8. Dezember 2020

Genoss*innen, Schuldbürger_innen, Schlamm­blü­ter und Diver­se! Die Lage ist ernst! Der Klassen‑, Ras­sen- und Gen­der­feind schläft nicht. Das Ham­bur­ger Enga­gier­ten­ma­ga­zin stern berei­chert zwar kaum mehr sich selbst noch sein bis hin­ab zum Chef­re­dak­teur namen­lo­ses Autoren­kol­lek­tiv mit Kiosk­ein­nah­men, aber immer­hin die aktu­el­le Aus­ga­be mit die­ser Schneidbeilage:

20201208 114615 s

Hal­tung muss gezeigt werden!

Bildschirmfoto 2020 12 08 um 12.00.04

Im Edi­to­ri­al beschreibt die ver­dien­te Medi­en­kun­di­ge und Haltungsinformant*in Anet­ta Kaha­ne den Struk­tur­wan­del der Wald- und Wiesennaziöffentlichkeit:

20201208 114801

Den Mut, sich gegen Ver­harm­lo­ser zu stel­len und auch mit Freun­den zumin­dest im unge­plan­ten Nach­hin­ein in Kon­flikt zu gera­ten, hat­te Frau Kaha­ne bereits ide­al­ty­pisch gezeigt, als er noch gar nicht erfor­der­lich war:

 

Bildschirmfoto 2020 12 08 um 12.48.09

Gegen anti­so­zia­lis­ti­sche Het­ze enga­giert sich die Schild- und Schwert­maid der gren­zen­lo­sen Tole­ranz heu­te noch muti­ger als damals, zumal das Aus­maß des Schre­ckens lan­ge unter­schätzt wor­den ist:

Bildschirmfoto 2020 12 08 um 12.42.24
Mer­ke: Vom „besorg­ten Bür­ger” zum NSU ist es nur ein klei­ner Frame Schritt! Fast so klein, wie von Kaha­ne zur Antifa!

Der Mut darf nicht nur vor den eige­nen Ver­wand­ten, son­dern auch vor z.B. befreun­de­ten Ladendetektiv*innen kei­nen Halt machen. Denn, wie eine der Mit­kämp­fe­rin­nen von IM Vic­to­ria konstatiert:

Bildschirmfoto 2020 12 08 um 12.30.27

Der­weil die Her­kunfts­be­fra­gungs­kri­mi­na­li­tät täg­lich zunimmt, ist die Dro­hung „Wo kommst du her?” nach wie vor nicht straf­be­wehrt, obwohl täg­lich neue poten­ti­el­le Her­kunfts­be­fra­gungs­kri­mi­na­li­täts­op­fer ins Land strö­men, von denen sich eini­ge ver­ständ­li­cher­wei­se durch fal­sche Anga­ben bei der Inan­spruch­nah­me ihres Selbst­ein­tritts­grund­rechts vor dem Her­kunfts­be­fra­gungs­ver­folgt­wer­den – Stich­wort: „Lohen­grin-Syn­drom” – zu schüt­zen suchen.

Aber der Feind schreckt nicht ein­mal davor zurück, sich weib­li­cher Kon­struk­te zu bedie­nen, um die Gesell­schaft noch ras­sis­ti­scher zu machen:

Bildschirmfoto 2020 12 08 um 12.41.20

Wenn so eine Rechts­ex­tre­mis­tin einem Kerl erst mal den Hob­by­kel­ler auf­ge­nes­telt hat, ist es gar nicht so ein­fach, sich zu weh­ren; inso­fern sind die Coro­na­maß­nah­men der Regie­rung dop­pelt löb­lich. Dass die Regie­rung aber ledig­lich eine Mil­li­ar­de Euro­nen für den „Kampf gegen rechts” zur Ver­fü­gung stellt, ist ein Wehr­mut­tröpf­chen und darf nicht die letz­te Tran­che sein. Denn:

Bildschirmfoto 2020 12 08 um 12.40.20

Zwei der kri­tischs­ten, dis­kus­si­ons­freu­digs­ten, neu­gie­rigs­ten und unbe­quems­ten, kurz poli­tischs­ten Men­schen lie­fern sich am Ende der stern-Son­der­bei­la­ge ein kri­ti­sches, dis­kus­si­ons­freu­di­ges, neu­gie­ri­ges und unbe­que­mes Streitgespräch:

20201208 115133

Die­se Tod­ge­weih­ten set­zen täg­lich ihr Leben für bzw. gegen uns ein! Applaus, Applaus!

