23. Dezember 2020

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(Netz­fund)

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Gott weiß alles und sieht alles, heißt es in den hei­li­gen Tex­ten der Mono­the­is­ten. Er weiß nicht nur, was in den Köp­fen aller Men­schen vor sich geht (wofür ihm mein auf­rich­ti­ges Bedau­ern gilt), son­dern er sieht auch, was in den Schlaf­ge­mä­chern oder ‑stu­ben, in Hotel­zim­mern, hin­ter abge­schlos­se­nen Büro­tü­ren (wenn auch immer sel­te­ner), auf den Auto­rück­sit­zen und an ähn­li­chen inti­men Orten pas­siert. Er ist in den pri­va­tes­ten Kon­stel­la­tio­nen anwe­send. Dar­in besteht eine sei­ner Haupteigenschaften.

Inzwi­schen erwächst dem HErrn aller­dings Kon­kur­renz. Wer ist noch so gut wie all­se­hend und von Tag zu Tag all­wis­sen­der? Big Data ist Gott 2.0, und Ale­xa sei­ne momen­ta­ne Prophetin.

Had­mut Danisch schreibt, er haben anno 2016 bei einer Podi­ums­dis­kus­si­on dem dama­li­gen Jus­tiz­mi­nis­ter H. Maas eine Fra­ge aus dem Publi­kum gestellt, näm­lich: „Wir hät­ten doch vor­hin bei der Ein­lei­tung das Ama­zon-Ale­xa-Teil gese­hen, das da rum­steht und auf Befeh­le hört. Kon­se­quen­ter­wei­se müss­te er doch nach Face­book auch auf Ama­zon Druck aus­üben, damit die Din­ger Hate Speech und häus­li­che Gewalt erken­nen und sofort an die Poli­zei mel­den. Wann er das machen würde.” 

Maas habe abge­wie­gelt, auf die Rechts­la­ge und die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­wie­sen; „eigent­lich hat man ihm ange­merkt, dass er sich um die Fra­ge her­um­zu­zir­keln ver­such­te”. Ein Jour­na­list auf dem Podi­um habe sich ein­ge­schal­tet und erklärt, das gin­ge ja sowie­so nicht, weil Ale­xa nur höre, wenn man vor­her „Ale­xa” sage, man müss­te also jedes­mal „Ale­xa!” rufen, bevor man sei­ne Frau schlägt. „Dar­über, wie Ale­xa aber ‚Ale­xa!’ erken­nen kön­nen soll, wenn sie doch angeb­lich erst danach zuhört, hat er nicht nachgedacht.”

Danisch erin­nert sich an die­ses Gespräch, weil Ale­xa jetzt erst­mals in Deutsch­land bei der Über­füh­rung eines Straf­tä­ters gehol­fen hat, der sei­ne Freun­din wäh­rend des oder nach dem Bei­schlaf erwürg­te, und sofern die arme Frau nicht Ale­xa hieß, scheint das Argu­ment hin­fäl­lig zu sein.

Kurz­um: Ein klei­ner Schritt für Ale­xa, aber ein gro­ßer für Big Data.

Wie auch die­se Ankün­di­gung (Zeit online vom 19. Dezember):

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Dazu passt irgend­wie die­se Meldung:

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Es geht hier zwar einst­wei­len nur um „die Mög­lich­keit, die Daten aus Ihrer Browsing‑, Such- und Kauf­his­to­rie zu ver­wen­den, um einen genaue­ren Mecha­nis­mus zur Bestim­mung der Boni­tät einer Per­son oder eines Unter­neh­mens zu erstel­len”, aber das lässt sich mit etwas gutem Wil­len doch bei­spiels­wei­se auf auf den Besuch ver­schwö­rungs­theo­re­ti­scher und het­ze­ri­scher Web­sei­ten, den Erwerb frag­wür­di­ger Pro­duk­te, zum Bei­spiel schlim­mer Bücher, auf Kun­den oder Fol­lower aus Rechts­par­tei­en etc. pp. aus­deh­nen; schließ­lich ist Boni­tät bzw. Kre­dit­wür­dig­keit auch eine mora­li­sche Kategorie.

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Der ein­schlä­gi­ge Unbe­lehr­ba­re Huber­tus Kna­be stellt in einem Gast­bei­trag für die Neue Zür­cher Zei­tung kru­de rech­te The­sen auf:

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Beson­ders exem­pla­risch scheint mir das hier (wobei nicht ein­mal die SED-Vög­te die Geschmack­lo­sig­keit besa­ßen, die Fas­sa­de von Schin­kels Altem Muse­um für ihre Pro­pa­gan­da zu missbrauchen):

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Sie sind gegen „Het­ze”. Wer hät­te das gedacht?

