30. März 2021

In der auf­ge­klär­ten und tole­ran­ten west­li­chen Welt gibt es kaum mehr kon­fes­sio­nel­le Schulen.
Bezie­hungs­wei­se nur noch.

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Den Sinn der von Mer­kel ins Gespräch gebrach­ten Rei­se­ver­bo­te fasst ein Bekann­ter prä­zi­se zusam­men: „Sie sol­len die Deut­schen vorm Aus­ge­lacht­wer­den im Aus­land schützen.”

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„Bar­ba­ren kom­men her­zu, nor­di­sche Rie­sen, denen die ent­nerv­ten Römer wie Zwer­ge erschei­nen: Sie ver­wüs­ten Rom und geben dem ermat­te­ten Ita­li­en neue Kräf­te. Ein fürch­ter­lich-güti­ger Erweis, dass alle Aus­schwei­fung in der Natur sich selbst räche und verzehre!”

Also schrieb Johann Gott­fried Her­der vor bei­na­he 250 Jah­ren, Gen­de­ris­tas, Kli­ma­hüp­fern, Unfrucht­bar­keits­pre­di­ge­rin­nen, Weib­män­nern, Bahn­hofs­klat­schern und ähn­li­chen ent­nerv­ten Zwer­gen anti­zi­pa­to­risch eine soge­nann­te posi­ti­ve Sei­te abge­win­nend (in den „Ideen zur Phi­lo­so­phie der Geschich­te der Menschheit”).

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Die Nach­richt nicht nur des Tages.

Michel Fou­cault, der Kri­ti­ker der Macht, der Ent­lar­ver aller Regeln, Sit­ten und Insti­tu­tio­nen als Aus­fluss von Repres­si­on, der schwu­le Phi­lo­soph, der davon über­zeugt war, dass auch unse­re Vor­stel­lung von Sex, etwa die Klas­si­fi­zie­rung in „nor­mal” und „per­vers”, Macht­struk­tu­ren repo­du­zier­ten, und der in Band 2 von „Sexua­li­tät und Wahr­heit”, „Der Gebrauch der Lüs­te”, zur Rück­be­sin­nung auf die ero­tisch unge­zwun­ge­ne­re Anti­ke riet, war ein Päd­erast (angeb­lich; es gilt die Unschulds­ver­mu­tung; er war schließ­lich kein Rech­ter). Wun­dert das ernst­lich jeman­den? Ein herr­schafts­lüs­ter­ner Intri­gant wie Jür­gen Haber­mas konn­te sich doch auch eine Theo­rie des kom­mu­ni­ka­ti­ven Han­delns aus­den­ken und vom „herr­schafts­frei­en Dis­kurs” phan­ta­sie­ren. Viel­leicht ist es im Gegen­teil sogar har­mo­nisch. Der Lin­ke ist ja a prio­ri der mora­lisch Über­le­ge­ne, er arbei­tet täg­lich so hart an der Ver­bes­se­rung der Gesell­schaft, dass ihm ein paar ver­schwie­mel­te Son­der­kon­di­tio­nen ein­fach zustehen. 

Es gibt kein Las­ter, kei­ne Nie­der­tracht, kei­ne Gemein­heit, die nicht mit einer lin­ken Gesin­nung har­mo­nie­ren könnten.

Ende der Durchsage.

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Zum The­ma Nr. 1. Ostern wird heu­er explosiv.

Ui!

Es han­delt sich um den hier bereits zitier­ten Epi­de­mio­lo­gen John Ioann­i­dis, Pro­fes­sor in Stan­ford, der nach der Aus­wer­tung von Daten aus 14 Län­dern fest­ge­stellt hat, dass ein Lock­down sich gering bis über­haupt nicht auf die Infek­ti­ons­kur­ve aus­wirkt. Wahr­schein­lich muss die Kanz­le­rin mal mit ihm tele­fo­nie­ren. (Der gan­ze Text hier.)

Ui ui!

Via WDR lässt der Reichs­seu­chen­schutz­obe­r­aus­ru­fer mitteilen:

„Wir wis­sen aus Bewe­gungs­pro­to­kol­len und Han­dy­da­ten”: Hat sich das his­tr­io­ni­sche Hascherl ver­plap­pert? Oder meint er mit „wir” den Karl und den Lauterbach?

Ui ui ui!

„Zwan­zig Kli­ni­ken wur­den im letz­ten Jahr trotz Coro­na geschlossen.”

Das nen­ne ich mal eine Pan­de­mie: Die Sterb­lich­keit gering, die Kli­ni­ken machen dicht. Die Mas­ken­pflicht scheint zu wirken.

Ui ui ui ui!

(Hier)

Wer stirbt denn überhaupt?

Wahr­schein­lich ist das Het­ze, jeden­falls nicht reprä­sen­ta­tiv. Wo geho­belt wird, fal­len Spä­ne. Wozu aber der gan­ze Lärm?

