26. Juli 2021

„Eine libe­ra­le Sexu­al­mo­ral hat, wer sei­ne Sexua­li­tät nicht genie­ßen kann, ehe die gesam­te Gesell­schaft von ihrer Vor­treff­lich­keit über­zeugt ist.”
Arne Kolb

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Mit der Unter­stel­lung von Whata­bou­tism ver­sucht der Lin­ke zu ver­hin­dern, dass sei­ne dop­pel­ten Maß­stä­be the­ma­ti­siert werden.

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Gene­tik = Wis­sen­schaft von der Volksverhetzung.

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„Befrei­en­de Tole­ranz wür­de mit­hin Into­le­ranz gegen­über Bewe­gun­gen von rechts bedeu­ten und Dul­dung von Bewe­gun­gen von links. Was die Reich­wei­te die­ser Tole­ranz und Into­le­ranz angeht, so müß­te sie sich eben­so auf die Ebe­ne des Han­delns erstre­cken wie auf die der Dis­kus­si­on und Pro­pa­gan­da, auf Wor­te wie auf Taten.”
Her­bert Mar­cu­se, „Repres­si­ve Tole­ranz” (1965)

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Mein „Wort an die Jugend” stößt da und dort auf Befrem­den, weil ich einen uns bevor­ste­hen­den neu­en sozia­lis­ti­schen Groß­ver­such ankündige.

Dass mein Kurz­vor­trag sei­ne Adres­sa­ten ver­fehlt, will ich gern glau­ben, aber das hängt wohl eher mit einem Welt­rät­sel namens Auf­merk­sam­keits­span­ne zusam­men. Wer aber Deutsch­land als „markt­ra­di­kal” bezeich­net, ist ent­we­der sel­ber ein Sozia­list oder ein Witz­bold. Ich hat­te die­ses Zitat von Roland Baa­der schon mal gepos­tet, und ich tu’s gern so oft, bis es sitzt:

Es sind die Staa­ten, die heu­te das meis­te Geld umschla­gen, was allein die „Green deal”-Billion der EU zeigt. Wür­de man die zehn reichs­ten Deut­schen ent­eig­nen, wie Lin­ke träu­men, hier mal unter­stellt, deren Besitz läge, wie Lies­chen Mül­ler glaubt, prak­tisch bar im Tre­sor, könn­te Deutsch­land nicht ein­mal zwei Jah­re lang davon die Ren­ten bezah­len und unge­fähr sechs bis sie­ben Jah­re lang für die momen­ta­nen Kos­ten der Migra­ti­on auf­kom­men. Es sind die Staa­ten, die die Men­schen beherr­schen, sie über Steu­ern aus­plün­dern, wie es kein Mon­arch je gewagt hät­te, sie aus­schnüf­feln, zen­sie­ren, bevor­mun­den, in das Gat­ter von  Regeln und Vor­schrif­ten sper­ren, die Zusam­men­set­zung der Bevöl­ke­run­gen ver­än­dern, das Kli­ma „ret­ten” und dafür dem­nächst wei­te­re Ent­eig­nun­gen und Frei­heits­ein­schrän­kun­gen durch­set­zen werden.

Das Phä­no­men des „Mil­li­ar­därs­so­zia­lis­mus” ist nur auf den ers­ten Blick absurd. Ich sage ja in der Anspra­che, dass eine „merk­wür­di­ge Alli­anz aus Rei­chen und Lin­ken” den neu­en und dies­mal mög­lichst glo­ba­len Sozia­lis­mus anstrebt, der natür­lich smar­ter daher­kommt als sein blut­ro­ter Vor­gän­ger und sich als Ret­tung der Mensch­heit vor der Kli­ma­ka­ta­stro­phe, dem Virus der Sai­son, dem Welt­hun­ger, dem Ras­sis­mus der Wei­ßen und der sozia­len Unge­rech­tig­keit aus­gibt. Der Deal läuft so, dass die Groß­un­ter­neh­men sich als Ver­brei­ter und Voll­stre­cker des glo­ba­lis­tisch-ega­li­tä­ren Zeit­geis­tes anbie­ten, Regen­bo­gen­fah­nen his­sen, gegen „rechts” kämp­fen, in ihren Fir­men das gesam­te Diversity‑, Quoten‑, Gender‑, Antidiskrimierungs‑, LBGTI- und Migra­ti­ons­will­kom­mens­ge­döns, irgend­wann viel­leicht auch die tole­ran­te Kan­ti­nen­tren­nung in halal und haram eta­blie­ren – die Com­pli­an­ce-Vor­schrif­ten von Goog­le, Face­book et al. sind ein­drucks­vol­le Bei­spie­le –, und im Gegen­zug von den Lin­ken unbe­hel­ligt ihre Geschäf­te machen kön­nen. Die Lin­ken wie­der­um wol­len den Kapi­ta­lis­mus nicht mehr abschaf­fen, son­dern bewirt­schaf­ten und sich so einen mög­lichst gro­ßen Teil an der Steu­er­beu­te sichern.

