11. Juli 2021

Frau­en spie­len nicht Fuß­ball; sie spie­len, dass sie Fuß­ball spielen. *

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Wenn eine Per­son erklärt, dass sie unter Cis-Män­nern oder unter Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät lei­de und das binä­re Geschlech­ter­mo­dell eine Zwangs­struk­tur sei, weil man sein Geschlecht frei wäh­len kön­ne, fal­te ich inner­lich die Hän­de und spre­che: Oh Herr, ver­hilf die­sen bedau­erns­wer­ten Zeit­ge­nos­sen, die ero­tisch oder sexu­ell behin­dert sind, zu einem irgend­wie erfüll­ten Leben, aber ver­pflich­te mich nicht, ihnen mein Ohr zu leihen.

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Es wird im Netz bis­wei­len moniert, dass die Mer­kel, Maas, Göring-Eckardt, Pahl-Rugen­stein­mei­er e tut­ti quan­ti eisig schwei­gen, wenn einer ihrer Asyl­gäs­te Deut­sche ermor­det wie zuletzt ein 2015er in Würzburg.

Aber will jemand von die­sen Leu­ten tat­säch­lich irgend­ei­ne Bei­leids­heuch­lei ver­neh­men? Legt ihr Schwei­gen nicht ein hin­rei­chend bered­tes Zeug­nis davon ab, dass sie genau wis­sen, wer eine poli­ti­sche Mit­ver­ant­wor­tung für die­se Taten trägt – sym­bo­lisch gespro­chen: an wes­sen Hän­den auch ein Teil des zu Würz­burg ver­gos­se­nen Blu­tes klebt?

Details erfährt man aus der neu­en West­pres­se, die sich streng­ge­nom­men aus dem Süden in die inne­ren Ange­le­gen­hei­ten der BRD einmischt.

Selbst­er­nann­te Würz­bur­ger wol­len nun sel­ber „ein Zei­chen set­zen”, als ob das in ihrem Ermes­sen läge! Wie es rich­tig geht, haben stets dienst­be­reit zu Ihrem Wohl die Staats­fun­ker annonciert:

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Wie­der­vor­la­ge:

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Ein Kurz­ab­ste­cher – ich befin­de mich im Bil­de dar­über, dass die For­mu­lie­rung „einen Abste­cher machen” ange­sichts der vie­len aus Afgha­ni­stan, Syri­en, Soma­lia und ande­rer Her­ren, wenn­gleich sel­ten ande­rer Göt­ter Län­der stam­men­den Besu­cher, die die­sem Metier in Kein-schö­ner-Land das aktu­el­le Geprä­ge ver­lei­hen, in mei­nem Mun­de einen Degout hat –, ein Kurz­ab­ste­cher führ­te mich ges­tern nach Bay­reuth. Ich näch­tig­te im Hotel „Rhein­gold” – der Name klingt deut­lich älter, als es ist –, wo sich mir kurz nach der Ankunft fol­gen­der Anblick bot:

Wie der Kun­di­ge weiß, schält sich jenes The­ma als ers­te Bewe­gung aus dem tie­fen Es der Fagot­te und Kon­tra­bäs­se, mit denen das „Rheingold”-Vorspiel anhebt; man nennt es das Natur­mo­tiv, es schil­dert gewis­ser­ma­ßen den Anfang aller Din­ge, und auf dem Bild ist anschau­lich zu sehen, wohin es einst­wei­len geführt hat.

Als ich noch unter den schar­fen Bli­cken der Grenz­schüt­zer Erichs des Ein­zi­gen als ein­ge­mau­er­ter Jung­wag­ne­ria­ner in Ost­ber­lin darb­te, war Bay­reuth ein Sehn­suchts­ort für mich. Die Kas­pe­rei­en der „allen Erns­tes immer noch so genann­ten Opern­re­gis­seu­re” (Eckard Hen­scheid) haben sich nach dem Fall der Mau­er jedoch als ver­läss­li­cher Abwehr­zau­ber erwie­sen, um mich davon abzu­hal­ten, jemals das „Nar­ren­fest des Staats­mu­si­kan­ten Wag­ner” (so nei­disch der Links­ex­tre­mist Karl Marx über den wei­land ungleich erfolg­rei­che­ren Links­ex­tre­mis­ten Wag­ner) zu besu­chen; inzwi­schen haben Mar­xens Erben auch die­je­ni­gen Wag­ners fest im ideo­lo­gi­schen Griff, wes­halb: s.o.

Der ein­gangs erwähn­te Kurz­ab­ste­cher war also mein ers­ter Bay­reuth-Besuch. Das 1876 eröff­ne­te Fest­spiel­haus ist kein sym­pa­thi­scher Bau, prak­tisch das pro­fa­ne Neben­werk des Groß­voll­brin­gers Wag­ner, die Gale­rie für sei­ne Wer­ke – auch bei Aus­stel­lungs­bau­ten für die Bil­den­den Küns­te ist das Innen ja ungleich wich­ti­ger als das Außen –, aber ich war schon ein biss­chen pikiert, dass kei­ne ein­zi­ge Regen­bo­gen­fah­ne dort weh­te wie in den berühm­ten Zwölf Jah­ren und heu­te gern auf den Büh­nen die Haken­kreuz­flag­gen. Dabei hat Wag­ner, der klang­mäch­tigs­te Kün­der der frei­en Lie­be bis in den Inzest, dem Regen­bo­gen die wich­ti­ge, auch musi­ka­lisch ein­drucks­voll unter­mal­te Funk­ti­on zuge­teilt, jene Brü­cke zu bil­den, über wel­che die wei­ßen Göt­ter, die so stark im Bestehen sich wäh­nen, ihrem Ende zueilen.

