26. Oktober 2020

Willst du die Men­schen pro­blem­los gleich­schal­ten,
Sieh zu, dass sie für Indi­vi­du­en sich halten.

 

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Für den im Stahl­bad der soge­nann­ten Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung gehär­te­ten Mus­ter­deut­schen ist prak­tisch jeder his­to­ri­sche Begriff mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus kon­no­tiert. So auch das Wort „Exil”. Das ist merk­wür­dig, schon ange­sichts der zahl­rei­chen Exil-Ira­ner, Exil-Rus­sen, Exil-Viet­na­me­sen, Exil-Kuba­ner, Exil-DDRler etc. pp., die sich in der Bun­des­re­pu­blik nie­der­lie­ßen. Auch die in die­sem Kon­text nicht ganz unin­ter­es­san­te Moni­ka Maron nahm 1988 in der Bun­des­re­pu­blik Zuflucht.

Exi­lan­ten gibt es seit jeher, von The­mis­to­kles, der Exil bei den Per­sern fand, über Ovid und Dan­te bis zu Hei­ne, der nach Frank­reich emi­grier­te, oder Marx, den es nach Lon­don ver­schlug. Die bei­den bedeu­tends­ten Den­ker des Tole­ranz­mär­chen­lan­des Al Anda­lus, Aver­roes und Moses Mai­mo­n­i­des, gin­gen ins Exil, um ihr Leben vor den Islam­fa­na­ti­kern zu ret­ten. Scha­ren von Fran­zo­sen flo­hen vor dem Ter­reur der Jako­bi­ner ins Aus­land (man schätzt 150.000), dar­un­ter Män­ner wie Cha­teau­bri­and, La Fay­et­te, Joseph de Maist­re und König Lud­wig XVIII. Auch unser vor­erst letz­ter Kai­ser muss­te sein Leben im Exil beschließen.

Der Begriff Exil ist also ein poli­tisch eher neu­tra­ler – es gin­gen ja auch zahl­rei­che Nazis und Dik­ta­to­ren ins Exil –, und er über­spannt die Jahr­hun­der­te. Wer ihn reflex­haft auf die­je­ni­gen bezieht, die vor dem NS-Ter­ror aus Deutsch­land geflo­hen sind, ver­folgt Inter­es­sen. Das Exil ist nicht nur ein Flucht‑, son­dern auch ein Sehn­suchts­ort, an wel­chem man vor denen Ruhe zu fin­den hofft, in deren Mit­te zu leben uner­träg­lich wur­de, und es gehört zu den unan­ge­nehms­ten Vor­stel­lun­gen, die der Begriff one world in mir weckt, dass die­se Eine Welt kei­ne Exi­le mehr ken­nen würde.

Der Mini­mal­sinn von „Exil” wäre also die Beschrei­bung eines Ortes, an den man sich begibt, um von irgend­ei­ner exis­tenz­ver­sau­en­den Sache ver­schont zu blei­ben. Inso­fern besteht nicht der gerings­te seriö­se Ein­wand gegen die den­noch irgend­wie schlim­me Idee der Dresd­ner Buch­händ­le­rin Susan­ne Dagen, eine Edi­ti­ons­rei­he unter dem Titel „Exil” herauszubringen.

Die ers­ten drei, im Früh­jahr erschie­ne­nen Bänd­chen stam­men von Moni­ka Maron, Uwe Tell­kamp und Jörg Ber­nig, alle drei bekannt­lich inzwi­schen hoch­um­strit­te­ne und z. T. mar­tia­li­sche Gesell­schafts­spal­ter, über­dies Ver­trau­ens­vor­schuss­ver­un­treu­er – wozu schenkt man Leu­ten Lite­ra­tur­prei­se, wenn sie spä­ter ihrem Staat, der ihnen alles ermög­licht hat, in den Rücken fal­len? –, und womög­lich sind es, wer weiß, irgend­wann Kan­di­da­ten für ein tat­säch­li­ches Exil. 

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(Der hier geschmäh­te Roman gehört for­mal nicht in die genann­te Rei­he, aber in gewis­sem Sin­ne doch.)

