28. Januar 2021

Glo­ba­li­sie­rung heißt ein Euphe­mis­mus für die zügi­ge, wenn­gleich nicht wirk­lich has­ti­ge Erset­zung der Natio­nal­staa­ten durch tri­bal orga­ni­sier­te Gesell­schaf­ten. Man darf sich unter dem Begriff tri­bal nichts all­zu Archai­sches vor­stel­len, nicht nur erwei­ter­te Ban­lieues und Home­lands, auch die Gated Com­mu­nities der – wirk­li­chen, nicht der ein­ge­bil­de­ten – Any­whe­res wer­den dazu­ge­hö­ren, direkt neben welt­weit ver­streu­ten, auto­ri­tä­ren, aber elek­tro­nisch eben­falls bes­tens über­wach­ten „Chi­na-Towns”. In man­chen Tri­bes wird sogar der Rechts­staat bestehen blei­ben, auch die wer­den umfrie­det sein – viel­leicht sogar Wand an Wand mit gestren­gen Kali­fa­ten –, aber „rech­te” Regie­run­gen haben. Je eher sich die Genera­ti­on Gre­ta, Lisa & Kevin mit die­sem Gedan­ken anfreun­det, des­to bes­ser. Das wird näm­lich eine wirk­li­che Gro­ße Trans­for­ma­ti­on, und ich will doch nicht, dass ihr in Panik geratet.

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In Ber­lin, wo der rot­rot­grü­ne Senat bekannt­lich eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Migran­ten­quo­te for­dert, ist die­se Quo­te bei der Poli­zei mit 38 Pro­zent gegen­über den erwünsch­ten 35 Pro­zent bereits über­erfüllt. Wenn sich die Ber­li­ner Migran­ten­quo­ten erst lan­des­weit in Poli­zei­be­hör­den durch­ge­setzt haben, die Ord­nungs­macht also eben­falls hin­rei­chend tri­ba­li­siert ist, dürf­te eine fle­xi­ble Ver­si­on des von Lin­ken und Kolo­rier­ten­ver­tre­tern bis­lang so viel­ge­rüg­ten Racial Pro­filing zum all­täg­li­chen Modus der Poli­zei­ar­beit gehö­ren. Das heißt, es wird Beam­te geben, die Tat­ver­däch­ti­ge, Ran­da­lie­rer oder gewalt­tä­ti­ge Demons­tran­ten aus dem eige­nen eth­nisch-kul­tu­rel­len Milieu – und gar dem eige­nen Clan! – ver­gleichs­wei­se nach­sich­tig behan­deln, mit einer augen­zwin­kern­den Ermah­nung davon­kom­men las­sen, gege­be­nen­falls vor Fahn­dun­gen war­nen wer­den. Wäh­rend Kanail­len wie die­se Quer­den­ker sich warm anzie­hen müs­sen, wenn sie der­mal­einst an die rich­ti­ge Trup­pe gera­ten! Die Stadt­re­gie­rung begrün­det ihre Plä­ne ja damit, dass sich migran­ti­sche Delin­quen­ten von Ord­nungs­kräf­ten der eige­nen Eth­nie oder zumin­dest von Nicht­kar­tof­feln angeb­lich weni­ger dis­kri­mi­niert füh­len, und beim täg­li­chen Aus­han­deln des Zusam­men­le­bens soll sie dann kein ein­ge­bo­re­ner Geset­zes­fun­da­men­ta­list stören.

Anders als das tra­di­tio­nel­le Racial Pro­filing durch wei­ße Uni­form­ras­sis­ten fällt die­se Ver­si­on unter Anti­dis­kri­mi­nie­rung. Sie wird auch weit sel­te­ner vor­kom­men, denn im Gegen­satz zu bio­deut­schen Beam­ten, deren Ras­sis­mus struk­tu­rell ist und logi­scher­wei­se sämt­li­che Ange­hö­ri­ge die­ser Struk­tur betrifft, wird nur ein Bruch­teil der Beam­ten mit dem edlen Hin­ter­grund das Affir­ma­ti­ve Action Pro­filing voll­zie­hen. Auch wer es nicht begrüßt, soll sich hüten, einen Gene­ral­ver­dacht aus­zu­spre­chen! Die meis­ten ein­ge­deutsch­ten All Cops Are Bas­tards wer­den einen guten Job machen. Für einen soge­nann­ten Ver­trau­ens­schwund soll­ten immer­hin auch die sel­te­nen Fäl­le genü­gen, obwohl die Medi­en sie sen­si­bel behan­deln werden.

