20. Februar 2020

„Redet mit den Leu­ten nach Maß­ga­be ihres Ver­stan­des!„
Moham­med (Muham­mad)

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Screenshot 2020 02 20 12.29.51

Den Kom­men­tar zum Amok­lauf in Hanau – der ers­ten Mel­dun­gen zufol­ge von einem Rechts­ex­tre­mis­ten began­gen wur­de, wobei der Amok­schüt­ze womög­lich einen schwe­ren psy­chi­schen Scha­den hat­te, wor­auf auch eini­ges hin­deu­tet –, den Kom­men­tar jeden­falls zu allen vor­aus­ge­gan­ge­nen bzw. fol­gen­den Blut­bä­dern, die von Per­so­nen ohne psych­ia­trisch rele­van­te Stö­run­gen ver­an­stal­tet wer­den, hat der Har­vard-Poli­to­lo­ge Yascha Mounk am 20. Febru­ar 2018 in den Tages­sthe­men for­mu­liert, näm­lich „dass wir hier ein his­to­risch ein­zig­ar­ti­ges Expe­ri­ment wagen, und zwar eine mono­eth­ni­sche und mono­kul­tu­rel­le Demo­kra­tie in eine mul­ti­eth­ni­sche zu ver­wan­deln. Das kann klap­pen, das wird, glau­be ich, auch klap­pen, dabei kommt es aber natür­lich auch zu vie­len Verwerfungen.”

Viel mehr wäre zur aktu­el­len „Ver­wer­fung” eigent­lich nicht zu sagen (sofern der Täter kein „nor­ma­ler” Irrer war). Außer viel­leicht, dass es die Wirk­lich­keit nicht schert, was Gevat­ter Mounk, von sei­nem Logen­platz auf die Ebe­nen des sozia­len Expe­ri­men­tie­rens her­ab­schau­end, hoff­nungs­froh „glaubt”. Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus kann töd­lich sein. Er kit­zelt aus Men­schen, die die­sem ver­ant­wor­tungs­lo­sen Expe­ri­ment aus­ge­setzt wer­den, einen der ele­men­tars­ten Instink­te her­aus: das Revier­ver­hal­ten. Mul­ti­kul­ti in Ver­wer­fungs­best­form ist der Bür­ger­krieg zwi­schen eth­nisch-kul­tu­rell auf einem Ter­ri­to­ri­um zwangs­ver­misch­ten Grup­pen. Das ist der Grund, war­um ver­ant­wor­tungs­vol­le Polit­ker wie Hel­mut Schmidt immer wie­der dar­auf insi­tiert haben, es mit der Auf­nah­me von Frem­den nicht zu über­trei­ben, die Inte­gra­ti­ons­kraft der Auf­nah­me­ge­sell­schaft nicht zu über­for­dern, den Men­schen nicht ihre ver­trau­te Umge­bung und die damit ver­bun­de­nen Sicher­hei­ten zu nehmen.

PS: Ein FAZ-Her­aus­ge­ber stößt sich, wie vie­le ande­re Pyro­ma­nen auch, an den Vor­schlä­gen zum Brand­schutz, wäh­rend er mun­ter ins Feu­er­chen bläst. Was ist los mit Ihnen, Kau­be; die letz­ten Jah­re kei­ne Zei­tun­gen gele­sen? Die täg­li­chen Mes­ser­ste­che­rei­en, die „Grup­pen”, die in Innen­städ­ten all­abend­lich ihr Müt­chen küh­len, die Sil­ves­ter-Kir­mes zu Köln und andern­orts, deren Wie­der­ho­lung nur durch rie­si­ge Poli­zei­auf­ge­bo­te ver­hin­dert wer­den konn­te, über­haupt das raum­grei­fen­de, dräu­en­de öffent­li­che Auf­tre­ten von Grup­pen jun­ger Män­ner mit dem exis­tenz­ver­edeln­den Hin­ter­grund: alles Revier­mar­kie­run­gen, Revier­kämp­fe und vor allem Revie­rerobe­run­gen, denn fast immer sind die­je­ni­gen, die noch nicht so lan­ge hier leben, sowohl jün­ger als auch vita­ler und natür­lich in der Über­zahl, auch in Hanau, etwa hier oder hier oder hier („In Hanau kann es jeden tref­fen” schrieb die Welt) …

