4. Dezember 2020

In einem theo­lo­gi­schen Semi­nar strei­ten sich die Rab­bis stun­den­lang über Bewei­se für die Exis­tenz Got­tes. Nach meh­re­ren Stun­den steht ein Rab­bi auf und sagt: „Gott ist so groß. Er hat es gar nicht nötig zu existieren.”
(Von Vic­tor Weiss­kopf über­lie­fer­te Anek­do­te; er hat­te sie von Isaiah Berlin.)

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Men­schen, die „authen­tisch rüber­kom­men”, unter­tei­len sich gewöhn­lich in Wil­de und Schwachköpfe.

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Von den Pri­mi­ti­ven unter­schei­det uns, dass wir den Sün­den­bock nicht mehr nach­träg­lich heiligen.

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Es müs­sen abson­der­li­che Zei­ten sein, in denen die Spie­ßer sich als Regel­bre­cher sprei­zen und die Ahnungs­lo­sen ihre Auf­ga­be dar­in sehen, „Gren­zen einzureißen”.

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Unbe­irrt sägen die Grü­nen an den Ner­ven derer, die nicht an den End­sieg glau­ben, sowie am eige­nen Ast:

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Das neue Grund­satz­pro­gramm unse­rer Ger­ma­no­pho­bischs­ten „ent­hält ambi­tio­nier­te migra­ti­ons­po­li­ti­sche Zie­le”, notiert die Welt: „mehr Zuwan­de­rung von Arbeit­neh­mern, Asyl­su­chen­den und nach­zie­hen­den Ange­hö­ri­gen. Weni­ger Abschie­bun­gen. Schnel­le­re Gleich­stel­lung und Ein­bür­ge­rung der Ankömm­lin­ge. Im neu­en Pro­gramm wird die­ser Kurs aus­for­mu­liert: Die Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaft wer­de ‚in Zukunft noch plu­ra­ler sein, als sie es bereits heu­te ist’.”

Und wenn bereits die Gesell­schaft immer plu­ra­ler wird, wäre es kon­tra­pro­duk­tiv, dar­über oben­drein noch Mei­nungs­plu­ra­lis­mus zuzu­las­sen. Mit ande­ren Wor­ten: Wenn Ein­wan­de­rung Staats­ziel wird, dann wird als Gegen­stück dazu Ein­wan­de­rungs­kri­tik suk­zes­si­ve ver­fas­sungs­feind­lich (die ohne­hin unter Ras­sis­mus­ver­dacht gesetz­te Kri­tik an den Kol­la­te­ral­schä­den der Migra­ti­on inbe­grif­fen). Sie wer­den es schon so zu for­mu­lie­ren und zu orga­ni­sie­ren wis­sen, dass die­je­ni­gen, die sich hier eine Exis­tenz auf­bau­en und ihre Rech­nun­gen sel­ber bezah­len wol­len, in einem Topf mit den Ein­wan­de­rern in die Sozi­al­sys­te­me, Par­al­lel­stäm­me und Glau­bens­brü­cken­köp­fe landen.

Zugleich wird man­cher zum Nazi, der es kaum glau­ben dürf­te (ewig­gest­rig ist so ein Wie­der­ge­bo­re­ner ja prak­tisch schon von amtswegen):

Dalai Nazi

(Quel­le)

Irgend­wo muss es begin­nen, und jedem Anfang wohnt ein Zau­ber inne. Die­ser FDP­ler rät im Grun­de nichts ande­res als ein Scheidungsanwalt:

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Nord und Süd und West zersplittern…

Wer aber die Klap­pe hält und ggfs. den Stadt­teil (oder den Beklei­dungs­stil und die Reli­gi­on) wech­selt, darf maß­voll hof­fen: „Auch bereits hier leben­de Men­schen und ihre Poten­tia­le dür­fen wir nicht ver­ges­sen”, gurrt es gene­rös aus dem Grü­nen­haupt­quar­tier. Denn irgend­wer muss ja auch für­der­hin die grü­nen Maxi­mal­for­de­run­gen bezah­len: kei­ne Ober­gren­ze bei Asyl, for­cier­ter Fami­li­en­nach­zug und vor allem schnel­le Ein­bür­ge­rung. Ist wich­tig für die Kri­mi­nal­sta­tis­tik. Dann kann man zum Bei­spiel schon in der Head­line pau­schal schrei­ben: „Deut­scher schubst Rent­ner” – und muss nicht erst abwar­ten, ob sich das Vor­ur­teil aus­nahms­wei­se ein­mal nicht bestätigt.

