28. Mai 2020

Um unter bra­ven Deut­schen durch­zu­set­zen, dass sie öffent­lich unbe­fan­gen ihre Mei­nung äußern, müss­te man sie wohl mit einer Geheim­po­li­zei dazu zwingen.

                                 ***

If that happens
„Guten Mor­gen Herr Klo­n­ovs­ky, falls das an Ihnen vor­bei­ge­gan­gen ist: Die­ser sehr bemer­kens­wer­te Auf­ruf  zur Ver­tei­di­gung unse­rer Frei­heit gegen Big Tech war heu­te früh noch in der ‚Welt’ ver­linkt, inzwi­schen fin­de ich ihn nicht mehr… Dafür bes­ser zum Trump-Bashing geeig­ne­te Tweets. Der zustän­di­ge Zen­sor kam wohl erst in der Frühschicht.”

(Leser ***)

In der qua­li­täts­jour­na­lis­tisch auf­be­rei­te­ten und wahr­heits­jour­na­lis­tisch zer­ti­fi­zier­ten Ver­si­on liest es sich dann so:

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Das hat der Genos­se Medi­en­schaf­fen­de wohl falsch ver­stan­den. Trump will gegen die Zen­sur in den sozia­len Medi­en vor­ge­hen, er insis­tiert auf free­dom of speech im Sin­ne der US-Ver­fas­sung. Ist in Deutsch­land kein zen­tra­ler Wert, zumin­dest „nicht zum Null­ta­rif” (Mer­kel). – Die Sache erin­nert sehr an eine Schlag­zei­le vom ver­gan­ge­nen Jahr, wo dem schlim­men Donald in den Medi­en vor­ge­wor­fen wur­de, er wol­le Uni­ver­si­tä­ten zur Durch­set­zung der Mei­nungs­frei­heit „zwin­gen”. 
 

                                 ***

Die Bun­des­re­gie­rung steht – wie alle ande­ren Admi­nis­tra­tio­nen, die einen ver­gleich­bar radi­ka­len Lock­down durch­ge­führt haben – vor dem Pro­blem, dass in Bäl­de die wirt­schaft­li­chen und gesund­heit­li­chen Kol­la­te­ral­schä­den ihrer Ent­schei­dun­gen in aller Pracht und Herr­lich­keit sicht­bar wer­den. Es wird – vor allem außer­halb des Par­la­ments – eine Debat­te über die Ange­mes­sen­heit der Coro­nabe­kämp­fungs­maß­nah­men statt­fin­den, die eine Regie­rung sogar weg­fe­gen könn­te, wenn es nicht in Deutsch­land geschähe. 

Alle der­zeit zu beob­ach­ten­den poli­ti­schen Gau­ke­lei­en, von Söders Gezap­pel bis zum Zurück­pfei­fen des Genos­sen Ramel­jow, sowie die über die Bevöl­ke­rung ver­häng­ten Ver­bo­te die­nen dem Zweck, das Bedro­hungs­ge­fühl mög­lichst hoch zu hal­ten und Locke­run­gen hin­aus­zu­zö­gern. Jeder Tag, den die Regie­rung gleich­sam mit der Viren­ge­fahr imprä­gniert, ist für sie ein gewon­ne­ner Tag. Je län­ger das Land im Panik­mo­dus vibriert, des­to gerecht­fer­tig­ter erschei­nen die getrof­fe­nen dras­ti­schen Maß­nah­men. Natür­lich könn­ten die Mit­glie­der der Bun­des­re­gie­rung vor die Kame­ras tre­ten und erklä­ren: Wir waren anfangs unsi­cher über die Dimen­si­on der Gefahr, wir haben nach Infor­ma­ti­ons­la­ge ent­schie­den, wir woll­ten Schlim­mes ver­hin­dern und haben dabei das Maß ver­lo­ren, aber nie­mand in die­sem Ver­ein hat dafür die Sta­tur, am wenigs­ten die Heim­su­chung im Kanz­ler­amt, von der man nie ein selbst­kri­ti­sches Wort hören wird. Also wer­den sie wei­ter, wenn auch immer nied­ri­ger dosiert, Panik schü­ren, Scha­den anrich­ten und sich schließ­lich im Staats­me­di­en­ne­bel zurück­zu­zie­hen versuchen. 

Aber der Debat­te über die Ange­mes­sen­heit ihrer Maß­nah­men wird die­se Regie­rung nicht entkommen. 

Was mich inter­es­siert, ist, wie sie irgend­ei­ne Schuld in die­ser Sache den Rech­ten in die Schu­he schie­ben wol­len, wo die doch die ein­zi­ge Frak­ti­on stel­len, wel­che eine sol­che Debat­te vom Zaun bre­chen wird. 