Im Kanz­ler­amt brennt noch Licht. Wozu? Aus einer Pro­pa­gan­da­zen­tra­le der „Any­whe­res” und Gre­at-Reset-Knopf-Drü­cker verlautbart:

Rück­kehr zur Noma­li­tät? Erst wenn wir auf Eigen­tum ver­zich­ten, uns Woh­nung, Wäsche und Autos tei­len, uns von Insek­ten ernäh­ren, mit implan­tier­ter Kre­dit­kar­te zah­len und der implan­tier­ten Gesund­heits­app gehor­chen. Sie sind doch für Frie­den, Frei­heit, Soli­da­ri­tät und Gesund­heit, oder?

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Das fällt aber noch nicht unter Regie­rungs­pres­se, das ist bloß eine Art jour­na­lis­ti­schen Stal­kens. Erst wenn eine Grü­ne (oder ein Grü­ner) im Kanz­ler­amt sitzt, wer­den die West­deut­schen begrei­fen, zu wel­chen Leis­tun­gen die DDR-Medi­en­schaf­fen­den sich empor­schwin­gen konnten.

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Sehr löb­lich, dass in Coro­na­zei­ten auch noch ande­re Qua­ran­tä­nen zum Schutz der Zivil­ge­sell­schaft vor Seu­chen­ver­brei­tern durch­ge­setzt werden.

Wenn Ihnen ein Schwar­zer etwas über wei­ße Supre­ma­tie erzäh­len will, müs­sen Sie ihm jetzt wohl bedau­ernd mit­tei­len, dass er sich dazu nicht äußern darf, er kön­ne sich in die Lage eines Wei­ßen ein­fach nicht hineinversetzen.

(Ich dan­ke Lese­rin*** für die Zusendung.)

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Nach­trag zum Mas­sa­ker zu Boul­der, Colo­ra­do, das die deut­schen Medi­en auf­grund des zwar nicht unty­pi­schen, aber völ­lig unge­eig­ne­ten Täter­pro­fils längst ver­ges­sen haben.

Die Zeit weiß wie gewohnt Bescheid, wie die eigent­li­che Mel­dung lautet.

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„Kei­nes­falls”, schreibt Leser *** zum Aus­tra­gungs­ort der Blut­tat, „ist der ‚King Sooper store’ ein jüdi­scher Super­markt. Es ist in etwa der Aldi der Rocky Moun­tains Staa­ten mit über 100 Filia­len. Es wur­de nur auch mal eine Wer­be­kam­pa­gne für sei­ne kosche­re Pro­dukt­pa­let­te bewor­ben. Das ist alles. Wie eben Aldi z.B.auch einen Halal Pro­dukt­pa­let­te hat. Eine anti­se­mi­ti­sche Kon­stel­la­ti­on ist hier wahr­lich nicht her­bei­zu­kon­stru­ie­ren. Was aber nicht zu bestrei­ten ist die ras­sis­ti­sche Kom­po­nen­te. Alle Opfer waren weis­se ‚Kar­tof­fel­ame­ri­ka­ner’, der Täter ara­bisch­stäm­mi­ger Mos­lem. Dies ist kein media­les Thema.

Wäh­rend beim fast gleich­zei­tig statt­ge­fun­de­nen Amok­lauf von Atlan­ta das media­le Nar­ra­tiv ganz klar auf  ‚ras­sis­ti­scher Mas­sen­mord von weis­sem Supre­ma­tist’ lau­tet, heißt es bezüg­lich Colo­ra­do ledig­lich ‚wir brau­chen schär­fe­re Waf­fen­ge­set­ze’. Da kann man durch­aus kri­tisch anset­zen, ohne sich in halt­lo­sen Spe­ku­la­tio­nen zu verlieren.”
Streng­ge­nom­men hat­te ich das geschrieben:

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Ein Leser moniert, mir sei­en bei mei­ner Bespre­chung von Gerald Wag­ners Buch „Dabei­ge­we­sen” (Acta vom 20. März) eini­ge Sinn­ver­keh­run­gen gelun­gen. Näher­hin hät­te ich jene Tei­le des Buches, die sich mit der „Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung” der 68er befas­sen – prak­tisch das gesam­te neun­te Kapi­tel –, „kom­plett miss­ver­stan­den”. Ich unter­stell­te dem Autor „Moral­her­ren­men­schen­dün­kel”, wo er „genau die­sen Dün­kel Leu­ten wie Caro­la Stern vor­wirft”. Das sei es doch, „was Wag­ner den 68ern vor­hält: den Dün­kel der mora­lisch Über­le­ge­nen”. Des­we­gen zitie­re er Her­mann Lüb­be, die Mit­scher­lichs, Harald Jäh­ner und Hel­mut Schelsky als Kronzeugen.

