7. Jänner 2020

„Die Frau war in dem Maß jemand, als sie Sinn für die Scham­haf­tig­keit besaß. Sie hat ihn nicht mehr, sie zer­stört die Illu­si­on, indem sie die Vor­stel­lung an ihrem Werk hin­dert. Sie zeigt feh­len­den Instinkt! Sie glaubt, sich zu eman­zi­pie­ren, und zer­stört sich nur. Schon gilt sie nichts mehr. Eine der letz­ten gro­ßen Täu­schun­gen, wel­che den Zau­ber des Lebens aus­mach­ten, wird gera­de zunich­te gemacht.”

Cior­an, 12. Mai 1969

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War­um ist Kul­tur­kri­tik heu­te, anders als etwa zu „Ted­dy” Ador­nos Zei­ten, so unpo­pu­lär?
Weil sie von rechts kommt.

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Für die ers­te Sit­zung des Bun­des­tags im neu­en Jahr wird der Bun­des­rat ein „Gesetz zur Ände­rung des Straf­ge­setz­bu­ches: Straf­recht­li­cher Schutz bei Ver­un­glimp­fung der Euro­päi­schen Uni­on und ihrer Sym­bo­le”, wie man sagt, ein­brin­gen. Damit rückt die­ser Völ­ker­be­vor­mun­dungs­ap­pa­rat ein Feld wei­ter in Rich­tung War­schau­er Pakt (ein het­ze­ri­scher Ver­gleich, den man dann wahr­schein­lich nicht mehr straf­los anstel­len darf) bzw. EUdSSR (dito). Doch was ist eigent­lich „die Euro­päi­sche Uni­on”? Das EU-Par­la­ment? Das dür­fen Sie auch künf­tig getrost ver­un­glimp­fen, denn es besitzt kei­ne Kom­pe­ten­zen. Sämt­li­che Mit­glieds­staa­ten? Noch­mals dito. Die weder gewähl­te noch auf irgend­ei­ne Wei­se „demo­kra­tisch legi­ti­mier­te” Kom­mis­si­on samt ihren rats­prä­si­dia­len Ober­häupt­lin­gen? Hier wird’s plötz­lich heißer… 

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Wol­len wir, lie­be Kin­der, wie­der eine Run­de im Mär­chen­wald dre­hen? Ohne dar­auf acht­zu­ge­ben, ob wir gar ins Lügen­di­ckicht gera­ten? Au ja? Nun, los!

» Angeb­lich hat das ZDF die­sen Tweet wie­der vom Netz genom­men, was scha­de ist:

ZDF Zoff

Allein schon des­halb, weil die­ser Kom­men­tar auch verschwände:

Zoff1

» Eben­falls angeb­lich herr­schen beim WDR Zustän­de wie beim DDR-Fern­se­hen, wor­auf uns inzwi­schen sogar soge­nann­te Whist­leb­lower auf­merk­sam machen, die, anders als damals, nicht erst in den Wes­ten flie­hen müs­sen, denn sie sind ja schon dort. Aber ob das alles stimmt? Ent­schei­det selbst (hier oder hier)!

» „Flücht­lin­ge”, sagt eine Tan­te im Kran­ken­kas­sen­funk­tio­närs­rang der Deut­schen Apo­the­ker­zei­tung – muss es, neben­bei, nicht Apo­the­ke­rin­nen- und Apo­the­ker­zei­tung hei­ßen? – „ent­las­ten die Kran­ken­kas­sen.” Wie das alche­mis­ti­sche Kunst­stück gelang, erläu­tert wie­der­um der Chef des AOK-Bun­des­ver­ban­des; der beteu­ert näm­lich, so die Gazet­te, dass „die Unter­fi­nan­zie­rung der Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge von Hartz-IV-Emp­fän­gern nicht durch Flücht­lin­ge ent­ste­he, son­dern weil die Bei­trä­ge der Bun­des­agen­tur für Arbeit nicht aus­reich­ten”. Also nicht die soge­nann­ten Flücht­lin­ge (die in der Regel kei­ne sind, but who cares, wenn’s Koh­le bringt?), belas­ten die Kas­sen (berei­chern aber die Gesell­schaft), indem sie in der Regel nicht arbei­ten und wenn, dann meist in sub­ven­tio­nier­ten ABM-Ver­hält­nis­sen, folg­lich wenig bis nichts in die Kas­sen ein­zah­len (aber eini­ges her­aus­be­kom­men), son­dern es liegt dar­an, dass nicht schnell genug Steu­er­gel­der nach­ge­schau­felt wer­den, mit denen besag­te „Flücht­lin­ge” medi­zi­nisch grund­ver­sorgt und z. B. mit neu­en Gebis­sen aus­ge­stat­tet wer­den, zu Nutz und From­men des medi­zi­nisch-indus­tri­el­len Kom­ple­xes, des­sen Sprech­pup­pen im dank­ba­ren Gegen­zug schon mal ein biss­chen mer­kel­fromm über die eigent­li­chen Geld­ge­ber flun­kern. Wich­tig ist, das ihr euch merkt, lie­be Kin­der: Das Geld ist kei­nes­wegs ver­schwun­den. Geld ver­schwin­det nie. Und wer es am Ende hat, der soll auch mal Dan­ke sagen! Kor­rekt muss es hei­ßen: Flücht­lin­ge ent­las­ten die Kran­ken­kas­sen wie Mer­kel die Staats­kas­se. Weg ist nix. Nur woanders. 

