17. Juli 2021, Flut-Thementag

Am 21. Juli 1804 trat die Ahr über die Ufer. Nach Gewit­ter­re­gen hat­te der Fluss seit Tagen Hoch­was­ser geführt, als sich am näm­li­chen Datum ein erneu­tes Unwet­ter in der Hoch- und Ahrei­fel mit gewal­ti­gen Nie­der­schlä­gen ent­lud. Alle zur Ahr füh­ren­den Neben­flüs­se schwol­len inner­halb kür­zes­ter Zeit stark an. Eine rei­ßen­de Flut­wel­le roll­te durchs Ahrtal.

Das Hoch­was­ser nahm 63 Men­schen das Leben. 129 Wohn­häu­ser, 162 Scheu­nen und Stal­lun­gen, 18 Müh­len, acht Schmie­den und 30 Brü­cken wur­den von den Was­ser­mas­sen weg­ge­ris­sen, wei­te­re 469 Wohn­häu­ser, 234 Scheu­nen und Stäl­le, zwei Müh­len und eine Schmie­de wur­den beschä­digt. 78 Pfer­de und Zugrin­der kamen in den Flu­ten um, Obst­bäu­me wur­den ent­wur­zelt, Wein­ber­ge abge­spült, die gesam­te Ern­te ver­nich­tet. Ein Chro­nist berich­tet: „Man fand in dem ihre Ort­schaf­ten umge­ben­den Gehölz nach­ein­an­der 16 Hoch­was­ser­lei­chen, in den ers­ten vier Tagen allein deren 6, unter ihnen bei Hem­mes­sen die oben­ge­nann­te Ww. Roß­bach aus Mari­en­thal. Die letz­te Lei­che wur­de gemäß dem Kir­chen­buch (kath. Pfarr­ar­chiv Bad Neuen­ahr) erst am 13. Sep­tem­ber ent­deckt und bei­gesetzt. Auch aus den Fried­hö­fen her­aus­ge­ris­se­ne Sär­ge wur­den aufgefangen.”

Ahr­hoch­was­ser 1804. Zeit­ge­nöss­si­sche Lithographie.

Es gab für die Betrof­fe­nen damals Steu­er­sen­kun­gen (sei­tens der fran­zö­si­schen Admi­nis­tra­ti­on). Das kön­nen sie heu­te wohl ver­ges­sen; es müs­sen noch ganz ande­re Flu­ten mit Steu­er­mit­teln weni­ger bekämpft als viel­mehr gespon­sert werden.

Dass Hoch­was­ser im Ahr­ge­biet seit Jahr­hun­der­ten etwas Nor­ma­les, also Men­schen­ge­mach­tes sind – denn sie­del­ten dort kei­ne Men­schen, hät­te es nie­mand je regis­triert –, zeigt die­se Aus­wer­tung his­to­ri­scher Quel­len, die im 14. Jahr­hun­dert anhebt und für deren Über­sen­dung ich Leser *** danke.

Die Mil­lio­närs­clans­sei­ten­strang­gö­re Lui­sa Neu­bau­er, Grü­nen-Mitgliedmimi und sog. „Kima­ak­ti­vis­tin”, die für eine Per­son, die nie gear­bei­tet hat, erstaun­lich spei­oft von sich behaup­tet, sie strei­ke, illus­triert treff­lich Hel­mut Schelskys Buch­ti­tel: „Die Arbeit tun die ande­ren. Klas­sen­kampf und Pries­ter­herr­schaft der Intel­lek­tu­el­len” aus dem Jahr 1977, wobei ich bit­te, den Ter­mi­nus „Intel­lek­tu­el­le” hier und eigent­lich gene­rell cum gra­no salis zu neh­men.

Wir – obgleich sprach­los – rufen zum Hel­fen auf. Danisch bemerkt sehr zu recht, dass sich als Hel­fer immer nur wei­ße und meis­tens älte­re Män­ner bereit­fin­den, gera­de bei Feu­er­wehr und THW, und man dort weder juve­ni­le Hüp­fer noch Grü­nen-Mädels mit Pudel­müt­zen noch Migran­ten oder Tran­sen zu sehen bekommt.

(In dem Tweet ist ein Video ver­linkt, das einen Kon­voi von Land­wir­ten zeigt, die mit ihren Trak­to­ren den Flut­op­fern zu Hil­fe eilen; ich bekom­me es nicht mehr geöff­net, viel­leicht funktioniert’s ja bei Ihnen.)

***

Oder eben so:

***

„Mil­lar­den von Euro wer­den (volks­wirt­scha­lich gese­hen u.a. via höhe­rer Strom­prei­se!) inves­tiert, um den Anteil Deutsch­lands am CO2 Aus­stoß aus fos­si­len Quel­len von 2% auf viel­leicht 1% zu redu­zie­ren. Fra­ge: Wie vie­le Mil­li­ar­den wur­den in den letz­ten Jah­ren in den Hoch­was­ser­schutz vor Ort hier in Deutsch­land investiert?
Han­deln die poli­ti­schen Ver­ant­wort­li­chen nicht nach dem Mot­to: Die Mensch­heit schüt­zen, aber nicht die Menschen?
Ist da nicht eine Ana­lo­gie zu andern The­men zu erkennen?”
(Leser ***)

PS:

(Netz­fund)

PPS: Via Argo Nerd fand ich noch das.

 

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