15. Februar 2021

Stel­len Sie sich vor, Sie hät­ten ein Jahr in einer tibe­ti­schen Ere­mi­ta­ge oder bei den Papu­as in Neu­gui­nea ver­bracht, kehr­ten jetzt nach Deutsch­land zurück und läsen die­se Schlagzeile:

Das ist übri­gens das Land, in wel­chem der Begriff „Coro­na-Dik­ta­tur” soeben zum „Unwort des Jah­res” nobi­li­tiert wurde.

Oder war es wegen des Grünkohls …?

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In der Jun­gen Welt hät­te Mit­te Okto­ber 1989 auch gut die Zei­le ste­hen kön­nen: „Mon­tags­de­mons­tran­ten wol­len die Zeit zurückdrehen”.

„Anstatt das Sys­tem zu ändern
Darf er Sub­stan­ti­ve gendern.”
Marc Pommerening

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Trotz zahl­rei­cher erfreu­li­cher Aus­nah­men muss man Twit­ter wohl zu den Auf­fang­be­cken der „Welt­hirn­jau­che” (Karl Kraus) rechnen.

Das Kind ist ein Sexist – wie jedes Kind vor der Hirn­wä­sche –, aber Frau­en ken­nen meist die Lösung.

Jetzt sind es sogar schon drei …

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Was ist eigent­lich der Herr Nawal­ny für einer?

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Die wirk­li­chen Umwelt­säue ver­brau­chen nicht Ener­gie, son­dern erzeu­gen sie auf mög­lichst unef­fek­ti­ve und die Welt ver­häss­li­chen­de Weise.

Jedes Wind­rad steht auf einem ton­nen­schwe­ren Stahl­be­ton­fun­da­ment, bei den Gigan­ten der 6‑Me­ga­watt-Klas­se misst es 1.200 Kubik­me­ter und wiegt bis zu drei­ein­halb­tau­send Ton­nen – ein Kubik­me­ter Stahl­be­ton bringt 2,5 Ton­nen Last auf die vir­tu­el­le Waa­ge. Dazu addiert sich das Gewicht von Turm, Roto­ren und Maschi­nen­haus. Natürlich muss der Boden unter einer sol­chen Last nicht nur gero­det, son­dern auch künstlich ver­dich­tet wer­den. Zu jedem Wind­rad muss über­dies eine Stra­ße füh­ren, damit not­falls ein Kran dort­hin gelan­gen kann.

Für den typi­schen Grü­nen-Wäh­ler, sagen wir den mora­li­sie­ren­den SUV-Fah­rer und Viel­flie­ger mit Öko­strom-Invest­ment und soli­dem Abscheu vor allem, was deutsch ist, sind das drei Flie­gen mit einer Klap­pe: Er kauft sich den Ablass­brief bei der Welt­kli­ma­kir­che, sichert sei­nen pri­va­ten Wohl­stand und kann zugleich des Nazis liebs­tes Kind, die deut­sche Land­schaft, in einem ähn­li­chen Maße ver­un­stal­ten und ent­mys­ti­fi­zie­ren wie der Wie­der­auf­bau nach 1945 die meis­ten deut­schen Innen­städ­te; Anti­fa­schist ist er also irgend­wie auch noch.

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Ges­tern Abend lief auf BBC News ein Bei­trag über die Mars­mis­si­on der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te. Die in Japan gestar­te­te Son­de hat den äuße­ren Erd­nach­barn erreicht und sen­det ers­te Fotos zur Erde. Der Bei­trag zeig­te For­scher, die die tra­di­tio­nel­le Kan­do­ra und auf dem Kopf die vom typi­schen schwar­zen Band gehal­te­ne wei­ße Ghu­t­ra tru­gen, also aus­sa­hen wie Scheichs, nicht wie Phy­si­ker oder Inge­nieu­re, wäh­rend die am Pro­jekt betei­lig­ten Frau­en in Aba­ya und Kopf­tuch auf­tra­ten – gewis­ser­ma­ßen „Lap­top und Leder­ho­se”, wie Ede Stoi­ber einst stab­reim­te, auf ori­en­ta­lisch, nur weit bizar­rer und schwe­rer zusammenzudenken.

