26. Januar 2021

Stand jetzt habe ich auf mei­ne Bit­te in die Run­de, mir Wahl­slo­gans zu schi­cken, unge­fähr 300 E‑Mails mit ca. 600 Vor­schlä­gen erhal­ten, wofür ich erge­benst dan­ke. Es haben sich auch drei Favo­ri­ten, wie man sagt, her­aus­ge­schält – ich muss sie natur­ge­mäß für mich behal­ten. Min­des­tens zwan­zig Ideen sind dar­un­ter, die sich dar­über hin­aus für die Kam­pa­gne eig­nen könn­ten. Eine will ich ver­ra­ten, damit hier nicht nichts steht:

Auch in einem kran­ken Staat kann ein gesun­der Geist wohnen.

Tan­te gra­zie a tutti!

***

Die „Mikro­ag­gres­sio­nen” von Marc Pom­me­re­ning dürf­ten den Lesern die­ses Dia­ri­ums oder der Zeit­schrift Tumult bekannt sein; nun sind sie in einem schö­nen und hand­li­chen Büch­lein ver­sam­melt, mit dem man sich für einen Nach­mit­tag voll grim­mi­gen Geläch­ters zurück­zie­hen kann, das sich aber auch als Prä­sent eig­net, spe­zi­ell für unse­re Anders‑, weil Rich­tig­den­ken­den, obwohl der­zeit lei­der für sie kei­ne Pal­men in erreich­ba­rer Nähe sind.
Ich zitie­re eini­ge Lieblings-Epigramme:

Was der­zeit Akti­vis­mus heißt
Ist deut­scher Untertanengeist.

Der Schoß der Kir­che, unfruchtbar,
Doch bunt wie die­se Vul­ven da.

Müt­ter fah­ren Kids zu coolen
Weil migran­ten­frei­en Schulen.

Glo­ba­lis­ti­scher Genickschuss:
Aus­lö­schung per Algorithmus.

Der Schoß sei frucht­bar? – Offenbar.
Es kroch aus ihm die Antifa.

Unterm Bet­te, sprungbereit,
Mons­ter aus der Nazizeit.

Auf Deutsch­land darfst du pissen,
Das erleich­tert ihr Gewissen.

Eine Neu­heit bei Ikea
Ist das Gar­ten­mahn­mal „Lea”.

Eher sind als Eritreer
Polen gute Europäer.

Schein­de­bat­ten mit dem schalen
Bei­geschmack des Scheißegalen.

Durch die Stra­ßen deut­scher Städtchen
Schwei­fen tote deut­sche Mädchen.

Die­se Knit­tel­ver­se, lieber
Mit­in­sas­se, sind Kassiber.

***

Der Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker ein ganz Schlim­mer ist,
Der Ver­schwö­rungs­prak­ti­ker schweigt und genießt.
(Ist mir gera­de eingefallen)

***

Apro­pos kei­ne Pal­men für Lin­ke in der Nähe. Ganz am Ende ihrer vor­letz­ten Amts­zeit scheint unse­re Hon­ecke­ret­te Kanz­le­rin end­lich ganz bei sich ange­kom­men zu sein:

Die unver­zeih­li­che Erfin­dung Otto Lili­en­thals muss rück­gän­gig gemacht werden!

Es soll Leu­te geben, die die­se Frau gewählt haben, und nun bekom­men sie, was sie gewählt haben. Aber all die Anderen?

Übri­gens: Im Mai hat die Bun­des­re­gie­rung der Luft­han­sa neun Mil­li­ar­den Euro­nen Hilfs­gel­der bewil­ligt und die Linie dabei ein biss­chen teil­ver­staat­licht. Und was Mer­kels 15-Kilo­me­ter-Lauf­ställ­chen angeht, da hat eben ein Gericht die Stäb­chen aufgebogen:

Herr­gottsa­kra!

***

Nicht jeder kann sich in Zei­ten der digi­ta­len Demenz an alle tol­len Sto­rys erin­nern, die ihm von den Wahr­heits- und Qua­li­täts­me­di­en ver­ab­b­reicht wurden.

