2. März 2021

Der Gre­at Reset ist das öko­no­mi­sche Espe­ran­to der Globalisten.

***

Zur Lage.

„In der Schweiz sind ab sofort ALLE Läden, Muse­en, Frei­luft-Frei­zeit­be­trie­be usw. wie­der offen (Restau­rants vor­erst nur, wenn sie Kan­ti­nen­funk­ti­on inne­ha­ben und vor-ange­mel­de­te Gäs­te bewir­ten)”, berich­tet Leser *** von dort. „Ich hat­te Ihnen geschrie­ben, dass Leu­te wie Roger Köp­pel ordent­lich Druck gemacht hat­ten, aber er war nicht der ein­zi­ge. Dabei haben wir hier eine Coro­na-Inzi­denz von über 80, also deut­lich höher als in Deutsch­land. In Deutsch­land ist zudem die Zahl der Inten­siv­bet­ten pro Kopf der Bevöl­ke­rung noch etwas höher als in der Schweiz. Der Unter­schied ist, dass in der Schweiz unter Poli­ti­kern die Durch­ge­knall­ten-Inzi­denz nied­ri­ger ist als in dem Mist­hau­fen, der vor der Mer­kel­herr­schaft ein­mal Deutsch­land war.
Die Schweiz lockert also bei Inzi­denz 83 (Deutsch­land 63). Öster­reich lockert bei Inzi­denz von 145 (Stand vor eini­gen Tagen). in Ita­li­en sind die meis­ten Restau­rants offen (Inzi­denz 170). Die Kran­ken­häu­ser sind in kei­nem die­ser Län­der am Anschlag. Aus meh­re­ren Grün­den: Ers­tens ist ein gros­ser Teil des Pfle­ge­per­so­nals geimpft, es gibt kaum Aus­fäl­le wg. Coro­na; zwei­tens sind beträcht­li­che Pro­zent­sät­ze der ganz alten Leu­te schon wenigs­tens teil­ge­impft (was auch schon weit­ge­hend vor schwe­ren Ver­läu­fen schützt), drit­tens sind die Abläu­fe bei der Coro­na-Pfle­ge durch Erfah­rung inzwi­schen über­all opti­miert wor­den, vier­tens weiss man die Medi­ka­tio­nen bes­ser einzurichten.
In Deutsch­land herrscht eine Mischung aus Panik und Macht­geil­heit. Ihr führt dort im ‚gros­sen Kan­ton’ ein absur­des Thea­ter­stück auf.”

***

Es gibt bekannt­lich kei­ne Ras­sen, aber Krie­ge und Bür­ger­krie­ge zwi­schen ihnen fin­den mit wun­der­sa­mer Regel­mä­ßig­keit statt. Schuld dar­an sind prak­tisch immer die Wei­ßen, denn sie haben sowohl das „Kon­zept” Ras­se als auch den dar­auf fußen­den Ras­sis­mus erfun­den und als Kolo­ni­al­mäch­te über die Welt gebracht. Nun schla­gen die Kon­struk­te zurück, in Süd­afri­ka einst­wei­len am derbs­ten, in den USA am längs­ten, aber dank der segens­rei­chen und nur eine Rich­tung ken­nen­den Fach­kräf­te-Migra­ti­on begin­nen sich auch in Euro­pa und des­sen öst­lich der Elbe noch immer viel zu wei­ßem Kern­land neue Kräf­te kühn zu regen, und

„… wo kühn Kräf­te sich regen/
Da rat’ ich offen zum Krieg.”
(Wotan, „Wal­kü­re”, 2. Auf­zug, 1. Szene)

Ein Grü­nen-Vor­stand in Ber­lin-Mit­te ruft Schwar­ze zum Kampf gegen das „ras­sis­ti­sche Sys­tem” Bun­des­re­pu­blik auf, mel­det die Welt. Auf­stän­de und Plün­de­run­gen hält der Grü­ne für legi­ti­me Wider­stands­ta­ten gegen „ras­sis­ti­sche Insti­tu­tio­nen”. Jeff Kwa­si Klein heißt der Abwehr­haf­te, er ist Vor­stands­mit­glied der Tole­ranz­par­tei im Kreis­ver­band Ber­lin-Mit­te und natur­ge­mäß sel­ber schwarz. Das von ihm vor­ge­schla­ge­ne Bür­ger­kriegs­prä­lu­di­um hat bekannt­lich in vie­len US-ame­ri­ka­ni­schen Städ­ten im Zusam­men­hang mit der „Black lives matter”-Befreiungsbewegung bereits einen Pra­xis­test durch­lau­fen, wenn auch nicht mit aus­schließ­lich posi­ti­ven Effek­ten für Schwar­ze, die Gren­ze ver­lief zwi­schen loka­len War­lords und Plün­de­rern auf der einen, Poli­zis­ten und klei­nen Laden­be­sit­zern auf der ande­ren Sei­te, aber irgend­et­was ist ja immer, es lebe die revo­lu­tio­nä­re Ungeduld!

