10. Januar 2021

„Es ist leich­ter, mit dem Trin­ken auf­zu­hö­ren als mit dem Hassen.”
(Phil­ip Roth)

Aber es ist auch ziem­lich unnötig.

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Das gro­ße Eräug­nis der ver­gan­ge­nen Woche war natür­lich die gera­de noch abge­wen­de­te Zer­stö­rung des Kapi­tols durch die von Donald („Gei­se­rich”) Trump ange­führ­ten oder zumin­dest ange­sta­chel­ten Horden.

Da wir von unse­ren Medi­en exzel­lent infor­miert wer­den, wis­sen wir genau, was in Washing­ton gesche­hen ist und wer zwei­fels­frei hin­ter all dem steckt.

Wir sind auch bes­tens infor­miert, wer die vier Toten waren und wor­an – bzw. womit – sie wäh­rend des bru­ta­len Mob­an­griffs gestor­ben sind. Wir wis­sen, dass eine Frau von einem Poli­zis­ten erschos­sen wur­de, die­ser Vor­fall aber nichts mit Poli­zei­ge­walt zu tun hat. Wir wis­sen, dass es kin­der­leicht ist, ins Kapi­tol zu kom­men, weil davor weder Mer­kel­le­go noch Volks­po­li­zis­ten stehen.

Ganz ohne Stolz ahnen wir, dass der Sturm auf den Reichs­tag (nicht der von 1945, des­sen über­see­isches Revi­val steht noch aus) das heim­li­che Vor­bild die­ses rasen­den Mobs gewe­sen ist.

Es scheint über­haupt ein biss­chen wie in Ber­lin gelau­fen zu sein (wobei hier nichts rela­ti­viert, ver­harm­lost und auf­ge­rech­net wer­den soll; immer­hin stand eine der ältes­ten Demo­kra­tien der jün­ge­ren Neu­zeit prak­tisch vor dem Zusammenbruch).

Fra­ge über Fra­gen:

Aus der Hei­mat von Karl Marx („Das Kapi­tol”) mel­de­ten sich drei füh­ren­de Ver­tre­ter der Kom­in­tern mit Anwort:

Die jenem und womög­lich jedem Mar­schall­plan not­wen­dig vor­aus­ge­hen­de Zer­stö­rung von Tei­len der Innen­städ­te wur­de von Hei­kos Gesin­nungs­kum­pa­nen schon bewerk­stel­ligt, über­wie­gend fried­lich natürlich.

Trotz­dem durf­ten Faschos unge­straft ihre Ver­glei­che absondern.

Für den schlimms­ten aber ist end­lich Sen­se! Es begann zunächst noch halbherzig.

Dann tat man den Unhold in Acht und Bann für immer.

Sou­ve­rän ist, wer über die Online­prä­senz bestimmt. Twit­ter ragier­te als ers­tes der sou­ve­rä­nen Medi­en wahr­haft sou­ve­rän. Sei­ne 89 Mil­lio­nen Fol­lower kann sich Trump jetzt in die Haa­re schmie­ren. Die wider­li­che Rede­frei­heit ist end­lich beendet.

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Für die Sper­rung des Prä­si­den­ten hat Twit­ter fol­gen­de Begrün­dung ver­öf­fent­licht:

„On Janu­a­ry 8, 2021, Pre­si­dent Donald J. Trump Tweeted:

‚The 75,000,000 gre­at Ame­ri­can Patri­ots who voted for me, AMERICA FIRST, and MAKE AMERICA GREAT AGAIN, will have a GIANT VOICE long into the future. They will not be dis­re­spec­ted or trea­ted unfair­ly in any way, shape or form!!!’

Short­ly the­re­af­ter, the Pre­si­dent Tweeted:

‚To all of tho­se who have asked, I will not be going to the Inau­gu­ra­ti­on on Janu­a­ry 20th.’

