Intelligenzpresse

Im Arti­kel der FAZ über die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung…

… fabri­ziert der Ver­fas­ser, augen­schein­lich „ein nor­ma­les Pro­dukt unse­res staat­li­chen Unter­richts” (so Bis­marck im ers­ten Satz sei­ner Auto­bio­gra­phie über sich selbst), die fol­gen­de latent wit­zi­ge Passage:

Offen­kun­dig ist der Jour­na­list nicht der Ansicht, dass die­ser Staat 1871 gegrün­det wor­den ist, und ich wet­te, dass Mer­kel, Pahl-Rugen­stein­mei­er, 80 Pro­zent der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und 95 Pro­zent der Press­ben­gel bzw. ‑maderl das ähn­lich sehen.

Tja. Da skiz­ziert wohl jemand sein Geschichtsbild.

 

PS: „Ich möch­te Sie nur dar­auf auf­merk­sam machen, dass ‚die­ser Staat’ genau genom­men nicht 1871, son­dern 1867 gegrün­det wor­den ist, und zwar unter dem Namen ‚Nord­deut­scher Bund’ ”, schreibt Leser ***. „Der Nord­deut­sche Bund war – im Gegen­satz zu sei­nem unmit­tel­ba­ren Vor­gän­ger, dem Deut­schen Bund – ein Bun­des­staat und als sol­cher ein Sub­jekt des Völ­ker­rechts. Die­ser Staat, der 1870/71 durch den Bei­tritt der süd­deut­schen Län­der Baden, Bay­ern, Hes­sen-Darm­stadt und Würt­tem­berg ver­grö­ßert wur­de, erhielt dann den Namen ‚Deut­sches Reich’.

Es wird übri­gens immer geschrie­ben und gesagt, Frank­reich habe 1870 Preu­ßen den Krieg erklärt. Ich habe es bis jetzt nicht klä­ren kön­nen, aber ich hal­te die fran­zö­si­sche Diplo­ma­tie des Jah­res 1870 für aus­rei­chend fähig zu erken­nen, dass man einem Glied­staat eines Bun­des­staa­tes (wenn auch dem bei wei­tem größ­ten) völ­ker­recht­lich nicht den Krieg erklä­ren kann. Die wer­den die Erklä­rung schon dem König von Preu­ßen zuge­stellt haben, aber eben in sei­ner Funk­ti­on als ‚Prä­si­di­um des Nord­deut­schen Bundes’.”

PPS: „Mir liegt der Ori­gi­nal­text der fran­zö­si­schen Kriegs­er­klä­rung von 1870 auch nicht vor (mehr noch: er scheint in den Tie­fen des Inter­net unauf­find­bar)”, ergänzt Leser ***, „doch ist in allen zeit­ge­nös­si­schen Ver­laut­ba­run­gen, Extra­blät­tern und Wand­an­schlä­gen bei­der Sei­ten stets nur von der Kriegs­er­klä­rung an Preu­ßen die Rede. Dass die fran­zö­si­sche Diplo­ma­tie in der Tat zu allem mög­li­chen fähig war, war ja 1870 bereits wie­der­holt bewie­sen, ins­be­son­de­re zeich­ne­te sie vor­her wie nach­her eine über­heb­li­che Wei­ge­rung aus, uner­wünsch­te Rea­li­tä­ten zur Kennt­nis zu neh­men. So liegt es abso­lut im Bereich des Wahr­schein­li­chen, dass sie sich kein biss­chen um die Exis­tenz eines Nord­deut­schen Bun­des scher­te oder sich gar Gedan­ken um des­sen völ­ker­recht­li­chen Sta­tus machte.