Die Dame in Schwarz, die vor der Ani­ma­ti­on des Roten Pla­ne­ten steht, heißt Sarah al-Ami­ri. Die jun­ge Inge­nieu­rin gehört zu den Pla­nern der Mis­si­on, und sie sag­te der Wis­sen­schafts­zeit­schrift Natu­re, es sei „ganz natür­lich”, dass die Leu­te es „für ver­rückt hal­ten”, wenn ein ara­bi­sches Land auf ein­mal bei der Erfor­schung des Welt­alls mit­mi­sche. Scha­ria, Geschlech­ter­tren­nung und die Todes­stra­fe für den Abfall vom Islam ste­hen der Raum­fahrt also nicht im Wege. Frap­pie­rend, wie gesagt.

Die Emi­ra­te sind frei­lich das außer­ge­wöhn­lichs­te ara­bi­sche oder viel­leicht über­haupt isla­mi­sche Land. Reich an Ölvor­kom­men, stel­len sie die Volks­wirt­schaft im Nahen Osten mit dem höchs­ten Pro-Kopf-Ein­kom­men. Von den neun Mil­lio­nen Ein­woh­nern sind unglaub­li­che acht Mil­lio­nen Arbeits­mi­gran­ten. Die Recht­spre­chung sucht einen Kom­pro­miss zwi­schen welt­li­chem und isla­mi­schem Recht (tat­säch­lich steht die Ver­fas­sung über der Scha­ria). Es herrscht reli­giö­se Tole­ranz, Chris­ten, Juden, Hin­dus, Bud­dhis­ten dür­fen unbe­hel­ligt ihren Glau­ben prak­ti­zie­ren. Medi­en und Inter­net wer­den gleich­wohl zen­siert, wobei die Zen­sur vor allem sitt­li­chen Kri­te­ri­en folgt und die Geschlech­ter­tren­nung stützt. Zwar klei­den sich die meis­ten Ein­woh­ner tra­di­tio­nell, aber es besteht dazu offen­bar kei­ne Pflicht. Als drit­ter ara­bi­scher Staat haben die Emi­ra­te diplo­ma­ti­sche Bezie­hun­gen zu Isra­el auf­ge­nom­men und im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber den von einem Unhold namens Donald Trump aus­ge­han­del­ten Frie­dens­ver­trag unter­zeich­net. Die Emi­ra­te sind bekannt für ihre Spen­den­be­reit­schaft, sie hel­fen ande­ren Län­dern immer wie­der bei der Bewäl­ti­gung von Kriegs­fol­gen und Naturkatastrophen.

Wann immer in den ver­gan­ge­nen Tagen Län­der­sta­tis­ti­ken über den Pro­zent­satz der gegen das Coro­na­vi­rus geimpf­ten Ein­woh­ner ver­öf­fent­licht wur­den, stand am zweit­längs­ten Bal­ken das Kür­zel: VAE. Im Jahr 2019 wur­de der 29jährige Omar Bin Sul­tan Al Ola­ma zum Staats­mi­nis­ter für Künst­li­che Intel­li­genz ernannt. Ein sol­ches Amt gibt es bis­lang nir­gend­wo sonst in der Welt.

Die Raum­son­de heißt übri­gens „Amal”, Hoff­nung. Viel­leicht besteht sie ja tatsächlich.

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„Den wärms­ten Schnee­fall seit dem Pleis­to­zän” möch­te Leser *** „zum Anlass neh­men, Ihnen einen Arti­kel aus der News­week von 1975 zu sen­den. Das The­ma ist ‚Glo­bal Coo­ling’. Sehr schön sind die Lösungs­vor­schlä­ge. Vor eini­gen Jah­ren war die­ser Arti­kel im Netz noch leich­ter zu fin­den als heu­te. Offen­bar greift bereits die glo­ba­le Speicherbereinigung.”

