25. Februar 2020

„Das Para­dies liegt zu Füßen der Müt­ter.„
Moham­med (Muham­mad)

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Sie so: Und was machst du so?
Ich so: Beim Fla­nie­ren Mate­ri­al sam­meln über den auto­ri­tä­ren Charakter.

                              
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Aus der Rei­he „Ihre Steu­er­gel­der bei der Arbeit”: Ein Insas­se der JVA Kle­ve behaup­tet, von WDR-Jour­na­lis­ten für eine Falsch­aus­sa­ge geschmiert wor­den zu sein. Natür­lich ging es um das The­ma Nr. 1:

„Jan-Hen­drik H. ist ein zen­tra­ler Zeu­ge in einer bri­san­ten Affä­re. Es geht dar­um, unter wel­chen Umstän­den WDR-Jour­na­lis­ten des TV-Maga­zins ‚Moni­tor’ dem 24-jäh­ri­gen Auto­kna­cker für ein Inter­view Geld gezahlt haben. … Es geht um kon­stru­ier­te Vor­wür­fe gegen Poli­zei und Jus­tiz, die sich um den Tod eines unschul­dig inhaf­tier­ten syri­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen 2018 in der JVA Kle­ve ranken.”

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Auch nicht übel: Das Ham­bur­ger Abend­blatt zeigt der AfD den Mittelfinger. 

Goldfinger

Unbe­greif­lich, dass die Auf­la­ge trotz sol­cher Qua­li­täts­toll­kühn­heit kon­ti­nu­ier­lich sinkt. 

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Aber was soll man auch tun, wenn so etwas immer noch und trotz allen Wider­stands pas­sie­ren kann:

schlimmschlimm

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Nach wie vor gibt es kei­ne belast­ba­ren poli­zei­li­chen Aus­sa­gen zum Amok­lauf in Hanau. Im Gegen­teil, die Poli­zei hat prak­tisch im Tagestakt dar­um gebe­ten, von Spe­ku­la­tio­nen abzu­se­hen und den Abschluss der Ermitt­lun­gen abzu­war­ten. Obwohl nichts Genau­es bekannt war, wur­de man sich inner­halb der block­par­tei­po­li­tisch-wahr­heits­me­dia­len Folter‑, quatsch: Fil­ter­bla­se im Hals­um­dre­hen einig, dass die Oppo­si­ti­on für die Tat ver­ant­wort­lich zu machen sei, denn in die­sen Krei­sen ist die Schuld der AfD tran­szen­den­tal. Man bekommt die­ser Tage förm­lich ein­ge­bimst, dass vie­le bra­ve Deut­sche auch dann nicht von ihrer Nazi­men­ta­li­tät los­kom­men, wenn sie Demo­kra­tie spie­len (müs­sen).

Frei­lich: Was wäre, wenn die Tat nicht dem offi­zi­ell ver­brei­te­ten Mus­ter folg­te? Wenn das Motiv ein ganz ande­res war? Es geht die Rede, dass Tobi­as R. auf Hartz IV leb­te, Spiel­schul­den hat­te und unter Rück­erstat­tungs­druck gesetzt wor­den sei, was zumin­dest eine Erwei­te­rung mög­li­cher Tat­mo­ti­ve bedeu­ten wür­de. Der Vater von Tobi­as R., ein Grü­nen-Poli­ti­ker aus der 27. Rei­he, wur­de in die Psych­ia­trie ein­ge­lie­fert – über einer sol­chen Nach­richt liegt für Zonen­kin­der wie unser­ei­nen ein gewis­ser Haut­gout –; jeden­falls wur­de der Mann abge­holt; im nicht­so­zia­lis­ti­schen Aus­land lau­tet die Mel­dung: „Nach dem Atten­tat von Hanau gerät jetzt auch der Vater des Täters ins Visier der Ermitt­ler”.

Völ­lig unge­klärt ist des­wei­te­ren der Geis­tes­zu­stand von Tobi­as R., mit­hin sei­ne Schuld­fä­hig­keit (wenn­gleich ich durch­aus der Ansicht bin, dass auch Irre sich der hand­lungs­lei­ten­den Mus­ter bedie­nen kön­nen, die Ideo­lo­gen und Pre­di­ger vorgeben). 

