19. Dezember 2020

„2015 hat uns Mer­kel gesagt: Wir schaf­fen das!
2020 hat uns Mer­kel gesagt: Bleibt alle zu Hause!
Wie­so hat sie es eigent­lich nicht in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge gesagt?”
(Leser ***)

                                 ***

Die ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur­re­vo­lu­ti­on erreicht ihre nächs­te Eska­la­ti­ons­stu­fe. Dai­ly Mail meldet:

Bildschirmfoto 2020 12 19 um 14.30.09

Bildschirmfoto 2020 12 19 um 14.31.12

Jetzt benen­nen sie sogar Schu­len um, die den Namen Abra­ham Lin­colns tra­gen. (Neben­bei: Auch der wei­ße Ableist Tho­mas Alva Edi­son ist als Namens­ge­ber für Bil­dungs­ein­rich­tun­gen nicht mehr zuge­las­sen, ohne dass des­sen Til­ger fai­rer­wei­se auf Strom und elek­tro­ni­sche Nach­rich­ten verzichten.)

Was den Bleich­ge­sich­tern unter den Herostra­ten nicht klar zu sein scheint: Der Tag wird kom­men, an dem sie nichts mehr vor ihrem Weiß­sein schützt.

***

End­lich hat mich ein Ama­zon-Rezen­sent durchschaut:

Bildschirmfoto 2020 12 19 um 11.30.15

Er ist streng­ge­nom­men nicht der Aller­ers­te; das war jener Herr, der über mein Renn­rad­fahr­pas­si­ons­fest­spiel­buch tref­fend urteilte:

Bildschirmfoto 2020 12 19 um 11.44.54

Aber Gevat­ter Ernst ist der ers­te mit psy­cho­pa­tho­lo­gi­schem Anspruch:

„Beim Lesen Klo­n­ovs­kys sowie der Kom­men­ta­re sei­ner begeis­ter­ten Fans über­kommt mich mit­un­ter das Gefühl: So formt sich eine Sek­te all­mäh­lich ihren Glau­ben, gleich­sam bis zum bit­te­ren Ende hin, inso­weit sich alle zusam­men lang­fris­tig im Gleich­schritt mit dem vor­an­schrei­ten­den Kli­ma­wan­del zur fer­ne­ren Rea­li­täts­ver­leug­nung ver­pflich­ten, sich eine Par­al­lel­welt schaf­fend, die einer Welt der Irr­sin­ni­gen recht nahe kommt, aber die­se vor allem auf Sei­ten der Ande­ren sich­tet, etwa auf der Sei­te der Gre­ta Thun­berg oder, auch beliebt: auf der Sei­te der Undeut­schen”, schreibt Ernst offen­kun­dig im sel­bi­gen, und da sich die in Rede ste­hen­de Sek­te prak­tisch hier formt oder zumin­dest trifft, lei­te ich sei­ne Dia­gno­se gleich ins Offe­ne weiter.

„Dies” – das Undeut­sche näm­lich – „ist zwar kei­ne Voka­bel Klo­n­ovs­kys” – stimmt –, „eher schon eine Nietz­sches aus der Zeit sei­ner Wag­ner­über­win­dung.” Stimmt auch, nur etwas anders, als unser Rezen­sent meint: „Die Wen­dung zum Undeut­schen ist immer das Kenn­zei­chen der Tüch­ti­gen unse­res Vol­kes gewe­sen.” („Mensch­li­ches, All­zu­mensch­li­ches”, Band II., Aph. 323)

