16. Dezember 2020, Murmeltiertag (schon wieder)

Wie ich dazu kom­me, fra­gen mich bis­wei­len kri­ti­sche Mit­men­schen, die Bun­des­re­pu­blik mit der DDR zu ver­glei­chen. Ich pfle­ge dann stets zu ant­wor­ten, dass ver­glei­chen nicht gleich­set­zen bedeu­tet, son­dern ein Ver­gleich das Ziel ver­folgt, Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de zu ermit­teln, mei­net­we­gen Teil­men­gen, wobei ein Ver­gleich natür­lich auch erge­ben kann, dass über­haupt kei­ne Gemein­sam­kei­ten, Teil­men­gen oder Ähn­lich­kei­ten vor­lie­gen. Was ich ver­glei­che, ist mei­ne Sache, so absurd sie auch sei. Ich kann zum Bei­spiel die Kanz­le­rin mit einem Zier­fisch ver­glei­chen, was auf den ers­ten Blick tat­säch­lich völ­lig absurd wirkt, aber zuletzt ent­deckt man doch eini­ge frap­pie­ren­de Über­ein­stim­mun­gen (Kie­men­at­mung, wech­sel­warm). Folg­lich wer­den auch beim Ver­gleich des bes­ten Deutsch­lands, das es Gevat­ter Stein­mei­er et al. zufol­ge jemals gab, mit dem bes­ten Deutsch­land nach der wis­sen­schaft­lich-kom­mu­nis­tisch fun­dier­ten Mei­nung Erichs des Ein­zi­gen gewis­se Gemein­sam­kei­ten zuta­ge tre­ten, aber auch Unterschiede. 

Etwa in den Medi­en. Das bei­spiels­wei­se hät­te sich die Zonen­pres­se zuletzt doch nicht getraut:

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Wenn wir schon dabei sind:

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Exper­tin­nen und Politiker. Bildschirmfoto 2020 12 16 um 11.54.09

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Sie alle ken­nen die wil­de Schwer­mut, die uns ange­sichts der Aka­de­mi­ker­p­re­ka­ri­ats­über­pro­duk­ti­ons­kri­se ergreift. Wie unwie­der­bring­lich sind die Zei­ten dahin, da ein auch nur in Tei­len absol­vier­tes geis­tes­wis­sen­schaft­li­ches Stu­di­um einen siche­ren Arbeits­platz an der Uni, bei einer Par­tei, Stif­tung, Kul­tur­stät­te oder in irgend­was mit Medi­en bedeu­te­te und auf Par­tys nicht betre­te­nes Schwei­gen ein­trat, sobald sich jemand als Ger­ma­nis­tin oder Thea­ter­wis­sen­schaft­ler vor­stell­te. Aber heu­te! Und erst die gan­zen Sozio­lo­gen, Poli­to­lo­gen, Sozi­al­psy­cho­lo­gen, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­scheid­wis­sen­schaft­ler, Kul­tur­be­gleit­be­schwaf­ler, Phi­lok­ra­ten, Allo­so­phen, Ver­bre­chens­kund­ler (Neu­zeit­ge­schicht­ler), inter­dis­zi­pli­nä­ren Geschlech­ter­for­sche­rIn­nen und Gen­de­ris­tas! (Sie ken­nen die­sen gemei­nen köst­li­chen Witz, was ein Poli­tik­wis­sen­schaft­ler ohne Job zu einem Poli­tik­wis­sen­schaft­ler mit Job sagt? „Ein­mal Pom­mes mit Majo bitte!”)