Due to the ongo­ing ten­si­ons in the United Sta­tes, and an uptick in the glo­bal con­ver­sa­ti­on in regards to the peop­le who vio­lent­ly stor­med the Capi­tol on Janu­a­ry 6, 2021, the­se two Tweets must be read in the con­text of broa­der events in the coun­try and the ways in which the President’s state­ments can be mobi­li­zed by dif­fe­rent audi­en­ces, inclu­ding to inci­te vio­lence, as well as in the con­text of the pat­tern of beha­vi­or from this account in recent weeks. After asses­sing the lan­guage in the­se Tweets against our Glo­ri­fi­ca­ti­on of Vio­lan­ce poli­cy, we have deter­mi­ned that the­se Tweets are in vio­la­ti­on of the Glo­ri­fi­ca­ti­on of Vio­lence Poli­cy and the user @realDonaldTrump should be immedia­te­ly per­ma­nent­ly sus­pen­ded from the service.”

Es geht also um Trumps Tweets: „Die 75 Mil­lio­nen groß­ar­ti­gen ame­ri­ka­ni­schen Patrio­ten, die für mich gestimmt haben, AMERICA FIRST, und AMERICA WIEDER GROSS MACHEN, wer­den auch in Zukunft eine RIESIGE STIMME haben. Man wird sie in kei­ner Wei­se oder in kei­ner Form miss­ach­ten oder unge­recht behandeln!!!”

Und: „Ich wer­de nicht zur Amts­ein­füh­rung (von Joe Biden) am 20. Janu­ar gehen.”

Twit­ter führt aus­schließ­lich die­se bei­den Zita­te als Beleg dafür an, dass Trump zur „Erstür­mung” des Kapi­tols auf­ge­ru­fen und gegen die Richt­li­ni­en des Kon­zerns gegen Gewalt­ver­herr­li­chung ver­sto­ßen habe. So offen­kun­dig grund­los hät­te der Obers­te Sowjet der UdSSR kei­nen Dis­si­den­ten exkommuniziert.

Zuerst mani­pu­lie­ren sie vor aller Augen die Wahl – oder hat jemand für die Kur­ven in Wis­con­sin und Michi­gan eine ande­re Erklä­rung? –, dann zen­sie­ren sie den Prä­si­den­ten, ohne irgend­ei­nen hand­fes­ten Anlass; die­se Figu­ren müs­sen sich ver­dammt sicher füh­len. Twit­ter ist kei­ne Platt­form, son­dern ein Medi­um im Diens­te der US-Demo­kra­ten und der Globalisten.

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Die FAZ teilt mit:

Vor allem davon, wie man Wah­len sichert, ver­steht der Mann was.

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Ich wer­de bis­wei­len gefragt, war­um ich in Treue fest zu die­sem unmög­li­chen Donald hal­te, obwohl der sich so schreck­lich auf­füh­re (ich fin­de eher: erfri­schend), stän­dig Lügen ver­brei­te (was, sofern es über­haupt stimmt, immer noch weit­aus ange­neh­mer ist als die schmie­ri­ge habi­tu­el­le Grund­ver­lo­gen­heit sei­ner poli­ti­schen Kon­kur­ren­ten), die ame­ri­ka­ni­sche Demo­kra­tie beschä­digt habe („Oh weh, oh weh, wie rührt mich dies!”; „Fle­der­maus”) und mir doch wenigs­tens ästhe­tisch ein Greu­el und Graus sein müss­te (stimmt nicht, ich fin­de ihn höchst amü­sant). Nun, sämt­li­che west­li­chen Demo­kra­tien sind beschä­digt, und dar­an tra­gen kei­nes­wegs die Popu­lis­ten die Schuld, son­dern die Glo­ba­lis­ten, die „Any­whe­res”, die dem Demos in „ihren” Län­dern einen stil­len Krieg erklärt haben, weil sie die Völ­ker suk­zes­si­ve abschaf­fen oder jeden­falls ent­mün­di­gen wol­len, am bes­ten durch Ver­mi­schung mit Dritt­welt­mi­gran­ten, um unge­stört von natio­na­len Eigen­sin­nig­kei­ten und natio­na­len Par­la­men­ten herr­schen zu kön­nen, oder, was die Ärme­ren und Düm­me­ren von ihnen angeht, aus rein links­ideo­lo­gi­schen Moti­ven bzw. one-world-Flau­sen. Und Trump, die­se Mischung aus Leo­ni­das, Cato und Rien­zi (um ein Gleich­nis im Sin­ne der Grün­der­vä­ter zu bil­den), steht auf der Sei­te der Völ­ker gegen die glo­ba­lis­ti­sche Kra­ke, des­we­gen has­sen sie ihn so. Wer woll­te da in Detail­fra­gen und Geschmacks­be­lan­gen wäh­le­risch sein?

