12. Februar 2021

„Ich kann mir eine humo­ris­ti­sche Welt­ge­schich­te den­ken, aber nur das größte Genie kann und wird sie schrei­ben. Es ist die letz­te Auf­ga­be der Poesie.”
Fried­rich Hebbel
(Und Ulrich Horst­mann soll­te sie rezensieren.)

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Wenn ein Mensch nichts kann, bleibt ihm immer­hin noch die Chan­ce, sich beliebt zu machen, indem er mög­lichst wenig tut.

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Aus der Rei­he: Ihre Steu­er­gel­der bei der Arbeit.

Das Deut­sche Reich wur­de bekannt­lich 1871 gegrün­det, der ers­te Reichs­kanz­ler war Otto von Bis­marck, und der wird jetzt mit­samt Capri­vi, Beth­mann Hol­lweg, von Bülow et al. als Trä­ger eines Nazi­ti­tels geframt. Frü­her oder spä­ter wird deutsch auf den Index wandern.

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War­um ist ungleich häu­fi­ger von Schuld die Rede als von Ver­ge­bung? Weil sich Ver­ge­bung nicht bewirt­schaf­ten lässt.

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Nach­dem wir bis­lang nur das Gewalt­po­ten­ti­al von Schutz­su­chen­den erle­ben durf­ten, sind wir gespannt auf jenes der Diskriminierungsheimzahler.

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Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de sind drei syri­sche Brü­der fest­ge­nom­men wor­den, bei denen die Ein­satz­kräf­te Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al des IS und kilo­wei­se Che­mi­ka­li­en sicher­ge­stellt haben.

Eine ver­däch­ti­ge Bestel­lung von je fünf Kilo­gramm Schwe­fel und Alu­mi­ni­um­pul­ver sei für das BKA der aus­schlag­ge­ben­de Punkt zum Ein­griff gewe­sen. Zwei der Brü­der wur­den in Däne­mark fest­ge­nom­men, einer in Hessen.

Erin­nern wir uns:

Haupt­sa­che, es liegt im Bedarfs­fall ein ver­heu­chel­ter Stan­dard­text zur Betrof­fen­heits­si­mu­la­ti­on bereit.

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Ein Freund, betrübt ob des Lau­fes der Welt seit dem Ende der Mon­ar­chie im All­ge­mei­nen und der Ver­wahr­lo­sung die­ser Repu­blik im Beson­de­ren, spricht den fata­lis­ti­schen Gedan­ken aus, dass die­ses Ges­tern, da es ja das Heu­te her­vor­ge­bracht habe, wahr­schein­lich nicht viel getaugt habe und gar kei­ne Anhäng­lich­keit verdiene.

Wir ste­hen vor dem Phä­no­men, dass zufäl­li­ge und will­kür­li­che Gescheh­nis­se, sobald sie his­to­risch gewor­den sind, den Cha­rak­ter von Glie­dern in einer Ket­te von Fol­ge­rich­tig­kei­ten anneh­men. Die Geschich­te macht, was sie will; ist aber genug Zeit ver­stri­chen, fügt sie den his­to­ri­schen Ver­lie­ren nach­träg­lich die größt­mög­li­che Schmach zu, indem sie ihr Wir­ken zur not­wen­di­gen Bedin­gung für den Tri­umph der Gegen­sei­te erklärt.

So wur­de die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on zur logi­schen Fol­ge der Mon­ar­chie, der Natio­nal­so­zia­lis­mus zur logi­schen Fol­ge des Kai­ser­reichs, die Bun­des­re­pu­blik zur logi­schen Fol­ge des Drit­ten Reichs – die DDR über­ge­he ich hier –, und so wer­den eines Tages, uns Reac­tionä­ren zur die­bi­schen Freu­de, tri­ba­le Ord­nun­gen des Behe­mo­th den euro­kra­ti­schen Levia­than mit nach­träg­lich her­bei­ge­zau­ber­ter Logik abge­löst haben.

Der heu­ti­ge Tag ist ein Resul­tat des gest­ri­gen, wie Freund Hei­ne schrieb – und Freund Hein geschrie­ben haben könn­te –; also fällt auch ein Schat­ten ins Ges­tern zurück, wenn das Heu­te die Son­ne trübt (aber kei­ne Ban­ge, auch die geils­te Steu­er­geld­ab­greif­par­ty geht irgend­wann zu Ende, und das Licht der Per­sön­lich­keit bricht wie­der durch die kol­lek­ti­vis­ti­schen Wolken).

