9. Mai 2020

Man wird sagen: Es war nicht alles schlecht in der BRD.

Titelbild Stern November 1993

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Der Hass der mehr­heit­lich links­grü­nen Öffent­lich­keits­ar­bei­ter auf Donald Trump hat damit zu tun, dass des­sen öffent­li­ches Agie­ren ihr eige­nes Trei­ben nahe­zu sym­me­trisch spie­gelt: Der böse Donald hat die Bezichtigungs‑, Ver­dre­hungs- und Ver­leum­dungs-Pra­xis der Medi­en ein­fach über­nom­men – wenn auch in gemil­der­ter Form – und gegen ihre Urhe­ber gekehrt. Frei­lich sind die meis­ten Genos­sen Jour­na­lis­ten hüben wie drü­ben in ihrer habi­tu­el­len Ver­lo­gen­heit und ihrem Wahn, das Gute zu tun, für die­se Erkennt­nis blind. 

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Ges­tern hielt unser aller Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Pahl-Rugen­stein­mei­er eine in den meis­ten deut­schen Redak­tio­nen viel­be­ach­te­te Rede zum „Tag der Befrei­ung” Deutsch­lands von Faschis­mus, Natio­na­lis­mus, Into­le­ranz, Viel­falts­feind­schaft und EU-Skep­ti­zis­mus. „Der Bun­des­prä­si­dent warn­te vor der Ver­su­chung eines neu­en Sozia­lis­mus Natio­na­lis­mus, von der Fas­zi­na­ti­on des Auto­ri­tä­ren, von Miss­trau­en, Abschot­tung und Feind­se­lig­keit zwi­schen den Natio­nen” – so steht es geschrie­ben für alle Zei­ten auf der Web­sei­te der Zeit. – Die Ver­su­chung der Fas­zi­na­ti­on! Die Ver­su­chung von Miss­trau­en! Die Ver­su­chung von Feind­se­lig­keit! Lau­ter zar­tes­te Ver­su­chun­gen für rhe­to­ri­sche Seil­tän­zer über einem Pfuhl aus Kalau­ern und Katach­resen! – „Der damit ver­bun­de­ne Hass, die Het­ze und Demo­kra­tie­ver­ach­tung sei­en ’nichts ande­res als die bösen alten Geis­ter in neu­em Gewand’, sag­te Stein­mei­er”, schreibt die Zeit. „In sei­ner Rede beton­te Stein­mei­er zudem die deut­sche Ver­ant­wor­tung für den Zusam­men­halt Euro­pas als Kon­se­quenz aus der Geschich­te – auch jetzt in der Coro­na-Kri­se. ‚Wenn Euro­pa schei­tert, schei­tert auch das ‚Nie wie­der!’, mahn­te der Bun­des­prä­si­dent”, schreibt die Zeit.  

Ist das ver­stan­den wor­den, ihr bösen alten Geis­ter des per­fi­den Albi­on? Ihr Insel-Faschos wer­det schuld sein, wenn dem­nächst auch das „Nie wie­der!” geschei­tert ist. Dann geht alles wie­der von vor­ne los, aber dies­mal dre­hen wir den Spieß um!

Und ihr, lie­be Kin­der, schreibt als Vor­be­rei­tung für das Home­schoo­ling der kom­men­den Woche zehn tol­le Ideen auf, die den Satz „Schei­tert Euro­pa, dann …” vervollständigen!

PS: Leser *** weist dar­auf hin, dass Stein­mei­er wört­lich gesagt habe: „Damals wur­den wir befreit. Heu­te müs­sen wir uns selbst befrei­en! Befrei­en von der Ver­su­chung eines neu­en Natio­na­lis­mus. Von der Fas­zi­na­ti­on des Auto­ri­tä­ren. Von Miss­trau­en, Abschot­tung und Feind­se­lig­keit zwi­schen den Natio­nen. Von Hass und Het­ze, von Frem­den­feind­lich­keit und Demo­kra­tie­ver­ach­tung – denn sie sind doch nichts ande­res als die alten bösen Geis­ter in neu­em Gewand.” Die „Ver­su­chung” habe aus­schließ­lich dem Natio­na­lis­mus gegolten. 

