28. Dezember 2020

Es gibt Sät­ze, die den Kauf gan­zer Werk­aus­ga­ben recht­fer­ti­gen, etwa:
„Ich ver­ste­he den Kuss für einen Lepra­kran­ken, aber nicht den Hän­de­druck mit einem Kretin.”
Dino Segre ali­as Pitigrilli

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Wer bis­lang wähn­te, der angeb­lich geschleuchts­neu­tra­le Mum­pitz­ter­mi­nus „Stu­die­ren­de”, dem inzwi­schen die „Leh­ren­den”, „For­schen­den”, „Rad­fah­ren­den”, „zu Fuß Gehen­den” etc. ad nau­seam pp. in orwel­les­ker Bizar­re­rie hin­ter­her­he­cheln, sei eine seman­ti­sche Inno­va­ti­on aus dem bes­ten Deutsch­land, das es je gab, ver­tritt bezüg­lich jenes Best­deutsch­lands womög­lich eine Minderheitenposition:

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Kon­stanz herrscht in punc­to Her­den­pflicht. Heil Bestland!
(Ich dan­ke Lese­rin *** für das Fundstück.)

PS: Abra­ham Esau – was für ein skur­ri­ler Name für einen Nazi! Der jüdi­sche Stamm­va­ter und der von Jaa­kob um den väter­li­chen Segen betro­ge­ne zwei­te Isaaks­sohn* – lehr­te seit 1925 an der Uni­ver­si­tät Jena Phy­sik. Der Titel sei­ner Antritts­vor­le­sung lau­te­te „Die Ener­gie­vor­rä­te der Erde und ihre tech­ni­sche Aus­nut­zung”. Esau erwarb sich Ver­diens­te beim Ein­satz von Kurz- und Ultra­kurz­wel­len in der Medi­zin. Von 1932 bis 1935 sowie von 1937 bis 1939 war er Rek­tor der Uni­ver­si­tät Jena. Er gehör­te bei­na­he zu den „März­ge­fal­le­nen” und trat im Mai 1933 in die NSDAP ein. Max Laue zufol­ge war Esau der „Haupt-Reprä­sen­tant des Natio­nal­so­zia­lis­mus unter den deut­schen Physikern”.

* Esau, schreibt Freund ***, „hat­te hethi­ti­sche (d.h. indo­ger­ma­ni­sche, womög­lich hes­si­sche Frau­en) und gilt als Stamm­va­ter der Ama­le­ki­ter, der ärgs­ten Fein­de der Juden, die in der Schrift man­nig­fach ver­flucht und mit end­gül­ti­ger Aus­lö­schung bedroht wer­den. Inso­fern also: passt scho‘.”

PPS: Leser *** weist dar­auf hin, dass auch Dr. Joseph (Yuss­uf) Goe­b­bels Sport­pa­last­re­de mit der poli­tisch kor­rek­ten Anre­de „Mei­ne deut­schen Volks­ge­nos­sen und Volks­ge­nos­sin­nen” anhub.

PPPS: Leser *** sen­det mir eine Publi­ka­ti­on der Stif­tung Deut­sche Spra­che über „Die deut­sche Spra­che und ihre Geschlech­ter”, wo es auf Sei­te 54 zur Gene­sis der „Stu­die­ren­den” heißt:
„Im Deut­schen Wör­ter­buch der Brü­der Grimm fin­det sich fol­gen­de Erläu­te­rung: ‚gegen­über stu­dent bleibt stu­die­ren­der mehr im intel­lec­tu­el­len bereich, und in der anwen­dung auf enge­re Krei­se beschränkt, doch gilt es häu­fig als das ‚edle­re‘ wort, weil jenes ‚durch den häu­fi­gen gebrauch etwas all­täg­li­ches bekom­men‘ habe. heu­te setzt es sich als beque­mes com­mu­ne in der amts­spra­che zur gat­tungs­be­zeich­nung durch: an die stu­die­ren­den der uni­ver­si­tät Bres­lau statt an die stu­den­ten und stu­den­tin­nen.’ Die Auf­fas­sung, Stu­die­ren­der sei das ‚edle­re’ Wort, ist inzwi­schen gegen­stands­los. Die Mit­tei­lung aber, dass Stu­die­ren­de als ‚com­mu­ne’, also als genus­lo­ser Plu­ral, der bei­de Sexus umfasst, erst ‚heu­te’ (1942) als amts­sprach­li­che ‚Gat­tungs­be­zeich­nung’ auf­tre­te, ist bemer­kens­wert. Die ‚Gat­tung’ der Stu­die­ren­den besteht dem­nach aus Stu­den­ten und Stu­den­tin­nen. Offen­bar wur­de in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus der Begriff Stu­die­ren­de erst­mals in der Absicht ver­wen­det, bei­de Sexus zu bezeich­nen (Her­vor­he­bung von mir – M.K.).”

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Seit ca. 87 Jah­ren eine der vor­nehms­ten Auf­ga­ben deut­scher Poli­ti­ker: dunk­le Gestal­ten in ihre Löcher zurücktreiben!

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Über Weih­nach­ten las ich nichts Erbau­li­ches, son­dern Gun­nar Hein­sohns so nie­der­schmet­tern­des wie augen­öff­nen­des Buch „Wett­kampf um die Klu­gen”. Das 200-Sei­ten-Bänd­chen ist mein Buch des Jah­res; es scheint mir die wich­tigs­te deutsch­spra­chi­ge Ana­ly­se des­sen, was uns bevor­steht, seit Rolf Peter Sie­fer­les „Epo­chen­wech­sel” zu sein. Sein Gegen­stand ist die Ver­tei­lung der kogni­ti­ven Fähig­kei­ten unter den kon­stru­ier­ten Völ­kern und nicht exis­tie­ren­den Ras­sen mit­samt dem dar­aus resul­tie­ren­den titel­ge­ben­den Wett­be­werb um die Bes­ten. Es han­delt sich also aus einer gewis­sen Per­spek­ti­ve um ein ras­sis­ti­sches Buch. Die­se gewis­se Per­spek­ti­ve nennt sich die anti­ras­sis­ti­sche, und ihre Kom­bat­tan­ten haben bereits mit der Vor­ne­ver­tei­di­gung gegen jene Befun­de begon­nen, die Hein­sohn lako­nisch ana­ly­siert, denn bekannt sind sie schon län­ger – sie wur­den nur dem Publi­kum noch nie so unge­rührt um die Ohren gehau­en; Hein­sohn, 77, Öko­nom und Sozio­lo­ge, ist Eme­ri­tus und Exi­lant, er kann sich das leisten.