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Tja, da hat der Ren­ter wohl sei­ne Kräf­te bzw. die Ach­tung der juve­ni­len Racker vor dem Alter eines Frem­den über­schätzt, was für ihn, wie der Genos­se Jour­na­list gekonnt for­mu­liert, Fol­gen hat­te. Beden­ke die Folgen!

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Spä­ter wird es ein­fach der deut­sche reli­giö­se Ter­ror sein, der Wur­zeln geschla­gen hat. Die Kon­ser­va­ti­ven sagen doch immer, dass Zukunft Wur­zeln braucht!

Es läuft ja sowie­so, sogar trotz Corona.

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Und Platz ist in der größ­ten Hütte:

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Mel­det der Münch­ner Mer­kur. Hat nicht das alte Front­schwein Horst Tap­pert („Der­rick”) bevor­zugt in Münch­ner Mil­lio­närs­vil­len ermittelt?

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Netz­fund:

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(Das ist selbst­ver­ständ­lich eine Mon­ta­ge; die Zei­le oben aber ist echt.)

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Übri­gens:

Söhne Merkels

In gewis­sem Sin­ne gehö­ren die zu den weni­ger Irren.

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Kom­men wir zum der­zei­ti­gen The­ma Nr. 1, wel­ches für Bio­lo­gis­ten wie Gott und mich gleich­wohl ein nach­ge­ord­ne­tes bleibt. Die offi­zi­el­le Sicht der Din­ge ken­nen Sie, des­halb hier die mehr oder weni­ger inoffizielle.

Eins.

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PS: „Wie gut, dass es zwi­schen­zeit­lich von Fak­ten­füch­sen wim­melt, die kei­ne ‚irre­füh­ren­den Mel­dun­gen’ mehr durch­ge­hen las­sen: ‚Zwar führ­ten die Rich­te­rin­nen Zwei­fel an der Ver­läss­lich­keit von PCR-Tests an. Doch lag das nicht in ihrem Kom­pe­tenz­be­reich.’ So ein­fach ist das manch­mal: Kom­pe­ten­zen über­schrit­ten. Der Ober sticht den Unter.”
(Leser ***)

PPS: Leser *** sen­det einen „klei­nen Fak­ten­check zum Fak­ten­che­cker des BR:

‚Der Obers­te Rat der Magis­tra­tur prüf­te in sei­ner Ple­nar­sit­zung vom 12.02.2020 das Urteil des Beru­fungs­ge­richts von Lis­sa­bon vom 11.11.2020, das mehr­heit­lich gefällt wurde:
1 – Obwohl sie aner­kennt, dass im Urteil der Beru­fung eini­ge unnö­ti­ge ‘exces­so’ fest­ge­stellt wer­den kön­nen, die im aktu­el­len Kon­text zu Kon­tro­ver­sen füh­ren kön­nen, ist sie der Ansicht, dass sie kei­ne dis­zi­pli­na­ri­sche Rele­vanz hat;
2 – Der Obers­te Rat der Magis­tra­tur gibt sei­ner Zuver­sicht Aus­druck, dass die Rich­ter wei­ter­hin unab­hän­gig und im Ein­klang mit der Ver­fas­sung und dem Gesetz urtei­len werden;
3 – Der Obers­te Rat der Magis­tra­tur nutzt die Gele­gen­heit, um bekannt zu machen, dass im Rah­men sei­ner Befug­nis­se bereits Stu­di­en zu Geset­zes­vor­schlä­gen im Hin­blick auf die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie­si­tua­ti­on auf die Funk­ti­ons­wei­se des Jus­tiz­sys­tems durch­ge­führt werden.
Lis­sa­bon, 2. Dezem­ber 2020
Obers­ter Rat der Magistratur
(Quel­le; über­setzt mit www.DeepL.com/Translator)
In mei­nen Augen bringt der BR in sei­nem Fak­ten­check ein nicht mit unse­rer frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung in Über­ein­klang zu brin­gen­des Rechts­staats­ver­ständ­nis zum Aus­druck, die Vor­stel­lung einer poli­ti­schen Behör­de unter­ge­ord­ne­ten, ihr wei­sungs­ge­bun­de­nen Jus­tiz. Und so wie ich das ein­mal gelernt habe, wer­den rich­ter­li­che Ent­schei­dun­gen auch nicht durch irgend­wel­che Dienst­auf­sichts­be­hör­den, son­dern nur durch höhe­re Instan­zen auf­ge­ho­ben, die dann im Rah­men ihres Urteils auch der Fra­ge nach­zu­ge­hen hat, ob die Vor­in­stanz Kom­pe­ten­zen über­schrit­ten hat oder nicht.
Aber wer, wenn nicht Gerich­te, soll­te über die Aus­sa­ge­kraft die­ser PCR-Tests ent­schei­den? Und wenn es heu­te die Ent­schei­dung über PCR-Tests ist, die wir der Bewer­tung der Gerich­te ent­zie­hen, was wird es mor­gen sein?
Jus­ti­zia zum Gruß!”