„Sie schrei­ben: ‚Wag­ner behaup­tet in nai­ver Ver­zü­ckung, die 68er hät­ten die eige­ne Trau­er­ar­beit stell­ver­tre­tend für ihre ver­stock­ten Eltern abge­leis­tet’. Aber wenn Sie sich die betref­fen­de Pas­sa­ge noch mal anschau­en, dann müss­te Ihnen klar wer­den, dass er das bestrei­tet, er schreibt: ‚Mit der Ver­drän­gung ist also nicht zu spa­ßen. Die Mit­scher­lichs bewun­der­ten sie, Harald Jäh­ner wür­digt sie nicht min­der. Die Rech­ten sagen sogar, sie sei eine abge­schlos­se­ne Arbeit, die nun hin­ter uns lie­ge. Aber man stel­le sich vor, sie hät­te gar nicht statt­ge­fun­den! Es wäre gar nicht geleug­net und wil­lent­lich ver­ges­sen wor­den – was folg­te dar­aus für die größ­te Errun­gen­schaft der 68er, eben die­se Ver­drän­gung auf­ge­deckt und durch die eige­ne Trau­er­ar­beit stell­ver­tre­tend für ihre ver­stock­ten Eltern abge­leis­tet zu haben? Wer die Ver­drän­gung in Fra­ge stellt, ent­eig­net die 68er ihrer fun­da­men­ta­len Selbst­le­gi­ti­ma­ti­on, die Bun­des­re­pu­blik mora­lisch erst fun­diert zu haben. Der Phi­lo­soph Her­mann Lüb­be hat genau das schon 1983 getan …’ ”

Er habe, schließt Leser***, das Buch und dar­in spe­zi­ell das 8. und 9. Kapi­tel „als den Ver­such einer Reha­bi­li­tie­rung die­ser Genera­ti­on gele­sen, als eine Wür­di­gung ihrer Leis­tung, die gera­de im Wei­ter­ma­chen bestand, im Stolz­ver­zicht und in der Beja­hung des Neuen.”

Die­se Kri­tik mach­te mich neu­gie­rig, also las ich die frag­li­chen Abschnit­te ges­tern noch ein­mal, mit dem Resul­tat, dass ich Leser *** zum Teil recht geben muss, zum Teil auch wie­der nicht. Was das Zitat betrifft, hat er völ­lig recht. Ich hat­te, des The­mas unlus­tig wer­dend, die ers­ten Kapi­tel gründ­li­cher als die hin­te­ren gele­sen, das mit deut­scher Schuld schwer­be­la­de­ne Schiff schien mir auf Kurs, und kein Suez­ka­nal, in dem es sich hät­te quer­le­gen kön­nen, war in Sicht; dass der Autor am Ende pas­sa­gen­wei­se eine Kurs­kor­rek­tur vor­nimmt und die kol­lek­ti­ve Ver­drän­gung nahe­zu gut­heißt, nach­dem er sie sei­nem Vater sei­ten­lang vor­ge­wor­fen hat, habe ich tat­säch­lich über­se­hen, unter ande­rem auch des­halb, weil er die­se Inter­pre­ta­ti­on recht ver­blümt und unter Her­bei­zi­tie­rung ande­rer Autoren anbie­tet. Da eine Kli­en­tel wie die 68er nach mei­ner Ansicht mit dem Dresch­fle­gel bear­bei­tet wer­den soll­te und nicht mit dem Zise­lier­häm­mer­chen, ent­ging mir die­se Fein­heit. Mea cul­pa.

Rich­tig klar ist mir durch die­sen Ein­spruch aber nicht gewor­den, wor­auf Wag­ner in sei­nem Buch eigent­lich hin­aus­will. Er beklagt die kol­lek­ti­ve Ver­gan­gen­heits­ver­drän­gung der Kriegs­ge­nera­ti­on, und spä­ter fragt er, ob eine Ver­drän­gung über­haupt statt­ge­fun­den hat; er wirft sei­nem Vater und des­sen Front­ka­me­ra­den eine kol­lek­ti­ve Mit­schuld an den Ver­bre­chen des Drit­ten Reichs samt anschlie­ßen­der Amne­sie vor, um die­ses bewuss­te Ver­ges­sen sodann als eine für den Auf­bau der Bun­des­re­pu­blik womög­lich unver­zicht­ba­re kul­tu­rell-men­ta­le Leis­tung dar­zu­stel­len – die­sel­be Ver­drän­gung, die aber womög­lich nur von den 68ern erfun­den wur­de (sie­he das Zitat oben). Zugleich lobt er die „Erin­ne­rungs­kul­tur” der Nach­ge­bo­re­nen, wobei die­se „Kul­tur” offen­kun­dig mit den 68ern begann. Da kann man als Leser schon mal durcheinanderkommen.

Da ich den gerüg­ten Pas­sus offen­kun­dig sinn­ver­keh­rend zitiert habe, wer­de ich den Absatz aus der Rezen­si­on so unge­niert löschen wie die Grü­nen das Unwort „India­ner­häupt­ling” aus ihren Anna­len – nur eben nicht ganz so heim­lich. Am Gesamt­be­fund mei­ner Bespre­chung ändert das aller­dings nichts, im Gegen­teil, die neu­er­li­che Lek­tü­re hat ihn bestätigt.