Lag aber bereits in der Kreu­zi­gung Chris­ti nicht nur der Auf­stieg in hoc signo, son­dern auch der Nie­der­gang im Links­pro­tes­tan­tis­mus beschlossen?

Wie im Min­ne­sang nolens volens der Feminismus?

Fra­gen über Fragen…

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„Why did they tra­de with an aut­ho­ri­ta­ri­an regime and by sen­ding mil­li­ons of Ame­ri­can manu­fac­tu­ring jobs off to Chi­na ther­eby impo­ve­rish working Ame­ri­cans? Becau­se it made them rich.”
Lee Smith

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Die künst­li­che Intel­li­genz bei der Sor­tier­ar­beit – ach­ten Sie auf die Kate­go­rie „Best­sel­ler”.

Wird es ein­mal hei­ßen: Nur Nar­ren und Algo­rith­men sagen die Wahrheit?

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Mehr­fach ertön­te auf die­sen Sei­ten bereits der Unken­rülps, Frau Mer­kel wer­de sich, allen ihren ver­schwie­mel­ten Rück­zugs-Beteue­run­gen zum Trotz, im Sep­tem­ber noch ein­mal zur Kanz­le­rin „wäh­len” las­sen. Der Eck­la­den-Mono­lo­gi­sie­rer hat sogar eine Kis­te Rot­wein dar­auf gewet­tet, wobei er im Fal­le, er ver­lö­re, immer­hin über­reich ent­schä­digt würde.

Rein ver­fah­rens­tech­nisch wäre eine sol­che Amts­zeit­ver­län­ge­rung unpro­ble­ma­tisch. Mer­kel hat sich in allen Ver­zichts­er­klä­run­gen immer ein sprach­li­ches Hin­ter­tür­chen offen­ge­hal­ten. Alle Nach­fol­ge­kan­di­da­ten sind inzwi­schen hin­rei­chend ram­po­niert, um bei Belie­ben von der Plat­te geputzt zu wer­den, einst­wei­len außer Söder, der aber für nichts ande­res steht als für einen men­schen­freund­li­chen Coro­na­fa­schis­mus, also als Kanz­ler­kan­di­dat eben­falls auf recht töner­nen Füßen. Die Kanz­le­rin könn­te sich jeder­zeit von einem ihrer CDU-Cla­queu­re vor­schla­gen las­sen, der dann tre­mo­lier­te: Ange­la, in der Stun­de der Not, nur du, nur du kannst es, heil dir, du Erfah­rens­te und Ret­te­rin aller! Und mit einem fei­len Seuf­zer gin­ge sie grie­nend noch ein­mal ins Amt.

Eines zumin­dest dürf­te unstrit­tig sein: Wenn sie nicht frei­wil­lig abtritt, in ihrer Eunu­chen­trup­pe wird kein Odo­aker erste­hen, der sie aus dem Kanz­ler­amt ver­drängt. Aber will sie etwa nicht gehen? Eigent­lich müss­te ein Mensch nach so vie­len Jah­ren doch … –

Gut, wenn man sie zur UN-Gene­ral­se­kre­tä­rin kür­te, dann könn­te sie die­sem Land den Rücken keh­ren, das sie geis­tig – mir sträu­ben sich die Fin­ger, wenn ich die­ses Attri­but für sie hin­schrei­be – längst ver­las­sen hat. Deutsch­land und sei­ne Ein­woh­ner inter­es­sie­ren sie nicht son­der­lich (ande­re Völ­ker aller­dings auch nicht), und dar­in liegt für mei­ne Begrif­fe das stärks­te Argu­ment, war­um sie noch ein­mal antre­ten könn­te. Wenn Mer­kel wei­ter­macht, wird die eigent­li­che Auf­for­de­rung nicht aus Deutsch­land kom­men. Die Kanz­le­rin ist für die glo­ba­lis­ti­schen Eli­ten – als Par­tes pro toto nen­ne ich die Namen Oba­ma, Clin­ton, Har­ris, Gates, Soros, Guter­rez, Bar­ro­so, Zucker­berg – eine Art euro­päi­scher Brü­cken­kopf, der gehal­ten wer­den muss und nicht einer Lusche wie Laschet oder einem Lakai­en wie Rött­gen über­las­sen wer­den darf, zumal der ande­re Brü­cken­kopf im Pari­ser Palais de l’É­ly­sée schwer unter Beschuss liegt. Der glo­ba­lis­ti­sche Kra­ke will sei­ne deut­sche Ten­ta­kel nicht schwä­chen. Über­dies hat die­se Per­son wahr­schein­lich kein Leben außer­halb der Poli­tik und wüss­te, wenn die­se Gau­ke­lei ein­mal endet, wahr­schein­lich gar nicht wohin mit sich und ihrer plötz­li­chen Nichtigkeit.

