23. Januar 2021

„Die poli­ti­schen Impli­ka­tio­nen des Ten­denz­ro­mans sind in der Regel so dumm, dass er den intel­li­gen­ten Anhän­ger beschä­men und den intel­li­gen­ten Geg­ner zum Grin­sen brin­gen müss­te. Wir aber sehen die eine Sei­te ent­zückt und die ande­re entrüstet.”
Arne Kolb

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Kein Tag ohne Donald!

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Ein Leser schreibt mir, dass bei ihm daheim bis­wei­len schon „die Regeln des Samis­dat” befolgt wer­den; so rei­ße sei­ne Frau bei­spiels­wei­se die Ecke mit dem auf­ge­druck­ten Abon­nen­ten­na­men von der Jun­gen Frei­heit ab, bevor die Zei­tung in den Lie­gen­schafts-Müll wan­de­re. „Sie ken­nen das aus eige­nem Erle­ben, ich von Besu­chen und aus Erzäh­lun­gen mei­ner im rea­len Sozia­lis­mus wesen­den Verwandten.”

Pas­sen­der­wei­se erin­ner­te ich mich heu­te an eine in mei­ne DDR-Zeit fal­len­de Bege­ben­heit, wie sie unser­ei­nem wie­der auf ähn­li­che Wei­se pas­sie­ren könn­te, wenn die Kin­der coram publi­co fal­sche Fra­gen stel­len. Es war in einem vol­len Ost­ber­li­ner Lini­en­bus nahe der Gren­ze, als mich mei­ne Toch­ter, damals unge­fähr sechs Jah­re alt, frag­te, war­um dort eigent­lich die Mau­er ste­he. In die­sem Moment hef­te­ten sich zwan­zig oder drei­ßig Augen­paa­re auf mich, und da die Klei­ne eine fata­le Nei­gung hat­te, unbe­ant­wor­te­te Fra­gen ein­fach in erhöh­ter Laut­stär­ke zu wie­der­ho­len, muss­te ich etwas erwi­dern. „Die wird dort nicht mehr lan­ge ste­hen”, sag­te ich zu ihr, aus Trotz und obwohl ich sel­ber nicht recht dar­an glaub­te (wir wei­len im Jahr 1988). Auf einen Schlag teil­ten sich die Bli­cke der Mit­rei­sen­den in zwei Frak­tio­nen: war­me und giftige.

Wie Sie bemer­ken, lie­be Lese­rin, habe ich schon damals die Gesell­schaft gespalten.

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Wäh­rend die Hal­den­wang-Com­bo offen­bar zum Jagen getra­gen wer­den muss, schrei­ten muti­ge­re Voll­stre­cker der staats­bür­ger­li­chen Oppo­si­ti­ons­be­kämp­fungs­pflicht zur Tat. So fand eine jun­ge nord­deut­sche Ver­fas­sungs­fa­na­ti­ke­rin und Grund­rechts­fa­schis­tin heu­te ihren Haus­ein­gang vor.

„Im Unter­schied zum Rechts­ex­tre­mis­mus tei­len sozia­lis­ti­sche und kom­mu­nis­ti­sche Bewe­gun­gen die libe­ra­len Ideen von Frei­heit, Gleich­heit, Brü­der­lich­keit – inter­pre­tie­ren sie aber auf ihre Wei­se um”, teilt die Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung – Ihre Steu­er­gel­der bei der Arbeit, mei­ne Damen und Toxi­schen! – dif­fen­zie­rungs­ge­nä­schig mit (die libe­ra­le Idee der Gleich­heit? die libe­ra­le Idee der Brü­der­lich­keit? Na ja, der Autor ist Poli­to­lo­ge und Beken­ner). Oder anders formuliert:

Nach­trag: Die Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung hat den Text im Lau­fe des Nach­mit­ta­ges geän­dert. Dann eben beim nächs­ten Mal.

