16. Januar 2021

Es hat lan­ge gedau­ert, bis ich mich zum Ser­vus! durch­rin­gen konn­te, doch dann war es auf ein­mal eine gro­ße Erleichterung.

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Was wird das ein­zi­ge garan­tier­te Ergeb­nis der Coro­na-Bekämp­fung sein?
Staatsknechtschaft.

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Es ist eine zwar cle­ve­re, aber völ­lig abwe­gi­ge Idee, zu behaup­ten, allein Frau­en ver­trä­ten weib­li­che Inter­es­sen (dar­auf beruht ja die Quo­ten­for­de­rung), wo man doch weiß, wie wenig sich Frau­en lei­den kön­nen, wenn sie mit­ein­an­der arbei­ten, kon­kur­rie­ren, ja sich nur im Büro gegen­über­sit­zen müs­sen. Wer sagt, dass Män­ner kei­ne Poli­tik im Frau­en­in­ter­es­sen machen, viel­leicht sogar bes­ser als Frau­en? Bevor­zu­gen die meis­ten Frau­en nicht männ­li­che Chefs, weil sie wis­sen, dass sie von Che­fin­nen ziem­lich ver­läss­lich gemobbt wer­den? Wäh­len nicht gera­de Frau­en männ­li­che Politiker?

Frau­en­quo­ten sind nicht erfun­den wur­den, um den Frau­en zu nut­zen, son­dern den Quotenfrauen.

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Eines muss man dem Hit­le­ra­dolf las­sen: Er ist der schlecht­hin­ni­ge Blick­fang, der dau­er­haf­tes­te, erfolg­reichs­te, der unver­zicht­ba­re Cover­boy und Bewegt­bild-Hin­gu­cker des Medi­en­zeit­al­ters. Jeden Tag läuft er im TV, schaut einen aus der Zei­tung an, taucht irgend­wo als Emo­ji der unver­gleich­li­chen Schan­de auf,  lau­ert hin­ter einer Schlag­zei­le. Ver­sam­mel­te man Shaki­ra, Lady Gaga, Joe Biden, A. Mer­kel und ihn auf einer Büh­ne, alle Welt wür­de nur auf Hit­ler schau­en; die ande­ren exis­tier­ten neben ihm gar nicht. Nicht ein­mal der gött­li­che Donald käme neben ihm in Betracht.

Neu­lich, in der Höl­le, sol­len Sta­lin und Mao den Füh­rer nei­disch gefragt haben: Wie schaffst du es bloß, dass du dau­ernd in den Medi­en bist? Wahr­schein­lich hat außer Jesus Chris­tus kei­ne Figur eine höhe­re iko­ni­sche Halb­werts­zeit als die­ser Teufelsbraten.

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Bernd Zel­ler.

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In sei­nem Buch „Der Wett­kampf um die Klu­gen” – es wur­de hier brei­test­mög­lich für gut befun­den, befür­wor­tet und geneh­migt – beschreibt Gun­nar Hein­sohn ein Inte­gra­ti­ons­ex­pe­ri­ment. Zwei Grup­pen von je 500 Per­so­nen, die sich zuvor nie gese­hen haben, alle im Alter zwi­schen 20 und 30 Jah­ren, Män­ner und Frau­en gleich­ver­teilt, alle­samt hell­häu­tig, aus christ­li­chen Län­dern stam­mend, die glei­che Spra­che spre­chend, wer­den auf Kos­ten des ver­an­stal­ten­den Minis­te­ri­ums in den schöns­ten Hotels eines über­schau­be­ren Alt­stadt­area­les unter­ge­bracht, wo sie eini­ge Wochen aus­schließ­lich unter­ein­an­der ver­brin­gen sol­len, wobei sie in allen Thea­tern, Muse­en, Kinos, Kon­zer­ten frei­en Ein­tritt sowie Gut­schei­ne für Restau­rants und Bars erhal­ten. Die eine Grup­pe trägt grü­ne, die ande­re gel­be Armbänder.