Via twit­ter hat Mar­kus Krall neben ande­ren dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in tür­ki­schen Medi­en Zeu­gen auf­ge­tre­ten sei­en, die behaup­te­ten, Tobi­as R. sei nicht der Schüt­ze gewe­sen und die Tat sei nicht von einem Ein­zel­nen began­gen wor­den; Kralls tür­kisch­stäm­mi­ge Frau hat­te die Mel­dun­gen über­setzt (mer­kel­wür­di­ger­wei­se ver­schwin­den man­che Tweets mit dem Ver­merk: „This Tweet vio­la­ted the Twit­ter Rules”).

Und den­noch wis­sen alle Öffent­lich­keits­ar­bei­ter Bescheid. Ein Gestank von Miss­trau­en liegt über Kein-schö­ner-Land.

„Nun ist das Ding aber auch schon fast eine Woche her, Mitt­woch abend war’s, und noch immer ist nicht klar­ge­stellt, dass er es war. Das müss­te doch eigent­lich höchs­tens über­schau­bar schwie­rig sein, die Pro­jek­ti­le mit den Pis­to­len abzu­glei­chen”, wun­dert sich Had­mut Danisch. „Komi­scher­wei­se bekommt man auch nicht – wie sonst so – dra­ma­ti­sche Berich­te vom Ablauf des Gesche­hens. Ich habe ja schon geschrie­ben: Man liest, hört und sieht alles, nur nichts zur Sache.

Es gerüch­tet ja auch, dass die tür­ki­sche Pres­se von Zeu­gen gehört haben will, dass Rath­jen nicht der Täter gewe­sen und es übri­gens zwei gewe­sen sei­en.
Fra­gen wir also mal hypo­the­tisch: Was wäre, wenn er es nicht war, wenn der nur die Mut­ter und sich selbst umge­bracht hat. Oder viel­leicht nicht mal das.

Dann wäre das ein Rie­sen-Medi­en-und-Pres­se-Fake gewe­sen. Mas­si­ve Wahlkampfmanipulation.”

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Und nun die nächs­te Blut­tat, dies­mal im hes­si­schen Volk­mar­sen. Der Kerl, der mit sei­nem Mer­ce­des in einen Kar­ne­vals­um­zug fuhr, ist „der 29jährige Mau­rice P”. Kein Foto, kei­ne Täter­be­schrei­bung, aber sofort die Mit­tei­lung, er sei deut­scher Staats­bür­ger resp. ein „Deut­scher aus dem Ort”. Ansons­ten ver­däch­ti­ge Stil­le in den Qua­li­täts­me­di­en. Das ist, wie es neu­deutsch heißt, sub­op­ti­mal. Nicht dass die Leu­te auf den Gedan­ken kom­men, es sei schon wie­der ein „Ein­zel­fall” gewesen. 

Gott­lob steht die Schuld der AfD prak­tisch schon fest.

PS vom 26.: Inzwi­schen hat Bild ein Kon­ter­fei und den Namen des Amok­fah­rers ver­öf­fent­licht; auf der Web­sei­te von Il Giorna­le bekam er tags zuvor noch einen exo­ti­schen Namens­zu­satz. Wenn über die Grün­de sei­ner Tat auch noch nichts bekannt ist, irgend­ei­ne Art „Ver­gel­tung” für Hanau, wie spe­ku­liert wur­de, dürf­te als Motiv vom Tisch sein. 

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Wie umge­hen mit Taten wie in Hanau? Nach dem Lkw-Vor­fall zu Niz­za anno 2016 (86 Tote, mehr als 400 Ver­letz­te) emp­fahl der Ber­li­ner Poli­tik­pro­fes­sor Her­fried Münk­ler bekannt­lich eine fata­lis­ti­sche Haltung.

Herfriedsindifferenz

So what? Im nor­ma­len Stra­ßen­ver­kehr ster­ben viel mehr Leu­te. Außer­dem han­delt es sich ohne­hin um eine Art Rou­let­te, bei dem bloß nie­mand die Wahl hat, ob er über­haupt mit­spie­len mag – „Welt-Rad, das rollende,/ streift Ziel auf Ziel./Not nennt’s der Grollende,/der Narr nennt’s Spiel” (Nietz­sche) –, nicht mal die Amok­lau­fen­den bzw. ‑fah­ren­den oder ‑schie­ßen­den:

Falleistgestellt

Jeder kann Tobi­as R. wer­den! Rührt euch! Und nun dan­ket alle Gott!