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Apro­pos: Es darf ruhig gelacht wer­den, wenn die Staats­rats­vor­sit­zen­de einen Witz macht.

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Die schö­ne Gewiss­heit besteht dar­in, dass eine umge­kehr­te Ver­si­on der Schlag­zei­le nicht mög­lich ist. Bit­te ach­ten Sie im Fol­gen­den auf die Viel­falt u.a. der Schrifttypen:

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Ein Bekann­ter, der Pia­nist Ste­fan Mickisch, sorgt auch für etwas, näm­lich für:

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Was mag er Ent­setz­li­ches gepos­tet haben?

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Das wirk­lich Irri­tie­ren­de ist, dass die­se Saue­rei ein geschla­ge­nes hal­bes Jahr unge­mel­det blieb. Jetzt erst ver­laut­bart, dass „sich selbst lang­jäh­ri­ge Anhän­ger von ihm distan­ziert” haben. Zum Bei­spiel Sven Fried­rich, der Direk­tor des Richard-Wag­ner-Muse­ums in Bay­reuth, der dem klim­pern­den Cov­idio­ten stracks Haus­ver­bot erteil­te, und zwar mit den Wor­ten: „Der zitier­te Ver­gleich ist nun nicht ein­mal mehr geschmack­los, son­dern wider­wär­tig! Indem Sie die Wor­te Hans Schol­ls im gegen­wär­ti­gen Zusam­men­hang der Coro­na-Pan­de­mie zu Ihren eige­nen machen, schän­den Sie nicht nur das Andenken eines der weni­gen Zeit­ge­nos­sen im 20. Jahr­hun­dert, auf die wir stolz sein kön­nen, son­dern miss­brau­chen ihn auch noch als ver­meint­li­chen Zeu­gen für den geis­ti­gen Abschaum der Gegen­wart, mit dem Sie sich so gemein machen und in eine Rei­he stel­len. Und Sie stel­len damit unse­re Regie­rung auf eine Stu­fe mit dem NS-Regime.”

Eine sol­che „Gleich­schal­tung” (so der zu Bay­reuth erschei­nen­de Kurier asso­zia­ti­ons­mäch­tig) sei unzu­läs­sig und „in Fried­richs Augen auch strafbar”.

Mickischs Gleich­nis ist eine Ese­lei, womög­lich die Über­re­ak­ti­on eines unschul­dig daheim Ein- und von sei­nem Publi­kum Weg­ge­sperr­ten mit Lock­down­syn­drom, dem wür­de ein nicht anstän­dig, aber nor­mal Geblie­be­ner sagen: Hören Sie mal, dre­hen Sie gera­de durch, kom­men Sie mal run­ter, klar über­trei­ben die maß­los mit ihren Maß­nah­men und ver­su­chen, die Grip­pe für ihre Macht­phan­ta­sien und Gre­at reset-Plä­ne zu instru­men­ta­li­sie­ren, aber mit sol­chen Par­al­lel­zie­hun­gen machen Sie die Sache auch nicht bes­ser, son­dern lie­fern denen sogar noch Argu­men­te, um ihre Kri­ti­ker für unzu­rech­nungs­fä­hig zu erklären. 

Was aber die­ser knall- und quietsch­deut­sche Kul­tur­funk­tio­när zele­briert, ist ein­mal mehr die Nazi-Men­ta­li­tät auf Nazi­su­che. Allein die lieb­li­che Wort­wahl – „wider­wär­tig”, „schän­den”, „Abschaum” – offen­bart den auto­ri­tä­ren Cha­rak­ter und mili­tan­ten Mit­läu­fer. Das Unver­gleich­bar­keits­ta­bu ist ver­letzt wor­den! Das ist straf­bar! Am bes­ten weg­sper­ren, das Schwein! Das sind letzt­lich die­sel­ben Figu­ren, die bei jeder Gele­gen­heit Nazi­ver­glei­che her­vor­wuch­ten und denen kein „Rech­ter” nahe genug bei Goe­b­bels hau­sen kann. Sie wür­den gern stei­ni­gen, kön­nen aber kein Blut mehr sehen. Also: Distan­zie­ren, Tisch­tuch zer­schnei­den, Haus­ver­bot, Freund­schafts­kün­di­gung, Werk­aus­ga­ben­rück­erstat­tung (am bes­ten geschred­dert), ritu­el­le öffent­li­che Hän­de­wa­schung, Löschen des Mail­ver­kehrs, Sper­ren des Hän­di­kon­takts. In einer Minu­te wer­den Jahr­zehn­te ver­ges­sen und aus­ge­löscht. Es reicht! Das war’s! Eigent­lich hat­te man‘s ja schon lan­ge geahnt, der Kerl hat­te doch vor drei Jah­ren schon mal etwas gesagt, aber man war nicht wach­sam genug. Eine sol­che Bekannt­schaft (oder Freund­schaft) ist unver­zeih­lich und muss rück­gän­gig gemacht wer­den.