„Aber sie” – es geht immer noch um die Voka­bel „undeutsch” – „liegt nahe auf­grund sei­nes auf den 2. Juli 2019 datier­ten ent­nerv­ten Aus­rufs: ‚Fast alles, was ich has­se, ist deutsch. Fast alles, was mich anwi­dert, ist deutsch. Fast alles, was ich ver­ach­te, ist deutsch.’ Dem folgt, als ein beson­ders instruk­ti­ves Bei­spiel, auch der Dik­ti­on wegen: ‚Was mir im Reichs­hauptslum (der schö­ne Begriff stammt von Don Alp­hon­so – M.K.) Ber­lin ent­ge­gen­kommt, den lin­ken Teil des Schä­dels kahl­ra­siert, blaue Sträh­nen rechts, ein Pfund Blech gleich­mä­ßig im Gesicht ver­teilt, im Unter­hemd, mit zer­fetz­ter Jeans, Wag­ner für einen Piz­zafa­bri­kan­ten und den Kapi­ta­lis­mus für den Welt­feind hal­tend, aber für einen Sexis­ten immer noch irgend­wie als weib­lich erkenn­bar, ist […]: deutsch!’ Das Aus­ru­fe­zei­chen deu­tet es an: Klo­n­ovs­ky meint dies skan­da­li­sie­rend, will also eigent­lich sagen: dies ist undeutsch! – und gerät eben damit auf ein Gleis, das uns zurück­führt in die NS-Zeit, zu deren Beginn es unter Gel­tend­ma­chen von In-/Out-Lis­ten vom Typ ‚deutsch‘/‘undeutsch‘ sowie ‚unentartet‘/‘entartet‘ ans gro­ße Aus­sie­ben ging (…) wohl, weil ihm als Ost­ler und Zu-spät-Gebo­re­nem die Sozia­li­sa­ti­ons­er­fah­rung eines 68er nicht zu Teil wur­de, die ele­men­tars­te Lek­ti­on einer ‚Erzie­hung nach Ausch­witz’ schlicht nicht ver­stan­den: die näm­lich, dass es ’nie wie­der!’ sein darf, per­sön­li­che Geschmacks­ner­ven mit­tels deutsch­tü­meln­der Attri­bu­te in sol­che von natio­na­ler Bedeu­tung zu transferieren.”

Ein Mensch, der nach der Beschrei­bung einer rela­tiv typi­schen Ber­li­ne­rin mit zwei Gedan­ken­schrit­ten in Ausch­witz ankommt, ist durch­aus prä­de­sti­niert dafür, sich über geis­ti­ge Stö­run­gen aus­zu­spre­chen. Ob er frei­lich geeig­net ist, sich zum psy­cho­pa­thi­schen Syn­drom zu äußern, scheint mir frag­wür­dig; eher geht es hier wohl um Kogni­ti­ons­schwä­chen in Ver­bin­dung mit and­res­sier­ten Refle­xen, um die uns „die gan­ze Welt benei­det”, wie ein ande­rer Nar­ra­to­pier vor­na­mens Cem im Bun­des­tag erklär­te. Ich als Numis­ma­ti­ker füh­le mich dafür gänz­lich unzuständig.

Im Übri­gen habe ich in der zitier­ten anti­deut­schen Aver­si­ons-Kas­ka­de auch gesagt: „Die Gier nach Gleich­heit, die Ver­höh­nung des Beson­de­ren, Arti­fi­zi­el­len, Ver­fei­ner­ten: deutsch! Die Bereit­schaft, im Kol­lek­tiv­rausch poli­ti­schen Über­ge­schnapp­ten zu fol­gen und sich den Kopf lust­voll an der dicks­ten Wand ein­zu­schla­gen, ob nun 1918, 1941 oder 2015: deutsch!” Wenn der Hob­by-Rezen­sent genau­er gele­sen hät­te, wäre ihm auf­ge­fal­len, dass ich nach sei­ner Logik auch die „Micha­el-Offen­si­ve” und das Unter­neh­men „Bar­ba­ros­sa” für undeutsch hal­ten müsste.

Statt nach­zu­den­ken, emp­fin­det unser Freund lie­ber. Näm­lich: „Mir gru­selt vor sol­chen intel­lek­tu­ell super aus­ge­stat­te­ten Zyni­kern wie Klo­n­ovs­ky, die ihr gänz­li­cher Man­gel an emo­tio­na­ler Intel­li­genz hart her­an­führt an das, was ein gelern­ter Kri­mi­no­lo­ge wie ich der­einst nur mit einem Wort zu bele­gen wuss­te: Psychopathisch!”

Nein, geneig­te Lese­rin, glau­ben Sie dem Kerl kein Wort; der ist so wenig Kri­mi­no­lo­ge, wie ich – obschon super aus­ge­stat­tet – ein Intel­lek­tu­el­ler bin.

***

„Mir flat­ter­te in elek­tro­ni­scher Form die ‚Anwei­sung’ in den vir­tu­el­len Brief­kas­ten, dass von nun an ‚dschen­der­ge­rech­te Spra­che’ zu nut­zen sei”, schrieb mir Leser ***, Phy­si­ker mit Migrationsfamilienbiographie.

„Ich kann dar­in nichts ande­res erken­nen als einen Anspruch auf Unter­wer­fung. Das Gen­der­stern­chen ist die ver­ba­le Haken­kreuz­bin­de. Oder mei­net­we­gen: Das Gen­der­stern­chen ist das ver­ba­le Par­tei­ab­zei­chen im Jacken­auf­schlag. Es dient nicht der ‚Gleich­stel­lung der Frau’, son­dern ledig­lich der Zur­schau­stel­lung der poli­tisch erwünsch­ten Gesinnung.