Nun zieht unse­re Bun­des­kanz­le­rin zumin­dest einen Teil die­ses Ver­damm­ten­ba­tail­lons an ihre immer noch fabel­haft näh­ren­den Brüs­te, indem sie eine Mil­li­ar­de Euro­nen für den „Kampf gegen rechts” locker­macht. Das ist zwar einer­seits gemein und bei Zwie­licht bese­hen ver­fas­sungs­wid­rig, aber and­rer­seits ein gene­rö­ses ABM-Pro­gramm für einen bas­ket of deplor­ables, den spe­zi­ell die geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tä­ten unse­rer Uni­ver­si­tä­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bis an den Rand mit unver­mit­tel­ba­ren Nie­ten gefüllt haben. Die rech­te Oppo­si­ti­on – und dar­in gera­de der „Flü­gel”, des­sen Mit­glie­der doch stän­dig Jobs auch für ein­ge­bo­re­ne Min­der­be­gab­te for­dern – soll­te wenigs­tens das akzep­tie­ren; die Leu­te, die ihnen jetzt zusätz­lich hin­ter­her­schnüf­feln, über sie schrei­ben, ermit­teln, wer wo was zu wem gesagt hat und sie wort­arm denun­zie­ren, müss­ten sonst von Hartz IV leben. 

Ich weiß nicht, ob die Ver­zap­fer die­ses epo­cha­len Drei­ein­halb­sei­ters eben­falls Koh­le aus dem Gegen-rechts-Rep­ti­li­en­fonds bekom­men, ver­dient hät­ten sie es. Denn der besag­te Kampf muss, wenn er tota­ler wer­den soll, als wir es uns heu­te über­haupt erst vor­stel­len kön­nen, auch in der bzw. gegen die Ver­gan­gen­heit geführt werden. 

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Hät­ten Sie’s gewusst? Klar hät­ten Sie. 

„Aschen­put­tel, Rapun­zel, Dorn­rös­chen, Rum­pel­stilz­chen, Frau Hol­le, der Frosch­kö­nig”, hebt das von „KiDs – Kin­der vor Dis­kri­mi­nie­rung schüt­zen! an der Fach­stel­le Kin­der­wel­ten für Vor­ur­teils­be­wuss­te Bil­dung und Erzie­hung©, Insti­tut für den Situa­ti­ons­an­satz (ISTA), Inter­na­tio­na­le Aka­de­mie INA Ber­lin gGmbH, Naun­yn­str. 64, 10997 Ber­lin, Tel. 030–80206900, kids@kinderwelten.net, www.kids.kinderwelten.ne” her­aus­ge­ge­be­ne vir­tu­el­le Papier an: „Wel­che Bot­schaf­ten ver­mit­teln sie Kin­dern über sich und die Welt? Wel­che Wer­te wer­den in ihnen betont? Wel­che Kin­der fin­den sich auf stär­ken­de Wei­se in ihnen wie­der, wel­che auf abwer­ten­de oder ste­reo­ty­pe Wei­se und wel­che über­haupt nicht?”

Wel­ches Kind fin­det sich auf abwer­ten­de Wei­se in Mär­chen wie­der? Wahr­schein­lich die­je­ni­gen, die sich mit dem dum­men Hans iden­ti­fi­zie­ren, der die Prin­zes­sin neh­men muss, obwohl er schwul und im fal­schen Kör­per gebo­ren ist und sie eine wei­ße Suprematistin. 

„Die Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen sind nicht ein­deu­tig. Es soll daher nicht dar­um gehen, Mär­chen zu ‚ver­bie­ten’.”

Sie bemer­ken, geneig­te Lese­rin, bei der Autorin die­ses Tex­tes – es kann nur eine Frau sein – han­delt es sich wahr­schein­lich um eine Staats­recht­le­rin, Ein­ser-Juris­tin und Ver­fas­sungs­rich­te­rin in sta­tu nas­cen­di.

„Wir möch­ten dazu anre­gen, den eige­nen kri­ti­schen Blick zu schär­fen und sich bewusst dafür ent­schei­den, ob und wel­che Mär­chen wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Wel­che Inhal­te sol­len ins Töpf­chen und wel­che ver­schwin­den im Kröpfchen?”