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Die Auf­ga­be einer pro­gres­si­ven Stadt­ver­wal­tung besteht kei­nes­wegs nur dar­in, eine Kom­mu­ne zu ver­wal­ten, son­dern in ihrer per­so­nel­len Zusam­men­set­zung „die Bevöl­ke­rung abzu­bil­den”. Was, bei Lich­te bese­hen, bedeu­ten wür­de, dass Analpha­be­ten, Kri­mi­nel­le, Psy­cho­pa­then, Clan­mit­glie­der, Vege­ta­ri­er, Nazis, Sado­ma­so­chis­ten usw. gemäß ihres Bevöl­ke­rungs­an­teils dort ver­tre­ten sein müss­ten. Im Zwie­licht der Iden­ti­täts­po­li­tik indes kommt aus­schließ­lich eine allo­chtho­ne Her­kunft als Kri­te­ri­um in Fra­ge – Migra­ti­ons­hin­ter­grund soll man nicht mehr sagen dür­fen, was aus sprach­äs­the­ti­schen Grün­den zu begrü­ßen ist, auch wenn sol­che Grün­de bei unse­ren Gesin­nungs­gou­ver­nan­ten und Sprach­rei­ni­gern nie eine Rol­le spie­len –, wobei allo­chthon bedeu­tet: nicht weiß, nicht euro­pä­isch, am bes­ten nicht christ­lich und mög­lichst auch nicht ost­asia­tisch oder latein­ame­ri­ka­nisch, son­dern afri­ka­nisch oder ori­en­ta­lisch, ide­al­falls noch muslimisch.

Nach dem geschei­ter­ten ver­fas­sungs­feind­li­chen Ansin­nen der SPD, im öffent­li­chen Dienst von NRW Frau­en­quo­ten zu eta­blie­ren, ver­sucht nun der rot-rot-grü­ne Senat im „Reichs­hauptslum” (Don Alp­hon­so), eine ver­fas­sungs­feind­li­che Quo­te für Migran­ten im öffent­li­chen Dienst durch­zu­set­zen. Sol­che Vor­auswahl­kri­te­ri­en sind rechts­wid­rig und ver­fas­sungs­feind­lich, weil in Deutsch­land nie­mand bei der Ein­stel­lung wegen sei­ner Her­kunft, sei­nes Glau­bens, sei­ner Ras­se, sei­nes Geschlechts etc. bevor­zugt oder benach­tei­ligt wer­den darf und jedem Deut­schen der glei­che Zugang zu einem öffent­li­chen Amt zusteht.

Gleich­wohl ver­sucht die rot-grü­ne und längst auch schwar­ze Lin­ke in immer neu­en Anläu­fen und mit immer schril­le­ren mora­li­schen Begün­dun­gen, sol­che Rechts­brü­che durch­zu­set­zen – als nächs­tes wer­den sie ein­fach das Recht ändern; aus den Grund­rech­ten als Abwehr­rech­te gegen den Staat wird dann ein staat­li­ches Ziel­set­zungs­recht mit Grund­an­sprü­chen für alle mög­li­chen Grup­pen, die kar­zi­no­ge­nen wei­ßen Män­ner selbst­re­dend ausgenommen.

Alex­an­der Wendt hat die­ser Gau­ne­rei eine sei­ner fabel­haf­ten Ana­ly­sen gewid­met; er schreibt:

„ ‚Struk­tu­ren auf­kna­cken’ ist die bevor­zug­te Tätig­keit von Iden­ti­täts- und Trans­for­ma­ti­ons­po­li­ti­kern, die bei den Grü­nen und der SPD den Ton ange­ben und jetzt auch das Ter­rain der CDU beset­zen, ohne dass sich nen­nens­wer­te Unter­schie­de in Argu­men­ten und Begrif­fen zwi­schen den Akti­vis­ten links und in Uni­ons­nä­he aus­ma­chen las­sen. Es han­delt sich um eine Quer­front, die inzwi­schen über fast das gesam­te Par­tei­en­spek­trum reicht.

Wel­che Struk­tu­ren müs­sen in Ber­lin eigent­lich drin­gend geknackt wer­den? Dass es nötig ist, ver­si­chert auch Inte­gra­ti­ons- und Sozi­al­se­na­to­rin Brei­ten­bach. Aller­dings kann sie (kein) Bei­spiel auch nur eines ein­zi­gen Bewer­bers bei­brin­gen, der trotz aus­rei­chen­der Qua­li­fi­ka­ti­on als Kan­di­dat für den öffent­li­chen Dienst der rot-rot-grün regier­ten Stadt abge­lehnt wur­de, weil er einen ara­bi­schen oder ita­lie­ni­schen Namen trägt. Und wenn das irgend­wo tat­säch­lich mit Sys­tem pas­sie­ren soll­te, dann wäre die seit Jah­ren von Brei­ten­bach und ande­ren lin­ken Poli­ti­kern geführ­te Ver­wal­tung ras­sis­tisch und fremdenfeindlich. (…)

Hier liegt der grund­sätz­li­che Unter­schied zwi­schen Bür­ger­ge­sell­schaft und iden­ti­täts­po­li­tisch geform­ter Gesell­schaft, zu der vie­le Akti­vis­ten in den USA und Euro­pa als neu­er Ver­hei­ßung auf­bre­chen wol­len: In der Bür­ger­ge­sell­schaft genügt als Iden­ti­tät der Name. Eine Per­son ist Bür­ger, dar­über, wie er sich sonst zuord­net, poli­tisch, reli­gi­ös und ander­wei­tig, und was er von die­ser Zuord­nung nach außen zei­gen will, ent­schei­det er selbst.