Es gibt Spra­chen, die nur einen Genus ken­nen, und daher per Defi­ni­tio­nem gen­der­neu­tral sind, wie z.B. Far­si, das im Iran gespro­chen wird. Dort müs­sen Frau­en ver­schlei­ert her­um­lau­fen und wer­den auch gestei­nigt. Dort wer­den Homo­se­xu­el­le an Bau­krä­nen auf­ge­hängt. Die­se Tat­sa­chen wer­fen zumin­dest ein frag­wür­di­ges Licht auf die Hypo­the­se, dass eine ‚gen­der­ge­rech­te Spra­che’ auto­ma­tisch zu mehr ‚Gleich­stel­lung’ führe.

Völ­lig idio­tisch auch die The­se, dass man nur in Spra­che den­ken kön­ne und daher die Spra­che regeln müs­se, um das Den­ken zu beein­flus­sen. Das ist ein fun­da­men­ta­ler Irr­tum, dem man nur auf­sit­zen kann, wenn man nichts Geschei­tes gelernt hat. Man kann in Bil­dern den­ken und in Tönen, man hat Emp­fin­dun­gen kör­per­li­cher und see­li­scher Art, und manch­mal feh­len einem die Wor­te, um einen Gedan­ken aus­zu­drü­cken. Spra­che dient der Kom­mu­ni­ka­ti­on, und natür­lich wird eine Ver­fäl­schung der Kom­mu­ni­ka­ti­on auch eine Ver­fäl­schung des Den­kens zur Fol­ge haben, weil ver­fälsch­te Ideen in den Geist gera­ten. ‚Geist’, welch alter­tüm­li­ches Wort… die­ses Wort passt über­haupt nicht zur heu­ti­gen gro­ßen Mas­se der deut­schen Mittelschicht.

Ich begrei­fe inzwi­schen aus direk­ter Anschau­ung z.B. der Frei­tags­auf­mär­sche des letz­ten Jah­res, wie die Hexen­ver­bren­nun­gen und auch die brau­nen und roten tota­li­tä­ren Sys­te­me funk­tio­niert haben müs­sen. Wann hat je ein tota­li­tä­rer Dem­ago­ge von sich gesagt, er besor­ge das Geschäft des Bösen? Haben sie nicht alle behaup­tet, sie woll­ten das Volk ret­ten und zu Wohl­stand, Frei­heit und Glück füh­ren? Her­mann Göring hat­te in einem Inter­view in sei­ner Nürn­ber­ger Zel­le dem erstaun­ten Jour­na­lis­ten beschrie­ben, wie der Auf­ruf zum Krieg in jedem Land funk­tio­nie­re. Man bau­sche die Gefahr für das Vater­land auf, zei­he die Pazi­fis­ten des Man­gel an Patrio­tis­mus oder Ver­rat, und fer­tig sei die Chose.

Da Krieg aus der Mode gekom­men ist, beschwört man das Bild einer töd­li­chen CO2-Bedro­hung, weckt unter­schwel­li­ge Asso­zia­tio­nen an ein fins­te­res Kapi­tel der Geschich­te, indem man die Bedro­hung durch Gas in den dun­kels­ten Far­ben malt, und zeiht alle Skep­ti­ker und Mah­ner der Feind­schaft gegen die Mensch­heit. So ein­fach kann das sein.

Aber viel­leicht kann man da nichts machen; viel­leicht sind die Men­schen ein­fach so.”

Ich erkun­dig­te mich dar­auf­hin, um wel­ches gen­dern­de Unter­neh­men es sich han­de­le, und bekam zur Antwort:

„Da wir in Zei­ten leben, in denen alles und jedes poli­ti­siert wird, sogar die Wahl des Auto­fa­bri­kats, las­sen Sie mich soviel sagen, dass es sich um ein Unter­neh­men han­delt, das sich zu 100% im Staats­be­sitz befin­det, mit Trans­port und Infra­struk­tur zu tun hat, und des­sen Kun­de Sie zuwei­len sind, wie man gele­gent­lich Ihren Berich­ten ent­neh­men kann. Aller­dings bin ich nicht sicher, ob die Anwei­sung von ganz oben kam, oder nur von der Lei­tung der Geschäfts­ein­heit, wobei ich ver­mu­te, dass mit sehr gro­ßer Wahr­schein­lich­keit letz­te­res der Fall ist. Viel­leicht ist ‚Anwei­sung’ auch zuviel gesagt, mög­li­cher­wei­se ist es auch eine freund­li­che Emp­feh­lung. Mir ist bis­her kei­ne Rechts­vor­schrift bekannt, die fal­sche Recht­schrei­bung unter Stra­fe stellt. Einst­wei­len bin ich als Gastende*innenarbeitend*innenkindende*innen dann eben zu doof dafür, Deutsch rich­tig zu schreiben.

