23. November 2020

Dem­nächst in die­sem Thea­ter – viel­leicht etwas für den peni­bel des­in­fi­zier­ten Gabentisch –:

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(Vor­be­stel­lung und Inhalt hier.)

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Alex­an­der Arpa­schi, AfD-Stadt­rats­kan­di­dat in Baden-Baden und Immo­bi­li­en­be­sit­zer, ist von einem syri­schen Mie­ter schwer ver­letzt wor­den, als er ihm die frist­lo­se Kün­di­gung über­ge­ben woll­te – zuvor hat­ten sich jun­ge Frau­en, die mit dem Syrer in einer WG wohn­ten, beschwert, der Mann habe sie sexu­ell beläs­tigt.
Der Schlit­zer befand sich schon wie­der auf frei­em Fuß, als Arpa­schi aus der Nar­ko­se erwachte.

Auf sei­ner Face­book-Sei­te ver­öf­fent­lich­te der 50jährige eine Schil­de­rung der Tat: 

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Kein Wahr­heits- und Qua­li­täts­me­di­um fand den Vor­fall berichtenswert.

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Auf sei­nem Blog hat Boris Reit­schus­ter über den gest­ri­gen Schwei­ge­marsch der Lock­down-Geg­ner berich­tet, und sein Fazit ist betrüblich:

„Das Maß an Hass, das ich wäh­rend des Demons­tra­ti­ons­zugs und danach erleb­te, ist etwas, wor­an ich mich nicht gewöh­nen kann. Und nicht möch­te. Gegen­de­mons­tran­ten spiel­ten das ‚Hase und Igel’-Spiel und beglei­te­ten den Demons­tra­ti­ons­zug auf Schritt und Tritt. An immer neu­en Stra­ßen­ecken war­te­ten sie und beschimpf­ten die Teil­neh­mer. Ver­ba­le Aggres­si­on auf höchs­ter Ebe­ne. ‚Nazi’-Rufe, Belei­di­gun­gen als ‚Arsch­lö­cher’, Mit­tel­fin­ger über­all. Ich selbst wur­de mehr­fach belei­digt, ein­mal absicht­lich ange­rem­pelt, ver­bal bedroht.

Sei­tens der Kund­ge­bungs­teil­neh­mer habe ich kei­ner­lei Aggres­sio­nen gegen­über den Gegen­de­mons­tran­ten erlebt. Teil­wei­se ant­wor­te­ten sie mit Win­ken und mit Herz-Zei­chen auf die aus­ge­streck­ten Mit­tel­fin­ger. Im Demons­tra­ti­ons­zug war nach mei­ner Beob­ach­tung ein bun­ter Quer­schnitt der Bevöl­ke­rung, von altern­den Hip­pies über jun­ge Fami­li­en mit Kin­dern bis hin zu vie­len Rent­nern. Gewalt­be­rei­te oder Rechts­ex­tre­me konn­te ich nicht aus­ma­chen – soweit das anhand von Äußer­lich­kei­ten mög­lich ist. (…)

Als ich mich schon fast auf den Heim­weg machen woll­te, gab es auf dem Alex­an­der­platz noch eine lin­ke Demons­tra­ti­on mit vie­len Anti­fa-Fah­nen. Hier wur­de ich mehr­fach ver­bal atta­ckiert, teil­wei­se gab es eine regel­rech­te Jagd, als Leu­te auf mich gehetzt wur­den, die mich dann am Fil­men hin­dern woll­ten – obwohl ich mich ohne­hin in gro­ßem Abstand zur Ver­an­stal­tung befand. Zwei­mal zeig­te die Poli­zei bei sol­chen Ver­su­chen nur sehr, sehr wenig Bereit­schaft, mich zu schüt­zen. Dass bei der lin­ken Demons­tra­ti­on mas­siv die Min­dest­ab­stän­de ver­letzt wur­den, schien die Poli­zei völ­lig kalt zu las­sen. Die­sel­be Poli­zei, die Demons­tra­tio­nen von Kri­ti­kern der Coro­na-Maß­nah­men auf­löst, weil gegen die Hygie­ne­re­geln ver­sto­ßen wird. Hier wird ganz offen mit zwei­er­lei Maß gemes­sen und die Poli­zei agiert poli­tisch – offen­bar unter dem Druck ihrer poli­ti­schen Führung.”

