25. März 2020

„Lied des Tages von den Rol­ling Stones: ‚I can‘t get no des­in­fec­tion’.”
(Lese­rin ***)

                                 ***

„It’s Coro­na-time!”, wie mein Jüngs­ter aus­zu­ru­fen pflegt. Die Bahn­stei­ge und Züge sind gespens­tisch leer – in mei­nem ICE von Mün­chen nach Ber­lin galt die Mon­ty Python-Devi­se „Jeder nur einen Wag­gon” –, die Augen einer Lady began­nen panisch zu fla­ckern, als ich ihr gegen­über Platz neh­men woll­te (ich steu­er­te aus Gewohn­heit die Bahn com­fort-Plät­ze an) –; im Laden und im Bun­des­tags­lift drü­cken sich die Leu­te mit wei­test­mög­li­chem Abstand an einem vor­bei; Ent­ge­gen­kom­men­de wei­chen in gro­ßem Bogen aus; ein Bekann­ter berich­tet, er sei beim Lebens­mit­tel­ein­kauf von einer ande­ren Kun­din ange­raunzt wor­den, war­um er kei­ne Hand­schu­he tra­ge; ich wur­de im Geträn­ke­la­den eben­falls ange­herrscht, ich möge den Sicher­heits­ab­stand ein­hal­ten (ich hat­te nicht gedacht, dass der Mann an der Kas­se stand, er war so weit ent­fernt von ihr, dass ich wähn­te, er war­te auf irgend­je­man­den und wer­de mir hof­fent­lich bald Platz machen). Die elen­de deut­sche Mischung aus Gehor­sam, Gründ­lich­keit, Füh­rer­gläu­big­keit und Fun­da­men­ta­lis­mus tritt wie­der ein­mal zuta­ge – am meis­ten natür­lich bei den Jour­na­lis­ten. Alex­an­der Wendt hat die kleb­rigs­ten Sumpf­blü­ten der Kanz­le­rin­nen-Beschlei­me­rei gesam­melt; der­glei­chen habe ich in der DDR nicht gele­sen (für die Zeit der Sta­lin-Hym­nen bin ich zwar wei­se, aber nicht alt genug); die Genos­sen vom MfS hät­ten Scherz, Sati­re und Swiftsche Pos­sen ver­mu­tet und die Genos­sen Medi­en­schaf­fen­den zumin­dest pein­lich nach ihren Moti­ven verhört. 

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Netz­fund. Leser ***, der ihn mir mail­te, schrieb dazu: „Die­se Art von strin­gen­tem, ent­schlos­se­nem und kom­pe­ten­ten Han­deln führt beim deut­schen Wäh­ler übri­gens zu einem Umfra­ge­hoch. Ich ver­ste­he nichts von Poli­tik… Viel­leicht soll­te ich nicht all­zu unglück­lich dar­über sein.”

                                 ***

Wäh­rend der eher text­las­ti­ge Teil der Recht­lei­tungs­pres­se mit Mer­kel-Pane­gy­ri­ken wett­ei­fert, erteilt der eher bun­te der Kanz­le­rin und ande­ren Iso­lier­ten resp. Infi­zier­ten guten Rat: 

Bildrätmerkel1

Bildrätmerkel2

Und immer schön Opa zur Immun­stär­kung ermuntern!

Natür­lich hat­te die eli­tä­re Hoch­qua­li­täts­pres­se das The­ma schon vor dem Bou­le­vard am Wickel, wie eine weit­hin bekann­te Mas­tur­ban­tin beim Spie­gel kundtat:

Masturbationsmargarete

Wenn alles klappt, gibt’s fürs Bei-sich-sel­ber-Hand­an­le­gen bald Ali­men­te vom Staat, weil ja sonst kei­ne fäl­lig werden! 

                                 ***

„Lie­ber Herr Klo­n­ovs­ky, ich habe gera­de die Nach­rich­ten im Deutsch­land­funk gehört. Dem­nach soll der unga­ri­sche Prä­si­dent Orbán in der nächs­ten Woche Not­stands­ge­set­ze bezüg­lich der Coro­na-Pan­de­mie ver­kün­den. Die EU sei sehr beun­ru­higt, da Orbán damit die Frei­heit der unga­ri­schen Bür­ger beschnei­den und die Demo­kra­tie aus­höh­len wolle.