Der Schoß ist bekann­ter­ma­ßen frucht­bar noch, schon gibt das nächs­te Ter­zett sein Debüt in der Exil-„Edi­ti­on Buch­haus Losch­witz”. Auf eines der drei will ich heu­te hin­wei­sen, auf ein zwei­tes dem­nächst. Es han­delt sich um das Buch „Ret­tet den gesun­den Men­schen­ver­stand!” von Eva Rex, einer aus Kato­wice (heu­te Dun­kel­po­len) stam­men­den und in Dres­den leben­den Schrift­stel­le­rin. Die Sla­wis­tin und His­to­ri­ke­rin beginnt ihre Betrach­tung mit Fragen:

„Wie kommt es, dass die meis­ten Mit­glie­der der west­li­chen Gesell­schaf­ten so merk­wür­dig apa­thisch und des­in­ter­es­siert an ihrem eige­nen Geschick agie­ren und ihrer eige­nen Ver­drän­gung (als Volk, als Nati­on, als Kul­tur) ent­ge­gen­se­hen, ja die­se sogar beklat­schen? War­um sind moder­ne Men­schen trotz aus­dif­fe­ren­zier­ter Indi­vi­dua­li­sie­rung und Auf­ge­klärt­heit so emp­fäng­lich für ideo­lo­gi­sche Groß­kon­zep­te wie Gleich­stel­lung, Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus und Kampf gegen den Kli­ma­wan­del? War­um begeg­nen uns gera­de in Künst­lern und Intel­lek­tu­el­len die fana­tischs­ten Befür­wor­ter die­ser neu­en Ideo­lo­gien? … Wie kommt es, dass so vie­le sich nicht mehr auf ihre eige­ne Wahr­neh­mung ver­las­sen und nicht den Mut haben, sich ihres Ver­stan­des zu bedienen?”

Plau­si­ble Ant­wor­ten fin­det sie skan­da­lö­ser­wei­se bei Han­nah Arendt (für deren Befrei­ung aus der absur­den lin­ken Umar­mung Frau Rex schon seit Län­ge­rem plä­diert). Und zwar im Buch „Ele­men­te und Ursprün­ge tota­ler Herr­schaft” – man muss den Wiki­pe­dia-Ein­trag dazu lesen, um wür­di­gen zu kön­nen, wie unse­re wuse­li­gen Links­scheit­ler die einst ja eben­falls hoch­um­kämpf­te, zeit­le­bens allen intel­lek­tu­el­len Moden abhol­de Den­ke­rin – von der ich übri­gens den Begriff „Klei­ner Eck­la­den” (bei ihr mit dem Zusatz: „des Den­kens”) stie­bitzt habe –, von Anstö­ßig­kei­ten befrei­ten und auf Linie stutzten.

Anders als bei der her­kömm­li­chen Tyran­nis mit ihren kon­ven­tio­nel­len Moti­ven beruht die tota­le Herr­schaft Arendt zufol­ge immer auf einer Ideo­lo­gie. Die­se Ideo­lo­gie erhe­be Anspruch auf uni­ver­sel­le Gel­tung, mobi­li­sie­re dafür die Mas­sen und ver­hei­ße die Ver­wirk­li­chung einer Fik­ti­on, an deren Ende eine neue Welt und der neue Mensch stünden.

Wer heu­te auch nur für eine Semi­nar­stun­de in eine soge­nann­te geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät einer belie­bi­gen west­li­chen Uni­ver­si­tät blickt, wird fest­stel­len, dass alles, was älter als, sagen wir, zwan­zig Jah­re oder auch Wochen ist, dort im Grun­de nichts mehr gilt. Kann also eine vor 70 Jah­ren – wenn immer­hin auch nicht von einem Cis-Mann – ver­öf­fent­lich­te Ana­ly­se unse­re heu­ti­ge Situa­ti­on auch nur um ein Mil­li­lux erhellen?

Eva Rex behaup­tet, ja. Schau­en wir also mit ihr auf die Kri­te­ri­en (vul­go Ele­men­te und Ursprün­ge), die Han­nah Arendt zufol­ge eine tota­li­tä­re Herr­schaft kennzeichnen.

Ers­tens: Die Gesell­schaft ist ato­mi­siert und zugleich homo­ge­ni­siert, die tra­di­tio­nel­len Bin­dun­gen durch Klas­sen, Stän­de, Fami­li­en, Geschlech­ter, Natio­nen, Iden­ti­tä­ten sind weit­ge­hend auf­ge­löst. Ein im sozia­len Vaku­um leben­der Mas­sen­mensch bevöl­kert die Städte.

