29. September 2020

Also nicht, dass es mich son­der­lich inter­es­siert, aber da mir vie­le Leser geschrie­ben haben, sei einer für alle zitiert:

„Zu Ihrem heu­ti­gen Namens­tag beglück­wün­sche ich Sie sehr herz­lich.
‚Wer ist wie Gott?’ – was für ein Pro­gramm!
Schwert und Waa­ge sind sei­ne Attri­bu­te.
Anders als Jus­ti­tia hat der Erz­engel die Augen nicht ver­bun­den.
Das See­len­wäg­lein bedeu­tet: die Taten jedes Men­schen wer­den im Jüngs­ten Gericht vorgelegt.”

Dann sage ich mal artig: Danke!

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Sol­cher­ma­ßen datums­be­schwingt, öff­ne­te ich im Büro die­ses Fläsch­chen, wel­ches mir eben­falls ein Leser geschenkt hat, prak­tisch als Des­sert, um mit zwei Freun­den auf den Erz­engel anzustoßen.

Eiswein zum Namenstag

Als die­ses übri­gens noch in Best­form sich dar­bie­ten­de Stöff­chen auf Fla­schen gezo­gen wur­de, zähl­te ich zar­te drei­zehn, Frau Mer­kel hieß noch Kas­ner und dien­te in der FDJ. „Bar­ry Lyn­don” wur­de urauf­ge­führt, Nina Hoss gebo­ren, Hel­mut Schmidt war Bun­des­kanz­ler, Ber­nard Thé­ve­net besieg­te über­ra­schend Eddy Merckx bei der Tour de Fran­ce, und die Bay­ern gewan­nen erst zum zwei­ten Male den Cup der Lan­des­meis­ter. Hät­te ich damals schon im Wes­ten gelebt, ich heg­te wohl nost­al­gi­sche Gefühle. 

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Die Städ­te, die sich als siche­re Häfen und mit #Wir­ha­ben­Platz anbie­ten, soll­ten par­al­lel dazu ihre Obdach­lo­sen­sta­tis­tik veröffentlichen.

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Heu­te den „Ham­let” zu insze­nie­ren, ist ein­fach: Man weiß, wen der Vater dar­stellt, wer ihn umge­bracht hat, und wer zuletzt als Fortin­bras ein­zie­hen wird, ist auch klar.

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Ich läse gern eine Abhand­lung zum The­ma Selbst­iro­nie in der isla­mi­schen Welt (für ein Buch wird es ja nicht reichen).

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In Deutsch­land sind die­je­ni­gen Poli­ti­ker am erfolg­reichs­ten, die am schnells­ten am eige­nen Ast sägen. In Gün­ter Masch­kes Wor­ten: Macht hat nur, wer die deut­sche Ohn­macht ver­ewi­gen hilft.

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Das Lieb­lings­vor­bild des Oppor­tu­nis­ten ist der Kämp­fer gegen die Diktatur.

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Afri­ka hat Glück: Nie­mand for­dert, dass es bun­ter wer­den muss.
                             

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No go area ist ein irre­füh­ren­der Begriff; viel hängt davon ab, wie man geklei­det ist.
                              

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Das Estab­lish­ment rüs­tet zum drit­ten puni­schen Krieg. Es schickt die Frau­en und den Volks­sturm an die Front. Ich kann lei­der nicht dabei sein, denn ich muss die Gott­be­gna­de­ten­lis­te verwalten.

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Je schwä­cher die Kir­che wur­de, des­to ent­schie­de­ner hat die Lin­ke das Chris­ten­tum ver­höhnt und bekämpft; je mehr Ein­fluss der Islam gewinnt, des­to mehr ent­deckt die Lin­ke ihre Sym­pa­thien für ihn. Inkon­se­quenz kann man den Brü­dern zumin­dest nicht vorwerfen.

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Die gest­ri­ge Pro7-Sen­dung „Rechts. Deutsch. Radi­kal” war in meh­rer­lei Hin­sicht bemer­kens­wert. Zunächst natür­lich wegen der kran­ken Äuße­run­gen des betrun­ke­nen ehe­ma­li­gen AfD-Pres­se­spre­chers. Es ist in die­sem Zusam­men­hang völ­lig belang­los, dass Chris­ti­an Lüth – ich ken­ne ihn gut, er war im Bun­des­tag mein Büro­nach­bar, wir haben gemein­sam eini­gen Fla­schen die Häl­se gebro­chen – tat­säch­lich nie­man­den umbrin­gen will, dass er in eine soge­nann­te Honig­fal­le tapp­te und die­se Wor­te heim­lich mit­ge­schnit­ten wur­den. Ich wuss­te, dass er eine schril­le Type mit ein­ge­schränk­tem Respekt vor Gren­zen ist (anders als die Kanz­le­rin), aber hier ist, wie der Bau­ers­mann sagt, Sen­se. Es gilt Groß­mutters alte und mit Recht undis­ku­tier­ba­re Regel: So etwas macht man nicht, so etwas sagt man nicht. Er hat ja nicht nur sich selbst, son­dern ein gan­zes poli­ti­sches Milieu in die Schei­ße gerit­ten. Die Ande­ren wer­den sich die will­kom­me­ne Gele­gen­heit nicht neh­men las­sen, bei jeder künf­tig im Par­la­ment vor­ge­tra­ge­nen Kri­tik an der Migra­ti­ons­po­li­tik auf die­se Wor­te zurückzukommen. 