 
Dann war halt in die­sem einen Pas­sus der refe­rie­ren­de Zeit-Redak­teur der Seil­tän­zer über dem Pfuhl aus Kalau­ern und Katach­resen, bis Stein­mei­er wie­der rou­ti­niert über­nahm. Davon unbe­nom­men bleibt selbst­ver­ständ­lich die tie­fe Wahr­heit der Fest­stel­lung, dass wir uns heu­te selbst befrei­en müssen.

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Zur Befrei­ung von Prag:

Screenshot 2020 05 09 18.34.14

PS: Leser *** schreibt dazu: 

„Ich hat­te mir vor eini­gen Tagen das zwei­fel­haf­te Ver­gnü­gen ange­tan, den Ein­trag der ‚Zeit­geistschrott­sam­mel­stel­le’ zum Pra­ger Auf­stand, des­sen für die deut­sche Bevöl­ke­rung durch­weg erfreu­li­che Begleit­erschei­nun­gen mir als Enkel ver­trie­be­ner Suden­ten­deut­scher seit mei­ner Kind­heit geläu­fig sind, zu Gemü­te zu füh­ren. Dort erfährt der stau­nen­de Leser: 

‚(…) auf der tsche­chi­schen Sei­te ver­han­del­ten eini­ge Mit­glie­der des Tsche­chi­schen Natio­nal­rats und der Gene­ral Karel Kutlva­šr, der die Kapi­tu­la­ti­on am 8. Mai 1945 von Tous­saint ent­ge­gen­nahm. Das Ergeb­nis der Ver­hand­lun­gen ermög­lich­te den deut­schen Trup­pen und den deut­schen Zivi­lis­ten frei­es Geleit aus der Stadt, wäh­rend auf der ande­ren Sei­te die deut­schen Kräf­te die Zer­stö­rung der Stadt ein­stel­len wür­den. Die Wehr­macht­sol­da­ten zogen nach Pil­sen, wo sie sich in die Gefan­gen­schaft der US-ame­ri­ka­ni­schen Armee bega­ben und so dem Zugriff der Roten Armee ent­zie­hen konnten.’

Wer ande­res behaup­tet, ist offen­kun­dig ein rech­ter Hetzer.”

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Vor ein paar Jah­ren war es schwer vor­stell­bar – und ist es in zurech­nungs­fä­hi­gen Welt­ge­gen­den heu­te noch und wahr­schein­lich immer­dar –, dass nicht Fähig­kei­ten, Intel­li­genz und Qua­li­fi­ka­ti­on, son­dern Geschlecht, Ras­se und Sexu­al­ver­hal­ten für die Beset­zung von Füh­rungs­pos­ten aus­schlag­ge­bend sein sol­len. Inzwi­schen sind die zahl­rei­chen win­di­gen Initia­ti­ven zur Diver­si­fi­zie­rung lukra­ti­ver Jobs kaum mehr aus­ein­an­der­zu­hal­ten; inso­fern ist es nahe­zu löb­lich, dass jemand sie bün­delt. „Bey­ond­Gen­der­Agen­da” nennt sich eine neue Platt­form – gott­lob kommt mein lie­bes Deutsch als Hirn­wä­sche-Rot­welsch und Gesell­schafts­trans­fo­ma­ti­ons-Gau­ner­spra­che auch hier­zu­lan­de immer mehr aus der Mode –, auf die mich Lese­rin *** hin­wies. Es han­delt sich um ein Forum für „Diver­si­ty & Inclu­si­on”, deren Grün­de­rin, der PR-Fach­mensch Vic­to­ria Wag­ner, soeben ein Inter­view auf welt.online gab. 

„Wir haben uns auf die Fah­ne geschrie­ben”, erklärt die won­ni­ge Diver­si­ty-Schild­maid dort, „Diver­si­tät und Inklu­si­on in der DNA von füh­ren­den bör­sen­no­tier­ten und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men zu ver­an­kern und damit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit unse­res Lan­des lang­fris­tig zu sichern. Wir wol­len bei der Beset­zung von Vor­stands­po­si­tio­nen und Auf­sichts­rats­man­da­ten end­lich Chan­cen­gleich­heit sicher­stel­len für Füh­rungs­kräf­te ande­ren Geschlechts, Alters, kul­tu­rel­ler Her­kunft, sexu­el­ler Ori­en­tie­rung und Geschlech­ter­iden­ti­tät.” Als Ziel ihres markt­be­rei­ni­gen­den Stre­bens nennt sie einen „kul­tu­rel­len Wan­del” und „Minds­hift”. Wie sie dazu kommt, sich in die Arbeit von Unter­neh­men ein­mi­schen zu wol­len, und was sie dazu befä­higt bzw. legi­ti­miert, dar­über erfah­ren wir von unse­rer Volks­kom­mis­sa­rin für Benach­tei­lig­ten-Inklu­si­on lei­der nichts; die Inter­viewe­rin erkun­digt sich auch nicht danach; man wird gleich erfah­ren gleich, warum.