Ich habe fer­ner aus­ge­führt, dass Sozia­lis­mus bedeu­tet, die Ent­wick­lung der Gesell­schaft für plan­bar zu hal­ten, wor­aus folgt, dass man, wie der bedeu­ten­de Sozia­list A. Hit­ler erklär­te, die Unter­neh­men nicht ent­eig­nen, son­dern nur an die Kan­da­re neh­men, vor allem aber die Men­schen von Kinds­bei­nen an staat­lich sozia­li­sie­ren muss. Auch die heu­ti­gen Mana­ger und Unter­neh­mens­füh­rer vom Schla­ge eines Josef Käser sind in der Zeit­geist­brü­he gegart wor­den und spie­len brav mit; sie kön­nen und wür­den es gar nicht wagen, sich gegen den staat­lich insze­nier­ten Gesin­nungs­ter­ror der soge­nann­ten Zivil­ge­sell­schaft zu wen­den. Nicht nur Pro­fes­so­ren, Poli­ti­kern, Publi­zis­ten oder Künst­lern droht das Kar­rie­re­en­de beim ers­ten fal­schen Satz – mit­un­ter reicht ein Wort; stel­len Sie sich vor, irgend­ein Dar­ling der Medi­en wür­de das Wort „Neger” aus­spre­chen und nicht nur „repro­du­zie­ren” …

… oder sich mit eini­gen Posi­tio­nen der AfD ein­ver­stan­den erklä­ren –, auch ein Mana­ger ver­lö­re dafür im Nu sei­nen Job und ver­schwän­de von den Ein­la­dungs­lis­ten der Schi­cke­ria. (In einem gewis­sen Sin­ne ist es sogar logisch, dass in eine Gesell­schaft, die retri­ba­li­siert wird, auch das magi­sche Den­ken zurück­kehrt, das auf fal­sche Wor­te mit tot­emis­ti­schem Aber­glau­ben reagiert, aber das ist eine ande­re Geschich­te.) Aller­dings sit­zen Mana­ger nicht zufäl­lig dort, wo sie sit­zen, die wis­sen genau, wem und wann sie zu parie­ren haben. Das mar­xis­ti­sche Basis-Theo­rem, die Wirt­schaft sei der Hund, der mit dem Schwanz Poli­tik wackelt, muss heu­te wohl vom Wirt­schafts­schwanz auf die poli­ti­schen Hund­s­bei­ne gestellt wer­den, wie Marx sinn­ge­mäß ein­mal über Hegel zuerst zu Engels sag­te und dann zu Papier brach­te. Wobei die Ver­net­zun­gen und Ver­flech­tun­gen es natür­lich kaum zulas­sen, eine kla­re Trenn­li­nie zu zeichnen.

Sozia­lis­ten stel­len sol­che Fragen:

Für fre­che Gegen­fra­gen­de ist die cou­ra­gier­te Zivil­ge­sell­schaft zustän­dig. Merke:
„Wo’s der Denun­zi­ant zum Held schafft,
Da blüht die Zivilgesellschaft.”
(Marc Pommerening)

Gege­be­nen­falls selek­tiert die Poli­zei pro­phy­lak­tisch mit.

Ich mei­ne, man wird nach den Medi­en, GOs, Kir­chen, Thea­tern und Uni­ver­si­tä­ten auch die Unter­neh­men künf­tig in die Bekämp­fung von Staats­fein­den ein­bin­den. Damit deren Len­ker sogar dann folg­sam mit­tun, wenn es öko­no­misch absurd wird, springt bei poli­tisch erwünsch­ten Don­qui­chot­te­rien wie der Ener­gie­wen­de der Staat mit Sub­ven­tio­nen ein. Von Grün bis Daim­ler, von Hum­boldt-Uni bis WDR füh­len sich alle edel hilf­reich und gut, und… –

Es reicht. Ich habe das oft genug aus­ge­führt. Glau­ben Sie, was Sie wollen.