Zwei.

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(Quel­le)

Drei.

Das Maga­zin Mul­ti­po­lar notiert auf sei­ner Web­sei­te unter anderem:

„Die amt­li­che Ein­schät­zung passt nicht zu den vor­lie­gen­den Daten. Sie pass­te nicht im Früh­jahr, nicht im Som­mer und auch nicht jetzt im Herbst und Win­ter: Die Töd­lich­keit des Virus liegt in der Grö­ßen­ord­nung der Influ­en­za – so schreibt es inzwi­schen auch eine Fach­pu­bli­ka­ti­on der WHO.

  • Es gibt kei­ne Übersterb­lich­keit – so der Chef des Frank­fur­ter Gesund­heits­am­tes. Auch das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt weist kei­ne signi­fi­kan­te Übersterb­lich­keit im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren aus. Die in ein­zel­nen Wochen mess­ba­re Übersterb­lich­keit beruht mehr­heit­lich nicht auf Covid-19. (Auch in den USA gibt es laut den amt­li­chen Zah­len 2020 kei­ne Übersterb­lich­keit, son­dern nur eine Ver­schie­bung bei den Eti­ket­tie­run­gen der Todes­ur­sa­chen – die Zahl der ‚Covid-Toten’ wuchs dem­nach im glei­chen Maße, wie ande­re Todes­fäl­le zurück­gin­gen – was auf eine sta­tis­ti­sche Täu­schung hinweist.)
  • Die Gesamt­zahl an Inten­siv­pa­ti­en­ten blieb zuletzt unge­fähr gleich, es stieg ledig­lich die Anzahl der Pati­en­ten mit posi­ti­vem PCR-Test. Eine Über­las­tung des Gesund­heits­sys­tems ist nicht in Sicht.
  • Die WHO hat­te bereits im Juni erklärt, dass Über­tra­gun­gen durch Asym­pto­ma­ti­sche ’sehr sel­ten’ sei­en. Dies ent­spricht dem gesun­den Men­schen­ver­stand: Wer eine so gerin­ge Virus­last trägt, dass er kei­ne Sym­pto­me ent­wi­ckelt und wer daher nicht niest oder hus­tet, der kann auch nur schwer ande­re anste­cken. Laut einer im Novem­ber ver­öf­fent­lich­ten chi­ne­si­schen Stu­die mit 10 Mil­lio­nen Teil­neh­mern sind posi­tiv getes­te­te Men­schen ohne Krank­heits­sym­pto­me nicht infek­ti­ös. Wört­lich heißt es in der Stu­die: ‚Es gab kei­nen Beweis dafür, dass die iden­ti­fi­zier­ten asym­pto­ma­ti­schen posi­ti­ven Fäl­le infek­ti­ös waren.’ Dem­nach sind pau­scha­le Ein­schrän­kun­gen wie Qua­ran­tä­ne oder Mas­ken­tra­gen für sym­ptom­freie Men­schen ungerechtfertigt.
  • Schließ­lich: Der PCR-Test selbst weist kei­ne Infek­tio­si­tät nach. Prof. Dr. Mat­thi­as Schrap­pe, lang­jäh­ri­ger Vize­chef im Sach­ver­stän­di­gen­rat des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums, beton­te Ende Okto­ber in einer Anhö­rung vor dem Gesund­heits­aus­schuss des Bun­des­ta­ges: ‚Die der­zei­tig ver­wen­de­ten Test­ver­fah­ren las­sen kei­ne sinn­vol­le Aus­sa­ge zur Infek­tio­si­tät zu und kön­nen daher dar­aus abge­lei­te­te Maß­nah­men nicht begründen.’

