15. April 2020, Geburtstag von Wilhelm Busch

Rat­sam ist und bleibt es immer
Für ein jun­ges Frau­en­zim­mer,
Einen Mann sich zu erwäh­len
Und womög­lich zu vermählen.

Ers­tens: will es so der Brauch.
Zwei­tens: will man’s sel­ber auch.
Drit­tens: Man bedarf der Lei­tung
Und der männ­li­chen Begleitung;

Weil bekannt­lich man­che Sachen,
Wel­che gro­ße Freu­de machen,
Mäd­chen nicht allein ver­stehn;
Als da ist: Ins Wirts­haus gehn.

„Die from­me Hele­ne”, 7. Kapitel

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Der ein­fachs­te Weg, mög­lichst vie­le tole­ran­te Zeit­ge­nos­sen auf die Pal­me oder wenigs­tens aus der Fas­sung zu bringen:

MAGA2020

Die Schlecht­ge­launt­heit vie­ler Tole­ran­ter ist ein siche­res Indiz für die unse­re Gesell­schaft durch­herr­schen­de Intoleranz.

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„Rea­lis­ti­sche Demo­kra­tie­theo­rie wird der poli­ti­schen Klas­se emp­feh­len, die schma­le Mar­ge von Gewalt­be­rei­ten zu iso­lie­ren und gezielt Repres­si­on aus­zu­üben. Das Gefähr­lichs­te, das man tun kann, ist es, die Gren­ze zwi­schen Ver­fas­sungs­treue und Ver­fas­sungs­feind­lich­keit mit denun­zia­to­ri­schen Voka­beln zu ver­wi­schen und sub­stan­ti­el­le Tei­le des Staats­vol­kes unter Ver­dacht zu stel­len. Das ver­lei­tet zum per­ma­nen­ten Gebrauch von Unwahr­hei­ten und gewöhnt die poli­ti­sche und media­le Eli­te an Ver­lo­gen­heit. Zudem begin­nen die Staats­bür­ger, im anders­den­ken­den Nach­barn einen Feind zu sehen. Und das hält kein Gemein­we­sen lan­ge durch.”

Aber­mals der sehr lesens­wer­te Egon Flaig, „Was nottut”. 

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Die Bun­des­re­gie­rung will die Kon­takt­be­schrän­kun­gen wegen Covid-19 bis 3. Mai ver­län­gern. Am 23. April beginnt der Rama­dan. Wenn Laschet der­zeit am meis­ten für eine Locke­rung der Kon­takt­sper­ren ein­tritt, hat das gewiss damit zu tun, dass er für Nord­rhein-West­fa­listan gewis­se „Ver­wer­fun­gen” (Yascha Mounk) fürch­tet, wenn einen Monat lang die Coro­na­re­geln täg­lich neu aus­ge­han­delt wer­den. Noch acht­mal schlafen!

(Fan­den Sie die­sen Ein­trag:
a) hilf­reich
b) wenig hilf­reich
c) destruk­tiv
d) gelie­fert wie bestellt?)

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daily 2020.04.15 12 01 25

Nicht ver­pas­sen: den täg­li­chen Bernd Zel­ler!

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„IS-Ter­ror­zel­le gesprengt: Fest­nah­men in Sie­gen, Wer­dohl und Heins­berg”, mel­det die Pres­se. Es han­delt sich aber nur um mei­ne Art will­kom­mens­kul­tu­rel­len Bei­fang. Gren­zen hal­ten zwar Viren (und Euro­pä­er) auf, aber kei­ne Menschen.

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Lese­rin *** schreibt: „Vor ca. 3 Wochen gab es einen töd­li­chen Mes­ser­an­griff in Cel­le. Ein Deut­scher ira­ki­scher Abstam­mung erstach einen 15jährigen Jesi­den. In einer über­re­gio­na­len Zei­tung las ich zunächst, ein Deut­scher erstach einen Migran­ten aber laut Poli­zei ohne rechts­ex­tre­men Hin­ter­grund. Dies erstaun­te mich. Rech­te oder AfD nicht schuld? Wie kann das sein? Kein Auf­schrei in den Medi­en? Erst spä­ter las ich, dass es sich beim Täter wohl um einen Deut­schen, aller­dings mit ira­ki­schem Migra­ti­ons­hin­ter­grund han­delt*. In Ros­tock stach ein Mann auf zwei jun­ge Män­ner ein – einer muss­te ins Kran­ken­haus. Die Tat geschah am hel­lich­ten Tag vor einem Super­markt. Zunächst wur­de nur geschrie­ben, dass es ein Mann war, der zustach. Wie­der­um muss­te ich in ver­schie­de­nen Zei­tun­gen recher­chie­ren, um Genaue­res zu erfah­ren. Im Nord­ku­rier stand dann, Zeu­gen hät­ten den Täter als aus­län­disch aus­se­hend erkannt. (Inzwi­schen ist bekannt: Täter und Opfer wohl aus Syri­en) Vor einem ande­ren Ros­to­cker Super­markt gab es Oster­sams­tag auch noch eine Mas­sen­schlä­ge­rei.…   Aber das ist ja inzwi­schen kaum der Rede wert.