Das dürf­te eine ers­te Ein­lö­sung die­ses Unheils­ver­spre­chens gewe­sen sein:

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(Quel­le)

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Was ist nur mit die­sem Land pas­siert? Erin­nern wir uns nur fünf­zehn Jah­re zurück, wie fried­lich die­se Gesell­schaft damals war. Man konn­te den Insti­tu­tio­nen und Behör­den ver­trau­en, das Land war nicht in Hass gespal­ten, die Poli­zei mach­te nicht Hatz auf Regie­rungs­kri­ti­ker – hier sehen Sie, wie Poli­zis­ten einen Kla­vier­spie­ler zu Boden wefen und fes­seln, und zwar nicht in Weiß­russ­land, son­dern in Ber­lin –, an den Uni­ver­si­tä­ten herrsch­te zwar kein wirk­lich frei­er Geist, aber nur sel­ten wur­den Red­ner nie­der­ge­brüllt und bedroht. Der Ver­fas­sungs­schutz­be­richt las sich noch nicht wie ein taz-Leit­ar­ti­kel. Die Innen­städ­te waren sicher. Es gab kein Mer­kel-Lego, kei­ne Anschlä­ge und täg­li­chen Mes­ser­at­ta­cken. Deutsch­land war noch kein Sied­lungs­ge­biet, das Grund­ge­setz galt nicht für die gan­ze Welt, nir­gend­wo im Land rief der Muez­zin zum Gebet. Man wur­de nicht elek­tro­nisch bespit­zelt und zen­siert. Das Geplärr der Gen­de­ris­ten und Anti­ras­sis­ten erklang nur in eini­gen Unis und Devi­an­ten­me­di­en. Tex­te wur­den nicht gegen­dert. Mut­ter war Mut­ter und Vater Vater, Beet­ho­ven noch nicht schwarz und noch kein Klas­sist. Kin­der wur­den nicht sexu­ell indok­tri­niert und des­ori­en­tiert. Der wei­ße Mann war nicht die Welt­pest. Man hat­te kei­ne Angst um sein Geld und vor all­um­fas­sen­der Über­wa­chung. Nie­mand ver­such­te einem vor­zu­schrei­ben, was man zu essen und wohin man zu rei­sen hat und wel­ches Ver­kehrs­mit­tels man sich dazu bedien­te. Die Pres­se ver­bog und ver­dreh­te Fak­ten wie eh und je, aber noch war Oppo­si­ti­ons­kri­tik nicht ers­te Jour­na­lis­ten­pflicht. Noch waren die Gazet­ten nicht direkt vom Staat gekauft, noch klan­gen die Jubel­per­ser nicht ori­gi­nal nach DDR:

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Inzwi­schen ist alles Ver­trau­en dahin. Nie­mand kann sich sei­ner Hei­mat, sei­ner Iden­ti­tät, sei­nes Besit­zes, sei­ner Meinungs‑, Rei­se- und Kon­sum­frei­heit, sei­ner Frei­heit des Wirt­schaf­tens oder des garan­tier­ten Schut­zes durch die Staats­ge­walt mehr sicher sein, spe­zi­ell als Falsch­mei­ner. Nicht ein­mal die Woh­nung ist mehr unan­tast­bar. Die Rechts­si­cher­heit ero­diert. 15 Jah­re! Noch drei, dann hät­te die Heim­su­chung aus der Ucker­mark Hon­eckers Amts­zeit erreicht. Sie – aber natür­lich nicht nur sie – hat in 15 Jah­ren gan­ze Arbeit geleis­tet. Ich wüss­te nichts, was unter ihr in die­sem Lan­de bes­ser gewor­den ist.

