei­ne Zuwan­de­rer, die sel­ber ihres Glü­ckes Schmied sein wol­len. Lin­ke ver­langt es nach Mün­deln, in deren Namen sie spre­chen, und Pro­blem­bä­ren, mit denen sie dro­hen können.

„Ande­re Eltern argu­men­tie­ren damit, dass sie ihrem Kind eine Außen­sei­ter­rol­le erspa­ren wol­len, wenn die Kiez­schu­le einen Anteil von 60 oder gar 90 Pro­zent Zuwan­de­rern hat.” Vor allem wol­len sie ihren Kin­dern die Fol­gen der Außen­sei­ter­rol­le erspa­ren. Wie es über­haupt dazu kom­men konn­te, dass deut­sche Kin­der in ihrem Kiez Außen­sei­ter wur­den? Fra­gen Sie bes­ser nicht! Ihnen könn­ten sonst rech­te Ver­schwö­rungs­theo­rien unter der Woh­nungs­tür durch­ge­scho­ben werden! 

„Das Wahl­ver­hal­ten der Eltern ver­schärft die sozia­le Ent­mi­schung aller­dings noch wei­ter.” Und das ist weder schlecht noch über­ra­schend; an ent­spre­chen­den Pro­gno­sen hat es nicht geman­gelt. Ent­mi­schung lau­tet die Devi­se der Zukunft. Das Attri­but „sozi­al” trifft, wie gesagt, den Sach­ver­halt nicht zur Gän­ze. Mul­ti­kul­ti ist geschei­tert, wie unse­re gelieb­te Kanz­le­rin anno 2010 vor­aus­schau­end mit­teil­te. Nun muss über den Rück­bau nach­ge­dacht wer­den, und der wird ohne Ent­mi­schung nicht zu haben sein.

„Aller­dings gibt es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer mehr bil­dungs­in­ter­es­sier­te Eltern, die ver­su­chen, der Ten­denz zur Ent­mi­schung zu begeg­nen: Sie suchen Gleich­ge­sinn­te, die gemein­sam mit ihnen ihre Kin­der an Brenn­punkt­schu­len anmel­den.” Die­se Kin­der wer­den es ihren enga­gier­ten Mamis und Papis eines Tages unter Trä­nen dan­ken. Die Maria-Laden­bur­ger-Stif­tung nomi­niert bald die Queen of social mixing und den Social king of Brenn­punkt­schu­le. Alle Erst­kläss­ler aus Tages­spie­gel-Redak­teurs­haus­hal­ten sind dabei. Ihr schafft das!

 

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„Tür­kei will Schu­len in Deutsch­land grün­den”, wird gemel­det. Dem­nächst auch Kaser­nen und Truppenübungsplätze? 

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Mei­ne Bemer­kung, dass man Men­schen ihre Beru­fe gewis­ser­ma­ßen an der Nasen­spit­ze anse­he, ist natur- und erwar­tungs­ge­mäß auf Ein­spruch gestoßen.

Leser *** muss mir „zum ers­ten Male vehe­ment wider­spre­chen. Ich ken­ne Leu­te, trä­fe man sie auf der Stra­ße, wür­de man sie in die Grup­pe Müll­fah­rer (sehr wich­ti­ger Beruf, den ich hoch­schät­ze) ein­ord­nen. Es sind aber Musi­ker der Dresd­ner Phil­har­mo­nie. Ich ken­ne Pro­sti­tu­ier­te, die sehen aus, wie eine bie­de­re hüb­sche Ver­käu­fe­rin beim Bäcker neben­an. Umge­kehrt ist mir aller­dings noch kein Fall unter­ge­kom­men bei dem ich gedacht hät­te, ein Hilfs­ar­bei­ter sei Pro­fes­sor an der TU.” Aller­dings sähen „rich­tig fähi­ge Pro­fes­so­ren öfter mal wie Hilfs­ar­bei­ter aus”.