Zwei­tens: Aus die­ser Ori­en­tie­rungs- und Bin­dungs­lo­sig­keit resul­tiert ein kol­lek­ti­ver Man­gel an Urteils­kraft. Er äußert sich in einer Mischung aus Leicht­gläu­big­keit und Zynis­mus und mün­det in eine Revol­te gegen den Wirk­lich­keits­sinn – gegen den bei Arendt noch ganz zen­tra­len „gesun­den Men­schen­ver­stand” (auf den sich heu­te bekannt­lich nur Ewig­gest­ri­ge beru­fen). Die Phi­lo­so­phin – die übri­gens in ihrer Tota­li­ta­ris­mus­anayl­se noch ganz frisch und frei die treff­li­chen Ter­mi­ni „Mob” und „Gesin­del” ver­wen­det (nicht für die Mas­sen, son­dern für den Mob und das Gesin­del) – schreibt: „Die Men­ta­li­tät moder­ner Mas­sen (…) beruht dar­auf, daß sie an die Rea­li­tät der sicht­ba­ren Welt nicht glau­ben, sich auf eige­ne, kon­trol­lier­ba­re Erfah­run­gen nie ver­las­sen, ihren fünf Sin­nen miß­trau­en und dar­um eine Ein­bil­dungs­kraft ent­wi­ckeln, die durch jeg­li­ches in Bewe­gung gesetzt wer­den kann, was schein­bar uni­ver­sel­le Bedeu­tung hat und in sich kon­se­quent ist. … Auf sie wirkt nur die Kon­se­quenz und Stim­mig­keit frei erfun­de­ner Sys­te­me, die sie mit ein­zu­schlie­ßen versprechen.”

Drit­tens – gleich in den Wor­ten von Arendt (auch alle fol­gen­den Zita­te stam­men von ihr) –: „Der Ego­zen­tris­mus (der moder­nen Mas­sen) konn­te kein gemein­sa­mes Inter­es­se ent­ste­hen las­sen, und war daher oft mit einer typi­schen Schwä­chung  des Instinkts der Selbst­er­hal­tung ver­bun­den. Selbst­lo­sig­keit, nicht als Güte, son­dern als Gefühl, daß es auf einen selbst nicht ankommt, daß das eige­ne Selbst jeder­zeit und über­all durch ein ande­res ersetzt wer­den kann, wur­de ein all­ge­mei­nes Massenphänomen.”

Vier­tens: Die geis­ti­gen Eli­ten haben sich frei­wil­lig gleich­ge­schal­tet und betrei­ben pri­mär Sys­tem­pro­pa­gan­da. Gera­de sie hegen eine „Nei­gung für die abs­trak­tes­ten Vor­stel­lun­gen, die­se lei­den­schaft­li­che Vor­lie­be, ihr Leben nach sinn­lo­sen Begrif­fen zu gestal­ten, wenn sie dadurch nur dem All­tag und dem gesun­den Men­schen­ver­stand, den sie mehr ver­ach­te­ten als irgend etwas sonst, ent­ge­hen konnten”.

Fünf­tens: Frei erfun­de­ne, aber in sich logi­sche Sys­te­me beherr­schen das Den­ken der Men­schen und erzeu­gen eine Hyper­rea­li­tät. „Wäh­rend die tota­le Herr­schaft einer­seits alle Sinn­zu­sam­men­hän­ge zer­stört, mit denen wir nor­ma­ler­wei­se rech­nen und in denen wir nor­ma­ler­wei­se han­deln, errich­tet sie ande­rer­seits eine Art Supra­sinn … Über der Sinn­lo­sig­keit der tota­li­tä­ren Gesell­schaft thront der Supra­sinn der Ideo­lo­gien, die behaup­ten, den Schlüs­sel zur Geschich­te oder die Lösung aller Rät­sel gefun­den zu haben.”

