20. Juni 2021

Sub spe­cie aeter­ni­ta­tis wird auch die Bun­des­re­pu­blik dar­an gemes­sen, was aus ihr ent­stan­den ist.

***

Mit dem Kli­ma­wan­del wird man sich, allein schon auf­grund sei­ner All­mäh­lich­keit, arran­gie­ren kön­nen – mit sei­nen soge­nann­ten Bekämp­fern nie­mals. Lie­ber in einem tro­pi­schen Euro­pa leben als in einer Welt, die von den Schwabs, Baer­bocks und Neu­bau­ers kon­trol­liert wird (und in der es, by the way, genau so heiß wäre).

***

„Wäre der Mor­gent­hau­plan umge­setzt wor­den, wären uns wohl die Grü­nen erspart geblieben.”
(Leser ***)

***

Die Unter­wer­fung unter die KI ist „the offer you can­not refu­se”, die der Levia­than heu­te den Men­schen ange­sichts der her­auf­zie­hen­den Ord­nun­gen des Behe­mo­th macht. Die meis­ten wer­den sie annehmen.

***

„Die (gewünsch­te) Diver­si­tät einer Gesell­schaft steht offen­bar in einem direk­ten Zusam­men­hang mit der Nicht-Les­bar­keit ihrer Stel­len­an­zei­gen”, schreibt Leser *** und sen­det mir diese.

Zur Bedeu­tung des Kür­zels „m/w/d” zir­ku­lie­ren ver­schie­de­ne The­sen. Am ein­leuch­tends­ten erscheint mir die Ver­si­on „männlich/weiß/deutsch” als klan­des­ti­ne Bot­schaft an den Azu­bi, dem trend­kon­for­men Getue nicht zu trau­en. Die amü­san­tes­te Les­art steu­ert eine rus­si­sche Freun­din bei, die sich bei der Ein­rei­se nach Ita­li­en anhand der aus­ge­schrie­be­nen Ver­si­on „male/female/divers” für „Tau­cher” entschied…

***

In sei­nem Buch „Du mußt dein Leben ändern” wid­met sich Peter Slo­ter­di­jk ein paar Sei­ten lang dem Phä­no­men der Iden­ti­tät. Er tut dies auf recht unfreund­li­che Wei­se. Iden­ti­tät ist für den Den­ker „das Recht auf Faul­heit”, sie steht also dem Leit­mo­tiv des Buches, der Auf­for­de­rung zur per­ma­nen­ten Selbst­stei­ge­rung, entgegen.

„Mei­ne Iden­ti­tät besteht in dem Kom­plex mei­ner unre­vi­dier­ba­ren per­sön­li­chen und kul­tu­rel­len Träg­hei­ten”, sta­tu­iert Slo­ter­di­jk. Sie sei der „Leit­wert im Basis­kul­tur­la­ger (…) Ent­schei­dend ist, daß der Gedan­ke an neu­en Höhen ver­pönt sein muß” – bei die­ser Gele­gen­heit fällt mir auf, dass der Autor im Basis­kul­tur­la­ger der alten Recht­schrei­bung biwa­kiert, was kei­ne Kri­tik ist –; „wür­den sol­che erklom­men, könn­te eine Wert­min­de­rung bei den ein­ge­la­ger­ten Bestän­den ein­tre­ten. Wenn und weil im Basis­la­ger das bis­her Erreich­te als sol­ches unter Kul­tur­schutz gestellt wird, bedeu­tet jedes Expe­di­ti­ons­pro­jekt in der Ver­ti­ka­len einen Fre­vel, eine Ver­höh­nung aller gerahm­ten Wer­te. Im Iden­ti­tä­ten-Regime wer­den sämt­li­che Ideen dever­ti­ka­li­siert und der Regis­tra­tur über­ge­ben. (…) Iden­ti­tät lie­fert folg­lich den Super-Habi­tus für alle, die so sein wol­len, wie sie auf­grund ihrer loka­len Prä­gun­gen wur­den, und mei­nen, das sei gut so. Auf die­se Wei­se stel­len die Iden­ti­schen sicher, außer Hör­wei­te zu sein, soll­te unvor­her­ge­se­hen wie­der der Impe­ra­tiv ‚Du mußt dein Leben ändern!’ zu hören sein” (S. 296 ff.).

Slo­ter­di­jk setzt hier den Wil­len, sei­ne Iden­ti­tät zu behaup­ten – die für das gesell­schaft­li­che Wesen Homo sapi­ens immer eine kol­lek­tiv gepräg­te ist, sogar für Robin­so Cru­soe – mit der erz­kon­ser­va­ti­ven Ver­wei­ge­rung gegen­über jeder Ver­än­de­rung, jeder Art Wan­del in eins (Ver­we­sung ist, so Gómez Dávi­la, übri­gens auch ein Wan­del). Das mag viel­leicht für gewis­se ori­en­ta­li­sche oder sub­sa­ha­ri­sche Iden­ti­tä­ten gel­ten, aber die abend­län­di­sche, die Speng­ler die „faus­ti­sche” genannt hat, bedeu­tet genau das Gegen­teil, in ihr ist die Ver­ti­kal­span­nung hoch und das per­ma­nen­te Hin­auf Pro­gramm. „Du musst dein Leben ändern!” ist abend­län­di­sche Identität.