Man darf in der west­li­chen Öffent­lich­keit bekannt­lich nicht und auch nicht posi­tiv dis­kri­mi­nie­ren (= unter­schei­den), etwa mit der Fest­stel­lung: „Ost­asia­ten sind flei­ßig und intel­li­gent”, denn das gilt eben­falls als eine „ras­sis­ti­sche Zuschrei­bung” (obwohl Ost­asia­ten, wenn­gleich nicht alle, kolos­sal flei­ßig und auf­fal­lend intel­li­gent sind), schließ­lich wer­den sämt­li­che Men­schen und Men­schen­grup­pen gleich befä­higt gebo­ren, nur die unge­rech­ten sozia­len Ver­hält­nis­se ver­zer­ren die­se Tat­sa­che, wes­halb sol­che Unter­schie­de besei­tigt wer­den müs­sen. So lau­tet das zen­tra­le Glau­bens­be­kennt­nis inner­halb der west­li­chen Welt, ohne des­sen regel­mä­ßi­ge öffent­li­che Bekun­dung eine poli­ti­sche, uni­ver­si­tä­re, kul­tur­be­trieb­li­che, media­le oder wirt­schaft­li­che Kar­rie­re kaum mehr mög­lich ist. Zuneh­mend gera­ten auch die Natur­wis­sen­schaf­ten in den Mal­strom des Bekennt­nis­zwangs. Das ers­te und bei nähe­rer Betrach­tung ein­zi­ge Gebot die­ser in sadis­ti­scher Mensch­heits­lie­be ver­ein­ten Glau­bens­ge­mein­schaft lau­tet: Du sollst nicht unterscheiden!

Frei­lich, da es in Glau­bens­din­gen ohne Manichäis­mus nicht funk­tio­niert, machen die­se (über­wie­gend wei­ßen) Edlen bei wei­ßen Teu­feln denn doch einen Unter­schied. Als ein wis­sen­schaft­lich ver­bräm­tes Werk­zeug des wei­ßen Ras­sis­mus gilt unse­ren (viel zu sel­ten sel­ber getes­te­ten) ega­li­tä­ren Mis­sio­na­ren der IQ-Test, den übri­gens ein deut­scher Jude erfun­den hat. Der lin­ke Sozio­lo­ge Pierre Bour­dieu ver­damm­te anno 1978 die gesam­te Intel­li­genz­for­schung als ras­sis­tisch, weil die „herr­schen­de Klas­se” das IQ-„Konzept” ledig­lich zur Recht­fer­ti­gung ihrer Pri­vi­le­gi­en miss­brau­che. Vier Jahr spä­ter ver­öf­fent­lich­te Richard Lynn in der Zeit­schrift Natu­re den Auf­satz „IQ in Japan and the United Sta­tes shows a gro­wing dis­pa­ri­ty”. Der Durch­schnitts-IQ der Japa­ner lie­ge bei 105, fünf Punk­te höher als bei Bri­ten und Ame­ri­ka­nern, ver­kün­de­te der Intel­li­genz­for­scher einer stau­nen­den Com­mu­ni­ty. Das heißt, das von wei­ßen Ras­sis­ten aus­ge­klü­gel­te Instru­ment zum Nach­weis ihrer kogni­ti­ven Über­le­gen­heit maß tat­säch­lich – und tut es seit­her mit kon­stan­ter Zuver­läs­sig­keit – die Über­le­gen­heit der „Gel­ben” (wobei „gelb” hier syn­onym für ostasia­tisch steht; es lebe die Differenz!).

An die­ser Stel­le trennt sich schon der ras­sis­ti­sche Spreu vom ras­sis­ti­schen Wei­zen. Zu Letz­te­rem darf sich näm­lich nur zäh­len, wer Ungleich­hei­ten zum eige­nen Nach­teil freu­dig akzep­tiert, weil er die Unter­schie­de als sol­che hei­ligt. „Ras­sis­mus äußert sich fast immer dar­in, frem­de Kom­pe­tenz zu bestrei­ten und eige­ne zu über­hö­hen”, notiert Hein­sohn. „Eine anti­ras­sis­ti­sche Poli­tik kann sich nur ehr­lich machen, wenn sie Über­le­gen­heit aner­kennt.” Na dann fan­gen wir mal damit an.

Die Über­le­gen­heit der Ost­asia­ten bei Kogni­ti­ons­er­he­bun­gen ist schon län­ger bekannt, vor allem durch Tests von ame­ri­ka­ni­schen Col­le­ge-Absol­ven­ten und Stu­den­ten (inner­halb der ers­ten Stan­dard­ab­wei­chung gern auch „Stu­die­ren­de” genannt, s.o.). Da in den USA die unter ande­rem von Gott ver­schie­den kon­stru­ier­ten Ras­sen in den Bil­dungs­stät­ten öfter und seit län­ge­rer Zeit als anders­wo in der west­li­chen Welt auf­ein­an­der­tref­fen, lie­ßen sich die unter­schied­li­chen Resul­ta­te ihrer Lern­be­mü­hun­gen schlecht über­se­hen, und die Intel­li­genz­tests erga­ben mit so ver­blüf­fen­der wie für wohl­mei­ne Päd­ago­gen depri­mie­ren­der Regel­mä­ßig­keit eine Bega­bungs-Rang­ord­nung, die sich weder mit finan­zi­el­ler noch päd­ago­gi­scher För­de­rung beson­ders beein­flus­sen ließ: vorn Asia­ten, in der Mit­te Wei­ße, dahin­ter His­pa­nics und Schwar­ze. Der deut­sche Bil­dungs­for­scher Hei­ner Rin­der­mann bestä­tig­te den Befund in sei­ner Stu­die „Cogni­ti­ve Capi­ta­lism”: Die 2018er Ergeb­nis­se der inner­ame­ri­ka­ni­schen Tests für den Zugang zur Uni­ver­si­tät erga­ben bei der Cogni­ti­ve Abi­li­ty (CA) im Fach Mathe­ma­tik: „Asi­ans” 635 Punk­te, „Whites” 557, „His­pa­nics” 489.

Vom japa­ni­schen Wirt­schafts­wun­der in den 1960ern und frü­hen 1970ern abge­se­hen, als Nip­pon dem Wes­ten in ver­schie­de­nen Schlüs­sel­tech­no­lo­gien auf den Pelz rück­te – deut­sche Kame­ra­her­stel­ler kön­nen ein Lamen­to dazu sin­gen –, schie­nen sol­che Resul­ta­te für den indus­tri­ell domi­nie­ren­den Wes­ten igno­rier­bar zu sein, bis Chi­na in den 1990ern erwach­te und Napo­le­ons Pro­gno­se ein­lös­te, die­ses Erwa­chen wer­de die Erde erzit­tern las­sen. Anfangs als Bil­lig­pro­duk­ti­ons­land von aller­lei Plas­tik­schrott und Weg­werft­ex­ti­li­en belä­chelt und als Tech­no­lo­gie­räu­ber­na­ti­on bearg­wöhnt, hat das Reich der Mit­te inzwi­schen auf vie­len Gebie­ten den Wes­ten ein­ge­holt oder die Füh­rung über­nom­men, wäh­rend die Ein­stel­lung der einst welt­größ­ten Elek­tronik­mes­se CEBIT anno 2018 den Nie­der­gang der deut­schen High­tech-Indus­trie gewis­ser­ma­ßen offi­zi­ell beglau­bigt hat.

