15. August 2021

„X hat die Gren­zen des Sag­ba­ren über­schrit­ten”? No bor­ders! Gegen Abschot­tung! Kein Wort ist illegal!

***

Ich ken­ne Leu­te, die zugleich für unbe­schränk­te Abtrei­bung und indi­rek­ten Impf­zwang sind und dar­in offen­bar kei­nen Wider­spruch sehen.

***

Eine Woche Sylt, eine Woche Coro­na-Deli­ri­um. Im Zug von Ham­burg nach Wes­ter­land erklärt der Bis­tro-Mit­ar­bei­ter einem Gast, er dür­fe ihm das Essen nicht am Tisch ser­vie­ren, er müs­se es auf einem (zufäl­lig & gott­lob lee­ren) Nach­bar­tisch abstel­len, und erst wenn er sich ent­fernt habe, dür­fe der Pas­sa­gier sei­ne Mahl­zeit in Besitz neh­men. In Wes­ter­land ste­hen an den Ein­gän­gen von Hotels und Geschäf­ten Kame­ra­screens, die jeden fil­men, der hin­ein­ge­hen will, und sofort zu mosern begin­nen, wenn die Mas­ke fehlt oder bloß nicht rich­tig sitzt.

Unge­impf­te Hotel­gäs­te sind gehal­ten, sich alle 24 Stun­den zu tes­ten, Kin­der inbe­grif­fen. Vor allen Restau­rants ste­hen Schlan­gen. Besu­cher müs­sen nach­wei­sen, dass sie gene­sen, getes­tet oder geimpft sind. Ein Lokal in den Dünen ver­wehrt den Zutritt – auf die Ter­ras­se! –, weil der Test des Jüngs­ten einen hal­ben Tag zu alt ist. Am Ein­gang eines Cafés in Hör­num, der mit einem Seil abge­sperrt ist und hin­ter dem der noto­ri­sche Hin­weis auf „die drei Gs” (Gene­se­ne, Geimpf­te, Getes­te­te) und die insel­weit ver­bind­li­che Luca-App prangt, ent­spinnt sich fol­gen­der sur­rea­ler Dia­log zwi­schen dem Per­so­nal und einer Familie.
Frau: Wir möch­ten gern Kaf­fee und Kuchen.
Kell­ner: Das geht nicht, wir haben kei­nen Platz. (Auf der Ter­ras­se ste­hen fast nur unbe­setz­te Tische.)
Frau: War­um nicht? Dort ist doch alles frei.
Kell­ner: Die­se Plät­ze kön­nen wir nicht benutzen.
Frau: Warum?
Kell­ner: Wegen der Corona-Vorschriften.
Frau (auf einen Tisch unterm Vor­dach zei­gend): Und dür­fen wir den benutzen?
Kell­ner: Ja. Haben Sie Ihren Impf­pass oder Test dabei?
Frau zeigt ihren Impf­pass und darf pas­sie­ren. Mann erklärt spöt­tisch, er habe sogar einen Ari­er­nach­weis, prä­sen­tiert sei­ne Gene­se­nen­be­schei­ni­gung und darf auch hin­ein. Der Sohn, Teen­ager, hat sei­nen Impf­pass im Hotel ver­ges­sen und wird trotz Anru­fung star­ker Eides­hel­fer nicht an den Tisch gelas­sen („Tre­ten Sie zurück!”), wes­halb die Anhö­rung des zwei­ten Soh­nes ent­fällt, denn Mann und Frau wen­den sich zum Gehen.
Frau: Darf ich wenigs­tens zur Toilette?
Kell­ner: Haben Sie die Luca-App?
Frau: Nein, die habe ich nicht.
Kell­ner: Dann kön­nen Sie lei­der nicht zur Toilette.
Frau: Ich muss Ihnen wohl eine schlech­te Bewer­tung schreiben.
Kell­ner: Wenn Sie das tun, dür­fen Sie erst recht nicht auf die Toi­let­te. Außer­dem lesen wir das sowie­so nicht.