Der Krieg von 1870 begann ja auch nicht als Volks­krieg, son­dern als Dynas­ti­en­hän­del, dem letz­ten in Euro­pa, und die fran­zö­si­sche Regie­rung rech­ne­te dar­um fest damit, dass sich die ande­ren deut­schen Staa­ten zumin­dest neu­tral ver­hal­ten wür­den, wenn nicht gar auf die Sei­te Frank­reichs schla­gen, weil man Preu­ßen ja has­sen und Frank­reich lie­ben muss. Paris befand sich in einem Zustand selbst­ver­liebt-fieb­ri­ger Ver­ken­nung des eige­nen Poten­ti­als und des­je­ni­gen des mög­li­chen Geg­ners – also auch nicht anders, als es heut­zu­ta­ge in Ber­lin oder Brüs­sel geschieht.”
PPPS: Leser *** sekun­diert sei­nem Vor­red­ner. „Der Reichs­tag war das demo­kra­ti­sche und unita­ri­sche Organ des Nord­deut­schen Bun­des, das gleich­be­rech­tigt mit dem Bun­des­rat an der Gesetz­ge­bung des Bun­des mit­wirk­te. Der Reichs­tag war frei­lich kein Voll­par­la­ment, da er von ande­ren Staats­or­ga­nen abhän­gig war und kei­ne umfas­sen­den Kon­troll­rech­te über die Regie­rung hat­te. Der Reichs­tag hat­te auch nicht das Recht der Selbst­ver­samm­lung. Es stand nur dem König von Preu­ßen zu, den Reichs­tag ein­zu­be­ru­fen, zu eröff­nen, zu ver­ta­gen und zu schlie­ßen. … Dem Reichs­tag stand auch kein all­ge­mei­ner Geneh­mi­gungs­vor­be­halt für völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge zu, son­dern nur zu Gegen­stän­den, für die der Bund das Recht der Gesetz­ge­bung hat­te (Ver­fas­sung des Nord­deut­schen Bun­des von 1867).

Auch nach der Grün­dung des Nord­deut­schen Bun­des 1867 behiel­ten die ver­bun­de­nen Glied­staa­ten das Recht, eige­ne Gesandt­schaf­ten im Aus­land zu unter­hal­ten und Gesand­te (Bot­schaf­ter) ande­rer Län­der zu emp­fan­gen. Anfang 1870 wur­de das preu­ßi­sche Aus­wär­ti­ge Amt zum Aus­wär­ti­gen Amt des Nord­deut­schen Bun­des erhoben.

Fakt ist: Der Kai­ser Napo­le­on III. erklärt als Sou­ve­rän Frank­reichs dem König Wil­helm I. als Sou­ve­rän Preu­ßens den Krieg. Und das war völ­ker­recht­lich völ­lig in Ord­nung. Der Nord­deut­sche Bund war ein Bund der Sou­ve­rä­ne (der regie­ren­den Mon­ar­chen) und nicht ein Bund par­la­men­ta­risch regier­ter unsou­ve­rä­ner Län­der, Dépar­te­ments oder Land­schaf­ten (eine ‚Bun­des­re­pu­blik’ oder gar eine ‚Volks­re­pu­blik’).”

 

PPPPS: Leser *** wie­der­um macht sich tief­sin­ni­ge Gedan­ken dar­über, ob aus der Rechts­iden­ti­tät von Kai­ser­reich und Bun­des­re­pu­blik über­haupt etwas folgt, und schreibt:

„Wenn wir uns nun also dar­an erin­nern, dass unse­re staat­li­che Tra­di­ti­on viel län­ger zurück­reicht als nur bis 1949, so ist das schön und gut. Jedoch erscheint es mir heut­zu­ta­ge als nicht mehr als eben eine juris­ti­sche Spitz­fin­dig­keit. Man darf nicht ver­ges­sen: Das Recht ist ein Spie­gel der Wirk­lich­keit, und das Abson­der­li­che an den soge­nann­ten Reichs­bür­gern ist ja, dass sie sich offen­bar vor­stel­len, eine ande­re Wirk­lich­keit trä­te ein, wenn sich die Fort­exis­tenz des Deut­schen Rei­ches nur end­lich weit genug herumspräche.
Die ‚Tat­sa­che’ der Fort­exis­tenz des Deut­schen Rei­ches ist nichts ande­res als eine juris­ti­sche Inter­pre­ta­ti­on der Ereig­nis­se nach 1945. Das The­ma hat (abge­se­hen von rein tech­ni­schen Fra­gen des Völ­ker­rechts oder bei­spiels­wei­se des deut­schen Beam­ten­rechts) in etwa die glei­che Rele­vanz wie die Fra­gen, ob das Ermäch­ti­gungs­ge­setz vom 24. März 1933 ver­fas­sungs­kon­form zustan­de kam, ob es als sol­ches über­haupt ver­fas­sungs­ge­mäß war, ob Hit­ler sich nach Hin­den­burgs Tod sel­ber zum Reichs­prä­si­den­ten erklä­ren ‚durf­te’, ob Karl Dönitz kraft Ernen­nung durch Hit­ler ‚recht­mä­ßi­ger’ Reichs­prä­si­dent war oder ob viel­leicht die von der Regie­rung Hit­ler erlas­se­nen Geset­ze alle­samt nich­tig waren.

