17. September 2020

Heu­te ist der Todes­tag von Fritz Wun­der­lich. 1966, kurz vor sei­nem 36. Geburts­tag, been­de­te ein Unfall das Leben des Sän­gers. Der gebür­ti­ge Pfäl­zer – er trug das Wun­der bereits im Namen – war die über­ir­di­sche Gestalt in der Geschich­te des Gesan­ges. Auf die Fra­ge, wen er für den bedeu­tends­ten Tenor über­haupt hal­te, ant­wor­te­te Lucia­no Pava­rot­ti: Wun­der­lich. Diet­rich Fischer-Dies­kau, der in sei­nem Urteil über Kol­le­gen nicht gera­de zum Lob­prei­sen neig­te, berich­te­te, wie er irgend­wann in den 1950ern gemein­sam mit einem ihm unbe­kann­ten jun­gen Tenor als Solist in einem Ora­to­ri­um auf­trat und bei­na­he erschro­cken sei, als er zum ers­ten Male die­se Stim­me hör­te. Die lyri­sche Fri­sche, der Schmelz, die Natür­lich­keit und schlich­te Her­zin­nig­keit Wun­der­lichs waren ein­zig­ar­tig. Wenn je gesangs­kul­tu­rel­le Voll­endung erreicht wur­de, dann durch ihn.

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Im Lift des Bun­des­ta­ges spra­chen mich zwei Mas­kier­te an – an einer sol­chen Aus­sa­ge ist heut­zu­ta­ge nichts Unge­wöhn­li­ches mehr –, ein Mann und eine Frau, bei­de in mei­nem Alter oder älter, vom Habi­tus wür­de ich sagen CDU (ich kann mich irren), und erkun­dig­ten sich, war­um ich kei­nen Mund-Nasen-Schutz trü­ge. Ich hat­te schon zuvor von meist jün­ge­ren Kol­le­gen gehört, dass der­ar­ti­ges inzwi­schen pas­sie­re, oft in einem unfreund­li­chem Ton (in die­sem Fall klang es eher päd­ago­gisch). Ich stell­te die Gegen­fra­ge, war­um sie es denn täten. Die Ant­wort kam rou­ti­niert: Um sich und ande­re, dar­un­ter auch mich, vor einer Infek­ti­on zu schüt­zen. Die­sen Grund wür­de ich ihnen ja ger­ne glau­ben, erwi­der­te ich, aber nur, wenn sie die Mas­ke frei­wil­lig bereits im April auf­ge­setzt hät­ten, auf dem Höhe­punkt der Kri­se, und nicht erst jetzt, nach­dem Schäub­le es mehr oder weni­ger befoh­len hat. 

Der Bun­des­tag ist kein Hoch­haus, die Wege der Lif­te sind gar kurz, und schon war das Gespräch beendet…

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Ein Leser macht mich auf einen Aus­spruch des SPD-Abge­ord­ne­ten Hel­ge Lindh auf­merk­sam, der mir in mei­nem par­la­men­ta­ri­schen Schlum­mer durch die Lap­pen gegan­gen sein muss, obwohl er drin­gend in mei­ne Mate­ri­al­samm­lung zur geis­tig-intel­lek­tu­el­len Befin­di­tät der poli­ti­schen Klas­se im bes­ten Deutsch­land ever gehört: 

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Gevat­ter Lindh hält sich und sei­ne schwarz­rot­grü­ne Com­bo für den Sou­ve­rän. Eigent­lich gehört so ein Freak ver­kehrt her­um auf einen ande­ren Esel gesetzt und unter Hohn­ge­läch­ter durch die Stra­ßen getrie­ben. Ande­re­reits hat er ein offe­nes Betriebs­ge­heim­nis aus­ge­plau­dert: So denkt es wahr­schein­lich in den meis­ten die­ser Parlamentarierschädel.

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So etwa:

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Im Gespräch sagt der Maler P. F. den schö­nen, den goe­the­schen Satz: „Der zweit­klas­si­ge Künst­ler stellt etwas dar. Der erst­klas­si­ge schafft etwas.” 

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Sieh da, sieh da, twit­ter ist wirk­lich neu­tral, die zen­sie­ren nicht nur den Trump, son­dern auch Joe Biden: 

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„Der Mensch der fer­nen Zukunft wird Misch­ling sein. Die heu­ti­gen Ras­sen und Kas­ten wer­den der zuneh­men den Über­win­dung von Raum, Zeit und Vor­ur­teil zum Opfer fal­len. Die eura­sisch-negro­ide Zukunfts­ras­se, äußer­lich der alt­ägyp­ti­schen ähn­lich, wird die Viel­falt der Völ­ker durch eine Viel­falt der Per­sön­lich­kei­ten erset­zen.” Also schrieb Richard Cou­den­ho­ve-Kal­er­gi anno 1925 in sei­nem Buch „Prak­ti­scher Idea­lis­mus” (an ihren Titeln sollt ihr sie erkennen). 