Ich weiß nicht, ob der Pro­tes­tan­tis­mus der Grund ist, der sprö­de Nord­mensch als sol­cher, der stän­di­ge, ener­vie­ren­de Wind oder die regio­na­le Admi­nis­tra­ti­on, jeden­falls habe ich auf Sylt das bis­lang bescheu­erts­te Coro­na-Regime über­haupt erlebt, gera­de vor dem Hin­ter­grund, dass anders­wo gar kei­nes herrscht und Fol­gen nicht mess­bar sind.

Natür­lich gab es auch löb­li­che Aus­nah­men, und eini­ge Gas­tro­no­men ver­si­cher­ten seuf­zend, sie gehorch­ten nur dem Zwang, die Behör­den sei­en hier sehr schnell mit Schlie­ßun­gen wegen Regel­ver­stö­ßen. Im benach­bar­ten Däne­mark hat die Regie­rung der­weil ange­kün­digt, dass sämt­li­che Ein­schrän­kun­gen im Herbst fal­len wer­den, Schwe­den hat erst gar kei­ne ein­ge­führt, Russ­land eben­falls nicht, in der Schweiz geht es ver­gleichs­wei­se locker zu, bei den Ost­eu­ro­pä­ern bestimmt auch. In Frank­reich regt sich immer stär­ke­rer Pro­test, lan­des­ty­pi­scher­wei­se auf der Stra­ße. Aber der bra­ve Deut­sche blüht auf, wenn er sei­nen Mit­mi­chels Vor­schrif­ten machen, wenn er sie kon­trol­lie­ren und gege­be­nen­falls kujo­nie­ren darf.

***

***

Jemand sag­te: „Vegan, Regen­bo­gen, Kli­ma­ret­ter, Diver­si­ty-Anhän­ger, Mas­ken­tra­gen im Frei­en – das gibt es bei einem Men­schen fast immer im Paket.”

***

Ham­burg, Haupt­bahn­hof. Noch bes­ser wür­den sich sol­che Schil­der an der Gren­ze ausnehmen.

***

Wo war das Kli­ma eigent­lich, bevor es außer Kon­trol­le geriet?

***

Für die USA sind die „Men­schen­rech­te” ein belieb­ter Vor­wand, um sich in die inne­ren Ange­le­gen­hei­ten ande­rer Län­der ein­zu­mi­schen. Doch gründ­li­cher kann die hoch­her­zi­ge Legen­de von „Demo­kra­tie­ex­port” oder „Nati­on Buil­ding” nicht dekon­stru­iert wer­den, als durch die unglaub­li­che Geschwin­dig­keit und Wider­stands­lo­sig­keit, mit der Afgha­ni­stan nach dem Rück­zug der Ame­ri­ka­ner und ihrer Ver­bün­de­ten den Tali­ban in die Hän­de fällt. Bin­nen weni­ger Tage wird die zwan­zig­jäh­ri­ge Anwe­sen­heit frem­der Trup­pen voll­kom­men annu­liert. Die­se Rück­erobe­rung des Lan­des erin­nert wohl nicht nur die From­men an die Sie­ges­zü­ge der ers­ten Kalifen.

(Netz­fund)