„Mit Inbrunst” sogar wider­spricht mir Leser ***, Fach­arzt für Chirurgie/Handchirurgie sowie für Plas­ti­sche und Ästhe­ti­sche Chir­ur­gie; aller­dings geht es hier zunächst um eine Begriffs­klä­rung: „Es gibt kei­nen ‚plas­ti­schen Chir­ur­gen’, son­dern nur den Fach­arzt für Plas­ti­sche und Ästhe­ti­sche Chir­ur­gie. Die plas­ti­sche Chir­ur­gie beschäf­tigt sich mit dem rekon­struk­ti­ven Aspekt (Ver­bren­nun­gen, Defek­te etc.), und das hat mit der ästhe­ti­schen Chir­ur­gie nichts zu tun. (Mehr) Geld ver­dient wird in der Ästhe­ti­schen Chir­ur­gie (vul­go: Schön­heits­chir­ur­gie). ‚Schön­heits­chir­urg’ darf sich übri­gens in Deutsch­land jeder appro­bier­te Arzt nen­nen. Die­se Bezeich­nung ist nicht gesetz­lich geschützt. ‚Ästhe­ti­sche Chir­ur­gie’ per se ist nicht unse­ri­ös. Wo viel Geld zu ver­die­nen ist, tum­meln sich aller­dings schwar­ze Scha­fe. Man­che sehen in der Tat eine Nuan­ce unse­riö­ser aus als die wei­ßen Schafe.” 

Als PS fügt *** hin­zu: „Ich ken­ne seit Jah­ren eine her­vor­ra­gen­de bul­ga­ri­sche Pia­nis­tin, die vom Sofio­ter Kon­zert­saal an die Bar eines Schwei­zer Hotels im Ber­ner Ober­land wech­sel­te. Obwohl sie immer noch wun­der­bar Schu­bert spielt, sieht sie immer weni­ger aus, wie eine Kon­zert­pia­nis­tin. Ihre Kunst­fer­tig­keit ist jedoch trotz die­ser Pro­sti­tu­ti­on die glei­che. Also ver­ges­sen Sie die All­ge­mein­gül­tig­keit Ihrer o.g. Theo­rie, mag sie auch auf Jour­na­lis­ten zutreffen.”

Leser *** sei­ner­seits kom­men­tiert mei­ne Bemer­kung, ein plas­ti­scher Chir­urg wer­de immer eine Nuan­ce unse­riö­ser aus­se­hen als ein Herz­chir­urg, mit den Wor­ten: „Als onko­lo­gi­scher Chir­urg sage ich: Das stimmt! Des­halb wird ja so vehe­ment gegen phy­sio­gno­mi­sche Intel­li­genz (‚Vor­ur­tei­le!’) gestritten!” 

Die Reak­ti­on (sic!) bleibt bei ihrer Darstellung. 😉 

 
Der ver­kehr­ten Rei­he nach. Dass (vie­le) Pia­nis­tin­nen inzwi­schen im Escor­t­ser­vice-Out­fit auf der Büh­ne auf­kreu­zen, habe ich an die­ser Stel­le schon gewür­digt; aber die­je­ni­gen, die tat­säch­lich wie Huren wir­ken, kön­nen nicht wirk­lich gut spie­len (und die bei­den, die jetzt jedem sogleich ein­fal­len, sehen eben – im Ant­litz – nicht wie Huren aus). Pro­fes­so­ren, die man für Pen­ner hal­ten könn­te, mag es seit 1968ff. geben, es sind immer nur soge­nann­te Geis­tes­wis­sen­schaft­ler; aber ich sprach von der Phy­sio­gno­mie, nicht von der Klei­dung, und einen Pro­fes­sor von einem Pen­ner und einen Dresd­ner Orches­ter­mu­si­ker von einem Müll­fah­rer zu unter­schei­den, wird auf die­se Wei­se in 19 von 20 Fäl­len gelin­gen. Ein befreun­de­ter Phy­sik­pro­fes­sor ver­si­cher­te mir sogar, dass er in den öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln jeden (ihm bis dato unbe­kann­ten) Stu­den­ten sei­ner Fach­rich­tung sofort erken­ne, aber das mag ein Spe­zi­fi­kum sein; der BWLer ist nicht so leicht zu identifizieren. 