Man könn­te sich jetzt echauf­fie­ren über einen den Hit­ler­schen noch him­mel­weit über­stei­gen­den exter­mi­na­to­ri­schen Ras­sis­mus, der aus sol­chen Wor­ten spricht, oder abwie­geln mit dem Hin­weis, dass es sich ja ledig­lich um eine Pro­phe­zei­ung für die fer­ne Zukunft han­de­le – wenn­gleich der Ora­kler das Ergeb­nis sei­ne Vor­her­sa­ge klar begrüßt. Die Fra­ge lau­tet: Wäre die­se Ent­wick­lung tat­säch­lich begrü­ßens­wert? Wer sich die heu­ti­gen noch nicht ras­sisch ver­ein­heit­lich­ten, aber gesin­nungs­bunt gleich­ge­schal­te­ten Diver­si­fi­zie­rer anschaut, wird an den ver­hei­ßungs­vol­len zwei­ten Teil der Pro­gno­se nicht recht glau­ben wol­len. Dass Ver­ein­heit­li­chung Viel­falt schaf­fe, ist eine empi­risch doch recht unge­deck­te Behauptung. 

Aber lieb Vater­land, magst ruhig sein: Bis es soweit ist, dass sich die Mensch­heit zu einer Ein­heits­ras­se ver­mischt hat, ist sie längst aus­ge­stor­ben. Sie ist ja auch schon recht alt.

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Das Minis­te­ri­um für Wahr­heit teilt mit:

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PS: „Gute-Demo­kra­tie-Gesetz” (Leser ***).

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„Das Wun­der geschah auf der grie­chi­schen Insel Les­bos, in einem soge­nann­ten ‚Flücht­lings­la­ger’, nahe der klei­nen Ort­schaft Moria, nach der die Zelt­stadt auch benannt wur­de. Ursprüng­lich als Regis­trie­rungs- und Auf­nah­me­zen­trum ‚geplant’ und schon seit 2016 ‚in Betrieb’, ist die­ses ‚Ver­weil­zen­trum’ vor einer Woche nahe­zu voll­stän­dig abge­brannt. Das Feu­er wur­de in vol­ler Absicht an gleich meh­re­ren Stel­len gelegt. Von den über 12.000 Men­schen, die dort zuletzt in dürf­ti­gen, aber nie in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen haus­ten, ist kein ein­zi­ger ver­letzt oder getö­tet wor­den. Wenn das kein Mys­te­ri­um ist! Stel­len sie sich vor, eine Klein­stadt, ein grö­ße­rer Orts­teil oder ein Fes­ti­val gerie­ten voll­be­setzt in die Bre­douil­le eines wild wüten­den Feu­er-Furors. Spon­tan, wohl­ge­merkt! Der­lei Groß­ka­ta­stro­phen zei­ti­gen, jäh um sich grei­fend, jede Men­ge Opfer, anders ist es gar nicht mög­lich. Auch und gera­de in die­ser Mas­sen­blei­be, die doch nach Aus­kunft der Beru­fe­nen im Min­des­ten eine Art Frei­luft-KZ gewe­sen ist, hät­te es eigent­lich zu einer nicht unbe­trächt­li­chen Anzahl von Toten und Ver­let­zen kom­men müs­sen. Selt­sam genug, dass die­se ‚Klei­nig­keit’ in der Bericht­erstat­tung von Anfang an nicht ein­mal erwähnt wur­de, wie denn die Fra­ge danach, wer den Brand setz­te ganz dis­kret zu den Akten gelang­te. Das hier in Wahr­heit eine kon­zer­tier­te Akti­on statt­fand, sorg­sam insze­niert und durch­ge­führt, mit meh­re­ren, unter­ein­an­der ver­netz­ten ‚Akteu­ren’ kann als sicher gel­ten und darf folg­lich ins Reich der Ver­schwö­rungs­theo­rien ver­bannt wer­den. Im Vor­feld kam es ganz sicher zu unzäh­li­gen Abspra­chen und Ver­ein­ba­run­gen, mit viel Mau­schel­pro­pa­gan­da, an der man jene, die der Höl­le schad­los ent­ka­men, wohl über Mit­tels­leu­te ganz dis­kret betei­lig­te. Auch in die­sem Lager haben sich eine Viel­zahl dubio­ser NGOs, Aktivist*innen und Welt­not­ret­ter, Geheim­diens­te und ihre Kon­takt­per­so­nen getummelt.”

(Wei­ter hier).

PS: Leser *** sand­te mir dazu die­ses Foto, für des­sen Echt­heit ich nicht bür­gen kann, des­sen Sym­bo­lik aber jeden­falls stimmt:

Brennen soll Moria

Bren­nen soll Moria!

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Freund *** berich­tet, dass auch in Lis­sa­bon – auf dem Ros­sio – wie auf dem Platz vor dem Reichs­tag lee­re Stüh­le auf­ge­stellt wurden. 

Stühlerücken

Wun­der­sam kon­zer­tier­te Zufäl­le tra­gen sich der­zeit zu!

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Man müs­se bei den Ein­wan­de­ren „die­je­ni­gen, die uns nut­zen”, von denen unter­schei­den, „die uns aus­nut­zen”.
Also sprach Gün­ther Beck­stein in jenen Tagen, als die CSU noch eine Alter­na­ti­ve für Deutsch­land war. 