Wag­ners Buch, das den Stolz im Titel, aber nicht im Schil­de führt, geht von zwei Prä­mis­sen aus: dass alle Deut­schen, die am Welt­krieg teil­ge­nom­men haben, eine Mit­schuld an den Ver­bre­chen tra­gen, die wäh­rend des Krie­ges began­gen wur­den – und zwar, indi­rekt, weil sie ja ange­fan­gen haben, an allen, auch an denen der Gegen­sei­te (und dann logi­scher­wei­se auch an Prä­ven­tiv­mas­sa­kern wie dem Brom­ber­ger Blut­sonn­tag?) –, und dass „die deut­sche Erin­ne­rungs­kul­tur” etwas rund­um Posi­ti­ves ist. Dem habe ich, als Magis­ter der Dämo­no­lo­gie und auch schuld­theo­lo­gisch nicht völ­lig Unbe­wan­der­ter, zu wider­spre­chen. Ich tu’s noch­mals, und wer­de mich dabei wie­der weit von Wag­ners Buch ent­fer­nen, weil mich das Gesamt­phä­no­men mehr inter­es­siert als die­ses Detail.

Angeb­lich han­delt es sich bei der besag­ten „Erin­ne­rungs­kul­tur”, die wie fast alle 756 oder inzwi­schen wohl schon um die 900 irgend­ei­nem Leit­be­griff ange­papp­ten „Kul­tu­ren” ein Esels­wort ist – wel­che Kul­tur käme ohne Erin­ne­rung aus? –, um etwas sehr Kom­ple­xes, sonst wür­de Wag­ner ja nicht Alex­an­der Gau­land vor­wer­fen, „so kom­ple­xe Din­ge wie die deut­sche Erin­ne­rungs­kul­tur mit so schlich­ten Phra­sen anzu­grei­fen” wie etwa jener, dass Ausch­witz zwar wie die Befrei­ungs­krie­ge gegen Napo­le­on zur deut­schen Geschich­te gehö­re, aber nichts sei, „was uns heu­te täg­lich berührt”. Das ist, als wenn man einem From­men erklä­ren woll­te, Gott sei eine Sache aus­schließ­lich für den Sonn­tag. (Neben­bei: Wenn schon die deut­sche Erin­ne­rungs­kul­tur kom­plex ist, was ist dann die Spiel­wei­se der Mann­schaf­ten unter Pep Guar­dio­la?) „Es ärgert ihn” – also Gau­land, so Wag­ner – „anschei­nend, dass die Erin­ne­rung an Ausch­witz immer wie­der dem Ver­ges­sen ent­ris­sen wird. Er will es ein­fach nicht mehr hören. War­um eigent­lich? War­um nervt ihn das so sehr?”

Statt Gau­land ant­wor­te mal ich. Es nervt, weil nicht ehe­ma­li­ge Lager­häft­lin­ge oder deren Kin­der oder die Nach­kom­men von Ermor­de­ten mir mit Ausch­witz kom­men, obwohl ich Ange­hö­ri­ge die­ser Per­so­nen­krei­se per­sön­lich ken­ne, son­dern nach­ge­bo­re­ne deut­sche Stein­mei­ers und Clau­dia Kip­ping-Eckardts, deut­sche Alei­da Ass­manns, deut­sche Kle­ber­cläu­se, deut­sche Sonn- und Fei­er­tags­tags­red­ner, deut­sche Leit­ar­tik­ler, deut­sche His­to­ri­ker­strei­ter und was sich an Geden­k­rou­ti­niers und Erin­ne­rungs­do­mi­nas noch so speizt. Es nervt, weil sol­che Figu­ren durch nichts legi­ti­miert sind, sich über Ausch­witz zu äußern, es aber trotz­dem tun und zugleich ande­re auf­for­dern, sich durch ritu­el­le Zer­knir­schung als guter Mensch und folg­sa­mer Staats­bür­ger zu legi­ti­mie­ren, der per­ma­nent für gut­mensch­li­che Illu­sio­nen zur Kas­se gebe­ten wer­den kann, weil er aus einem natio­na­len Kon­text stammt, „in dem das mög­lich war”, wie St. Jür­gen mit ver­träum­tem Blick auf den Starn­ber­ger See seufz­te. Es nervt, weil das Ver­ges­sen des tat­säch­li­chen Schre­ckens gera­de­zu die Vor­aus­set­zung die­ser Art instru­men­ta­li­sier­ten Geden­kens ist. Es nervt, weil die Indienst­nah­me des Mas­sen­mor­des für poli­ti­sches Agen­da­set­ting und per­sön­li­che Vor­drän­ge­lei, die in der End­kon­se­quenz dazu führt, dass irgend­ein Hei­ko in inter­ga­lak­ti­scher Scham­fer­ne vor­gibt, wegen Ausch­witz in die Poli­tik gegan­gen zu sein, aber auch, dass lin­ken Habi­tus­na­zis mich „Nazi” nen­nen, weil die­se Indienst­nah­me, sage ich, unend­lich ver­lo­gen ist. Es nervt, weil hier mit tod­erns­tem Gesicht ein Satyr­spiel auf­ge­führt wird. Dar­um nervt das so sehr. Ist das end­lich ver­stan­den worden?