Fünf Jah­re spä­ter wird der Inte­gra­ti­ons­er­folg gemes­sen: Wie vie­le Pro­ban­den haben Bekannt­schaft oder Freund­schaft geschlos­sen, tref­fen sich noch immer, ver­an­stal­ten gemein­sam Par­tys, fah­ren zusam­men in die Feri­en? Wie­vie­le Part­ner­schaf­ten sind entstanden?

Das Resul­tat ist rät­sel­haft. Es gab ein paar äußerst kur­ze Lieb­schaf­ten, eini­ge aus der grü­nen Grup­pe wur­den Pati­en­ten bei Ärz­ten aus der gel­ben, dar­über hin­aus fand kei­ner­lei Ver­mi­schung im per­sön­li­chen Bereich statt. Es ist, als gehör­ten bei­de Hau­fen ver­schie­de­nen Gat­tun­gen an. Warum?

Die gel­be Grup­pe bestand aus Exzel­lenz­stu­den­ten, die grü­ne aus Schulabbrechern.

„Bil­dungs­fer­ne und Hoch­qua­li­fi­zier­te inte­grie­ren sich nicht”, sta­tu­iert Hein­sohn (außer, erlau­be ich mir hin­zu­zu­fü­gen, im Schüt­zen­gra­ben oder im Unter­grund). Brin­ge man jedoch intel­li­gen­te bzw. qua­li­fi­zier­te Men­schen zusam­men, die wenigs­tens eine gemein­sa­me Spra­che beherrsch­ten, sei es plötz­lich egal, aus wel­chen Kul­tur­krei­sen sie stamm­ten; spä­tes­tens ab der zwei­ten Genera­ti­on kom­me es zur völ­li­gen Ver­mi­schung – „bis zu gemein­sa­men Par­tei­en, Unter­neh­men, Medi­en, Fami­li­en”. Bil­dung inte­grie­re stär­ker als Kul­tur, aller­dings nur in den obe­ren sozia­len Milieus. „Über­spitzt for­mu­liert: Bei Oben-Oben fin­det man ohne Inte­gra­ti­ons­in­dus­trie zuein­an­der. Bei Oben-Unten bleibt Inte­gra­ti­on aus. Bei Unten-Unten ist Mili­tanz programmiert.”

Die­ses rei­ne Gedan­ken­ex­pe­ri­ment in die Tat umzu­set­zen, ist unnö­tig, weil die Rea­li­tät es ja stän­dig von Neu­em durch­spielt. Es beschreibt das Elend der deut­schen Migra­ti­ons­po­li­tik und zugleich die elen­de Dop­pel­zün­gig­keit derer, die von ihren sozia­len Logen­plät­zen aus die hei­mi­schen Unter­schich­ten beschimp­fen und ver­ur­tei­len, wenn die­se deplor­ables der ins Land drän­gen­den – und sie sel­ber ver-drän­gen­den – Kon­kur­renz um bil­li­gen Wohn­raum, ein­fa­che Jobs und öffent­li­che Domi­nanz nicht mit Ted­dys, Blu­men und sexu­ell ver­füg­ba­ren Töch­tern begeg­nen, son­dern mit Ableh­nung. Als deut­scher Any­whe­re hast du kei­ne Pro­ble­me mit den Any­whe­res aus ande­ren Län­dern, die den­sel­ben sozia­len Sta­tus haben, egal in wel­cher Stadt man sich die Eta­ge, die Schu­le und den Club teilt; aus die­sen Sozio­to­pen – die tat­säch­lich eher abge­schot­tet als welt­of­fen sind – lässt sich leicht Kos­mo­po­li­tis­mus und Diver­si­tät pre­di­gen. Den Kon­takt zu den sozi­al Abge­häng­ten, egal ob hei­mi­schen oder migran­ti­schen Hin­ter­grunds, mei­det man dort ähn­lich peni­bel wie ein from­mer Mos­lem den Wein oder die Gra­zi­en den Heiko.

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Zum Vori­gen.

„Von kogni­tiv Nach­ran­gi­gen lässt man sich so lan­ge Vor­schrif­ten machen, wie sie Macht über einen haben. Ansons­ten hält man Abstand”, kon­sta­tiert Heinsohn.