Es braucht Zeit, die­sen letz­ten Satz zu ver­dau­en, so sehr wider­spricht er der poli­tisch und medi­al erzeug­ten Rea­li­tät, so voll­stän­dig ent­zieht er den meis­ten Frei­heits­be­schrän­kun­gen und vie­len Gerichts­ur­tei­len dazu den fach­li­chen Boden. Schrap­pe kam vor weni­gen Tagen immer­hin im ZDF zu Wort, wenn auch nicht in den reich­wei­ten­star­ken Haupt­nach­rich­ten, son­dern im Nischen­pro­gramm ‚heu­te live’, wo er einem schlecht vor­be­rei­te­ten Mode­ra­tor zu den vom RKI ver­brei­te­ten Fall­zah­len deut­lich erklär­te: ‚Die­se Zah­len sind nichts wert’.”

Nach die­ser Bestands­auf­nah­me ver­liert sich der Autor in cui-bono?-Spe­ku­la­tio­nen, deren Stich­hal­tig­keit zu beur­tei­len ich nicht beru­fen bin.

Vier.

Caro­li­ne Som­mer­feld ruft einen Pro­pa­gan­datrick in Erin­ne­rung: Ver­brei­te eine völ­lig absur­de oder rei­ße­risch über­trie­be­ne Dar­stel­lung des­sen, was du vor­hast; dann wird man auch die rea­lis­ti­sche Pro­gno­se nicht glauben:

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„Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, hier ein Gespräch, wie es in einem Dresd­ner Pfle­ge­heim statt­ge­fun­den hat:
Arzt: Möch­ten Sie gern wis­sen, wor­an ihr Vater gestor­ben ist oder schrei­ben wir als Grund gleich Corona?
Ange­hö­ri­ger: Ich möch­te schon den wah­ren Grund wissen.
Arzt: Wir schrei­ben aber zum Schluß trotz­dem Coro­na. Da zahlt die Hälf­te der anfal­len­den Kos­ten der Staat.”

***

Noch zum Vorigen.

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Immer noch zum Vorigen.

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Wenn Sie auf die­sen Link kli­cken, müss­te dort nor­ma­ler­wei­se das stehen:

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Statt­des­sen:

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Jede Sei­te ist die falsche.

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Leser *** weist dar­auf hin, dass sich DNA-Spu­ren des frag­li­chen Arti­kels hier erhal­ten haben und schreibt: „Die teil­wei­se zu hören­de Pau­schal­kri­tik an Schutz­maß­nah­men zu Covid-19, das oft damit ver­bun­de­ne Her­un­ter­spie­len der (rela­ti­ven) Gefähr­lich­keit – oder gar der Exis­tenz – des Virus und die Bor­niert­heit, mit der man­che Kri­ti­ker die Ein­hal­tung der ein­fachs­ten Vor­sichts­maß­nah­men demons­tra­tiv unter­las­sen (und damit ande­re gefähr­den), fin­de ich boden­los. Da schen­ken sich recht­gläu­bi­ge Groß­fa­mi­li­en und – lei­der auch aus AfD-Krei­sen hef­tig umwor­be­ne -– Tei­le (nicht alle!) der Quer­den­ker-Sze­ne ver­mut­lich nicht viel.