Hein­sohn zählt eini­ge ein­drucks­vol­le Exem­pel auf: Zwi­schen 2008 und 2018 bau­te Chi­na von den 25 höchs­ten Gebäu­den der Welt 13, zwi­schen 2003 und 2018 von den 25 längs­ten Brü­cken der Welt 15. Von den Schie­nen­ki­lo­me­tern für Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­ge lau­fen 54 Pro­zent durch Chi­na, wo man erst 1997 mit dem Bau begon­nen hat. Das Land hat 234 Zivil­flug­hä­fen, bis 2035 sol­len wei­te­re 216 gebaut wer­den, also pro Jahr ein gutes Dut­zend (statt in einem Dut­zend Jah­ren einer). Zwi­schen 2013 und 2018 stei­ger­te Chi­na sei­nen glo­ba­len Anteil an Uni­corns – jun­ge Fir­men mit min­des­tens einer Mil­li­ar­de US-Dol­lar Bör­sen­preis – von 0 auf 42 Pro­zent. 43 Pro­zent der glo­ba­len Ver­öf­fent­li­chun­gen zur Künst­li­chen Intel­li­genz stamm­ten schon 2017 aus Chi­na. Es gibt etwa 700 chi­ne­si­sche Droh­nen­her­stel­ler; einer davon – JD – beherrscht allein 70 Pro­zent des Welt­mark­tes für zivi­le Model­le. Unter den fünf­zehn Uni­ver­si­tä­ten mit den meis­ten Top­ver­öf­fent­li­chun­gen (obers­tes Pro­zent) in Mathe­ma­tik und Com­pu­ting befin­den sich sie­ben chi­ne­si­sche, sechs ame­ri­ka­ni­sche, zwei aus Sin­ga­pur; die Num­mer 1 ist Tsinghua (Peking). Die Gesamt­leis­tung der Super­com­pu­ter ver­teilt sich so: Chi­na 40 Pro­zent, USA 31, Japan 8. Chi­na ver­füg­te schon 2017 gegen­über den USA um ein Drei­fa­ches an Ein­rich­tun­gen für die Pro­duk­ti­on von Hyper­schall­waf­fen; im Dezem­ber 2019 schock­te es mit dem ers­ten elek­tro­ma­gne­ti­schen Rail­gun; vier neue Nukle­ar­flug­zeug­trä­ger sind geplant. 2018 stamm­ten von 98 in den Welt­raum geschos­se­nen Rake­ten 39 aus China.

Für die Ursa­chen die­ser tech­no­lo­gi­schen Explo­si­on lie­fern west­li­che Exper­ten vie­le Erklä­run­gen – die schie­re Men­schen­zahl, die zen­tra­lis­ti­sche Len­kung der Wirt­schaft, die Mög­lich­keit des rigi­de Durch­re­gie­rens ohne Rück­sich­ten auf Umwelt und Bür­ger, Indus­trie­spio­na­ge größ­ten Stils, Pla­gi­at etc. –, nur eine nicht. Indus­trie­spio­na­ge lohnt sich ja nur, wenn man die Tech­no­lo­gien ers­tens kapiert und zwei­tens die Pro­duk­te im eige­nen Land kon­kur­renz­fä­hig pro­du­zie­ren, also ver­bes­sern kann; des­halb ver­zich­ten die meis­ten Län­der von vorn­her­ein darauf.

Schau­en wir auf die fol­gen­de Tabel­le. Sie steht in Hein­sohns Opus auf Sei­te 109 und zeigt die Zahl der Mathe-Asse in der Alters­ko­hor­te 2005–2009, die ab 2030 ins Berufs­le­ben ein­tritt (errech­net für 2020). Indi­ka­tor ist die Leis­tungs­stu­fe „advan­ced”, gemes­sen in der „Inter­na­tio­nal Mathe­ma­tics and Sci­ence Stu­dy” (TIMSS) von 2015. Die TIMSS ist die wich­tigs­te inter­na­tio­nal ver­glei­chen­de Schul­leis­tungs­un­ter­su­chung, sie wird seit 1995 im vier­jäh­ri­gen Tur­nus von der „Inter­na­tio­nal Asso­cia­ti­on for the Eva­lua­ti­on of Edu­ca­tio­nal Achie­ve­ment” durchgeführt.

Fett­ge­druckt ist die abso­lu­te Zahl mathe­ma­tisch Fort­ge­schrit­te­ner pro Land, die Pro­zent­an­ga­be dahin­ter nennt den Anteil der Getes­te­ten, die es in die Kate­go­rie „advan­ced” schaff­ten (wie man sieht, beher­ber­gen Sin­ga­pur, Hong­kong, Süd­ko­rea, Tai­wan und Japan anteil­mä­ßig noch mehr Mathe­as­se als China):

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Hier wirft sich, nament­lich für skep­ti­sche deut­sche Geisteswissenschaftler*innen, die Fra­ge auf, wie aus­sa­ge­kräf­tig sol­che Zah­len und wie wich­tig mathe­ma­ti­sche Fähig­kei­ten in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels, der Diver­si­tät und der kri­ti­schen Weiß­seins­for­schung – eine kri­ti­sche Gelb­s­eins­for­schung aber bereits zaun­pfahl­win­kend im Blick! – über­haupt noch sind. Chi­na mag ja 24,6 Mil­lio­nen Mathe­as­se besit­zen und Deutsch­land nur 190.000, dafür aber wirft das Land von Gauß, Rie­mann und Ein­stein heu­te 185 Lehr­stüh­le für Gen­der­for­schung (Stand 2018) in die Waag­scha­le (Chi­na wahr­schein­lich null) und ist auch in der geschlechts­mul­ti­plen Seman­tik welt­spit­zen­mä­ßig und Ost­asi­en weit hin­ter sich las­send auf dem Qui­vi­ve:

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Hein­sohns Prä­mis­se lau­tet, dass die von TIMSS gemes­se­nen Fähig­kei­ten – die Cogni­ti­ve abi­li­ty kor­re­lie­re mit dem Wert 0,9 mit mathe­ma­ti­scher Leis­tungs­fä­hig­keit – für Zukunfts­tech­no­lo­gien wie KI und Robo­tik ent­schei­dend sein wer­den. „Künst­li­che Intel­li­genz”, sta­tu­iert er, „erfor­dert erst ein­mal gro­ße Volu­mi­na an leben­di­ger Intel­li­genz.” Als wei­te­ren Indi­ka­tor für kogni­ti­ve und tech­no­lo­gi­sche Leis­tungs­fä­hig­keit nimmt Hein­sohn die Anzahl der PCT-Patent­an­mel­dun­gen, wo der Auf­stieg der Ost­asia­ten eben­falls signi­fi­kant ist (67 Mil­lio­nen Fran­zo­sen etwa mel­den nicht ein­mal halb so vie­le Paten­te an wie 52 Mil­lio­nen Süd­ko­rea­ner). Aber war­um haben sich die kogni­ti­ven Talen­te der Ost­asia­ten nicht eher offen­bart? Weil wirt­schafts­fä­hi­ges Pri­vat­ei­gen­tum in Asi­en noch nicht lan­ge existiert.