Uff. Nicht ver­bie­ten, nur ins Kröpf­chen. Aber war­um? Darum: 

„Frau­en kom­men als akti­ve Akteu­rin­nen in Form von bösen Hexen, bösen Feen oder bösen Stief­müt­tern vor. Die Alter­na­ti­ve besteht dar­in, sich als Prin­zes­sin vor allem durch Schön­heit aus­zu­zeich­nen und pas­siv erret­tet zu wer­den. Män­ner müs­sen stark und/oder mutig sein. Man­che haben eine Behin­de­rung, wer­den als ‚dumm’, klein, buck­lig oder halb Mensch/halb Tier beschrie­ben und kön­nen im Lau­fe der Geschich­te ent­we­der erlöst oder für immer ver­flucht wer­den. Die Ehe gilt als obers­tes Ziel, die Mon­ar­chie als bes­te Staats­form und all­ge­gen­wär­ti­ge Gewalt an Kin­dern als nor­mal. Alles Dunk­le wird auto­ma­tisch mit ‚dem Bösen’ in Ver­bin­dung gebracht und ‚Haut weiß wie Schnee’ und ‚gol­de­nes Haar’ zu haben ist als ras­sis­ti­sches Schön­heits­ide­al erstre­bens­wert. Homo­se­xua­li­tät, Peop­le of Colour, mus­li­mi­scher Glau­be, Trans*personen und vie­les Wei­te­re kom­men gar nicht erst vor.”

Auch Ele­fant, Nil­pferd, Pin­gu­in und Gnu suchen sich in Grimms Mär­chen ver­geb­lich, wäh­rend es in afri­ka­ni­schen Mär­chen von Wei­ßen, Bud­dhis­ten, Schä­fer­hün­din­nen und eman­zi­pier­ten Frau­en weid­lich wim­melt. Immer­hin: Die Pech­ma­rie darf blei­ben, Rosen­rot auch. Schnee­weiß­chen und Rapun­zel müs­sen sich die Haa­re fär­ben, auch wenn sie nicht in Mal­mö oder Molen­beek leben. Aber dass der mus­li­mi­sche Glau­be in Grimms Mär­chen nicht vor­kommt, obwohl der Islam seit 2000 Jah­ren zu Euro­pa gehört,

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das kann nicht hin­ge­nom­men wer­den. „Sul­tan Dros­sel­bart” wäre ein Anfang. „Imam All­wis­send” und „Die bei­den Emirs­kin­der” könn­ten folgen.

„Vie­les Wei­te­re kommt gar nicht vor”: Wahr­schein­lich ist die Autorin doch kei­ne Juris­tin, son­dern Literaturkritikerin.

„Es stimmt, dass sich die dama­li­gen gesell­schaft­li­chen Macht­ver­hält­nis­se und die Posi­ti­on der Gebrü­der Grimm in jener Gesell­schaft in den Mär­chen wider­spie­geln. Zum Glück hat sich in Fra­gen sozia­ler Gerech­tig­keit seit Anfang des 19. Jahr­hun­derts doch eini­ges ver­än­dert! War­um sol­len jun­ge Kin­der ver­al­te­te dis­kri­mi­nie­ren­de Dar­stel­lun­gen erst ken­nen­ler­nen, um sie dann wie­der ver­ler­nen zu müs­sen? In den ers­ten Lebens­jah­ren ist es wich­tig, dass Kin­der ihr Selbst­bild mit mög­lichst wenig abwer­ten­den Bot­schaf­ten ent­wi­ckeln können.”

Gera­de, wenn sie immer noch weiß und blond sind und das wie­der ver­ler­nen müssen.

„Deutsch­land ist eine von Dis­kri­mi­nie­rung gepräg­te Gesell­schaft. Und jede (!) hier auf­wach­sen­de Per­son hat bestimm­te dis­kri­mi­nie­ren­de Bil­der ver­in­ner­licht. Dar­an sind natür­lich nicht allein die Mär­chen schuld. Sie sind in ihrer jet­zi­gen Form ’nur’ Teil der Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der Domi­nanz­ver­hält­nis­se sich fort­set­zen und Genera­ti­on für Genera­ti­on wei­ter gelernt wer­den und somit allen scha­den. Wenn ein Inhalt als schä­di­gend erkannt ist, soll­ten Kin­der davor geschützt werden.”

Aber nur ins Kröpf­chen! Nichts ver­bie­ten!
Ihr Bevöl­ke­rungs­schutz­kom­mis­sar für das Erken­nen schä­di­gen­der Inhalte.