Sechs­tens: Die Mas­sen wer­den mit soge­nann­ten wis­sen­schaft­li­chen Bewei­sen von der Stich­hal­tig­keit der staat­li­chen Plä­ne und Maß­nah­men über­zeugt. „Die­se ideo­lo­gisch ver­an­ker­ten Lügen (sind) unan­tast­bar. Sie wer­den mit sorg­fäl­tig aus­ge­ar­bei­te­ten Sys­te­men pseu­do­wis­sen­schaft­li­cher Bewei­se geschützt.” – „Im Gegen­satz zu älte­ren For­men poli­ti­scher Pro­pa­gan­da, die dazu neigt, sich auf die Ver­gan­gen­heit zu beru­fen, um Gegen­wär­ti­ges zu recht­fer­ti­gen, benutzt tota­li­tä­re Pro­pa­gan­da die Wis­sen­schaft, um die Zukunft zu prophezeien.”

Sie­ben­tens: Gemäß dem strik­ten Deter­mi­nis­mus der Ideo­lo­gie steht am Ende des gesell­schaft­lich ein­ge­schla­ge­nen Weges eine Trans­for­ma­ti­on der mensch­li­chen Natur, das Errei­chen einer neu­en Gat­tungs­qua­li­tät. „Die­se Exe­ku­ti­on der objek­ti­ven Geset­ze von Natur oder Geschich­te soll schließ­lich die Mensch­heit produzieren.”

„Wor­an”, fragt Eva Rex, „erin­nert uns das?”

Was in die­sen sie­ben Punk­ten beschrie­ben wird, erle­ben wir der­zeit tat­säch­lich wie­der, wenn auch auf voll­kom­men ande­re, unver­gleich­lich weni­ger gewalt­sa­me, unver­gleich­lich smar­te­re und von den Sire­nen­ge­sän­gen des Huma­ni­ta­ris­mus beglei­te­te ungleich raf­fi­nier­te­re Wei­se, aber in einer vor allem dank Big Data bewerk­stel­lig­ten Tota­li­tät – es gab nie ein zen­tra­lis­ti­sche­res Gebil­de in der Mensch­heits­ge­schich­te als die Alli­anz von Goog­le, Face­book et al. –, die den Ver­gleich mit ihren frei­heits­feind­li­chen Vor­gän­gern nicht scheu­en muss. Frei­lich betref­fen die Fol­gen aus­schließ­lich den Wes­ten. Die afri­ka­ni­schen, asia­ti­schen, ori­en­ta­li­schen Völ­ker oder Stäm­me kön­nen blei­ben, was sie sind, ihr Kin­der­se­gen scha­det dem Welt­kli­ma nicht, ihre Frau­en müs­sen nicht gleich­ge­stellt wer­den, solan­ge sie frei zwi­schen Tscha­dor und Niqab wäh­len dür­fen, ihre Reli­gio­nen, Sit­ten und Geschlech­ter sind kei­ne Kon­struk­te, son­dern bunt, sie haben nie ande­re Völ­ker bzw. Eth­ni­en ver­sklavt und unter­drückt, kei­ne ver­ach­tens­wer­ten Erobe­rungs­krie­ge geführt, haben kei­ne Erb­schuld abzu­tra­gen, und bis heu­te sind sie an der Dis­kri­mi­nie­rung Anders­ar­ti­ger nicht interessiert.

Frau Rex holt die Exi­lan­tin Han­nah Arendt heim dort­hin, wo sie all­zeit ihren Haupt­wohn­sitz hat­te – nein, nicht ins „Erstau­nen vor dem Ein­fa­chen” (dort auch), son­dern ins Umstrit­ten­sein. Denn nichts Schlim­me­res könn­te einem öffent­lich den­ken­den und urtei­len­den intel­li­gen­ten Men­schen wider­fah­ren, als dass er inmit­ten die­ser welt­um­span­nen­den Her­de aus Gau­nern, Oppor­tu­nis­ten, Gier­häl­sen, Bescheid­wis­sern, Fatz­kes, Gläu­bi­gen, Huren, Ban­di­ten, Idea­lis­ten, Beu­tel­schnei­dern und Ein­falts­pin­seln nicht wenigs­tens umstrit­ten wäre.

Natür­lich ist in sieb­zig Jah­ren eini­ges pas­siert, was nach einem, wie es neu­deutsch heißt, Update oder auch Gre­at reset der Arendt­schen Ana­ly­se ver­langt. Das erle­digt Frau Rex klug und prä­gnant. Etwa wenn Arendt fest­stellt: „Tyran­nen und Des­po­ten haben immer gewußt, daß Gleich­heit ihrer Unter­ta­nen, Aus­schal­tung von Rang­un­ter­schie­den und Ver­hin­de­rung jeder gesi­cher­ten, gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Hier­ar­chie die unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung ihrer Herr­schaft bildet.”