Ich gestat­te mir, prä­zi­sie­rend hin­zu­zu­set­zen: Wer sich im Ernst­fall von den eth­nisch ähn­li­chen Dum­men distan­ziert, könn­te sich der­einst unter der Fuch­tel von eth­nisch unähn­li­chen kogni­tiv Nach­ran­gi­gen wiederfinden.

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Rech­te Het­zer ver­brei­ten die Ver­schwö­rungs­theo­rie, in Deutsch­land fin­de ein Bevöl­ke­rungs­aus­tausch statt. Tat­säch­lich han­delt es sich aber ledig­lich um einen regio­nal begrenz­ten Verwaltungsaustausch.

Wer die sämt­li­che Maß­nah­men stur­heil voll­stre­cken­den deut­schen Behör­den in der Coro­na­kri­se beob­ach­tet (hier ein paar Bei­spie­le), kommt ohne­hin zu dem Schluss, dass ein biss­chen Kor­rup­ti­on und Schlam­pe­rei die­sem Land ganz gut tun wür­de – in auto­ri­tä­ren Sys­te­men ist die Kor­rup­ti­on bekannt­lich das letz­te Refu­gi­um der Freiheit.

Wie aber soll das funk­tio­nie­ren mit dem Beam­ten­aus­tausch? Natür­lich, wie bei den Frau­en­quo­ten, über Dis­kri­mi­nie­rung. Das heißt, die Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und nicht die Eig­nung ent­schei­det über die Ein­stel­lung, wie das bei den Grü­nen ja schon seit Jah­ren läuft, und die sit­zen immer­hin in Ber­lin und womög­lich bald im Bund in der Regie­rung, so falsch kann es also nicht sein. „Noch vor der Wahl im Herbst will Rot-Rot-Grün ein ent­spre­chen­des Gesetz ver­ab­schie­den: Migra­ti­ons­hin­ter­grund wird als posi­ti­ves Ein­stel­lungs­merk­mal ein­ge­führt”, schreibt der Tages­spie­gel. Das heißt, die­je­ni­gen, die schon län­ger hier leben, müs­sen zuguns­ten von Kan­di­da­ten mit dem exis­tenz­ver­edeln­den Hin­ter­grund auf den einen oder ande­ren öffent­li­chen Job ver­zich­ten, weil sie unkri­tisch weiß, struk­tu­rell ras­sis­tisch sowie Nach­kom­men von Kon­quis­ta­do­ren sind und ihre Groß­el­tern Hit­ler nicht ver­hin­dert haben. „Soweit sind wir, Noten, Vater­lands­lie­be, Fleiß, ein anstän­di­ger Lebens­lauf, alles futsch”, kom­men­tiert Leser ***, der mir die­sen Link zuschick­te. (Aber wer will denn mit guten Noten und einem anstän­di­gen Lebens­lauf in die Ber­li­ner Verwaltung?)

„Wir haben den Anspruch, dass alle Men­schen in die­ser Stadt die glei­chen Chan­cen haben”, erklär­te die Sena­to­rin für Arbeit, Inte­gra­ti­on und Sozia­les, Elke Brei­ten­bach, dem Tages­spie­gel. „Struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung neh­men wir nicht hin.” Die Stirn muss man haben: Die struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung der Ein­ge­bo­re­nen ein­füh­ren, um eine angeb­li­che struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung von Migran­ten zu been­den. Frau Brei­ten­bach, die als Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin, Gewerk­schafts­se­kre­tä­rin, Arbeits­lo­se und ABM-Fach­kraft in der Gedenk­stät­te Sach­sen­hau­sen Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen sam­mel­te, bevor sie in die Poli­tik wech­sel­te, kommt übri­gens von der Linkspartei.

Theo­re­tisch – ich ver­wei­se auf Gun­nar Hein­sohn – wäre es nicht schlecht, wenn die Ber­li­ner Behör­den mit intel­li­gen­ten und flei­ßi­gen Ost­asia­ten berei­chert wür­de, aber dar­auf wird es wohl nicht hin­aus­lau­fen; die benö­ti­gen zum einen kei­ne Quo­te, weil sie ja intel­li­gent und flei­ßig sind, und beson­ders vie­le von ihnen woh­nen aus dem iden­ti­schen Grun­de nicht in der eins­ti­gen sowie künf­ti­gen DDR-Hauptstadt.

