26. Juni 2020

Heu­te, geneig­te Eck­la­den­be­su­che­rIn (w/m/d), will ich mich mit eini­gen Exem­peln begnü­gen – aber was heißt begnü­gen? –, die von der Grö­ße und Herr­lich­keit unse­res Auf­bruchs in eine diver­se, tole­ran­te und befrei­te Mensch­heit zeu­gen (und vom Glück, ihn erle­ben zu dürfen).

Soll man, fragt bei­spiels­wei­se end­lich der Köl­ner Stadt­an­zei­ger, „Har­ry Pot­ter” verbrennen?

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Noch vor zehn Jah­ren, unter der Fuch­tel wei­ßer hete­ro­nor­ma­ti­ver Patri­ar­chen, hät­te sich das Blatt nicht getraut, sol­che Fra­gen zu stel­len. Ist es nicht herr­lich, wie jahr­zehn­te­lang geduck­te Jour­na­lis­ten nun die Fes­seln abwer­fen und zu akti­ver Tole­ranz finden? 

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Ein ähn­li­ches Befrei­ungs­er­leb­nis genoss Pri­yam­va­da Gopal, Dozen­tin an der Fakul­tät für Eng­lisch der Uni­ver­si­tät Cam­bridge (UK) und dort mit der Zukunfts­herr­schafts­tech­no­lo­gie „Kolo­nia­le und post­ko­lo­nia­le Theo­rie” beschäf­tigt, als sie twitterte:

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Und sie setz­te furcht­los noch einen drauf: „Wei­ße abschaf­fen”. Twit­ter regier­te prompt und sperr­te sie nicht. Ihre Uni­ver­si­tät stell­te sich hin­ter sie. So geht Solidarität! 

PS: Die herbbit­te­re Zir­ze ist sogar beför­dert worden:

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Mei­ne far­bi­gen Mit­mu­si­ker: Es ist Zeit zu akzep­tie­ren, dass wir in einer miss­bräuch­li­chen Bezie­hung zur klas­si­schen Musik ste­hen”, meint wie­der­um seuf­zend der recht sehr bekann­te und auf sei­ne Wei­se genia­le „queer Leba­ne­se com­po­ser” Nebal May­saud, „a deeply spi­ri­tu­al thin­ker”, wie uns hier mit­ge­teilt wird. Die­ser Miss­brauch hat nichts damit zu tun, dass der eine oder ande­re kolo­rier­te Fied­ler oder Blä­ser sein Instru­ment not­züch­tigt, son­dern geht selbst­re­dend von der Klas­sik sel­ber aus, genau­er: von deren Weiß­sein. May­saud hat bei sei­nen tie­fen spi­ri­tu­el­len Rei­sen ent­deckt, dass vie­le klas­si­sche Musi­kan­ten „von Far­be” (colour) sowie der stär­ker pig­men­tier­te Teil des Klas­sik-Publi­kums gegen­über musi­ka­li­schen „Tätern” (abu­ser) wie etwa Bux­te­hu­de, Beet­ho­ven, Cho­pin oder vor allem Leon­ca­val­lo ein Stock­holm-Syn­drom ent­wi­ckelt habe, aus dem zu befrei­en der Kom­po­nist sich nun anhei­schig macht: „Unfor­tu­n­a­te­ly, not ever­yo­ne can escape. But having the know­ledge that your abu­ser is an abu­ser its­elf can be fre­eing. It can help you find the next step in your jour­ney towards liberation.”

„Es ist Zeit, die klas­si­sche Musik ster­ben zu las­sen”, erklärt unser quee­rer Ken­taur aus halb Befreiungs‑, halb Bestat­tungs­mu­si­kant und ruft: „Let’s Crea­te Art for Our Own Com­mu­nities!” Wie ich die­se Com­mu­nities ein­schät­ze, wer­den sie die wei­ßen soge­nann­ten Klas­si­ker bald sehr alt aus­se­hen las­sen (bei den Phy­si­kern und Raum­fahrt­in­ge­nieu­ren haben sie es ja auch längst geschafft). Ob die Wei­ßen gleich mit­samt ihrer Klas­sik weg­ster­ben sol­len, wird er dem­nächst mit Pri­yam­va­da Gopal vor gro­ßem far­bi­gen Publi­kum ausdiskutieren.

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Was fehlt noch? Na was schon:

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(Mehr hier.)

Vor einer Wei­le schrieb ich, wenn Jesus heu­te leb­te, sie wür­den sogar ihn in einen Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­kurs schi­cken, aber es geht auch anders: Der Hei­land wird geschminkt und in die Gemein­de der Peop­le of Colour über­nom­men. Dann ist er kein Ras­sist mehr. Nur die wei­ßen Jesus-Dar­stel­lung müs­sen nie­der­ge­ris­sen und ent­sorgt wer­den. Oder, in Varia­ti­on des quee­ren Din­gens von eben: „Es ist Zeit, die klas­si­sche abend­län­di­sche Kunst und Sakral­ar­chi­tek­tur ster­ben zu las­sen.” Und man soll ihr, frei nach Nietz­sche, sogar noch dabei helfen!