Ich ken­ne per­sön­lich zwei Betrof­fe­ne aus mei­ner Ver­wandt­schaft. Zum einen ein 86jähriger Onkel mei­ner Frau, der nach – aller­dings durch­aus kri­tisch ver­lau­fe­nem – knapp zwei­wö­chi­gen Kran­ken­haus­auf­ent­halt wie­der nach Hau­se ent­las­sen wur­de und dem es den Umstän­den und sei­nem Alter ent­spre­chend durch­aus gut geht. Zum ande­ren die 52jährige Frau eines Cou­sins, die sich im April infi­ziert hat­te und nach mit­tel­lan­ger, hef­ti­ger Erkran­kung wohl in der Sta­tis­tik als gene­sen gilt. Die Frau – obwohl kei­ner Risi­ko­grup­pe ange­hö­rend – kann heu­te noch nicht rich­tig Trep­pen­stei­gen, hat mög­li­cher­wei­se dau­er­haft ihren Geruchs­sinn ver­lo­ren und mas­si­ve Schä­den im Kurz­zeit­ge­dächt­nis zu beklagen.
Bei­de Fäl­le gehö­ren für mich zum Gesamt­bild. Ich fin­de weder Panik noch Sorg­lo­sig­keit oder Ver­harm­lo­sung der Situa­ti­on ange­mes­sen. Was mich auf­regt sind also nicht die ver­ord­ne­ten Maß­nah­men an sich, son­dern die Dif­fa­mie­rung auch maß­vol­ler Kri­ti­ker und die Ver­hin­de­rung einer offe­nen Diskussion.”

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„Wie wir wis­sen”, morst Leser *** aus Hel­ve­ti­en, „kämpft gera­de der bay­ri­sche Löwe Söder hel­den­haft an der Coro­na-Front. Er for­dert här­te­re Mass­nah­men. Denn bis­her (also seit rund einem Jahr) star­ben in Deutsch­land über 17.100 Men­schen an oder mit Coro­na. Im Jahr 2018 (letz­te Daten­ba­sis) star­ben laut ’sta­tis­ta’ nun aller­dings über 345.000 Men­schen in Deutsch­land an Kreis­lauf­erkran­kun­gen. Ich weiss exklu­siv aus siche­rer Quel­le (direkt aus der bay­ri­schen Staats­kanz­lei), dass der auf­rech­te Söder jetzt Kreis­läu­fe ver­bie­ten will.”

Vor allem Wirtschaftskreisläufe.

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„Wenn ich Tage um Tage inmit­ten von Tex­ten ver­brin­ge, in denen nur von Ruhe, Kon­tem­pla­ti­on und Ver­zicht die Rede ist, geschieht es, daß mich die Lust erfaßt, auf die Stra­ße zu gehen und den erst­bes­ten Pas­san­ten in die Fres­se zu schlagen.”
Cior­an am 18. Dezem­ber 1967 in sei­nem Tage­buch, die Coro­na-Qua­ran­tä­ne antizipierend

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Leser *** schreibt: „Man­fred Hafer­burg hat den fol­gen­den Mer­kel-Ham­mer auf der ‚Ach­se’ als Fund­stück ver­öf­fent­licht, und ich habe sein Video-Tran­skript redi­giert, i.e. ver­voll­stän­digt und pho­ne­tisch opti­miert anhand des akus­ti­schen Stum­mel­sprech-Ori­gi­nals:

‚Wenn man jetzt mal über­legt, die Pan­de­mie wird uns ja wirt­schaft­lich zurück­wer­fen, und wo kom­men wir da raus, wo kommt Chi­na raus, wo kommt Süd­ko­rea raus, wenn die alle mal viel bes­ser, äh, die Mas­ken tra­gen und, äh, nicht so viel, ähm, äh, ‚Querdenker’-Demos haben, son­dern, äh, der­weil schon wie­der wirt­schaft­li­chen Auf­schwung, dann fragt sich, wo Euro­pa lan­det nach die­ser Pan­de­mie. Das wird noch mal ’ne Neu­ord­nung, äh, der … Regio­nen sein, glau­be ich.’

Das heißt, wenn ich sie recht ver­stand: Der zu erwar­ten­de wirt­schaft­li­che Ein- bis Zusam­men­bruch Deutsch­lands wird nicht den sog. Maß­nah­men geschul­det sein, son­dern den sog. Men­schen. Nicht die Coro­na-Poli­tik der Bun­des- und Lan­des­re­gie­run­gen wird ihn erzeugt haben (oder gar Mer­kel per­sön­lich), son­dern wir. Weil wir viel schlech­ter die Mas­ken tra­gen und so viel ‚Querdenker’-Demos haben. Wohl­ge­merkt statt wirt­schaft­li­chen Auf­schwung, denn für den müss­ten wir ja arbei­ten statt demons­trie­ren gehen.

