12. September 2020

Ich hat­te vor kur­zem gemut­maßt, die von mir bei Reclam her­aus­ge­ge­be­ne Apho­ris­men-Samm­lung von Nicolás Gómez Dávi­la kön­ne womög­lich auf­grund einer Denun­zia­ti­on aus dem Sor­ti­ment ver­schwun­den sein, und in die­sem Zusam­men­hang ange­kün­digt, um die Rück­ga­be der Rech­te zu bit­ten, auf dass ich das Büch­lein sel­ber online ver­trei­ben kön­ne. Die Rech­te besit­ze ich inzwi­schen wie­der. Die Antho­lo­gie wer­de ich als Down­load gegen ein gerin­ges Ent­gelt online stel­len, sobald mein stress­ge­plag­ter Web­mas­ter end­lich den schon lan­ge ange­kün­dig­ten Relaunch mei­ner Web­sei­te hinbekommt. 

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Coro­na­to­te in Deutschland.

Ges­tern: 1

Vor­ges­tern: 3

(Quel­le)

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Plötz­lich steht mir die Inschrift vor Augen, die mei­nen Grab­stein zie­ren soll: Aus dem hät­te was wer­den kön­nen. Aber er hat­te Glück.

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Es soll künf­tig hei­ßen: Er erwies sei­ner Par­tei einen Bärin­nen- und Bärendienst.

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Jetzt hat sogar der wei­ße Mann Peter Slo­ter­di­jk ein­ge­stimmt in den Chor derer, die über die Abstiegs­ängs­te wei­ßer Män­ner spot­ten. Die­se Ängs­te sind näm­lich einer­seits total unge­recht­fer­tigt – in deut­schen Müll­ton­nen befin­den sich immer noch genü­gend lee­re Fla­schen, um vie­len alten wei­ßen Volks­ge­nos­sen auch ohne Zakāt einen wür­di­gen Lebens­abend zu ermög­li­chen – und ande­rer­seits völ­lig ver­dient, denn wei­ße Män­ner haben all­zu­viel auf dem Kerb­holz und sol­len ruhig ein biss­chen Angst haben. Unzu­läs­sig und damit zum Spott frei­ge­ge­ben sind neben der unbe­grün­de­ten und ver­dien­ten Abstiegs­angst wei­ßer Män­ner auch noch ande­re Ängs­te, etwa die Angst vor dem soge­nann­ten Infra­schall von Wind­rä­dern, erst recht die soge­nann­te Isla­mo­pho­bie, sodann die Angst vor Mes­sern oder die Sor­ge wei­ßer, gar nicht mal alter Schlam­pen, auf dem nächt­li­chen Heim­weg einem Will­kom­mens­dank­ab­stat­ter über den Weg bzw. Erobe­rungs­pfad zu lau­fen. Über­haupt die lächer­li­che Angst vor der ganz natür­li­chen und zu allen Zei­ten statt­fin­den­den und statt­ge­fun­den haben­den Migra­ti­on, mit­samt der Angst vor dem Ver­drängt­wer­den aus sei­nem Stadt­teil und sei­nem all­tags­kul­tu­rel­len Umfeld (außer­halb des Pro­blem­kiezes Ber­lin-Halen­see) – es sei denn, man gehört zu einer Grup­pe, um deren Ver­drän­gung es jam­mer­scha­de wäre:

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Die zitier­te Lin­ken-Poli­ti­ke­rin heißt Julia­ne Nagel, und das Zitat lau­tet in erha­be­ner Gän­ze: „Es gibt auch eine lebens­kul­tu­rel­le Angst, dass das rebel­li­sche und dis­si­den­te Con­ne­witz bedroht wird von anders­den­ken­den Men­schen, die in den Stadt­teil zie­hen.” Die Angst vor zuzie­hen­den Anders­den­ken­den ist es also, die vor­bild­lich mit Mund-Nasen-Schutz auf­tre­ten­de jun­ge Men­schen in Leip­zig auf die Stra­ße treibt! „Gewalt ist immer auch ein Hil­fe­ruf”, wie Clau­di Roth sag­te (und wie ent­lar­vend, dass die Reichs­tags­trep­pen-Erstür­mer kei­ne anwendeten).