Schau­en wir, was die deut­sche „Erin­ne­rungs­kul­tur” bewirkt hat. Viel­leicht tritt dann ihr eigent­li­cher Zweck zuta­ge, vom tri­via­len Exhi­bi­tio­nis­mus der pro­fes­sio­nel­len Bewäl­ti­ger ganz abge­se­hen. Das nor­ma­le natio­na­le Selbst­be­wusst­sein, mit dem auf Erden prak­tisch jeder Ange­hö­ri­ge eines jeden Vol­kes auf­wächst (schau­en Sie auf die Migran­ten!), wird durch die schwä­ren­de deut­sche „Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung” oder „Erin­ne­rungs­kul­tur” in sein Gegen­teil ver­kehrt. Deut­sche dür­fen aus ihrer Geschich­te kein ande­res Bewusst­sein zie­hen als ein nega­ti­ves, als die Distan­zie­rung von ihren Vor­fah­ren, als die natio­na­le Selbst­ne­ga­ti­on; auf die kön­nen sie dann stolz sein. Die theo­lo­gi­sche Erb­sün­de aller Men­schen hat sich in die poli­ti­sche Erb­schuld für die Ange­hö­ri­gen einer Nati­on ver­wan­delt; dass deren Bewirt­schaf­ter von „his­to­ri­scher Ver­ant­wor­tung” spre­chen, ist ein Hüt­chen­spie­ler­trick, sie ver­ant­wor­ten nichts, und die NS-Opfer sind ihnen schnuppe.

Die Pries­ter oder, wie ich sie lie­ber nen­ne, die Pfaf­fen der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung haben das Drit­te Reich außer­halb der Geschich­te plat­ziert; wer über des­sen Ursa­chen reden will, den nen­nen sie einen „Rela­ti­vie­rer”, wer auf die Ver­bre­chen der ande­ren hin­weist, den hei­ßen sie einen „Auf­rech­ner”. Die Geschichts- und Gedenk­po­li­tik hat über die Deut­schen eine tran­szen­den­te Schuld ver­hängt, die sowohl das Aus­land als auch die inne­ren Abmelk­bri­ga­den – Lin­ke, Grü­ne, „Any­whe­res” – per­ma­nent zur mate­ri­el­len und mora­li­schen Erpres­sung reizt. Was das Aus­land angeht, muss ich die Geschich­te der EU, die Abschaf­fung der D‑Mark als Preis der Wie­der­ver­ei­ni­gung, den Zusam­men­hang von Schuld und Schul­den sowie Maas­tricht als „Ver­sailles ohne Krieg” (Le Figa­ro) nicht wei­ter aus­füh­ren. „Macht hat in Deutsch­land nur, wer an der Ver­ste­ti­gung der deut­schen Ohn­macht arbei­tet” (Gün­ter Masch­ke), und die deut­sche Erin­ne­rungs­dres­sur ist die Basis von allem. Ihre Vor­ga­ben wir­ken unge­fähr wie der Kate­chis­mus bei den Chris­ten. Wer die „Erin­ne­rungs­kul­tur” gut­heißt, hat auch für deren Kon­se­quen­zen ein­zu­ste­hen, selbst wenn er nur Bücher zur eige­nen Fami­li­en­his­to­rie schreibt; soviel Kol­lek­tiv­schuld muss sein.

Da ich mich gern in Sen­ten­zen aus­drü­cke: Israe­li­sche Jugend­lich ver­las­sen Ausch­witz als Patrio­ten, deut­sche – bio­deut­sche – als Selbst­ab­leh­ner und Natio­nal­ma­so­chis­ten. Bei­de haben ihr Erbe erkannt und ange­nom­men. Das ist in der israe­li­schen Ver­si­on gesund, in der deut­schen krank. Ich ken­ne die­ses Pathos, ich habe es mir selbst zuge­flüs­tert: Sol­ches Mord-Gelich­ter sprach die Spra­che Goe­thes! Hin­weg denn auch mit ihr! – Es sprach die Spra­che Goe­thes übri­gens gera­de nicht, das nur am Ran­de. Wich­ti­ger indes dünkt mich die Fra­ge: Wol­len wir uns jeden Tag von Neu­em und mehr oder weni­ger sub­til ein­re­den las­sen, der Natio­nal­so­zia­lis­mus sei Essenz und Quint­essenz des Deutsch­tums, die Sand­uhr­mit­te der deut­schen Gesich­te, das Öhr, auf wel­ches alles zulief und hin­ter das es kein iden­ti­täts­stif­ten­des Zurück mehr geben darf? Wol­len wir tat­säch­lich bis zum Finis Ger­ma­niae des Gelich­ters Gei­seln sein, dem Füh­rer getreu­lich auch noch den letz­ten Wil­len erfüllend?

Wag­ner behaup­tet übri­gens, die „Erin­ne­rung” an die NS-Ver­bre­chen beschrän­ke sich nur auf eini­ge „über­schau­ba­re Anläs­se”. Ich habe kei­ne Ahnung, wie er dar­auf kommt; stän­dig erschei­nen anlass­los neue Bücher, Bro­schü­ren und immer­glei­che Zei­tungs­ar­ti­kel zum The­ma, lau­fen anlass­lo­se TV-Dokus, wird in Poli­ti­ker­re­den und Podi­ums­dis­kus­sio­nen anlass­los das Drit­te Reich beschwo­ren, wird die ein­zi­ge Oppo­si­ti­ons­par­tei in gro­tes­ker „Rela­ti­vie­rung” bzw. „Ver­harm­lo­sung” oder bei­dem zugleich und kreuz­wei­se zum NS-Wie­der­gän­ger erklärt. Hit­lers und der Sei­nen Prä­senz in der deut­schen Poli­tik ist unge­bro­chen, und zwar anlasslos.