Die Zita­te stam­men aus einer Rede, die bereits im Mai des ver­gan­ge­nen Jah­res gehal­ten wur­de, aber erst jetzt aus­schnitts­wei­se auf Twit­ter kur­siert. „Es ist wich­tig, dass wir uns orga­ni­sie­ren, es ist wich­tig, dass wir uns nicht auf den Staat ver­las­sen, son­dern ver­bind­li­che und robus­te Com­mu­ni­ty-Struk­tu­ren auf­bau­en, um nicht mehr die Poli­zei rufen zu müs­sen, wenn wir Hil­fe brau­chen”, erklär­te der bun­te Grü­ne bei dem Auf­tritt. „Star­ke Com­mu­ni­tys brau­chen kei­ne Poli­zei, denn die Poli­zei ist nicht für uns da, sie ist für die Gewalt in unse­rem Leben verantwortlich.”

Was ’schland deut­lich von vie­len afri­ka­ni­schen Län­dern und den USA unter­schei­det: Dort sind fast immer ande­re Schwar­ze für Gewalt gegen Schwar­ze verantwortlich.

Der Welt zufol­ge sag­te Klein bei sei­ner Rede außer­dem: „Ihr beschwert euch über die Riots und über die Plün­de­run­gen und ver­steht nicht, dass dies orga­ni­sier­ter Wider­stand ist. Gegen ein ras­sis­ti­sches Sys­tem, das nur dann zuhört, wenn es sich phy­sisch oder finan­zi­ell bedroht fühlt.” Wer sich über Kra­wal­le beschwe­re, begrei­fe nicht, „dass schwar­ze Kör­per und Kör­per von Peop­le of Colour, unse­re Län­der, unse­re Boden­schät­ze, unse­re Kul­tur und Iden­ti­tä­ten, unse­re kör­per­li­che und men­ta­le Gesund­heit seit 500 Jah­ren geplün­dert” wer­den. „Vor mehr als 500 Jah­ren” sei­en „euro­päi­sche Bar­ba­rin­nen (sic!) auf ihren Raub­zug durch die Welt gegan­gen und haben ras­sis­ti­sche Sys­te­me auf­ge­baut, die uns bis heu­te den Atem nehmen”.

Übri­gens: Der Grü­nen-Poli­ti­ker, wenn man ihn so bezei­chen mag, arbei­tet, wenn man es so nen­nen will, in einem För­der­pro­jekt für schwar­ze Teen­ager, das vom Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um über das Pro­gramm ‚Demo­kra­tie leben’ finan­ziert wird. Das klingt nach typisch deut­scher Real­sa­ti­re, wenn die Grü­nen nicht kurz davor stün­den, der Bun­des­re­gie­rung bei­zu­tre­ten und als­dann beschwingt vor­aus­zu­sprin­gen; das könn­te den Sati­re­ge­halt etwas reduzieren.

Wie­der­ho­len wir denn, auch wenn es all­mäh­lich lang­wei­lig wird, ein paar simp­le Tatsachen.