Die The­se stammt übri­gens gar nicht von mir, son­dern von Egon Frie­dell; ich habe sie nur zuge­spitzt. Frie­dell schrieb, dass es Berufs­grup­pen gibt, in die zwie­lich­ti­ge und win­di­ge Natu­ren drän­gen, und sol­che, wo dies nie der Fall sei. Zu Letz­te­ren rech­ne­te er bei­spiel­wei­se Uhr­ma­cher und Gold­schmie­de. Einem Gesicht, einem Habi­tus sieht man ein­fach an, wel­che Art von täg­li­cher Tätig­keit es bzw. ihn geprägt hat; umge­kehrt suchen bestimm­te Eigen­schaf­ten nach bestimm­ten Jobs. Um die Intel­li­genz eines Gegen­übers abzu­schät­zen, brau­che ich zehn Sekun­den. Ich räu­me aller­dings ein, dass ich bei der Ein­schät­zung von Frau­en bis­wei­len erheb­lich danebenliege. 

                                 ***

Es ist nicht nur über­aus sel­ten, son­dern im Gegen­teil bis­lang uner­hört, dass ein Sati­ri­ker sehr soli­de, wenn auch etwas mani­riert sämt­li­che Beet­ho­ven-Sona­ten spielt. Heu­te sei das Augen­merk auf das Enga­ge­ment des fide­len Igor bei sei­nem sati­ri­sche Feld­zug gegen die popu­lis­ti­schen Polow­zer gelenkt, wel­ches sich vor­wie­gend via twit­ter oder bei einem veri­ta­blen öffent­lich-recht­li­chen Kas­per­leste­chen voll­zieht bzw. ‑zog, nun aber um eine köst­li­che Selbst­be­schrei­bung im Fra­ge­bo­gen des renom­mier­ten Frei­tag ergänzt wur­de. Ich unter­brei­te eini­ge alter­na­ti­ve Verbesserungsvorschläge:

Was mögen Sie an Ange­la Mer­kel?
Ihren Mut­ter­witz. Ihre Kin­der­lie­be. Ihr Deutsch. Ihre Fähig­keit, poli­ti­sche Posi­tio­nen wie Hosen­an­zü­ge zu wech­seln. Ihr Erzit­tern an der pas­sen­den Stel­le. Ihr Stilbewusstsein. 

Wel­ches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gele­sen?
„Aspek­te des neu­en Rechts­ra­di­ka­lis­mus” von Theo­dor W. Ador­no. Die Par­al­le­len zur Gegen­wart haben mich zu sehr erschüttert.

Wel­chen lin­ken Poli­ti­ker, wel­che lin­ke Poli­ti­ke­rin bewun­dern Sie?
Jede. Aber am meis­ten Clau­dia Roth.

Wür­den Sie ger­ne öfter Fahr­rad fah­ren?
Ich fah­re aus­schließ­lich Fahrrad.

Wann sind Sie zuletzt U‑Bahn gefah­ren?
Gera­de eben. U8 Ber­lin. Kott­bus­ser Tor, Herr­mann­platz, das soll­te man alles zum Welt­kul­tur­er­be erklä­ren. In der Ber­li­ner U‑Bahn ist das Leben bunt und authentisch.

Zah­len Sie eigent­lich gern GEZ-Gebüh­ren?
Sehr gern. Aber wir soll­ten nicht Gebüh­ren dazu sagen, weil das nach Zwang klingt. Es ist eine Demo­kra­tie­ab­ga­be. Wer nicht abgibt, tötet die Demokratie.

