29. Juli 2020

„Nicht so sehr die Mühen des Ehr­geiz­lings sind jäm­mer­lich anzu­schau­en als viel­mehr sei­ne Freu­den.„
Jür­gen Große

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Ich schrieb hier vor eini­gen Wochen, die Mas­ken­tra­ge­rei sei zwar unsin­nig, aber es sei immer noch wir­kungs­vol­ler, eine Mas­ke zu tra­gen als kei­ne. Das muss ich wohl zurück­neh­men. Die Din­ger sind rei­ne Sym­bo­lik. (Sieht man allein dar­an, dass auch ein Schal oder ein Hals­tuch als Mund­schutz akzep­tiert wer­den.) Sie sol­len das Erre­gungs­le­vel hoch- und die Unter­ta­nen bei mög­lichst mise­ra­bi­lis­ti­scher Stim­mung hal­ten. Die sehr sel­ten zu sehen­den kom­pak­ten Schutz­mas­ken* viel­leicht aus­ge­nom­men, sind die Mas­ken wir­kungs­los, viel­leicht sogar eher Brut­stät­ten für Mikro­ben als Schutz. Die Mund­win­del etwa, wel­che ich mir vors Gesicht hän­ge, wenn ich ein­kau­fe oder Bahn fah­re, habe ich nie gewa­schen, sie steckt mit dem Klein­geld in der Jacket­ta­sche, wäre ich Viren- statt Ring­trä­ger, wür­de die­ser Lap­pen wie eine famo­se Petri­scha­le funk­tio­nie­ren. Aber die Mit­welt ist beruhigt.

Des­to unan­ge­neh­mer ist die wach­sen­de Hys­te­rie beim Durch­set­zen der Mas­ken­pflicht. Etwa wenn im ICE die Lady sechs Plät­ze wei­ter den Schaff­ner dar­auf hin­weist, dass ich mei­ne abge­setzt habe. Sobald er Kon­for­mi­tät her­stel­len kann, ist der gute Deut­sche ganz bei sich.

Ein­schal­tung für Esel*innen: Ich habe nicht gesagt, dass das Virus harm­los ist, son­dern ledig­lich, dass die Mas­ken zu sei­ner Bekämp­fung allen­falls als Pro­pa­gan­da­waf­fe taugen. 

* Die­se Din­ger hei­ßen FFP3-Mas­ken, erklärt Leser ***, Uro­lo­ge, und fährt fort: 

„Der Asia­te, der bekann­ter­ma­ßen schlau­er ist als wir, weiß es seit vie­len Jah­ren: Mas­ken hel­fen, wirk­lich! Wäre ich Risi­ko­pa­ti­ent, gin­ge ich nicht ohne FFP3-Mas­ke in die Öffent­lich­keit. Nur die­se schützt Sie hin­rei­chend vor einer Infek­ti­on. Beim gewöhn­li­chen Mund-Nasen-Schutz geht es nicht um den indi­vi­du­el­len Schutz, son­dern um die Redu­zie­rung der Wahr­schein­lich­keit einer Über­tra­gung, beson­ders beim sog. Super­sprea­ding. Bei­spiel: Bei einem R von unge­fähr 1 ste­cken 10 im Schnitt wei­te­re 10 an. Nun ist es aber wahr­schein­lich so, daß davon 9 nie­man­den, einer aber (Super­sprea­der, z.B. der Klo­n­ovs­ky im ICE) 10 ansteckt. Trägt die­ser aber eine Mas­ke, steckt er nur noch z.B. 4 an. Dann drü­cken Sie damit R auf 0.25 und die Pan­de­mie läuft sich tot. Schau­en Sie sich bei You­tube Vide­os an, in denen die Tröpf­chen­ver­tei­lung ohne und mit ver­schie­de­nen MNS gezeigt wird.

Unse­re glor­rei­che Bun­des­re­gie­rung hat uns zum Beginn der Pan­de­mie erzählt, Mas­ken bräch­ten nichts, weil es kei­ne gab.

Solan­ge ein MNS tro­cken ist, hät­te ich kei­ne hygie­ni­schen Bedenken.”