Der eigent­li­che, zynisch-genia­le Clou der „Erin­ne­rungs­kul­tur” besteht dar­in, dass sie mit ihren Ritua­len eine Schuld abzu­tra­gen fin­giert, die gar nicht abge­tra­gen wer­den soll oder darf. Die Schuld wankt und wackelt nicht. Kei­ne der deut­schen Reue­ges­ten, viel­leicht mit Aus­nah­me der Ver­söh­nungs­ze­re­mo­nie zwi­schen Ade­nau­er und de Gaul­le in Reims 1962, hat sie je mil­dern kön­nen. Im Gegen­teil – obwohl die Inten­si­tät der Reue­be­kennt­nis­se zunahm und von Mal zu Mal his­to­risch plum­per, undif­fe­ren­zier­ter und fal­scher wur­de, erga­ben sich stän­dig neue poli­ti­sche Kot­aus und mate­ri­el­le Ver­pflich­tun­gen Deutsch­lands dar­aus. Von Kanz­ler zu Kanz­ler hat die deut­sche Schuld zuge­nom­men. Nach­dem sich Hel­mut Kohl noch beharr­lich gesträubt hat­te, an den Sie­ges­fei­ern der ande­ren teil­zu­neh­men, gab Ger­hard Schrö­der sein erin­ne­rungs­po­li­ti­sches Debüt mit genau die­ser Ges­te. Ange­la Mer­kel, die in punc­to Ger­ma­no­pho­bie die Lat­te für all­fäl­li­ge grü­ne Amts­nach­fol­ger sehr hoch gelegt hat, blieb es vor­be­hal­ten, die deut­sche Schuld auch auf den Ers­ten Welt­krieg aus­zu­deh­nen. Am 11. Novem­ber 2009, auf der Fei­er zum 91. Jah­res­tag des Waf­fen­still­stands in Paris, sag­te die Kanz­le­rin: „Wir wer­den nie ver­ges­sen, wie sehr in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts Fran­zo­sen durch Deut­sche zu lei­den hat­ten.” In ihrer Anspra­che zum 100. Jah­res­tag vari­ier­te sie die Bezich­ti­gung des eige­nen Lan­des unwe­sent­lich, indem sie zum Bes­ten gab: „Dass ich heu­te hier als Bun­des­kanz­le­rin der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ste­he, ist eine Ehre für mich. (…) Denn das ist heu­te alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich, ins­be­son­de­re nach dem Leid, das die Deut­schen in zwei Welt­krie­gen über ihre Nach­barn, über Euro­pa und die Welt gebracht haben.” (Ich habe damals Zeit und gol­de­ne Wor­te an die­ses his­to­ri­sche und auch sprach­li­che Sekun­där­an­alpha­be­ten­tum ver­schwen­det – hier, bit­te bis nach unten scrol­len –; inzwi­schen weiß ich, dass alles bis hin­ein in die schiefs­te For­mu­lie­rung abge­feimt und inten­diert ist.)

Wenn eine Bank einen Kre­dit gäbe und nach 50 Jah­ren Raten­zah­lung erklär­te, die zu til­gen­de Sum­me sei so hoch wie am ers­ten Tag, wür­de man sie eine Betrü­ger­bank nen­nen. Die Deut­schen „erhoff­ten sich von den ver­mehr­ten, immer inten­si­ve­ren Buß­ri­tua­len eine Schmerz­lin­de­rung, die aber aus­bleibt, weil die Mög­lich­kei­ten der Abso­lu­ti­on absicht­lich ver­sperrt blei­ben”, schreibt Thors­ten Hinz in sei­nem Buch „Die Psy­cho­lo­gie der Nie­der­la­ge”, dem für mei­ne Begrif­fe unan­ge­foch­te­nen Stan­dard­werk zum The­ma. Das „kon­di­tio­nier­te Deutsch­land” glei­che „einer Kat­ze, der man eine Tüte mit Erb­sen an den Schwanz gebun­den hat und die sich, erschro­cken über das unent­rinn­ba­re Geräusch, in Panik zu Tode hetzt”.

Die deut­sche „Erin­ne­rungs­kul­tur” hat­te und hat ihre Nutz­nie­ßer im In- und Aus­land, Deutsch­land sel­ber gehört nicht dazu – wären die Grü­nen sonst ihre eif­rigs­ten Für­spre­cher? Die läu­tern­de Kraft der retro­spek­ti­ven Ein­kehr war gleich­wohl gering: Wenn man beob­ach­tet, wie sich die in „Zivil­ge­sell­schaft” umge­tauf­te Volks­ge­mein­schaft gegen Falsch­mei­ner zusam­men­rot­tet, wie die Nazi­men­ta­li­tät heu­te eben gegen „rechts” kämpft, wie die deut­schen Enga­gier­ten und Mit­läu­fer wie­der Nach­barn oder Kol­le­gen denun­zie­ren, Reso­lu­tio­nen unter­zeich­nen und Lis­ten schrei­ben, um der Füh­rung „ent­ge­gen­zu­ar­bei­ten” (Ian Kershaw), wie sie das Recht und die geis­ti­ge Frei­heit über Bord wer­fen, um auf Linie zu sein, dann begreift man, dass sich durch die­se gan­ze „Bewäl­ti­gung” und „Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ver­gan­gen­heit” men­tal über­haupt nichts geän­dert hat.