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Hier, ihr gott­lob der­zeit halb­ver­deck­ten Nazi-Nasen, so ist es richtig:

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Immer noch viel zu wenig anti­ras­sis­tisch und eth­nisch-kul­tu­rell unver­sal­zen wuselt das Schwa­ben­land mit­samt sei­ner Metro­po­le Stutt­gart, wenn­gleich das „Bun­des­scher­ben­nächt­le” (Wolf­ram Ack­ner) am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de einen Diver­si­fi­zie­rungs­stand offen­bar­te, hin­ter den es kein Zurück mehr geben darf. Klar, dass die Ras­sis­ten bei den All Cops are Bas­tards so etwas genau regis­trie­ren, sie ste­hen ja der Befrei­ung im Wege, aber die Tole­ranz­po­li­zei hat aufgepasst:

Kanakenbeschimpfer

Vor vier Tagen sag­te ich vor­aus, dass von den fas­sungs­lo­sen Wor­ten des Beam­ten über die Stutt­gar­ter Frei­nacht nur ein ein­zi­ges sei­nen Weg in die Medi­en fin­den wer­de – das Funk­pro­to­koll wird der­weil über­all sen­si­bel gelöscht –, und so ist es gekom­men. War aber auch leicht zu ora­keln. Die oben zitier­te Lokal­ga­zet­te hat nur nicht kapiert, dass es nicht hei­ßen muss „Beam­ter beschimpft Ran­da­lie­rer als ‚Kana­ken’ ”, son­dern: „Beam­ter beschimpft Kana­ken als ‚Ran­da­lie­rer’ ”.

Doch die Genos­sen Medi­en­schaf­fen­den wer­keln bereits an der Umdeu­tung der Vor­komm­nis­se. Der eigent­li­che Skan­dal ist jener: 

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Wie beim Framing von „Chem­nitz”, wo an die Stel­le eines tat­säch­li­chen Mes­ser­mords frei erfun­de­ne Hetz­jag­den tra­ten, soll auch die Stutt­gar­ter Par­ty­nacht all­mäh­lich durch ein neu­es Nar­ra­tiv ersetzt wer­den: Ras­sis­mus bei der deut­schen Polizei. 

So und nicht anders geht Antirassimus!

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Womit wir bei jenen wohl­ge­ra­te­nen Ordens­schwes­tern ange­langt wären, die den herr­li­chen Auf­bruch in die befrei­te, tole­ran­te und diver­si­fi­zier­te Welt erst so rich­tig zie­ren. Aller­dings befin­den sich man­che die­ser Mai­den auf erschüt­tern­de Wei­se im Unkla­ren über ihre Zuge­hö­rig­keit zu einem min­der­wer­ti­gen Kon­strukt namens wei­ße Rasse. 

Leser ***, der mir die­ses Foto von „Hen­gi” Poli­zis­ten­müll­hal­de sandte:

Hengi1

Quel­le:

Hengi2

… und die pro­pe­re Schwes­ter seit Län­ge­rem kennt, schreibt, vie­le „Zeit­zeu­gen” sei­en voll­kom­men erstaunt dar­über, „dass sie behaup­tet, eine Far­bi­ge zu sein. Wäh­rend ihrer Schul­zeit sei das kein The­ma gewe­sen. Auch wird vehe­ment demen­tiert, sie sei ein Mob­bing-Opfer gewe­sen. Am bes­ten aber fand ich den O‑Ton: ‚Ich bin völ­lig über­rascht, dass sie sich als Far­bi­ge insze­niert. Die ist weiß’. Ihr Vater hat hier eine Apo­the­ke, seit 2002. Auf sei­ner FB-Sei­te erwähnt er sei­ne Töch­ter nicht.

 
Nie­mand wür­de Henghi auf der Stra­ße für einen ‚peop­le of colour’ hal­ten. Als Wei­ße kriegt man halt kei­ne För­der­gel­der. Aber ‚Eure Hei­mat – unser Alp­traum’ von einer wei­ßen Deut­schen (sie ist hier gebo­ren und war nie etwas ande­res als deutsch)? Wol­len wir nur hof­fen, das in der ‚Par­ty- und Event­sze­ne’ nie­mand merkt, dass die bun­te Henghi ein wei­ßes U‑Boot ist.”

Das­sel­be hof­fen wir natür­lich auch für Frau Thor­warth von der Frank­fur­ter Rund­schau! Nicht dass es den Hol­den ergeht wie Che­ryl Sel­by, Bür­ger­meis­te­rin der Stadt Olym­pia im US-Bun­des­staat Washing­ton, die sich, obwohl blü­ten­weiß, bei den BLM-Akti­vis­ten anzu­bie­dern such­te, sogar vor ihnen nie­der­knie­te, aber sie wur­de schnell durchschaut:

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(Gut, das kann weder einer FR- noch einer taz-Jour­na­lis­tin pas­sie­ren; die haben kei­ne Häu­ser. Doch gewis­se Inten­dan­ten und Herausgeber…?)