Wenn es so ein­fach geht, dann wird der Tri­umph der Got­tes­krie­ger offen­bar von der Mehr­heit des afgha­ni­schen Demos begrüßt. Dann ist das eben so. Am Hin­du­kusch ist die Idee, man kön­ne die west­li­chen Lebens­art in jeden Teil der Erde expor­tie­ren, noch kra­chen­der geschei­tert als in Nord­afri­ka. Die soge­nann­ten west­li­chen Wer­te sind nicht uni­ver­sell. Der Glau­be, ande­re woll­ten so sein wie wir, ist nicht nur grö­ßen­wahn­sin­nig, son­dern er zeugt von einer Gering­schät­zung des Ande­ren, die frem­den­feind­li­cher ist als jeder Skin­head. Es gibt maria­nen­gra­ben­tie­fe Klüf­te zwi­schen den Kul­tu­ren. In sei­ner Weis­heit und Güte hat Gott des­halb die ver­schie­de­nen Welt­ge­gen­den wer­den las­sen und die Mög­lich­keit, Gren­zen zwi­schen ihnen zu zie­hen (es besteht eine gewis­se Rezi­pro­zi­tät zwi­schen bei­dem, ich weiß). Kein deut­scher Sol­dat hat etwas in Afgha­ni­stan ver­lo­ren. Und kaum ein Afgha­ne etwas in Deutschland.

Und die­ser Wiki­pe­dia-Ein­trag wird schnel­ler ros­ten als das zurück­ge­las­se­ne Gerät der Bundeswehr.

***

Blei­ben wir beim Posi­ti­ven. Afgha­ni­stans CO2-Bilanz wird noch bes­ser, wenn die Tali­ban jene wirt­schaft­li­chen und auch lebens­art­li­chen Ver­hält­nis­se her­ge­stellt haben, von denen grü­ne Akti­vis­ten hier­zu­lan­de phan­ta­sie­ren: so gut wie kei­ne Indus­trie, kaum moto­ri­sier­ter Ver­kehr, nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft, kei­ne Boden­ver­sie­ge­lung, wenig Wohn­ei­gen­tum, ein gerin­ger Ener­gie­be­darf, Leben im Ein­klang mit der Natur.

Ein paar Übel muss man dafür in den Kauf nehmen.

Das tun Afgha­nen seit den Tagen des freund­li­chen Gesichts der Kanz­le­rin bekannt­lich auch recht häu­fig in Deutsch­land, und ver­schwie­mel­te Ras­sis­ten fra­gen, war­um das eigent­lich so ist. Dabei ist die Ant­wort simpel:

Und Män­ner las­sen sich in Deutsch­land nicht so leicht inte­grie­ren (außer viel­leicht, spe­zi­ell wenn sie weiß genug sind, ins Berufsleben).

Pfui wie abar­tig; man mag kaum glau­ben, dass die Täter kei­ne Deut­schen waren. Aber viel­leicht wer­den sie’s ja noch!

***

Man muss einen Bernd Zel­ler auf sich wir­ken las­sen wie einen guten Wein.

***

For­schern habe ich oft geglaubt, For­schen­den nie.

Der gut geöl­te Aus­tausch der bei­den Begrif­fe bezeugt den Wech­sel vom auf eige­ne Faust han­deln­den Indi­vi­du­um zu einer Her­de, die jene ein­ge­heg­ten Area­le abwei­det, auf die man sie mit Dritt­mit­teln und Ziel­vor­ga­ben treibt.

 

Total
12
Shares
Vorheriger Beitrag

Der Begriff "Lump" ...

Nächster Beitrag

Bananenrepublik Deutschland

Ebenfalls lesenswert

Lektüreempfehlung

Es gibt Bücher, in denen man sich gern auf­hält, wo man stau­nend her­um­geht, alle Zim­mer durch­stö­bert und kei­nen…

Wiederholte Durchsage …

… des Volks­kom­mis­sa­ri­ats für Jux und Gegen­pro­pa­gan­da: Die hilf­reichs­te Ascher­mitt­wochs­re­de, sofern Stein­mei­er kei­ne gehal­ten hat, fin­den Sie hier.

26. April 2021

„Wenn du mit einem ein­zi­gen dei­ner Haa­re das Welt­all ret­ten könn­test, gib es nicht her.” Pitigrilli *** Ich geste­he,…

3. Jaguar 2020

Kon­ven­tio­nell, wie ich nun mal bin, wün­sche ich allen Besu­chern des klei­nen Eck­la­dens für 2020 ein biss­chen Frie­den,…