Als nächs­tes soll­te Ber­lin eine Migran­ten­quo­te bei Flug­zeug­inge­nieu­ren und Herz­chir­ur­gen einführen.

***

Obwohl wir der­zeit mit zwei­ten oder drit­ten Lock­down kujo­niert wer­den, obwohl die Poli­zei inzwi­schen Kin­der­ge­burts­ta­ge auf­löst und Rodel­bah­nen räumt, um den Inzi­denz­wert und die Zahl der Grip­pe­to­ten zu sen­ken, obwohl, obwohl, obwohl:

Alle Ein­schrän­kun­gen, lesen wir enthu­si­as­miert, „gel­ten nicht für Zuwan­de­rer aus dem Aus­land, wenn sie über die Gren­ze kom­men und sich ‚Flücht­lin­ge’ nen­nen.” Auch Fami­li­en wer­den mun­ter zusam­men­ge­führt, wie groß sie immer sein mögen, denn spe­zi­ell im Ori­ent gilt die Fami­lie eben noch etwas!

Dem deut­schen Publi­kum, lesen wir wei­ter, sei es „kaum noch mög­lich, sich ein rea­lis­ti­sches Bild von der Mas­sen-Zuwan­de­rung aus dem Aus­land zu machen. Das ist auch schon des­we­gen nicht akzep­ta­bel, weil Exper­ten davon aus­ge­hen, dass rund 50 bis 80 Pro­zent aller die­ser Zuge­wan­der­ten dau­er­haft Sozi­al­leis­tun­gen erhal­ten, weil die­se ‚Flücht­lin­ge’ nicht wil­lens oder in der Lage sind, offi­zi­ell einer Beschäf­ti­gung nachzugehen.”

Der Rest fin­det bestimmt dem­nächst ein war­mes Quo­ten­plätz­chen in der haupt­städ­ti­schen Ver­wal­tung. Und nun freue dich, Berlin!

***

Nur mit der Frau­en­quo­te dürf­te es schwie­rig werden.

Aber die meis­ten Ker­le suchen ja Schutz, nicht Arbeit.

***

Über­haupt, unse­re dis­kre­ten Jour­na­lis­ten! „Soll­ten Sie”, bit­tet Leser ***, „die­se Mel­dung schon an ande­rer Stel­le gefun­den haben (z.B. in Deutsch­lands Leit­me­di­en), las­sen Sie mich wis­sen wo.” Die­se nämlich:

Eine Demons­tra­ti­on von „Allo­chtho­nen” – das sind Per­so­nen bzw. in sol­chen Fäl­len ver­läss­lich Grup­pen von Men­schen gebiets­frem­der Her- und Abkunft, was sie in Euro­pa dat­tel­pal­men­hoch über die Auto­chtho­nen erhebt – ist im lau­schi­gen Brüs­sel „ent­ar­tet”: Die Social Jus­ti­ce War­ri­ors bewar­fen den könig­li­chen Kon­voi mit Stei­nen, wäh­rend sich der Mon­arch im Fahr­zeug befand; ein Poli­zist wur­de schwer dabei verletzt. 

Viel­leicht nimmt sich Majes­tät nach der mon­ar­chie­kri­ti­schen Akti­on mal die Ber­li­ner Ver­wal­tung zum Vor­bild dafür, wie man Men­schen, die Teil­ha­be, Wie­der­gut­ma­chung und Respekt for­dern, aber trotz­dem einen Job wol­len, einen ver­schafft, damit sie nicht mit Stei­nen wer­fen müssen.

***

„Ich fürch­te, ich (dem­nächst 72 Jah­re alt) wer­de die end­gül­ti­ge Umwand­lung Deutsch­lands in eine Demo­kra­tur noch erle­ben. Das hät­te ich mir nie vor­stel­len können.
Bemer­kens­wert fin­de ich, wie der drit­te deut­sche Staat inner­halb hun­dert Jah­ren ohne nen­nens­wer­te bür­ger­li­che Gegen­wehr erneut scheitert.”
(Leser­zu­schrift an Publi­co)

***

Kein Tag ohne Donald!