Ich fin­de, das Mer­kel-Zitat soll­te in die ‚Acta’. Wenn die Kanz­le­rin der­art den Spieß umdreht, soll­ten mög­lichst vie­le Bürger*innen davon erfahren.”

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Es gibt Anek­do­ten und his­to­ri­sche Beschrei­bun­gen, die nicht der Wahr­heit ent­spre­chen, aber gleich­sam über­wahr sind und die Ver­hält­nis­se treff­lich erfas­sen. Ihnen gegen­über ste­hen Kli­schees oder sogar Denun­zia­tio­nen, die gan­ze his­to­ri­sche Epo­chen ran­zig machen wol­len. Und dazwi­schen exis­tie­ren unend­lich vie­le Abstu­fun­gen. Es ist oft nicht leicht zu ent­schei­den, ob eine Über­lie­fe­rung eher in die­se oder in jene Rich­tung tendiert.

Ich gebrauch­te hier vor kur­zem die zu vic­to­ria­ni­schen Zei­ten aus Grün­den der Prü­de­rie ver­hüll­ten Stuhl- (oder Klavier-)beine als Gleich­nis für gewis­se zwang­haf­te Anti­se­mi­tis­mus-Rie­cher, ver­glich Letz­te­re also mit einem Men­schen­schlag, der bei jeder mög­li­chen Gele­gen­heit etwas Ero­ti­sches oder Sexu­el­les assoziiert(e).

Dazu schreibt Leser ***: „Mit der Sach der über­prü­den Vik­to­ria­ner ist es zwar im Grund belang­los, wie es sich ‚wirk­lich’ ver­hielt, weil es sich eben um etwas Sym­bo­li­sches, Arche­ty­pi­sches han­delt, so wie es auch egal ist, daß der Gro­ße Detek­tiv nie ‚Ele­men­ta­ry, my dear Wat­son’ gesagt hat und Lüb­ke nie ‚Sehr geehr­te Damen und Her­ren, lie­be N###r’, aber klei­ne Pedan­ten wie mich zwickt es natür­lich trotz­dem, dar­auf hin­zu­wie­sen, daß es sich hier um eine from­me Legen­de han­delt. Unklar scheint zu sein, auf das Kon­to wes­sen Münch­hau­sens sie zu ver­bu­chen ist. Ger­tru­de Him­mel­farb hat das zwei ‚rei­sen­den Ame­ri­ka­ne­rin­nen’ zuge­schrie­ben, die über ihren Besuch in der Alten Welt in den 1830er Jah­ren ein Buch publi­ziert haben, ohne frei­lich die genaue Quel­le anzu­füh­ren. Die hier nen­nen als eigent­li­che Quel­le des Döne­kens Fre­de­rick Marr­yat, der das sei­ner­seits von Ame­ri­ka­ne­rin­nen gehört haben will, aber das dann in Druck gebracht und damit die ‚urba­ne Legen­de’ aus­ge­löst hat.” Und ver­linkt:

„The­re are also secon­da­ry myths that have been equal­ly tenacious.

One of the most per­sis­tent myths is that Vic­to­ri­ans were so stuffy, so mora­listic, and such buz­zkil­lers that they cove­r­ed cur­vace­ous pia­no legs (and other fur­ni­tu­re legs) with litt­le skirts so they didn’t exci­te sexu­al passions.

This is ridi­cu­lous, of cour­se. It pro­bab­ly ori­gi­na­ted as a joke, but it even­tual­ly reached mytho­lo­gi­cal heights.

Here’s whe­re it comes from. While he was visi­t­ing the United Sta­tes in the late 1830s, Cap­tain Fre­de­rick Marr­yat (naval offi­cer, nove­list, and acquain­tance of Charles Dickens) took note of his encoun­ters with Ame­ri­cans. He dis­cus­sed their man­ners, their habits, and even their use of Eng­lish voca­bu­la­ry, all even­tual­ly publis­hed in his ‚Dia­ry in Ame­ri­ca’ (1839). For instance, he wro­te, Ame­ri­can women disap­pro­ved of the word ‚leg,’ thin­king it cru­de. They pre­fer­red ‚limb.’