„Lie­fern Mathe-Asse plus Patent­dich­te plus Eigen­tums­rech­te die opti­ma­le For­mel für die Vor­aus­sa­ge der Zukunft? Man mag das bezwei­feln und doch Mühe haben, etwas Über­zeu­gen­de­res an ihre Stel­le zu set­zen”, schreibt der „umstrit­te­ne” (Wiki­blö­dia) Eme­ri­tus und wis­sen­schaft­li­che Tau­send­sas­sa (der sich übri­gens unlängst in der Frank­fur­ter DB Lounge neben mir in den Ses­sel fal­len ließ und mit mir zu plau­dern begann, als hät­ten wir uns vor einer Woche zuletzt gese­hen; dabei kann­ten wir uns nur per Mail und tra­fen wir uns dort zum ers­ten Mal). Die Gegen­fra­ge nach zuver­läs­si­ge­ren Kri­te­ri­en blei­be regel­mä­ßig ohne Antwort.

Es ist ja nicht nur Chi­na. Neh­men wir Korea. Nach dem Korea­krieg war das Land kom­plett zer­stört; es hat­te schwe­re­re Bom­ben­an­grif­fe erlit­ten als Deutsch­land im Zwei­ten Welt­krieg, im Nor­den star­ben zwei­ein­halb Mil­lio­nen, im Süden eine Mil­li­on Men­schen. Das Pro-Kopf-Ein­kom­men Süd­ko­reas lag 1957 auf dem Niveau von Gha­na. 2018 war es acht­zehn­mal höher als das gha­nai­sche, obwohl das afri­ka­ni­sche Land weder durch Flä­chen­bom­bar­de­ments noch durch Zwangs­pro­sti­tu­ti­on geschun­den wur­de. Bei der TIMSS-Schü­ler-Olym­pia­de von 2011 in Mathe­ma­tik sieg­te Süd­ko­rea bei den Acht­kläss­lern mit 613 Punk­ten vor Sin­ga­pur (611) und Tai­wan (609); Gha­na kam auf 331. 2018 lie­fer­ten knapp 52 Mil­lio­nen Süd­ko­rea­ner 17.000, 30 Mil­lio­nen Gha­na­er null PCT-Paten­te. Selbst das totalitär-(„steinzeit”-)kommunistische Nord­ko­rea ist, anders als sei­ne ver­blie­be­nen Bru­der­staa­ten Vene­zue­la und Kuba, immer­hin in der Lage, Atom­spreng­köp­fe und Inter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­ten zu bauen.

Japan wie­der­um, die unbe­strit­te­ne glo­ba­le Füh­rungs­na­ti­on beim Ver­grei­sen, zieht pro Jahr­gang immer noch sechs­mal so vie­le mathe­ma­tisch begab­te Kin­der auf wie Deutsch­land und zwölf­mal so vie­le wie Frank­reich. Aktu­ell sit­zen von den zwan­zig patent­stärks­ten Fir­men im Sek­tor KI zwölf in Japan.

Ich könn­te jetzt wei­ter Hein­sohns Bei­spiels zitie­ren, auch für das Abschmie­ren der Euro­pä­er, wobei Ungarn, Polen, die Skan­di­na­vi­er außer Schwe­den und die Schwei­zer immer noch deut­lich bes­ser abschnei­den als die Deut­schen, erst recht als Spa­ni­er, Ita­lie­ner und die kogni­tiv offen­bar kom­plett rui­nier­te Nati­on von Des­car­tes und Pas­cal. Aber das soll sel­ber lesen, wer mag; instruk­tiv ist es jedenfalls.

Bemer­kens­wert erschei­nen mir noch zwei Aspek­te. Es gilt, ers­tens, als aus­ge­macht, dass ein län­ge­rer Schul­aus­fall den IQ der Schü­ler senkt (drei Wochen Strand­ur­laub genü­gen auch); der Lock­down wird es uns leh­ren. Wäh­rend der chi­ne­si­schen „Kul­tur­re­vo­lu­ti­on” wur­den die meis­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen zuge­sperrt, das heißt, von 1966 bis 1972 fand im gesam­ten Land prak­tisch kein Unter­richt mehr statt, Uni­ver­si­täts­pro­fes­so­ren und Leh­rer wur­den ver­folgt, ein­ge­sperrt und in gro­ßer Zahl umge­bracht. „Und doch errei­chen Kin­der von chi­ne­si­schen Fabrik­ar­bei­tern oder Putz­frau­en bei PISA 2012 bes­se­re Prü­fungs­er­geb­nis­se als etwa der Nach­wuchs von Anwäl­ten oder Ärz­ten aus Groß­bri­tan­ni­en, wo die Schu­len immer offen waren” (Hein­sohn).

Bis heu­te, zwei­tens, ver­hin­dert Chi­na, wie Japan des­glei­chen, rigo­ros jede uner­wünsch­te Ein­wan­de­rung. Die euro­päi­sche und nament­lich deut­sche Offen­heit für ori­en­ta­li­sche und afri­ka­ni­sche Migran­ten hält man im Reich der Mit­te für när­risch bzw. rui­nös. Gleich­wohl: „Der Demo­kra­tie­man­gel Chi­nas bleibt ein gewal­ti­ges Han­di­cap die­ser größ­ten aller Kom­pe­tenz­fes­tun­gen: Bei der Abwehr von Leis­tungs­sen­kern ist es unüber­trof­fen. Doch beim Hal­ten eige­ner und beim Anwer­ben frem­der Talen­te erweist es sich bes­ten­falls als zweitklassig.”

Natür­lich hat der aktu­el­le west­eu­ro­päi­sche Intel­li­genz­rück­stand mit lin­ker Bil­dungs­po­li­tik, ega­li­tä­rer Hirn­wä­sche und kri­te­ri­en­los-idio­ti­scher Ein­wan­de­rungs­po­li­tik zu tun, jedoch bei­lei­be nicht allein. Es bleibt ein so depri­mie­ren­der wie mich per­sön­lich zutiefst befrie­di­gen­der Rest uner­klär­li­cher eth­ni­scher Dif­fe­ren­zen. „Selbst der Durch­schnitt der klügs­ten zehn Pro­zent der Kin­der aus Russ­land, Kana­da oder Schwe­den erreicht bei TIMSS 2015 nicht ein­mal den Durch­schnitt aller Kin­der in Sin­ga­pur, Tai­wan oder Japan.” Und soll­te es sich nicht um eine ange­bo­re­ne, son­dern ledig­lich um and­res­sier­te kol­lek­ti­ve Intel­li­genz han­deln (wahr­schein­lich bei­des), dann ist es eben die Men­ta­li­tät, die den Intel­li­genz­vor­sprung erzeugt.