Übri­gens: Ver­glei­chen Sie mal Trump mit Nan­cy Pelo­si (von Slee­py Joe wol­len wir gar nicht erst reden), ver­glei­chen Sie ihn mit die­ser poren­tief gift­durch­tränk­ten Per­son (bei­na­he hät­te ich Schach­tel geschrie­ben), die den Prä­si­den­ten als „gestört, ver­wirrt und gefähr­lich” bezeich­net und der Öffent­lich­keit hunds­mi­se­ra­bel vor­schau­spie­lert, sie fürch­te, der glor­rei­che Nah­ost-Frie­dens­stif­ter und Trup­pen­ab­zie­her, der Syri­en­kriegs­be­en­der, der ein­zi­ge US-Prä­si­dent zu mei­nen Leb­zei­ten, der kein Land ange­grif­fen hat, die­se für den Nobel­preis nomi­nier­te blon­de Frie­dens­tau­be kön­ne auf den letz­ten Drü­cker Atom­waf­fen ein­set­zen – gegen wen eigent­lich? Wahr­schein­lich gegen das Sili­con Valley.

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Die Mel Gib­sons der Zukunft wer­den Fil­me über Bra­ve­he­art Trump drehen.

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Slee­py Joe kün­digt sei­ne ers­te Maß­nah­men an:

Da man nicht weiß, wer die­sen Kerl gewählt hat, weiß man auch nicht recht, wem man’s vor­wer­fen soll.

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Der lan­ge Weg nach Wes­ten, so habe ich im Stahl­bad der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung gelernt, ist die auf dem Boden des Grund­ge­set­zes gül­ti­ge Ver­si­on der Vor­se­hung. Die west­li­chen Demo­kra­tien, ins­be­son­de­re die ame­ri­ka­ni­sche, ver­kör­per­ten jenes End­ziel der Geschich­te, als wel­ches man uns Zonend­ödeln 40 Jah­re lang den Welt­kom­mu­nis­mus hat­te andie­nen bzw. ein­bläu­en wol­len. Um der Geschich­te auf die Sprün­ge zu hel­fen und das his­to­ri­sche Klas­sen­ziel zügi­ger zu errei­chen, war es erlaubt, ver­stock­te Län­der zu bom­bar­die­ren und auf Vor­se­hungs­li­nie zu brin­gen, vor allem im nach Demo­kra­tie dürs­ten­den Ori­ent. Mit der Gro­ßen Öff­nung des Jah­res 2015 bewies die von Oba­ma ganz über­flüs­si­ger­wei­se rund um die Uhr abge­hör­te Bun­des­kanz­le­rin, dass das von ihr ver­wal­te­te Sied­lungs­ge­biet sei­nen lan­gen Marsch nach Wes­ten auch men­tal erfolg­reich voll­zo­gen hat­te. Lei­der zog Ame­ri­ka in der Fol­ge­zeit nicht mehr mit und been­de­te die Flücht­lings­pro­duk­ti­on spe­zi­ell in Syri­en; Donald Trump ver­bün­de­te sich sogar mit dem völ­ki­schen Teil Isra­els gegen die pro­gres­si­ven Diver­si­fi­zie­rungs­ten­den­zen unter den Arabarn (Ara­ber + Nach­bar = Arabar). Mit der Inau­gu­ra­ti­on Joe Bidens kehrt nun die Mensch­heits­hoff­nung auf die Wie­der­auf­nah­me der gerech­ten Krie­ge zurück.