Lese­rin *** schreibt, man brau­che nur die lan­ge Lis­te der „Part­ner” zu stu­die­ren, um zu wis­sen, was uns da ins Haus stün­de: VW, FDP, Mie­le, Micro­soft, Ber­tels­mann-Stif­tung, Bur­da, Com­merz­bank, Deut­schen Post DHL, Twit­ter, Völk­lin­ger Kreis, Bun­des­ver­band schwu­ler Füh­rungs­kräf­te, sogar Welt, Han­dels­blatt und Süd­deut­sche sind mit von der Par­tie – was dem Inter­view in der Welt, an des­sen Ende die Koope­ra­ti­on dis­kret erwähnt wird, eine ver­schwie­mel­te Note verleiht.

Außer­dem koope­rie­re die­se Wohl­mei­nen­s­ma­fia mit der Uhla­la Group, und das „ergibt ein Gehirn­wä­sche­po­ten­ti­al nie dage­we­se­nen Aus­ma­ßes. Bei Uhla­la mischen auch ‚Zeit Online’, Axel Sprin­ger, ProSiebenSat.1 mit und, beson­ders bedroh­lich: Arva­to, jene Ber­tels­mann-Toch­ter, die Face­book nach Anstö­ßi­gem ‚durch­sucht’ und die­ses Anstö­ßi­ge ‚über­prüft, bewer­tet und gege­be­nen­falls löscht’ (Wiki frü­her, heu­te ‚prü­fen’ sie nur noch). Das ‚BeyondGenderAgenda’-Geleitwort stammt von Bun­des­mi­nis­ter Jens Spahn. Man ist ganz oben angesiedelt.”

Von der unstatt­haf­ten Ein­mi­schung in die theo­re­tisch immer noch freie Wirt­schaft durch sozia­lis­ti­sche Zwangs­maß­nah­men abge­se­hen, ist jede Art von För­de­rung nach Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit Dep­pen­för­de­rung (von den För­de­rungs­for­de­rern sel­ber ein­mal abge­se­hen). För­de­rungs­wür­dig sind Bega­bun­gen, Intel­li­genz, Fähig­kei­ten – aus­ge­nom­men natür­lich Hil­fen für wenig Begab­te oder aus sozia­len Grün­den im „bas­ket of deplor­able” (Hil­la­ry Clin­ton) Gelan­de­te, aber denen böte man ja kei­ne Spit­zen­jobs an. Im Übri­gen: Ich bin begie­rig, ein­mal eine Frau ken­nen­zu­ler­nen, die trotz nach­weis­ba­rer Fähig­kei­ten wegen ihres Geschlechts in ihrer Kar­rie­re behin­dert, also dis­kri­mi­niert wur­de, und ich mei­ne nicht im Iran oder bei den Sau­dis. Nor­ma­ler Kon­kur­renz­kampf ist übri­gens kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung, auch wenn vie­le Kar­rie­re­mä­dels gleich zu wei­nen anfan­gen, wenn sie über eine Fal­te im roten Tep­pich gestol­pert sind. 

Had­mut Danisch, der zu die­sem The­ma seit Lan­gem, wenn auch in etwas rup­pi­gem Ton,  alles Ent­schei­den­de vor­trägt (gera­de wie­der in einem Text über die Hin­ter­wäld­le­ri­sie­rung der deut­schen Infor­ma­tik durch Frau­en­för­de­rung), hat Frau­en­quo­ten ein­mal treff­lich als „Straf­zöl­le auf Män­ner” defi­niert und die Fra­ge gestellt, was von einer För­de­rung und Pri­vi­le­gie­rung zu hal­ten sei, die vie­le Jah­re lang unter mul­ti­me­dia­lem Fan­fa­ren­schall betrie­ben wird, aber prak­tisch ergeb­nis­los bleibt.