Was dage­gen spricht, dass sie wei­ter­macht, ist der dro­hen­de Klad­de­rad­datsch, wenn die Rech­nung für ihre Amts­zeit prä­sen­tiert wird. Aller­dings sind die Wahr­heits­me­di­en der­ma­ßen auf Linie gebracht wor­den, dass uns wahr­schein­lich sogar nach einem Black­out Schlag­zei­len ent­ge­gen­sprin­gen wür­den wie: „Das hat nichts mit der Ener­gie­wen­de zu tun”. Ich ver­mu­te, dass sie im Kanz­ler­amt schon seit Mona­ten durch­rech­nen, wie lan­ge sie noch halb­wegs fol­gen­los Geld dru­cken und das Land lahm­le­gen kön­nen. Die Frag­men­tie­rung der Bevöl­ke­rung ist erfolg­reich vor­an­ge­trie­ben wor­den, auch die ins Gespräch gebrach­ten Migran­ten­quo­ten die­nen dem Ziel des Tei­le und herr­sche, nach dem Lock­down wer­den außer­dem noch mehr Men­schen vom Staat abhän­gig sein. All das spricht eben­falls dafür, dass sie wei­ter­ma­chen und ihr Zer­stö­rungs­werk im Diens­te des Mensch­heits­fort­schritts wie einen guten Orgas­mus zumin­dest noch ein biss­chen hin­aus­zö­gern kann.

***

Leser *** weist dar­auf hin, dass Roger Köp­pel „jetzt hier in der Schweiz dazu auf­ge­ru­fen hat, ab März den blöd­sin­ni­gen Lock­down-Regeln der Schwei­zer Regie­rung ein­fach nicht mehr zu fol­gen. Und not­falls auch Stra­fe zu zah­len. Es sei nicht nach­zu­voll­zie­hen, wie­so sogar Golf­plät­ze, Möbel­häu­ser und Auto­wasch­an­la­gen geschlos­sen sei­en. Restau­rants u.a. soll­ten ein­fach wie­der öff­nen, mit Sicher­heits­vor­keh­run­gen natürlich.
Köp­pel trifft hier zwar auf Kri­tik, aber auch auf star­ke Zustim­mung. In Deutsch­land wäre das undenk­bar. Dort fleht man die Mon­ar­chin auf Knien an, gnä­dig zu sein. Ich bin ziem­lich sicher, dass sei­nem Auf­ruf gefolgt wer­den wird (wenn die auf­ge­schreck­te Regie­rung, allen vor­an Alain Ber­set, dem nicht mit Locke­run­gen zuvor­kommt, wor­auf heu­te schon eini­ges hindeutet).
Ich lebe jetzt seit über 10 Jah­ren in der Schweiz. Und ich schlies­se mich der Hal­tung vie­ler Schwei­zer zu Deut­schen mehr und mehr an: Deut­sche sind in ihrer gros­sen Mehr­heit wider­li­che, ver­ächt­li­che Duck­mäu­ser, die ein gros­ses Maul haben, aber zu fei­ge sind, sich gegen die Obrig­keit zu wehren. 
Mit revo­luz­ze­ri­schen Grüssen!”
***

Tri­but to Donald Trump.