Offi­zi­ell geneh­migt bzw. emp­foh­len sind außer­dem:
– die Angst vor dem Coro­na­vi­rus
– die Angst vor dem Kli­ma­wan­del
– die Angst vor Koh­len­di­oxid
– die Angst vor abschmel­zen­den Pol­kap­pen
– die Angst vor Neo­na­zis
– die Angst vor Rechts­po­pu­lis­ten
– die Angst vor Wie­der­gän­gern A. Hit­lers in mit­tel­deut­schen AfD-Lan­des­ver­bän­den
– die Angst vor rech­tem Ter­ror
– die Angst vor rech­tem Ter­ror im Inter­net
– die Angst vor einem Regie­rungs­um­sturz durch bewaff­ne­te Reichs­bür­ger
– die Angst vor der Unter­wan­de­rung von Bun­des­wehr und Poli­zei durch Rechts­ex­tre­mis­ten
– die Angst vor glä­ser­nen Decken
– die Angst vor All­tags­ras­sis­mus
– die Angst vor struk­tu­rel­lem Ras­sis­mus
– die Ansgt vor struk­tu­rel­lem All­tags­ras­sis­mus
– die Angst vor anti­mus­li­mi­schem Ras­sis­mus
– die Angst vor struk­tu­rel­lem anti­mus­li­mi­schen All­tags­ras­sis­mus
– die Angst vor anti­mus­li­mi­schen All­tags­ras­sis­ten, die sol­che Hetz­bil­der ins Netz stellen:

Rassismus vor Wien

Und ver­ges­sen wir nicht die Tages­mut­ter aller deut­schen Ängs­te – die Angst vor der Wie­der­wahl Donald Trumps!

(To be con­ti­nued.)

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Die soeben erwähn­te, von einer gewis­sen Ver­drän­gungs­sor­ge erfüll­te Lin­ken-Poli­ti­ke­rin war tags dar­auf schon wie­der ganz kre­gel und bereit, das schwarz­rot­grü­ne Man­tra zu verkünden:

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War­um eigent­lich kei­ne Schan­de für Afri­ka? Weil die erst genau so kur­ze Zeit unab­hän­gig sind wie z. B. Süd­ko­rea? Na, wie auch immer, die Deut­schen ste­hen wie­der an der Tete der Euro­pä­er mit der For­de­rung, die Flücht­lin­ge aus dem Elend der Lager zu erlö­sen und wenigs­tens die Min­der­jäh­ri­gen, die Wit­wen und Wai­sen, die Mäd­chen und die z.T. stil­len­den Müt­ter mit Kin­dern auf­zu­neh­men, auf dass sich die Lager wie­der fül­len und bren­nen und lee­ren und fül­len und so hin­fort bis zur Trock­nung aller Tränen.

Am 10. Sep­tem­ber mel­de­te eine grie­chi­sche Web­sei­te:

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„406 unbe­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge aus Moria wur­den nach Nord­grie­chen­land über­führt. Sie wer­den in tem­po­rä­ren Unter­künf­ten untergebracht.”

Ein Video­mit­schnitt von der Ankunft die­ser Unglück­li­chen unter­malt die Mel­dung. Schau­en wir dem Elend ins Antlitz:

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Schlägt nicht jedes Huma­nis­ten­herz höher, wenn sie Über­le­bens-Sel­fies schie­ßen, um sie ihren Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen und Glau­bens­brü­dern übers Mit­tel­meer zu schi­cken (oh Segen der wei­ßen Tech­nik!). Ob sich auch in die­sem Schwung Geret­te­ter wie­der Bur­schen befin­den, die ihre Träu­me nicht ver­lo­ren haben und sie mit T‑s­hirt-Auf­schrif­ten wie „Istan­bul 1453” oder „ACAB” auf dem gera­de noch geret­te­ten Lei­be tra­gen, ist im Schum­mer­licht nicht zu erken­nen. Aber es besteht Hoff­nung! Vie­le die­ser Jungs wir­ken so, als könn­ten wir sie in der hie­si­gen Par­ty- und Event­sze­ne wie­der­se­hen. Alle wer­den sich „in unse­ren Sozi­al­sys­te­men zu Hau­se füh­len” (KGE), man­che sogar in der Kri­mi­nal­sta­tis­tik. Ihre Fami­li­en wer­den gewiss bald nach­kom­men dür­fen. Und nun freue dich, Berlin!

                                
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Wenn man Hit­ze­wal­lungs­be­gleit­ge­schwa­fel für eine poli­ti­sche Äuße­rung hält:

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Nie wird man von sol­chen bös­ar­ti­gen Gut­chen ein Wort dar­über hören, wie vie­le Mil­lio­nen in wel­chem Zeit­raum zu wel­chem Zwe­cke und von wem finan­ziert noch nach Euro­pa kom­men – es sind ja vie­le Mil­lio­nen, die bereit­ste­hen oder bereits auf dem Wege sind – und wovon sie hier leben sol­len. Nie wer­den sie sich der simp­len Wahr­heit öff­nen, dass sie einen Sog erzeu­gen, der immer neue Migran­ten­scha­ren ani­miert, ihr Glück auf ein Los der euro­päi­schen Sozi­al­lot­te­rie zu ver­su­chen (zu den Kos­ten des Will­kom­mens­de­li­ri­ums hier). Wer bren­nen­de Auf­fang­la­ger ver­hin­dern will, täte zunächst ein­mal gut dar­an, die Sozi­al­leis­tun­gen für Migran­ten und Asyl­for­de­rer zu kür­zen und abge­lehn­te Asyl­be­wer­ber außer Lan­des zu schaf­fen. Aber das nen­nen sie dann herz­los und tun ange­wi­dert. Die Erwä­gung, wohin ihre ver­meint­li­che Wohl­tä­tig­keit bin­nen weni­ger Jah­re unver­meid­lich füh­ren muss, las­sen sie in ihren mit­tel­be­lich­te­ten Schä­deln nicht vor­spre­chen. Sie mei­nen es schließ­lich gut, vor allem für sich selber. 

Dass Poli­ti­ker, Jour­na­lis­ten, Kul­tur­schaf­fen­de, Pfaf­fen, Mana­ger und ande­re apo­ka­lyp­ti­sche Rei­ter for­dern, Deutsch­land möge noch mehr von die­sen viri­len Brü­cken­kopf­er­rich­tern auf­neh­men, also unse­rem Land und sei­ner Jugend Kon­flik­te sozia­ler, sexu­el­ler, reli­giö­ser und all­täg­lich hand­fes­ter Art besche­ren, ohne zugleich irgend­ei­nen Nut­zen zu stif­ten, wie er in ande­ren Ein­wan­de­rungs­län­dern Kri­te­ri­um für die Auf­nah­me von Migran­ten ist, dass sol­che Figu­ren sich in der Öffent­lich­keit als mora­li­sche Edle sprei­zen kön­nen und vie­le der in Bäl­de die Zeche Zah­len­den ihnen bei­pflich­ten, ja zuju­beln, als stün­de der Sport­pa­last noch, die­sen Mecha­nis­mus kann nur der Teu­fel erfun­den haben. 

Athe­ist sein ist mög­lich, Adia­bo­list sein nicht.

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Ver­ge­bens mosert es aus nicht­ge­säu­ber­ten kalt­län­di­schen Redaktionsnischen:

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Atlan­tik-Brü­cke und Euro­pean Coun­cil on For­eign Rela­ti­ons haben schließ­lich längst mit­tei­len lassen: 

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„Über die Edlen, die abseh­bar wie­der höhe­rer Woge anbran­den wer­den, belehrt uns Horaz (Epist. I, 11, 27): Cae­l­um, non ani­mum mutant, qui trans mare currunt. 