Etwas ande­res ist natür­lich der Umgang mit der Shoa in Isra­el. Dort wirkt die Erin­ne­rung iden­ti­täts­sta­bi­li­sie­rend, nicht ‑zer­stö­rend. Dort gibt es kei­ne erin­ne­rungs­kul­tu­rel­le Pries­ter­kas­te, die den Lai­en vor­schreibt, was sie tun und den­ken sol­len und Gedenk­sün­der exkom­mu­ni­ziert. Aber wenn ich vor­hin schrieb, dass israe­li­sche Jugend­li­che Ausch­witz als Patrio­ten ver­las­sen, muss hin­zu­ge­fügt wer­den, dass die lin­ken glo­ba­lis­ti­schen Wort­füh­rer auch und gera­de die Israe­lis auf die Lis­te der aus­ster­bens­wür­di­gen Völ­ker gesetzt haben. In Deutsch­land wett­ei­fern Rote und Grü­ne dar­in, Isra­el anzu­pran­gern und zu boy­kot­tie­ren. Ins­be­son­de­re Hei­ko Maas, der Chef der Anony­men Anti­se­mi­ten oder was das Kür­zel AA auch immer bedeu­tet, lässt sei­ne Char­gen in den UN-Gre­mi­en regel­mä­ßig gegen Isra­el stim­men, wäh­rend er zugleich sei­ne Lip­pen­be­kennt­nis­se zum Holo­caust abson­dert. So viel bewirkt „Erin­ne­rungs­kul­tur”!

Mag sein, dass die soge­nann­te Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung von vie­len Lai­en und sogar man­chen Kle­ri­kern gut gemeint und per­sön­lich tief emp­fun­den war, und ich will Wag­ner juni­or nicht im Ansatz unter­stel­len, dass er unred­li­che Absich­ten ver­folgt. Hier geht es aber nicht dar­um, was im Ein­zel­nen beab­sich­tigt, son­dern was, zum Teil auch cont­re coeur, tat­säch­lich erreicht wird. Über­spitzt for­mu­liert – und ich lie­be Über­spit­zun­gen! – wäre zu fra­gen, ob jemand, der sich in frucht­los-zer­knirsch­ten Betrach­tun­gen über den Anteil des per­sön­lich unschul­di­gen Vaters an der ver­meint­li­chen Kol­lek­tiv­schuld sei­ner Genera­ti­on ergeht und die deut­sche „Erin­ne­rungs­kul­tur” als den Aus­weg aus dem trans­ge­nera­tio­na­len Ver­stri­ckungs­di­lem­ma preist, in letz­ter Kon­se­quenz nicht die seit 2015 for­ciert statt­fin­den­de Ein­wan­de­rung von Anti­se­mi­ten und die Aus­brei­tung des Islam als Süh­ne für die deut­sche Juden­ver­nich­tung objek­tiv för­dert. (In dem Land, aus dem ich kom­me und in das wir wie­der gehen, wur­de auf die­se tücki­sche Wei­se argumentiert.)

Die Poin­te besteht dar­in, dass die Nazis die Juden als Volk oder „Ras­se” aus­rot­ten woll­ten und damit, ohne es zu wol­len, das moder­ne Isra­el schu­fen, wäh­rend ihre heu­ti­gen deut­schen Nach­fah­ren, sofern sie links und glo­ba­lis­tisch genug emp­fin­den, gern die­ses Isra­el als jüdi­sches „Kon­strukt” abschaf­fen wür­den. Bei­de haben, auf völ­lig ver­schie­de­ne Wei­se, das glei­che Ziel: Die Juden­heit als Klub mit Zulas­sungs­be­schrän­kun­gen und nun­mehr sogar Staats­gren­zen soll ver­schwin­den. Wobei die tole­ran­te Enkel­ge­nera­ti­on die Juden als sol­che schon übrig las­sen will; sie sol­len nur ihre exklu­si­ven Vor­stel­lun­gen von jüdi­scher Nati­on und Erez Isra­el auf­ge­ben und mit allen ande­ren Natio­nen in der Einen Welt der Diver­si­ty auf­ge­hen, im gro­ßen glo­ba­len Mas­sen­schun­keln. Mehr als ande­re haben Juden Grün­de, skep­tisch gegen­über Plä­nen zu sein, die sie als Gan­zes betref­fen. Der Links­ra­di­ka­le Richard Wag­ner stell­te sich die Zukunft der Juden übri­gens ähn­lich wie die heu­ti­gen „Any­whe­res” vor: „Gemein­schaft­lich mit uns Mensch zu wer­den, heißt für den Juden aber zu aller­nächst so viel als: auf­hö­ren, Jude zu sein”, schrieb er in sei­nem Pam­phlet „Das Juden­tum in der Musik”. Ich schwei­fe ab – –