„Es ist mög­lich, ledig­lich ein­zel­ne Text­stel­len aus­zu­las­sen oder abzu­än­dern. Abwer­ten­de Beschrei­bun­gen von Kör­per­for­men kön­nen weg­ge­las­sen wer­den, die Hel­l/­Dun­kel-Sym­bo­lik umge­kehrt oder behin­der­ten­feind­li­che Dar­stel­lun­gen als indi­vi­du­el­le Cha­rak­ter­merk­ma­le umfor­mu­liert werden.”

Als Bei­spiel, wie „Schön­heits­nor­men abge­mil­dert” wer­den kön­nen, schreibt die Kin­der­schüt­ze­rin, die übri­gens Berit Wol­ter heißt und am Hexen­häus­chen der har­ten Wis­sen­schaft geknus­pert hat:

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„Das Mäd­chen frei­lich gefiel dem Frosch­kö­nig über­haupt nicht, denn sie war nicht beson­ders schön. Sie hat­te zu kur­ze Bei­ne, war auch etwas zu dick und ihre Haa­re waren wie Stroh. […] Ich lese lie­ber vor: ‚Das Mäd­chen gefiel dem Frosch­kö­nig nicht, denn sie war irgend­wie nicht sein Typ.’ ”

Weil: stroh­haa­rig, kurz­bei­nig und dick. In den Wor­ten eines Klas­si­kers Supre­ma­tis­ten:
„Gern lief er fort, der arme Schnick,
doch er ist viel zu dumm und dick.”

Er, nicht sie! Das führt uns stracks in die Viel­falt. Unse­re Tra­di­ti­ons-Umde­si­gne­rin plä­diert dafür, beim Vor­le­sen – früh krümmt sich, was ein Bun­tes wer­den soll – die Geschlech­ter zu vertauschen:

„Bei ‚Rot­käpp­chen‘ […] las­sen sich zunächst die Eigen­schaf­ten der Hauptakteur_innen des Mär­chens z.B. die stren­ge Mut­ter, das ver­träum­te Rot­käpp­chen, der star­ke Jäger und die schwa­che Groß­mutter, ver­än­dern. So kann etwa die Mut­ter zum Vater, das Rot­käpp­chen zur Rot­müt­ze, der Jäger zur Jäge­rin und die Groß­mutter zum Groß­va­ter wer­den. Span­nend zu beob­ach­ten ist, wel­che Wir­kun­gen das Mär­chen nun ent­fal­tet und wie sich die Hand­lungs­spiel­räu­me der Figu­ren durch den Geschlech­ter­rol­len­tausch erweitern.” 

Sie hat die Wöl­fin ver­ges­sen, die nun den Groß­va­ter her­un­ter­wür­gen muss. Dann fragt Rot­müt­ze: „Groß­va­ter, war­um hast du rasier­te Bei­ne?” Die Jäge­rin ist zu blöd zum Schie­ßen, die Wöl­fin frisst auch sie, und der Vater kann end­lich sei­nen behin­der­ten Freund heiraten.

„Und es ist mög­lich, sich nach Alter­na­ti­ven umzu­schau­en. Es gibt sie! In den fol­gen­den Büchern kom­men star­ke Mäd­chen- und Frau­en­fi­gu­ren vor, schwar­ze Protagonist*innen und Protagonist*innen of Co-lor und nicht jede Love­sto­ry ist hete­ro. Wei­ter­hin zu wenig ver­tre­ten: Protagonist*innen mit Behinderung.”

Auch dafür hat unse­re Die-Bunten-ins-Töpfchen-Sortierer*in ori­gi­nel­le Exem­pel recherchiert: 

„Was wäre, wenn Prin­zes­sin­nen nicht auf ihren Prin­zen war­ten, son­dern ihr Glück selbst in die Hand neh­men? […] Rapun­zel wird eine welt­be­rühm­te Archi­tek­tin für magi­sche Gebäu­de, Rot­käpp­chen fin­det ihr Glück als Tier­schutz­ak­ti­vis­tin und Dorn­rös­chen macht sich einen Namen als Spe­zia­lis­tin für Schlafstörungen.”

Oder: „Kei­ne Angst vorm bösen Dra­chen: Sie­ben Prin­zes­sin­nen brin­gen fri­schen Wind ins Mär­chen­land! Was pas­siert, wenn die Prin­zes­sin den Dra­chen raubt und nicht umge­kehrt? Wenn sie den Prin­zen befreit und die Dra­chen­kin­der babysittet?”