Rechts­kon­ti­nui­tät ist wert­los, wenn das Recht zwar for­mell fort­ge­schrie­ben, inhalt­lich aber radi­kal umge­deu­tet wird, und genau das erle­ben wir zur Zeit. Es tut dann nichts zur Sache, in wel­chem Staat wir ‚eigent­lich’ leben und wann er gegrün­det wur­de. Das gilt inzwi­schen selbst für den Staat des Grund­ge­set­zes, des­sen ‚ech­te’ Grün­dung auf 1968 ver­legt wird; die zwan­zig Jah­re davor erklärt man kalt­schnäu­zig zur ‚faschis­ti­schen Restauration’.

Wenn sich aus den Daten 1871, 1919, 1949, 1989 usw. und allen mit ihnen zusam­men­hän­gen­den Gescheh­nis­sen und Ideen irgend­et­was für unser heu­ti­ges öffent­li­ches und pri­va­tes Leben schlie­ßen lässt, so tun die Deut­schen des Jah­res 2021 nach Kräf­ten alles, um die­sen Schluss ver­ächt­lich zu machen und sich wie­der ein­mal einen ganz ande­ren Staat zu erschaf­fen. Da wirkt es doch wie Hohn, die­sen Staat mit dem Öl stol­zer Geschich­te zu sal­ben, er sei noch der Staat von 1871.”