Aber noch etwas war an die­ser Sen­dung – die ich mir nicht ange­se­hen habe, weil mich sowohl aus­ge­sucht hart­hir­ni­ge Rechts­ra­di­ka­le als auch die­se Art Repor­ter anwi­dern – bemer­kens­wert: Es gab kei­ne Wer­be­un­ter­bre­chun­gen. Bei einem Pri­vat­sen­der zur prime time!

 

Die Hono­rar­for­de­rung folg­te aber umgehend:

 

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Bra­ve new world auf chi­ne­sisch. In der Sen­dung Lanz berich­tet ein zuge­schal­te­ter Deut­scher (Jour­na­list?) aus dem Reich der Mit­te. Von Wuhan bis Peking müss­ten die Men­schen für jede ihrer Bewe­gun­gen in der Öffent­lich­keit eine App her­un­ter­la­den und einen Code scan­nen, dann wür­den die Hän­di-Daten zen­tral abge­gli­chen, und nur wenn ein grü­nes Signal kom­me, dür­fe man ein­kau­fen, ins Hotel gehen usw. Unter dem Vor­wand des Gesund­heits­schut­zes wer­de die tota­le Über­wa­chung der Bevöl­ke­rung via Hän­di eta­bliert. Und nun kommt’s: „Die meis­ten Chi­ne­sen, mit denen wir gespro­chen haben, fin­den das super. Die Angst vor einer neu­en Infek­ti­ons­wel­le ist so groß – und wird auch staat­lich gelenkt –, dass sie dar­in gar kei­ne Ein­schrän­kung ihrer Frei­heit sehen.”

Man könn­te allen­falls anmer­ken, dass die meis­ten Chi­ne­sen nie­mals in Frei­heit gelebt haben und folg­lich kei­nen Sinn dafür besit­zen, was ihnen gera­de verlorengeht.

 
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Tech­nisch sind wir noch nicht so weit wie die Chi­ne­sen, aber es gibt auch ande­re Wege:

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(PS: Auf einen ande­ren Fall staat­li­chen Dro­hens mit Kin­der­be­schlag­nah­mung weist Leser *** hin.)

Bei die­sen For­mu­lie­run­gen lacht das Sozialistenherz!

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Hier übri­gens auch:

Sozimoral

Wie pflegt Danisch immer zu sagen: Es sind nicht eure Maß­stä­be, die mich ankot­zen, son­dern eure dop­pel­ten Maßstäbe.

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Der G‑Punkt ist der neue „Neger”:

Verteidigung des G Punkts

„Es ist schon inter­es­sant, dass das von Frau Che­bli beauf­trag­te Anwalts­bü­ro in einem nicht ganz unwich­ti­gen Schrei­ben offen­bar außer­stan­de ist, einen kla­ren Gedan­ken zu for­mu­lie­ren”, notiert Leser ***, der mir die­ses Papier zuschick­te. Es wur­de also eine mora­li­sche und auch recht­li­che Gren­ze über­schrit­ten, die über­haupt zu defi­nie­ren völ­lig über­flüs­sig ist. Anschei­nend wol­len sich Che­blis Advo­ka­ten gar nicht erst die Mühe machen, die­se unsin­ni­ge, ein­zig der PR die­nen­de Kla­ge näher zu begründen. 

PS: „Man kann den sati­ri­schen Text in TE viel­leicht geschmack­los fin­den, eines ist er aber sicher­lich nicht, näm­lich sexis­tisch”, ergänzt Leser ***. „Sexis­mus ist die Bezeich­nung für alle For­men der Unter­drü­ckung und der Benach­tei­li­gun­gen auf­grund der Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit (denn Sex in Sexis­mus meint Geschlecht, nichts Sexu­el­les). Sehen wir ein­mal davon ab, daß Che­bli weder unter­drückt noch benach­tei­ligt, son­dern ledig­lich ihre Unfä­hig­keit her­vor­ge­ho­ben wur­de. Viel ent­schei­den­der ist, daß dies eben gera­de nicht wegen ihres Geschlechts geschah, im Gegen­teil: Der sati­ri­sche Arti­kel hebt ja sogar posi­tiv her­vor, daß gera­de auf­grund Che­blis Geschlecht es immer­hin ein Posi­ti­ves gibt, näm­lich den auf­grund ihres Frauseins (ver­mut­lich vor­han­de­nen) G‑Punkt. Daß sie in den Augen des Ver­fas­sers sonst nichts kann, hat nichts mit ihrem Geschlecht zu tun, son­dern damit, daß sie eben Saw­san Che­bli ist, und nicht bspw. Anne-Sophie Mutter.”

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Eine Frage in die Runde…

… an die Medi­zi­ner, Phar­ma­ko­lo­gen, Viro­lo­gen, Epi­de­mio­lo­gen etc. unter den Lesern:  Wie aus die­sen bei­den Quel­len her­vor­geht, gibt…