In Deutsch­land kom­men als kogni­ti­ve Abstiegs­ur­sa­chen selbst­re­dend noch die gewal­ti­gen Ver­lus­te an jun­gen Män­nern in zwei Welt­krie­gen, der jüdi­sche Ader­lass sowie der gene­rel­le Dach­scha­den einer eska­pis­ti­schen Stre­ber­na­ti­on in Betracht, die einst den Geist, die Tech­nik, die For­schung und die Wirt­schaft anbe­te­te, spä­ter die hal­be Welt über­rann­te und jetzt die hal­be Welt zu sich ein­lädt, sofern sie unge­bil­det genug ist, und Tech­nik, For­schung, Geist und Öko­no­mie für über­wun­den hält.

Unter Deutsch­lands Jugend, bilan­ziert Hein­sohn, ist zwi­schen 1998 und 2018 das Inter­es­se an Natur­wis­sen­schaf­ten um 31 Pro­zent, an Wirt­schaft um 34 Pro­zent gesun­ken; pro­fun­de Kennt­nis­se dar­über, was das künf­ti­ge Aka­de­mi­ker­p­re­ka­ri­at statt­des­sen stu­diert, set­ze ich beim Eck­la­den­pu­bli­kum vor­aus; kein Wun­der, dass die­se Leu­te heu­te Regen­tän­ze auf­füh­ren, statt Tech­no­lo­gien zu ver­bes­sern. Das poli­ti­sche Per­so­nal lie­fert ein kon­ge­nia­les Abbild des post­ko­gni­ti­ven Grün­deutsch­lands. So erklär­te Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er anno 2018, man wer­de für­der­hin „die bes­ten For­scher der Welt unter Ver­trag neh­men”, um das Jahr­hun­dert der Künst­li­chen Intel­li­genz in die Schran­ken zu for­dern und der deut­schen KI-Ent­wick­lung den bis­lang ver­miss­ten dri­ve zu ver­schaf­fen. „Womög­lich hat man ihn im Dun­keln dar­über gelas­sen, dass gera­de die­se hoch­mo­bi­len und oft­mals ledi­gen Klu­gen in Deutsch­land (neben Bel­gi­en) höher als irgend­wo sonst auf der Welt besteu­ert wer­den”, ver­sucht Hein­sohn den zum Gro­ßen Sprung Anset­zen­den zu erden. „War­um soll­ten sie also dort­hin stre­ben? Man kann die Abga­ben auch kaum sen­ken, weil – in der OECD – bei den Sozi­al­bud­gets für Schwer­be­schul­ba­re Frank­reich bereits auf dem 1. Platz liegt und Deutsch­land sich bereits auf den 5. vor­ge­kämpft hat. Das ver­ste­hen die so drin­gend gesuch­ten Kön­ner zuerst. Für sie gibt es über­all bes­se­re Ange­bo­te als ‚opfe­re dich für Rent­ner und Flücht­lin­ge, aber ende sel­ber arm im Alter’.” Übri­gens: Die bei­den euro­päi­schen Spit­zen­part­ner mit ihren 150 Mil­lio­nen Ein­woh­nern ver­füg­ten 2018 über 215 ein­schlä­gi­ge KI-Star­tups. Acht Mil­lio­nen Israe­lis kom­men auf 383.

Für San­gui­ni­ker und patho­lo­gisch Gut­ge­laun­te emp­fiehlt es sich, Hein­sohns Buch aus­wen­dig zu ler­nen; ich streue hier nur ein paar Zita­te ein:

„Die Bun­des­re­pu­blik ver­sorgt per­ma­nent 10 Mil­lio­nen Men­schen in der soge­nann­ten Min­dest­si­che­rung (Sozi­al­hil­fe), kann 2018 aber 130.000 Inge­nieu­re und Infor­ma­ti­ker für das Auf­ho­len des digi­ta­len Rück­stands nicht fin­den. Haben 2017 etwa in Japan oder Süd­ko­rea drei Vier­tel aller Inter­net­an­schlüs­se die für 5G unver­zicht­ba­re Breit­band-Glas­fa­ser, so begnügt sich Deutsch­land mit zwei Prozent.”

„Die gesam­te Anglo-Welt hat des­halb heu­te mitt­ler­wei­le 14 Mil­lio­nen ost­asia­ti­sche Neu­bür­ger. Kon­ti­nen­ta­le West­eu­ro­pä­er und EU-Süd­eu­ro­pä­er hal­ten mit 17 Mil­lio­nen Mus­li­men dagegen.”

„Der eige­ne Kogni­ti­ons­ver­lust wird im Wes­ten bis heu­te kaum zum The­ma. … Man ahnt nichts von der spe­zi­el­len Über­le­gen­heit derer, mit denen man sich ganz unbe­küm­mert vergleicht.”

Ein kana­di­scher Ein­wan­de­rungs­po­li­ti­ker, erin­nert sich der schon damals zum Umstrit­ten­sein Anset­zen­de, habe sich ihm gegen­über in den 1980ern gewun­dert, „dass Deut­sche dau­ernd Grund­satz­de­bat­ten dar­über anzet­teln, ob Intel­li­genz ange­bo­ren oder erwor­ben sei. Wer dann das Unge­fäl­li­ge ver­tre­te, wer­de sozi­al ver­nich­tet, auch wenn er ein geschei­ter Mensch sei. Wer das all­ge­mein Geglaub­te von sich gebe, wer­de Minis­ter, auch wenn er meschug­ge sei. Ihm hin­ge­gen sei die Fra­ge völ­lig gleich­gül­tig, solan­ge Intel­li­genz mit­brin­ge, wer über Kana­das Gren­ze wolle.”

Aus­tra­li­en und Kana­da schlos­sen bereits in den 1970er Jah­ren ihre Gren­zen und ver­ge­ben seit­her – mit deut­lich mess­ba­ren Erfol­gen – „Päs­se nur an Asse” (Hein­sohn), wäh­rend „35 zusätz­li­che Jah­re mit offe­nen Gren­zen die USA um ihre Zukunft gebracht haben könn­ten”. Mit dem „Immi­gra­ti­on Act” von 1978 ent­schied Kana­da, dass nicht ein­wan­dern darf, wer zur Belas­tung für die Sozi­al­sys­te­me wer­de; dafür ent­fiel die Dis­kri­mi­nie­rung von Ras­se, sexu­el­ler Ori­en­tie­rung und Reli­gi­on. Aus­tra­li­en revi­dier­te die „White Aus­tra­lia Poli­cy” schon 1966 und akzep­tier­te nicht-euro­päi­sche Ein­wan­de­rer, sofern sie dem Land Nut­zen brin­gen. Mit dem „Racial Discri­mi­na­ti­on Act” von 1975 wur­de das „Kön­ner-Prin­zip” (Hein­sohn) Staatsdoktrin.