Es kann natür­lich dar­an lie­gen, dass das Virus einen Hosen­an­zug auto­ma­tisch mit einem männ­li­chen Trä­ger assoziiert.

Was tun? Das Netz weiß wie immer Rat.

***

Es lebe der Sinn für Nuancen:

„Die Demo­kra­ten-Par­tei – es geht einem nicht einem nicht über die Fin­ger, die­sen Mist­hau­fen Demo­kra­ten zu nennen.”
(Had­mut Danisch)

***

Und, klingelt’s langsam?

Jesus Chris­tus hat wahr­schein­lich auch die Sün­den der Welt aus fal­schen Moti­ven auf sich genom­men. Stauf­fen­berg, um ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel aus der deut­schen Unheils­ge­schich­te zu neh­men, woll­te Hit­ler aus den fal­schen Moti­ven umbrin­gen. Lenin und Sta­lin taten alles, was sie taten, immer­hin aus den rich­ti­gen Moti­ven, Mer­kel und die Grü­nen sowie­so. Bil­den Sie wei­te­re Beispiele!

***

Auf einer Web­sei­te las ich, dass Uni­ver­si­täts­ab­gän­ger in Bewer­bungs­ge­sprä­chen neu­er­dings auf­ge­for­dert wer­den, etwas von sich zu erzäh­len, und Kar­rie­re­be­ra­ter der Yale-Uni­ver­si­tät als bes­te Ant­wort eine soge­nann­te „Moti­va­ti­ons­ge­schich­te” emp­feh­len. (Wenn jemand die­ses Blö­den­vo­ka­bu­lar pri­vat benutzt, also mir erklärt, er sei moti­viert – oder demo­ti­viert –, bre­che ich die Kon­ver­sa­ti­on sofort ab.)

Die Bewer­ber – und „Bewer­be­rin­nen”, Frau­en wol­len heu­te immer zwei­mal genannt wer­den – sol­len sich vor dem Gespräch des­halb eine per­sön­li­che Anek­do­te über­le­gen (= aus­den­ken), die beson­ders gut erklärt, wie und war­um ihr Inter­es­se an dem Job geweckt wur­de, für den sie sich bewer­ben. Als Bei­spiel so einer Moti­va­ti­ons­ge­schich­te ver­öf­fent­lich­ten die Kar­rie­re­be­ra­ter den fol­gen­den Seim:

„Ich habe letz­tes Jahr mein Stu­di­um in Yale mit Schwer­punkt ‚Data-Sci­ence’ und ‚Envi­ron­men­tal Engi­nee­ring’ mit einem beson­de­ren Inter­es­se an Mode und Nach­hal­tig­keit abge­schlos­sen. Das Feld ist aus­ge­rich­tet auf alles, was ich als Kind ger­ne gemacht habe: Frei­wil­li­gen­ar­beit bei Street-Care-Ver­an­stal­tun­gen, Mit­ar­beit in einem Gemein­schafts­gar­ten, Spar­sam­keit beim Ein­kau­fen und die Her­stel­lung mei­ner eige­nen Kleidung.

Ich habe mich dann umso stär­ker für Nach­hal­tig­keit inter­es­siert, weil ich mit einem Unter­neh­men zusam­men­ar­bei­ten woll­te, des­sen Mis­si­on es ist, eine neue Tex­til­wirt­schaft zu för­dern – eine, die die Zukunft unse­res Pla­ne­ten schützt. Als ich erfuhr, dass die Mode­bran­che bis 2050 ein Vier­tel des jähr­li­chen CO2-Bud­gets der Welt ver­brau­chen wird, beschloss ich, eine Spen­den­ak­ti­on auf dem Cam­pus zu orga­ni­sie­ren, um zur Ver­mei­dung von Tex­til­ab­fäl­len beizutragen.

Wir sam­mel­ten mehr als 10.000 US-Dol­lar und spen­de­ten einem ört­li­chen Obdach­lo­sen­heim einen gan­zen Last­wa­gen mit uner­wünsch­ter Klei­dung. Auf die­se Leis­tung bin ich beson­ders stolz. Wäh­rend mei­nes letz­ten Jobs half ich bei der Ent­wick­lung einer neu­en Tech­no­lo­gie, die Baum­woll­ab­fäl­le in neue Mate­ria­li­en umwan­delt, die für vie­le indus­tri­el­le Zwe­cke ver­wen­det wer­den können.