Wenn ich mir heu­te die USA anschaue, die­ses in Fort­schritt­lich­keit, Diver­si­tät und Tole­ranz geein­te Land, denn begrei­fe ich, war­um es gut und rich­tig ist, dass Ame­ri­ka sein Gesell­schafts­mo­dell mit neu­em Elan in mög­lichst alle Län­der der Erde trägt.

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Auch wenn Bidens Fest­plat­te sich sel­ber löscht, wird unter der zwi­schen­zeit­li­chen Füh­rung des „Prä­si­den­ten aller Brief­wäh­ler” (Bernd Zel­ler) eine bei­spiel­lo­se Zen­sur- und Lösch­or­gie anhe­ben. Die ARD mel­det verständnisvoll:

Der Mozil­la-Blog fordert:

Näm­lich End­lö­sun­gen für die Löschung der Wei­ßen und Bösen:

„But as repre­hen­si­ble as the actions of Donald Trump are, the ram­pant use of the inter­net to foment vio­lence and hate, and rein­for­ce white supre­ma­cy is about more than any one per­so­na­li­ty. Donald Trump is cer­tain­ly not the first poli­ti­ci­an to explo­it the archi­tec­tu­re of the inter­net in this way, and he won’t be the last. We need solu­ti­ons that don’t start after untold dama­ge has been done.

Chan­ging the­se dan­ge­rous dyna­mics requi­res more than just the tem­pora­ry silen­cing or per­ma­nent remo­val of bad actors from social media platforms.”

Auf You­tube, wo gelöscht wird, wie sonst kaum bei Busch­brän­den, ver­schwand ein Inter­view mit der Invest­ment­ban­ke­rin Cathe­ri­ne Aus­tin Fitts über das Welt­fi­nanz­sys­tem in der Coro­na­kri­se, nach­dem es zwei­ein­halb Mil­lio­nen Men­schen ange­klickt hat­ten (hier ist es zu sehen):

Bei Danisch fand ich die­se Lis­te ent­fern­ter Accounts:

Mich errei­chen so diver­se Hin­wei­se, wer da gera­de alles aus den Social Media ent­fernt wird. Ob es stimmt, ob es berech­tigt ist und wer das alles im Ein­zel­nen über­haupt ist, das kann ich nicht beur­tei­len”, schreibt Danisch. „Es war ein fun­da­men­ta­ler Feh­ler, die Social Media-Hoheit ame­ri­ka­ni­schen Fir­men wie Face­book, Whats­app, Twit­ter, You­tube zu über­las­sen. Und noch mehr, die Hoheit über die Mobiltelefone.”

Dass aus­ge­rech­net ihre popu­lis­ti­schen Geg­ner die neue Frei­heit der online-Medi­en in einer Art Hegel­scher List der Ver­nunft für sich nutz­ten, hat die Mil­li­ar­därs­so­zia­lis­ten von Big Data in Rage ver­setzt. Nun schlägt das Impe­ri­um zurück. Wir mar­schie­ren gera­de­wegs in den Zen­sur- und Gesin­nungs­staat. Von Hei­ko müs­sen die Amis in punc­to Netz­werk­durch­set­zungs­mar­schall­plan gar nichts lernen

Das passt auch irgend­wie dazu:

 

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Milo wüss­te eine Lösung:

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Das mar­xis­ti­sche Schrift­tum nach dem Tode von Marx ist eine ein­zi­ge durch­ge­hen­de Refle­xi­on über die Parusieverzögerung.