Nach­dem zwi­schen 2009 und 2013 die Zahl der von Schlep­pern ins Land geschleus­ten Ille­ga­len von 2.700 auf 21.000 gestie­gen war, mach­te Down Under 2013 dicht. 2014 gelang­ten noch 169 Migran­ten an Land, danach gaben die Schlep­per auf. Zwi­schen 2009 und 2013 wur­den rund 1200 Todes­op­fer gezählt, 2014 bis 2018 nur noch 32. „Wir sor­gen dafür, dass Men­schen, die Teil unse­rer aus­tra­li­schen Fami­lie wer­den, hier arbei­ten und nicht von Sozi­al­hil­fe leben”, zitiert Hein­sohn den zustän­di­gen Minis­ter Peter Dut­ton. „Wer ein so robus­tes Migra­ti­ons­pro­gramm fährt wie wir, bekommt pro­duk­ti­ve Neu­bür­ger, die dem Land wach­sen­den Wohl­stand bescheren.”

Aus­tra­li­en wird so das ers­te west­lich gepräg­te Land, bei des­sen Zuwan­de­rern ein höhe­rer IQ (100) gemes­sen wird als bei den Ein­ge­bo­re­nen bzw. Bio-Aus­sies (99). „Wer eth­nisch nicht dis­kri­mi­niert, aber auf Leis­tung besteht, bekommt fast auto­ma­tisch die Bes­ten auch dann, wenn er vor­her gar nicht weiß, wo sie zu fin­den sind”, kon­sta­tiert Hein­sohn. In den drei ehe­ma­li­gen Kron­ko­lo­nien liegt der Anteil der Chi­ne­sen um den Fak­tor 16 (Neu­see­land), 20 (Kana­da) und 22 (Aus­tra­li­en) höher als in Deutsch­land. In den USA immer­hin um den Fak­tor 6 (Cal­tech, als bes­te tech­ni­sche Hoch­schu­le der USA gel­tend, hat­te 2019 unter den Erst­se­mes­tern 40 Pro­zent Asia­ten). Selbst Japan beher­bergt in abso­lu­ten Zah­len sechs­mal so vie­le Chi­ne­sen wie die Bundesrepublik.

Der Tai­wa­ne­se Ter­ry Gou, Chef von Fox­conn, mit 800.000 Beschäf­tig­ten die größ­te Elek­tronik­fir­ma der Welt, ver­sprach der ame­ri­ka­ni­schen Schutz­macht, in Wis­con­sin eine Bild­schirm­fa­brik mit 13.000 Arbeits­plät­zen zu schaf­fen. Das Vor­ha­ben schei­ter­te, weil die ver­füg­ba­ren ame­ri­ka­ni­schen Arbeits­kräf­te den Anfor­de­run­gen nicht genüg­ten. Die Geg­ner Donald Trumps quit­tier­ten „sein Schei­tern mit Scha­den­freu­de, begrei­fen aber nicht, dass sie damit über den Kom­pe­tenz­ver­lust ihrer Hei­mat jubeln”.

In Deutsch­land blei­ben die kogni­ti­ven Defi­zi­te des­halb weit­ge­hend unbe­merkt, weil das Land unter der Phy­si­ke­rin Mer­kel aus fast allen Spit­zen­tech­no­lo­gien aus­ge­stie­gen ist (löb­li­che Aus­nah­me: Was­ser­stoff­brenn­zel­len); außer­dem gilt hier­zu­lan­de unter den, wenn man sie denn so nen­nen mag, Kon­ser­va­ti­ven seit den ers­ten Gasta­bei­ter­an­wer­bun­gen die Maxi­me, Ein­wan­de­rer sei­en für die ein­fa­chen Jobs zustän­dig und dürf­ten den wun­der wie qua­li­fi­zier­ten Ein­ge­bo­re­nen nicht die guten weg­neh­men. Wer sich Band­ar­bei­ter, Putz­frau­en und Kran­ken­pfle­ge­rin­nen ins Land holt, hat mor­gen die Kin­der der Band­ar­bei­ter, Putz­frau­en und Kran­ken­pfle­ge­rin­nen im Land, die in der Regel weder Band­ar­bei­ter, Putz­frau­en noch Kran­ken­pfle­ger wer­den wol­len und statt­des­sen oft­mals auf der Stra­ße oder auf Hartz IV lan­den – davon abge­se­hen, dass immer mehr die­ser Jobs durch Auto­ma­ti­sie­rung ent­fal­len. Wer sich ost­asia­ti­sche Band­ar­bei­ter, Putz­frau­en und Kran­ken­pfle­ge­rin­nen ins Land holt, hat mor­gen deren Kin­der an den Universitäten.

Ich über­las­se Kame­rad Hein­sohn das Schluss­wort: „Die Inno­va­tio­nen der Zukunft wer­den kaum mehr von Begab­ten, son­dern fast nur noch von Hoch­be­gab­ten kom­men. Die aber las­sen sich nicht durch recht­li­che oder päd­ago­gi­sche Refor­men gewin­nen. Ent­we­der man hat sie und hält sie auch, oder man gewinnt sie im glo­ba­len Wett­kampf um die Klu­gen. Wer dabei schei­tert, ist verloren.”

Das Buch ist übri­gens erschie­nen bei Orell Füss­li in Zürich, also prak­tisch im Wes­ten. Lesen Sie unbe­dingt die, Stand heu­te, ein­zi­ge (Ein-Stern-)Rezension auf der Web­sei­te dort!

***

Noch zum Vorigen.

Die wirt­schaft­li­che Domi­nanz der chi­ne­si­schen Min­der­hei­ten in den süd­ost­asia­ti­schen Län­dern – bereits Mit­te der 1990er Jah­re befan­den sich bei­spiels­wei­se 73 Pro­zent des indo­ne­si­schen Bör­sen­ka­pi­tals in der Hand dort leben­der Chi­ne­sen, obwohl ihr Bevöl­ke­rungs­an­teil nur 3,5 Pro­zent aus­mach­te; ähn­lich in Thai­land (10 Pro­zent Bevöl­ke­rung, 81 Pro­zent Bör­sen­ka­pi­tal) – führ­te dort immer wie­der zu Chi­ne­sen­ver­fol­gun­gen, bei­spiels­wei­se wäh­rend der Asi­en­kri­se 1998 in Indo­ne­si­en. „Die Ver­fol­gun­gen bin­den die eth­ni­schen Chi­ne­sen jedoch noch stär­ker anein­an­der und las­sen sie auf das zur asia­ti­schen Vor­macht auf­stei­gen­de Chi­na bli­cken. Sie diver­si­fi­zie­ren ihre Inves­ti­tio­nen und haben in den neun­zi­ger Jah­ren Chi­na zum Inves­ti­ti­ons­schwer­punkt gemacht.” (Kon­rad Seitz, Chi­na. Eine Welt­macht kehrt zurück, Ber­lin 2003)

Das kommt Euro­pä­ern doch bekannt vor.