PS. Viel­leicht darf ich Sie mit einem län­ge­ren Post­skrip­tum wenn schon nicht erhei­tern, dann wenigs­tens hof­fent­lich nicht lang­wei­len. Mei­ne Frau, stark, selb­stän­dig, Che­fin, mehr Geld ver­die­nend als ich (und hier ist der Par­ti­zip Prä­sens und die Getrennt­schrei­bung sogar gram­ma­ti­ka­lisch kor­rekt), sieht das ganz ähn­lich wie ich, und stritt sich kürz­lich mit mei­ner Cou­si­ne, stark, selb­stän­dig, und wahr­schein­lich eben­falls mehr Geld ver­die­nend als ich, über die Frau­en­quo­te. Mei­ne Cou­si­ne sag­te, dass sie nur noch Män­ner ein­stel­le, weil sie mit Frau­en nur Ärger gehabt habe, wäh­rend sie mit den Män­nern vor­züg­lich arbei­ten kön­ne. Den­noch sei sie für eine Frau­en­quo­te, weil sich ‚die Kon­zer­ne’ das leis­ten könn­ten, und auch für das Dschen­der­stern­chen, weil es die Gleich­stel­lung bewirke.
Mir selbst wür­den ver­mut­lich meh­re­re Hirn­schlag­adern gleich­zei­tig explo­die­ren, wür­de ich ver­su­chen, der­ar­tig diver­gen­te Ansich­ten gleich­zei­tig zu pfle­gen. Soll man es bewun­dern, dass es Men­schen gibt, die das kön­nen? Wie z.B. Madame ‚Quo­ten­frau aus eige­ner Leistung’?
Zur Ehren­ret­tung mei­ner Cou­si­ne, die ich sehr schät­ze, und die ich für sehr tüch­tig und fähig hal­te, sei ange­merkt, dass sie ein wenig zurück­ru­der­te, als ich das Iran-Bei­spiel brach­te. Da mei­ne Cou­si­ne noch Tür­kisch kann, das eben­falls nur einen Genus kennt, wuss­te sie ganz genau, was ich mein­te, und kam ange­sichts der Stei­ni­gungs- und Bau­kran­vor­wür­fe gegen die gen­der­neu­tral spre­chen­den Ira­ner ziem­lich ins Schlin­gern. Man kann also prin­zi­pi­ell noch zur Ver­nunft durchdringen.”

PS: „Statt ‚dschen­der­ge­rech­te Spra­che’ bevor­zu­ge ich die Schrei­bung ’schän­der­ge­rech­te Sprache’.”
(Leser ***)

***

In sei­nem Buch „Reli­gi­on und kul­tu­rel­les Gedächt­nis” (Mün­chen 2007, S. 207ff.) beschäf­tigt sich Jan Ass­mann mit dem „pro­gram­ma­ti­schen Syn­kre­tis­mus”, der in Tho­mas Manns Josephs­ro­man als Mör­tel dient, mit wel­chem der Dich­ter hebräi­sche, meso­po­ta­mi­sche, baby­lo­ni­sche, grie­chi­sche und ägyp­ti­sche Bau­stei­ne zu einem „Mythos von der Ein­heit des Men­schen­geis­tes” ver­leimt. In Manns Wor­ten ent­spricht die­ser Syn­kre­tis­mus dem „Gesamt­cha­rak­ter eines Wer­kes, das vie­les zu ver­ei­ni­gen sucht, weil es das Mensch­li­che als eine Ein­heit emp­fin­det”. Dahin­ter steckt die gute, in die­sem Fal­le anti­fa­schis­ti­sche – oder bes­ser: anti­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche – Absicht: In sei­ner vor allem wäh­rend der NS-Jah­re geschrie­be­nen Tetra­lo­gie pos­tu­lier­te Tho­mas Mann einen inte­grie­ren­den Gegen­my­thos zum Mythos völ­ki­scher Exklu­si­vi­tät und ras­si­scher Rein­heit. Doch wie aus­nahms­los immer ver­dirbt die poli­ti­sche Bot­schaft die Kunst (wenn auch in die­sem groß­ar­ti­gen Werk kaum merk­lich). „Die gute Absicht”, notiert Ass­mann, ver­bin­de sich „mit Blind­heit für die Anders­ar­tig­keit des Ande­ren und die Fremd­heit des Frem­den, den man ja nicht gleich zu bekämp­fen braucht, son­dern ein­fach nur gel­ten las­sen und respek­tie­ren kann, im Sin­ne jenes ‚huma­nisme de l’áutre hom­me‘, den E. Lévinas lehrt. Fremd­heits­er­fah­rung muß nicht not­wen­di­ger­wei­se mit Haß und Ableh­nung ein­her­ge­hen. Man kann ler­nen, das Frem­de auch in der Abgren­zung zu achten.”