Oh yes, I did. Almost.
***
Donald Trump war offi­zi­ell noch der mäch­tigs­te Mann der Welt, als Twit­ter sei­nen Account lösch­te. Also ist Twit­ter … (bit­te selbst den Syl­lo­gis­mus bilden).
Den Lösch­zü­gen von Twit­ter sind jene von Face­book und You­tube weit vor­aus­ge­eilt. Zu einer Til­gung neu­en Typs kam es die­ser Tage bei You­tube: Die Platt­form lösch­te eine Rede, die von einem Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten wäh­rend einer Par­la­ments­de­bat­te gehal­ten wur­de; es ging um den Antrag einer Par­tei, das im Novem­ber vom Bun­des­tag ver­ab­schie­de­te drit­te Bevöl­ke­rungs­schutz­ge­setz vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über­prü­fen zu las­sen, mit fol­gen­der nament­li­cher Abstim­mung. Selbst­ver­ständ­lich han­delt es sich um die Rede eines Schwe­fel­par­tei­lers, in die­sem Fal­le Ste­phan Brand­ner, und You­tube ent­fern­te sie ledig­lich von sei­nem pri­va­ten Kanal; auf dem der Bun­des­tags­frak­ti­on ist sie noch zu sehen (hier). Die Will­kür der Big-Data-Zen­so­ren wird von Tag zu Tag dreis­ter. Brand­ner hat dem Kon­zern über sei­nen Anwalt eine Frist auf Wie­der­ver­öf­fent­li­chung gesetzt, danach will er am Land­ge­richt Ber­lin Kla­ge einreichen.
***
Ein gan­ze Rudel von Pro­fes­so­ren hat an die­ser Emp­feh­lung mitgewirkt.
Dass neue­re Geis­tes­wis­sen­schaft­ler mit von der Par­tie waren, zei­gen Pas­sa­gen wie: „Der No-COVID-Ansatz erfor­dert das Ver­ständ­nis, die Unterstützung und die Teil­ha­be der gesam­ten Bevöl­ke­rung. Daher regen wir eine deutsch­land­wei­te und lokal getra­ge­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Moti­va­ti­ons­kam­pa­gne an. Sie soll die neue Ziel­set­zung ver­mit­teln und bot­tom-up- Unterstützungsaktivitäten ermög­li­chen. Die Erfol­ge wer­den täg­lich kommuniziert.”
Im Grun­de erschöpft sich der Vor­schlag des Pro­fes­so­ren­kol­le­gi­ums in einem Grü­ne-Zonen-Modell, das die kon­ser­va­ti­ve Aller­welts­weis­heit, man möge zuerst vor der eige­nen Tür fegen, mit Sozio­lo­gen­pro­sa und Con­sul­ting­ge­schwätz – „Prin­zip des gemein­schaft­li­chen Ler­nens und atmen­de Koor­di­na­ti­on” – ver­leimt und auf den euro­kra­ti­schen Plat­ti­tü­den­rah­men spannt:
„Euro­pa ist nicht nur poli­tisch, sozi­al und öko­no­misch eng ver­floch­ten – es ist auch ein epi­de­mio­lo-gischer Raum. Ent­spre­chend schwie­rig ist es für ein­zel­ne Län­der, die Pan­de­mie im Allein­gang ef-fek­tiv zu kon­trol­lie­ren; ent­spre­chend wünschenswert ist ein gemein­sa­mes Vor­ge­hen der EU-Mit-glie­der. Das Grüne-Zonen-Modell eig­net sich sehr gut gera­de für den euro­päi­schen Kon­text, weil es für zwei zen­tra­le Her­aus­for­de­run­gen des Pan­de­mie­ma­nage­ments – die gesamt­eu­ro­päi­sche Koor­di­na­ti­on und Koope­ra­ti­on sowie die Freizügigkeit im Schen­gen-Raum – Lösungs­an­sät­ze bie­tet. Die­se (ein­an­der ergän­zen­den) Lösungs­an­sät­ze sind:
(1) Das Grüne-Zonen-Modell kann dezen­tral durch sub­staat­li­che Insti­tu­tio­nen in ver­schie­de­nen EU-Län­dern umge­setzt werden;
(2) Kön­nen sich die euro­päi­schen Regie­run­gen nicht mit­ein­an­der auf eine No-COVID-Stra­te­gie eini­gen, kön­nen Grüne Zonen den­noch nach einem Like-Min­ded-Prin­zip ent­ste­hen und aus­ge­wei­tet werden.”
Es kann für Euro­pa nur eine euro­päi­sche Lösung geben, am bes­ten indem jeder macht, was er unter sei­nen Vor­aus­set­zun­gen für rich­tig hält.
„Das Mach­werk wur­de wohl von einem ‚exter­nen Dienst­leis­ter’ ein­ge­kauft. So unter­kom­plex coa­ching-dumm­deutsch schrei­ben mei­ner Erin­ne­rung nach habi­li­tier­te Män­ner mitt­le­ren Alters eher nicht”, notiert Lese­rin ***, die mich auf den Seim hin­wies. Beson­ders schön fin­det sie die Gra­fik zur Kor­re­la­ti­on von Lais­sez-Fai­re und wirt­schaft­li­chem Opti­mum (Sei­te 23):
sowie die mes­ser­schar­fe Ana­ly­se mit dem Titel „Gleich­ge­sinn­te fin­den” (Sei­te 14).
Gilt übri­gens auch für Staa­ten, natür­lich unter Ein­be­zie­hung von deren Macht und Grö­ße. Das Außen­amt von H. Maas soll bereits Inter­es­se am Ein­kauf der hier sou­ve­rän auf­ge­klapp­ten Heu­ris­tik signa­li­siert haben.
(Das gan­ze Opus hier.)
***
„In Jena sind bei zwei­stel­li­gen Minus-Gra­den 6500 Haus­hal­te ohne Fern­wär­me und war­mes Was­ser. Und sowas führt erfah­rungs­ge­mäß nicht nur zu tem­po­rä­rer Käl­te, son­dern Fol­ge­aus­fäl­len und ‑schä­den wegen ein­ge­fro­re­ner und geplatz­ter Pum­pen und Leitungen.