Zunächst ein­mal hat „vor mehr als 500 Jah­ren” ein gewis­ser Mar­tin Luther, der zwar ein Juden­ver­äch­ter war, aber in sei­nem Schrift­tum kei­ne Sil­be über irgend­ei­nen Moh­ren außer viel­leicht den acht­ba­ren Bal­sam-Brin­ger Mel­chi­or fal­len ließ, den er frei­lich umstands­los dem „Mor­gen­lan­de” zuschlug, vor 500 Jah­ren hat die­ser Luther also sei­ne The­sen ange­schla­gen, anno 1517 war’s, und damals besa­ßen weder Bri­ten noch Fran­zo­sen und erst recht kei­ne Deut­schen irgend­wel­che Kolo­nien in Afri­ka (die bri­ti­sche Ost­in­di­en-Kom­pa­nie, mit der alles anfing, wenn auch nicht in Afri­ka, wur­de im Jahr 1600 gegrün­det). Damals gab es über­haupt kei­ne Kolo­nien in Afri­ka, wenn­gleich die Skla­ve­rei in hoher Blü­te stand – Skla­ve­rei gibt es seit 5000 Jah­ren, jede Hoch­kul­tur hat sie prak­ti­ziert –, nur dass die­se Skla­ve­rei in einem gewis­sen Maße auf dem – bis heu­te eben­falls in hoher Blü­te ste­hen­den, den damals Han­deln­den aber wahr­schein­lich nicht son­der­lich bewuss­ten – inner­afri­ka­ni­schen Ras­sis­mus grün­de­te. Die Ver­skla­vung der Schwarz­afri­ka­ner erle­dig­ten krie­ge­ri­sche schwar­ze „Skla­ven­jä­ger­eth­ni­en”, wie der Skla­ve­rei-His­to­ri­ker Egon Flaig sie nennt, die vor allem aus Mali, dem Tschad, dem Sudan, aber auch aus Gha­na, Nord­ni­ge­ria und Benin stamm­ten; sie brach­ten die mensch­li­che Beu­te an die Küs­ten, wo sie sich in eine Ware ver­wan­del­te und vor allem von mus­li­mi­schen Skla­ven­händ­lern gekauft und übers Meer ver­schifft wur­de. Von den Wei­ßen ver­such­ten nur die Por­tu­gie­sen, sel­ber Skla­ven zu machen, wobei die Euro­pä­er den trans­at­lan­ti­schen Skla­ven­han­del domi­nier­ten, der im 16. Jahr­hun­dert vor allem in die spa­ni­schen Besit­zun­gen führ­te, also in die Kari­bik und nach Bra­si­li­en. Die Emi­ra­te von Tri­po­lis, Tunis und Algier schick­ten bis weit ins 19. Jahr­hun­dert Schif­fe aus, um christ­li­che Skla­ven zu erbeu­ten, sowohl zur See wie an den süd­eu­ro­päi­schen Küs­ten, und nach­dem die USA bis zu einem Fünf­tel ihres Bun­des­haus­hal­tes als Tri­but an die­se soge­nann­ten Bar­ba­res­ken­staa­ten zahl­ten, um ihre Han­dels­schif­fe zu schüt­zen, wur­de den Wei­ßen die Sache zu bunt.

Und nun trug sich eine jener selt­sa­men Rich­tungs­um­keh­run­gen zu, von denen die Geschich­te voll und der Vier­te Kreuz­zug das viel­leicht bizarrs­te, jeden­falls mar­kan­tes­te Bei­spiel ist: Der Afri­ka-Kolo­nia­lis­mus der Euro­pä­er ent­stand aus der Bekämp­fung der mus­li­mi­schen Versklavungspiraterie.

Das ent­las­tet die Kolo­nia­lis­ten so wenig von ihrer his­to­ri­schen Schuld wie die Kreuz­fah­rer des 13. Jahr­hun­derts von jener, die sie bei der Erobe­rung Kon­stan­ti­no­pels auf ihre schup­pi­gen Schei­tel luden, führt aber jeden Nicht­ideo­lo­gen zu der Erkennt­nis, dass eine genu­in wei­ße Ver­ant­wort­lich­keit in die­sem Kon­text schlech­ter­dings nicht exis­tie­ren kann.

Die west­li­chen Kolo­ni­al­na­tio­nen haben in Afri­ka zum Teil bru­tal geherrscht – am blu­tigs­ten der König eines Lan­des, wel­ches heu­te in die­ser Fra­ge am stills­ten ist –, aber sie haben eben auch in die Infra­struk­tur der Kolo­nien inves­tiert, und nur im Wes­ten ist eine Bewe­gung zur Abschaf­fung der Skla­ve­rei ent­stan­den, nur der Wes­ten hat dafür gesorgt, dass die heu­te noch exis­tie­ren­den For­men von Skla­ve­rei als Ver­bre­chen gel­ten, obwohl sich die lin­ke Öffent­lich­keit herz­lich wenig für die­se vor allem in Süd­ost­asi­en und im Vor­de­ren Ori­ent gehal­te­nen Skla­ven inter­es­siert, weil sie nicht dazu tau­gen, den Wes­ten anzu­kla­gen. Und wei­ße west­li­che Män­ner sind dafür ver­ant­wort­lich, dass die heu­ti­gen Afro­ame­ri­ka­ner seit 1865 Nach­fah­ren von frei­en Men­schen sind.