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Nach­dem sich bereits ihr Gspu­si Heri­bert, mit dem ich zuvor noch nie einer Mei­nung war, gegen die Coro­na-Angst­ma­che erklärt hat­te, setzt nun Fran­zis­ka Aug­stein das Gespräch im Hau­se Prantl über die abwe­sen­den Grund­rech­te auf Spie­gel online fort. „Die Mehr­heit der Bun­des­bür­ger fin­det es völ­lig in Ord­nung, dass Grund­rech­te über die Köp­fe ihrer Abge­ord­ne­ten im Bun­des­tag hin­weg außer Kraft gesetzt wer­den, dass also die deut­sche Demo­kra­tie par­ti­ell außer Kraft gesetzt wird”, notiert sie. „Wie ist das mög­lich? Wie kann aus­ge­rech­net in Deutsch­land, das mit Dik­ta­tu­ren schlim­me Erfah­run­gen gemacht hat, so etwas passieren?”

Die Toch­ter Rudolf Aug­steins, von dem man mit Sicher­heit sagen kann, dass er sich heu­te genau­so wenn nicht noch dras­ti­scher äußern wür­de, zitiert die Medi­en­wis­sen­schaft­ler Den­nis Gräf und Mar­tin Hen­nig von der Uni­ver­si­tät Pas­sau, die eine Stu­die mit Aus­wer­tun­gen der Son­der­sen­dun­gen von ARD und ZDF zum The­ma Covid-19 ver­öf­fent­licht haben. „Die Ergeb­nis­se sind eini­ger­ma­ßen erschüt­ternd: Bei­de Sen­der hät­ten in Wort und Bild das Gefühl der Angst geschürt. Vie­le Sen­dun­gen hät­ten ‚auf die Bild­wel­ten apo­ka­lyp­ti­scher End­zeit­er­zäh­lung’ zurück­ge­grif­fen, wie man sie aus Hol­ly­wood­fil­men kennt, ange­fan­gen mit ver­wais­ten Stra­ßen. Dass eine Stra­ße leer ist, wenn die Men­schen nicht aus dem Haus gehen, ist nor­mal. Wenn die­se Stra­ße dann aber gefilmt wird und damit ’neue wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se’ illus­triert wer­den, wirkt das einschüchternd.”

Fazit: „Was für die Öffent­lich-Recht­li­chen gilt, trifft auch auf vie­le ande­re Medi­en zu: Angst­ma­che war und ist Programm.”

„Wenn so etwas schon im Spie­gel steht”, ver­si­chert Freund ***, dann habe all­mäh­lich eine kri­ti­sche Mas­se „die Schnau­ze gestri­chen voll”.

PS: Auf Jour­na­lis­ten­watch schrei­ben sie, dass sich immer mehr Selb­stän­di­ge und Künst­ler das Leben nehmen.

***

Apro­pos. Der AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Tho­mas Seitz war lebens­be­droh­lich schwer an Covid-19 erkrankt und lag auf der Inten­siv­sta­ti­on, was inso­fern pikant ist, als Seitz, 53, im Par­la­ment als schar­fer Kri­ti­ker des Lock­downs und der Mas­ken­pflicht auf­trat. Zurück im Leben und dem Tod, wie man sagt, von der Schip­pe gesprun­gen, erklärt er auf Face­book, er habe nie die Exis­tenz des Sars-Cov-2-Virus noch die Gefähr­lich­keit der Covid-19-Erkran­kung in Abre­de gestellt. „Ich bin jedoch unver­än­dert der Auf­fas­sung, dass bis­lang kei­ne pan­de­mi­sche Lage vor­liegt.” Nur etwa jeder vier­te Inten­siv­pa­ti­ent sei an Covid-19 erkrankt.

Vom per­sön­li­chen Schick­sal abs­tra­hie­ren zu kön­nen, ist ein Zei­chen von Charakter.