In der neu­en Iden­ti­täts­welt besteht die Gesell­schaft aus Kol­lek­ti­ven, aus moder­nen Stäm­men. In die­sem Neo­tri­ba­lis­mus ent­schei­det die Her­kunft über Zuord­nung und Platz.”

(Wei­ter hier.)

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Der wei­ße Mann soll in der Bra­ve New World das sein, was der Jude im Drit­ten Reich war: der Dämon, der an allem Schul­di­ge, der Welt­ver­schwö­rer, der nei­d­erre­gend Über­le­ge­ne und über­all Herr­schen­de, ein böses Geschwür – „The white race is the can­cer of human histo­ry” (Sus­an Son­tag) –, des­sen Ent­fer­nung der not­wen­di­ge letz­te Schritt vor dem Ein­tre­ten in das Mensch­heits­pa­ra­dies ist. „Abolish the White Race!” darf längst an allen Orten des Wes­tens fol­gen­los öffent­lich gefor­dert werden.

Wel­che Optio­nen hat der wei­ße Mann? Heu­te wird er in der Öffent­lich­keit mora­lisch ent­rech­tet, sei­ner Geschich­te beraubt und dazu auf­ge­for­dert, zur Süh­ne für die Taten sei­ner Vor­fah­ren sei­ne Hei­mat zu tei­len. Und morgen?

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Inmit­ten der sich abzeich­nen­den Kon­flik­te zwi­schen den nicht exis­tie­ren­den Ras­sen – Bernd Zel­ler hat die pfif­fi­ge Fra­ge gestellt, nach wel­chen Kri­te­ri­en unse­re Pro­gres­sis­ten eigent­lich die Kan­di­da­ten für ihre Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­rungs­um­fra­gen aus­wäh­len – taucht hin und wie­der ein Klas­sis­mus­nost­al­gi­ker auf.

Das ist aber kein Hass, son­dern bloß wit­zig. Denn im Unter­schied zum Rechts­ex­tre­mis­mus tei­len sozia­lis­ti­sche und kom­mu­nis­ti­sche Bewe­gun­gen die libe­ra­len Ideen von Frei­heit, Gleich­heit, Brü­der­lich­keit – inter­pre­tie­ren sie aber auf ihre Wei­se um.

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Sehr erstaun­lich sei es nicht, dass „der nor­ma­le wei­ße Mann das bevor­zug­te Ziel des wüten­den Has­ses der links­grün­ras­sis­ti­schen Min­der­leis­ter, auch Pro­gres­si­ve genannt, ist”, schreibt Lese­rin ***. „Er, der Schöp­fer des größ­ten und bes­ten Teils der Welt­zi­vi­li­sa­ti­on, erin­nert sie allein durch sei­ne Exis­tenz stän­dig an ihre Unter­le­gen­heit, und wer läßt sich dar­an schon gern erin­nern? Vor allem aber ist er der Ein­zi­ge, der sie dar­an hin­dern könn­te, ihre zer­stö­re­ri­schen Wahn­ideen in die Tat umzu­set­zen. Wie soll­ten sie sei­nen Unter­gang nicht wün­schen und pla­nen? Dabei will ich nicht über­se­hen, dass auch Nicht­wei­ße – beson­ders Asia­ten – durch­aus wert­vol­le Ver­bün­de­te im Kampf gegen die irren Ideen und den neu­en Ras­sis­mus der Links­grü­nen sind.