Wer behaup­tet, „schwar­ze Kör­per, Län­der, Boden­schät­ze, schwar­ze Kul­tur und Iden­ti­tä­ten, schwar­ze kör­per­li­che und men­ta­le Gesund­heit wer­den seit 500 Jah­ren von wei­ßen Euro­pä­ern geplün­dert”, schwirrt recht unprä­zi­se durch Zeit und Raum, gera­de wenn er der­glei­chen Vor­wür­fe an deut­sche Adres­sa­ten rich­tet, ist aktu­ell nicht mehr ganz auf dem Lau­fen­den, klam­mert alle his­to­ri­schen Ver­skla­ver aus, bei denen sich heu­te nichts holen lässt, igno­riert sowohl die infra­struk­tu­rel­len und tech­ni­schen Fort­schrit­te durch den Kolo­nia­lis­mus als auch die Aber­mil­li­ar­den direk­ten Hilfs­zah­lun­gen und soge­nann­ten Ent­wick­lungs­hil­fen (in der Regel nur: Dik­ta­to­ren-Spon­so­ring, aber immer­hin gezahlt) und will den Wei­ßen auch sieb­zig Jah­re nach dem Ende des Kolo­nia­lis­mus die Schuld an der rela­ti­ven Armut Afri­kas zuschrei­ben, ohne erklä­ren zu kön­nen, war­um zur sel­ben Zeit aus dem Kolo­ni­al­ver­hält­nis ent­las­se­ne Län­der wie Süd­ko­rea heu­te dort ste­hen, wo sie ste­hen. Dass es auf Erden immer mehr „schwar­ze Kör­per” gibt, weil immer mehr gebo­ren wer­den, und auf dem Glo­bus zahl­rei­che Län­der exis­tie­ren, deren Bevöl­ke­rung aus­schließ­lich aus Schwar­zen besteht, aber kaum mehr Län­der, die auschließ­lich weiß sind, bei kla­rer Ten­denz zuun­guns­ten Let­ze­rer, gehört eben­falls ins Gesamtbild.

Was uns zu unse­rem sof­ten Ber­lin-Mit­te-Grü­nen zurück­führt, dem der inner­afri­ka­ni­sche Ras­sis­mus genau­so am Aller­wer­tes­ten vor­bei­geht wie die bis heu­te prak­ti­zier­te Skla­ve­rei in man­chen isla­mi­schen Län­dern, denn dort lässt sich für einen wie ihn nichts holen, dort exis­tiert nicht ein­mal ein Schuld­ge­fühl, das sich bewirt­schaf­ten lie­ße, wes­halb ihn auch die Fra­ge nicht anficht, war­um eigent­lich so vie­le Schwar­ze in zum Teil wack­li­ge Boo­te stei­gen, um auf einen Kon­ti­nent zu gelan­gen, wo sie gegen ein ras­sis­ti­sches Sys­tem und ras­sis­ti­sche Beam­te kämp­fen und sich – zu wes­sen Las­ten eigent­lich? – zu Plün­de­rer-Com­mu­nities zusam­men­schlie­ßen müs­sen, um sich end­lich zurück­zu­ho­len, was ihnen seit 500 Jah­ren weg­ge­nom­men wird. Will uns der Grü­ne etwa ver­kli­ckern, dass die gesam­te Ein­wan­de­rung auf Plün­de­rung und „Riots” hinausläuft?