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Ja, ich bin mit einer Aus­län­de­rin ver­hei­ra­tet. Ja, mein Bru­der (und mein Pate) sind es auch. Ja, ich lebe inmit­ten von Aus­län­dern, bei uns daheim sind stän­dig Aus­län­der zu Besuch, vie­le mei­ner Bekann­ten sind Aus­län­der. Dar­un­ter auch Mus­li­me. Kei­ner von ihnen hat irgend­wel­che Gesin­nungs­pro­ble­me mit mir (so was ken­ne ich nur von Deut­schen). Kei­ner will mich mis­sio­nie­ren, mei­ne Lebens­ge­wohn­hei­ten oder den Cha­rak­ter mei­nes Vier­tels ändern, mir nicht die Hand geben oder mich über­fal­len. Kei­ner lebt auf mei­ne Kos­ten. Mein Revier ist nicht von die­ser Art Aus­län­der bedroht (eher von Deut­schen mit aus­ge­präg­ter Inlän­der­feind­schaft). Wahr­schein­lich gehö­re ich zu den „Any­whe­res”, als geis­ti­ger Noma­de jeden­falls. Aber ich kann von mei­ner kom­mo­den Situa­ti­on abstrahieren.

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Sofern es sich bei dem Schüt­zen um einen rechts­ex­tre­men Täter han­del­te, soll­te die Kanz­le­rin dies­mal ihren Feh­ler nach dem Lkw-Unglück vom Breit­scheid­platz, als sie in spon­ta­ner Ergrif­fen­heit tat, als sei nichts gesche­hen, kei­nes­falls wie­der­ho­len, son­dern sich an der neu­see­län­di­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin Jac­in­da Ardern ein Bei­spiel neh­men, die nach dem Anschlag in Christ­church mit einem Hijab die Ange­hö­ri­gen der Opfer besuch­te. Frau Mer­kel soll­te dann (unter dem Hijab) dar­auf hin­wei­sen, dass jeder Mensch, der behaup­tet oder jemals behaup­tet hat, Mul­ti­kul­ti sei geschei­tert, ein rech­ter Het­zer sei und straf­ver­folgt gehö­re, sofern der Mör­der, wie gesagt, ein rechts­ex­tre­mes Tat­mo­tiv hat­te; sonst eben ein ander­mal. Sie soll­te ihre will­kom­mens­kul­tu­rell ein­ge­heg­ten Unter­ta­nen dar­an erin­nern (sofern der Täter ein Rech­ter gewe­sen ist), dass sie ihnen seit den Tagen des freund­li­chen Gesichts ca. zwei Mil­lio­nen Berei­che­rungs­fäl­le zur Erler­nung inter­kul­tu­rel­ler Kom­pe­tenz und zur all­ge­mei­nen Erb­schuld­ab­tra­gung gnä­dig an die Hand gab. Sie soll­te, zum Drit­ten, nicht mehr nur halb­her­zig auf die Rück­gän­gig­ma­chung fal­scher Wahl­er­geb­nis­se drän­gen, aus denen poten­ti­el­le rech­te Gewalt­tä­ter fol­gern könn­ten, dass sich auf poli­ti­schem Wege sowie­so nichts ändern lässt, son­dern ein sofor­ti­ges AfD-Ver­bot anre­gen, denn das Ein­schla­gen auf den Seis­mo­gra­fen nach dem Erd­be­ben gehört zu den sym­bo­li­schen Amts­pflich­ten einer inter­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Anfüh­re­rin und Nasendreherin.

Hof­fen wir also auf ein ange­mes­se­nes Tatmotiv! 

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PS: Leser *** sen­det mir einen Link zum (angeb­li­chen) „Mani­fest” des (mut­maß­li­chen) Täters von Hanau. Textprobe:

„Daher sag­te ich, dass fol­gen­de Völ­ker kom­plett ver­nich­tet wer­den müs­sen: Marok­ko, Alge­ri­en, Tune­si­en, Liby­en, Ägyp­ten, Isra­el, Syri­en, Jor­da­ni­en, Liba­non, die kom­plet­te sau­di­sche Halb­in­sel, die Tür­kei, Irak, Iran, Kasach­stan, Turk­me­ki­stan, Usbe­ki­stan, Indi­en, Paki­stan, Afgha­ni­stan, Ban­gla­desh, Viet­nam, Laos, Kam­bo­dscha bis hin zu den Phil­ip­pi­nen. Und dies wäre erst die Grob-Säu­be­rung. Danach muss die Fein-Säu­be­rung kom­men, die­se betrifft die rest­li­chen afri­ka­ni­schen Staa­ten, Süd- und Mit­tel­ame­ri­ka, die Kari­bik und natür­lich das eige­ne Volk. Wobei ich anmerk­te, dass nicht jeder der heu­te einen deut­schen Pass besitzt rein­ras­sig und wert­voll ist; eine Hal­bie­rung der Bevöl­ke­rungs­zahl kann ich mir vor­stel­len. Wenn ein Knopf zur Ver­fü­gung steht, dies Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen, wür­de ich die­sen sofort drü­cken, so schnell das man gar nicht schau­en könn­te. Ein­zigs­te Vor­aus­set­zung für mich wäre, dass dies von einer Sekun­de auf die nächs­te erfol­gen muss, da ich nicht Schuld bzw. Inter­es­se an einem Leid die­ser Men­schen habe, denn es ist denk­bar, dass es in die­sem Uni­ver­sum einen unend­li­chen Kreis­lauf des Lebens gibt, so dass ich in irgend­ei­nem ande­ren Leben genau der Mensch bin, den ich heu­te ver­nich­ten will.”

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Eine der ers­ten Maß­nah­men der Regie­rung John­son wird eine Ände­rung des Ein­wan­de­rungs­rechts  nach ver­nünf­ti­gen, d.h. rechts­ra­di­ka­len Kri­te­ri­en sein, mel­det die Pres­se. Das gibt all jenen Het­zen­den Recht, die den Haupt­grund des Bre­x­it in Mer­kels angeb­li­chem Son­der­weg ober­gren­zen­lo­ser Mas­sen­ein­wan­de­rungs­ge­wäh­rung sahen (wozu auch der ver­na­gel­te Betrei­ber des klei­nen Eck­la­dens gehörte). 

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In der Wahr­heits- und Qua­li­täts­pres­se wird bekannt­lich stets peni­bel unter­schie­den zwi­schen rechts, rechts­ra­di­kal und rechts­ex­trem, um auch nur dem Hauch einer Gene­ral­ver­däch­ti­gung beim hoch­dif­fe­ren­zier­ten „Kampf gegen rechts” aus dem Wege zu gehen. Anders die AfD, in die­sem Fal­le der nord­rhein-west­fä­li­sche Flü­gel der Flü­gel­par­tei. Die stellt „alle Hei­ra­ten­den (sic!) aus der Tür­kei oder mit tür­ki­schen Wur­zeln unter einen Gene­ral­ver­dacht”, ent­hüllt Der Wes­ten – und alle Baden­den mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund oben­drein. Und zwar unter dem per­fi­den Deck­man­tel der sati­ri­schen Über­trei­bung, eines künst­le­ri­schen Gen­res, das aber bereits vom WDR-„Umweltsau”-Kinderchor mit dem sati­ri­schen Gene­ral­ver­dacht gegen alle deut­schen Omas voll und ganz abge­deckt wird. 

In einer Aus­mal-Bro­schü­re hat die Schwe­fel­par­tei ras­sis­ti­sche Bil­der ver­öf­fent­licht. Auf einem ist, wie der Wes­ten schreibt, ein „Auto­kor­so, mög­li­cher­wei­se nach einer tür­ki­schen Hoch­zeit” zu sehen, „alle Män­ner tra­gen Waf­fen, schie­ßen damit um sich” und „die ein­zi­ge Frau auf dem Bild ist ver­schlei­ert”. Damit wird der besag­te Gene­ral­ver­dacht erweckt, denn nur ein sehr klei­ner Bruch­teil unse­rer aus­län­di­schen Mit­bür­ger nimmt an sol­chen folk­lo­ris­ti­schen Kor­sos teil, und kaum jemand von denen schießt dabei um sich. Auf einem wei­te­ren Bild des „Hetz-Mal­buchs” flie­hen Men­schen vor ande­ren, offen­bar noch nicht lan­ge hier Baden­den – „einer ver­sucht, nach einer Frau zu grei­fen” – aus einem Schwimm­bad. Wie­der wird ein Gene­ral­ver­dacht vor­stel­lig, obwohl im ver­gan­ge­nen Som­mer nur in sel­te­nen Aus­nah­men öffent­li­che Schwimm­bä­der nach Vor­fäl­len mit Fach­bür­gern, die wegen der men­schen­ge­mach­ten Erd­er­wär­mung über­hitzt waren, geräumt wer­den muss­ten. Nie­mals wür­den sich Schaf­fen­de der Qua­li­täts­me­di­en zu sol­chen Gene­ral- oder wenigs­tens Major­ver­däch­ti­gun­gen etwa gegen Ossis oder Sach­sen hin­rei­ßen las­sen! Nicht mal satirisch!