Dafür hat der Elfer­rat des Fest­spiel­ko­mi­tees – aller­dings, wie mir Freund *** sogleich ver­riet, schon seit zwei oder drei Jah­ren – die im Park des Fest­spiel­hau­ses viel zu lan­ge unbe­hel­ligt bzw. unkom­men­tiert her­um­ste­hen­de Büs­te des Anti­se­mi­ten, Hit­ler-Lieb­lings und ‑Weg­be­rei­ters mit Metall­stell­wän­den umzin­geln las­sen, auf denen jüdi­sche Bay­reuth-Sän­ger, ‑Musi­ker oder ‑Mit­ar­bei­ter samt Kon­ter­fei, Lebens- und Kar­rie­re­da­ten abge­bil­det sind, die nach 1933 ent­we­der ins Exil gehen muss­ten oder von den Natio­nal­so­zia­lis­ten in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger ver­schleppt und zum Teil dort umge­bracht wur­den. Kon­kret sieht das so aus, dass in direk­ter Nähe des Wag­ner-Por­träts die­je­ni­gen jüdi­schen Auf­füh­rer sei­ner Wer­ke ver­sam­melt sind, die von ihrem Arbeit­ge­ber prak­tisch im nach­hin­ein indi­rekt ermor­det wur­den. Inwie­weit das in den Augen der dort Abge­bil­de­ten auf eine unstatt­haf­te nach­träg­li­che Instru­men­ta­li­sie­rung hin­aus­läuft, weil der Kom­po­nist des „Par­si­fal” und des „Rings” ein Kunst-Anar­chist, Pazi­fist und Macht­po­li­tik­ver­äch­ter war, dem Jesus und Bud­dha unend­lich höher stan­den als Fried­rich der Gro­ße, Napo­le­on und erst recht ein Herr Hit­ler, könn­te zu gesin­nungs­ethi­schen Ver­wir­run­gen unter eta­blier­ten Fes­ti­val­be­su­chern füh­ren und muss des­halb unge­stellt bleiben.

Hin und wie­der tau­chen selt­sa­me Per­so­nen dort auf und zweck­ent­frem­den den Ort für mut­wil­lig falsch adres­sier­te Idolatrie.

Ver­hüll­te man die Büs­te mit Regen­bo­gen­fah­nen, schü­fe man ein macht­vol­les Gor­gonei­on gegen sol­che Exzesse!

***

Leser *** weist dar­auf hin, dass die Viel­falts­bo­gen­fah­ne auf der Bay­reu­ther Büh­ne immer­hin bereits gehisst wor­den ist.

Das wirk­lich Meschug­ge an die­ser bär­ti­gen schwar­zen Madame Scho­ko­tor­te besteht dar­in, dass er oder sie ent­we­der nicht imstan­de ist zu erken­nen – oder es fin­giert –, dass er oder sie im „Tann­häu­ser” als Rol­le nicht vor­kommt. Gleich­wohl zieht es unse­re opu­len­te Drag­queen zurück ins Fest­spiel­haus, um dem into­le­ran­ten Publi­kum mit dem Segen der Regie­clowns einen Life­style auf­zu­drän­geln, den es gefäl­ligst zu schlu­cken bzw. tole­rie­ren (= ertra­gen) hat, wenn es sich nicht dem Ver­dacht aus­set­zen will, immer noch jenem nazis­ti­schen, ras­sis­ti­schen, homo­se­xu­el­len- und tran­sen­feind­li­chen Zeit­geist zu hul­di­gen, wel­cher hier bis 1945 off­zi­ell und danach noch lan­ge sub­ku­tan herrschte.

Sei­ner­zeit galt jeden­falls der (von David Irving auf dem Dach­bo­den des Fest­piel­hau­ses gefun­de­ne) Füh­rer­be­fehl, dass schwar­ze Tran­sen in den Kulis­sen eines fin­gier­ten thü­rin­gi­schen 13. Jahr­hun­derts bis zum End­sieg nicht her­um­zu­stö­ckeln haben. Weh­ret den Neuanfängen!

***

Apro­pos: Was treibt eigent­lich Alberich?

So gefähr­lich ist das Corona-Virus!

Dage­gen hilft nur ein Mittel.

Hoho! Hoho!
Nib­lun­gen all,
neigt euch nun Alberich!
Über­all weilt er nun
euch zu bewachen;
Ruh und Rast
ist euch zerronnen;
ihm müßt ihr schaffen,
wo nicht ihr ihn schaut,
wo ihr nicht ihn gewahrt,
seid sei­ner gewärtig!
Unter­tan seid ihr ihm immer!

(Rhein­gold, Drit­te Szene)

***

* Die Sot­ti­se ist übri­gens geklaut. Wer weiß, von wem?

 

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