Was für stu­pi­de, auto­ri­tä­re, klem­mär­schi­ge, zelo­ti­sche Figu­ren. Gott, wie ich die­ses Land liebe.

PS: Hans Scholl, schreibt unser Abschaum­be­kämp­fer in gerech­ter anti­fa­schis­ti­scher Empö­rung, sei „einer der weni­gen im 20. Jahr­hun­dert”, auf die „wir stolz sein kön­nen”. Pech für Richard Strauss, Tho­mas Mann oder 32 „har­te” Nobel­preis­trä­ger vor 1933. 

PPS: Man soll natür­lich die Kon­takt­schuld­angst als Motiv einer sol­chen orgi­as­ti­schen Distan­zie­rung nicht ganz außer Acht lassen.

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Da nicht nur die­ser Kon­takt­ab­bruch, son­dern das gesam­te dies­jäh­ri­ge Weih­nachts­fest im Zei­chen von Coro­na ste­hen, noch ein paar Tata­ren­mel­dun­gen am Vorabend.

Ein Seu­chen­fach­mann fragt via n‑tv, wer eigent­lich und auf­grund wel­cher Argu­men­te den Inzi­denz­wert 50 fest­ge­legt bzw. aus dem Nichts geschöpft hat; am Sinai ist er jeden­falls nicht ver­kün­digt worden:

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Zudem gerät der mRNA-Impf­stoff unter Feuer: 

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Es han­delt sich um Pro­fes­sor Eric Cau­mes, Lei­ter der Abtei­lung für Infek­ti­ons- und Tro­pen­krank­hei­ten des Pari­ser Kran­ken­hau­ses de la Pitié-Sal­pê­triè­re. Noch nie habe er eine so hohe Häu­fig­keit von uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen bei einem Impf­stoff gese­hen, sag­te er nach der Durch­sicht des Berichts der Ame­ri­can Food and Drug Admi­nis­tra­ti­on (FDA) über den Pfi­zer-Impf­stoff gegen­über der größ­ten Pari­ser Tages­zei­tung, Le Pari­si­en. Beson­ders jun­ge Men­schen sei­en betroffen.

Cau­mes, der als Impf-Befür­wor­ter gilt, hält den Pfi­zer-Impf­stoff für nicht sicher und rät ins­be­son­de­re jun­gen Men­schen davon ab, sich damit imp­fen zu las­sen. Von den Her­stel­lern for­dert er Bele­ge für die Zuver­läs­sig­keit der mRNA-Imp­fun­gen. Die wis­sen­schaft­li­che Daten­la­ge sei viel zu schlecht. Die Covid-19-Vak­zi­ne könn­te mit ihren Neben­wir­kun­gen Imp­fun­gen gene­rell in Miss­kre­dit ziehen.

Ähn­lich äußer­te sich der Toxi­ko­lo­ge und Phar­ma­ko­lo­ge Prof. Ste­fan Hockertz, Geschäfts­füh­rer der in Frei­burg ansäs­si­gen Bera­ter­fir­ma tpi con­sult, zuvor Mit­glied im Ham­bur­ger Direk­to­ri­um des Fraun­ho­fer-Insti­tus für Toxi­ko­lo­gie. Er rech­ne mit bis zu fünf Pro­zent Impf­ge­schä­dig­ten, sag­te Hockerts im Inter­view der Jun­gen Frei­heit (Druck­aus­ga­be). Die Toxi­ko­lo­gie sei kein Glücks­spiel und die Metho­de noch längst nicht seri­ös erforscht. Genau des­halb sei bis heu­te kein ein­zi­ger mRNA-Impf­stoff zuge­las­sen worden.

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Nie­mand stellt die Ver­lo­gen­heit in Poli­tik und Medi­en lako­ni­scher bloß als Argo Nerd. Den stern-Weih­nachts­ti­tel mag man­cher für per­fi­de hal­ten, ich fin­de, er bringt – wahr­schein­lich nolens volens – den herr­schen­den Wun­der­glau­ben iro­nisch auf den Punkt. Bei dem geschil­der­ten Gesche­hen han­delt es sich schließ­lich um den Grün­dungs­my­thos einer Welt­re­li­gi­on. Hier wird der Grund­stein gelegt für die Hei­lung der Elen­den – das Kind wird spä­ter in der Berg­pre­digt prak­tisch sein gesam­tes Publi­kum krank­schrei­ben –, aber auch für künf­ti­ge Glau­bens­krie­ge und Inquisitoren… 

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