Marr­yat also clai­med a lady told him that Ame­ri­cans cove­r­ed up sug­ges­ti­ve pia­no legs and other fur­ni­tu­re legs. It’s pro­bable that she was joking or pul­ling his leg. Marr­yat repor­ted the sto­ry as fact, howe­ver, and somehow it ent­e­red the popu­lar con­scious­ness. But this is the only direct refe­rence of cove­r­ed pia­no or fur­ni­tu­re legs from the 19th cen­tu­ry. Marryat’s book wasn’t a best­sel­ler or anything, but the pia­no legs yarn somehow took off, as not only a 19th cen­tu­ry hang-up but one that took place in Vic­to­ri­an Bri­tain rather than America.

Like many of his­to­ri­cal myths, it’s too bad it isn’t true. If we can’t have Hoo­ver as a cross-dresser, can we at least have Vic­to­ri­an pru­de­ry? Well, not if you belie­ve in a litt­le thing cal­led evi­dence. In every depic­tion of pia­no legs during the Vic­to­ri­an era, they are naked as the day they were car­ved (Her­vor­he­bung von mir – M.K.). A typi­cal examp­le is shown on this blog. Ho hum.”

Gut, dann zie­he ich das Gleich­nis hier­mit als Kli­schee zurück und erset­ze es durch: So wie man­che freu­dia­nisch inspi­rier­te Zeit­ge­nos­sen in jedem star­ren läng­li­chen Gegen­stand zwang­haft ein Phal­lus­sym­bol sehen müssen …

***

Can­cel-Cul­tu­re lan­ge vor Facebook:

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Apro­pos Can­cel-Cul­tu­re:

„Ich hat­te das gro­ße Glück, in den spä­ten 1990er Jah­ren an der Uni­ver­si­tät Würz­burg noch zu den letz­ten Magis­ter-Absol­ven­ten zu zäh­len. Damals beschlos­sen die Kul­tus­mi­nis­ter, im Zuge des sog. Bolo­gna-Pro­zes­ses das uni­ver­si­tä­re Prin­zip zuguns­ten einer stär­ke­ren Ver­schu­lung und auf Kos­ten indi­vi­du­el­ler aka­de­mi­scher Frei­heit abzu­schaf­fen. Sämt­li­che Pro­fes­so­ren murr­ten – aber kei­ner fand den Mut, sich öffent­lich dage­gen aus­zu­spre­chen, wäh­rend die Fach­schaf­ten froh­lock­ten und ‚Bil­dung für alle’ for­der­ten. – Spä­ter hat­te man mich als exter­nen Dok­to­ran­den an der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld rele­giert, nach­dem ich als ver­meint­lich ‚Rech­ter’ geoutet wor­den war. Dar­auf­hin muss­te ich nach Pas­sau aus­wei­chen, Tag und Nacht fürch­tend, auch dort denun­ziert und aber­mals genö­tigt zu wer­den, mein Pro­mo­ti­ons­vor­ha­ben zurück­zu­zie­hen, denn natür­lich gab es kei­ner­lei recht­li­che Hand­ha­be gegen mich. Einen drit­ten Anlauf hät­te ich dann sicher nicht mehr gewagt. Ohne je irgend­et­was von mir gele­sen zu haben, son­dern allein auf­grund des ein­sei­ti­gen, dif­fa­mie­ren­den Wiki­pe­dia-Ein­trags, hat­te die Deka­nin in Bie­le­feld gedroht, soll­te ich auf mei­nen Antrag bestehen, wer­de man alle Lehr­stuhl­in­ha­ber auf­for­dern, dis­qua­li­fi­zie­ren­de Gut­ach­ten gegen mich zu ver­fas­sen, und mei­nem Dok­tor­va­ter wür­de man das Leben auch nicht gera­de leich­ter machen. – Die­se Erfah­rung hat in mir tie­fe, unheil­ba­re Wun­den hin­ter­las­sen und ich ver­lor end­gül­tig das Ver­trau­en in einen sol­chen Staat und sei­ne Funk­ti­ons­eli­ten. Nun wuss­te ich, dass dort jeden­falls kein Platz für mich war.”

Der Autor Frank Lis­son in Inter­view mit dem emp­feh­lens­wer­ten Maga­zin Anbruch.

                                 ***

Man soll sagen: Es fehl­te ihm die Fit­ness für das Bestei­gen sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Theoriemüllhalden.

 

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