Man kön­ne sich also, fährt der Ägyp­to­lo­ge fort, die Begeg­nung Josephs mit Ägyp­ten als „haß­freie Fremd­heits­er­fah­rung” vor­stel­len. Aber Tho­mas Mann über­nahm das ägyp­ten­un­freund­li­che Bild des Alten Tes­ta­ments; sein Joseph durch­schaut das Pha­rao­nen­land sofort und ver­wahrt sich in sei­nem tiefs­ten Inne­ren gegen ein Ägyp­ten, das für ihn Sünd­haf­tig­keit, Toten­kult, skur­ri­le Gott­hei­ten aus halb Tier, halb Mensch und ein abson­der­li­ches Gemisch von geis­tig-theo­lo­gi­scher Infan­ti­li­tät und zivi­li­sa­to­ri­schem Grei­sen­tum dar­stellt. Wobei hier ange­merkt sei, dass sich im vor allem in der Torah gezeich­ne­te Nega­tiv­bild des süd­west­li­chen Nach­barn Bewun­de­rung und Res­sen­ti­ment ver­mi­schen; die theo­lo­gi­sche Abset­zung von Ägyp­ten geschah nicht, weil das Pha­rao­nen­reich so absto­ßend, son­dern so anzie­hend war.

„Der Mythos von der Ein­heit des Men­schen­geis­tes”, fol­gert Ass­mann, „hat Tho­mas Mann dar­an gehin­dert, der geis­ti­gen Welt Ägyp­tens in ihrer Fremd­heit ansich­tig zu werden.”

***

Wernn es einen letz­ten Mohi­ka­ner gab, gibt es irgend­wann auch einen letz­ten Jour­na­lis­ten. Ich tip­pe auf Alex­an­der Wendt.

Bildschirmfoto 2020 12 19 um 12.43.09

***

Leser *** hat „geg­uh­gelt: Iran, Jour­na­list, gehängt. Ich erhielt SZ, Stern, Zeit online,  aber nicht Welt und FAZ. Ich erwei­ter­te die Suche mit ‚Stein­mei­er’. Da kam gar nichts, Stein­mei­er war durch­ge­stri­chen. Vor allem kei­ne Pro­tes­te der Grü­nen, POC und black lives mat­ter. Da bekam doch ein ver­mut­li­cher Täter kei­ne Luft und starb. Der Jour­na­list bekam am Gal­gen auch kei­ne Luft. Aber Stein­mei­er will den Faden* nicht abrei­ßen las­sen. Meint er damit den Galgenstrick?

*Laut einer Erklä­rung des Bun­des­prä­si­di­al­amts hat Stein­mei­er in einem Tele­fo­nat betont, dass man ‚den Gesprächs­fa­den nach Tehe­ran erhal­ten’ müsse.”

Regie­rungs­kri­ti­ker mag Stein­mei­er halt nicht besonders.

 

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

Lockdown-Werbeblock

Nächster Beitrag

Treiber der Pandemie

Ebenfalls lesenswert

26. August 2018

Nach einer dem übli­chen Mus­ter fol­gen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit fina­lem Mes­ser­ein­satz und einem toten sowie zwei schwer­ver­letz­ten Ein­hei­mi­schen –…

8. Juli 2018

In Ber­lin, wo schon Gus­taf Gründ­gens mit Her­mann Göring poli­tisch geflir­tet und Her­mann Kant mit Kurt Hager Bru­der­küs­se…

28. April 2019

Die Sonn­ta­ge …– dies­mal den Abschweifungen! Nach vie­len Jah­ren – es waren derer sage und stau­ne 28 –…

22. Juli 2020

Im Gespräch erin­nert Gün­ter Masch­ke an einen nahe­zu ver­ges­se­nen Vor­fall, der ein­mal mehr bezeugt, was für ein Wicht…