Das schlimms­te Gene­ral­ver­dachts­bild aber ist die­se Anspie­lung auf ein an NRW gren­zen­des Besied­lungs­ge­biet (hier ein paar Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu Macrons Feldzugsmotiven):

Rückeroberung

Und nicht mal zum Aus­ma­len! Hier kön­nen wirk­lich nur Ver­bo­te und har­te Stra­fen hel­fen. Also nicht in den Bädern und gegen die lus­ti­gen Kor­sos, son­dern gegen sol­che Generalverdachtsverbreiter.

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Einen guten Vor­schlag dafür unter­brei­tet der kanz­ler­amts­na­he Tages­spie­gel: „In den Gegen­den, wo popu­lis­ti­sche Par­tei­en und Posi­tio­nen gras­sie­ren, wird die Inter­net­ver­brei­tung ver­lang­samt oder gar gestoppt – und Peng, ist das Pro­blem mit der AfD gelöst.” Die­se soge­nann­te Par­tei ist ja ein rei­nes Netz­phä­no­men. In der DDR etwa gab es kein Inter­net, und wo war da die AfD? Eben. „Die Nut­zung von Online-Medi­en, sagen die For­scher, kommt den popu­lis­ti­schen Par­tei­en ent­ge­gen, da sie dort ihren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stil der direk­ten Anspra­che mit ein­fa­chen Bot­schaf­ten pfle­gen könn­ten”, notiert das Qua­li­täts­me­di­um. Zum Bei­spiel Bot­schaf­ten wie „Wir schaf­fen das!” oder „Schei­tert der Euro, dann schei­tert Euro­pa” oder „Wir wol­len kein CO2 mehr!” oder „Unser Land wird sich ändern, und zwar dras­tisch, und ich freu mich drauf”. Netz­klap­pe zu, Popu­lis­ten­af­fe to(b)t!

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Der Täter von Hanau, wird gemel­det, sei ein Bank­kauf­mann gewe­sen. Alle Bank­kauf­leu­te sind jetzt auf­ge­ru­fen, einem Gene­ral­ver­dacht entgegenzutreten.

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Gefun­den bei Alex­an­der Wendt:

KGE1

KGE2

Ich las gera­de von einem neu­en Gesetz, das „Hass­kri­mi­na­li­tät” im Netz und die Ver­un­glimp­fung von Poli­ti­kern mit hohen Gefäng­nis­stra­fen sank­tio­niert. Sie tun gut daran. 

(Wobei ich mit­un­ter glau­be, das alles könn­te inten­diert, insze­niert und orches­triert sein, die stän­di­ge Het­ze gegen angeb­li­che Het­zer, das per­ma­nen­te Mit-zwei­er­lei-Maß-Mes­sen, die Ver­höh­nung des Augen­schein­li­chen und Nor­ma­len – allein die­se Jour­na­lis­ten­prei­se fal­len ent­we­der unter Holz­ham­mer­sa­ti­re oder unter Auf­sta­che­lung zum Hass –, die Her­vor­kit­ze­lung von Wut durch die Ver­leug­nung des jeder­mann Sicht­ba­ren: Wahr­schein­lich hof­fen sie dar­auf, dass hin­rei­chend vie­le Leu­te durch­dre­hen, um der­einst die Ver­fol­gung der Oppo­si­ti­on legi­ti­mie­ren zu können.)

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Aus einem Grab in Rott am Inn mur­mel­te es fol­gen­de Kom­men­ta­re zur Thü­rin­gen-Wahl und zum FDP-Abwra­cker Chris­ti­an, genannt der Beherzte:

Straussfdp

Inson­der­heit der Begriff „Wurm­fort­satz” behagt mir als Bezeich­nung einer Par­tei, deren Vor­sit­zen­der sich so gekonnt im Staub zu krüm­men ver­steht, dass man ihn kaum noch sieht. Nur mit dem zuver­läs­si­gen Selbst­er­hal­tungs­trieb lag unser Unto­ter wahr­schein­lich falsch. 

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