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Apro­pos: 68.000 geni­tal­ver­stüm­mel­te Frau­en leben heu­te in Deutsch­land, schon 44 Pro­zent mehr als vor drei Jah­ren, erstat­tet die Welt Bericht von der Viel­falts­front. Die meis­ten der Frau­en stamm­ten aus afri­ka­ni­schen Län­dern wie Ägyp­ten, Soma­lia und Nige­ria, aber bis zu 15.000 Mäd­chen sei­en inzwi­schen hier­zu­lan­de von Beschnei­dung bedroht – ein Anstieg von mehr als 160 Pro­zent im Ver­gleich zu 2017. „Geni­tal­ver­stüm­me­lung, Zwangs­ver­hei­ra­tun­gen – das sind Phä­no­me­ne, die mit­ten unter uns sind”, bestä­tigt Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Gif­fey den Ein­gang der von der Bun­des­re­gie­rung bestell­ten Lieferung. 

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Ach­ten wir bei all­dem die Fau­na nicht gering! Dort wird Euro­pa eben­falls einer rei­ni­gen­den Diver­si­fi­zie­rung unterzogen:

Aus Bel­gi­en grüßt Leser *** mit einer Froh­bot­schaft für alle Fernstenliebenden:

wolf

Wolf wohl­auf, Scha­fe tot. Ein biss­chen wie bei den Men­schen. Lupus in fabu­la eben.

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In Mar­seil­le und Umge­bung, schreibt Leser ***, der mir die­sen Schnapp­schuss sand­te, stün­den sol­che Schil­der überall.

Cartouche

Die sind noch wei­ter mit der Diver­si­fi­zie­rung. Auch Car­tou­che – ich habe als Bub noch den Film mit Bel­mondo gese­hen – ist nicht längst nicht mehr weiß.

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Die Acta sind eine Chro­nik, zur Erbau­ung der Zeit­ge­nos­sen und zur Beleh­rung der Nach­ge­bo­re­nen, wes­halb die­ser Vorgang:

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fest­ge­hal­ten sein muss, zumal zwar vie­le Wahr­heits- und Qua­li­täts­me­di­en davon berich­te­ten, aber den Grund, wes­halb der par­tei­lo­se Abge­ord­ne­te Dr. Fiech­t­ner aus dem Land­tag getra­gen wur­de, sei­ne vor­aus­ge­gan­ge­ne Rede, scham­haft beschwie­gen. Der Klei­ne Eck­la­den doku­men­tiert den Wort­laut, den Zeit­ge­nos­sen zur War­nung, spä­te­ren, vor allem his­to­risch inter­es­sier­ten asia­ti­schen Lesern zur Erbauung:

„Auch mit mei­nen bald 60 Jah­ren ler­ne ich noch täg­lich dazu. Eine beson­de­re Erkennt­nis des ver­gan­ge­nen Wochen­en­des war es, dass der Begriff ‚Par­ty­sze­ne’ eine neue geo­gra­fi­sche Bezeich­nung für den ara­bi­schen Raum und den Maghreb zu sein scheint. Eine Neu­erkennt­nis war es auch zu sehen, dass es offen­bar eine neue Coro­na-Maß­nah­me zu sein scheint, mit einer Sturm­mas­ke fei­ern zu gehen. Auch die Aus­stat­tung mit einer Eisen­stan­ge scheint dazu not­wen­dig zu sein. So kann wahr­schein­lich der not­wen­di­ge Abstand von ein­ein­halb Metern bes­ser gewahrt werden.

Links­ex­tre­mis­ti­sche und von Aus­län­dern domi­nier­te Mobs sind in unse­rer Repu­blik nicht erst seit ges­tern bekannt. Bereits bei Stutt­gart 21 und spä­tes­tens beim G20-17-Gip­fel in Ham­burg konn­te man die Aus­ma­ße von unkon­trol­lier­ten Ran­da­len begut­ach­ten. Die Poli­tik schaut auch in die­sem Fall genüss­lich zu und übt sich in Kro­ko­dils­trä­nen. Man stel­le sich nur vor, die Aus­schrei­tun­gen wären in Ost­deutsch­land pas­siert und von Rechts­ex­tre­mis­ten besucht gewe­sen. Am nächs­ten Tag wäre der Bun­des­prä­si­dent Stein­mül­ler vor Ort gewe­sen, Blu­men wür­den nie­der­ge­legt, Geset­ze erlas­sen, Distan­zie­run­gen vor­ge­tra­gen und die Schul­di­gen stün­den schon fest.

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