1. Juni 2021

Ein Volk, das sich dar­an gewöhnt hat, zwölf Jah­re lang bei jeder Gele­gen­heit den rech­ten Arm hoch­zu­rei­ßen, wird sich auch mit Gen­der­stern­chen arrangieren.

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„Die Nicht­west­ler betrach­ten als west­lich, was der Wes­ten als uni­ver­sal betrachtet.”
Samu­el P. Huntington

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Aus der Sicht der Glo­ba­lis­ten – unter denen, Fräu­lein Weis­band, auch Juden sind, aller­dings nicht über die Maßen viele –

… aus der Sicht der Glo­ba­lis­ten muss auf die­sem Pla­ne­ten ein umfas­sen­der Gro­ßer Aus­gleich her­bei­ge­führt wer­den, der sowohl die Lebens­ver­hält­nis­se, den Reich­tum (den je eige­nen aus­ge­nom­men), die Res­sour­cen und letzt­lich sogar die gene­ti­sche Aus­stat­tung der Völ­ker und Natio­nen betrifft. Die ganz har­ten Hun­de unter den Nivel­lie­rern wün­schen sich die pla­ne­ta­ri­sche (nicht pla­net-ari­sche!) Ein­heits­ras­se, die ulti­ma­ti­ve Pro­me­na­den­mi­schung, den braun­häu­ti­gen Glo­bal­men­schen. Dann gäbe es näm­lich kei­nen Ras­sis­mus mehr. Heil Viel­falt! Der Vor­schlag ist so ein­leuch­tend wie die Idee, sämt­li­che Rot‑, Weiß- und Rosé­wei­ne der Erde zusam­men­zu­kip­pen, um den neid­frei trink­ba­ren Welt­wein her­zu­stel­len. Aber mög­lich wäre es.

Der Gedan­ke dahin­ter ist ein phy­si­ka­li­scher. Wenn eine Stau­mau­er das Was­ser auf zwei ver­schie­den hohen Niveaus hält, lässt sich ein ein­heit­li­cher Was­ser­stand nur her­stel­len, indem man die eine Sei­te absenkt und die ande­re damit zum Stei­gen bringt. Auf unse­rer Sei­te sinkt das Niveau offen­kun­dig. Die­se simp­le, ja „unter­kom­ple­xe” Über­le­gung hilft immer­hin dabei, ein Motiv zu fin­den, wel­ches Frau Mer­kel bei der ansons­ten doch völ­lig irra­tio­na­len Demo­lie­rung der Infra­struk­tur, der Bevöl­ke­rungs­struk­tur und des Wohl­stands der Deut­schen lei­ten könn­te – oder das die Grü­nen dazu bringt, mit när­ri­scher Vehe­menz am eige­nen Ast zu sägen: Sie wol­len, dass das Was­ser auf unse­rer Sei­te wei­ter sinkt.

Auch der Irr­tum dahin­ter ist phy­si­ka­lisch erklär­bar. Wenn das Was­ser über­all gleich hoch bzw. nied­rig steht, fließt nichts mehr. Die Ener­gie ist dahin. Es steht still, ver­tüm­pelt, ver­sumpft und fault. Mit einem Wort: Sozialismus.

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Das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um blickt kühn in die Zukunft.

Sie nen­nen es CO2-Umlage.

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So kann man es natür­lich auch beschreiben.

Nach dem Anschlag auf die Zeit­schrift Char­lie Heb­do hät­te die Schlag­zei­le lau­ten kön­nen: Töd­li­che Schüs­se bei Poli­zei­ein­satz. Opfer: zwei Franko-Algerier.

PS: „Inva­si­on durch die Alli­ier­ten. Opfer: die deut­sche Wehrmacht.”
(Leser ***)

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Auf der Suche nach Kurz­weil und Zer­streu­ung sah ich ges­tern den Film „Der Kla­vier­spie­ler vom Gare du Nord”, und ich muss­te in mei­ner Erin­ne­rung lan­ge kra­men, um auf ein in Sachen Schmal­zig­keit, Däm­lich­keit und Kennt­nis­man­gel kon­kur­renz­fä­hi­ges Opus zu stoßen.

Das The­ma: Ein jun­ger Mann aus den Ban­lieues gewinnt einen bedeu­ten­den Klavierwettbewerb.

Vor­bild­film: „Good Will Hun­ting”. (Aber der ist nicht nur bes­ser, son­dern des­sen Plot besitzt wenigs­tens ein paar Pro­zent Wahrscheinlichkeit.)