„Der Begriff ‚weiß’ bezeich­net kei­ne bio­lo­gi­sche ‚Ras­se’ oder tat­säch­li­che Far­be, son­dern eine sozia­le Posi­ti­on”, erklär­te Klein vor zwei Jah­ren in der inzwi­schen ein­ge­stell­ten Kom­so­mol­ska­ja Praw­da des Spie­gel, dem unver­ges­se­nen, wenn auch aus­schließ­lich von Wei­ßen her­ge­stell­ten Debi­li­sie­rungs­be­schleu­ni­ger ben­to. Ras­sis­mus ist, wenn man sämt­li­chen Mit­glie­dern einer auf­grund gene­ti­scher Merk­ma­le klar defi­nier­ten Grup­pe kol­lek­ti­ve Eigen­schaf­ten zuschreibt, um sie abzu­wer­ten, und sei es nur den Genuss unver­dien­ter sozia­le Pri­vi­le­gi­en auf­grund der Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit. Bei ben­to erfuhr der wiss­be­gie­ri­ge Leser auch, dass Gevat­ter Klein ein­mal eine „Iko­ne” der US-Bür­ger­rechts­be­we­gung namens Jes­se Jack­son nach Ausch­witz beglei­tet hat, dass er für die­se Rei­se zum deut­schen Natio­nal­denk­mal sei­ne Tätig­keit als Men­tor von „Selbst­er­mu­ti­gungs-Jugend­grup­pen” für schwar­ze Teen­ager im Ber­li­ner Wed­ding aber nur unter­brach und zuvor Ange­stell­ter in der Ber­li­ner Biblio­thek „Each One Teach One” war, die aus­schließ­lich Bücher schwar­zer Autoren ver­leiht, wahr­schein­lich um den Ras­sis­mus zu bekämpfen.

Mit ande­ren Wor­ten: Jeff Kwa­si Klein hat­te sich an sein deut­sches Bio­top ange­passt wie ein Pin­gu­in an die Ant­ark­tis. Jetzt aber möch­te er flie­gen. Viel Glück, Jeff!

***

Ver­gan­ge­ne Woche im Bun­des­tag ver­wun­der­te ich mich, als eine Red­ne­rin – drau­ßen ver­harr­te bzw. erstarr­te das Land im Lock­down – in irgend­ei­ner Gleich­stel­lungs­de­bat­te dar­über klag­te, dass bei der Beset­zung der Diri­gen­ten­stel­len immer noch nicht ansatz­wei­se Pari­tät zwi­schen Frau­en und Män­nern her­ge­stellt sei – wobei man fai­rer­wei­se sagen muss, dass zum Zeit­punkt der Debat­te eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Job­aus­übungs­gleich­heit zwi­schen Kapell­meis­te­rin­nen und Kapell­meis­tern herrsch­te: Null zu Null –, und nun lese ich, dass heu­te das Deut­schen Musik­in­for­ma­ti­ons­zen­trum zu einer Pres­se­kon­fe­renz zum The­ma „Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit in deut­schen Berufs­or­ches­tern” lud. (Hal­lo, Jeff Kwa­si Klein, haben Sie das gehört? Da geht bestimmt auch was für Ihre Klientel!)

„Spit­zen­or­ches­ter haben bei Frau­en­an­teil Nach­hol­be­darf”, ist die dazu gehö­ren­de Pres­se­mit­tei­lung stil­si­cher über­schrie­ben. „In den 129 öffent­lich finan­zier­ten Orches­tern in Deutsch­land sind durch­schnitt­lich vier von zehn Pul­ten mit einer Frau besetzt, in den Stimm­füh­rer- und Solo­po­si­tio­nen hoch dotier­ter Orches­ter hin­ge­gen nur halb so viele.”

Das ist offen­bar ein Skan­dal. Wenn das der Furtwäng­ler wüss­te! („Oder die Furtwäng­ler.” Leser ***)

„Durch­schnitt­lich sind 39,6 % der Orches­ter­mit­glie­der in deut­schen Berufs­or­ches­tern weib­lich. Mit stei­gen­dem Renom­mee des Orches­ters und höhe­rer Stimm­po­si­ti­on wird zuneh­mend deut­lich: In Spit­zen­or­ches­tern ist der Anteil an Frau­en in höhe­ren Dienst­stel­lun­gen mit 21,9 % beson­ders niedrig.”

Das Welt­bild die­ser Leu­te ist von tali­ba­nes­ker oder mei­net­hal­ben baum­schu­len­haf­ter Schlicht­heit: Was nicht gleich ist, ist schlecht. Dass irgend­wel­che Unter­schie­de, sei es geis­ti­ger, men­ta­ler, lebens­pla­ne­ri­scher oder phy­si­scher Art, für die Ungleich­ver­tei­lung mit­ur­säch­lich sein könn­ten, wol­len sie ums Orches­ter­ver­re­cken nicht wahrhaben.