Zuletzt emp­fiehlt unse­re Bratenriecher*in eine „Pro­jekt­sei­te” namens „Die Schwes­tern Grimm” – frei sind noch „Die Geschwis­ter Grimm” und „Die war­men Brü­der Grimm” –, „die das Ziel hat, für die Lese­rin oder den Leser selbst erforsch­bar zu machen, wel­che Wir­kung die für vie­le Genera­tio­nen prä­gen­den Mär­chen der Gebrü­der Grimm haben, wenn man die Geschlech­ter der han­deln­den Cha­rak­te­re vari­iert. Tex­te der Gebrü­der Grimm wer­den über­ar­bei­tet hin­sicht­lich der Geschlech­ter und Namen der han­deln­den und genann­ten Cha­rak­te­re; oft wer­den so genann­te ‚Gen­ders­waps’ durchgeführt.”

Wer hät­te gedacht, dass Grimms Mär­chen ein­mal zur Kon­ter­ban­de gehö­ren wür­de? Wobei streng­ge­nom­men dem­nächst jedes Buch, das 50 oder mehr Jah­re alt ist, dazu zäh­len wird. 

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Irgend­wie zum Vorigen.

Leser *** sen­det mir „ein etwa 50 (!) Jah­re altes Fund­stück aus dem Buch: ‚The return of the pri­mi­ti­ve’ von Ayn Rand (S.143–144), die leider/logischerweise in Deutsch­land kaum rezi­piert wird. Die Klar­sicht die­ser Frau ist atem­be­rau­bend, das Buch ist 1971 erschie­nen” (da mich neu­lich ein Leser bat, die eng­li­schen Zitat zu über­set­zen, hän­ge ich mei­ne Über­set­zung an): 

 
„Racism is an evil and pri­mi­ti­ve form of collec­ti­vism. Today, racism is regar­ded as a crime if prac­ti­ced by a majority—but as an ina­li­en­ab­le right if prac­ti­ced by a mino­ri­ty. The noti­on that one’s cul­tu­re is supe­ri­or to all others sole­ly becau­se it repres­ents the tra­di­ti­ons of one’s ances­tors, is regar­ded as chau­vi­nism if clai­med by a majority—but as ‚eth­nic’ pri­de if clai­med by a mino­ri­ty. Resis­tance to chan­ge and pro­gress is regar­ded as reac­tion­a­ry if demons­tra­ted by a majority—but retro­gres­si­on to a Bal­kan vil­la­ge, to an Indian tepee or to the jung­le is hai­led if demons­tra­ted by a mino­ri­ty. ‚Tole­ran­ce’ and ‚under­stan­ding’ are regar­ded as uni­la­te­ral vir­tu­es. In rela­ti­on to any given mino­ri­ty, we are told, it is the duty of all others, i.e., of the majo­ri­ty, to tole­ra­te and under­stand the minority’s values and customs—while the mino­ri­ty pro­c­laims that its soul is bey­ond the out­si­ders’ com­pre­hen­si­on, that no com­mon ties or brid­ges exist, that it does not pro­po­se to grasp one syll­ab­le of the majority’s values, cus­toms or cul­tu­re, and will con­ti­nue hur­ling racist epi­the­ts (or worse) at the majority’s faces.

Nobo­dy can pre­tend any lon­ger that the goal of such poli­ci­es is the eli­mi­na­ti­on of racism—particularly when one obser­ves that the real vic­tims are the bet­ter mem­bers of the­se pri­vi­le­ged mino­ri­ties. The self-respec­ting small home owners and shop owners are the unpro­tec­ted and unde­fen­ded vic­tims of every race riot. The minority’s mem­bers are expec­ted by their ega­li­ta­ri­an lea­ders to remain a pas­si­ve herd cry­ing for help (which is a pre­con­di­ti­on of the power to con­trol a pres­su­re group). Tho­se who igno­re the thre­ats and strugg­le to rise through indi­vi­du­al effort and achie­ve­ment are denoun­ced as trai­tors. Traitors—to what? To a phy­sio­lo­gi­cal (racial) collective—to the incom­pe­tence or unwil­ling­ness or lethar­gy or malin­ge­ring of others. If the excep­tio­nal men are black, they are atta­cked as ‚Uncle Toms.’ 