Wel­che Dro­gen soll­ten Ihrer Mei­nung nach lega­li­siert wer­den?
Mari­hua­na und alles, was die Anti­fa nimmt.

Hal­ten Sie es für mög­lich, dass die gan­ze Welt eine Fik­ti­on ist?
Lei­der ist Donald Trump kei­ne Fik­ti­on, son­dern Realität.

Darf man in Ihrem Schlaf­zim­mer rau­chen?
Eigent­lich nicht, aber Shi­sha ja.

Wer oder was hät­ten Sie ger­ne sein mögen?
Eine Kli­ma­ret­te­rin wie Gre­ta Thun­berg oder eine Flücht­lings­ret­te­rin wie Kapi­tä­nin Racke­te. Auf jeden Fal­le eine Transsexuelle.

Ihr Leben wird ver­filmt. Wer soll­te Sie spie­len?
Till Schwei­ger oder Danie­la Vega. Geschlecht ist ohne­hin nur ein Konstrukt.

Soll­te das gene­ri­sche Mas­ku­li­num abge­schafft werden?

Ja. Von mir aus soll­te jedes Mas­ku­li­num abge­schafft werden.

Stu­den­tIn­nen oder Stu­die­ren­de?
Stu­die­ren­de.

Haben Sie ein Zei­tungs­abo?
New York Times, Guar­di­an, taz, Zeit, Neu­es Deutsch­land, Veganmagazin.

Wie vie­le Apps sind auf Ihrem Smart­pho­ne?
Sehr weni­ge.

Und wel­che benut­zen Sie am meis­ten?
Twit­ter, Deut­sche Bahn, Grü­ne Jugend, Ama­de­us Anto­ni­us Stiftung.

Töten Sie Insek­ten?
Nie­mals. Mit dem Töten von Tie­ren fängt alles an.

Ihr Lieb­lings­vo­gel?
Der Bun­des­ad­ler, wenn er end­lich abge­schafft ist.

Wenn Sie eine Zeit­ma­schi­ne hät­ten, in wel­ches Jahr­hun­dert wür­den Sie rei­sen?
Ins ver­gan­ge­ne, aber nur, um Hit­ler zu töten.

Offe­ne Gren­zen sind …?
Not­wen­dig. Ein Segen. Die Zukunft. No Borders!

Ist die Lüge ein legi­ti­mes Mit­tel in der Poli­tik?
Nein. Aber mit den Popu­lis­ten ist sie in die Poli­tik eingezogen.

Soll­te man Gehäl­ter öffent­lich machen?
Ja. Ohne Wenn und Aber.

Der Kom­mu­nis­mus ist …?
Eine Mensch­heits­hoff­nung.

Wel­chen Song wür­den Sie auf die ein­sa­me Insel mit­neh­men?
„Ima­gi­ne” von John Lennon.

Tos­ka­na oder Krim?
Ber­lin-Neu­kölln.

Sushi oder Schnit­zel?
Vege­ta­ri­sches Sushi.

Wel­che Ver­schwö­rungs­theo­rie hal­ten Sie für wahr?
Kei­ne.

Gehen Sie zu sorg­los mit Ihren Daten im Netz um?
Nicht mehr.

Kau­fen Sie bei Ama­zon?
Nie.

Ihre Lieb­lings­ge­werk­schaft?
Jede.

Soll­te der Kapi­ta­lis­mus über­wun­den wer­den?
Ja.

Waren Sie schon mal auf einer Demons­tra­ti­on?
Ja, immer gegen die AfD.

Haben Sie Akti­en?
Ja. Wind­kraft, Solar­ener­gie, Halal-Fleisch.

Wo haben Sie zuletzt Urlaub gemacht?
Zuhau­se in der Flüchtlingshilfe.

Wel­chen Rat wür­den Sie den neu­en SPD-Par­tei­vor­sit­zen­den geben?
Hört auf euch der CDU anzu­bie­dern. Been­det den Rechts­ruck. Bekämpft die AfD bis aufs Mes­ser. Das sind kei­ne Menschen.