Dabei lie­fert die bei­gefüg­te Erhe­bung „Geschlech­ter­ver­tei­lung in Berufs­or­ches­tern” nun wahr­lich Mate­ri­al dafür. Dort heißt es:

» 73 der 129 Orches­ter wei­sen einen über­durch­schnitt­li­chen Frau­en­an­teil auf. Dies sind über­wie­gend Orches­ter mitt­le­rer TVK-Grup­pie­rung (TVK = Tarif­ver­trag für die Musi­ker in Kon­zert- und Thea­ter­or­ches­tern; m.a.W.: Die Orches­ter mit einem den Lan­des­durch­schnitt von 39,6 Pro­zent über­stei­gen­den Anteil weib­li­cher Musi­kan­ten wer­den aus struk­tu­rell sexis­ti­schen Grün­den als eher mit­tel­klas­sig eingestuft.)

» Die höchs­ten Frau­en­an­tei­le gibt es bei den Har­fen (93,7 %) und den Flö­ten (65,4 %), in der 2. Vio­li­ne (62,6 %) und der 1. Vio­li­ne (59,1 %). Die höchs­ten Män­ner­an­tei­le fin­den sich bei der Tuba (98,1 %), der Posau­ne (96,5 %), der Pauke/Schlagwerk (95,4 %) und der Trom­pe­te (94,7 %).

» In nied­ri­ge­ren Dienst­stel­lun­gen wie Vor­spie­ler und im Tut­ti sind Frau­en fast gleich­auf mit ihren männ­li­chen Kol­le­gen, ihr Anteil liegt hier bei ins­ge­samt 47,5 %. In höhe­ren Dienst­stel­lun­gen wie Konzertmeister‑, Stimm­füh­rer- und Solo­po­si­tio­nen sind Frau­en mit 28,4 % unterrepräsentiert.

» In den Streich­in­stru­men­ten ist mit 49,6 % jedes zwei­te Orches­ter­mit­glied eine Frau. Ihr Anteil an den höhe­ren Dienst­stel­lun­gen ist mit 32,7 % aber ver­gleichs­wei­se gering. Je nied­ri­ger die Dienst­stel­lung, des­to höher der Frau­en­an­teil, der im Tut­ti 57,5 % beträgt. Obwohl die 1. Vio­li­ne ins­ge­samt zu 59,1 % weib­lich besetzt ist, fin­den sich unter den 206 1. Kon­zert­meis­tern nur 62 Frau­en (30,1 %)

Also: Män­ner an die Har­fe! Frau­en an die Tuba! Und ans Schlag­werk! Am bes­ten wäre frei­lich, es kon­sti­tu­ier­ten sich rei­ne Frau­en­or­ches­ter, die, geführt von Kapell­meis­te­rin­nen, aus­schließ­lich die Wer­ke von weib­li­chen Kom­po­nis­ten spiel­ten. Der Witz – vom Reper­toire­man­gel mal abge­se­hen – wäre: Die weib­li­chen Besu­cher blie­ben weg; ob vie­le Män­ner kämen, hin­ge über­wie­gend von außer­mu­si­ka­li­schen Fak­to­ren ab. Und es gibt kein Mit­tel dagegen.

Gleich­stel­lungs­fe­mi­nis­mus ist der Ver­such, mög­lichst ohne Leis­tungs­nach­weis an die Jobs der Män­ner zu kommen.

Total
3
Shares
Vorheriger Beitrag

Der Einzige und sein Eigentum

Nächster Beitrag

4. März 2021

Ebenfalls lesenswert

22. Dezember 2019

„Um 1940 war es mein Ide­al, Geld zu haben, mich in einem beque­men Hotel nie­der­zu­las­sen, in mein Zim­mer…

23. August 2020

Eine – übri­gens recht apar­te – aka­de­mi­sche Kaf­fee­satz­le­se­rin, Hed­wig Rich­ter, Pro­fes­so­rin für Neue­re und Neu­es­te Geschich­te an der Uni­ver­si­tät…

18. März 2019

„Ich wer­de dem deut­schen Volk kei­ne Trä­ne nachweinen.” Wer hat’s gesagt?1. Jut­ta Dit­furth2. Joseph „Josch­ka” (Jockel) Fischer3. Clau­dia…