Last but not least:
„Es geht doch nicht um eine theo­re­ti­sche Rechts­kon­ti­nui­tät, um eine ‚gefühl­te’ Geschich­te, son­dern um die kon­kre­ten Fol­gen”, meint Leser ***. „Wenn ich das The­ma Reichs­bür­ger rich­tig ver­ste­he, geht es um den Sta­tus des Ist­zu­stan­des. Der Ist­zu­stand ist Besetz­tes Land/ Okku­pa­ti­ons­sta­tus = kein Frie­dens­ver­trag = kei­ne Anwen­dung Wie­der­ver­ei­ni­gungs­ge­bot im GG. Dem­zu­fol­ge könn­ten die Besat­zungs­mäch­te jeder­zeit ihr Recht durch­set­zen, selbst wenn dadurch die bestehen­de Betriebs­form des Lan­des dele­gi­ti­miert wird.  Nur dar­aus resul­tie­ren die Über­le­gun­gen, wann es zum letz­ten Mal eine Ver­fas­sung gab.
Des­halb ist Rechts­kon­ti­nui­tät nicht wert­los. Kein Fest­hal­ten an der Wahr­heit und am Recht ist wert­los. Es ist nur eine Fra­ge des Zeit­rau­mes. So Gott will, wer­den wir noch Grund zur Freu­de haben.”
Was wie­der­um einen Staats­an­walt auf den Plan ruft, der den letz­ten Ein­trag „nicht unwi­der­spro­chen” las­sen mag und schreibt: „Die Sache ver­hält sich so:
• Die Ent­schei­dung des BVerfG zur Iden­ti­tät der BRD mit dem Deut­schen Reich ab 1871 (bzw. 1867) erging ja bekannt­lich zum ‚Grund­la­gen­ver­trag’ von 1972/73 und schuf kla­re Ver­hält­nis­se nach innen wie nach außen. Vor allem wur­de der DDR die­se Iden­ti­tät abge­spro­chen – was von ihre auch selbst so gese­hen wur­de. Immer­hin hat die Bun­des­re­pu­blik als Iden­ti­täts­fort­set­zung des Deut­schen Reichs brav und kor­rekt die Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen aus dem Art. 231 des Ver­sail­ler ‚Frie­dens­ver­trags’ von 1919 wei­ter bedient, bis die­se im Jahr 2010 getilgt waren. Wäre die BRD nicht staats­iden­tisch mit dem Deut­schen Reich, wären die Schul­den zusam­men mit dem Schuld­ner untergegangen.
• Auch sonst hat die BRD in ihrer Gründungsurkunde – dem Grund­ge­setz – 1949 mit Art. 123 GG die inne­ren und  äuße­ren Rechts­po­si­tio­nen, Ver­trä­ge und Geset­ze des Deut­schen Reichs als für sich ver­bind­lich aner­kannt (soweit mit dem GG selbst ver­ein­bar). Nur des­we­gen sind die Kir­chen wei­ter­hin Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts und der Staat zieht Steu­ern für sie ein. Grund­la­ge sind die Staats­ver­trä­ge und Kon­kor­da­te aus der Vor­kriegs­zeit, die in die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (Art. 136 – 141 WV) ein­ge­flos­sen sind und kraft Art. 140 GG ins Grund­ge­setz übernommen wurden.
• Ganz ent­schei­dend und vom Leser­bei­trag offen­bar völ­lig übersehen oder zumin­dest unter­schätzt ist die Staats­form als Bun­des­staat. Die Exis­tenz der Län­der ist die staats­bil­den­de Grund­la­ge bis heu­te. Selbst in der NS-Zeit wur­den sie nicht abge­schafft, son­dern ’nur’ ent­mach­tet. Ledig­lich Preu­ßen wur­de auf­ge­löst, aller­dings nicht in der NS-Zeit, son­dern nach der Kapi­tu­la­ti­on von den Alli­ier­ten durch das Kon­troll­rats­ge­setz Nr. 46 vom 25. Febru­ar 1947. Auch wis­sen zum Bei­spiel zumin­dest alle Kreuz­wort­rät­sel­ken­ner, dass der ältes­te kon­ti­nu­ier­lich noch bestehen­de Staat in Euro­pa nicht etwa Frank­reich ist, son­dern der Frei­staat Bay­ern. (Wobei es egal ist, ob man die Gründung bei den Mero­win­gern im Jahr 555 n.C. ansetzt oder erst und spä­tes­tens bei den Wit­tels­ba­chern 1180 n.C., und ob man Frank­reich schon 1226 mit Einführung der Erb­mon­ar­chie als Staat betrach­tet oder erst nach dem 100jährigen Krieg mit Eng­land 1453.) Aller­dings fin­det die Ent­mach­tung der Län­der und damit die Abschaf­fung des Föde­ra­lis­mus seit der Ära Schrö­der auf kal­tem Wege, näm­lich über die Finan­zie­rung von Län­der­auf­ga­ben statt. Mer­kel setz­te bis­lang den Höhe­punkt, indem sie letz­tes Frühjahr die Rückgängigmachung einer Minis­ter­prä­si­den­ten­wahl anord­ne­te. Bezeich­nend ist, dass das BVerfG trotz einer sofort erho­be­nen Organ­kla­ge der grö­ten Oppo­si­ti­ons­par­tei bis heu­te nicht ent­schied und sich statt des­sen in vol­ler Stär­ke von der Beklag­ten zum gemein­sa­men Arbeits­es­sen ein­la­den ließ.