Es gäbe übri­gens Mit­tel gegen die­se ver­track­te Situa­ti­on bzw. Wege aus ihr, aber nicht unter rot­rot­grü­ner Füh­rung, wo Desta­bi­li­sie­rung Metho­de und Ziel ist.

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Ver­schwö­rungs­theo­rien sind bekannt­lich imer nur gül­tig mit den Zusatz kru­de©. Ein Ever­green unter den immer­kru­den Ver­schwö­rungs­theo­rien ist jene vom Deep Sta­te.

Dazu passt auch, zumin­dest in der kru­den Wahn­welt der Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker, dass die WHO am Tag von Bidens Amts­ein­füh­rung den PCR-Test zu einer Art Glau­bens­sa­che erklärte.

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Eine zwi­schen­zeit­lich sehr erfolg­rei­che Ver­schwö­rungs­pra­xis war übri­gens der Mar­xis­mus. Inzwi­schen ist auch er Gegen­stand von Ver­schwö­rungs­theo­rien; die Rede ist von einer soge­nann­ten Zwei­ten Welle.

Archi Bechlen­berg hat sich dazu Gedan­ken gemacht:

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Ein säch­si­scher Arzt schick­te mir den Link zur Web­sei­te sachsen.de, wor­auf sich fol­gen­de Anlei­tung zur Selbst­jus­tie­rung der Git­ter­stä­be des indi­vi­du­el­len Coro­na-Lauf­ställ­chens befindet.

Der Füh­rung ent­ge­gen­ar­bei­ten, nann­te das ein bri­ti­scher His­to­ri­ker in einem ähn­lich gela­ger­ten, aber voll­kom­men unver­gleich­ba­ren Fall. Der Medi­cus indes vari­iert einen alten Aus­spruch in: „Deutsch sein heißt, mit Freu­den regiert zu wer­den” – und fügt hin­zu: „Ich wäre vor einem Jahr ein­ge­wie­sen wor­den, hät­te ich das prophezeit.”

Und das mit Recht!

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Als jun­ger Mensch frag­te ich mich: Was ist der Sinn des Lebens? Als älte­rer fra­ge ich mich: Mit wem esse ich zu Abend, und was kommt auf den Tisch? Als jun­ger Mensch zitier­te ich gern einen ande­ren jun­gen Men­schen, der in einem Schul­auf­satz geschrie­ben hat­te, der Sinn des Lebens bestün­de dar­in, nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Als älte­rer Mensch sage ich mir, ver­giss die Sinn­fra­gen, sie brin­gen bloß Illu­sio­nen her­vor, die ent­we­der in Zer­stö­rung und Gewalt­tä­tig­keit oder in Zer­knir­schung und Selbst­quä­le­rei enden. Zum Bei­spiel die Got­tes­il­lu­si­on – bei der immer­hin noch die Mög­lich­keit eines pri­va­ten Schein­frie­dens mit dem Uni­ver­sum besteht –, die Gleich­heits­il­lu­si­on, die Sozia­lis­mus­il­lu­si­on, die Mensch­heits­fort­schritt­s­il­lu­si­on, die Auf­klä­rung­sil­lu­si­on, die Nächs­ten­lie­beil­lu­si­on, die Mit­be­stim­mung­sil­lu­si­on, die one-world-Illu­si­on, von den modi­schen kon­struk­ti­vis­ti­schen Blö­de­lei­en ganz zu schwei­gen. Der erwähn­te jun­ge Mensch bekam für sei­nen Schul­auf­satz übri­gens eine Fünf. Im Illu­si­ons­staat DDR hät­te die kor­rek­te Ant­wort gelau­tet, der Sinn des Lebens bestün­de dar­in, sein Leben dem Sozia­lis­mus und dem Kampf der Arbei­ter­klas­se zu wei­hen. Was jun­ge Men­schen heu­te zu schrei­ben haben, set­ze ich als bekannt voraus.