Ich wür­de mich sehr über die Gele­gen­heit freu­en, in die­sem Unter­neh­men zu arbei­ten, da ich mein Wis­sen und mei­ne Erfah­rung nut­zen kann, um Men­schen dar­über auf­zu­klä­ren, wie sich ihr Han­deln ernst­haft auf unse­re Umwelt aus­wir­ken kann – etwa durch ihre Ein­kaufs­ge­wohn­hei­ten und wel­che Mar­ken sie unter­stüt­zen können.”

In die­ser vor geheu­chel­ter Güte quiet­schen­den Lügen­welt muss ich gott­lob nicht leben oder kon­kur­rie­ren; mein Job, mein Alter und ein gewis­ses Talent, des­sen Wert­ver­fall an der Job­bör­se frei­lich rapi­de ist, bewah­ren mich davor. Aber wer sich heu­te als jun­ger Mensch zu wel­cher Art Kar­rie­re auch immer anschickt, muss heu­cheln, nicht nur bei der Bewer­bung, son­dern auch täg­lich im Team, weil bereits angreif­bar wird, wer nur schweigt. In einer Meu­te hast du mit­zu­lü­gen, sonst fällst du auf. Den­ken Sie an die Hass­wo­che bei Geor­ge Orwell. Das Men­schen­recht, in Ruhe gelas­sen zu wer­den, sich unbe­hel­ligt abson­dern zu kön­nen, nach sei­nen eige­nen Maß­stä­ben zu leben, ist das Haupt­kenn­zei­chen einer zivi­li­sier­ten Gesell­schaft; wo es nicht mehr gilt, herrscht Tota­li­ta­ris­mus. Ich ken­ne das noch gut aus der Ehe­ma­li­gen. Im smar­ten Gesin­nungs­staat der Glo­bal­di­ver­si­fi­zie­rer müs­sen Mit­glie­der der soge­nann­ten Zivil­ge­sell­schaft – es han­delt sich um das exak­te Gegen­teil von zivi­li­sier­ter Gesell­schaft – die Rol­le der Block­war­te bzw. Sta­sispit­zel über­neh­men, um den Unwil­li­gen und Que­ru­lan­ten auf die Schli­che zu kom­men, deren Ruf und deren Kar­rie­ren zu zer­stö­ren. Je weni­ger Talent einer hat, des­to mehr ist er gehal­ten, eif­rig dabei mit­zu­tun, um sel­ber voranzukommen.

Die Lin­ke ist dabei, ein Satans­reich der gut­ge­mein­ten Lügen zu errich­ten. Und die Mil­li­ar­därs­so­zia­lis­ten spie­len mit, um sich sel­ber unan­greif­bar zu machen, der­weil die Geschäf­te präch­tig lau­fen; im Gegen­zug haben die Lin­ken aus­ge­rech­net den eins­ti­gen Haupt­feind von ihrer Proskrip­ti­ons­lis­te gestri­chen – quid pro quo. Neu­lich las ich, dass die Tech­no­lo­gie­bör­se Nasdaq soge­nann­te Diver­si­ty-Quo­ten für die bei ihr gelis­te­ten Unter­neh­men fest­schrei­ben will; wer sie nicht erfüllt, soll die Bör­sen­zu­las­sung ver­lie­ren. Gold­man Sachs wei­gert sich, Unter­neh­men an die Bör­se zu brin­gen, die aus­schließ­lich von wei­ßen Män­nern geführt wer­den, J.P. Mor­gan kün­dig­te an, 30 Mil­li­ar­den Dol­lar als Kre­di­te für den Kampf gegen „sys­te­ma­ti­schen Ras­sis­mus” zu ver­ge­ben, pikan­ter­wei­se nach Ras­sen­zu­ge­hö­rig­keit, raten Sie, nach wel­cher. (Men­schen mit einem gewis­sen Sinn für Humor und gesi­cher­tem Ein­kom­men wer­den an der Cha­ra­de Ras­sis­mus­be­kämp­fung ohne Ras­sen noch viel Ver­gnü­gen fin­den.) Die Gro­ßen Säu­be­rungs­sa­tur­na­li­en bei twit­ter, Face­book und You­tube wei­sen den Weg in ein flur­be­gra­dig­tes Netz. Der Bun­des­tags­prä­si­dent, einer der sta­bils­ten Atlan­ten der Demo­kra­tie, plä­diert dafür, die Mei­nungs­frei­heit im Inter­net zu beenden:

Im kali­for­ni­schen Sili­konhu­ren­tal hat sich längst jeder Bewer­ber beim Ein­stel­lungs­ge­spräch einem Gesin­nungs­test zu stel­len, damit nicht ver­se­hent­lich jemand rekru­tiert wird, der fal­sche Gedan­ken denkt. Dou­glas Mur­ray schreibt in sei­nem Buch „Wahn­sinn der Mas­sen”, dass Goog­le etwa 10.000 und Face­book etwa 30.000 Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt, die aus­schließ­lich damit beschäf­tigt, dar­auf zu ach­ten, dass der con­tent poli­tisch kor­rekt ist. Über die west­li­chen Uni­ver­si­tä­ten muss in die­sem Zusam­men­hang kein Wort mehr ver­lo­ren wer­den. Die lin­ken Wort­füh­rer in Über­see tra­gen die Ras­sen- und Geschlech­ter­tren­nung 2.0 sogar in die Naturwissenschaften.

Wie wir wis­sen, haben ja die Tür­ken Ame­ri­ka ent­deckt und Deutsch­land nach dem Krieg wie­der aufgebaut.

***

Eine ver­gnüg­li­che Alter­na­ti­ve zur oben zitier­ten Tugend­vor­gau­ke­lei beim Ein­stel­lungs­ge­spräch sen­det Leser***:

„Ich schrei­be Ihnen als nor­ma­ler Kerl vom Bau, weil ich mich sehr über die Beschrei­bung über die neu­ar­ti­gen Vor­stel­lungs­ge­sprä­che amü­siert habe. Ich hat­te vor ca. 3 Jah­ren ein Inter­view in Eng­lisch bei einer inter­na­tio­nal täti­gen Fir­ma, da ich mich auf eine Tech­ni­ker­stel­le bewor­ben hat­te, die mich inter­es­sier­te. Die Dame aus der Per­so­nal­ab­tei­lung frag­te mich dann irgen­wann im Lau­fe des Gesprächs, was ich denn für ein Tier sein wür­de, wenn ich denn eines wäre.
Die Ant­wort lag mir in Sekun­den­bruch­tei­len auf der Zun­ge und obwohl ich – zumin­dest vor die­ser Fra­ge – ernst­haf­tes Inter­es­se an der Stel­le hat­te, ent­schloß ich mich sie rauszuhauen!
Ein Kro­ko­dil. Noch bevor wei­te­re Fra­gen gestellt wur­den füg­te ich hin­zu: Die meis­te Kraft im Schwanz und ein rie­sen­gro­ßes Maul.
Es war dann eher ruhig im Raum und das Gespräch war auch recht schnell beendet.
Ich bekam zu mei­ner Über­ra­schung eine schrift­li­che Zusa­ge, die ich aber ablehnte.”

***

End­lich! Deutsch­land reagiert auf den Männerüberschuss:

(Dank an Leser ***)

Hei­ko Maas könn­te den Job als Minis­ter für Außen­be­zie­hun­gen gleich mit übernehmen.

***

Kein Tag ohne Donald!

(Aus: Donald Trump, „The Art of the Deal”, 1987 – ich dan­ke Lese­rin *** für die Zusendung.)

Nun ist er end­lich weg, der alte Sexist, und sein Nach­fol­ger hat schon das größ­te #Grab­Her­Pus­sys-Anschub­pro­gramm in der Geschich­te der USA verabschiedet.

Erasing ist halt schwer ange­sagt bei Slee­py Joe, ob nun in Umklei­de­ka­bi­nen, im Inter­net, im eige­nen Ober­stüb­chen, und bald drau­ßen in der noch nicht demo­kra­ti­sier­ten Welt.

 

 

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