Juden machen nicht ein­mal ein Pro­zent der kana­di­schen Bevöl­ke­rung aus, lie­fer­ten aber 28 Pro­zent der kan­di­schen Nobel­prei­se. Juden, die aus Euro­pa und dem isla­mi­schen Raum in die USA emi­grie­ren muss­ten, bedank­ten sich bei ihrer neu­en Hei­mat mit 122 der 375 ame­ri­ka­ni­schen Nobel­prei­se (Stand 2018).

***

Mir war kei­nes­wegs nur klar, son­dern es war beab­sich­tigt, dass mit dem vor­an­ste­hen­den Ein­trag ein Fass auf­ge­macht wor­den ist. Leser ***, der mir seit lan­gem klu­ge Brie­fe schreibt, ein in der Schweiz leben­der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler und Chi­na-Ken­ner mit gro­ßer Ver­wandt­schaft dort­selbst, hat mir schon vor mei­ner Hein­sohn-Lek­tü­re und aus ande­rem Anlass sei­ne Sicht auf Chi­nas wirt­schaft­li­che und, wenn man so will, men­ta­le Situa­ti­on geschil­dert und die­sen Text um eine Nach­schrift ergänzt. Da die­se Aus­füh­run­gen den Rah­men der Acta über­schrei­ten, habe ich dafür wie­der eine eige­ne Sei­te ein­ge­rich­tet. Der Gegen­satz zu Hein­sohns Dar­le­gun­gen ist enorm; im Grun­de beschreibt er – auch sta­tis­tisch – ein ande­res Land.

Platz fin­det sich hier indes gera­de noch für die Zuschrift von Leser ***, „kein Sozio­lo­ge, son­dern pro­mo­vier­ter Inge­nieur, aller­dings mit Inter­es­se für kom­ple­xe Sys­te­me, zu denen Gesell­schaf­ten nun mal auch gehö­ren. Und da sehe ich oft den Ansatz der Sozio­lo­gen, irgend­wel­che Din­ge mit einer bestimm­ten Ursa­che zu ver­knüp­fen, weil man meint, eine Kor­re­la­ti­on zu erken­nen und sich dann dar­aus eine Kau­sa­li­tät zusam­men­zim­mert. Das ist qua­si der Gold­stan­dard der Sozio­lo­gie und für mich der Haupt­grund, die­sen Wis­sen­schafts­zweig extrem kri­tisch zu sehen. Das Pro­blem an dem sozio­lo­gi­schen Ansatz ist, dass Gesell­schaf­ten sehr kom­ple­xe Sys­te­me sind und Mono­kau­sa­li­tä­ten (mal von Krie­gen und Natru­ka­ta­stro­phen abge­se­hen) so gut wie nie vor­kom­men. Inso­fern ist der Erfolg und Miss­erfolg von Staa­ten nicht ein­fach aus dem durch­schnitt­li­chen IQ der Bevöl­ke­rung abzu­lei­ten. Mei­ne Begrün­dung habe ich der Über­sicht­lich­keit hal­ber in Stich­punk­te gegliedert.