Wisst Ihr, was mich sehr inter­es­sie­ren wür­de? Wie hoch der Frau­en­an­teil unter denen ist, die da gera­de dar­an arbei­ten, die Ver­sor­gung wie­der in Gang zu bringen.”

Also frug Had­mut Danisch.

Gewiss wer­den es vor­wie­gend in die Jah­re gekom­me­ne wei­ße Män­ner sein, die sich dem Her­rin­nen­ge­schlecht ein­mal mehr dienst­bar erwei­sen, wenn es anstren­gend, schmut­zig, kalt und tech­nisch wird. Wobei man auch fra­gen könn­te, wie vie­le soge­nann­te Flücht­lin­ge, ich mei­ne: schon län­ger hier Leben­de, an die­sen Arbei­ten betei­ligt sind, auch in dem Sin­ne: Wie vie­le, so sie denn bereit wären, wür­den dazu über­haupt imstan­de sein? Neu­lich zitier­te ich hier irgend­ei­nen nord­afri­ka­ni­schen Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten, soweit ich mich ent­sin­ne, war es ein Marok­ka­ner, der erklärt hat­te, die Ara­ber sei­en von Allah zum Her­ren­volk bestimmt, wel­chem die ande­ren zu die­nen hät­ten, bei­spiels­wei­se eben mit der Erd­öl­för­de­rung oder dem Bau von Wol­ken­krat­zern, Vil­len, Hän­dis, Flug­zeu­gen und Luxus­au­tos. Nun, irgend­wann wird das letz­te wei­ße Wirts­tier schlapp machen, die Asia­ten sind nicht so blöd, sich aus­neh­men zu las­sen, und dann müs­sen vie­le, vie­le Schma­rot­zer­chen darben.