(Also nicht, dass jemand glaubt, ich plä­dier­te gegen Münk­lers mür­ri­sche Indif­fe­renz, im Gegen­tum, ich bin ihr hold, neh­me sie frei­lich nicht selek­tiv, son­dern gene­rell in Anspruch.) 

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„Prof. Hans-Die­ter Schwind, ein Eme­ri­tus (natür­lich), der in Bochum lehr­te und heu­te beim ‚Wei­ßen Ring’ enga­giert ist, Oberst­leut­nant der Reser­ve, CDU-Mit­glied, von 1978–82 nie­der­säch­si­scher Jus­tiz­mi­nis­ter, bringt als eine Ursa­che der Amok­fahrt in der Sil­ves­ter­nacht das wach­sen­de Bedro­hungs­ge­fühl durch die Zuwan­de­rung ins Spiel. ‚Es bro­delt in den Leu­ten, und dann kommt es plötz­lich zum Aus­bruch’, sag­te Schwind gegen­über der West­deut­schen All­ge­mei­nen Zei­tung. Er habe einen der­ar­ti­gen Fall ’schon viel frü­her erwar­tet’. Sol­che Amok­fahr­ten oder auch die Angrif­fe auf Flücht­lings­un­ter­künf­te der ver­gan­ge­nen Mona­te sei­en die extre­me Spit­ze einer all­ge­mei­nen Ent­wick­lung, ‚und ich befürch­te, dass sich dies fort­setzt. Die Will­kom­mens­kul­tur ist am Ende.’ ”
(Acta diur­na vom 4. Janu­ar 2019)

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Kein-schö­ner-Land begibt sich der­weil auf den Weg ins Kein-besser-Land:

Keinbesserland

Sie haben 30 Jah­re gebraucht, um wie­der­zu­kom­men. Ich hat­te gehofft, es mit die­sen Halun­ken ein­mal zu tun zu bekom­men sei für ein Leben ausreichend.

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Was uns zur FDP führt.
Die Sache ist zwar ein­deu­tig, lie­be frei­de­mo­kra­ti­sche Brü­der und Schwes­tern, aber weil ihr so unbe­küm­mert euer offi­zi­el­les Lügen­nar­ra­tiv pflegt: Nein, ihr seid nicht in Ham­burg abge­wählt wor­den, weil sich ein FDP­ler in Erfurt mit dem Stim­men der Schwe­fel­par­tei zum Minis­ter­prä­si­den­ten hat wäh­len las­sen, son­dern ihr schmiert ab (und wer­det es wei­ter tun), weil ihr euch nach die­ser legi­ti­men Wahl der­ma­ßen wür­de­los im Staub gewälzt und euch selbst besu­delt habt, dass sich sogar Men­schen mit der unter­ent­wi­ckel­ten Selbst­ach­tung eines durch­schnitt­li­chen Bun­des­re­pu­bli­ka­ners ange­ekelt abwenden. 

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Nicht zum Vorigen. 

Liberalismusimwandel

Die FDP im Wan­del der Zeiten.

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Leser *** hält fest: „Die FDP hat auch des­halb im Elb­tun­nel die Höhen­kon­trol­le nicht aus­ge­löst, weil sie ihre Stim­men auf den grü­nen Sta­pel gelegt hat. Nicht erst bei der Aus­zäh­lung, son­dern schon an den Later­nen. Zei­gen Sie das bei­lie­gen­de Bild her­um und fra­gen Sie spon­tan, zu wel­cher Par­tei die Dame gehört”:

83907104 1346121772233940 1738907412041039872 o

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Kei­ne Sor­gen machen müs­sen wir uns dage­gen um die Zukunft der Kanz­le­rin; ihre Exper­ti­se wird zuneh­mend auch inter­na­tio­nal geschätzt, und dort stün­de einer Fort­set­zung ihre Kar­rie­re hin zu den poli­ti­schen Ursprün­gen wenig im Wege:

„An anti-hate speech law writ­ten in Ber­lin has been copy-pas­ted by aut­ho­ri­ta­ri­an regimes from Cara­cas to Moscow.”

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