15. August 2020

Der Soros hat ja so recht:

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Die­se Gegen­wehr ist die letz­te Bas­ti­on vor der „Rebar­ba­ri­sie­rung auf höchs­tem tech­nisch-mer­kan­ti­lis­ti­schem Niveau”, wie Frank Lis­son den Pro­zess auf den Begriff bringt. „Der zivi­li­sa­ti­ons­ver­wahr­los­te, mora­lisch dege­ne­rier­te und sich tech­nisch stän­dig erneu­ern­de Mensch unse­rer Tage weist auf die nächs­te evo­lu­tio­nä­re Stu­fe und damit auf das enor­me, lan­ge unter­schätz­te Ent­kul­tu­ra­li­sie­rungs­po­ten­ti­al, das in der mensch­li­chen Natur ent­hal­ten ist.” („Mythos Mensch. Eine Anthro­po­di­zee”, Ber­lin 2020, S. 131). Die­se Dia­gno­se ist der­ma­ßen evi­denz­ge­stützt, dass sich jeder Beleg erüb­rigt; man muss ja nur vor die Haus­tür gehen, um über Zeug­nis­se zu stol­pern. Aber es han­delt sich um den ästhe­ti­schen Blick auf das Phä­no­men. Die poli­ti­sche Ver­si­on stammt von Phil­ip­pe de Villiers:

„Der Popu­lis­mus ist der Schrei der Völ­ker, die nicht ster­ben wollen.” 

                                 ***

Juve­ni­le Revo­luz­zer wäh­nen, die Welt begän­ne qua­si mit ihnen, zumin­dest die bes­se­re Welt. Aber die Debü­tan­ten sind meist blo­ße Kopis­ten; Habi­tus, Atti­tü­de, Paro­len, Pathos: Alles nur geklaut.

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Vor andert­halb Men­schen­al­tern bei­spiels­wei­se gab es eine deut­sche Ver­si­on von „woke”:

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„Nichts Neu­es unter der Son­ne” (Pre­di­ger, 1, 9).
Bol­sche­wis­ten, Nazis, Rote Gar­den oder Khmer, 68er, BLM-Tumul­tan­ten, für mich ist das alles Fleisch vom sel­ben Flei­sche: Fein­de der Kul­tur. Jeder Kultur.

                                 ***

Apro­pos Kul­tur­feind­schaft – es gibt sie in vie­ler­lei Gestalt, auch als Schmie­ren­ko­mö­die. Dies sind die gesam­mel­ten Trä­ger des Hölderlin-Preises: 

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Mehr Scham­lo­sig­keit bekommt man schwer­lich auf so weni­gen Zei­le ver­sam­melt (wobei ich die drei, vier pre­kä­ren Autoren­exis­ten­zen aus­neh­men möch­te, die von sol­chen Kor­rup­ti­ons­gel­dern tat­säch­lich leben müs­sen). Jeder Schrei­ber soll­te sei­ne poe­ti­schen Kon­fek­ti­ons­ma­ße ken­nen und auch die bloß tem­po­rä­re Ein­klei­dung in gro­tes­ke Über­grö­ßen ablehnen.

O hei­lig Herz der Völ­ker, o Vater­land!    
    All­d­ul­dend gleich der schwei­gen­den Mut­ter Erd’
        Und all­ver­kannt, wenn schon aus dei­ner
             Tie­fe die Frem­den ihr Bes­tes haben.

Sie ern­ten den Gedan­ken, den Geist von dir,
    Sie pflü­cken gern die Trau­be, doch höh­nen sie
         Dich, unge­stal­te Rebe, daß du
              Schwan­kend den Boden und wild umirrest.

Du Land des hohen erns­te­ren Geni­us!
    Du Land der Lie­be! Bin ich der Dei­ne schon,
        Oft zürnt ich wei­nend, daß du immer
              Blö­de die eige­ne See­le leugnest.

PS: Leser *** merkt an, dass sich unter den Aus­ge­zeich­ne­ten doch ehren­wer­te Per­so­nen befän­den, Leser *** sekun­diert und spricht „von einer der bes­se­ren Preis­trä­ger­lis­ten”. Habe ich mich so miss­ver­ständ­lich aus­ge­drückt? Mir geht es weni­ger um die Zusam­men­set­zung der Lis­te als viel­mehr um den Namens­ge­ber. So einen Preis nimmt man aus Beschei­den­heit und Takt­ge­fühl nicht an. Sol­len sie doch Grass‑, Böll- und Wal­ser­prei­se stif­ten. Grün­bein, die bei­den Men­as­ses oder Bier‑, Kehl- und Her­mann als Höl­der­lin-Preis­trä­ger – hat noch irgend­wer ein Organ für Unan­ge­mes­sen­heit? Ende der Durchsage. 

                                 ***

Wenn Sie sich fra­gen, war­um die rechts­ex­tre­men Straf­ta­ten in den Sta­tis­ti­ken der ver­gan­ge­nen Jah­re auf erwünsch­te Wei­se gestie­gen sind – über die ohne­hin nur für „rechts” gelis­te­ten Pro­pa­gan­da­de­lik­te hin­aus –, dann könn­ten die­se Zähl-Moda­li­tä­ten Auf­schluss geben:

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Oder die­se:

65b180d3 8e82 4737 95bd 37187b25ec59

(Quel­le: Preu­ßi­sche All­ge­mei­ne Zei­tung, Nr. 5/2019)

                                 ***

Momen­tan wird von inter­es­sier­ter Sei­te der Vor­schlag gestreut, man möge das Wahl­al­ter auf 16 Jah­re sen­ken, um die alters­ty­pisch so ahnungs­lo­sen wie enthu­si­as­ti­schen, schu­lisch und mul­ti­me­di­al zurecht­ma­ni­pu­lier­ten Jugend­li­chen in die Diens­te des rot­grü­nen Gesell­schafts­um­baus zu stel­len. Aber wenn – dann:

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Sie haf­ten mit 16 nur ein­ge­schränkt für ihre Taten, dür­fen kein Auto fah­ren, nicht ohne elter­li­che Geneh­mi­gung rei­sen, sich nicht nach 24.00 Uhr ohne erwach­se­ne Beglei­tung in Clubs und Bars auf­hal­ten, kei­ne Spi­ri­tuo­sen kau­fen, kein Kind erzie­hen, ohne Zustim­mung der Erzie­hungs­be­rech­tig­ten kei­ne rele­van­ten Ver­trä­ge abschlie­ßen, etwa ein Auto oder ein Haus kau­fen, kei­ne Fir­ma grün­den, aber sie sol­len über die Lan­des­re­gie­rung mit­be­stim­men; was für ein grün­ge­fin­kelt per­fi­der, grö­ne­meye­resk tie­fen­blö­der („Kin­der an die Macht”) Vor­schlag! Sie soll­ten mit 30 erst­mals wäh­len dür­fen, wenn sie ein biss­chen von der Welt und vor allem den Men­schen begrif­fen haben, und fai­rer­wei­se soll­te mit 70 Schluss sein*. Dann gäbe es frei­lich so schnell kei­ne lin­ken Regie­run­gen mehr. 

* Ich weiß, das wäre unge­recht gegen­über allen geis­tig wachen und lebens­klu­gen 70ern, aber der Vor­schlag ist auch unfair gegen­über allen früh gereif­ten Unter-30jäh­ri­gen. Aber zum einen muss Unge­rech­tig­keit sein, sonst kommt man zu kei­nem Ende – nur Dumm­köp­fe wider­spre­chen hier –, zum ande­ren han­delt es sich ohne­hin nur um eine Phantasie. 

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