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„Und ein Engel erschien mir und sag­te: ‚Zitie­re sie’, und so zitier­te ich sie.” (Karl Kraus)

„Mei­ne Damen und Her­ren, das sind natür­lich Trans­for­ma­tio­nen von gigan­ti­schem, his­to­ri­schem Aus­maß. Die­se Trans­for­ma­ti­on bedeu­tet im Grun­de, die gesam­te Art des Wirt­schaf­tens und des Lebens, wie wir es uns im Indus­trie­zeit­al­ter ange­wöhnt haben, in den nächs­ten 30 Jah­ren zu ver­las­sen – die ers­ten Schrit­te sind wir schon gegan­gen – und zu völ­lig neu­en Wert­schöp­fungs­for­men zu kom­men, die natür­lich auch wie­der eine indus­tri­el­le Pro­duk­ti­on ent­hal­ten und die vor allem durch die Digi­ta­li­sie­rung ver­än­dert wor­den sind. Wir haben ja eine zwei­te Rie­sen­trans­for­ma­ti­on zu bewäl­ti­gen. Und wir hof­fen, dass sich die Trans­for­ma­ti­on zur CO2-Emis­si­ons­frei­heit mit der Digi­ta­li­sie­rung ver­stär­ken wird und die Digi­ta­li­sie­rung das erleich­tern kann.”

Also sprach Frau Mer­kel vor einem Jahr auf dem Zauberberg.

Merke(l), ers­tens: Wir wer­den die gesam­te Art unse­res Lebens bin­nen 30 Jah­ren kom­plett ändern.

„Jetzt geht es dar­um, neue gesell­schaft­li­che Kon­flik­te zu über­win­den. Denn es gibt auch in Deutsch­land eine gro­ße Grup­pe von Men­schen, die das Gan­ze nicht für so dring­lich hält. Die ist noch nicht davon über­zeugt, dass das das Aller­wich­tigs­te ist. Wie neh­men wir die mit?”

Merke(l), zwei­tes: Ich weiß, was das Aller­wich­tigs­te ist. Lei­der gibt es noch ver­stock­te Ewig­gest­ri­ge, die nicht spuren.

„Heu­te, fast genau zu die­ser Stun­de, fin­den in Isra­el in Yad Vas­hem die Fei­ern zum Geden­ken an den Holo­caust statt. Der deut­sche Bun­des­prä­si­dent ist dort und wird für Deutsch­land noch ein­mal auf unse­re Schuld, die wir über die Welt gebracht haben, hin­wei­sen. Er wird aber auch ver­spre­chen, dass wir alles tun wol­len, dass sich so etwas nicht wiederholt.”

Merke(l), drit­tens: Es gab eine Zeit, da waren sol­che Ewig­gest­ri­gen an der Macht. Hütet euch vor ihnen und ihren Nach­fol­gern unter mei­nen poli­ti­schen Gegnern!

„In Deutsch­land beträgt das Durch­schnitts­al­ter der Bevöl­ke­rung rund 45 Jah­re, in Niger und Mali beträgt das Durch­schnitts­al­ter 15 bis 16 Jah­re. Was bedeu­tet das, wenn es so einen gro­ßen Teil von Men­schen gibt, die auf die Zukunft kon­zen­triert sind? Wir in Deutsch­land haben uns dar­an gewöhnt, dass alles lang­sam gehen kann und immer noch aus­rei­chend Zeit ist. In ande­ren Län­dern bekommt man ein biss­chen mehr Druck. Des­halb sage ich: Die Euro­pä­er kön­nen nur gewin­nen, wenn sie sich etwas mehr mit Afri­ka und mit der Krea­ti­vi­tät, der Moti­va­ti­on und der Freu­de am Leben dort unter viel schwie­ri­ge­ren Bedin­gun­gen befassen.”