• Es könn­te jedes der 16 deut­schen Län­der aus der Bun­des­re­pu­blik auch wie­der aus­tre­ten. Aus der Sicht des Grund­ge­set­zes wäre dies aller­dings unzu­läs­sig und würde einen Staats­streich dar­stel­len, der im Fal­le der Gewalt­an­wen­dung auch als
Hoch­ver­rat nach §§ 81, 82 StGB straf­bar wäre. And­rer­seits stünde zumin­dest Bay­ern im Fal­le einer Sezes­si­on unverzüglich und unmit­tel­bar unter dem völ­ker­recht­li­chen Schutz der UNO, weil es vom Selbst­be­stim­mungs­recht der Völ­ker nach Arti­kel 1 Zif­fer 2 der UN-Char­ta Gebrauch machen würde. Pikan­ter­wei­se ist die BRD ja selbst die­ser Char­ta bei­getre­ten, könn­te sich also kaum auf den Stand­punkt stel­len, dass die­se Bestim­mung nicht auch für sie selbst gilt. Wer weiß, viel­leicht kommt es noch zu die­ser Opti­on. Die UNO könn­te also sogar Trup­pen zur Unterstützung der Bay­ern ent­sen­den, wie vor 30 Jah­ren in Jugoslawien.
• Die Staats­iden­ti­tät lei­tet sich aus der all­ge­mein aner­kann­ten Defi­ni­ti­on eines Staa­tes im staats- und völ­ker­recht­li­chen Sin­ne ab: Staats­volk – Staats­ge­biet – Staats­ge­walt. Aus die­sem Grund bil­den Kur­den und fah­ren­de Völ­ker kei­nen Staat, son­dern genie­ßen inner­halb der von ihnen bewohn­ten Staa­ten Min­der­hei­ten­sta­tus. Die Juden haben erst seit der Gründung Isra­els einen Staat. Das Deut­sche Reich hat mit der Kapi­tu­la­ti­on 1945 sei­ne Staats­ge­walt voll­stän­dig an die Alli­ier­ten abge­ge­ben. Und zwar nicht nur die  äuße­re, also mili­tä­ri­sche, son­dern auch die kom­plet­te inne­re, also Legis­la­ti­ve, Exe­ku­ti­ve und Judi­ka­ti­ve. Sie
setz­ten dazu ihre Kon­troll­rä­te ein. Exe­ku­ti­ve und Juris­dik­ti­on wur­den rela­tiv zügig wie­der zurückgegeben, regiert wur­de mit den sog. Kon­troll­rats­ge­set­zen. Über Art. 123 GG ist die Nr. 35 noch heu­te gültig, die übrigen wur­den 2007 in Bun­des- und Lan­des­recht überführt. Hat man das Prin­zip der Staats­ge­walt ein­mal begrif­fen, wird einem auch klar, was für einen debi­len Unfug die ‚Reichsbürger’ von sich geben.
• Dazu gehört auch die Mär vom Frie­dens­ver­trag. Die­se beruht auf der eben­so schlich­ten wie fal­schen Prä­mis­se, dass Kriegs­zu­stän­de nur durch Frie­dens­ver­trä­ge been­det wer­den könn­ten. Nach die­ser Logik kön­nen auch Krie­ge nur durch Kriegs­er­klä­run­gen begon­nen wer­den. Danach wäre der Ruß­land­feld­zug von 1941ff. auch kein Krieg gewe­sen, son­dern eine ille­ga­le Unter­neh­mung, die von der UdSSR letzt­lich erfolg­reich abge­wehrt wur­de. Auch der gesam­te Bal­kan- und Afri­ka­feld­zug ver­lief ohne Kriegs­er­klä­rung. Wo wäre also das Pro­blem ? Guckt man übrigens etwas in die Geschich­te, wird man fest­stel­len, dass eigent­lich nur dynas­ti­sche Krie­ge in Frie­dens­ver­trä­ge mündeten. Weil es dort von vor­ne­her­ein um Geben und Neh­men ging. Sons­ti­ge Krie­ge, auch die nach dem WK II – so der Korea- und der Viet­nam­krieg sowie die Golf­krie­ge – führten kei­nes­wegs zu Frie­dens­ver­trä­gen. Trotz­dem kommt kei­ner auf die Idee zu behaup­ten, dort sei­en die Kriegs­zu­stän­de nicht been­det. Die im genann­ten Bei­trag auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, ob aus der Rechts­iden­ti­tät von Kai­ser­reich und Bun­des­re­pu­blik überhaupt etwas folgt, hal­te ich damit für beantwortet.”
Natür­lich muss ich jetzt mosern: Inter pacem et bel­lum nihil medi­um. Die Pax Ame­ri­ca­na hat den Frie­dens­schluss zwi­schen sou­ve­rä­nen Staa­ten abge­schafft und durch ein von den USA bestimm­tes Ver­hält­nis ersetzt; über­all wo sie sieg­ten, hin­ter­lie­ßen die Amis Trup­pen und Stütz­punk­te, also mehr oder min­der stark besetz­te, in macht­tek­to­ni­sche Abhän­gig­keit gebrach­te Län­der, aber kei­ne Frie­den­ver­trä­ge. Für die­se Fest­stel­lung ist es völ­lig egal, wenn ein Land sich frei­wil­lig und mit Eifer als USA-Satrap spreizt, es ist objek­tiv ein Satra­pen­staat. Da die Pax Ame­ri­ca­na aber gera­de im Zer­fall begrif­fen ist, las­se ich’s hier­mit bewen­den. Man­che wer­den sich nach ihr zurücksehnen.
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