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„Wenn die Kapi­tu­la­ti­on der Wehr­macht eine Sei­te lang ist, war­um hat mein Ver­trag dann sie­ben?„
Harald Schmidt

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Ein Freund macht mich auf eine Koin­zi­denz auf­merk­sam, die womög­lich eine Kau­sa­li­tät abbil­det. Es geht um das von mir her­aus­ge­ge­be­nen Reclam-Bänd­chen mit Apho­ris­men von Nicolás Gómez Dávi­la: „Es genügt, dass die Schön­heit unse­ren Über­druss streift…”, erschie­nen im Jahr des Herrn 2007.

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Zwi­schen dem Erschei­nen des Buchs und mei­ner ers­ten Gau­land-Rede lie­gen zehn Jah­re, unser klei­ner Denun­zi­ant hat ein Weil­chen war­ten müs­sen, bis sei­ne Cow­per­sche Drü­se los­tröp­feln durf­te. Wahr­schein­lich ist er der Ansicht, dass sofort nach mei­nem Wech­sel in die Diens­te der Schwe­fel­par­tei sämt­li­che Ver­la­ge, in denen ich ver­öf­fent­licht habe – das sind ja eini­ge –, mit dem Ein­stamp­fen hät­ten begin­nen müs­sen. Wobei natür­lich die Fra­ge bleibt, war­um ein Gau­land-Reden­schrei­ber nicht einen katho­li­schen kolum­bia­ni­schen Apho­ris­ti­ker her­aus­ge­ben soll. Es ist die Nazi­men­ta­li­tät auf der Nazi­su­che, nichts Neu­es unter der Son­ne. Wie jemand auf die Idee kommt, einen Ver­lag anzu­schrei­ben, in dem er nicht mal sel­ber publi­ziert (obwohl sich alle deut­schen Ver­la­ge um die­sen Kunz rei­ßen) – was zwar auch nicht bes­ser wäre, aber immer­hin mit der Habermas’schen Elle gemes­sen wer­den könn­te (Acta vom 22. Juli) –, bleibt einem halb­wegs dem Gedan­ken des Fair play ver­bun­de­nen Men­schen schlei­er­haft. Fair play bedeu­tet in die­sem Zusam­men­hang nicht mehr als die Annah­me, der Ande­re kön­ne genau­so recht haben wie man sel­ber, ich besit­ze kei­nen exklu­si­ven Zugang zur Wahr­heit und las­se mir weder von irgend­wel­chen Meu­ten noch von Herr­schafts­ver­hält­nis­sen den Rücken stär­ken. Unser Hint­z­pe­ter – ich weiß, jedes Wort über sol­che Dol­den­blüt­ler (Coni­um macu­la­tum) ist eines zuviel, sie blü­hen auf im war­men Regen des unver­hoff­ten und streng­ge­nom­men auch unver­dien­ten Wahr­ge­nom­men­wer­dens – labo­riert ersicht­lich an kogni­ti­ven Han­di­caps, eine Sen­tenz mitt­le­ren Schwe­re­grads wie: „Der Ras­sist gerät außer sich, weil er ins­ge­heim den Ver­dacht hegt, dass alle Ras­sen gleich sind; der Anti-Ras­sist, weil er ins­ge­heim ver­mu­tet, dass sie es nicht sind”, über­steigt sei­ne Kapa­zi­tä­ten (aber der Glück­li­che bemerkt es ja nicht):

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Nun sind zwar fast alle Block­war­te Dumm­köp­fe, aber nur die aller­we­nigs­ten Dumm­köp­fe wer­den gleich Block­war­te. Na, Schwamm drü­ber, wer in Deutsch­land lebt, muss die­ses auto­ri­täts­from­me Kar­sum­pel wohl ertra­gen. Ich hat­te ange­kün­digt, die Koin­zi­denz zur mut­maß­li­chen Kau­sa­li­tät aus­zu­wei­ten. Bezie­hungs­wei­se der erwähn­te Freund tat es bereits, indem er gugel­te. Und sie­he: Auf ama­zon ist das Buch nicht mehr lie­fer­bar, und wer es auf der Web­sei­te des Ver­la­ges sucht, wird eben­falls nicht mehr fündig:

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Ist das nicht rei­zend? Hint­z­pe­ter hat­te einen Erfolg! (Ich set­ze es ein­fach mal vor­aus, man muss doch jön­ne kön­ne, wie der Köl­ner sagt.) Das Buch wird jetzt im Samm­ler­wert stei­gen, mein Hono­rar habe ich als Fixum bekom­men, mir ist es gleich, wie­vie­le Exem­pla­re ver­kauft wer­den, und das Nach­wort gehört eh nicht zu mei­nen Glanz­leis­tun­gen. Die Apho­ris­men-Aus­wahl wer­de ich dem­nächst hier als Down­load anbie­ten, sofern Reclam sie tat­säch­lich nicht mehr ver­trei­ben will. Und ein Kre­tin fühlt sich zwi­schen­zeit­lich ganz kre­gel. Was will man mehr?

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Wenn wir nun bei Don Nicolás sind: Im Mai zitier­te ich erst­mals den Apho­ris­ti­ker Arne Kolb, unter ande­rem mit der herr­li­chen Sen­tenz: „ ‚Patri­ar­chat’ ist das femi­nis­ti­sche Wort für Kul­tur.” Nun hat Kolb, wie­der­um auf der Web­sei­te des Maga­zins Anbruch (Hintz, mit­schrei­ben!), einen klu­gen Essay über Gómez Dávi­la ver­öf­fent­licht, des­sen Lek­tü­re ich inter­es­sier­ten Besu­chern des Klei­nen Eck­la­dens, wie man sagt, ans Herz lege. 

Es fin­det sich dar­in die­ser Pas­sus, und wenn mich jemand mit mei­ner der­zei­ti­gen Haupt­tä­tig­keit ärgern woll­te, soll­te er schon unge­fähr so argumentieren:

„Seit gerau­mer Zeit scheint der poli­ti­sche Dis­kurs ein rei­nes Zwie­ge­spräch von Demo­kra­ten gewor­den zu sein, in dem jede Sei­te die ‚wah­re Demo­kra­tie’ gegen ihre Fein­de zu ver­tei­di­gen glaubt. Unter den gro­ßen Phi­lo­so­phen war Dávi­la der bis­lang letz­te, der sich ein­deu­tig und ohne Vor­be­halt zur Ableh­nung der Demo­kra­tie bekann­te, wenn­gleich er kein ‚Feind’ der­sel­ben war. Die Demo­kra­tie poli­tisch zu bekämp­fen, gar das ‚Volk’ von ihrer Unzu­läng­lich­keit über­zeu­gen zu wol­len, ist ein Feld­zug, auf dem man sich alle demo­kra­ti­schen Krank­hei­ten sel­ber wie­der zuzieht. Wäh­rend sich der ‚Rech­te’ in sei­nem Kampf gegen Demo­kra­tie und Sozia­lis­mus in eine blo­ße Umkeh­rung sei­ner Geg­ner ver­wan­delt, lehnt es der Reak­tio­när ab, in Par­la­men­ten und auf Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen in Erschei­nung zu tre­ten. Anstatt sich auf irgend­wel­che Sei­ten zu stel­len, erwar­tet er bei jedem Umschwung gelas­sen das erneu­te Her­vor­bre­chen aller Las­ter und Tugen­den, die nicht dem gestürz­ten Regime, son­dern der mensch­li­chen Natur innewohnen.” 

                                  ***

„He is a line of coke mas­que­ra­ding as the Eucha­rist.”
Milo Yianno­pou­los über Jor­dan Peterson

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Die Bin­go-BZ wun­dert sich:

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Aber was wol­len die denn? Lin­ke zer­le­gen doch auch ame­ri­ka­ni­sche Innen­städ­te, um gegen Gewalt zu demonstrieren.

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– Den Trot­tel erkennt man dar­an, dass er die bril­lant for­mu­lier­te Gegen­mei­nung für schlecht for­mu­liert hält
– Und Sie mei­nen, bril­lant zu sein?
– Ich bin nur ein Mund­stück Allahs.

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