Gott­sei­dank leben wir in Deutsch­land, wie mir die Lübe­cker Nach­rich­ten gera­de bestätigen:

Niemandhatdieabsicht

                                 ***

„Sie machen Idio­ten zu Ido­len,
Das ist DDR kon­kret.„
Wolf Bier­mann Gerulf Pannach

Gott sei Dank haben wir das über­wun­den. Fra­gen?

                                 ***

Zu mei­ner Fra­ge in die Run­de kamen vie­le Ant­wor­ten. Sie las­sen sich, mit Über­schnei­dun­gen, in drei Kate­go­rien ein­tei­len. Das eine Drit­tel beschäf­tigt sich tat­säch­lich mit dem genann­ten Medi­ka­ment Avi­gan (bzw. Favi­pi­ra­vir) und des­sen Ein­setz­bar­keit, das zwei­te mit ande­ren und das drit­te Drit­tel mit den Ursa­chen dafür, dass es kei­ne ver­läss­li­chen Medi­ka­men­te gibt. Ich zitie­re ein wenig aus der Post und set­ze der bes­se­ren Les­bar­keit wegen zwi­schen jede Grup­pe drei Sternchen.

                                 ***

Ad eins.

„Favi­pi­ra­vir ist ein Viru­sta­ti­cum, sol­che Stof­fe gibt’s schon lan­ge, sind alle an der Endung ‑vir zu erken­nen”, schreibt Dr. med. ***. „Aci­clo­vir zum Bei­spiel dürf­te etli­chen Pati­en­ten bekannt sein. Viru­sta­ti­ca hel­fen aber nur begrenzt, sie kön­nen den Ver­lauf einer Influ­en­za viel­leicht um einen Tag ver­kür­zen. Ihre Effek­ti­vi­tät ist schlech­ter, als man es von Anti­bio­ti­ka bei bak­te­ri­el­len Infek­ten erwar­tet. Man wird des­halb die Neben­wir­kun­gen mit ins Kal­kül zie­hen und das Medi­ka­ment nur dann ein­set­zen, wenn es wirk­lich not­wen­dig ist.

Und ob der Ein­satz von Viru­sta­ti­ca bei Coro­na-Infek­ten wirk­lich not­wen­dig ist, dar­an kann man zwei­feln. Die meis­ten die­ser Infek­te lau­fen wohl so dis­kret ab, daß sie vom Pati­en­ten kaum bemerkt wer­den. Und was die Leta­li­tät die­ser Erkran­kung angeht: Die Gesamt­sterb­lich­keit in Euro­pa wird wöcht­ent­lich erfasst und ist im Inter­net abruf­bar (oder goo­geln mit ‚Euro­pean moni­to­ring of excess mor­ta­li­ty’). Und sie­he da: Die Gesamt­sterb­lich­keit ist nicht höher, son­dern nied­ri­ger als sonst. In frü­he­ren Jah­ren sind in die­ser Jah­res­zeit mehr Leu­te gestor­ben. Eine medi­zi­ni­sche Begrün­dung (mit Aus­nah­me der Psych­ia­trie viel­leicht) ist für den der­zei­ti­gen Aktio­nis­mus nicht zu erkennen.

Wäre es nicht eine dank­ba­re Auf­ga­be für eine oppo­si­tio­nel­le Par­tei, die wah­re, also poli­ti­sche Begrün­dung für das media­le Trom­mel­feu­er zu eruieren?”

Leser ***, in der Schweiz ansäs­si­ger deut­scher Arzt, ergänzt: „Avi­gan ist seit 1999 in Japan auf dem Markt, wegen erheb­li­cher uner­wünsch­ter Wir­kun­gen, näm­lich Tera­to­ge­ni­tät, nur für Viren zuge­las­sen, bei denen ande­re Mit­tel nicht hel­fen. Es war als Influ­enz­ame­di­ka­ment gedacht, und da war es ein Rohr­kre­pie­rer, wes­we­gen wohl kei­ne Zulas­sun­gen für ande­re Märk­te bean­tragt wor­den sind (in Chi­na war und ist es auch nicht zuge­las­sen, son­dern neu über eine Not­ver­ord­nung provisorisch).