Sol­che Taten stö­ren mich sehr. Vor allem den­ke ich, dies müs­sen dann auch vie­le Kin­der mit ansehen.”

Der Zeit­geist ver­langt von mir, dass ich ein schlech­tes Gewis­sen bekom­me, wenn ich das zitie­re. Es waren Sozia­lis­ten, die mich 27 Jah­re lang auf die Emp­fäng­lich­keit für die­sen „Taran­tel­biss” (Nietz­sche) dres­siert haben, womög­lich nicht ganz so per­fi­de wie die evan­ge­li­sche Kir­che und die Grü­nen im Wes­ten, aber nicht ohne Wirkung. 

* PS vom 17. April: Leser *** teilt mit, der Migra­ti­ons­hin­ter­grund des Täters sei „nicht beleg­bar”; ich habe Lese­rin*** eine Mail mit der Fra­ge geschickt, wo sie’s her­hat. (Ich könn­te natür­lich auch Wet­ten annehmen…)

                                 ***

„Coro­na-Losung” (Leser***), geprägt von der DDR-Akti­vis­tin – das bedeu­te­te damals etwas ande­res als heu­te – Fri­da Hockauf:

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                                 ***

Die ehe­ma­li­ge CBS-Repor­te­rin Lara Logan hat erst­mals beschrie­ben, wie sie vor neun Jah­ren in Kai­ro von einem hun­dert­köp­fi­gen Mob „mit Hän­den, Fah­nen­stan­gen und Stö­cken” grup­pen­ver­ge­wal­tigt wur­de, nach­dem man ihr sämt­li­che Klei­der vom Lei­be geris­sen hat­te. „They sodo­mi­zed me over and over”, berich­tet die sei­ner­zeit als Kai­ro-Kor­re­spon­den­tin täti­ge Jour­na­lis­tin. „They tried to rip my lim­bs off. … They tried to scalp me with their hands, rip­ping out clumps of my hair.”

Bei die­ser Orgie ver­ein­te sich offen­bar die ent­hemm­te Geil­heit mit dem gleich­zei­ti­gen Wunsch, deren unzüch­ti­gen, sakri­le­gi­schen Anlass zu ver­nich­ten. Ist halt eine ande­re Kul­tur. Dort ist Sex mit Angst kon­no­tiert (ich woll­te gera­de „noch” schrei­ben, aber vor mei­nem inne­ren Auge erschien plötz­lich ein „schon”). Es waren übri­gens ara­bi­sche Frau­en, die der Geschän­de­ten das Leben ret­te­ten, indem sie Sol­da­ten herbeiholten.

Nun will Lara Logan ein 90-minü­ti­ges Spe­cial bei Fox Nati­on ver­öf­fent­li­chen, das sich mit „libe­ra­len Vor­ur­tei­len” in den Medi­en befasst. „Sie kön­nen sich nicht mit der #MeToo-Bewe­gung für Frau­en ein­set­zen und das Unrecht der Ver­gan­gen­heit sicht­bar machen, aber nichts über eine Jour­na­lis­tin sagen, die ver­ge­wal­tigt wur­de und fast gestor­ben wäre”, sag­te sie. Fehlt nur, dass sie jetzt behaup­tet, in einer west­li­chen Stadt kön­ne ihr so etwas nicht pas­sie­ren. Denn wie Marc Zucker­berg in einem durch­aus, aber nicht völ­lig ande­ren Zusam­men­hang der deut­schen Gott­kanz­le­rin zuge­raunt haben soll: We work on it.

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„Coro­na­vi­rus: Kon­takt­ver­fol­gung wird Teil von Android und iOS”: schwer vor­stell­bar, dass jemand der Ver­su­chung wider­steht, dau­er­haft an jenen Genüs­sen zu naschen, die man ein­mal pro­biert hat…

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Klei­nes Coro­naf­rei­zeit-Quiz: Wer hat’s geschrieben?

Dieversöhnungsgestewar

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Bild mel­det am 30. Janu­ar: Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter stellt das welt­weit ers­te Grip­pe­vi­rus vor, das sich nicht über die Atem­we­ge verbreitet:

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Im Gegen­satz zu dem ver­dien­ter­ma­ßen in stän­di­ger Kri­tik ste­hen­den prä­si­dia­len Kur­pfu­scher Donald Trump hat­te die Bun­des­re­gie­rung die Lage von Anfang an unter Kon­trol­le und genießt das Ver­trau­en der Werk­tä­ti­gen und Kul­tur­schaf­fen­den völ­lig zu recht. 

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Die schö­ne Sei­te von Covid-19, fest­ge­hal­ten an der Süd­spit­ze des Starn­ber­ger Sees (all­mäh­lich wird’s so mono­to­no­the­ma­tisch wie auf allen Kanä­len, aber ich tu’s wirk­lich nicht, um Sie regie­rungs­fromm und gefü­gig zu halten):

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Egal, wovor man kniet, es ist lächer­lich. Aber nicht zu knien, ist es erst recht.

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