Die Hand­lung: Der Lei­ter eines Kon­ser­va­to­ri­ums hört einen jun­gen Mann am Gare du Nord auf einem dort der Öffent­lich­keit zur Ver­fü­gung gestell­ten Kla­vier Bach spie­len und ist von des­sen Spiel begeis­tert. Die­ser Bub heißt Mathieu Malin­ski und ist ein Ein­bre­cher und Klein­kri­mi­nel­ler aus den Ban­lieues. Der Kon­ser­va­to­ri­um­s­lei­ter, Pierre mit Namen, der, wie man im Lau­fe des Films erfährt, sei­nen eige­nen Sohn durch Krebs ver­lo­ren hat, gibt ihm sei­ne Visi­ten­kar­te, da er ihn ger­ne am Kon­ser­va­to­ri­um auf­neh­men will. Mathieu indes hat kein Inter­es­se. Eines Tages bricht sei­ne Gang in ein Haus ein, in dem ein Flü­gel steht, und Mathieu spielt dort so lan­ge gedan­ken­ver­lo­ren Cho­pin, bis ihn Hand­schel­len dar­an hindern.

Spä­tes­tens hier hät­te man abschal­ten müs­sen. Aber weiter:

Der pia­no­ma­ne Ein­bre­cher wird zu sechs Mona­ten gemein­nüt­zi­ger Arbeit ver­ur­teilt. Pierre taucht bei Gericht auf und erreicht, dass Mathieu sei­ne Straf­ar­beit als Rei­ni­gungs­kraft am Kon­ser­va­to­ri­um leis­ten muss. Dort zwingt er den Delin­quen­ten, neben sei­ner Put­ze­rei Musik­stun­den bei einer Kla­vier­leh­re­rin „alter Schu­le” zu neh­men. Natür­lich über­wer­fen sich die bei­den. Natür­lich will das Vor­ort-Genie gar nichts ler­nen. Natür­lich benimmt Mathieu sich milieu­ge­recht dane­ben. Natür­lich haben sie sich am Ende alle lieb.

Dass der Under­dog über­haupt und auch noch aus dem Kopf Bach, Cho­pin und Liszt auf Meis­ter­klas­sen­ni­vau spie­len kann, obwohl er nie einen Leh­rer hat­te, kei­ne Musik­schu­le besucht hat und nie wirk­lich übt außer viel­leicht am Bahn­hof und beim Ein­bre­chen, erklärt der Film mit drei Got­tes­ga­ben: Er besitzt, neben sei­nen stu­pen­den manu­el­len Fähig­kei­ten, das abso­lu­te Gehör (gar nicht sel­ten unter Musi­kern) und ein foto­gra­fi­sches Gedächt­nis (sehr sel­ten; der Eide­ti­ker Gie­se­king, der auch kaum geübt hat, besuch­te zwar nie ein Kon­ser­va­to­ri­um, hat­te aber einen Leh­rer). Pierre will den Jun­gen unbe­dingt als Kan­di­da­ten für den Grand Prix d’Excellence, einen inter­na­tio­na­len Kla­vier­wett­be­werb, nomi­nie­ren und setzt sogar sei­ne Zukunft als Kon­ser­va­to­ri­ums­chef dafür aufs Spiel.

An die­ser Stel­le pro­phe­zei­te ich, Mathieu wer­de beim Wett­be­werb „Rach 3” dar­bie­ten müs­sen, aber ich lag total falsch, er spielt nur das zwei­te Kla­vier­kon­zert (hehe). Neben den übli­chen retar­die­ren­den Momen­ten (Pier­res Ehe­frau redet dem Genie aus, eines zu sein, Mathieu kehrt zu sei­nen Kum­pels zurück) kommt die übli­che hand­lungs­för­der­li­che Lie­be­lei ins Spiel. Anna heißt die Maid, aber anders als ande­re Annen ist sie tief­schwarz, was einer­seits egal ist – hübsch ist sie oben­drein –, aber für einen zen­tra­len Aspekt des Films eben nicht: Die­se Anna ist sel­ber Stu­den­tin, und zwar Cel­lis­tin. Die bei­den kom­men sich näher etc. pp. (auf eine Schil­de­rung des bra­chi­al­kit­schi­gen Show­downs ver­zich­te ich).

„Sai­ten­in­stru­men­te lagen bei uns in der Fami­lie”, erklärt die schwar­ze Anna ihrem wei­ßen Gelieb­ten. Die Mut­ter habe Vio­li­ne gespielt, der Vater Kon­tra­bass, das Cel­lo wie­der­um habe sie von ihrem Groß­va­ter geerbt. Eine schwar­ze Cel­lis­tin ist min­des­tens so sel­ten wie eine schwar­ze Per­le, aber ein schwar­zer Groß­va­ter, der ein kon­zert­büh­nen­taug­li­ches Cel­lo gespielt hat, so um 1950, tut dies auf dem Wahr­schein­lich­keits­le­vel eines jodeln­den Ein­horns. „Bei uns ist klas­si­sche Musik was für Spie­ßer. Wir haben kein Geld für Kla­vier­un­ter­richt”, ver­si­chert wie­der­um Mathieu. Wir haben hier eine völ­li­ge Rol­len­um­kehr: Das klein­kri­mi­nel­le, eigent­lich bil­dungs­fer­ne Ghetto-(Wunder)kind ist weiß, die Toch­ter aus tra­di­ti­ons­be­wuss­ter klas­si­scher Musi­ker­fa­mi­lie schwarz.