Mit freund­li­chen Grü­ßen aus dem immer­grü­nen Jena, das sich die­ser Tage wie­der reger Akti­vi­tät ins­be­son­de­re ethu­si­as­mier­ter jun­ger Damen erfreut, die so gar nicht begrei­fen wol­len, was sie da herbeiheulen.”

(Leser ***)

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Es gibt natür­lich, Relo­ti­us hin, Rest­le her, auch sol­che Geschichten:

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Auf den Aus­nah­me­cha­rak­ter wird hin­ge­wie­sen. Auch auf die 50prozentige Miss­erfolgs­wahr­schein­lich­keit bei den Wunderteilnehmern. 

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Das eine Ereig­nis, wel­ches eine Vier­tel­stun­de dau­ert und bei dem es kei­nen ein­zi­gen Ver­letz­ten noch irgend­wel­che Feu­er, nicht ein­mal Glas­bruch gibt, nen­nen sie „Sturm auf den Reichs­tag”, beplär­ren einen „Angriff auf die Demo­kra­tie” und rufen nach Ver­bo­ten und Staats­si­cher­heit. Das ande­re Ereig­nis, dass sich über Tage bzw. Näch­te hin­zieht, bei dem ver­mumm­te Links­ex­tre­mis­ten Müll­ton­nen anzün­den, Bar­ri­ka­den errich­ten und die Poli­zei mit Pflas­ter- und Zie­gel­stei­nen bewer­fen – jeder die­ser Stein­wür­fe ist ein ver­such­ter Mord –, ver­harm­lo­sen sie zu „Kra­wal­len”. Die drei Poli­zis­ten, die den „Sturm auf den Reichs­tag” ver­hin­dern, müs­sen weder Waf­fen ein­set­zen noch ande­re Gewalt aus­üben, nicht ein­mal einen Helm tra­gen, nicht wie ihre Kol­le­gen in Leip­zig und andern­orts ihre Gesund­heit ris­kie­ren, doch schon einen Tag spä­ter wer­den sie vom Bun­des­prä­si­den­ten mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz behängt. Ihre ver­letz­ten Kol­le­gen in den Leip­zi­ger Kran­ken­häu­sern inter­es­sie­ren Herrn Stein­mei­er so wenig wie alle ande­ren von den Boden­trup­pen der Roten mal­trä­tier­ten All Cops are Bas­tards.

Wäre ich ein Ver­fas­sungs­pa­tri­ot und auch sonst ein bis­serl sen­ti­men­tal, wür­de ich sagen: Die­ser Prä­si­dent miss­braucht mit sei­ner poli­ti­schen Ein­äu­gig­keit und pein­li­chen Dop­pel­mo­ral sein Amt, außer­dem spal­tet er mit sei­ner par­tei­po­li­ti­schen Rhe­to­rik die Repu­blik. Ich bin aber bloß ein Beob­ach­ter oder mei­net­hal­ben auch Con­nais­seur der men­ta­len Beschaf­fen­heit des Homo bun­des­re­pu­bli­ka­nen­sis in des­sen Spät­herbst, und als sol­cher muss ich kon­ze­die­ren, dass die Figur Stein­mei­er, so viel degout sie bei Demo­kra­ten, Repu­bli­ka­nern und Kul­tur­men­schen auch her­vor­ru­fen mag, auf der schie­fen Ebe­ne Rau-Köh­ler-Wul­ff-Gauck nichts wei­ter als eine fol­ge­rich­ti­ge und völ­lig natur­haft wir­ken­de leich­te Erhö­hung des Nei­gungs­win­kels verkörpert.

Thors­ten Hinz schreibt dazu in der JF:

20200911 110844

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