Der Dik­ta­tor ist der­je­ni­ge, der die Zen­sur aus­übt. Das beschreibt recht gut die Lage.

***

„Und ein Engel sprach zu mir: Gehe hin und zitie­re sie. Da ging ich hin und zitier­te sie.”
Karl Kraus

„Mit wem hat man es zu tun, wenn man einer ver­schlei­er­ten Frau begeg­net? Sorg­falt hat sie auf ihre Klei­dung ver­wen­det, ihr ist nicht gleich­gül­tig, wie sie sich zeigt. Sie schützt sich vor zudring­li­chen Augen und will ihrer­seits nicht auf­dring­lich sein. Mit einem Blick ord­nen wir ihre Erschei­nung einem ele­men­ta­ren mora­li­schen Gefühl zu, für das der Begriff der Scham steht. Die­se Regung ist nicht gesellschaftsfeindlich.”
Also mein­te Patrick Bah­n­ers-Duck in sei­nem beschä­mungs­kri­ti­schen Ser­mon „Die Panik­ma­cher” (S. 105; das Foto ist übri­gens in Mün­chen aufgenommen).

Eine Sei­te wei­ter heißt es: „In Tücher ein­ge­hüllt wird nor­ma­ler­wei­se das Kost­ba­re.” Gilt eigent­lich auch der Umkehrschluss?

***

Leser *** „kam die Idee, den alten sie­ben Kar­di­nal­sün­den die sie­ben Kar­di­nal­sün­den der Gegen­wart gegen­über­zu­stel­len. Mir gefällt die alte Lis­te (trotz der eher schwa­chen Punk­te 5–7) bes­ser, auch wenn Wich­ti­ges fehlt, z.B. Macht­gier, Wil­lens­schwä­che*, Dummheit …

  1. Hab­sucht
  2. Stolz
  3. Neid
  4. Zorn
  5. Unkeusch­heit
  6. Unmä­ßig­keit
  7. Träg­heit oder Über­druss (ace­dia)

Die sie­ben Kar­di­nal­sün­den heute:

  1. Ras­sis­mus
  2. Natio­na­lis­mus
  3. Isla­mo­pho­bie
  4. Homo­pho­bie
  5. Sexis­mus
  6. Kli­ma­l­eug­nung (Leug­nung der men­schen­ge­mach­ten Erderwärmung)
  7. Coro­nal­eug­nung

Alle die­se Kar­di­nal­sün­den gel­ten als typisch rechts (‚rechts’ bzw. ‚demo­kra­tie­feind­lich’ ist der alles Böse umfas­sen­de Ober­be­griff) und füh­ren zu den ver­schie­dens­ten For­men men­schen­feind­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung, zu ‚Hass’ und ‚Het­ze’ ”.

* Muss das nicht, geehr­ter Herr ***, „Will­kom­mens­schwä­che” heißen?

***

Die fet­ten, kin­der­schän­de­ri­schen Kapau­ne, die ihren Schäf­chen die Chris­ten­ver­fol­gung in Nord­afri­ka als Teil des inter­re­li­giö­sen Dia­logs verkaufen –

***

Der Wunsch, jün­ger oder noch ein­mal jung zu sein, ist so alt wie die Men­schen­welt. Wohl kein in die Jah­re gekom­me­ner Sterb­li­cher ver­spürt nicht mit­un­ter die­se Sehn­sucht in sich. Unter­stel­len wir ein­mal, sie kön­ne erfüllt wer­den. Wie wün­schens­wert wäre es über­haupt, wie­der jung zu sein? In die­sem Fall müss­te frei­lich ein Min­dest­maß an Wunsch­lo­gik gel­ten. Es wäre unsin­nig, wenn ein Mensch sich zugleich wünsch­te, ein Ande­rer zu sein. Die Logik wür­de gebie­ten, dass man nur sein eige­nes Leben noch ein­mal leben dürf­te. Und auch das kei­nes­wegs mit dem inzwi­schen erlang­ten Wis­sen – das wäre ja den Alters­ge­nos­sen gegen­über extrem unfair, man stün­de sozu­sa­gen unter Weis­heits­do­ping; außer­dem könn­te ein Mensch, der in die Ver­gan­gen­heit zurück­reist, jeder­zeit den Lauf der Geschich­te ändern –, son­dern exakt mit dem Erkennt­nis­stand von damals.