Ich habe vor drei Jah­ren über eine BBC-Serie namens „Troy – Fall of a City” geschrie­ben, in der Zeus, Achil­les, Patro­klos und Nes­tor schwarz sind, also von schwar­zen Schau­spie­lern ver­kör­pert wer­den. Der Pia­nis­ten-Film folgt der näm­li­chen Ten­denz, indem er die Figu­ren ein­fach so behan­delt, es sei ihre Haut­far­be nicht exis­tent, als kön­ne jeder alles sein. Man­cher mag das als Ges­te der Tole­ranz und Fort­schritt bei der Mensch­heits­ver­brü­de­rung wer­ten. Ich fin­de es ver­lo­gen – man spürt die Absicht, und man ist ver­stimmt –, zumal im umge­kehr­ten Fall immer Cul­tu­ral appro­pria­ti­on („kul­tu­rel­ler Aneig­nung”) ange­pran­gert wird, was für Wei­ße bekannt­lich bei Stra­fe ver­bo­ten ist. (Aber natür­lich kön­nen die Wei­ßen mit ihrer Kul­tur viel frei­gie­bi­ger sein, sie haben ja so viel mehr zu bieten…)

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„Sehr geehr­te Frau Baerbock,

mit gro­ßem Inter­es­se haben wir Ihre Initia­tiv­be­wer­bung um den dem­nächst vakan­ten Pos­ten des Kanz­lers zur Kennt­nis genom­men. Lei­der sind die von Ihnen bis­her ein­ge­reich­ten Bewer­bungs­un­ter­la­gen unvoll­stän­dig. Die in den letz­ten Tagen mehr­fach geän­der­ten Ver­sio­nen Ihres Lebens­lau­fes haben wir erhal­ten. Aller­dings ist es beson­ders bei Bewer­bern ohne ein­schlä­gi­ge Berufs­er­fah­rung zwin­gend not­wen­dig zumin­dest ihre bis­he­ri­gen Zeug­nis­se zu ken­nen. Wir bit­te Sie daher fol­gen­de Unter­la­gen nachzureichen:

– gut les­ba­re Kopie des Abitur­zeug­nis­ses mit Endnote
(idea­ler­wei­se die Anga­be Ihrer Leistungskurse)

– gut les­ba­re Kopie des Vordiplomzeugnisses
(mit allen ein­ge­hen­den Teilnoten)

– gut les­ba­re Kopie des Mas­ter-Zeug­nis­ses mit Note, The­ma und Titel der Arbeit
(sowie die Anga­be, ob das The­ma allein oder in der Grup­pe bear­bei­tet wurde)

– ein Exem­plar (PDF) ihrer Masterarbeit
(dies wäre uns beson­ders wich­tig, im Hin­blick auf Pla­gia­te oder unwis­sen­schaft­li­ches Zitie­ren, was gera­de bei Poli­ti­kern oft beob­ach­tet wurde)

Auf die Arbeits­zeug­nis­se bei der ‚Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen Zei­tung’ ver­zich­ten wir.

Da sie über kei­ner­lei Regie­rungs­er­fah­rung, nicht ein­mal als Bürger*:Innenmeister bzw. Bürgermeister*:In bzw. Bürger*:Innenmeister*:In (sie­he ehem. Bewer­ber Mar­tin S.), ver­fü­gen, bit­ten wir Sie um einen kur­zen Auf­satz (eine Sei­te genügt völ­lig) zum The­ma: ‚Ich habe kei­ne Berufs­er­fah­rung aber ich ler­ne schnell – ein Pilot, ein Bau­sta­ti­ker und ein Nar­ko­se­arzt bewer­ben sich.’ Sie kön­nen den Auf­satz auch gern als Witz oder klei­ne sati­ri­sche Geschich­te konzipieren.

Sei­en sie unbe­sorgt, soll­ten Sie die Abga­be obi­ger Unter­la­gen ver­ges­sen, wer­den wir Sie bis Sep­tem­ber noch aus­rei­chend oft dar­an erin­nern. Und für den unwahr­schein­li­chen Fall, dass Sie den Job erhal­ten, ohne die Unter­la­gen abge­ge­ben zu haben, wer­den wir Ihnen auch danach noch inten­siv beim Suchen helfen.

Mit freund­li­chen Grüßen
Die Wahl­be­rech­tig­ten der Bun­des­re­pu­blik Deutschland”

(Leser ***)

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Wir alle haben in unser Jugend die Dia­lo­ge zwi­schen Ludo­vico Set­tem­bri­ni und Leo Naph­ta gele­sen, und wir alle haben fest­ge­stellt, dass der sym­pa­thi­sche­re der bei­den, der ins­ge­samt natür­lich immer noch ein Unsym­path blieb, die düm­me­re, läs­ti­ge­re, eben die „fort­schritt­li­che” Welt­sicht hat­te. Wäh­rend der ande­re wuss­te, was kommt. Auch in die­sem Detail:

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„Auch Moral­apos­tel soll­ten, aus Grün­den der Abschre­ckung, dann und wann gekreu­zigt werden.”
Mar­tin Ger­hard Reisenberg

 

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