Die Euro­pä­er haben es schlicht ver­schla­fen, wie die Deut­schen ja acht Jah­re Zeit hat­ten, sich auf eine Coro­na-Pan­de­mie vor­zu­be­rei­ten, es vor­sichts­hal­ber aber unter­lies­sen. Der Bank­lehr­ling hat­te zusätz­lich drei Mona­te Zeit, sich auf die Pan­de­mie vor­zu­be­rei­ten, wenn er nur die aktu­el­len Medi­en­be­rich­te zur Kennt­nis genom­men hät­te, sag­te aber bloss, dass wir gut vor­be­rei­tet wären, eine glat­te und unver­schäm­te Lüge. Wenn ich den Tier­arzt vom RKI sehe, wird mir ganz anders. Auch die­ser Spit­zen­kopf Deutsch­lands hat im Janu­ar im TV dreist gelo­gen, als er behaup­te­te, D. sei gut auf­ge­stellt; anders kann man es nicht mehr bezeichnen.”

Die bei­den nächs­ten Schil­de­run­gen stam­men aus Japan. Auf sei­ne Fra­ge „From what I have read, Japan is very well coping with the SARS-Cov2. They wri­te, this is becau­se you have a very good tre­at­ment for the ear­ly sta­ges of the infec­tion, Favi­pi­ra­vir”, erhielt Leser *** die­se Ant­wort „von unse­rem japa­ni­schen Lie­fe­ran­ten in Osa­ka: ‚This is very con­tro­ver­si­al topics even among Japa­ne­se. The num­ber of peop­le who got infec­tion is very small in Japan, but we are not sure if this is becau­se we had bet­ter coping for the coro­na­vi­rus or we test only peop­le who have high fever over 4 days or from out­side Japan. Honest­ly, I belie­ve actu­al num­ber of infec­ted peop­le are much more, only the num­ber of dead peop­le is truth (we can­not mani­pu­la­te how peop­le dead).

As to Favi­pi­ra­vir, this is extre­me­ly spe­cial medi­ci­ne, so we have no chan­ce to take this. We can take this pill only when we get new type flu and doc­tors need the government per­mis­si­on to use this. Now, government does not allow to use this sin­ce the­re is no evi­dence if this is effec­ti­ve for the coro­na­vi­rus and this is too dan­ge­rous for expec­ting mothers. In some hos­pi­tals, they are doing cli­ni­cal tri­al and wai­t­ing the results.

This medi­ci­ne was deve­lo­ped by Japa­ne­se com­pa­ny, but patent has alrea­dy been expi­red. Now Chi­ne­se com­pa­nies are try­ing to do com­mer­cial pro­duc­tion of this medi­ci­ne. So, soo­ner or later, you may see gene­ric pills from Chi­na. But, again, the­re is no evi­dence if this is good for the coronavirus.

What we do is just drin­king waters, washing hands, using face mask when com­mu­ting and not to go to restau­rant and bars (still open though) unnecessarily.”

Leser *** frag­te einen japa­ni­schen Kol­le­gen nach dem Medi­ka­ment Avi­gan; die Ant­wort lautet:

„Avi­gan is repor­ted as one of four hope­ful drugs, along with Alve­s­co (Cicle­so­ni­de) for trea­ting asth­ma, etc. Avi­gan is one of exis­ting influ­en­za drugs and found its tre­at­ment effect for Covit19 posi­ti­ve peop­le and pati­ents. For­mal­ly it is still under cli­ni­cal tri­als here, but Chi­ne­se aut­ho­ri­ties alrea­dy appro­ved it for tre­at­ment after pret­ty many cli­ni­cal tre­at­ment at two medi­cal faci­li­ties, 240 and 80 peop­le each, and a Chi­ne­se com­pa­ny who has a licen­se con­tract with Fuji Film group has alrea­dy star­ted pro­duc­tion of it. The Chi­ne­se expert who mana­ged the cli­ni­cal tre­at­ment said ‘Avi­gan is high­ly safe and surely effec­ti­ve, so I for­mal­ly recom­mend it.’ I read, Japan takes many steps befo­re aut­ho­ri­zing some­thing, it takes time, but Chi­na is much quicker in doing the same as it sim­ply depends on the decisi­on of the com­mu­nist par­ty. It is repor­ted that peop­le of posi­ti­ve go back to nega­ti­ve pret­ty much quicker, medi­an 11 days to 4 days, and peop­le who has sym­ptoms go slow or reco­ver, accord­ing their test. 