Also ich fand den Text flott hier, will ihn aber aus doku­men­ta­ri­schen Gewis­sens­grün­den im Klei­nen Eck­la­den aufbewahren:

Die Pol­kap­pen zum Schmel­zen brin­gen, indem man sie mit schwar­zem Ruß über­zieht – an wel­che aktu­el­len, wenn auch in der Ziel­set­zung kom­plett umge­kehr­ten Mabu­sia­den erin­nert uns das?

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Leser *** spiel­te am 12. Febru­ar den Advo­ca­tus dia­bo­li mit der Argu­men­ta­ti­on, die Infor­ma­ti­on der Bür­ger einer Demo­kra­tie sei eine zu wich­ti­ge Ange­le­gen­heit, um sie unge­re­gelt einem chao­ti­schen Markt zu über­las­sen, der nicht nur Mei­nun­gen aller Art, son­dern auch unüber­prüf­ba­re und fal­sche Fak­ten pro­du­zie­re; eben­so wie nicht jeder­mann eine Arzt­pra­xis eröff­nen dür­fe, müs­se auch jeder Medi­en­schaf­fen­de lizen­ziert wer­den; wer über kei­ne sol­che Lizenz ver­fü­ge, der dür­fe auch nicht publi­zie­ren. Die Fra­ge lau­te: Wie las­se sich das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung ange­sichts die­ser Argu­men­ta­ti­on begründen?

„Frei­heit ist nicht begrün­dungs­pflich­tig. Das ist die erschöp­fen­de Ant­wort”, schreibt Leser ***.
„Gene­rell ist zurück­zu­fra­gen: Wer lizen­ziert die Lizen­zie­rer?”, ergänzt Leser ***. „Dar­auf gibt es kei­ne ver­nünf­ti­ge Ant­wort. Unter unse­ren spe­zi­el­len Bedin­gun­gen schon gar nicht, weil alle denk­ba­ren Instan­zen inzwi­schen hoch­gra­dig geis­tig-mora­lisch kor­rum­piert sind. Lizen­ziert wür­de also heu­te cete­ris pari­bus gene­rell jeder ‚Medi­en­schaf­fen­de’, der qua­li­fi­ziert ist, und die­se Vor­aus­set­zun­gen wür­den heu­te hei­ßen: nach­weis­ba­rer Anti­ras­sis­mus, Anti-Anti-Immi­gra­tio­nis­mus, Anti-Kli­ma­l­eug­ne­ris­mus, Anti-Recht­sis­mus usw usf. Dazu kommt noch die Grund­aus­bil­dung in den Kur­sen ‚Framing I’, ‚Framing II’ und ‚Framing für Fort­ge­schrit­ten­In­nen’ sowie ‚Diver­si­ty für Diver­se’. Das war’s dann auch schon. Denn wer von den zahl­lo­sen Gestaltin­nen und Gestal­ten, die bei den öffent­lich-recht­li­chen und den schein­pri­va­ten Medi­en der­zeit das jour­na­lis­ti­sche Sagen haben, wür­de von Leu­ten lizen­ziert, die noch alle Tas­sen im Schrank haben?”
Eine Lizen­sie­rung setz­te vor­aus, dass „die ‚Vier­te Gewalt’ unbe­stech­lich, über­par­tei­lich, unab­hän­gig und wahr­heits­ge­treu die Bür­ger infor­miert”, sekun­diert Leser ***. „Davon dürf­te sie seit Men­schen­ge­den­ken mei­len­weit ent­fernt sein. Daher ist es m.E. nicht nur das Recht eines jeden frei­en Men­schen, son­dern auch sei­ne Pflicht, soweit er etwas meint mit­tei­len zu kön­nen, dies auch zu tun, und zwar – soweit die ver­öf­fent­lich­te Äuße­rung nicht gegen Geset­ze ver­stößt – unbe­hin­dert und unzen­siert. Es ist Sache des ein­zel­nen Kon­su­men­ten einer ver­öf­fent­lich­ten Infor­ma­ti­on, zu ent­schei­den, ob die­se der Wahr­heit ent­spricht oder nicht. Daß eine Rei­he von Zeit­ge­nos­sen zu die­ser Unter­schei­dung geis­tig nicht in der Lage sind, kann nicht als Argu­ment dazu her­hal­ten, eine Ver­öf­fent­li­chung a prio­ri zu unterdrücken.”
„Ansich­ten, es bräuch­te eine Lizenz, las­sen sich sehr leicht wie­der­le­gen”, sta­tu­iert wie­der­um Leser ***. „Was unter­schei­det den Lizenz­ge­ber für die Mei­nungs­ver­öf­fent­li­chung von dem, der sei­ne Mei­nung ver­öf­fent­li­chen will? Gar nichts. Der Lizenz­ge­ber hat alle Nach­tei­le, die auch auf den Mei­nungs­ver­öf­fent­li­cher zutref­fen: Er hat nie­de­re Instink­te, eige­ne Inter­es­sen, ist mate­ri­ell-wirt­schaft­lich gebun­den, er ist genau­so qualifiziert/unqualifiziert, usw.