Die Fra­ge müss­te also lau­ten: Willst du dein gesam­tes Leben in haar­ge­nau der­sel­ben Wei­se noch ein­mal leben? Willst du, gewis­ser­ma­ßen als ein Sit­zen­blei­ber des Daseins, die gesam­te Klas­se wie­der­ho­len? Das gro­ße Da capo erle­ben, das Nietz­sche, der Kün­der der Ewi­gen Wie­der­kehr, in die eksta­ti­schen Wor­ten fass­te: „ ‚War D a s – das Leben?’ will ich zum Tode spre­chen. ‚Wohl­an! Noch ein Mal!’ ”

Mag sein, dass Freund Heins Nahen bei beson­ders Emp­find­sa­men einen solch gewal­ti­gen Flucht­re­flex aus­löst, doch die Fra­ge sei nicht an den Todes­na­hen, son­dern nur an den etwas Geal­ter­ten gerich­tet, auch nicht an Gefol­ter­te, Kriegs­krüp­pel oder ander­wei­tig Gezeich­ne­te, ich stel­le sie nicht ein­mal dem Aller­welts-Zeit­ge­nos­sen, dem sich der Band­schei­ben­vor­fall als schmerz­lichs­te Erfah­rung ein­präg­te, son­dern – dies ist ja mein Dia­ri­um – mir. Das Gan­ze noch ein­mal? Die schreck­li­che Hilf­lo­sig­keit der frü­hen Jah­re? Die end­lo­se Bevor­mun­dung durch Eltern, Betreu­er, Leh­rer, über­haupt Älte­re? Noch ein­mal den Ter­ror der Zubett­geh­zei­ten, Essens­zei­ten, Unter­richts­zei­ten, Fern­seh­zei­ten, Spiel­zei­ten, Sport­zei­ten, Schla­fens­zei­ten erle­ben? Die Höl­le der ande­ren, vom Kin­der­gar­ten an, mit ihren Hack­ord­nun­gen, ihrem Stumpf­sinn, ihren Pri­mi­ti­vi­tä­ten, ihren uner­träg­li­chen Gerü­chen und der jeder­zeit bis zur Gewalt­tä­tig­keit stei­ger­ba­ren Aver­si­on gegen­über dem Außen­sei­ter? Noch ein­mal ein Teen­ager sein mit sei­ner när­ri­schen Peer-Group-Iden­ti­tät, die­sem Ein­heits­den­ken, dem Kol­lek­tiv­druck beim Mei­nen, Sich­klei­den, Aus­schlie­ßen, Hän­seln? Noch ein­mal all den hoch­tra­ben­den Unsinn den­ken müs­sen, der einem Her­an­wach­sen­den durch die Rübe rauscht? Noch ein­mal zurück in die dum­me und form­lo­se Jugend­meu­te, das Jahr­hun­dert in die Schran­ken for­dernd? Noch ein­mal die eige­nen Prah­le­rei­en hören müs­sen und die der ande­ren, das alber­ne ewi­ge Kon­kur­rie­ren der Ker­le, die stän­di­gen Schwanz­ver­glei­che? Wünscht tat­säch­lich jemand, sich selbst als Puber­tie­ren­dem wie­der­zu­be­geg­nen? Die grau­en­haf­te Spra­che der Jugend noch ein­mal spre­chen? Die grau­en­haf­te Musik noch ein­mal hören? Die schlech­ten Gesprä­che noch ein­mal füh­ren, den mise­ra­blen Fusel noch ein­mal trin­ken? Noch ein­mal der Töl­pel sein, der sei­ne bla­ma­blen Debüts bei den Mädels gibt? Noch ein­mal Rügen vor dem Fah­nen­ap­pell, Selbst­kri­tik vor der Klas­se, jah­re­lan­ge sozia­lis­ti­sche Pro­pa­gan­da­mast (dass sie, was mich betrifft, in der DDR statt­fand, spielt inso­fern kei­ne Rol­le, als die besag­te Mast heu­te smar­ter und zugleich tota­ler ist). Noch ein­mal andert­halb Jah­re Ange­brüll­t­wer­den bei der Natio­na­len Volks­ar­mee? Noch ein­mal Zurück­wei­sun­gen, Lie­bes­kum­mer, Miss­erfol­ge, Geschmack­lo­sig­kei­ten, Film­ris­se und intel­lek­tu­el­le Clownerien?