Japan stores Avi­gan for two mil­li­on people’s use for exis­ting influ­en­za, I read. If it’s aut­ho­ri­zed for Covit19, they will start pro­du­cing it more, or may­be alrea­dy doing it. So if I get infec­ted a few weeks or several weeks later, the­re is a pos­si­bi­li­ty I am trea­ted by it or some­thing. But if I get infec­tion this week or next week, I’m not sure the drug is used for me, and may­be I have to return to Alpha Cen­tau­ri a litt­le ear­lier than I guessed.”

                                 ***

Ad zwei.

Wie Donald Trump auch, ver­wei­sen eini­ge Leser auf „einen wei­te­ren Wirk­stoff, der in Pro­phy­la­xe und Behand­lung gute Ergeb­nis­se zeigt: Chlo­ro­quin. Wur­de hier unter dem Han­dels­na­men Reso­chin ver­trie­ben. Ver­trieb 2019 ein­ge­stellt, weil der Betrieb des Her­stel­lers in Indi­en oder Ost­asi­en wegen ver­un­rei­nig­ter Pro­duk­te geschlos­sen bzw. vom Han­del aus­ge­schlos­sen wur­de. Bay­er hat unter dem Druck der Ereig­nis­se ange­kün­digt, Pro­duk­ti­on oder Import wie­der auf­zu­neh­men, damit die Wir­kung bei Coro­na-Erkran­kun­gen getes­tet wer­den könne.

Dabei gab es diver­se Stu­di­en bereits nach der SARS-Epi­de­mie 2004/2005 (hier, hier, hier). Im Unter­schied zu Japan, Korea, Tai­wan hat man in Deutsch­land geschla­fen. Ein kom­plet­tes Ver­sa­gen der zustän­di­gen Behörden.”

„Es gibt Hin­wei­se, daß das alte Mala­ria­me­di­ka­ment Chlo­ro­qui­ne allei­ne oder in Kom­bi­na­ti­on mit dem (eigent­lich ja nicht gegen Viren wir­ken­den) Anti­bio­ti­kum Azi­thro­my­cin den Ver­lauf ver­bes­sert”, notiert Leser ***, Anäs­the­sist und Inten­siv­me­di­zi­ner. „Es wird heiß disk­tu­tiert, har­te Daten feh­len aller­dings, so dass die Kol­le­gen­schaft uneins ist, ob man es unter die­sen Umstän­den schon geben soll­te. Es lau­fen meh­re­re Stu­di­en, und wir soll­ten es bald bes­ser wissen.

Ein Haupt­pro­blem ist momen­tan, daß wir uns in Deutsch­land wie wild auf den Run auf die Inten­siv­sta­tio­nen vor­be­rei­ten, ohne zu berück­sich­ti­gen, daß die Über­le­bens­ra­te bei alten mul­ti­mor­bi­den Pati­en­ten auch mit Beatmung wahr­schein­lich über 80% ist, und man an eine früh­zei­ti­ge Tria­ge den­ken soll­te. Damit, daß Pati­en­ten aus dem Pfle­ge­heim auch in ‚Frie­dens­zei­ten‘ nicht auf Inten­siv gehö­ren, tun wir uns aber, seit ich den­ken kann, sehr schwer. Ein Grund für die höchs­ten Medi­zin­aus­ga­ben in der EU.”

Über Chlo­ro­quin haben auch schon sci­ence­files und Danisch geschrie­ben; außer­dem die­se fran­zö­si­sche Zei­tung, was den Über­gang eröff­net zu Phil­ip­pe Juvin, fran­zö­si­scher Abge­ord­ne­ter im Euro­pa-Par­la­ment und im Haupt­be­ruf Pro­fes­sor für Medi­zin (Anäs­the­sio­lo­gie) am Pari­ser Hopi­tal Pom­pi­dou, wo er auch Chef der Not­auf­nah­me ist, der auf Fran­ce­info ein­dring­lich for­der­te, gros­se Men­gen Chlo­ro­quin her­zu­stel­len („Coro­na­vi­rus – il faut pro­du­i­re très mas­si­ve­ment de la chlo­ro­qui­ne”), wie Leser *** mitteilt.