Eva Rex fährt fort: „Uns hin­ge­gen wird ver­mit­telt, dass es sich um Eman­zi­pa­ti­on aus unter­drü­cke­ri­schen Struk­tu­ren han­delt.” – „Aber war­um soll­te der Ega­li­ta­ris­mus vor ande­ren Ungleich­hei­ten Halt machen? Zum Bei­spiel vor der genetischen?”

Han­nah Arendt notiert: „Tota­le Herr­schaft, die dar­auf aus­geht, alle Men­schen in ihrer unend­li­chen Plu­ra­li­tät und Ver­schie­den­heit so zu orga­ni­sie­ren, als ob sie alle zusam­men nur einen ein­zi­gen Men­schen dar­stel­len, ist nur mög­lich, wenn es gelingt, jeden Men­schen auf eine sich immer gleich­blei­ben­de Iden­ti­tät von Reak­tio­nen zu redu­zie­ren, so daß jedes die­ser Reak­ti­ons­bün­del mit jedem ande­ren ver­tausch­bar ist. Es han­delt sich dabei dar­um, das her­zu­stel­len, was es nicht gibt, näm­lich so etwas wie eine Spe­zi­es Mensch.”

Eva Rex – Han­nah und Eva (Chaw­wah), fällt mir gera­de auf, was für ein schö­nes Namens­paar – ent­wirft dazu ein tref­fen­des Gleich­nis: Das Ziel der glo­ba­lis­ti­schen Eli­ten sei es, „die Men­schen zu Plas­tik­gra­nu­lat zu zer­rei­ben, damit aus ihnen, bei Bedarf, eine neue PET-Fla­sche geformt wer­den kann. … Und dafür braucht es die Homo­ge­ni­sie­rung – das Zer­rei­ben der Men­schen zu ethi­sier­ten, öko­lo­gi­sier­ten, pazi­fi­zier­ten, femi­ni­sier­ten und durch­ge­gen­der­ten Bestand­tei­len des huma­ni­tä­ren Universalismus.”

PS: Selbst­re­dend geht die Autorin auch noch auf die tota­le Mobil­ma­chung gegen Coro­na ein. Ich beschei­de mich auf eine Sot­ti­se: „Coro­na ist eine Ser­vi­li­täts-App, die nach Belie­ben akti­viert wer­den kann.” Die wei­te­re Lek­tü­re stel­le ich nicht nur anheim, son­dern emp­feh­le sie nachdrücklich.

                            
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Noch zum Vorigen.

Der israe­li­sche Best­sel­ler-Autor und jugend­taug­li­che Welt­erklä­rer Yuval Noah Hara­ri macht sich auch so sei­ne Gedan­ken über Coro­na; im Inter­view mit t‑onlie sagt er: 

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Aber:

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Bemerkt der Mann den Wider­spruch nicht? Oder ist es die mut­wil­li­ge Beschrän­kung auf „ein paar Mil­li­ar­dä­re”, mit der er sich davon­steh­len will? Der Witz an den aktu­ell lau­fen­den „Ver­schwö­run­gen” besteht ja dar­in, dass sie nicht oder nur zum Teil im Gehei­men, in den sprich­wört­li­chen Hin­ter­zim­mern statt­fin­den, son­dern, wie die Reden von Emma­nu­el Gold­stein in „1984”, vor aller Augen gezeigt wer­den. „Gre­at reset”, „Gro­ße Tran­for­ma­ti­on”, Glo­ba­ler Pakt für Austausch-(„replacement”)-Migration, die Alli­anz von Big Data, Phar­ma­in­dus­trie und Regie­run­gen bei der Frei­heits­ein­schrän­kung der Bür­ger unter dem Vor­wand der Pan­de­mie­be­kämp­fung, die Neu­auf­tei­lung der Märk­te unter einer Hand­voll Groß­kon­zer­ne durch Aus­schal­tung des Mit­tel­stands, die Ent­mach­tung der natio­na­len Par­la­men­te, die Plä­ne des Welt­wirt­schafts­fo­rums* zur Ver­ge­mein­schaf­tung von Woh­nun­gen, Autos etc., die tota­le elek­tro­ni­sche Über­wa­chung in Chi­na – jeder kann zuschau­en dabei. Nur muss er sich hüten, sich einen Reim bzw. eine Din­gens­theo­rie dar­auf zu machen. Dann wird er gesperrt. Wür­de übri­gens auch Hara­ri so gehen. Viel­leicht ist er ein­fach nur clever. 