Gewiss, zu jeder Bilanz gehört die Kehr­sei­te, auch an Tri­um­phen, Genüs­sen, Erobe­run­gen, unver­gess­li­chen Momen­ten und exis­ten­ti­el­len Son­nen­auf­gän­gen kommt eini­ges auf die Waa­ge. Allein dass man die Mat­thä­us-Pas­si­on zum ers­ten Mal hören könn­te, zum ers­ten Mal in die Scro­ve­g­ni-Kapel­le ein­tre­ten, die Meni­nas zum ers­ten Mal erbli­cken, die Lip­pen dem ers­ten Châ­teau Mar­gaux entgegenspitzen…

Ah die Jugend! Das Fell ist sei­dig, die Mus­keln sind geschmei­dig, man ver­trägt kolos­sa­le Men­gen und kann näch­te­lang Din­ge tun, von denen man kei­ne Ahnung hat. Aber was er mit die­sem Leben anfan­gen soll, erkennt der Mensch gemein­hin erst im Alter.

„Die Men­ge von Dumm­köp­fen und Nar­ren, die ich ein­mal bewun­dern konn­te!”, notier­te Cior­an in sein Tage­buch. „Wenn ich an mei­ne Ver­gan­gen­heit den­ke, über­kommt mich die Scham. So vie­le Fas­zi­na­tio­nen, die mich disqualifizieren.”

Die radi­ka­le Gegen­po­si­ti­on leg­te Schil­ler dem Mar­quis von Posa in des­sen nicht ganz red­li­chen Mund. Posa bit­tet, Don Car­los auszurichten:

Sagen Sie
Ihm, daß er für die Träu­me sei­ner Jugend
Soll Ach­tung tra­gen, wenn er Mann sein wird,
Nicht öff­nen soll dem töten­den Insekte
Gerühm­ter bes­se­rer Ver­nunft das Herz
(…)                                                   daß er nicht
Soll irre wer­den, wenn des Stau­bes Weisheit
Begeis­te­rung, die Him­mels­toch­ter, lästert.

Schil­ler begann die Arbeit am „Car­los” im Alter von 24 Jah­ren und schloss ihn mit 28 ab; Cior­an hat­te die 60 über­schrit­ten, als er den zitier­ten Pas­sus nie­der­schrieb. Wer hat nun recht? „Objek­tiv” wahr­schein­lich bei­de. Die Jugend hat in sich ihr Recht wie das Alter. Gleich­wohl pflich­te ich Cior­an bei, denn am Ende einer Rei­se ist man klü­ger als am Anfang, so groß die Vor­freu­de und der Enthu­si­as­mus zu Beginn auch sein mögen. Die Jugend, gera­de auch die künst­lich in die Län­ge gezo­ge­ne, ist im Mit­tel unend­lich viel düm­mer als das Alter, und ich emp­fin­de es als ein gro­ßes Glück, ihr für immer ent­wach­sen zu sein, zu wel­chem Preis auch immer.

***

Ich kann lei­der nicht alle Bücher lesen, die mir zuge­sen­det wer­den. Aber viel­leicht mag ja der eine oder ande­re Eck­la­den­be­su­cher an mei­ner Stel­le ein­stei­gen in eine Lek­tü­re, die mit dem Satz anhebt: „Drei­ßig Jah­re dau­er­te der Lock­down nun bereits, und er war eine Erfolgs­ge­schich­te”. (San­dra Kris­tin Mei­er, „Karl – 2050”, Sati­ri­sche Dystopie)

 

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