„Chlo­ro­quin wird in Frank­reich unter den Han­dels­na­men Plaque­nil von Sano­fi ver­trie­ben, die es der frz. Regie­rung schon ange­bo­ten haben. Juvin bezieht sich im Inter­view nur auf Prof. Didier Raoult und sei­ne sehr klei­ne Unter­su­chung in Mar­seil­le. Zahl­rei­che jour­na­lis­ti­sche und ärzt­li­che Dumpf­ba­cken behaup­ten denn auch, es gäbe nur die­se eine klei­ne Stu­die, und das sei natür­lich zu wenig. Was die­se Leu­te uner­klär­li­cher­wei­se über­se­hen, sind die kli­ni­schen Stu­di­en in Chi­na, die zu die­sem Medi­ka­ment durch­ge­führt wur­den (s. Jian­jun Gao et al., Bre­akthrough: Chlo­ro­qui­ne phos­pha­te has shown appa­rent effi­cacy…” in: ‚Bio­Sci­ence Trends’, 1/2020, ich habe Ihnen das Abs­tract angehängt).”

Dr. med. *** ergänzt: „Es wer­den ver­schie­de­ne Viro­sta­ti­ka für die Behand­lung von Covid-19-Pati­en­ten ein­ge­setzt. Unter ande­rem auch Oselt­a­mi­vir (Tami­flu) und das HIV-wirk­sa­me Lopi­na­vir. Signi­fi­kan­te Erfol­ge sind offen­bar bis­her aus­ge­blie­ben (sie wären aus Kar­rie­re­grün­den sofort ver­öf­fent­licht worden).” 

Leser *** weist dar­auf hin, dass ein schwersterkrank­ter Covi­d19-Pati­ent in Weil­heim ver­suchs­wei­se zwar nicht mit Favi­pi­ra­vir, aber mit einem in Deutsch­land noch nicht zuge­las­se­nen Medi­ka­ment behan­delt wird.

„Am 11.1.2020 haben Prof.Dr. Hil­gen­feld von der Uni­ver­si­tät zu Lübeck und sein chi­ne­si­scher Post­doc das eigent­li­che Wirk­prin­zip für ein benö­tig­tes Medi­ka­ment für CoV2 ent­schlüs­selt. Der chi­ne­si­sche Post­doc ist For­schungs­di­rek­tor einer chi­ne­si­schen Fir­ma. Man hat Anfang Febru­ar 2020 in Braun­schweig bereits den poten­ti­el­len Wirk­stoff am Helm­holtz-Zen­trum geprüft, hat kei­ne Toxi­zi­tät. Das Wirk­prin­zip ist für die­se Uni­ver­si­tät als Patent ange­mel­det und für Prof. Hil­gen­feld sowie den chi­ne­si­schen Post­doc. Der Arti­kel ist am 20.3.2020 in ‚Sci­ence’ publi­ziert und die Pres­se­mit­tei­lung ist auf der Web­sei­te der Uni­ver­si­tät Lübeck zu fin­den.

Schluß­fol­ge­rung: Es geht hier um Geld, weil ein frem­des Patent rich­tig Geld kostet.”

                                  ***

Ad drei.

„Ich bin Fach­arzt für phar­ma­zeu­ti­sche Medi­zin. Eine Spe­zia­li­tät, die es in CH, GB und IRL gibt. Die phar­ma­zeu­ti­sche Medi­zin umfasst zusätz­lich zur kli­ni­schen Phar­ma­ko­lo­gie, also der Erpro­bung von Arz­nei­mit­teln am Men­schen, noch die Berei­che, For­schung & Ent­wick­lung, sowie Arz­nei­mit­tel­si­cher­heit. Ich habe drei Jahr­zehn­te Erfah­rung in Arz­nei­mit­tel­ent­wick­lung (Phar­ma­in­dus­trie), ‑kom­mu­ni­ka­ti­on, ‑ver­trieb (als frei­er Unter­neh­mens­be­ra­ter), sowie ‑zulas­sung und ‑sicher­heit (als Behör­den­an­ge­stell­ter), alles über­wie­gend in der Schweiz, mit den ent­spre­chen­den inter­na­tio­na­len Kon­tak­ten. Ich bin seit gut drei Jah­ren im Bereich der öffent­li­chen Gesund­heit tätig, als ltd. Amtsarzt. 

Und jetzt zu Ihrer Fra­ge: Es ist eine Kom­bi­na­ti­on aus Behör­den­schwer­fäl­lig­keit, Nicht-Zustän­dig-Sein-Wol­len, Kon­kur­renz (NIH /not inven­ted here-Syn­drom), und (jetzt kommt mein ceter­um cen­seo): einem in Euro­pa, Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa beson­ders, kon­se­quent her­un­ter­ge­dimm­ten For­schungs­zweig ‚Phar­ma­ko­lo­gie‘, wel­cher glei­cher­mas­sen anrü­chig, pro­fit­ori­en­tiert, mit schröck­li­chen Tier­ver­su­chen belas­tet, also eigent­lich voll nazi ist.