Haben Sie schon ein­mal einen Abend mit einem Flücht­ling ver­bracht?
Ja. Vie­le. Sie schät­zen mich als Juden.

Sind eini­ge Ihrer bes­ten Freun­de Mus­li­me?
Ja. Vie­le. Sie schät­zen mich als Juden.

Wem wür­den Sie das Bun­des­ver­dienst­kreuz geben?
Jan Böh­mer­mann. Her­bert Grö­ne­mey­er. Udo Lin­den­berg (oder hat er es schon?). Der Ama­de­us Antoi­us Stif­tung. Dem Zen­trum für poli­ti­sche Schönheit.

Ihr Lieb­lings­film?
Lin­den­stra­ße. Ing­lou­rious Basterds.

Jan Fleisch­hau­er oder Mar­ga­re­te Sto­kow­ski?
Mar­ga­re­te Sto­kow­ski. Fer­da Ata­man. Sybil­le Berg.

Ihr(e) Lieb­lings­jour­na­lis­t/-in?
Anja Reschke, Georg Rest­le, Heri­bert Prantl.

Kau­fen Sie im Bio-Laden?
Immer. Mit dem Fahr­rad.

Wo ist Ihr Zuhau­se?
Über­all, wo die Gesell­schaft welt­of­fen, bunt, viel­fäl­tig und kli­ma­neu­tral ist.

Wie möch­ten Sie ster­ben?
Bio­lo­gisch abbau­bar und mög­lichst CO2-arm.

Nes­pres­so oder Fil­ter­kaf­fee?
Grü­ner Tee.

                                 ***

Die Aus­lö­schung des ira­ni­schen Gene­rals Sol­ei­ma­ni wird von der deut­schen Pres­se ein­zig poli­tisch bewer­tet, wäh­rend es sich doch vor allem um ein tech­ni­sches State­ment han­delt, wel­ches lau­tet: Wir kön­nen jeden von euch zu jedem belie­bi­gen Zeit­punkt an jedem Ort der Erde töten, ohne dafür die Pan­tof­feln aus­zu­zie­hen. Mir erzähl­te vor eini­gen Jah­ren ein Geheim­dienst­ler, dass al-Quai­da prak­tisch nur noch aus Leu­ten bestehe, die in ihren Ver­ste­cken auf die Droh­nen war­ten. Wir erle­ben einen tota­len Wan­del der Kriegs­füh­rung. Die west­li­che Sei­te wird bald nur noch mit Robo­tern in den Kampf zie­hen (die Chi­ne­sen übri­gens auch). Die Droh­nen der Zukunft wer­den so klein wie Insek­ten sein, die DNA, das Gesichts­pro­fil und die Koor­di­na­ten ihrer Ziel­per­son tra­gen und sie mit einem töd­li­chen Gift aus­schal­ten. Wenn es sein muss, stei­gen hun­dert­tau­send davon auf ein­mal in die Luft. Post­he­roi­sche Gesell­schaf­ten kämp­fen so, sie bekom­men zu weni­ge Kin­der, haben also zu weni­ge Sol­da­ten, deren Tod für Gott und Vater­land sie ihren Bür­gern ver­kau­fen kön­nen. Das ist einer­seits die fei­ges­te, ande­rer­seits die intel­li­gen­tes­te Art der Kriegs­füh­rung über­haupt, und für den Geg­ner extrem depri­mie­rend. Was hilft es, Gott um Bei­stand anzu­ru­fen, wenn dich ein Auto­mat verfolgt? 

Natür­lich wird der Ter­ror blei­ben, doch auch hier wird die KI Früh­erken­nungs- und Prä­ven­ti­ons­mög­lich­kei­ten lie­fern, von denen wir uns noch kei­ne Vor­stel­lun­gen machen. Das ein­zi­ge Gegen­mit­tel ist die Infil­tra­ti­on des Wes­tens und sei­ner Sicherheitskräfte. 

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