Dass ‚Nach­weis der Qua­li­fi­ka­ti­on’ in der Theo­rie gut klingt, in der Pra­xis aber schei­tert, beweist täg­lich unser Staats­funk. In der Pra­xis bau­en Tech-Fir­men Hier­ar­chien und Vor­ga­ben ab, je kom­ple­xer das Pro­dukt ist, das sie ent­wi­ckeln wol­len, damit am Ende ein funk­tio­nie­ren­des Pro­dukt raus­kommt und fal­sche Vor­ga­ben von oben nicht auch noch rich­tig (also falsch) umge­setzt wer­den. Die (tat­säch­lich) wah­re Mei­nung ist ein sehr kom­ple­xes Produkt.

Die zwei­te Mög­lich­keit, sol­che Ansich­ten leicht zu wider­le­gen, ist der Aus­tausch des Bezugs­punk­tes: Statt der Frei­heit, sei­ne Mei­nung zu ver­öf­fent­li­chen, nimmt man ein­fach die Frei­heit zu rei­sen, die Frei­heit der Berufs­aus­übung, die Frei­heit, sei­ne Kin­der selbst­be­stimmt zu erzie­hen. War­um lässt die­ses Land die Kin­der, die als fol­gen­de Genera­ti­on die­ses Land gestal­ten, von ihren Eltern erzie­hen? Müs­sen die­se nicht bei Geburt den Eltern weg­ge­nom­men und an lizen­zier­te Erzie­her über­ge­ben wer­den, die sie im Sin­ne ihrer Auf­trag­ge­ber erziehen?

Und wie war es vor dem Inter­net? Auch da konn­te jeder sei­ne Mei­nung frei ver­kün­den, ohne dass jemand gesagt hat, das wäre eine Gefahr, das gehe nur mit Lizenz. Damals geschah die­se Mei­nungs­ver­brei­tung eben nicht über das Inter­net, son­dern über Vor­trä­ge, Stamm­ti­sche, Club­tref­fen etc. Seit Erfin­dung des Buch­dru­ckes, ich mei­ne Inter­nets, hat sich die Mei­nungs­ver­brei­tung auf die neu­en Medi­en aus­ge­brei­tet oder verlagert.”

***

Die deut­schen Medi­en waren in glor­rei­chen Zei­ten ja schon ein­mal lizen­siert; ein­fühl­sa­me Geis­ter ver­su­chen hier, das alte Wochen­schau-Fee­ling zu reani­mie­ren, was durch­aus etwas Deco­u­vrie­ren­des hat.

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