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Thi­lo Sar­ra­zin bemerkt, dass Deutsch­land, wenn sich die Bevöl­ke­rung hier so ent­wi­ckelt hät­te wie bei­spiels­wei­se in Nige­ria, heu­te um die 250 Mil­lio­nen Ein­woh­ner zäh­len wür­de. Merk­wür­di­ger­wei­se spie­le die Bevöl­ke­rungs­ex­plo­si­on in Afri­ka und Asi­en in den Schrif­ten und Papie­ren der Migra­ti­ons­be­für­wor­ter kei­ne Rol­le; sie wer­de ein­fach igno­riert, unge­fähr wie Kin­der glau­ben, die Gefahr ver­schwin­de, wenn sie sich die Augen zuhalten.

Frü­her ver­öf­fent­lich­te der Spie­gel noch Titel­ge­schich­ten wie die­se (Heft 52/1990), in denen der Papst und die katho­li­sche Kir­che dafür kri­ti­siert wur­den, dass sie gegen Ver­hü­tung und Gebur­ten­kon­trol­le agitieren:

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Das fie­le heu­te wahr­schein­lich unter Rassismus. 

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Immer­hin:

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Die Tories wol­len sich angeb­lich aus euro­päi­schen Men­schen­rechts­ge­set­zen (Human Rights Act) zurück­zu­zie­hen, um die Abschie­bung von Asyl­be­wer­bern zu erleich­tern.  Däne­mark, Schwe­den, die Nie­der­lan­de – und die Visegrad­staa­ten sowie­so – betrei­ben eine ent­schie­den restrik­ti­ve Migra­ti­ons­po­li­tik. Ich fra­ge mich, was pas­sie­ren wür­de, wenn ein Inter­view­er der Bun­des­kanz­le­rin ein­mal vor lau­fen­der Kame­ra die Fra­ge stell­te, war­um sich auf dem Ter­ri­to­ri­um des von ihr regier­ten Staa­tes meh­re­re hun­dert­tau­send Men­schen auf­hal­ten dür­fen, deren Asyl­an­trag abge­lehnt wur­de, die also ille­gal im Lan­de sind. Bedeu­te ihr das Recht nichts, oder kön­ne sie es nicht mehr durch­set­zen? In Sar­ra­zins Wor­ten: „Die Abschie­bung ist die Macht­fra­ge.” Die Nicht­ab­schie­bung übri­gens auch. 

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„Im Sprech­zim­mer und bei der Unter­su­chung ermun­te­re ich mei­ne dank­ba­ren Pati­en­ten zum Able­gen der Mas­ke (meist aus Stoff) mit fol­gen­dem Hin­weis: ‚Die­se Mas­ke schützt nicht vor Anste­ckung oder Viren, son­dern nur vor staat­li­cher Ver­fol­gung.’ ”
(Leser ***)

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All­mäh­lich fragt sich der Leser besorgt: Sind deut­sche Jour­na­lis­ten grup­pen­feind­lich?

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Ein Qua­li­täts­me­di­um ist schnell dar­an zu erken­nen, dass es nicht nur die rich­ti­gen Fra­gen stellt…

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… son­dern sie auch an die rich­ti­gen Leu­te adressiert:

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Was haben Wiss­ler, Che­bli und Neu­bau­er gemein­sam? Rich­tig: Sie bil­den das maß­geb­li­che poli­ti­sche Spek­trum die­ses Lan­des durch­aus reprä­sen­ta­tiv ab. Der öffent­lich-recht­lich auf­ge­klär­te Zuse­her geht ins Bett mit der Gewiss­heit, dass hier­zu­lan­de poli­tisch enga­gier­te jun­ge Frau­en im Netz von Fein­den der offe­nen Gesell­schaft noch übler als üblich beschimpft wer­den, weil sie Frau­en sind. 

In der Tat:

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Das mag hier genü­gen. Wer mehr sol­cher Ein­las­sun­gen lesen mag – sie gel­ten alle die­ser apar­ten jun­gen Frau –, fin­det hier die Gesamtschau.

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Offen­bar han­delt es sich aber nur um die Antho­lo­gie einer Anthologie:

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Zu klä­ren blie­be, ob sich hier pri­mär irgend­et­was im wei­tes­ten Sin­ne Poli­ti­sches oder doch eher Sexu­al­frust arti­ku­liert. Eine tref­fen­de Sen­tenz, deren Urhe­ber mir ent­fal­len ist, lau­tet: Sage mir, mit wem du schläfst, und ich sage dir, von wem du träumst. Auf unser Bei­spiel gewen­det hie­ße das: Sage mir, wel­che Frau du belei­digst, und ich sage dir, von wem du träumst. Das kommt ja in vie­len die­ser Ver­bal­wich­se­rei­en deut­lich zum Aus­druck. Aber war­um wer­den dann Frl. Clau­di und ihre IQ-Lim­bo-Part­ne­rin KGE eben­falls beschimpft? Fra­gen über Fragen… 
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