Merke(l), vier­tens: Deutsch­lands Zukunft ist Afri­kas krea­ti­ve und moti­vier­te Jugend.

Ich bre­che hier ab. In der deut­schen Bahn feh­len die­se von innen imprä­gnier­ten Tüten in der Rücken­leh­nen­ta­sche des Vordersitzes.

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„Es gibt in die­sen Zei­ten auch noch gute Nach­rich­ten” schreibt Leser ***. „Wenn man sich das Impf­stoff­be­schaf­fungs­de­ba­kel ansieht, ist das einer­seits Bal­sam für die See­le und Kit­zel für die Lach­mus­keln.  Unse­re famo­se EU-Gesund­heits­kom­mis­sa­rin Kyria­ki­des aus Zypern ist Psy­cho­lo­gin, Spe­zi­al­ge­biet kind­li­che Ver­hal­tens­stö­run­gen. Da sie sich selbst nicht imstan­de sah, die Ver­hand­lun­gen mit den Impf­stoff­her­stel­lern pro­fes­sio­nell zu füh­ren, wand­te sie sich an eine abso­lut Super-Pro­fes­sio­nel­le in die­ser Hin­sicht: an die Ita­lie­ne­rin San­dra Gallina.
Frau Gal­li­na, hat, wie es heißt, bei den Ver­hand­lun­gen der EU mit dem Mer­co­sur gute Diens­te geleis­tet. Und nun kam Frau Kyria­ki­des auf die Idee, wer mit Poli­ti­kern ver­han­deln kann, der muss auch mit Fir­men­ver­tre­tern über Lie­fe­run­gen ver­han­deln kön­nen. Dass es da ein paar Fall­stri­cke gibt, wie Fach­wis­sen zu Impf­stof­fen, zu über indus­tri­el­len Ver­hand­lungs­ge­pflo­gen­hei­ten, Kennt­nis­se von Ver­trags­recht, etc., mit sol­chen Peti­tes­sen hat man sich wohl nicht aufgehalten.
Denn Frau Gal­li­na ist von Beruf und Aus­bil­dung her, nun, raten Sie mal: eine Dolmeterscherin!
Die EU lässt also eine Dol­met­sche­rin ohne Erfah­rung in der indus­tri­el­len Beschaf­fung sol­che Ver­trä­ge aus­han­deln. Als ich das mei­ner Frau (von Beruf Indus­tri­el­le Ein­käu­fe­rin) erzähl­te, bekam sie einen Lachkrampf.
Was ist das See­len­strei­cheln­de an die­ser Cho­se? Nun, ein­fach, dass die­se Misch­po­ke der­ma­ßen ver­blö­det und unfä­hig ist, dass sie auf Dau­er nicht Ober­was­ser behal­ten können.”
PS: „Hal­ten Sie mich ger­ne für klein­lich, aber die Behaup­tung, dass die EU-Gran­den ‚auf Dau­er nicht Ober­was­ser behal­ten’ könn­ten (aus wel­chem Grund auch immer) – ist nicht gera­de das ‚Menschheitsfortschritts‑, Auf­klä­rungs- und Mitbestimmungsillusion’?
Ich fra­ge für Karl Popper.”
(Leser ***)
PPS: „Die Behaup­tung, dass die EU-Gran­den ‚auf Dau­er nicht Ober­was­ser behal­ten’ könn­ten, ist kei­ne Illu­si­on, wie der für Pop­per fra­gen­de Leser meint, son­dern eine Gesetz­mä­ßig­keit. Auch die Herr­schaft der Dum­men ist selbst­re­gu­lie­rend, denn sie gebiert in letz­ter Instanz eine Ord­nung, in der Dum­me nicht über­le­ben können.”

 

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