Das Buch erschien 2009. Inzwi­schen ist das Iden­ti­täts­pro­blem hoch­ex­plo­siv gewor­den – im Basis­la­ger, um in Slo­ter­di­jks Bild zu blei­ben, wird es unge­müt­lich. In den west­li­chen Gesell­schaf­ten pral­len die Iden­ti­tä­ten auf­ein­an­der, ob nun an den Uni­ver­si­tä­ten oder auf nächt­li­chen Stra­ße, und für vie­le wei­ße West­ler wird in den Zei­ten von „Iden­ti­ty poli­tics” und fort­schrei­ten­der Isla­mi­sie­rung das Ver­leug­nen der eige­nen zum pas­sa­bels­ten Modus des Durch­kom­mens. Die wider­stän­di­gen Iden­ti­tä­ren indes, man hal­te von ihnen, was man will, sind zumin­dest eines nicht: trä­ge. Auch die Tro­ja­ner oder 1683 die Wie­ner waren nicht trä­ge und haben ihre Iden­ti­tät ver­tei­digt. Iden­ti­tät war zu allen Zei­ten eine Über­le­bens­fra­ge – das Basis­la­ger ist kein schlech­tes Bild dafür; hat man es nach der Gip­fel­be­stei­gung wie­der erreicht, hat man über­lebt –, und sie ist es heu­te wie­der, mag es in der Welt der „Any­whe­res” zwi­schen­zeit­lich auch so aus­se­hen, als hät­te man die­se Fra­ge hin­ter sich gelas­sen. Sie wird sich neu stel­len, oft auf aggres­si­ve, gewalt­tä­ti­ge Wei­se. Auch den nach eige­ner Auf­fas­sung iden­ti­täts­lo­sen „Any­whe­re” ret­ten im Ernst­fall nichts und nie­mand vor jener Iden­ti­tät, die ihm die Gegen­sei­te kur­zer­hand zuschreibt.

Leicht bei­ein­an­der woh­nen die Illusionen,
Doch hart im Rau­me sto­ßen sich die Dinge.

***

Übri­gens:

„Reichsbürger”-Desinformation? Nein, wis­sen­schaft­li­cher Dienst des Bun­des­ta­ges, ein Urteil des BVerfG vom 21. Dezem­ber 1972 über die Beziehun­gen zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Deut­schen Demo­kratischen Repu­blik referierend.

***

Das meint der Leser.

„Lie­ber Herr Klonovsky,
Uwe Jun­ge: ‚Manu­el Neu­er trägt die Schwuchtelbinde.’
Ich bin auch gegen den lächer­li­chen, ja absto­ßend ent­wür­di­gen­den Knie­fall. Aber die deut­sche Mann­schaft hat das ja nicht gemacht. Sicher, auch die­se Bin­de ist albern. Aber soll­te man des­we­gen so eine Äus­se­rung raushauen?
Ich habe Rechts­ver­tei­di­ger gespielt (passt ja irgend­wie zu mei­ner poli­ti­schen Ein­stel­lung), und ich habe sehr hart gespielt. Aber ich habe es, bei allen mei­nen Trit­ten und Remp­lern, nie geschafft, jeman­dem zwi­schen die Bei­ne zu tre­ten. Jun­ge hat die­ses Kunst­stück gemeis­tert. Kom­pli­ment! Was sagt Ali­ce Wei­del dazu?
Jemand soll­te mal Jun­ge – und vie­len ande­ren AfD­lern – erklä­ren, was der Unter­schied ist zwi­schen einem an sich ver­nünf­ti­gen Gedan­ken und einer poli­tisch klu­gen Äuße­rung. Das zu kapie­ren, kann doch nicht so schwer sein.  Ohne Not eine Per­son oder eine Fuß­ball­man­schaft anzu­grei­fen, die gera­de gewon­nen hat und mit der die hal­be Nati­on mit­fie­bert, ist unfass­bar dämlich.
Sie sind nicht zu benei­den, Herr Klonovsky.
Mit kopf­schüt­teln­den Grüssen,
*** ”
Total
1
Shares
Vorheriger Beitrag

Frauke Petry über Klonovsky

Nächster Beitrag

Nachtrag zur "Schwuchtelbinde"

Ebenfalls lesenswert

26. September 2018

Ich hat­te hier am 12. Juni den Anfang vom Ende der Ära Mer­kel ange­kün­digt. Die Hon­ecke­ret­ten­däm­me­rung ver­läuft zäher als…

10. Oktober 2021

Ein durch­sonnt-sonn­täg­li­ches Grüß Gott aus Bayern! St. Anton, Garmisch-Partenkirchen. Übri­gens: Anto­ni­us ist u.a. der Schutz­hei­li­ge der Schus­sel, er…

16. Mai 2020

Die Qua­li­täts- und Offen­ba­rungs­pres­se meldet: Offen­bar hat in die Über­schrift kein zwei­tes „offen­bar” hin­ein­ge­passt – dort steht fest,…

5. April 2019

Neue Begrif­fe. Kli­ma­caust (von καυστος, „ver­brannt”), auch Ter­ra­caust oder Bio­caust (ver­harm­lo­send Pol­kap­pen­caust): durch den Men­schen und sei­nen CO2-Aus­stoß…