***

Der älter wer­den­de Mensch sieht sich mit der Ver­su­chung kon­fron­tiert, fünf gera­de sein und sich gehen zu las­sen, zu ver­fet­ten, der Schwer­kraft zu fol­gen, zu ver­wahr­lo­sen, zu clo­char­di­sie­ren, weil es ja ohne­hin egal ist. Wem will er schließ­lich noch impo­nie­ren? Wem etwas vor­spie­len? Für wen sich anstren­gen? Wofür die­ser gan­ze Auf­wand, die Form zu hal­ten? Die Kar­rie­re hat längst ihren Höhe­punkt erreicht bzw. über­schrit­ten; die Kin­der sind aus dem Haus oder befin­den sich zumin­dest in einem Alter, wo es ange­zeigt wären; den Frau­en muss man nichts mehr vor­gau­keln; Lei­bes­übun­gen tra­gen längst den Cha­rak­ter von Abwehr­schlach­ten und wer­fen die Fra­ge nach dem Sinn die­ser Zeit­ver­schwen­dung auf; alles All­täg­li­che erfor­dert zuneh­men­de Anstren­gun­gen. Aus dem Spie­gel lugt der Ver­fall. Im Gegen­zug wach­sen die Gleich­gül­tig­keit, die Bequem­lich­keit und der Appe­tit. Vor allem locken die Won­nen der Gas­tro­no­mie! Und des Sit­zens über­haupt! Wofür sich noch anstren­gen? War­um noch etwas ler­nen? War­um noch kom­pli­zier­te Tex­te lesen? War­um sich jeden Mor­gen rasie­ren? War­um eine Kra­wat­te umbin­den? Wozu über­haupt auf Klei­dung ach­ten? War­um auf den Bauch­um­fang? Es inter­es­siert doch nie­man­den, und außer­dem ist es viel beque­mer, all die­se Zwän­ge hin­ter sich zu las­sen, du stirbst ja eh bald oder ziem­lich bald, jeden­falls irgend­wann, dann ist es egal, wie gut der Anzug sitzt und was du auf den Rip­pen hast.

Wer sich umschaut, stellt unwei­ger­lich fest, dass dies die mehr­heits­fä­hi­ge Per­spek­ti­ve aufs letz­te Lebens­drit­tel ist. Und sie hat ja viel für sich.

Trotz­dem muss man ihr ent­schie­den wider­ste­hen. Sein tat­säch­li­ches Alter nicht zu ver­leug­nen ist das eine, sich der Regres­si­on hin­zu­ge­ben das ande­re. Es stimmt, jen­seits einer gewis­sen Alters­gren­ze wer­den immer mehr Din­ge egal, doch ich betrach­te das als eine Befrei­ung zum Wesent­li­chen, nicht zur Indo­lenz. Für vie­le mei­ner Zeit- und Alters­ge­nos­sen sind fal­sche poli­ti­sche Ansich­ten ein hin­rei­chen­der Grund, den Kon­takt abzu­bre­chen, mir genü­gen bereits her­vor­sprie­ßen­de Nasen­haa­re oder ande­re Zei­chen äußer­li­cher Ver­wahr­lo­sung, etwa das Tra­gen von Jacks Wolfs­häu­ten, ihn gar nicht erst zu suchen.

PS: „Die­se bemüht selbst­ge­fäl­li­ge, offen­bar über­le­bens­not­wen­di­ge Abspal­tungs­sehn­sucht, die­se spie­ßi­ge Selbst­über­hö­hung wird Ihnen auf die Füße fal­len. Ein Aris­to­krat läßt den Rang­nie­de­ren den Abstand nicht spüren.”
Leser ***

Ach was, geehr­ter Herr ***, unser­eins hat doch auch einen Erziehungsauftrag. 😉

***

Hei­ko Maas, der Dorf­rich­ter Adam, ermit­telnd, wer der Nazi ist – –

 

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