Eine Ant­wort gab Lud­wig von Mises: „Die­ser gan­zen fana­ti­schen Ver­tei­di­gung von Plan­wirt­schaft und Sozia­lis­mus liegt oft nichts ande­res zugrun­de als das ins­ge­hei­me Bewußt­sein der eige­nen Min­der­wer­tig­keit und Inef­fi­zi­enz. Men­schen, die sich ihrer Unfä­hig­keit im Wett­be­werb bewußt sind, ver­ach­ten die­ses ‚kran­ke Kon­kur­renz­sys­tem’. Wer sei­nen Mit­men­schen nicht zu die­nen in der Lage ist, will sie beherrschen.”

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Falls sich jemand frag­te, was Frau Högl, kin­der­los, zur Wehr­be­auf­trag­ten qua­li­fi­ziert: die Lust am Töten vielleicht?

Killerhögl

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„Völ­lig unbe­merkt von der Öffent­lich­keit und daher unwi­der­spro­chen”, notiert Roger Letsch auf sei­ner Face­book­sei­te, „hat­te Nachrichtensprecher*in Kle­ber gen­der­neu­tra­le Grup­pen­be­zeich­nun­gen für aus­nahms­los alles eingeführt.”

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„Auf die Fra­ge, ob his­to­ri­sche Tat­sa­chen dadurch nicht ver­zerrt wür­den, ant­wor­te­te das Pres­se­spre­che­rix des Bun­des­ver­ban­des ‚Ein Stern, der dei­nem Namen steht’: ‚Da wird sich die Geschich­te schon noch dran gewöhnen!’ ”

                                 ***

Leser *** lie­fert ergän­zen­de Stich­wor­te für das von Leser *** ange­reg­te „Wör­ter­buch der Lügen­pres­se-Leug­ner” (Acta vom 8. Mai), nämlich:

Zer­rüt­tungs­be­ses­se­ne
Sub­mis­sio­na­re 
Grund­ge­set­zes­bre­cher
Ver­fas­sungs­ver­wei­ge­rer
Ver­trags­bruch­ha­bitués
Rechts­si­cher­heits­sa­bo­teu­re
Ver­fas­sungs­schutz­schän­der

Leser *** hat die Rich­tung umge­kehrt und bringt fol­gen­de Neo­lo­gis­men in Vorschlag:

AfD-Ver­ste­her
Grund­ge­setz­an­wen­dungs­for­de­rer
Gewal­ten­tei­lungs­fe­ti­schis­ten
Wir-schaf­fen-das-Ant­ago­nis­ten
Die-die-schon-länger-hier-sind-als-„Volk”-Titulierer
Rechts­staat­lich­keits­pos­tu­lie­rer
Wahl­er­geb­nis­rück­gän­gig­ma­chungs­kri­ti­ker
Nicht­hilf­rei­che­bü­cher­le­sen­de
Herr­schaft­des­un­rechts­kon­sta­tie­rer
Asyl­rechts­an­wen­dungs­hys­te­ri­ker
Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz­ab­schaf­fer
Vor­schutz­su­chen­den­schutz­su­chen­de
Ungläu­bi­gen­freun­de
Kreuz­ab­la­ge­pfaf­fen­spie­geln­de
Muez­zin­ruf­ab­stel­ler
Geis­ter­spiel­be­su­cher
Geis­ter­talk­show­be­trach­ter
Auf-Mei­nungs­frei­heit-Behar­rer

                                 ***

Einen wich­ti­gen Aspekt der „Befrei­ung”, der schon ziem­lich „zeit­nah” auf den Punkt gebracht wur­de, ver­deut­licht der Tages­spie­gel in der Rezen­si­on des Doku­men­tar­fil­mes „Ber­lin 1945 – Tage­buch einer Groß­stadt” von Vol­ker Heise:

ampnmofiejhgndba

 
(Ich dan­ke Leser *** für die Zusendung.)

                                 ***

„Mit den Deut­schen ver­hält es sich wie mit den Kar­tof­feln: Das Bes­te liegt unter der Erde.„
Lese­rin ***

Womit der Sam­mel­be­zeich­nung „Kar­tof­feln” ja plötz­lich ein tie­fe­rer Sinn zuwüchse.

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