Ein Art Todes- oder jeden­falls Ster­be­lis­te ist auch jene zur Auf­la­ge des bald in mut umzu­be­nen­nen­den stern:

Bildschirmfoto 2020 12 08 um 12.12.34

So sehr schüch­tern NSU, AfD, Pegi­da und besorg­te Bür­ger die Leser­schaft ein! Weh­ret den Anfän­gen und Schwünden!

***

Denk­wür­di­ges begab sich und trug sich zu am ehr­wür­di­gen Eton Col­la­ge, der Pflanz­stät­te zahl­rei­cher berühm­ter bzw. berüch­tig­ter Eng­län­der wie Boris John­son, Guy Bor­gess, David Came­ron, Ian Fle­ming, John May­nard Keynes, Geor­ge Orwell oder Aldous Hux­ley. Vor allem die bei­den letzt­ge­nann­ten Absol­ven­ten gestat­ten im Lich­te der aktu­el­len Ereig­nis­se die Fra­ge, inwie­weit dort­selbst, inten­diert oder nicht, eine Pro­phe­ten­aus­bil­dung im Pro­gramm stand.

Der lin­ke Guar­di­an berich­tet über einen „Streit”, der mit der Sus­pen­die­rung und anschlie­ßen­den Ent­las­sung von Will Know­land begann, „einem belieb­ten Eng­lisch­leh­rer, der wegen gro­ben Fehl­ver­hal­tens ange­klagt wur­de, nach­dem er sich angeb­lich gewei­gert hat­te, ein Vor­le­sungs­vi­deo über Geschlech­ter­rol­len aus sei­nem per­sön­li­chen You­Tube-Kanal zu ent­fer­nen.” Tat­säch­lich war Know­land sofort der Auf­for­de­rung nach­ge­kom­men, den digi­ta­len Bei­trag für den Schul­un­ter­richt zu löschen; das Video auch von sei­nem per­sön­li­chen You­Tube-Kanal zu til­gen, hat­te er hin­ge­gen abge­lehnt. Dar­auf­hin wur­de er entlassen.

Das Video mit dem Titel „The Patri­ar­chy Com­plex” woll­te er als Teil eines Kur­ses zei­gen, um älte­re Schü­lern „zum kri­ti­schen Den­ken anzu­re­gen. Es soll­te die Schü­ler auf einen ande­ren Stand­punkt als die der­zei­ti­ge radi­ka­le femi­nis­ti­sche Ortho­do­xie auf­merk­sam machen, die dar­auf besteht, dass Männ­lich­keit etwas grund­le­gend Gif­ti­ges hat.” In dem 30-minü­ti­gen Film behaup­tet der Leh­rer, dass bio­lo­gi­sche Unter­schie­de zwi­schen Män­nern und Frau­en die Geschlech­ter­rol­len bestim­men. Dort fal­len hoch­toxi­sche Aus­sa­gen wie „bio­lo­gisch gese­hen ist die Vor­stel­lung, dass Män­ner Macht über Frau­en aus­üben, Unsinn”, „männ­li­che Aggres­si­on ist eine bio­lo­gi­sche Tat­sa­che” und „eine Welt ohne Män­ner wäre für Frau­en schrecklich”.
Das Col­le­ge argu­men­tiert, die Vor­le­sung ver­sto­ße gegen die Gleich­stel­lungs­ge­set­ze. „Die Schu­le hat den ver­nünf­ti­gen Antrag gestellt, dass der Leh­rer das Video bis zur wei­te­ren Dis­kus­si­on ent­fernt, aber trotz mehr­fa­cher Anfra­gen und Anwei­sun­gen lehn­te er dies beharr­lich ab”, sag­te ein Spre­cher. Aus Pro­test gegen die Sus­pen­die­rung Know­lands trat Dr. Luke Mar­tin, ein Theo­lo­ge, von sei­nem Lehr­amt zurück. Mar­tin stell­te die För­de­rung einer „soge­nann­ten pro­gres­si­ven Ideo­lo­gie” an der Schu­le in Fra­ge und ver­glich sie mit reli­giö­sem Fun­da­men­ta­lis­mus. Schü­ler und Eltern haben eine Peti­ti­on für die Wie­der­ein­stel­lung des belieb­ten Leh­rers gestartet.