It is pri­mi­ti­ve cul­tures that we are asked to stu­dy, to appre­cia­te and to respect—any sort of cul­tu­re except our own. A pie­ce of pot­te­ry copied from genera­ti­on to genera­ti­on is held up to us as an achievement—a plastic cup is not. A bears­kin is an achievement—synthetic fiber is not. An oxcart is an achievement—an air­pla­ne is not. A poti­on of herbs and sna­ke oil is an achievement—open-heart sur­ge­ry is not. Stone­henge is an achievement—the Empi­re Sta­te Buil­ding is not. Black magic is an achievement—Aristotle’s Orga­non is not.
Why is Wes­tern civi­liz­a­ti­on admo­nis­hed to admi­re pri­mi­ti­ve cul­tures? Becau­se they are not admi­ra­ble. Why is a pri­mi­ti­ve man exhor­ted to igno­re Wes­tern achie­ve­ments? Becau­se they are. Why is the self-expres­si­on of a retar­ded ado­lescent to be nur­tu­red and acc­lai­med? Becau­se he has not­hing to express. Why is the self-expres­si­on of a geni­us to be impe­ded and igno­red? Becau­se he has. 
It is to the Moham­medans, the Bud­dhists, and the cannibals—to the under­de­ve­lo­ped, the unde­ve­lo­ped, and the not-to-be-deve­lo­ped cultures—that the Capi­ta­list United Sta­tes of Ame­ri­ca is asked to apo­lo­gi­ze for her sky­s­cra­pers, her auto­mo­bi­les, her plum­bing, and her smi­ling, con­fi­dent, untor­tu­red, un-skin­ned-ali­ve, un-eaten young men! … It is not for her flaws that the United Sta­tes of Ame­ri­ca is hated, but for her virtues—not for her weak­nes­ses, but for her achievements—not for her fail­u­res, but for her success—her magni­ficent, shi­ning, life-giving success.”

„Ras­sis­mus ist eine böse und pri­mi­ti­ve Form des Kol­lek­ti­vis­mus. Ras­sis­mus wird heu­te als Ver­bre­chen betrach­tet, wenn er von einer Mehr­heit prak­ti­ziert wird – aber als unver­äu­ßer­li­ches Recht, wenn er von einer Min­der­heit prak­ti­ziert wird. Die Vor­stel­lung, dass die eige­ne Kul­tur allen ande­ren über­le­gen ist, nur weil sie die Tra­di­tio­nen der eige­nen Vor­fah­ren reprä­sen­tiert, wird als Chau­vi­nis­mus ange­se­hen, wenn eine Mehr­heit die­sen Anspruch erhebt – aber als ‚eth­ni­scher’ Stolz, wenn eine Min­der­heit es behaup­tet. Wider­stand gegen Ver­än­de­rung und Fort­schritt gilt als reak­tio­när, wenn er von einer Mehr­heit aus­geht – aber die Rück­ent­wick­lung zu einem Bal­kan­dorf, zu einem india­ni­schen Tipi oder in den Dschun­gel wird begrüßt, wenn eine Min­der­heit es will. ‚Tole­ranz’ und ‚Ver­ständ­nis’ wer­den als ein­sei­ti­ge Tugen­den ange­se­hen. In Bezug auf jede mög­li­che Min­der­heit, so wird uns gesagt, sei es die Pflicht aller ande­ren, also der Mehr­heit, die Wer­te und Bräu­che die­ser Min­der­heit zu tole­rie­ren und zu ver­ste­hen – wäh­rend die Min­der­heit ver­kün­det, dass Außen­ste­hen­de ihre See­le nicht ver­ste­hen kön­nen, dass kei­ne gemein­sa­men Bin­dun­gen oder Brü­cken exis­tie­ren, dass man nicht gedenkt, auch nur eine Sil­be der Wer­te, Bräu­che oder der Kul­tur der Mehr­heit auf­zu­neh­men, und wei­ter­hin ras­sis­ti­sche Epi­the­ta (oder schlim­me­res) in die Gesich­ter der Mehr­heit schleu­dern werde. 