» Die Busch­brän­de in Aus­tra­li­en gel­ten als Got­tes­be­weis der Kli­ma­ret­ter. Vie­le Aus­tra­li­er, offen­kun­dig vom Rauch schwer bene­belt, sehen das anders, sogar die Feu­er­wehr; vor allem das Ver­bot, kon­trol­liert das Unter­holz zu roden, sei, neben Brand­stif­te­rei gro­ßen Stils, für die Feu­er ver­ant­wort­lich (hier und hier). Da brennt ein gan­zer Märchenwald!

» „Inschallah” ist nicht nur ein belieb­ter, son­dern auch ein kern­deut­scher Aus­ruf. Das hat die Duden-Redak­ti­on beschlos­sen. Damit auch in Zukunft eine deut­sche Kul­tur zumin­dest dies­seits der deut­schen Spra­che für eine unge­bil­de­te Migra­ti­ons­be­auf­trag­te im Rang einer Staats­mi­nis­te­rin a.D. erkenn­bar bleibt.

PS: Und wie­der habe ich vor­schnell eine Halal-Ente geschos­sen; oh über die­se Propaganda! 

                                 ***

Leser *** macht mich dar­auf auf­merk­sam, dass der Aus­hang einer Erfur­ter Arzt­pra­xis (Acta vom 5.) bereits aus dem Jahr 2015 stammt, wor­auf ich auch sel­ber hät­te kom­men kön­nen, denn ein Teil des Datums steht ja im Kopf des Schrei­bens. Ändert das etwas? Na klar! Die­ses Doku­ment ist nur noch als ein his­to­ri­sches zu betrach­ten. Zum einen sind die Pro­ble­me alle­samt gelöst – „Wir haben es geschafft!” –, die meis­ten Schatz­su­chen­den füh­len sich im deut­schen Sozi­al­sys­tem, im deut­schen Gesund­heits­sys­tem, auf dem deut­schen Wohn­raum­be­schaf­fungs­markt sowie oft auch in deut­schen Gefäng­nis­sen „wohl” (Kat­rin Göring-Eckardt), zum ande­ren sind die thü­rin­gi­schen Hill­bil­lies bzw. Berg­ke­vins inzwi­schen hin­rei­chend kul­tur­sen­si­bi­li­siert wor­den, dass sie der­glei­chen Even­tu­al­ge­fähr­dun­gen nicht mehr so detail­liert und veris­tisch aus­schrei­en, als gäbe es kei­ne Kor­ri­dor­wän­de. Maß­nah­men gegen die ras­sis­ti­sche Alar­mis­tin sind damals schon zeit­nah ein­ge­lei­tet wor­den.

Apro­pos gelös­te Pro­ble­me. Als mir die­ser Text zuge­mailt wur­de, dach­te ich mir gleich: Der kann nur von 2015 sein. Wenn heu­te ein Sozi so reden wür­de, lägen die ja plötz­lich wie­der bei neun­zehn bis zwan­zig Pro­zent: „Außer der Sprech­bla­se ‚Wir schaf­fen das’ ist von der Bun­des­kanz­le­rin wenig Kon­kre­tes zur Inte­gra­ti­on von Hun­dert­tau­sen­den Bür­ger­kriegs­flücht­lin­gen und wei­te­ren Hun­dert­tau­sen­den Armuts­flücht­lin­gen gekom­men. Wie vie­le es tat­säch­lich der­zeit sind, wis­sen wir nicht. Allein die­se Aus­sa­ge offen­bart einen Offen­ba­rungs­eid des Staates.” 

Zu den Akten damit! 

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„Ein Mädel mit Zöp­fen aus Schwe­den, die hat frü­her ein Haus, ein Äff­chen und ein Pferd gehabt, und kei­ne sieb­zehn PR-Bera­ter!” – „Wann ist denn plötz­lich aus nor­mal ewig­gest­rig gewor­den?” – „Ich glau­be, es tut unse­rem Rechts­staat kei­nen Abbruch, wenn ein­mal einem Schwerst­kri­mi­nel­len der Scho­ko­pud­ding in die fal­sche Öfnung gescho­ben wird.” Die Mög­lich­keit einer Kaba­rett­in­sel, es gibt sie doch.

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Es heißt, die won­ni­ge Maid, ein Model aus Über­see, habe mit die­ser Auf­schrift gegen Har­vey Wein­stein pro­tes­tie­ren wollen. 

FuckHarvey

Ver­ste­he ich nicht. Fuck Har­vey – heißt das nicht, Eulen nach Athen tragen?

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