Der Guar­di­an zitiert indes den Wissenschafts(!)journalistin und ehe­ma­li­gen Eto­nia­ner Micha­el Bond, der glaubt, dass eine „stil­le Mehr­heit” der Eltern den Schul­di­rek­tor Simon Hen­der­son unter­stüt­ze. Bond ent­deckt bei den­je­ni­gen, die den dis­si­den­ten Geschlechts­un­ter­schieds­un­ter­stel­ler ver­tei­di­gen, „das Todes­ras­seln des alten Regimes”, wel­ches Angst vor sei­ner zuneh­men­den Irrele­vanz habe. „Simon Hen­der­son ist sich bewusst, wie Eton in die Welt jen­seits sei­ner Mau­ern pas­sen soll­te”, sag­te Bond. „Er möch­te mit der Welt Schritt hal­ten und nicht eine ver­al­te­te, für vie­le anstö­ßi­ge Denk­schu­le wider­spie­geln, die die­ses Video dar­stellt.” Die Eton-Schul­lei­tung prä­fe­riert also den der­zeit modi­schen sozia­len Geschlech­ter­be­griff, was auch immer das sein mag.

Und um nun auch den Inqui­si­tor sel­ber zu Wort kom­men zu las­sen: „Hen­der­son finds hims­elf caught in what has been descri­bed as a batt­le for the soul of Eton, figh­t­ing off a revolt among tho­se who say the school is being taken in an ‚aggres­si­ve­ly woke’ direction.”

An einer der berühm­tes­ten und ab sofort auch wokes­ten Schu­len Eng­lands gilt es als anstö­ßig, zu behaup­ten, dass sich die Erde um die Son­ne dreht. Oder wie ein unbe­lehr­ba­rer flo­ren­ti­ni­scher Vor­gän­ger von Know­land der Legen­de nach aus­ge­ru­fen haben soll: Und sie unter­schei­den sich doch!

***

Der Bunt­land­funk stellt die zeit­ge­mä­ßen Fragen:

Bildschirmfoto 2020 12 08 um 11.25.29

Ich hät­te für mei­nen künf­ti­gen Wahl­kreis die­sel­be Frage:

Bildschirmfoto 2020 12 08 um 11.35.55

Im Ernst? Natür­lich nicht. Auch der Marx soll ste­hen­blei­ben, der Reichs­grün­der sowie­so. Alex­an­der Wendt hat auf sei­ner Face­book­sei­te die kor­rek­te Ver­si­on der Fra­ge gestellt: „Den Deutsch­land­funk: abrei­ßen oder umgestalten?”

Dies Herostra­ten­tum, wel­ches wir der­zeit in allen Län­dern des Wes­tens erle­ben und dem sich heu­er eben der Deutsch­land­funk beflis­sen anschließt, ist nicht weni­ger als ein geis­ti­ger Bür­ger­krieg gegen die Ver­gan­gen­heit und damit gegen die Tra­di­ti­on der west­li­chen Völ­ker. Womit sich der Kreis zu den Eton-Zög­lin­gen Orwell und Hux­ley schließt. Die Schö­ne Neue Welt will ihre Wur­zeln aus­ro­den und ihre Fun­da­men­te schlei­fen. In Orwells Wor­ten: „Wer die Ver­gan­gen­heit kon­trol­liert, kon­trol­liert die Zukunft. Wer die Gegen­wart kon­trol­liert, kon­trol­liert die Vergangenheit.”

 

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

4. Dezember 2020

Nächster Beitrag

"Zukunft braucht Wurzeln", München April 2018

Ebenfalls lesenswert

17. Mai 2018

Ges­tern haben Vera Lengs­feld, Hen­ryk Bro­der und ich die zur Peti­ti­on umge­wan­del­te „Gemein­sa­me Erklä­rung 2018” an Mari­an Wendt,…

4. März 2021

Die struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung aller ande­ren Kol­lek­ti­ve durch alte wei­ße Män­ner erfüllt für Iden­ti­täts­po­li­ti­ker und Inter­na­tio­nal­so­zia­lis­ten unge­fähr den­sel­ben Zweck…

20. Juli 2019

„Wenn die Regie­ren­den sich für die Sach­wal­ter der gan­zen Mensch­heit hal­ten, nähert sich der Ter­ror.„Nicolás Gómez Dávila                                    …

20. Juli 2021

„Die Lösung ver­leiht dem Pro­blem eine kom­ple­xe Struktur.” Nicolás Gómez Dávila *** Eine eng­li­sche Hydro­lo­gin, die zu den…