Nie­mand kann mehr so ​​tun, als ob das Ziel einer sol­chen Poli­tik die Besei­ti­gung des Ras­sis­mus ist – ins­be­son­de­re wenn man fest­stellt, dass die eigent­li­chen Opfer die bes­se­ren Mit­glie­der die­ser Min­der­hei­ten sind. Die­se klei­nen Haus­be­sit­zer und Laden­be­sit­zer mit Selbst­ach­tung sind die unge­schütz­ten und von nie­man­dem ver­tei­dig­ten Opfer jedes Ras­sen­auf­stands. Von den Ange­hö­ri­gen der Min­der­heit erwar­ten deren ega­li­tä­re Füh­rer, dass sie eine pas­si­ve Her­de blei­ben, die um Hil­fe schreit (was eine Vor­aus­set­zung für die Macht ist, eine Inter­es­sens­grup­pe zu kon­trol­lie­ren). Die­je­ni­gen, die die Dro­hun­gen igno­rie­ren und durch indi­vi­du­el­le Anstren­gun­gen um ihren Auf­stieg kämp­fen, wer­den als Ver­rä­ter denun­ziert. Wen ver­ra­ten sie? Ein phy­sio­lo­gi­sches (ras­si­sches) Kol­lek­tiv – des­sen Inkom­pe­tenz oder Unwil­len oder Lethar­gie oder Mise­ra­bi­lis­mus. Wenn die außer­ge­wöhn­li­chen Män­ner schwarz sind, wer­den sie als ‚Onkel Toms’ angegriffen.

Es sind pri­mi­ti­ve Kul­tu­ren, die wir stu­die­ren, schät­zen und respek­tie­ren sol­len – jede Art von Kul­tur außer unse­rer eige­nen. Ein Stück Kera­mik, das von Genera­ti­on zu Genera­ti­on kopiert wird, wird uns als Leis­tung vor­ge­hal­ten – ein Plas­tik­be­cher nicht. Ein Bären­fell ist eine Leis­tung – die syn­the­ti­sche Faser nicht. Ein Och­sen­kar­ren ist eine Leis­tung – ein Flug­zeug nicht. Ein Trank mit Kräu­tern und Schlan­gen­öl ist eine Errun­gen­schaft – eine Ope­ra­ti­on am offe­nen Her­zen nicht. Stone­henge ist eine Errun­gen­schaft – das Empi­re Sta­te Buil­ding nicht. Schwar­ze Magie ist eine Errun­gen­schaft – Aris­to­te­les Orga­non nicht. War­um wird die west­li­che Zivi­li­sa­ti­on ermahnt, pri­mi­ti­ve Kul­tu­ren zu bewun­dern? Weil sie nicht bewun­derns­wert sind. War­um wird ein pri­mi­ti­ver Mann ermahnt, west­li­che Errun­gen­schaf­ten zu igno­rie­ren? Weil sie es sind. War­um soll der Selbst­aus­druck eines zurück­ge­blie­be­nen Jugend­li­chen geför­dert und aner­kannt wer­den? Weil er nichts aus­zu­drü­cken hat. War­um soll der Selbst­aus­druck eines Genies behin­dert und igno­riert wer­den? Weil er es hat. Die kapi­ta­lis­ti­schen Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka wer­den gebe­ten, sich bei den Moham­me­da­nern, Bud­dhis­ten und Kan­ni­ba­len – bei den unter­ent­wi­ckel­ten, unent­wi­ckel­ten und nicht zu ent­wi­ckeln­den Kul­tu­ren – für ihre Wol­ken­krat­zer, ihre Autos, ihre Klemp­ner­ar­bei­ten und ihre lächeln­den, selbst­be­wuss­ten, nicht gequäl­ten, nicht ent­häu­te­ten, leben­di­gen, nicht geges­se­nen jun­gen Män­ner zu ent­schul­di­gen! … Nicht wegen ihrer Feh­ler wer­den die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka gehasst, son­dern wegen ihrer Tugen­den, nicht wegen ihrer Schwä­chen, son­dern wegen ihrer Leis­tun­gen, nicht wegen ihrer Miss­erfol­ge, son­dern wegen ihres Erfolgs – ihres groß­ar­ti­gen, glän­zen­den, lebens­spen­den­den Erfolgs.”