PS: Leser *** fin­det, mei­ne Wür­di­gung der ers­ten 15 Jah­re Mer­kel sei nicht umfas­send genug ausgefallen. 

„Ergän­zen Sie ger­ne noch: Ein Wahl­er­geb­nis wur­de noch nicht bei Bedarf kor­ri­giert und der links­mi­li­tan­te Neo­fa-Mob noch nicht zur Prä­to­ria­ner­gar­de des Sys­tems aus­ge­baut. Nie­mand fiel aus Selbst­hass oder Grup­pen­druck öffent­lich aufs Knie. Poli­ti­sche Reli­gio­nen waren weit­ge­hend unbe­kannt oder wur­den in weit ent­fern­ten fai­led sta­tes ver­or­tet. Einem ganz und gar nicht zu ver­or­ten­den ‚Kli­ma­schutz’ wur­de noch nicht die Leis­tungs­fä­hig­keit der deut­schen Indust­re und des Mit­tel­stands geop­fert. Eben­falls wur­den noch nicht im oppor­tu­nis­ti­schen Affekt auf eine weit ent­fern­te Kata­stro­phe sowohl die Kern­kraft als auch die hei­mi­sche Koh­le nahe­zu gleich­zei­tig aus dem hoch­sen­si­blen Ener­gie­trä­ger-Mix der Volks­wirt­schaft her­aus­ge­bro­chen. Fal­se-Flag-Ope­ra­ti­ons zur Dis­kre­di­tie­rung einer außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on waren noch weit­ge­hend unbe­kannt. Im poli­ti­schen Dis­kurs zwi­schen Freun­den und Fami­li­en­mit­glie­dern wur­den zumeist noch kei­ne Tisch­tü­cher zer­schnit­ten. Schrift­stel­ler, Schau­spie­ler und Maler waren noch kei­ne ‚Kul­tur­schaf­fen­den’, die offe­ne Unter­wer­fungs­brie­fe an Regie­ren­de schrie­ben und sich zur Denun­zia­ti­on von Kol­le­gen bereit und in der Lage zeig­ten. Das Wort Kon­takt­schuld exis­tier­te noch nicht. Dis­si­den­te Ver­la­ge wur­den auf Buch­mes­sen noch nicht auf den Gang neben der Toi­let­te abge­drängt, ihre Ver­le­ger noch nicht in Restau­rants kör­per­lich atta­ckiert. Main­stream-Ver­la­ge schreck­ten noch davor zurück, Trä­ger höchs­ter Lite­ra­tur­prei­se wegen abwei­chen­der Mei­nungs­äu­ße­run­gen aus ihren Pro­gram­men zu ver­ban­nen. An den Schu­len wur­den Leis­tungs­un­te­schie­de in der Beno­tung noch nicht voll­stän­dig nach ideo­lo­gi­schen ‚Fairness’-Kriterien ein­ge­eb­net. Das Zei­gen der schwarz-rot-gol­de­nen Flag­ge und die Beru­fung auf Grund­ge­setz­ar­ti­kel wur­den noch nicht als Anzei­chen aku­ter Rechts­ra­di­ka­li­tät und somit eben­so unschick­lich wie gefähr­lich ver­femt. An Weih­nach­ten fand nur das hoch­hei­li­ge Paar kei­nen Raum in der Herberge.” 

Dass ich die rück­gän­gig gemach­te Wahl in mei­ner Auf­zäh­lung ver­ges­sen habe, ist unver­zeih­lich.

                                 ***

Wir wol­len gleich­wohl hei­ter bleiben:

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(aus: Zel­ler-Zei­tung)

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Die dum­men Ver­tei­di­ger sind einer Sache meist schäd­li­cher als ihre klu­gen Gegner.
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