Was Medien melden – und was nicht

„Hast Du mit­be­kom­men”, fragt mich ein jüdi­scher Freund, „dass die­ser ver­meint­li­che Amok­läu­fer Al-Issa in Colo­ra­do einen kosche­ren Super­markt ange­grif­fen hat? Die deut­schen Medi­en ver­schwei­gen das ein­fach durch die Bank.”
Als Zeug­nis schickt er das mit:
Ich habe es spon­tan bei Tagesschau.de und beim Spie­gel über­prüft; auch dort ist der Super­markt einer wie alle. In den Mel­dun­gen heißt es uni­so­no, es sei­en „Schüs­se gefal­len” – die übli­che „Schie­ße­rei” habe ich dies­mal nicht gefun­den –, dann lässt das Inter­es­se an der Bericht­erstat­tung merk­lich nach. Die meis­ten Medi­en erwäh­nen nicht ein­mal den Namen des Kil­lers, der Spie­gel etwa ver­schweigt ihn, des­glei­chen die FAZ; wei­ter habe ich nicht gesucht.
Statt auf den Täter und die Opfer ein­zu­ge­hen, mel­den sie alle, dass Slee­py Joe jetzt der Waf­fen­lob­by droht. War­um kam eigent­lich nach dem Bata­clan-Mas­sa­ker nie­mand auf die Idee, die Waf­fen­lob­by anzuklagen?
Aber han­delt es sich über­haupt um einen kosche­res Geschäft? Im Netz fin­det sich ledig­lich der Hin­weis, dass der „King soo­pers store” in Boul­der eine kosche­re Abtei­lung hat – so vie­le Juden leben in Colo­ra­do schließ­lich nicht. Wer aber online nach einem kosche­ren Markt in der Regi­on sucht, bekommt die­sen angeboten.
„Der Schüt­ze, der am Mon­tag bei einem Angriff in Boul­der, Colo­ra­do, zehn Men­schen getö­tet hat­te, hat­te einen ‚jüdi­schen Laden’ ins Visier genom­men, berich­te­te die Nach­rich­ten­sei­te von Loomered.com, die mit der Jour­na­lis­tin und ehe­ma­li­gen Kon­gress­kan­di­da­tin von Flo­ri­da, Lau­ra Loo­mer, in Ver­bin­dung steht”, heißt es bei Israelnews.com (hier). Aber: Der Bezirks­staats­an­walt von Boul­der erklär­te, dass die Ermitt­ler noch kein Motiv bei dem 1999 in Syri­en gebo­re­nen Ahmad Al Ali­wi Alis­sa iden­ti­fi­ziert hätten.
Die eigent­li­che Nach­richt lau­tet: Ein Mos­lem hat einen Super­markt ange­grif­fen, der mit dem Begriff „koscher” kon­no­tiert ist, und dort meh­re­re Kun­den erschos­sen. Das Motiv ist zutiefst rät­sel­haft, könn­te aber dem­nächst auf­ge­klärt wer­den. Frei­lich wird man aus deut­schen Medi­en wenig dar­über erfah­ren, wegen Gene­ral­ver­dachts­ver­dacht und so. Stel­len Sie sich vor, der Schüt­ze hät­te eine MAGA-Base­cap getra­gen und sich durch einen Markt mit gro­ßer Halal-Abtei­lung geschossen.
„Die­ser Fall zeigt aber­mals auf, dass ers­tens auf deut­sche Medi­en kein Ver­lass ist, und zwei­tens, dass deut­sche Jour­na­lis­ten sich längst als Advo­ka­ten des Islam begrei­fen, statt als neu­tra­le Beob­ach­ter”, sagt Artur Abra­mo­vych, Co-Vor­sit­zen­der der Juden in der AfD. „Wäh­rend der AfD bei jed­we­der Gele­gen­heit medi­al eine Mit­schuld an Hal­le und Hanau gege­ben wird, wird ein blu­ti­ger Ter­ror­an­schlag von­sei­ten der Medi­en durch die Bank ver­harm­lost, sobald fest­steht, dass es ein radi­ka­li­sier­ter Mos­lem war.”
Womög­lich ist er aber bloß trau­ma­ti­siert, psy­chisch krank und wuss­te kei­nen ande­ren Weg, auf sei­ne Situa­ti­on auf­merk­sam machen.
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