10. März 2021

Der Deutschländer:innenfunk gibt bekannt:

Mit dem Ter­mi­nus „Über­le­bens­chan­cen” geben sie immer­hin zu, dass wir einen Kampf­platz betre­ten. Dazu gleich. Schau­en wir zunächst auf die Inter­view­part­ne­rin. Hei­drun Käm­per ist laut Schrott­sam­mel­stel­le Phi­lo­lo­gin – wir den­ken sog­eich an Nietz­sche: „Wir Phi­lo­lo­gen” –, hat aber bloß Ger­ma­nis­tik und Poli­to­lo­gie stu­diert, wirk­te danach eif­rig bei der lan­des­ty­pi­schen Über­pro­duk­ti­on von Habi­li­tier­ten mit, indem sie zum The­ma „Schuld­dis­kurs in der frü­hen Nach­kriegs­zeit” in damals noch gen­de­run­ge­rech­ter Spra­che gewiss Bedeu­ten­des zusam­men­trug, sie lehrt als außer­plan­mä­ßi­ge Pro­fes­so­rin für Phi­lo­lo­gie in Mann­heim; über­dies oder mei­net­hal­ben prak­ti­scher­wei­se ist sie SPD-Mit­glied, Mit­glied der Fried­rich-Ebert-Stif­tung und Diver­si­täts­be­auf­trag­te am Leib­niz-Insti­tut für deut­sche Spra­che. Nach die­ser Vor­stel­lung ahnen wir, war­um sie über­haupt zum Inter­view gebe­ten wur­de, obwohl sie mit der deut­schen Spra­che unge­fähr so viel zu schaf­fen wie ein Tier­prä­pa­ra­tor mit einem leben­di­gen, sagen wir: Bären (mei­net­we­gen auch einer Bärin), denn so ein gebüh­ren­fi­nan­zier­ter Jour­na­list will schon gern vor­her ein­pla­nen, mit wel­chen Ant­wor­ten er zu rech­nen hat.

Die Lei­te­rin des Arbeits­be­reichs „Sprach­li­che Umbrü­che” des Leib­niz-Insti­tuts für deut­sche Spra­che mag übri­gens das Binnen‑I – den „femi­nis­ti­schen Umschnall-Dil­do” (Lisa Eck­hart) – nicht beson­ders, weil es im Wort eine „Stö­rung” erzeu­ge, wäh­rend sie den Gen­der­stern okay fin­det, wahr­schein­lich weil der bloß wie ein Flie­gen- oder Kolo­bri­schiss, also durch­aus unphal­lisch zwi­schen den Buch­sta­ben klebt. Am zeit­ge­mä­ßes­ten und zukunfts­taug­lichs­ten indes erscheint ihr der ein­ge­füg­te Dop­pel­punkt – Dop­pel­punk­te sper­ren ihren Rachen weit auf; wehe dem, der sie nicht zu füt­tern weiß!, sprach sinn­ge­mäß der vom Gleich­stel­lungs­de­bi­lis­mus weit­ge­hend ver­schont geblie­be­ne Theo­der W. Ador­no –, wäh­rend sie dem gene­ri­schen Mas­ku­li­num das Aus­ster­ben pro­phe­zeit, obwohl sie als irgend­wie mit Spra­che beschäf­tig­ter Mensch genau weiß, dass die­ses Mas­ku­li­num bei nicht­be­leb­ten Gegen­stän­den wie Boh­rer, Stahl­trä­ger, Schrau­ben­zie­her, Tür­öff­ner etc. geschlechts­neu­tral ist und ganz sicher blei­ben wird.

Über­haupt ist die Gute eine aus­ge­wie­se­ne Ken­ne­rin des seman­ti­schen Stirb und Werde.