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Noch zum Vorigen.

„Ange­la Mer­kel, die Noch-Kanz­le­rin rühmt sich in ihrem ‚letz­ten Som­mer­inter­view’, die Zahl der Arbeits­lo­sen von 5 Mio auf 3 Mio zurück­ge­führt zu haben. Das hat sie unter ande­rem dadurch geschafft, dass sie eine funk­tio­nie­ren­de Elek­tri­zi­täts­in­dus­trie abge­baut und eine nicht funk­tio­nie­ren­de auf­ge­baut hat. Das ist DDR-Wirt­schafts­dok­trin. Einen Hau­fen Sand von einer Ecke in die ande­re umzu­schau­feln. Von den Jour­na­lis­ten fass­te kei­ner nach, und die AfD sam­melt Geld für Flut­op­fer, die Sache der Swing-Sta­tes NRW und RP sind. Gezahlt haben dafür ver­mut­lich die Alten und die Kin­der mit ihrer Armut.”
(Leser ***)

***

Mit­un­ter gelan­gen auch Lin­ke zu Ein­sich­ten, wenn­gleich ihnen der blin­de Gesin­nungs­fleck oft die Erkennt­nis ver­wehrt, für wel­che Fäl­le sie noch zutreffen.

***

In einem Ham­bur­ger Wochen­pe­ri­odi­kum erfüll­te eine Autorin die in Zeit­geist­flitt­chen gesetz­ten Erwar­tun­gen wahr­schein­lich sogar über, indem sie behaup­te­te, sie fän­de Gen­der-Stern­chen schön. Schön­heit als Kri­te­ri­um ist in die­sen Krei­sen argu­men­ta­ti­ves Neu­land; die Beru­fung auf das Schö­ne galt den Lin­ken, Pro­gres­sis­ten und Eman­zi­pa­ti­ons­ver­hei­ßern stets als etwas Reak­tio­nä­res, jeden­falls Rück­schlä­gi­ges, als fal­sches Bewusst­sein, spieß­bür­ger­li­che Ver­zü­ckung, Ablen­kung vom Klas­sen- bzw. Geschlech­ter­kampf und weiß die Geierin was noch alles. Aber war­um nicht kur­zer­hand das Häss­li­che für schön erklä­ren, wie es ja schon bei neu­en weib­li­chen Ton­na­ge-Models für Bade­be­klei­dung prak­ti­ziert wird? Wo ohne­hin alles in sein Gegen­teil ver­dreht wird, im Satans­reich der Diver­si­ty – Dia­bo­los ist der „Ver­wir­rer” –, ist es nur fol­ge­rich­tig, die Gen­der­spra­che wegen ihrer Schön­heit zu preisen.

Mei­nen Sie, dass sich in Stadt­ver­wal­tun­gen, Uni­ver­si­tä­ten oder Unter­neh­men­s­chef­eta­gen ernst­haf­ter Wider­stand regen wird, wenn ein hin­rei­chend gro­ßer Stra­ßen- und Netz­mob mit grü­nem par­la­me­ta­ri­schen Begleit­ge­plärr for­dert, künf­tig müs­se offi­zi­ell so geschrie­ben werden?

PS: Freund *** macht mich auf eine grü­ne Schön­fär­bungs­pio­nie­rin bzw. ‑pio­nier­lei­te­rin auf­merk­sam, die schon anno 2015 mitteilte:

Am schöns­ten und fast so anmu­tig wie Frau Kot­ting-Uhl sind die Stahl­be­ton­fun­da­men­te der Wind­rä­der, die übri­gens im Boden ver­blei­ben, wenn die schö­ne Müh­le ver­schrot­tet wird, weil sie schwer wie­der zu ent­fer­nen sind; so viel Land­schafts­ver­sie­ge­lung kann ein from­mer Grü­ner schon tolerieren.

Ich fin­de übri­gens Atom­kraft­wer­ke wunderschön.

***

Aber frei. Eine typi­sche Zweit­klas­si­gen-Eigen­schaft. Nun wähle!

***

Was gibt es Posi­ti­ves, Genosse?

Ich dan­ke Leser *** für die Zusen­dung des lei­der etwas unscharf abfo­to­gra­fier­ten Aus­zugs. Mit dem ich über­lei­ten möch­te aufs wirk­lich Posi­ti­ve. Die Zeit teilt mit:

O weh, o weh, wie rührt mich dies …

 

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