Späterer 22. Juni 2020

Die Par­ty­sze­ne ist auch nicht mehr das, was sie einst war:

Partyszenen

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Had­mut Danisch hat in sei­nem Blog ein Frücht­chen auf­ge­tan, das mir glatt ent­gan­gen wäre:

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Danisch stellt die zwangs­läu­fi­gen Fra­gen: „Angeb­lich gibt es gera­de 195 völ­ker­recht­lich aner­kann­te Staa­ten, dazu 7 Ter­ri­to­ri­en mit strit­ti­gem Status. 

War­um sucht man sich aus einer Aus­wahl von etwa 200 Län­dern die­ser Welt aus­ge­rech­net das aus, das man für einen Alb­traum hält?
Alles nur, um Hartz IV, kos­ten­lo­ses Stu­di­um und sowas abzugreifen?

Oder könn­te man dar­aus fol­gern, dass wir hier – Alb­traum hin oder her – von 195 Län­dern und 7 Ter­ri­to­ri­en immer noch das bes­te und attrak­tivs­te Land sind? Ich ver­ste­he es nicht. War­um hält man sich in einem Land auf, das man für einen Alb­traum hält?”

Auf der Wikip­dia erfah­ren wir über den Bub:

„Moha­med Amja­hid wur­de als Kind marok­ka­ni­scher Gast­ar­bei­ter gebo­ren, der Vater arbei­te­te als Indus­trie­ar­bei­ter, die Mut­ter als Rei­ni­gungs­kraft. Er zog mit sie­ben Jah­ren mit den Eltern und zwei Geschwis­tern nach Marok­ko, wo er die Schu­le besuch­te. Mit neun­zehn Jah­ren kehr­te er nach Deutsch­land zurück und stu­dier­te Poli­tik­wis­sen­schaft an der FU Ber­lin. Nach einem Zei­tungs­vo­lon­ta­ri­at beim Tages­spie­gel ging er als Repor­ter zum Zeit­ma­ga­zin. Er arbei­tet als Redak­teur und Repor­ter im Poli­tik­res­sort der Zeit.”

Eine Lese­rin steu­ert die Grün­de für sei­ne Deutsch­land-Aver­si­on bei: Amja­hid eilt von Sti­pen­di­um zu Sti­pen­di­um, von Jour­na­lis­ten­preis zu Jour­na­lis­ten­preis. Er ist ein Inklu­si­ons-Para­de­fall. Dafür zahlt er zurück. Eigent­lich logisch in Kein-schö­ner-Land-zu-die­ser Zeit, wo Inlän­der­feind­lich­keit und Oppo­si­ti­ons­kri­tik die jour­na­lis­ti­schen Tres­sen verleihen.

Weil die deut­schen Redak­tio­nen im Regel­fall „so weiß sind wie der Ku-Klux-Klan” (Alex­an­der Wendt), hal­ten sich Spie­gel, Zeit, taz etc. ihre Quo­ten­bun­ten. Der Spie­gel etwa Has­nain Kazim, die Zeit den erwähn­ten Alp­träu­mer, die Welt Herrn Yüzel, die taz Hen­g­ameh Yag­hoo­bi­fa­rah, die in ihrer Kolum­ne geschrie­ben hat, die 300 000 Poli­zei­be­am­ten in Deutsch­land besä­ßen ein „Fascho-Mind­set” und dürf­ten nach der von ihr ersehn­ten Poli­zei­auf­lö­sung „streng­ge­nom­men noch nicht ein­mal in die Nähe von Tie­ren” gelas­sen wer­den, wes­halb es für sie nur einen ange­mes­se­nen Auf­ent­halts­ort gebe: „die Müll­de­po­nie. Nicht als Müll­men­schen mit Schlüs­seln zu Häu­sern, son­dern auf der Hal­de, wo sie wirk­lich nur von Abfall umge­ben sind. Unter ihres­glei­chen füh­len sie sich bestimmt auch sel­ber am wohlsten.”