 
                                 ***

Ich erwähn­te die Kanz­le­rin heu­te schon. Immer, wenn ich die­se Frau sehe, wie sie da im Bun­des­tag sitzt, tie­fen­ver­bit­tert und mund­win­kel­ab­wärts mit wah­ren Maria­nen­grä­ben ver­ti­kal durch­furcht, den­ke ich mir: In die­sem Leben gibt es nichts Schö­nes, nichts, wor­an die arme Maid sich ästhe­tisch auf­rich­ten könn­te, kei­ne Gobe­lins, kei­ne Lou­is-sei­ze-Möbel, kei­ne Bäl­le, kei­ne extra­va­gan­ten Klei­der, kei­ne geschmack­voll ein­ge­rich­te­te Biblio­thek – wozu auch? –, kei­ne erle­se­nen Wei­ne, kei­ne üppig gede­cken Tafeln, an denen gescherzt, gelacht und geflir­tet wird, kei­ne Haus­mu­sik, kei­ne amü­san­ten und geist­rei­chen Gesprä­che (ich mei­ne als Zuhö­re­rin), son­dern immer nur die­se faden Poli­ti­ker­ty­pen und wider­lich devo­ten Par­tei­freun­de, ver­lo­ge­nes Gere­de aus glat­ten Mün­dern, dann end­lo­se Ver­hand­lun­gen, Pres­se­kon­fe­ren­zen, Tref­fen mit dem fran­zö­si­schen Gockel, dem stu­ren Ungarn, jetzt der seni­le oder auch debi­le Ami, Tele­fo­na­te, Intri­gen anrüh­ren, sms schrei­ben, Fin­ger­nä­gel abkau­en, Merz zum zwei­ten­mal platt- und Laschet lächer­lich machen, Hin­ter­zim­mer­ge­sprä­che mit ein­fluss­rei­chen Schwach­köp­fen und tie­fen­ver­gau­ner­ten Nar­ziss­ten. Was für ein gemüts­ver­gam­mel­tes Leben! (Die For­mu­lie­rung ist gelie­hen von Kame­rad Hen­scheid.) Aber eben: Dort sit­zen, im Prä­si­dum, im Kanz­ler­amt, in den Regie­rungs­zen­tren der Erde, als eins­ti­ges Mau­er­blüm­chen, als Belä­chel­te, als x‑mal (auch von mir) poli­tisch Tot­ge­sag­te immer noch dort den Platz hal­ten, alle Kon­kur­ren­ten über­le­ben, jetzt auch die­sen Trump über­stan­den haben, zwi­schen­durch den komi­schen und durch­aus ner­ven­den Vögeln von der Oppo­si­ti­on einen Ento­mo­lo­gen­blick schen­kend (um deren Häl­se sich längst die Schlin­ge zuzieht), wei­ter­herr­schen, thro­nen, wuch­ten, kle­ben. Sie hat sonst nichts. Auch kei­ne Fami­lie – aber immer­hin Barack, Geor­ge und neu­er­dings Bill, Frie­de und Liz sowie­so. Und Bea­te! Als sie anfing, woll­te sie nichts als dort oben ankom­men. Als sie oben ange­kom­men war, woll­te sie oben blei­ben. Inzwi­schen hat sie – unge­fähr wie, um einen despek­tier­li­chen Ver­gleich zu zie­hen, der „Roman­ti­ker” Fried­rich Wil­helm IV. der preu­ßi­schen Staats­ma­schi­ne nach­träg­lich eine See­le ein­hau­chen woll­te – den glo­ba­lis­ti­schen Glau­ben ange­nom­men und sucht ihr See­len­heil in der Ferns­ten­lie­be. Kein Mensch außer viel­leicht Sta­lin kann ganz ohne Glau­ben herrschen 

Sie tritt noch ein­mal an. Jede Wette.

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