                                 ***

„Falls Sie Ihr am 26. Mai vor­ge­tra­ge­nes Argu­ment der (ich möch­te sagen: not­wen­di­ger­wei­se expo­nen­ti­ell wach­sen­den) Nega­tiv­aus­le­se mit einem der Haupt­sät­ze der Per­so­nal­be­ra­tung stüt­zen möch­ten, hier des­sen ein­fa­che Wahr­heit: First Class hires First Class, Second Class hires Third Class.”
(Leser ***)

PS: Leser *** scheint es, dass bei dem zitier­ten Haupt­satz der Per­so­nal­be­ra­tung „der letz­te, sar­kas­ti­sche (und even­tu­ell nicht nur mir beson­ders gefal­len­de) Teil abhan­den kam. Ich zitie­re mal voll­stän­dig:
‚First Class hires First Class, Second Class hires Third Class. Third Class fires First Class.’ ”

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Lie­be Kin­der, die Demo­kra­tie ist nichts Hei­li­ges. Die Demo­kra­tie ist kein Reli­gi­ons­er­satz. Die Demo­kra­tie ist kein Geschichts­ziel. Die Demo­kra­tie ist ein Mit­tel zum Zweck, sie ist das Mit­tel, um zu einer guten Regie­rung zu kom­men bzw. eine schlech­te Regie­rung wie­der los­zu­wer­den. Erfüllt ein Mit­tel sei­nen Zweck nicht, muss dar­über nach­ge­dacht wer­den, ob es am Mit­tel oder an der Art sei­ner Anwen­dung liegt. Ich fürch­te frei­lich, dass in den Köp­fen vie­ler gewähl­ter Regie­ren­der sogar der Zweck frag­lich ist. 

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Wie­der­vor­la­ge zur Cau­sa Jörg Bernig:

N – Nicht
A – an
Z – Zuwan­de­rung
I  – interessiert

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Leser *** möch­te „die Grup­pe Ihrer eli­tä­ren” Corona-Bekämpfungs-„Länder um ein süd­ame­ri­ka­ni­sches (Uru­gu­ay) erwei­tern, in dem ich lebe.

Stand heu­te: 803 Fäl­le, 22 Tote.

Dies ist eben­falls – wie schon in Ihrem Arti­kel mit einer Leser­zu­schrift erwähnt – auf extrem schnel­les Han­deln zurück­zu­füh­ren. In Kurz­ver­si­on lief das folgendermaßen:

13. März: Die ers­ten 4 Fäl­le – wäre eine inzwi­schen lan­des­weit berühmt und berüch­tig­te Mode­trul­la namens Car­me­la nicht direkt nach ihrem Flug von Mai­land aus auf ein Hoch­zeit mit 500 Gäs­ten gegan­gen, wäre die Sache ver­mut­lich noch weit glimpf­li­cher abge­lau­fen …
14. März: Alle Schu­len wer­den offi­zi­ell dicht­ge­macht, eben­so die Uni­ver­si­tä­ten und alle öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen. Soweit mög­lich wird auf Home Office umge­stellt.
20. März: Kei­ne Flü­ge mehr von und nach Euro­pa.
24. März: Alle Gren­zen dicht.
10. April: Ver­wen­dung der öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel nur noch mit Gesichts­mas­ken.
24. April: Super­märk­te nur noch mit Gesichts­mas­ken.
25. April: Rück­schlag Num­mer eins: Alten­hei­me infi­ziert.
23. Mai: Rück­schlag Num­mer zwei: Das Virus kommt jetzt von Nor­den über die bra­si­lia­ni­sche Gren­ze, wel­che schwer zu schlie­ßen ist, da vie­le auf der einen Sei­te arbei­ten und auf der ande­ren leben.

Restau­rants etc. waren nur kurz ‚zu’ (die meis­ten arbei­te­ten mit einem per­fekt funk­tio­nie­ren­den Lie­ver­ser­vice wei­ter), inzwi­schen sind alle offen – mit Sicher­heits­ab­stand natür­lich. Die Geschäf­te sind auch fast alle wie­der offen, die Wie­der­eröff­nung der Shop­ping-Malls wird gera­de geplant. Die Schu­len sol­len ab dem 29. Juni wie­der mit Prä­senz­un­ter­richt wei­ter­ma­chen. Ach ja, apro­pos Schu­len: Es gibt hier ein per­fekt funk­tio­nie­ren­des Online-Schul­sys­tem (Plan Cei­bal), mei­ne Kin­der stöh­nen ob der zusätz­li­chen Arbeits­be­las­tung (!), es gab nur anfäng­lich ein klei­nes Orga­ni­sa­ti­ons­pro­blem. Kein Ver­gleich mit dem Cha­os, von dem man aus dem bes­ten Deutsch­land aller Zei­ten mit sei­ner phä­no­me­na­len Digi­tal­of­fen­si­ve so hört. Nun ja, bei uns haben ja auch 80 % aller Haus­hal­te einen Glas­fa­ser­an­schluss, und der Rest kann auf flä­chen­de­ckend 4G zurückgreifen.

Und nun ver­glei­che man das mit dem Kas­per­le­thea­ter in Deutsch­land (und Euro­pa)! Deutsch­land hät­te bei grob über­schla­gen 25-facher Bevöl­ke­rungs­zahl (hier sind wir ca. 3,5 Mil­lio­nen) und glei­chen Maß­nah­men um die 500 Tote zu bekla­gen und einen weit gerin­ge­ren Wirt­schafts­scha­den. So viel zum The­ma ‚Die größ­te Kanz­le­rin aller Zei­ten und die noch grö­ße­re Regie­rung aller noch grö­ße­ren Zei­ten haben das ja sooo aus­ge­zeich­net gemanaged’.”

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