Auf der Web­sei­te der Tages­schau erfährt der Demo­kra­tie­ab­ga­be­zah­ler, dass der­glei­chen Ein­las­sun­gen „poli­zei­kri­tisch” zu ver­ste­hen seien:

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Mit die­ser Deu­tung fal­len die Staats-TVler frei­lich all jenen in den Rücken, die unter der Feder­füh­rung des FAZ-Haus­ge­nies Patrick Bah­n­ers dar­über dis­ku­tie­ren, ob es auch so etwas wie unbe­wuss­te Sati­re gibt:

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Mit der Müll-Asso­zia­ti­on ist die taz-Dreck­schleu­der halb­be­wusst vor einen Spie­gel getre­ten: Die­se tris­ten Figu­ren ken­nen nur Hass und Het­ze, so etwas wie Kul­tur ist bei ihnen weder dies- noch jen­seits der Spra­che erkenn­bar. Wären sie Bio-Deut­sche, wür­den sie nach Maß­ga­be ihrer Talen­te Spar­gel ste­chen oder Rega­le ein­räu­men müs­sen. Ihr Geschäfts­mo­dell ver­kör­pert am bes­ten Genos­se Kaz­nin: Er schreibt oder twit­tert irgend­ei­ne sum­ma­ri­sche Nie­der­träch­tig­keit gegen Land und Leu­te, sam­melt unter den Repli­ken das Zehn­tel derer, die spie­gel­ver­kehrt stumpf­sin­nig und bös­ar­tig sind wie er sel­ber, und macht Bücher dar­aus. Das heißt, er lässt sein Publi­kum für sich schrei­ben, was eigent­lich ziem­lich schlau ist für einen, der sel­ber nicht schrei­ben kann. 

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Wie aber soll der Kul­ti­vier­te mit all die­sen Uner­freu­lich­kei­ten bzw. Bar­ba­ris­men umgehen?

Leser *** kommt „De Gaul­le in den Sinn. Der alte Nach­den­ker und Nach-Füh­ler hat­te ‚une cer­tai­ne idée de la Fran­ce’ – die Fra­ge, was genau die deut­sche oder fran­zö­si­sche Kul­tur aus­macht, hät­te er zu Recht als lächer­lich emp­fun­den. Kul­tur­ge­fühl und Genau­ig­keit der Defi­ni­ti­on des­sel­ben schlies­sen sich gegen­sei­tig aus. Nur nach oben gespül­te Bon­zen- und Tali­ban-Typen kön­nen so etwas for­dern. Was ist schon ein mensch­li­ches Wesen? Wer kann das defi­nie­ren? Und trotz­dem gibt es allem Anschein nach Men­schen. Oder sind wir auch ein sozia­les Konstrukt?

Ich füh­le mich weder in Deutsch­land, noch in der Schweiz, noch in Ita­li­en oder Kroa­ti­en ‚zu Hau­se’. Son­dern an allen die­sen Orten. Euro­pa ist etwas Unüber­treff­li­ches. Viel­leicht wird es gera­de auch dadurch bewie­sen, dass nur wir selbst uns zer­stö­ren können. 

Ich weiss nicht, was wer­den wird. Wer­den die­se Irren, die sogar Kant angrei­fen, sie­gen? Es sieht so aus, wenigs­tens in Mit­tel­eu­ro­pa. Viel­leicht kön­nen sich der Osten und der Süden von der Infek­ti­on, die viel schlim­mer und töd­li­cher ist als Coro­na, iso­lie­ren. Ich weiss es nicht. Es ist ja im Prin­zip kaum anders als Ende der dreis­si­ger Jahre.

Ich habe mich, ange­sichts der Ent­wick­lun­gen, noch nie so wohl gefühlt, alt zu sein und nicht mehr lan­ge leben zu müs­sen. Ich ver­ste­he jetzt Ste­fan Zweig und vie­le ande­re. Nein, umbrin­gen wer­de ich mich nicht. Ganz sicher nicht. Auch kei­nen von die­sen Cré­tins. Die sind es nicht wert. Solan­ge es noch das alte Ita­li­en und das alte Kroa­ti­en und das alte Ungarn  gibt. Und den Dingac, den Sali­ce Salen­ti­no, mei­ne schö­nen Nord-Spa­ni­er aus Leon und dem Valdepenas.”

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„Als Expat und ehe­ma­li­ger Fall­schirm­jä­ger” möch­te Leser *** mei­ne heu­te geäu­ßer­ten Zwei­fel an der Kampf­taug­lich­keit der Bun­des­wehr gegen inne­re Fein­de zer­streu­en und „dar­auf hin­wei­sen, dass die akti­ven Kame­ra­den (Frau­en inklu­diert) sehr wohl eine ent­spre­chen­de Lage been­den könn­ten. Die Fra­ge ist viel eher, ob sich die Poli­tik zu einem robus­ten Ein­satz durch­rin­gen könn­te? Auch die BFE+ Ein­hei­ten der Bun­des­po­li­zei, sowie die Ein­satz­hun­dert­schaf­ten der Lan­des­po­li­zei­en sind durch­aus in der Lage einen sol­chen Spuk schnell zu beenden.”

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