Welch küh­ne, ja kecke Pro­gno­se! Ich wage jetzt auch eine sol­che: Wenn die Gen­der­pan­de­mie vor­bei ist, wer­den wir die­se Aus­drü­cke bzw. Schreib­wei­sen nicht mehr ver­wen­den. Wobei ich der­glei­chen sowie­so nie tun wer­de. Es fällt ja auf, dass zu der angeb­lich geschlech­ter­ge­rech­ten Schrift­bild­ver­un­zie­rung und Ein­füh­rung ejek­ti­var­ti­ger* Pau­sen ins gespro­che­ne Deutsch nie Lite­ra­ten um ihr Urteil befragt wer­den, also Leu­te, die zur Spra­che ein ästhe­ti­sches, libi­di­nö­ses Ver­hält­nis haben und sie nicht als Mit­tel zur Pro­pa­gan­da, zum Kampf gegen Gewach­se­nes und zur Umer­zie­hung miss­brau­chen. Die Gen­der­spra­che ist illi­te­rat. Und sie ist vor allem hässlich.

Schluss. Gesin­del. Boykott.

* Ejek­ti­ve sind spe­zi­el­le Klick- und Kehl­kopf­lau­te, bei denen nicht aus­ge­at­met wird, ver­brei­tet in vie­len India­ner­spra­chen sowie in Ost- und Südafrika

PS: „Beim Lesen des Tex­tes über Frau Käm­per, die sich über die Über­le­bens-oder-auch-nicht-Chan­cen des gene­ri­schen Mas­ku­li­um aus­läßt, über­kam mich die Fra­ge, ob die­se Maid auch Ihren eige­nen Nach­na­men ‚gen­dern’ wird. Vor­schlä­ge hät­te ich auch: ‚Käm­pe­rin’, ‚Käm­pern­de’ oder das böse ‚er’ ganz weg­las­send ‚Kämp’.”
(Leser ***)

PPS: „Schon 2018 hat die ‚Aca­dé­mie Fran­çai­se’ ver­laut­bart, dass Gen­der­spra­che das Fran­zö­si­sche in ‚töd­li­che Gefahr’ brin­gen wür­de. Und die­se Franz­män­ner sind ein­fach unbe­lehr­bar! Gera­de vor eini­gen Tagen wur­de im Par­la­ment eine Geset­zes­vor­la­ge ein­ge­bracht, die das Gen­dern in offi­zi­el­len fran­zö­si­schen Tex­ten ver­bie­ten soll (‚France24’, 25.2.21, ‚Fran­çai­ses, français…’).

Und die Spa­ni­er, die­se Machos? Da ich gera­de mein Spa­nisch wie­der ein­mal auf­po­lie­re, arbei­te ich ein Spa­nisch­lehr­buch durch. Und da heisst es: ‚Anzu­mer­ken ist, dass die Frau­en­be­we­gung an der spa­ni­schen Gram­ma­tik vor­bei­ge­gan­gen ist. Sind in einer Grup­pe Män­ner und sei­en die­se auch in der Min­der­heit (es reicht schon ein ein­zi­ger), dann ist die gan­ze Grup­pe männlich…’
Die Ita­lie­ner, ein­ge­fleisch­te Papa­gal­li, trei­ben es noch ärger. Bereits vor 10 Jah­ren gin­gen sie in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung. Die meis­ten Titel, auch wenn sie sich auf Frau­en bezie­hen, wur­den zuneh­mend in der männ­li­chen Form gebraucht, also z.B. ‚il mini­stro del­le pari oppor­tu­ni­tà, Maria Car­fa­gna’. Die­se Form wur­de in drei Vier­teln aller Fäl­le gegen­über den weib­li­chen Alter­na­ti­ven bevor­zugt. Und bis heu­te hat sich dar­an nichts geändert.
Das Gen­der-Gaga ist eine Krank­heit, die offen­bar nur Ger­ma­nen und ihre Abkömm­lin­ge befällt.”
(Leser ***)
PPPS:

***

Kaum däm­mert Slee­py Joe im Oval Office, bekommt ein gewis­ser Bra­ten­rie­cher-Typus Oberwasser.

„Hof­nar­ren”, „Feind”, „Ban­de”, „nie­der­träch­tig”, „skru­pel­los” – kei­ne üble Selbst­be­schrei­bung. Als Phy­sio­gno­mist schaue ich mir immer gern die Kon­ter­feis sol­cher Maul­wer­ker an.

Die lebens­spu­ren­freie Oppor­tu­nis­ten­lar­ve. Der ewi­ge Hit­ler­jun­ge Quex. Der klei­ne Hetzfatzke.

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