Die ange­mes­sens­te Form der deut­schen Erin­ne­rung besteht für mei­ne Begrif­fe dar­in, den Juden­staat poli­tisch und mit Waf­fen zu unter­stüt­zen; alles wei­te­re, also wel­che Totem­pfäh­le die dienst­ha­ben­den deut­schen Bewäl­ti­gungs­scha­ma­nen gera­de umtan­zen und wes­sen Kar­rie­re sie dort opfern, hat mit Isra­el nichts zu tun und inter­es­siert die meis­ten Israe­lis auch nicht. Bei ame­ri­ka­ni­schen Juden sieht die Sache zu oft anders aus, sofern sie den Demo­kra­ten nahe­ste­hen. In ihrem aktu­el­len Buch „Von den Deut­schen ler­nen” erklärt die aus Atlan­ta (Geor­gia) stam­men­de Phi­lo­so­phie-Dozen­tin Sus­an Nei­man – durch die Lek­tü­re von de Beau­voir und Sart­re zur Phi­lo­so­phie gekom­men, Assis­ten­tin von Rawls, Wahl­kampf­hel­fe­rin von Oba­ma, Sie ver­ste­hen? – den deut­schen Umgang mit der Ver­gan­gen­heit für vor­bild­lich, von der Wehr­machts­aus­stel­lung bis zum 2015er Will­kom­mens­de­li­ri­um. Damals hie­ßen Bahn­hofs­ap­plau­die­rer Flücht­lin­ge und sol­che, die es wer­den woll­ten, will­kom­men, um, wie Nei­man unver­hoh­len for­mu­liert, „den Ras­sis­mus ihrer Vor­fah­ren umzu­keh­ren”, und das in einem Land, in dem Tür­ken und „Far­bi­ge” inzwi­schen „zur Ziel­schei­be des Gifts gewor­den sind, das sich einst gegen die Juden rich­tet” – Ziel­schei­be des Gifts; schrei­ben kann sie offen­bar auch nicht –, was man ja allein an der will­kom­mens­kul­tu­rell befeu­er­ten Kri­mi­nal­sta­tis­tik und den jähr­li­chen Trans­fer­leis­tun­gen sieht. Wenn die­ser Knall zum deut­schen Export­schla­ger wird, dann wohl nur in die iden­ti­täts­po­li­tisch zer­rüt­te­ten USA unter der Regie­rung von Slee­py Joe und sei­ner Domi­na Kamela.

Was für die Lin­ken in Deutsch­land die Nazis und ihre poli­ti­schen Nach­kom­men sind, sind in Über­see die Süd­staat­ler und der von Trump ver­tre­te­ne repu­bli­ka­ni­sche „white trash”. Eine auto­ag­gres­si­ve „Erin­ne­rungs­kul­tur” ist in Zei­ten der iden­ti­ty poli­tics der idea­le Hebel, um die Gesell­schaft aus­ein­an­der­zu­bre­chen, und zwar ent­lang eth­ni­scher Bruch­li­ni­en. Nach mei­ner Pro­gno­se wird am Ende der okzid­ent­wei­ten Schuld­lust­spie­le nicht die gro­ße All­ver­söh­nung der Ras­sen, Eth­ni­en und sozia­len Schich­ten ste­hen, son­dern der aus dem Kampf aller gegen alle beson­ders her­vor­ge­ho­be­ne Kampf aller ande­ren gegen die Wei­ßen – das sind zah­len­mä­ßig die Wenigs­ten, die inner­lich und demo­gra­phisch Geschwäch­tes­ten, die Kapi­tu­la­ti­ons­be­rei­tes­ten und zugleich die­je­ni­gen, bei denen immer noch am meis­ten zu holen ist –, in wel­cher durch die KI ein­ge­heg­ten Form sich die­ser Kampf auch zutra­gen mag. Die Black lives mat­ter-Kra­wal­le schei­nen nur ein Vor­spiel gewe­sen zu sein, in den USA liest man inzwi­schen täg­lich von ras­sis­tisch moti­vier­ten Angrif­fen Schwar­zer auf nun­mehr Asia­ten – es hat ziem­lich lan­ge gedau­ert, bis sie bemerkt haben, wer im Schnitt am intel­li­gen­tes­ten und zuneh­mend erfolg­reich ist –, wäh­rend inter­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche wei­ße Ideo­lo­gen aller Pro­fes­sio­nen und Ver­mö­gens­klas­sen die Schwä­chung ihrer Staa­ten durch mora­li­sche Selbst­preis­ga­be wei­ter vor­an­trei­ben. Womög­lich wird die „Erin­ne­rungs­kul­tur” durch ihre dyna­mi­sche Auto­ag­gres­si­vi­tät sub spe­cie aeter­ni­ta­tis enor­me Schä­den ange­rich­tet haben. Womög­lich ist sie die Ker­ka­por­ta der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on. Das Gut­ge­mein­te führt bekannt­lich oft ins Unheil.

Hugh, ich habe gesprochen.

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