***

Leser *** will sich als Advo­ca­tus Dia­bo­li ver­su­chen und wird des­halb mit einem Plä­doy­er vor­stel­lig, wel­ches er als Her­aus­for­de­rung ver­stan­den wis­sen will, dazu eine über­zeu­gen­de Gegen­po­si­ti­on zu ent­wi­ckeln, nämlich:
„Von der Wahr­heit zu reden, mag unzeit­ge­mäß gewor­den sein, aber es ist durch­aus rele­vant, ob die Wäh­ler einer Demo­kra­tie bei­spiels­wei­se davon aus­ge­hen, dass ihre Wah­len mani­pu­liert wur­den oder nicht. Glau­ben sie an die Fäl­schung des Wahl­er­geb­nis­ses, so wür­de dies ihr Ver­trau­en in die Demo­kra­tie schwer­wie­gend unter­gra­ben und den Grund­stein für außer­par­la­men­ta­ri­schen und im Fal­le der USA auch bewaff­ne­ten Wider­stand legen.
Oder in Zei­ten einer Pan­de­mie ist kei­nes­wegs unwe­sent­lich, für wie gefähr­lich die Bür­ger einen gefähr­li­chen Virus hal­ten. Sind sie davon über­zeugt, dass kei­ne son­der­li­che Bedro­hung vor­liegt, dann wer­den sie sich weni­ger vor­sich­tig ver­hal­ten, was wie­der­um Aus­wir­kun­gen auf die Aus­brei­tungs­ge­schwin­dig­keit und Opfer­zah­len hat.
Oder gesetzt, die Theo­rie des anthro­po­ge­nen Kli­ma­wan­dels wür­de stim­men. Dann wäre es in der Tat von vita­ler Bedeu­tung, dass die Mensch­heit die­sen ernst nimmt, anstatt ihn als unbe­grün­det zu ver­wer­fen und ohne Beden­ken wei­ter fos­si­le Brenn­stof­fe zu verwenden.
Die­se Bei­spie­le sol­len genü­gen, um klar­zu­ma­chen, dass die öffent­li­che Mei­nung in einer Demo­kra­tie von wesent­li­cher Bedeu­tung für Gegen­wart und Zukunft des Gemein­we­sen ist.
Mit dem Inter­net liegt heu­te eine radi­kal ver­än­der­te Medi­en­land­schaft vor, näm­lich ein offe­ner Infor­ma­ti­ons­markt, wo grund­sätz­lich jeder sei­ne Mei­nung kund­tun kann. Fin­det jemand die ent­spre­chen­de Reso­nanz, dann sind der Reich­wei­te sei­nes Blogs oder Kanals kaum Gren­zen gesetzt. Durch die­sen frei­en Markt­platz der Mei­nun­gen ist damit eigent­lich zum ers­ten Mal eine Situa­ti­on geschaf­fen, wo die Bür­ger direkt mit­ein­an­der (hori­zon­tal) kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. Mit ande­ren Wor­ten gibt es zum ers­ten Mal eine ech­te Öffent­lich­keit im Sin­ne eines Forums statt der tra­di­tio­nel­len „ver­öf­fent­lich­ten“ Mei­nung, wo eine recht über­schau­ba­re Anzahl von Medi­en als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kno­ten­punk­te fun­gie­ren, die ihre Infor­ma­tio­nen (ver­ti­kal) an die Bür­ger weiterleiten.
Doch die­ser freie Markt­platz ähnelt mitt­ler­wei­le eher einem Mei­nungs­dschun­gel, in dem die ver­schie­dens­ten und gegen­sätz­lichs­ten Infor­ma­tio­nen chao­tisch koexis­tie­ren. Die hohe Reso­nanz, auf die auch abstru­se Theo­rien teil­wei­se tref­fen, stel­len nicht nur die Fra­ge nach der Mün­dig­keit des Bür­gers, son­dern sie stel­len vor allem die Fra­ge, ob selbst intel­li­gen­te und gebil­de­te Wäh­ler sich in die­sem Infor­ma­ti­ons­cha­os über­haupt noch zurecht fin­den und eine fak­ten­ba­sier­te Mei­nung bil­den kön­nen. Ver­schärft wird die­ser Zustand noch dadurch, dass nicht nur unbe­ab­sich­tig­te Falsch­in­for­ma­tio­nen kur­sie­ren, son­dern auch geziel­te und vor­sätz­li­che Des­in­for­ma­ti­on sei­tens ver­schie­de­ner Inter­es­sen­grup­pen betrie­ben wird, wozu auch aus­län­di­sche Geheim­diens­te zählen.
Der öffent­li­chen Mei­nung kommt inner­halb der Demo­kra­tie eine ent­schei­den­de Rol­le zu und eben­so ent­schei­dend ist daher die Funk­ti­on der vier­ten Gewalt. Die Infor­ma­ti­on der Bür­ger einer Demo­kra­tie ist eine zu wich­ti­ge Ange­le­gen­heit, um sie völ­lig unge­re­gelt einem chao­ti­schen frei­en Mei­nungs­markt zu über­las­sen. Eben­so wie nicht jeder­mann eine Arzt­pra­xis eröff­nen oder gene­rell Diens­te in ver­ant­wor­tungs­vol­len Beru­fen aus­üben darf, so muss auch jeder Medi­en­schaf­fen­de sich durch den Nach­weis ent­spre­chen­der beruf­li­cher Vor­aus­set­zun­gen qua­li­fi­zie­ren. Die­se Lizen­zie­rung der Medi­en ist daher das geeig­ne­te Mit­tel, um – ana­log zur ordo­li­be­ra­len Wirt­schafts­ord­nung – auch den Markt der Infor­ma­tio­nen und Nach­rich­ten ange­mes­sen zu regu­lie­ren. Wer über kei­ne sol­che Lizenz ver­fügt, der darf auch nicht publizieren.”
Die Fra­ge lau­te nun: Wie las­se sich das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung ange­sichts die­ser Argu­men­ta­ti­on begründen?
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