1. Wich­tig für den Erfolg von Men­schen (und Gesell­schaf­ten) ist, wie gut die­se auf aktu­el­le Situa­tio­nen reagie­ren und für sich im Wett­be­werb mit ande­ren das Bes­te dar­aus machen. Das kann man durch­aus als Intel­li­genz bezeich­nen, aber es ist nichts, was man mit einem IQ-Test mes­sen kann. Der IQ beschreibt, wie gut Men­schen mit dem IQ-Test zurecht­kom­men. Der misst weder Krea­ti­vi­tät noch Erfin­dungs­geist und auch nicht Risi­ko­be­reit­schaft. Er misst kei­ne Ent­schei­dungs­fä­hig­keit und auch nicht den Rie­cher für güns­ti­ge Zeit­punk­te. Und schon gar nicht misst er sozia­le Fähig­kei­ten. Kurz­um, der IQ-Test lässt 90% der für Erfolg wich­ti­gen Din­ge kom­plett außer Acht. Schau­en Sie sich doch mal in ihrer Umge­bung um und fra­gen sich, wel­che der wirt­schaft­lich und gesell­schaft­lich erfolg­rei­chen Leu­te wie gut oder schlecht in einem IQ-Test abschnei­den wür­den und ob Sie da über­haupt noch eine Kor­re­la­ti­on in Bezug auf den IQ sehen könn­ten. Ich bin sicher, Sie wür­den noch eine sehen – der Erfolg korel­liert mit durch­schnitt­li­chem und erhöh­tem aber nicht mit sehr oder extrem hohem IQ.
2. Neh­men wir die not­wen­di­gen Eigen­schaf­ten aus Punkt 1 zur Grund­la­ge von wirt­schaft­li­chem Erfolg, so kann ich Ihnen aus eige­ner Erfah­rung sagen, dass die Kon­kur­renz­fä­hig­keit von Fir­men von deut­lich weni­ger als 10% der Beleg­schaft ent­schei­dend bestimmt wird. Sogar im Bereich der Ent­wick­lung sind es eher weni­ger als 10%, die Pro­duk­te ent­schei­dend gestal­ten – vor allem durch Krea­ti­vi­tät. Das heißt nicht, dass die rest­li­chen 90% doof und über­flüs­sig sind. Es sind aber oft ganz weni­ge Ideen oder Design-Ent­schei­dun­gen, die den teil­wei­se jah­re­lan­gen Pro­dukt­vor­teil bestim­men, wäh­rend der größ­te Teil der Ent­wick­lungs­auf­ga­ben eher gleich­för­mig ist. Die­se 10% zeich­nen sich in der Regel durch sehr gute fach­li­che Kennt­nis­se aus, aber wirk­lich ent­schei­dend sind Krea­ti­vi­tät, Erfin­dungs­geist und Ent­schei­dungs­fä­hig­keit. Und auch sozia­le Fähigkeiten!
3. Da es ja gera­de ins­be­son­de­ren in asia­ti­schen Fami­li­en (und auch in man­chen deut­schen) modern ist, die Kin­der zu dril­len und zu klei­nen Mathe- oder Sprach­wun­dern zu machen, stel­le ich mal die fre­che Fra­ge, wie vie­le von die­sen Kin­dern wohl mal erfolg­reich im Beruf im Sin­ne von Kar­rie­re sein wer­den? Was glau­ben Sie, an wel­cher gesell­schaft­li­chen Stel­le die 30% chi­ne­si­schen Mathe-Wun­der aus der zitier­ten Tabel­le ste­hen wer­den? Ich bin immer froh, wenn ande­re Eltern das machen, denn damit neh­men sie ihren Kin­dern ent­schei­den­de Vor­tei­le im Wett­be­werb um die bes­ten Stel­len. Denn um auf die zu kom­men, sind die Eigen­schaf­ten aus Punkt 1 sehr viel wich­ti­ger als Mathe-Drill.
4. Wenn man sich die Geschich­te der Staa­ten anschaut, dann fällt auf, dass die Ent­wick­lung der Wirt­schaft und Tech­nik im Ver­hält­nis zuein­an­der in weni­gen Jahr­zehn­ten stark im Wan­del war. Das spricht sehr stark gegen eine mono­kau­sa­le bio­lo­gi­sche Ursa­che, die ja sehr, sehr lang­fris­tig sta­bi­le Ver­hält­nis­se zur Fol­ge haben oder zumin­dest begüns­ti­gen müss­te. Schau­en Sie sich die Ame­ri­ka­ner an, die sind doch nicht zu einer Welt­macht gewor­den, weil sie lau­ter klei­ne Mathe-Genies erzeugt haben. Die hat­ten eine ver­gleichs­wei­se moder­ne, frei­heit­li­che Gesell­schaft, die es den ent­schei­den­den 5% an genia­len Leu­ten ermög­licht hat, ihre Ideen umzusetzen.Und der Rest war gebil­det und schlau genug (wenn auch kei­ne Genies), um den Laden auf hohem Niveau am Lau­fen zu hal­ten und nicht dum­me Ideo­lo­gen an die Macht zu lassen.
Zusam­men­ge­fasst – und das ist die gute Nach­richt – kann man sagen, dass der IQ nur ein klei­ner Mosa­ik­stein ist, der das Poten­ti­al bzw. die gesam­te Intel­li­genz von Men­schen beschreibt. Es kommt auch auf die Rand­be­din­gun­gen an, unter ande­rem auf den Druck von außen und von innen. Und hier sind wir dabei, unse­re gro­ßen Vor­tei­le gegen­über den Asia­ten zu ver­spie­len. Denn die­se haben grund­sätz­lich gar kei­ne so guten Rah­men­be­din­gun­gen wie es auf den ers­ten Blick scheint. Indi­vi­dua­li­tät hat dort kaum einen wirk­li­chen Stel­len­wert, die sind in Gesell­schaf­ten gefan­gen, die Krea­ti­vi­tät, frei­es Den­ken und vor allem die Ent­schei­dungs­fä­hig­kei­ten extrem behin­dern. Die fah­ren mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se. Manch­mal habe ich mich in der Zusam­men­ar­beit mit Kol­le­gen oder Kun­den aus Korea oder Chi­na gefragt, wie da über­haupt am Ende Pro­duk­te her­aus­kom­men. Die Fra­ge, ob man mit denen tau­schen will, hat sich hin­ge­gen immer sehr, sehr ein­fach beantwortet.
Was waren also unse­re gro­ßen Vor­tei­le gegen­über den Asia­ten? Unse­re freie, libe­ra­le Gesell­schaft, die wir mal hat­ten. Ins­be­son­de­re unser (auf den ers­ten Blick sehr inef­fi­zi­en­tes) Hoch­schul­sys­tem, wie es bis vor der alber­nen Ver­schu­lung durch die Ein­füh­rung von Bache­lor- und Mas­ter-Stu­di­en­gän­gen vor­han­den war. Damals war mir schon klar, dass genau die­se Sys­tem­än­de­rung der rie­si­ge Feh­ler ist, der unse­re Wett­be­werbs­fä­hig­keit ent­schei­dend nega­tiv beein­flus­sen wird. Gera­de das rela­ti­ve freie und auf selbst­stän­di­ge Den­ken ange­leg­te Hoch­schul­sys­tem von frü­her war es, das die 3…10% an Absol­ven­ten her­vor­ge­bracht hat, die wirk­lich ent­schei­dend für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit eines Lan­des sind. Das ist vor­bei und das merkt man gera­de im Bereich der Pro­dukt­ent­wick­lung. Und damals wur­de genau der Feh­ler gemacht, den heu­te Sozio­lo­gen machen, die den durch­schnitt­li­chen IQ mit­ein­an­der ver­glei­chen: Sie wen­den die Rasen­mä­her-Metho­de an. Genau die­se Rasen­mä­her-Metho­de, die zur Har­mo­ni­sie­rung der euro­päi­schen Hoch­schul­sys­te­me auf dem unters­ten Level geführt hat: der Blick auf pro­zen­tua­le Ver­tei­lun­gen, Aka­de­mi­ker-Raten und ähn­li­che Din­ge und dabei kom­plett zu ver­ges­sen, wor­auf die Wett­ber­werbs­vor­tei­le wirk­lich fußen. Die­se Wett­be­werbs­vor­tei­le sind auch kei­nes­wegs über alle Län­der gleich sinn­voll anwendbar.
Hin­zu kommt eine extrem diri­gis­ti­sche Poli­tik, die von beson­ders unge­bil­de­ten Politiker(inne)n so inten­siv betrie­ben wird. Der Bedarf, bei tech­ni­schen Wei­chen­stel­lun­gen mit­zu­re­den, ist da mitt­ler­wei­le pro­por­tio­nal zum Kehr­wert der Bil­dung (bzw. Grad der Unbil­dung). Auch das ist ein zuneh­men­der, ganz mas­si­ver Wettbewerbsnachteil.
Kurz­um: Wir müs­sen die Bil­dung auf einer Basis von viel mehr Eigen­ver­ant­wor­tung frei­er und weni­ger ver­schult machen (und damit auch mehr schein­ba­re Inef­fi­zi­enz zulas­sen) und die Dich­te an unge­bil­de­ten oder gar dum­men Men­schen in Poli­tik und ent­schei­den­den Stel­len deut­lich reduzieren.”
PS: Den Schluss­satz unter­schrei­be ich selbst­re­dend, aber das Schluss­wort für heu­te will ich Pro­fes­sor Rost aus Mar­burg, dem Doy­en der deut­schen Intel­li­genz­for­scher, über­las­sen, der sinn­ge­mäß gesagt hat: Der IQ beweist allein nichts, aber er kor­re­liert mit allem.

PPS: Ich hab’s gefun­den; Rost sag­te – es war ein­mal eine Zeit, als man Focus-Inter­views noch lesen konn­te – wört­lich: „Ein Intel­li­genz­test misst die Fähig­keit, neue Pro­blem­stel­lun­gen effek­tiv und schnell zu lösen. Die­se Fähig­keit braucht man in unse­rer Gesell­schaft an allen Ecken und Enden. Des­we­gen sagen die Tests so viel vor­her – sie kor­re­lie­ren mit allem. Der lie­be Gott weiß alles, und die Intel­li­genz kor­re­liert fast mit allem.”

 

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