* Die­se Plä­ne sind hier in einer Acht-Punk­te-Pro­gno­se gelis­tet. Punkt 1: „Alle Pro­duk­te ver­wan­deln sich in Ser­vice­leis­tun­gen. ‚I don’t own anything. I don’t own a car. I don’t own a house. I don’t own any app­li­an­ces or any clothes’.” Neckisch auch Punkt 6: Die „hoch­ge­bil­de­ten syri­schen Flücht­lin­ge” wer­den anno 2030 unse­re CEOs sein (war­um eigent­lich nicht in Syri­en? Und tei­len sie sich ihre Woh­nun­gen und Kla­mot­ten auch mit den ungläu­bi­gen CEOs?). Klar­text spricht dann Punkt 7: Die west­li­chen Wer­te sind über­holt. Dass Punkt 8 die bal­di­ge ers­te Mars­lan­dung ankün­digt, könn­te man für Sati­re hal­ten, aber eine nach dem Geschmack des Welt­wirt­schafts­fo­rums ein­ge­rich­te­te Erde wür­de der Besie­de­lung des Roten Pla­ne­ten einen unver­hoff­ten Sinn zuwach­sen las­sen – ich sprach oben ja davon –: den des Exils. Das neue Ame­ri­ka quasi. 

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Apro­pos Mil­li­ar­dä­re – deren einer ist ja Bil­ly­boy – und etwas nicht bemer­ken: Den Auf­stieg der FAZ vom Selbst­ver­stän­di­gungs­or­gan der bun­des­deut­schen zumin­dest geis­ti­gen Eli­ten zum pracht­vol­len Polit­nut­ten­blatt illus­triert Alex­an­der Wendt am Bei­spiel eines unkom­men­tiert und kon­text­frei in die „Zei­tung trotz Deutsch­land” ein­ge­rück­ten Selbst­be­ju­be­lungs­ar­ti­kels von eben jenem Bil­ly­boy (der dem Blatt vor­her ein biss­chen Geld – aber nicht viel – gespen­det hat; immer einen Schritt nach dem anderen):

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(Hier.)

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Was nun wie­der­um die Mut­ti aller Pan­de­mien betrifft, deren zwei­te Wel­le der­zeit die Lei­chen­hal­len flu­tet, wer­fen wir abwechs­lungs­hal­ber einen Blick auf eines der betrof­fe­nen Nachbarländer:

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Da par­tout kaum jemand ster­ben will, kün­di­gen deut­sche Welt­ge­sund­heits­kom­mis­sa­re Restrik­tio­nen für das Lich­ter­fest an. 

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Betrach­ten Sie doch bit­te die sym­bol­bild­li­che, von alten wei­ßen Män­nern und dem toxi­schen Teil ihres Nach­wuch­ses befrei­te deut­sche Weih­nachts­fa­mi­lie im Leit­me­di­um derer, die immer noch hier leben.

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Ges­tern hör­te ich, wie ein elf­jäh­ri­ger sehr blon­der Bub sei­ne eben­falls blon­de Elter 1 frag­te: „Mama, was sind eigent­lich Iden­ti­tä­re?”
„Alle außer uns, Schatz”, lau­te­te die Antwort.

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Nichts schützt die USA mehr vor einer Dik­ta­tur als das Recht auf Waf­fen­be­sitz. Die­ses Recht kos­tet Opfer, doch es sichert die Frei­heit der Ame­ri­ka­ner. Es gab nie einen Dik­ta­tor, der sei­nen Unter­ta­nen den pri­va­ten Waf­fen­be­sitz nicht ver­bo­ten hat.

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Patrick Bah­n­ers, jeder Zoll ein Boll­werk gegen die Fein­de Enten­hau­sens, twit­tert zur kri­ti­schen Über­prü­fung von Leh­rern wie Samu­el Paty:

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Gläu­bi­ge, eilet durchs Land nun, sucht für den Frei­tag Kom­par­sen;
was vor Allah noch nicht kniet, hüp­fe fürs Kli­ma derweil.

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