Die meis­ten wei­ßen Frau­en hin­ge­gen sind für die lin­ken Neo­ras­sis­ten nicht nur nicht gefähr­lich, son­dern oft sogar sehr nütz­lich. Sie sind wie fast alle ande­ren Frau­en weit eher zur Anpas­sung an die vor­herr­schen­den Ver­hält­nis­se als zum Kampf geneigt, auch wenn es ihre Wür­de, Frei­heit und Rech­te gilt. (Ja, auch die Gleich­be­rech­ti­gung ist den Frau­en über­all dort, wo sie auf der Welt exis­tiert, von den Män­nern frei­wil­lig geschenkt wor­den.) Frau­en die­nen sich in ihrer Mehr­heit immer den jeweils Herr­schen­den an. Das hat sich in Jahr­tau­sen­den als sinn­volls­te Stra­te­gie zum Schutz des Nach­wuch­ses erwie­sen und wirkt auch bei Frau­en, die kei­ne Kin­der haben und auch kei­ne wün­schen. Es ist kein Zufall, dass heu­te auf­fal­lend vie­le links­grü­ne Poli­ti­ker, Jour­na­lis­ten und Akti­vis­ten weib­lich sind und dass die Par­tei­en, je lin­ker sie sind, des­to mehr Frau­en als Mit­glie­der haben.”

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„In der letz­ten Aus­ga­be ihrer Acta haben Sie einen Gedan­ken kom­mu­ni­ziert, den ich selbst schon lan­ge mit mir her­um­tra­ge. Es ist eine Abwand­lung eines Zitats von Bert Brecht.

Für die Ver­schwö­rung gilt dann sinn­ge­mäß, dass sie,  je offe­ner und fre­cher sie abge­wi­ckelt wird, von den meis­ten Men­schen nicht wahr­ge­nom­men wird.”
(Leser ***)

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Stan­ley Kubrick war nicht ein­fach ein Regis­seur. Er war der letz­te Tragiker.

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Das grü­ne Füh­rungs­per­so­nal unter­schei­det sich in sol­che, die noch dar­über ver­blüfft sind, dass sie mit so gerin­gem Auf­wand und der­art limi­tier­ten Fähig­kei­ten so weit kom­men konn­ten, und die­je­ni­gen, die es über­haupt nicht bemerken.

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Cice­ro war Anfang 60, als er „De senec­tu­te” schrieb, eine Betrach­tung über die spä­ten Jah­re als bes­te Zeit des Lebens. Ihm erschien sein tat­säch­li­ches Alter als nicht aus­rei­chend genug, um die­ses The­ma zu trak­tie­ren, wes­halb er als Spre­cher ein alter ego ein­führ­te – Cato den Älte­ren näm­lich („Ceter­um cen­seo”) – und ihm 23 Jah­re zu sei­nen eige­nen Sech­zig hin­zu­füg­te. Das heißt, Cice­ro refe­rier­te im Namen eines ande­ren und deut­lich älte­ren Man­nes über die Vor­zü­ge des Alters. Der Rhe­tor tat bekannt­lich gut dar­an, in sei­nen ver­gleichs­wei­se frü­hen Senio­ren­ta­gen ein Lob der spä­ten Jah­re zu schrei­ben, denn ihm war nicht mehr viel Zeit ver­gönnt. Wenig spä­ter ließ Anto­ni­us ihn ermor­den, sei­nen Leich­nam ver­stüm­meln, durch die Stra­ßen Roms schlei­fen, Kopf und Hän­de abschla­gen und auf dem Forum Roma­num aus­stel­len. Cice­ros Lek­ti­on lau­tet: Beei­le dich mit dem laus aeta­tis, denn wer weiß, wann dir das Schick­sal den Schna­bel verschließt.

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Wenn Mer­kel Humor hat, macht sie Merz zum Minis­ter für Frau­en und Fami­lie. Oder sie gibt ihm das Landwirtschaftsressort.

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(Netz­fund)
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Zu mei­ner Bemer­kung, der Typus des Hein­rich Mann­schen Diede­rich Heß­ling sei in der spä­ten Bun­des­re­pu­blik viel ver­brei­te­ter als im Kai­ser­reich, notiert Leser ***:

„Damals waren auch die oppor­tu­nis­ti­schen Unter­ta­nen bes­ser. Diede­rich Heß­ling hat­te immer­hin was Ordent­li­ches (Che­mie) stu­diert und sogar pro­mo­viert. Wie vie­le Links­grü­ne haben wir heu­te, die über so eine Bil­dung ver­fü­gen? Außer­dem war er am Anfang der Ein­zi­ge in sei­ner Stadt, der kai­ser­treu war, inmit­ten von libe­ra­len Repu­bli­ka­nern. Er hat­te am Anfang einen har­ten Stand, und die kai­ser­li­chen Behör­den haben ihr Papier nicht bei ihm gekauft um ihn zu unter­stüt­zen, wie das die heu­ti­ge Regie­rung mit Zei­tungs­an­zei­gen und Zuschüs­sen in dunk­le links­grü­ne ‚N’GO´s macht.”
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