Die Phar­ma­in­dus­trie hat­te mal für Deutsch­land (und die Welt) die glei­che Bedeu­tung, die bis vor kur­zem noch die Auto­her­stel­ler hat­ten. Denen steht jetzt wohl das Glei­che bevor…

So unge­fähr in den 70er-80er-Jah­ren spä­tes­tens (mer­ke: Kul­turm­ar­xis­mus kommt an die Ober­flä­che!), begann ihr Abschwung: Lehr­stüh­le wur­den nicht mehr besetzt, dafür Gen­der & Co. kräf­tig auf­ge­rüs­tet; das Ver­hält­nis bei den Lehr­stüh­len steht in Deutsch­land im Moment bei ca. 30 Phar­ma­ko­lo­gie- und 300 Gen­der­lehr­stüh­len, also 1:10 für Gen­der, mit stei­gen­der Ten­denz. Passt sozu­sa­gen auch in das Leit­mo­tiv von Danisch, dass in mei­ner Wahr­neh­mung heisst: Alles was irgend­wie weiss und männ­lich und Tech­no ist (und Mehr­wert schafft!), wird abge­wrackt zuguns­ten von irgend­wel­chen Blub­ber­stu­di­en­gän­gen (die nur Geld ver­bren­nen, wel­ches anders­wo erwirt­schaf­tet wurde).”

„Als nichtganz­fer­tig­stu­dier­ter Japa­no­lo­ge” will Leser *** mei­ne Fra­ge „gern beant­wor­ten: Es ist die unge­heu­re euro­päi­sche Arro­ganz, die einen Ein­satz des Mit­tels ver­hin­dert (von mir immer und immer wie­der auch in ande­rer Hin­sicht erlebt). Man hält sich für den Nabel der Welt und hat noch nicht mal mehr genug Papier, um sich den Arsch zu putzen.”

Den Abschluss möge Leser *** bil­den: „Exper­ten, z. B. vom Robert-Koch-Insti­tut, wer­den nicht müde zu beto­nen, wie wenig hilf­reich ein Mund­schutz in der gegen­wär­ti­gen Lage sei. Viel wich­ti­ger sei, Hygie­ne­re­geln zu beach­ten. Ich weiß nicht, ob das deren wirk­li­che fach­li­che Exper­ti­se ist oder ein­fach dem Man­gel an die­sem net­ten Acces­soire ent­springt. Mein Sohn ist gegen­wär­tig zu einem Aus­lands­se­mes­ter in Süd­ko­rea. Dort tra­gen prak­tisch alle einen Mund­schutz und zwar nicht, um sich selbst zu schüt­zen, son­dern um ande­re zu schüt­zen und die Aus­brei­tung des Virus zu ver­hin­dern, was letzt­lich ja auch wie­der Selbst­schutz ist. Selbst ein ein­fa­cher Mund­schutz ist sehr effek­tiv, wenn es dar­um geht, die Aus­brei­tung des Virus zu erschwe­ren. Direkt vor Mund und Nase getra­gen, ver­hin­dert er sehr gut, dass beim Nie­sen, Hus­ten, Spre­chen Viren in die Luft gelan­gen, z. B. von Men­schen, die bereits infi­ziert sind, ohne davon zu wis­sen. Viel­leicht ist das der Grund, war­um in den ost­asia­ti­schen Län­dern die Aus­brei­tung des Virus sehr gut in den Griff bekom­men wur­de, im Gegen­satz z. B. zu Ita­li­en oder Deutsch­land. In Süd­ko­rea wur­de das öffent­li­che Leben sehr viel weni­ger ein­ge­schränkt als bei uns. Alles lief sehr viel dis­zi­pli­nier­ter, koor­di­nier­ter und effek­ti­ver, wäh­rend bei uns Selbst­dar­stel­ler Bal­kon­kon­zer­te geben, das Zu-Hau­se-blei­ben gefei­ert und der (ohne­hin feh­len­de oder in Kenia abhan­den gekom­me­ne) Mund­schutz belä­chelt wird. Auch beim The­ma Coro­na zeigt sich, dass der Wes­ten im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes eine selbst­ver­liebt-deka­den­te ster­ben­de Welt ist.” 

                                  ***

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